Wie viele andere Gründer:innen hatte ich den Traum, ein eigenes Buch zu veröffentlichen. Umso größer war meine Freude, als ein Verlag über meine Inhalte als Feedbackdoktor auf LinkedIn auf mich zukam. Mein Exposé für ein Feedbackbuch wurde angenommen und kurz darauf bekam ich das Vertragsangebot.
Meine Augen leuchteten – bis ich den Vertrag genauer las. Zwei Punkte fühlten sich nicht richtig an. Gespräche mit einem Anwalt und einem erfahrenen Autor bestätigten dieses Gefühl.
Also traf ich eine Entscheidung, die mir wehtat: Ich lehnte das Angebot ab.
Nach einer unruhigen Nacht stand meine Entscheidung fest: Ich würde das Buch auch ohne diesen Verlag herausbringen.
Und damit stellte sich eine neue Frage: Verlag oder Selfpublishing?
Ich entschied mich bewusst gegen den nächsten Verlagsversuch und für das Selfpublishing. Nicht nur wegen der besseren Konditionen (25 bis 30 % statt 8 bis 12 % Tantieme für die Printversion), sondern vor allem wegen der Kontrolle über Inhalte, Prozesse und Tempo.
Mein Ziel war klar: Ich wollte dieses Buch wie ein gebootstrapptes Startup aufbauen.
Also so viel wie möglich selbst machen, regelmäßig Feedback aus der Community holen, schnell umsetzen und ohne fremdes Kapital arbeiten.
Drei Dinge, die ich dabei gelernt habe.
1. Auffallen ist nicht dasselbe wie funktionieren.
Ich wollte ein Cover, das beim Scrollen auf einer Online-Plattform auffällt – und bekam vernichtend schlechtes Feedback zu Entwürfen, die mit Filmgenres spielten. Ob Horror, Western, Fantasy oder Science Fiction: In meiner LinkedIn-Testgruppe fielen alle Designs durch.
Die besten Bewertungen bekamen ausgerechnet die Entwürfe, die am klassischsten waren. Also entschied ich mich für ein klassisches Cover: ein Mintton aus meinem Corporate Design und ein Schriftzug, der auch als Thumbnail funktioniert.
2. Ein Produkt ist erst fertig, wenn die Balance stimmt.
Ich hatte ein Inhaltsverzeichnis, zu dem ich gutes Feedback bekam – und eine Buchversion, die genau dazu passte.
Und trotzdem stimmte etwas nicht: die Balance. Zwei Kapitel waren deutlich länger als die anderen. In anderen war die Theorie etwas kurz oder die konkreten Leitfragen fehlten.
Also schmiss ich den fertigen Testdruck weg und strukturierte das Buch neu – so lange, bis es sich ausgewogen anfühlte. Dann bestellte ich einen neuen Testdruck.
3. KI ist ein Beschleuniger – und manchmal der schlechteste Mitarbeiter im Team.
Für mein Buch war KI an vielen Stellen eine echte Beschleunigung. Alle Cover-Entwürfe entstanden schnell und auf einem guten Niveau. Auch bei der Landing Page half mir die KI, die Struktur zu entwickeln und Mockups zu erstellen, die ich direkt an meinen ITler weitergeben konnte.
Bei strategischen Fragen zur Vorbestellungsphase lieferte sie mir jedoch Antworten, die sich plausibel anhörten, aber schlicht falsch waren. Ich plante mit vergünstigten E-Books und Unternehmenspaketen – bis ich merkte, dass ersteres wegen einer Preisschwelle bei den Tantiemen keinen Sinn machte und letzteres auf der Plattform bei Vorbestellungen so gar nicht möglich ist.
Und bei einer Aufgabe trieb sie mich zur Weißglut: den Icons für meine Produktseite. Ich wollte bestehende Entwürfe sauber nachbauen lassen – und bekam stattdessen 30 Minuten lang Ausreden und Ergebnisse, die auf dem Niveau eines Kindergartenkindes waren.
In einem echten Team hätte ich diesen Mitarbeiter vermutlich entlassen. Bei der KI öffnete ich einen neuen Chat – und bekam zehn Minuten später genau die Ergebnisse, die ich brauchte.
Mein Launch: 100 Bücher pro Monat – ohne Werbebudget
Am 21.04.26 erscheint mein Buch „Feedback sicher geben und nehmen“ – passend zum Bootstrapping-Ansatz ohne großes Werbebudget.
Mein Ziel ist es, bis zum Jahresende jeden Monat mindestens 100 Bücher zu verkaufen.
Der Fokus liegt dabei auf zwei Hebeln: Unternehmenspakete und Inhalte.
Auf LinkedIn werde ich den Launch gemeinsam mit den Gastautor:innen aus dem Buch spielen. Ergänzend starte ich für drei Monate ein TikTok-Experiment – beginnend bei null Follower:innen.
Offline nutze ich klassische Wege wie Lesungen, Workshops und Aushänge bei Kooperationspartnern mit Laufkundschaft.
Langfristig ist das Buch für mich kein Endprodukt, sondern die inhaltliche Basis für den nächsten Schritt: eine KI-gestützte Feedback-App, mit der man Feedbackgespräche im Alltag strukturiert vor- und nachbereiten kann.
Ob ich das Buch wieder als Bootstrapping-Projekt aufziehen würde? Unbedingt. Ob sich der ganze Aufwand auch gelohnt hat? Frag mich in drei Monaten nochmal. Dann können wir über die ersten Zahlen reden.
Tipp: So bauen Gründer:innen mit einem eigenen Buch Sichtbarkeit auf
Über den Autor
Dr. Marvin Behrendt ist Coach, Speaker, Autor und Beirat. Als Feedbackdoktor begleitet er Fach- und Führungskräfte dabei, ihre Kommunikation zu reflektieren sowie Beziehungen und Prozesse bewusst zu gestalten. Er lebt mit seiner Patchworkfamilie am Niederrhein und im Ruhrgebiet.
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Foto (oben): Shutterstock