Vor 2 Jahren habe ich ein Video darüber gemacht, dass das Support-Ende von Windows 10 für Microsoft langfristig erhebliche Probleme bedeuten könnte. Unternehmen waren besorgt: Noch im Vorjahr waren etwa 40% der genutzten Business-PCs nicht upgradefähig auf Windows 11. Umweltschützer schlugen ebenfalls Alarm: Geschätzt rund 300 Millionen PCs drohe der Schrottplatz. Und vor einer Woche hat auch HP diese Sorgen in einer Aussendung an Investoren bestätigt: 30% deren Kunden setzen immer noch auf Microsofts abgelaufenes Produkt.

Es war natürlich nicht schwer abzusehen, dass die Kombination aus aggressivem Marketing an Windows 7-Kunden, der verwirrende „Windows as a Service„-Aspekt rund um das „letzte Windows“ sowie natürlich die extrem hohen Systemanforderungen des Nachfolgers Windows 11 dafür sorgen würden, dass viele Nutzer ihren PC ersetzen müssten, bevor sie dies ursprünglich geplant hatten. Hinzu kommt, dass Windows 11 aufgrund seines Account-Zwangs, der vielen Werbung und den KI-Funktionen extrem unbeliebt ist bei Nutzern. Verschlimmert haben die Situation zudem die aktuell exorbitanten Preise für Arbeitsspeicher, die neue Hardware für viele Kunden unerschwinglich gemacht hat.

Nun hat Microsoft reagiert und den Support für Windows 10 im ein weiteres Jahr verlängert. Die Ankündigung erfolgt still und heimlich über den Support-Eintrag zum Windows 10 ESU-Programm, wo lediglich die Zeile mit dem Datum angepasst wurde. Nun geht es für Windows 10-Kunden offiziell weiter bis zum 12. Oktober 2017. So lange bekommt das Betriebssystem also mindestens noch die wichtigen Sicherheitsupdates.

Diese Entscheidung ist in Wahrheit größer als sie klingt. Neben den großen Ankündigungen von RTX Spark und Windows K2 ist es womöglich Microsofts wichtigste Neuerung des Jahres. Man stellt damit nämlich sicher, dass viele Millionen von Kunden, die oftmals noch auf Windows 10 angewiesen sind, für den Wechsel auf ein anderes Betriebssystem oder einen neuen PC etwas mehr Zeit bekommen.

Angetrieben wird diese Maßnahme nicht nur durch Microsofts gefühlte Verpflichtung, Millionen Kunden nicht mit einem veralteten Betriebssystem zurückzulassen. Es sind noch viele Millionen Geräte mit Windows 10 aktiv und selbst nach dem lange angekündigten Support-Ende würde der Ärger über unsichere Systeme sehr schnell auf das gesamte Image von Windows zurückfallen.

Gleichzeitig braucht Microsoft das zusätzliche Jahr, um das Vertrauen seiner Kunden zurückzugewinnen. Der Konzern hat erst dieses Jahr eine Kursumkehr angekündigt, nachdem man mit Windows 11 zahlreiche Entscheidungen entgegen dem ausdrücklichen Wunsch seiner Nutzer umsetzte. Dazu gehören insbesondere unbeliebte Copilot-Integrationen, KI-Funktionen wie Recall, aber auch entfernte Features aus den Vorgängern. Microsoft gelobte Besserung und zwar in Form der Windows K2-Qualitätsoffensive. Es wird allerdings Zeit brauchen, um dieses Vertrauen aufzubauen und mit der ESU-Verlängerung schenkt Microsoft sich diese Zeit quasi selbst.