Antigravity A1 im Test: 360-Grad-Drohne mit anderem Blick aufs Fliegen

Drohnen sind für mich immer dann spannend, wenn sie nicht nur bessere Datenblätter liefern, sondern wirklich etwas am Umgang mit dem Gerät ändern.

Mehr Auflösung, längere Flugzeit und ein weiterer Automatikmodus sind nett. Aber am Ende bleibt man oft bei derselben Grundfrage. Wohin fliege ich, wohin zeigt die Kamera und habe ich den richtigen Bildausschnitt erwischt? Genau diese Frage kennt ihr, wenn ihr schon einmal mit einer Drohne unterwegs wart und später gemerkt habt, dass der Flug gut war, der Ausschnitt aber nicht.

Genau da setzt die Antigravity A1 an. Die Drohne kommt aus dem Insta360-Umfeld und bringt eine 360-Grad-Kamera direkt in den Rumpf. Ausprobiert habe ich sie vor allem mit der Frage im Kopf, ob dieses “erst fliegen, später framen” im Alltag wirklich hilft oder nur nach gutem Marketing klingt. Doch fangen wir am Anfang an.

Im Paket stecken Drohne, Vision-Brille, Grip-Controller, Akku, Propeller und das übliche Lade- und Kleinteile-Zubehör. Die A1 ist eine Drohne unterhalb der 250-Gramm-Grenze mit integrierter 8K-360-Grad-Kamera. Zwei 1/1,28-Zoll-Sensoren sitzen oben und unten am Gehäuse und nehmen gemeinsam eine komplette Kugelansicht auf. Die Drohne selbst verschwindet später aus dem Bild, unter anderem durch das einziehbare Landegestell.

Dazu kommt ein Bedienkonzept, das eher nach Spielkonsole als nach Modellflug aussieht. Geflogen wird mit den Vision Goggles und dem Grip-Controller. Die Brille zeigt das Live-Bild, der Controller wird einhändig bewegt.

Man zeigt grob in die Richtung, in die man will, zieht den Abzug und die A1 setzt das um. Blickrichtung und Flugrichtung sind dabei nicht starr gekoppelt. Ist am Anfang ungewohnt, aber genau der Punkt, der die A1 von einer klassischen Kameradrohne unterscheidet. Das Gewicht von 249 Gramm ist wichtig, weil die A1 damit in der EU in der angenehmeren Klasse unterwegs ist. Das macht sie nicht regelfrei, aber deutlich alltagstauglicher als schwerere FPV-Modelle.

Die Flugzeit gibt Antigravity mit bis zu 24 Minuten mit dem Standardakku und bis zu 39 Minuten mit dem größeren Akku an. Wie immer bei Drohnen sind das Idealwerte. Ich würde sie nicht als feste Zusage für euren eigenen Flugtag lesen. Wind, Temperatur, Flugstil und aktive Aufnahme drücken die Werte im Alltag nach unten.

Falls ihr mehrere Flüge an einem Tag plant, solltet ihr zusätzliche Akkus und den Ladehub direkt einplanen. Ein einzelner Akku ist bei so einem Gerät schnell durch, gerade wenn man nach den ersten Clips noch einmal denselben Flug sauberer wiederholen will. Genau das passiert bei 360-Grad-Material schnell. Man sieht später, was möglich gewesen wäre, und will die Route noch einmal sauberer fliegen. Ich bin im Februar schon mit der Drohne geflogen (bei knapp 4 Grad), da war der Akku schnell durch. Zwischendurch hatte ich meine Zweifel, ob die Drohne heil ihren Weg heimwärts schafft, weil sie schon aufgeregt piepte.

Die Einrichtung selbst ist unkompliziert. App laden, Drohne, Brille und Controller koppeln, Firmware prüfen, loslegen. Sinnvoll ist das virtuelle Training innerhalb der App, weil FreeMotion und klassisches FPV-Gefühl im Kopf erst zusammenfinden müssen. Ich würde es auch nicht überspringen. Die A1 ist zugänglich, aber nicht komplett selbsterklärend. Meiner Meinung nach ist das Training hier kein nettes Extra, sondern der kurze Weg zu weniger Stress beim ersten echten Flug.

Fliegen mit der A1

Der erste Flug fühlt sich tatsächlich anders an als bei einer klassischen Drohne. Man setzt die Brille auf und ist sofort stärker im Flug drin. Nicht nur, weil man ein FPV-Bild vor den Augen hat, sondern weil man sich weniger mit der Frage beschäftigt, ob die Kamera gerade perfekt ausgerichtet ist. Die Drohne nimmt ohnehin alles auf. Das hat mich im Test schneller entspannt, als ich erwartet hätte. Dennoch war das alles am Anfang ziemlich ungewohnt.

Der Grip-Controller liegt gut in der Hand. Abzug ziehen, Richtung anzeigen, steigen, sinken, drehen. Nach wenigen Minuten ist klar, was passiert. Das heißt nicht, dass ihr sofort filmreife Flugrouten baut, aber die Hürde ist niedriger als bei einem klassischen FPV-Setup.

Gerade für Leute, die Drohnen spannend finden, aber vor zwei Sticks, Gimbal-Winkel und Flugmodi zurückschrecken, ist das der größte Pluspunkt. Mir hat gefallen, dass ich mich im Flug stärker auf Strecke und Umgebung konzentrieren konnte. Der Gedanke “habe ich den Ausschnitt?” verschiebt sich nach hinten.

Aber die Brille nimmt euch natürlich die direkte Sicht auf die Umgebung. Praktisch und rechtlich bedeutet das, dass ihr einen Beobachter einplanen müsst. Für mich ist das der größte Alltagsdämpfer an der ganzen Idee. Das ist der Punkt, der die schöne Einfachheit direkt wieder etwas erdet. Die A1 wirkt durch ihr Bedienkonzept sehr einsteigerfreundlich, bleibt aber ein Fluggerät. Wer einfach alleine irgendwo losfliegen will, sollte sich vorher sehr genau mit den Regeln und dem eigenen Setup beschäftigen.

Bildqualität und Workflow

Die Kamera nimmt 360-Grad-Material in 8K mit 30 Bildern pro Sekunde auf, alternativ 5,2K mit 60 fps oder 4K mit 100 fps. 8K klingt nach viel, ist bei 360 Grad aber eher die Grundlage. Nach dem Reframing bleibt eben nur ein Ausschnitt übrig. Wer später einen sauberen 4K-Clip haben will, braucht vorneweg diese hohe Auflösung.

Die Bildqualität ist für 360-Grad-Material gut, aber man sollte sie richtig einordnen. Die A1 ersetzt keine klassische Kameradrohne, wenn es um maximale Detailtiefe, Low-Light-Reserven oder den saubersten Einzelbild-Look geht. Bei gutem Licht bekommt man sehr brauchbares Material. Bei Dämmerung oder harten Kontrasten sieht man aber, dass kleine Sensoren und 360-Grad-Workflow Grenzen haben.

Das ist kein Totalausfall, aber man sollte die A1 nicht kaufen, wenn man vor allem nachts oder in schwierigen Lichtsituationen filmen will. Ich würde sie klar als Tageslicht- und Action-Kamera-Drohne einordnen.

Der eigentliche Reiz liegt in der Nachbearbeitung. Mit der Antigravity-App oder dem Studio am Rechner wird der Bildausschnitt später gesetzt. Kameraschwenks, Zooms, Verfolgungen, Tiny-Planet-Looks und Perspektivwechsel entstehen nach dem Flug. Deep Track hilft dabei, ein Motiv im Bild zu halten. Das funktioniert gut, kostet aber Zeit.

360-Grad-Drohnen sind nicht nur “aufnehmen und fertig”. Man muss Lust auf den zweiten Schritt haben. Wer seine Clips sonst direkt aus der Drohne zieht und schnell teilt, wird hier eher arbeiten müssen. Mir macht dieser Teil Spaß, aber er gehört ehrlich in die Kaufentscheidung. Falls ihr Nachbearbeitung eher als Pflichtübung seht, wird euch die A1 schneller nerven. Die Apps nehmen euch aber auch etwas ab. Die AI-Edit-Modi machen automatisch per Templates brauchbare Videos aus euren Aufnahmen und versuchen die wichtigsten Highlights einzubauen. Das funktioniert meist, aber nicht immer.

Beim Flugverhalten merkt man schnell, dass die A1 keine Drohne für harte FPV-Manöver ist. Sie fliegt kontrolliert, zugänglich und eher filmisch als aggressiv. Das passt zum Konzept. Durch das geringe Gewicht wirkt sie handlich und bleibt regulatorisch interessant. Bei Wind merkt man aber auch schneller, dass hier keine schwere FPV-Kiste in der Luft liegt.

Die Stabilisierung fängt viel ab, Wunder vollbringt sie aber nicht. Ich würde die A1 deshalb eher für saubere Bewegungen nehmen als für hektisches Durchballern. Und genau da hat sie für mich auch ihren besten Sweet Spot.

Spannend ist, dass Antigravity die A1 per Firmware weiter ausgebaut hat. Neben den vorhandenen Sicherheitsfunktionen wie Payload Detection kamen mit dem April-Update unter anderem eine omnidirektionale Hinderniserkennung und ein Bypass-Modus dazu. Statt nur zu stoppen, kann die Drohne Hindernisse also auch umfliegen.

Dazu kommen Sky Path für geplante Routen, Timelapse-Funktionen auf Routen, Sprachsteuerung für bestimmte Modi und Spielereien wie ein virtuelles Cockpit. Nicht alles davon braucht jeder, aber es zeigt, dass die Plattform nach dem Start nicht stehen geblieben ist.

Vergleich zur DJI Avata 360

Benny hatte sich im Blog bereits die DJI Avata 360 angeschaut. Der Vergleich ist naheliegend, aber nicht ganz eins zu eins. Ihr solltet beide Geräte nicht nur über die 360-Grad-Kamera vergleichen, sondern über den Flugcharakter.

Die DJI ist mit knapp 600 Gramm deutlich schwerer, wirkt dadurch stabiler im Wind, verliert laut Bennys Test aber auch spürbar an Wendigkeit. Scharfe Richtungswechsel, abrupte Stopps und enge FPV-Manöver brauchen mehr Voraussicht.

Genau diese Schwäche hat die A1 in der Form weniger, weil sie unter 250 Gramm bleibt und stärker auf einfachen, geführten Flug ausgelegt ist. Dafür ist sie bei Wind nicht so stabil wie die schwerere DJI.

Technisch fährt DJI beim Kamerasystem teilweise auch härter auf. 1-Zoll-8K-360-Grad-Imaging, wechselbares Kameramodul, 120-Megapixel-Fotos und ein deutlich günstigerer Einstiegspreis.

Benny nannte aber auch Punkte, die man einkalkulieren muss. Sichtbares Rauschen bei schwachem Licht, viel Datenmaterial, Nachbearbeitungspflicht, lautes FPV-Surren, warme Elektronik und in seinem Test keine automatische Bremsung bei frontalem Hindernisflug. Bei der A1 bleiben Low-Light, große Datenmengen und der 360-Grad-Schnittaufwand ebenfalls Thema.

Die Punkte Gewicht, Agilität und Hindernisvermeidung wirken bei Antigravity aber anders. Leichter, einsteigerfreundlicher und seit dem Update mit breiterer Sensorik. Die DJI ist also mehr eine robuste FPV-Drohne mit 360-Kamera, die A1 eher wie eine 360-Content-Drohne mit FPV-Bedienung.

Das Fazit

Die Antigravity A1 ist keine Drohne für jeden. Wer möglichst günstig fliegen will, schaut woanders. Wer maximale Kameraqualität ohne 360-Grad-Umweg sucht, ebenfalls. Und wer klassisches, aggressives FPV-Fliegen lernen will, bekommt mit einer Avata- oder Selbstbau-Lösung wahrscheinlich das passendere Werkzeug.

Die Stärke der A1 liegt woanders. Sie nimmt viel Kamera-Stress aus dem Flug, macht FPV zugänglicher und erlaubt Perspektiven, die man mit einer normalen Drohne nur mit deutlich mehr Planung hinbekommt. Dafür bezahlt man mit hohem Einstiegspreis, Nachbearbeitungsaufwand, schwächerer Low-Light-Performance und der praktischen Einschränkung durch die Brille beziehungsweise den nötigen Beobachter.

Für mich ist die A1 deshalb weniger die “beste Drohne”, sondern eine sehr spezielle Drohne mit einem klaren Zweck. Erst fliegen, später entscheiden, was der Clip eigentlich zeigen soll. Wenn genau das in den eigenen Workflow passt, ist sie richtig spannend. Wenn man einfach nur schöne Luftaufnahmen ohne viel Nacharbeit will, bleibt eine klassische Kameradrohne die vernünftigere Wahl.

P.S.: Antigravity und Insta360 haben kürzlich das neue Projekt ETERNAL zur digitalen Konservierung von Denkmälern vorgestellt.

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Reolink Video Doorbell 2 im Test: KI, lokaler Speicher, kein Abo

Seit Ewigkeiten dümpelt an unserer Haustür eine Video-Türklingel von Arlo herum, die mir mittlerweile zugegebenermaßen gehörig auf den Senkel geht. Warum? Alle paar Tage meldet die App mein Konto wieder ab, wenn es klingelt, wird mir kein Video übertragen und sollte es dann doch mal klappen, dann kann ich zwar Ton hören – die Videoübertragung wird aber von einer Vollbild-Werbung überdeckt. Mit kostspieligem Abo wäre das sicherlich alles kein Problem mehr, aber genau das will ich ja vermeiden.

Reolink hat mir nun aber seine neue Video Doorbell der 2. Generation (off. Marktstart 20. Juli) zukommen lassen, anschließbar über die Niederspannung der alten Haustür oder aber rein per Akku nutzbar. Wird per USB-C geladen und soll dann bis zu 10 Monate durchhalten. Letzteres konnte ich in meinem Test jedoch nicht überprüfen, da ich die Klingel verdrahtet habe. Man sollte wohl aber davon ausgehen, dass es sich auch hierbei wieder um Werte unter „Idealbedingungen“ handeln dürfte. Harte Winter und besonders viele Zugriffe auf den Videofeed von unterwegs aus dürften den Akku dann auch einigermaßen schnell leeren.

Thaddäus hat zur Montage vielleicht auch noch etwas anzumerken…

Sowohl die Montage, aber eben auch der Aufbau der Klingel selbst dürften niemanden mehr überraschen – das Gerät ähnelt den gängigen Modellen und selbst meiner alten Arlo-Klingel einfach enorm. Auf der Rückseite befinden sich neben USB-Ladeanschluss und microSD-Einschub (zum lokalen Sichern von Videoaufnahmen) auch die beiden Pole zum Anschließen der Niederspannung.

Ganz wichtig: Ein Abo muss für die Klingel niemand abschließen, sämtliche Funktionen sind auch hier wieder für alle Nutzer frei verfügbar. Die Sicherung kann wie erwähnt via microSD erfolgen, optional über einen Reolink-Hub im Netzwerk mit eigenem Speicher, auf Umwegen auch auf dem eigenen NAS daheim. Ist aber für mich bei Reolink ein enorm wichtiger Faktor, den ich auch gern heranziehe, wenn ich privat Empfehlungen für entsprechende Geräte ausspreche.

Die Einrichtung erfolgt über die zugehörige App Schritt für Schritt und erfordert keinerlei Vorkenntnisse. Ein Zusatzschritt ist dann lediglich das Einbinden eines optionalen Chimes, also einer zusätzlichen Klingel, die man sich irgendwo im Haus im selben WLAN an die Steckdose klemmt. Ebenfalls ist es möglich – dazu muss man die Doorbell dann aber auch von Anfang an in Kombination mit dem Hub einrichten – den Lautsprecher des Hubs als weitere Türklingel zu verwenden.

Die Klingel reagiert beim Auslösen innerhalb von maximal einer Sekunde am Chime, die App meldet sich nach spätestens 2 bis 3 Sekunden mit einer entsprechenden Meldung und dem Live-Videobild – auch im mobilen Netz. Man kann dann wie gehabt einfach den Anruf annehmen und mit seinem Gegenüber sprechen oder aber ihr spielt eine der zahlreichen vorgefertigten Standardantworten ab. Beispielsweise, dass der Bote das Paket gern an der Haustür abstellen kann, wenn man gerade mal nicht sofort an die Tür kann, etc. Ihr könnt aber auch eine der Nachrichten auswählen (optional eine eigene aufnehmen), die dann automatisch nach einer kurzen Zeitspanne abgespielt wird, falls man mal nicht selbst reagieren kann.

Hinzu kommen Funktionen wie eine Bewegungserkennung oder aber auch die KI-Erkennung von Paketen. Jene Mitteilung erreicht euch dann schon am Handy, noch bevor die Haustür überhaupt klingelt. Das klappte hier bislang erstaunlich gut. Sobald ein Paket auch nur ansatzweise durch das Videobild geführt wird, erkennt dies die KI und meldet entsprechend.

Ich kann nach derzeitigem Stand wirklich nichts anderes an der Klingel aussetzen, als dass diese sich nicht mit Umlauten benamen lässt. Sprich „Haustür“ ist aktuell nicht möglich, das Ding muss „Haustuer“ heißen. Wird sich aber vermutlich noch mit einem der nächsten Updates ändern. Da glänzte Reolink in den vergangenen Jahren absolut mit regelmäßigen Aktualisierungen und Verbesserungen.

Die zweite Generation der Video Doorbell ist also ein absolut empfehlenswertes Upgrade mit kostenloser Speicheroption, starken Features und KI-Erkennung von Tieren, Personen und Paketen – alles optional auswählbar. Im Grunde bekommen Reolink-Nutzer hier dasselbe Erlebnis wie mit den Kameras des Unternehmens, nur eben mit Video-Türklingel-Funktion obendrauf. Die Video Doorbell (2. Gen.) wird zum geplanten Marktstart am 20. Juli bei einer UVP von 139,99 Euro liegen.

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Jabra Evolve3 75 im Test: On-Ear-Headset für den Hybrid-Alltag

Jabra hatte ich hier im Blog schon oft auf den Ohren. Das Evolve 75 war vor Jahren einer meiner angenehmen Büro-Begleiter, beim Evolve2 75 hat Jabra die Reihe deutlich moderner gemacht und das Evolve3 85 hat zuletzt gezeigt, dass ein Business-Headset auch ohne klassischen Mikrofonarm sehr gut funktionieren kann.

Nun ist das Evolve3 75 an der Reihe. Das ist im Grunde die kompaktere On-Ear-Variante für alle, die nicht den ganzen Tag komplett abgeschottet unter einem Over-Ear sitzen möchten. Das ist tatsächlich ein anderer Ansatz als beim 85er. Dort geht es stärker um Ruhe, Abschirmung und lange Arbeitstage am Schreibtisch. Das 75er ist leichter, sitzt auf den Ohren und lässt im Alltag mehr von der Umgebung durch.

Das klingt erst einmal nach Nachteil, kann aber genau richtig sein, wenn ihr zwischen Büro, Homeoffice, Bahn und Café wechselt. Ich habe das Headset in den letzten Wochen genau dafür genutzt: Teams, Musik zwischendurch, ein paar längere Abstimmungen und natürlich die üblichen Situationen, in denen man schnell zwischen Notebook und Smartphone springt.

Lieferumfang, Einrichtung und erster Eindruck

Im Karton liegen das Headset, ein flaches Hard/Softcase (irgendwas zwischendrin), ein USB-C-Kabel und der Bluetooth-Adapter für den Rechner. Je nach Version gibt es das Ganze auch mit Wireless-Charging-Pad. Das Case ist, wie schon beim Evolve3 85, angenehm dünn und passt ohne großes Gefummel neben das Notebook in den Rucksack. Das klingt banal, ist bei Business-Headsets aber nicht selbstverständlich. Ich hatte über die Jahre genug Cases in der Hand, die unterwegs eher wie eine kleine Brotdose wirken.

Optisch bleibt Jabra seiner Linie treu. Das Evolve3 75 sieht nicht aufregend aus, aber es wirkt sauber, modern und nicht mehr wie ein klassisches Telefonie-Headset. Der fehlende Mikrofonarm macht dabei viel aus. Auf dem Kopf wirkt das Gerät eher wie ein unauffälliger On-Ear-Kopfhörer. Mit rund 180 Gramm ist es außerdem spürbar leichter als das große 85er. Das merkt man direkt, sobald man das Headset länger trägt.

Jabra setzt auch hier auf Stoffpolster statt Kunstleder. Das gefällt mir gut, weil es weniger warm wird und sich weniger klebrig anfühlt (vor allem bei 40 Grad), wenn man das Headset länger aufhat. Gerade bei On-Ears ist das wichtig, denn die Polster liegen direkt auf den Ohren (logisch).

Ich bin Brillenträger und bei dem Thema ziemlich empfindlich. Beim Evolve3 75 passt der Anpressdruck für mich gut, auch wenn ich nach mehreren Stunden schon merke, dass ein On-Ear eben ein On-Ear bleibt. Nach fünf bis sechs Stunden will ich das Teil kurz absetzen. Beim 85er habe ich da mehr Reserve.

Die Einrichtung ist Jabra-typisch schnell erledigt. Am Rechner steckt ihr den Dongle ein, am Smartphone koppelt ihr das Headset normal per Bluetooth. Dual Connectivity funktioniert ebenfalls, also parallele Verbindung mit zwei Geräten. In meinem Alltag hing das Headset meistens am Mac und am iPhone. Kommt ein Anruf rein, springt es sauber auf das passende Gerät. So, wie es sein soll und auch schon bei den Vorgängern gut funktioniert hat.

Klang, ANC und Mikrofone im Alltag

Bedient wird das Evolve3 75 über Tasten an den Ohrmuscheln. Lautstärke, Wiedergabe, Stummschaltung, ANC beziehungsweise HearThrough und der Teams-Button sind dabei. Die Tasten sind klein, aber gut zu ertasten. Den Teams-Button würde ich gern frei belegen können. Das ist bei Jabra traditionell nicht vorgesehen und schade, wenn man nicht komplett in der Microsoft-Welt hängt.

Der Klang ist für ein Business-Headset ordentlich. Die 32-mm-Treiber liefern ein warmes, recht ausgewogenes Klangbild, mit genug Bass für Musik nebenbei, Podcasts oder YouTube. Das ist logischerweise kein Kopfhörer für Leute, die abends mit geschlossenen Augen einzelne Instrumente sezieren wollen. Für den Arbeitstag reicht es aber locker. Meiner Meinung nach ist das auch der richtige Maßstab. Ein Headset dieser Art muss Sprache sauber abbilden, Musik nicht nervig klingen lassen und nach einem Call nicht sofort gegen andere Kopfhörer getauscht werden müssen.

Beim ANC muss man die Bauform im Kopf behalten. Ein On-Ear dichtet nie so ab wie ein guter Over-Ear. Tiefe, gleichmäßige Geräusche werden gut reduziert, etwa Lüfter, Bahnbrummen oder das Grundrauschen im Büro. Stimmen, Tastaturen und höhere Geräusche kommen da wie üblich stärker durch. Das ist kein Fehler, sondern ein Kompromiss. Wer maximale Ruhe will, nimmt das Evolve3 85 oder gleich einen starken Over-Ear von Sony, Bose oder Apple. Wer im Homeoffice noch hören möchte, ob die Kinder ins Zimmer kommen, ist mit dem 75er manchmal sogar besser bedient (auch mit ANC).

HearThrough funktioniert ebenfalls ordentlich aber ist eben auf einem durchschnittlich guten Niveau. Auch hier sind die Konkurrenten der großen Marken besser. Ich nutze solche Modi nicht dauerhaft, aber wenn jemand kurz etwas fragt oder man beispielsweise im Café eine Bestellung mitbekommen möchte, ist das praktisch.

Der wichtigste Punkt ist natürlich die Sprachqualität. Jabra setzt auch beim Evolve3 75 auf ClearVoice und mehrere digitale Mikrofone, die Sprache von Umgebung trennen sollen. Nach meinen Calls kann ich sagen, dass das gut funktioniert. In Teams kam meine Stimme klar und präsent rüber. Gesprächspartner hatten keine Probleme, mich zu verstehen, auch nicht mit etwas Hintergrundgeräusch im Raum (und die gibt’s bei Kindern auch im Nebenraum zuhauf). Ganz wegzaubern kann das System die Umgebung natürlich nicht. Wenn direkt neben euch jemand laut spricht, merkt die Gegenseite irgendwann, dass etwas los ist. Für den normalen Arbeitsalltag ist das aber absolut gut brauchbar.

Ich war beim Thema Mikrofonarm ehrlich gesagt skeptisch. Das Evolve2 75 hatte noch den kleinen ausklappbaren Arm, das Evolve3 75 sieht nun deutlich unauffälliger aus. Beim großen 85er ging dieser Wechsel schon gut, und beim 75er sehe ich das ähnlich. Das Headset klingt nicht wie ein Studiomikrofon, aber es klingt für Meetings sauber genug. Und genau darum geht es. Man will in einem Call nicht erklären müssen, warum man gerade dumpf, dünn oder weit weg klingt.

Die Akkulaufzeit ist ebenfalls stark. Jabra nennt bis zu 110 Stunden Nutzung, je nach ANC, Lautstärke und Gesprächsanteil variiert das natürlich. In meinem Test musste ich nicht ständig über den Akku nachdenken. Mehrere Tage durchgängige Meetings mit ANC waren locker drin. Geladen wird per USB-C und wer das Charging-Pad nutzt, legt das Headset nach Feierabend einfach ab. Schön ist außerdem, dass Akku und Polster tauschbar sind. Das sollte in dieser Preisklasse selbstverständlich sein, ist es aber leider nicht.

Das Fazit

Das Jabra Evolve3 75 ist kein kleineres Evolve3 85 für weniger Geld, sondern die sinnvollere Variante für einen anderen Arbeitstag. Es ist leichter, kompakter und offener. Dafür bekommt ihr nicht dieselbe Abschirmung und auch nicht ganz den Langzeitkomfort eines Over-Ears. Für mich ist das der zentrale Punkt bei der Entscheidung. Sitzt ihr acht Stunden am Stück in Meetings und wollt möglichst viel Ruhe, würde ich zum 85er greifen. Pendelt ihr häufiger, arbeitet ihr mal hier und mal dort oder wollt ihr nicht komplett von der Außenwelt abgeschnitten sein, passt das 75er besser.

Der Preis bleibt sportlich. 319 Euro UVP (real bei 250 Euro), beziehungsweise 359 Euro (aktuell 280 Euro) mit Wireless-Charging-Pad, sind kein Schnäppchen. Dafür bekommt ihr aber ein sehr rundes Business-Headset mit guter Sprachqualität, ordentlichem Klang, langer Laufzeit, sauberer App-Anbindung und einem Design, das nicht mehr nach Callcenter aussieht. Es gibt weiterhin Punkte, die ich gern anders hätte, allen voran den nicht frei belegbaren Teams-Button und die bauartbedingte Grenze beim ANC. Unterm Strich hat Jabra hier aber einen guten Nachfolger gebaut.

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„Assassin’s Creed Black Flag Resynced“: Remake schlägt Original

In dieser Woche hat Ubisoft „Assassin’s Creed Black Flag Resynced“ veröffentlicht. Davon erhofft man sich natürlich eine sichere Nummer: Zusammen mit der Ezio-Trilogie gilt der vierte Hauptteil der Reihe als Fan-Favorit. Ich selbst war vom Spiel ehrlicherweise damals eher enttäuscht, habe aber für euch einen frischen Blick in das Remake gewagt. Kann mich das Open-World-Abenteuer von Edward Kenway im neuen Anlauf doch noch für sich gewinnen?

Als Hintergrund: „Assassin’s Creed IV: Black Flag“ ist damals das erste PS4-Spiel gewesen, das ich gekauft habe. Allerdings erschien das Game 2013 parallel auch noch für die alternde PlayStation 3. Es handelte sich damals also um einen typischen Cross-Gen-Titel, welcher die Stärken der neueren Konsole noch nicht wirklich ausnutzen konnte. Ich finde, das hat man dem Spiel technisch angemerkt, weswegen mir damals wohl der erhoffte Next-Gen-Flair fehlte.

Obendrein war „Assassin’s Creed IV: Black Flag“ damals der erste Teil der Reihe, bei dem sich die Ubisoft-Formel für mich merklich abnutzte. Türme erklettern, gefühlt tausende Sammelobjekte auf der Karte abhaken, eine (zu) große Welt – all das verlor langsam an Zauber. Weil ich damals kaum Lust auf die „Beschäftigungstherapie“ im Spiel hatte, fokussierte ich mich auf die Hauptgeschichte, wodurch mir das Game dann subjektiv wesentlich weniger umfangreich als die Vorgänger erschien. Im Ergebnis bin ich kein echter Fan dieses Teils. Gerade das kann einen zweiten Anlauf über „Assassin’s Creed Black Flag Resynced“ jedoch spannend machen.

Mein Test-System:

CPU: AMD Ryzen 7 9800X3D


CPU-Kühler: Noctua NH-D15 G2


Motherboard: MSI Tomahawk Wi-Fi AMD X670E


RAM: 64 GByte G.Skill Trident Z5 Neo RGB DDR5-6000 CL30


Grafikkarte: Nvidia GeForce RTX 5080


SSD: Kingston Fury Renegade 2 TByte WD_Black SN850 1 TByte


Externer Zusatzspeicher: SanDisk Extreme Portable SSD mit 8 TByte


Netzteil: be quiet! Power Zone 2 (1.000 Watt)


Tower: be quiet! Dark Base Pro 901 (White)


Assassin’s Creed Black Flag Resynced - Launch Edition - [PlayStation 5]


Assassin’s Creed Black Flag Resynced – Launch Edition – [PlayStation 5]

  • LEGENDÄRES PIRATEN-ABENTEUER – NEU ERLEBT. Erlebe einen der beliebtesten Teile der Reihe in moderner…
  • NEXT-GEN GRAFIK & SOUND – VOLLE IMMERSION: Dank modernster Technik wie Raytracing und Dolby Atmos…
  • VERBESSERTES GAMEPLAY – MEHR KONTROLLE, MEHR ACTION: Überarbeitetes Kampfsystem, flüssigere…

„Assassin’s Creed Black Flag Resynced“ erweitert das Original

Also zurück in die historische Karibik im Zeitalter der Piraten! Dabei ist „Assassin’s Creed Black Flag Resynced“ zwar im Kern ein Remake, das sich nah ans Original hält, allerdings auch einige sinnvolle Erweiterungen vornimmt. Beispielsweise hat man das recht hölzerne Kampfsystem des Originals modernisiert. Zwar baut es weiterhin vorwiegend auf einer Mischung aus gezieltem Kontern, Button-Mashing und Ausweichen auf, fühlt sich aber schneller und wuchtiger an. Im Grunde liegt es jetzt zwischen den älteren und neueren Serienteilen. Obendrein hat Ubisoft ein paar neue Missionen ergänzt, die euch z. B. neue Mitglieder für die Schiffsbesatzung rekrutieren lassen.

Beim Parkour-System könnt ihr nun frei einstellen, ob das System eher „auf Schienen“ verlaufen soll oder euch auch die Freiheit lässt, freier zu navigieren, dafür aber auch mal in den Tod zu hüpfen. Ich habe letzteres gewählt, da ich das Spielgefühl auf diese Weise besser finde. Auch den Schwierigkeitsgrad könnt ihr anpassen – separat für Kämpfen und Schleichen. Überhaupt gibt es in den Settings alle wichtigen Anpassungsoptionen – nicht nur für Ray-Tracing, Nvidia DLSS fürs Upscaling und Frame-Generation, sondern auch für ein festes Framerate-Limit und mehr.

Ich hatte dabei keine Schwierigkeiten, im Modus DLSS Quality alle Einstellungen auf das Maximum zu drehen und in 4K mit stabilen 60 fps zu zocken. Allerdings wurde meine GeForce RTX 5080 laut dem Benchmark-Tool des Spiels dabei auch zu 99 % ausgelastet – während sich mein AMD Ryzen 7 9800X3D mit 20 % Last eher gelangweilt hat. Im Ergebnis saugt „Assassin’s Creed Black Flag Resynced“ eher an der GPU als an der CPU.

Hinweis dazu: Ich konnte „Assassin’s Creed Black Flag Resynced“ zwar vorab schon mit dem Day-One-Patch spielen, aber noch nicht mit den optimierten Treibern von Nvidia. Deswegen erschien beim Spielstart bei mir auch stets ein Hinweis auf die Inkompatibilität. Daher kann es sein, dass das Game mit einer neuen Treiberversion noch besser läuft.

Alte Schwächen, neue Stärken

„Assassin’s Creed Black Flag Resynced“ erbt dabei die Schwächen des Originals. Weiterhin wird die Karte nach der kurzen Einführung direkt zugeballert mit Schatztruhen, Shantys, Aussichtspunkten und mehr. Dazu kommen im Spielverlauf dann mehr oder minder sinnvolle Nebenaktivitäten wie die Möglichkeit, mit eurem Piratenschiff Konvois zu überfallen, Assassinen-Aufträge oder der Walfang. Letzterer war schon bei der Erstveröffentlichung umstritten und es wundert mich, dass Ubisoft ihn nicht bei der Neuauflage herausgeschnitten hat. Per se finde ich es jedoch gut, die Ecken und Kanten beizubehalten.

Die überarbeitete Technik macht dabei einiges her. Die Karibik strahlt ausreichend Farbe aus und in den sonnendurchfluteten Panoramen mit hervorragender Weitsicht verbringt man gerne seine Zeit. Pop-in ist manchmal ein Thema und die Charaktermodelle wirken doch etwas altbacken, aber grundsätzlich wirkt „Assassin’s Creed Black Flag Resynced“ visuell sehr ansprechend. Ray-Tracing lässt seine Muskeln etwa bei den Reflexionen spielen, sodass etwa die Städte noch lebendiger wirken.

Wie schon angedeutet, gibt es auch neue Missionen und viele Story-Sequenzen hat man dezent überarbeitet und erweitert. Das wertet auch manche Nebenmissionen etwas auf, die von reinem Aufbessern von In-Game-Statistiken zu Missionen mit etwas Hintergrundgeschichte werden. Das hat mir überraschend gut gefallen. Wie ich schon angedeutet habe, bleibt „Assassin’s Creed Black Flag Resynced“  allerdings ein Titel, der mit sehr vielen Sammelorgien vollgestopft ist. Wer sich zu sehr darin verliert, wird sich am Ende vermutlich fragen, ob sich die dröge Sammelei wirklich gelohnt hat. Da verbringe ich meine Freizeit ehrlicherweise doch lieber anders.

Im Übrigen hat Ubisoft die Missionen in der modernen Zeit entfernt. Diese kamen schon beim Release der ursprünglichen Version mehr schlecht als recht bei Fans der Reihe an, sodass ich das nicht wirklich als Verlust betrachte. Damit die Story dennoch in sich stimmig bleibt, hat man eben andere Cutscenes angepasst. Der Multiplayer-Modus des Originals fehlt ebenfalls. Falls ihr im Übrigen bisher nur die Spiele der Reihe ab „Origins“ kennt: In „Assassin’s Creed Black Flag Resynced“ fehlen die RPG-Elemente neuerer Spiele. Es handelt sich hier um ein lineares Action-Adventure.

Mein Fazit

„Assassin’s Creed Black Flag Resynced“ ist ein gutes Spiel, das die Schwächen des Originals (zu viele Sammelorgien und Mini-Spiele) zwar nicht ausmerzt, aber mit moderner Technik und einer feingeschliffeneren Story ein wenig in den Hintergrund schiebt. Beinharte Fans werden die Anpassungen bei den Kämpfen jedoch kontrovers aufnehmen. Jüngere Gamer werden aber zum Beispiel begrüßen, dass die stets kritisierten Tailing-Missionen z. B. nicht mehr automatisch beim kleinsten Fehler fehlschlagen.

Bedenkt aber allgemein, dass „Assassin’s Creed Black Flag Resynced“ weit entfernt von den moderneren RPG-Titeln der Reihe ist. Hier dominiert noch das klassische Action-Adventure-Gameplay vor dem massiven Reboot durch „Origins“. Wie anfangs angedeutet, so empfinde ich wenig Nostalgie für das Original und das Remake macht in meinen Augen vieles besser als damals. Eine gewisse Monotonie kann das Gameplay mit der klassischen Ubisoft-Formel aber aus meiner Sicht nicht ganz abschütteln.

Für Fans des Originals, die eine Art „Director’s Cut“ mit massiv verbesserter Technik wünschen, ist „Assassin’s Creed Black Flag Resynced“ genau das Richtige. Neulinge, die für den Titel 2013 noch zu jung gewesen oder erst später auf die Reihe aufmerksam geworden sind, dürfen ebenfalls hereinschauen und erhalten ein stilvoll überarbeitetes Spiel. Ich selbst bin zwar weiterhin kein riesiger Fan dieses Serienteils, finde aber dank des Remakes mehr Zugang zur Piratenflagge als noch 2013 – ahoi!

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Nothing Ear (3a): Farbenfrohe TWS-Kopfhörer vorgestellt, so klingen sie

Nothing hat neue, farbenfrohe In-Ear-Kopfhörer der a-Reihe präsentiert: die Nothing Ear (3a). Die TWS-Kopfhörer beerben die Nothing Ear (a) aus 2024. Wie andere Produkte der a-Reihe bei Nothing lockt man vor allem über einen günstigen Preis.

Die Ear (3a) setzen jetzt auf einen größeren, 12 mm Treiber mit PMI-Diaphragma. Zum Vergleich: Bei den Ear (a) lag man da noch bei 11 mm. Das soll für mehr Bass sorgen. Die TWS-Kopfhörer unterstützen Hi-Res-Audio (24 Bit/96 kHz) und setzen hierbei auf den LDAC-Codec und Bluetooth 6.0.

Die aktive Geräuschunterdrückung soll Störgeräusche mit bis zu 45 dB ausblenden. Auch einen Transparenz-Modus bringen die Kopfhörer mit, das sollte inzwischen bei dieser Produktkategorie ja auch Standard sein. Die Steuerung erfolgt über Quetschgesten am Stiel der Ohrhörer, Einstellungen lassen sich wie gewohnt über die Nothing-X-App vornehmen.

Ansonsten? Die Earbuds sind mit 55 mAh großen Akkus ausgestattet, die für bis zu zehn Stunden Hörvergnügen sorgen sollen. Inklusive Ladecase (500 mAh) sollen damit Nutzungszeiten von 42 Stunden drin sein, ohne nachladen zu müssen. Aufgeladen wird mittels USB?C. Knapp 70 Minuten benötigt eine vollständige Ladung, in zehn Minuten hat man aber auch flott wieder für ein gesamtes Hörvolumen von zehn Stunden (ohne ANC) nachgeladen.

Eine LED-Statusanzeige im Glyph-Bar-Design informiert über Akkustand oder auch den Kopplungszustand anhand unterschiedlicher Lichtmuster – passend zur DNA von Nothing. Zertifiziert sind die Kopfhörer nach IP54. Mit von der Partie ist die Dual-Connection-Funktion, um zwei Geräte gleichzeitig zu verbinden.

Neu ist die Funktion „Audio Snapshot“. Mit einer Geste können die (3a) direkt Audioaufzeichnungen von dem, was man hört, tätigen. Darunter etwa Musikstücke, Podcasts oder Vorträge. Es werden auf Wunsch bereits bis zu dreißig Sekunden vor der Aufnahme mit abgespeichert, ohne dass man extra zurückspulen muss.

Hierfür verfügen die Ohrhörer über einen 32 MB großen, integrierten Speicher. Die Länge der Audio-Snapshots kann man in der App anpassen, bis zu zwei Stunden lassen sich insgesamt in hoher Qualität aufnehmen.

Ein Snippet ist aufgrund von Copyright auf 60 Sekunden begrenzt. Auch Anrufe lassen sich so aufzeichnen, diese Aufnahmen können bis zu zwei Stunden gehen. Andere Gesprächsteilnehmer werden automatisch per Ansage über die Aufnahme informiert. Fürs cloudbasierte Transkribieren mit KI in Pro-Qualität sind bis zu zwei Stunden Audiomaterial pro Monat möglich.

Hiermit sollen sich dann Zusammenfassungen erstellen lassen oder auch Sprecher unterscheiden lassen. Pro-Transkriptionen sind drei Monate gratis mit dabei, Nothing evaluiert in den kommenden Monaten die Einführung eines Abo-Modells. Entsprechend ist zu Preisen oder einem Funktionsumfang da noch nichts zu bekannt.

Der Preis für die Nothing Ear (3a) beläuft sich auf 99 Euro. Verfügbar sind die Farben Schwarz, Weiß, Gelb sowie Pink. Bei Nothing ab sofort vorbestellbar. Bei anderen Shops sollten die Kopfhörer ab morgen verfügbar sein.

Ein erster Kurzeindruck

Die Nothing Ear (3a) sind, wie wir das von Nothing kennen, hochwertig verarbeitet und trotz ikonischem Transparenz-Design sieht man keine Klebestellen. Zum Einsatz kommt, ein jetzt stärker abgerundetes Gehäuse aus Kunststoff.

Damit sollte man schon etwas sorgsam umgehen, wenn man da nicht den einen oder anderen Kratzer haben möchte. An das Aluminium-Chassis der Ear (3) kommt das freilich nicht ran. Die Glyph-Bar ähnliche Anzeige passt genau zu Nothing und den Smartphones und ist eine willkommene Neuerung – nicht nur optisch.

Ich mag die TWS-Kopfhörer von Nothing vor allem für den Sitz und Tragekomfort und das ist auch bei den Ear (3a) der Fall. Ich habe aber das Gefühl, dass beim Tragen der Druckausgleich nicht immer so klappt, vor allem bei Verwendung des ANC.

Vom Klang hat man die Nothing Ear tatsächlich zugelegt, wer die Vorgänger hat, muss aber jetzt nicht unbedingt upgraden. So wirkt der Bass, etwa im Intro von Taylor Swifts Opalite durchaus prägnanter und „punchiger“.

Ohne Direktvergleich würde man Unterschiede zu höherwertigen Nothing-Ear-Modellen wohl nur kaum merken. Diese können im Vergleich nach wie vor durch differenziertere und präzisere Höhen sowie etwas größeres Klangvolumen punkten. An eigene Hörvorlieben kann man mit dem Equalizer in der Nothing-X-App anpassen, der jetzt auf dem Level der Ear (3) ist. Die Bedienung am Stiel funktioniert wie gewohnt und zuverlässig.

Die Geräuschunterdrückung ist in Ordnung, aber da gibt muss man sich diversen Konkurrenzprodukten geschlagen geben. Im Transparenz-Modus ohne Musik haben die Kopfhörer ein wahrnehmbares Rauschen.

Die Audio-Schnappschussfunktion könnte im Alltag durchaus für viele nützlich sein. Für mehr Potenzial der Alltagsintegration hätte ich sie mir eher im Zusammenspiel mit dem Essential Space sowie einer SuperMic-Funktion gewünscht, wie sie bei den Ear (3) verbaut ist. Nothing-typisch: Nette Idee, Funktionalität für vollständigen Nutzen aber weiter ausbaubar.

Muss man letztlich sehen, denn die Nothing Ear (3) gibt es im Angebot oftmals für ein paar Euro mehr, die sind (auch materialtechnisch, mit drahtlosem Laden etc.) immer noch eine Ecke darüber angesiedelt. Wer nun nicht unbedingt Wert auf die Farbgebung der (a)-Reihe legt, ist da bei entsprechendem Preis sicherlich besser aufgehoben.

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