
Withings ist bei smarten Waagen inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem man eigentlich nicht mehr nur von einer Waage sprechen kann. Gewicht anzeigen, Körperfett schätzen, WLAN-Sync und fertig, das ist hier nur noch die Basis. Die BodyScan 2 will das tägliche Wiegen in einen kleinen Gesundheits-Check verwandeln und packt dafür mehr Sensorik in ein Badezimmergerät, als viele erwarten würden.
Ich nutze Withings-Waagen seit Jahren und habe auch die erste Body Scan ausprobiert. Damals war schon klar, dass der ausziehbare Griff kein Nice-to-have ist, sondern der eigentliche Unterschied zu den einfacheren Modellen. Mit der BodyScan 2 geht Withings nun noch weiter. 60 Biomarker, 6-Zonen-Körperanalyse, 6-Kanal-EKG, Blutsauerstoff, Gefäßalter, Bluthochdruck-Hinweise, Herzalter und demnächst Glukose-Resilienz. Man ist also weiter
Lieferumfang und Verarbeitung
Kauft ihr euch das Gerät, dann landet Withings-typisch ein flacher, sauber verpackter Karton bei euch. Darin befinden sich die Waage, das Ladekabel und etwas Papier.

Die Waage selbst ist deutlich massiver als die normalen Modelle. 325 x 357 x 18,5 Millimeter, 3,4 Kilogramm Gewicht, eine große Glasfläche und ein verstärkter Aluminiumrahmen. Das Teil wirkt hochwertig und steht richtig gut auf dem Boden. Ich würde vorher überlegen, wo es dauerhaft stehen soll. Das ist keine Waage, die man jeden Morgen aus der Ecke zieht und danach wieder versteckt. Geht aber auch.
Der Griff ist weiterhin der auffälligste Teil. Er sitzt in flachen Mulde magnetisch, lässt sich herausziehen und bringt bei der BodyScan 2 ein eigenes Farbdisplay mit. Das ist 3,5 Zoll groß und hat eine Auflösung von 640 x 172 Pixel. Das klingt auf dem Papier nicht nach viel, ist für Messwerte und kurze Hinweise aber absolut ausreichend und scharf genug. Die Idee das Display in den Griff zu verlagern ist gut, weil man dann immer die beste Sicht auf die Werte hat.

Der Griff besitzt jetzt größere Elektroden für Hände und Daumen, dazu kommen die Elektroden in der Glasfläche. So entsteht ein Messkreis über Füße, Beine, Rumpf, Arme und Hände. Dazu kommen neue Sensoren für die Daumen, links ist noch ein optischer Sensor für SPO2 und Co. verbaut.
Eingerichtet ist das Gerät schnell. App öffnen, Gerät hinzufügen, WLAN einrichten, Firmwareupdate abwarten und den Anweisungen folgen. Das kennt man von Withings. Die Waage synchronisiert danach automatisch per WLAN oder Bluetooth in euren und andere Accounts. Acht Nutzer werden unterstützt, die automatische Erkennung klappt wie üblich über Gewicht und Profil. Man kann am Griff bei Druck auf die Daumensensoren auch die anderen Personenprofile manuell auswählen, sollten zwei Kinder beispielsweise nah mit dem Gewicht beisammen sein.

Wer mit Cloud-Gesundheitsdaten grundsätzlich ein Problem hat, sollte sich so eine Waage generell nicht ins Bad stellen. Alle anderen bekommen mit der Withings-App eine der besseren Gesundheits-Apps in diesem Segment. Die App ist auch nötig, denn auf der Waage selbst sieht man zwar schon einiges, wirklich Sinn ergibt das Ganze aber erst in den Verlaufskurven.
Messwerte und Praxis
Die BodyScan 2 misst Gewicht, BMI, Grundumsatz, Körperfett, Muskelmasse, Viszeralfett, Hydration und Körperprofil. Spannender ist die Aufteilung in sechs Zonen. Arme, Beine und Rumpf werden getrennt betrachtet. Das ist deutlich hilfreicher als eine einzelne Körperfettzahl, die man ohnehin nicht auf die Nachkommastelle ernst nehmen sollte. Gerade wenn ihr trainiert oder abnehmen wollt, ist diese Segmentierung interessant. Gewicht allein erzählt dann nicht genug. Wenn Fettmasse sinkt, Muskelmasse aber erhalten bleibt oder sogar steigt, ist das eine andere Geschichte als „die Waage zeigt kaum weniger an“. Umgekehrt sieht man auch, wenn beim Abnehmen zu viel Muskelmasse verloren geht. Withings zielt genau auf diese Zielgruppe, und da ergibt das Konzept Sinn. Wichtig ist aber auch, Bioimpedanz bleibt Bioimpedanz. Hydration, Tageszeit, Training, Salz, Alkohol, Schlaf und viele andere Dinge können Werte verschieben.

Ich würde einzelne Messungen nicht überinterpretieren. Der Mehrwert liegt im Trend. Immer ungefähr zur gleichen Zeit messen, am besten morgens, dann werden die Kurven brauchbarer. Wenn ihr alle paar Wochen mal draufsteigt und dann eine Gesundheits-Offenbarung erwartet, werdet ihr enttäuscht sein. Die vollständige Messung dauert ungefähr 90 Sekunden. Man stellt sich barfuß auf die Waage, zieht den Griff heraus, hält die Elektroden und wartet. Das ist kein Drama, aber auch nicht so beiläufig wie „draufstellen, Gewicht ablesen, fertig“. Für mich ist das eher ein Ritual.

Den kurzen Check kann man täglich machen, den vollständigen Scan würde ich eher ein paar Mal pro Woche nutzen. Sonst nervt es irgendwann, und bei Gesundheitsgeräten ist genau das der Punkt. Wenn es nervt, nutzt ihr es nicht lange. Bei der Herzgesundheit fährt Withings groß auf. Das 6-Kanal-EKG kann Hinweise auf Vorhofflimmern liefern, dazu kommen Gefäßalter, Herzfrequenz, SpO2 und Bluthochdruck-Mitteilungen.

Letzteres darf man nicht falsch verstehen. Die Waage misst keinen Blutdruck wie eine Manschette. Sie kann Muster erkennen, die auf Bluthochdruck hindeuten können. Wenn so ein Hinweis erscheint, müsst ihr das mit einem richtigen Blutdruckmessgerät prüfen und nicht einfach „die Waage hat gesagt“ als Diagnose nehmen. Generell funktionierten die Messungen bei mir ohne Probleme. Die Erkennungsquote, EKG etc. sind sehr zuverlässig. Sehr zuverlässig ist bei mir leider auch, dass die SPO2-Messung immer mal wieder nicht durchgegangen ist.
Neu beziehungsweise stärker vermarktet sind die Longevity-Scores. Herzalter ist bei Withings enthalten, Glukose-Resilienz soll noch folgen. Dazu kommt die sogenannte Health Trajectory, die langfristige Entwicklungen verständlicher machen soll. Ich finde die Idee grundsätzlich gut, weil normale Nutzer mit Rohwerten oft wenig anfangen können. Ein Trend, eine Einordnung und eine klare Richtung sind hilfreicher als 20 isolierte Messwerte, die ihr morgens im Halbschlaf ohnehin nicht auseinandernehmen wollt.

Gleichzeitig muss man die Marketing-Sprache etwas runterkühlen. „Longevity-Station“, „zelluläres Alter“, „gesunde Lebensjahre“, das klingt alles sehr groß. Am Ende steht trotzdem eine Waage im Bad. Eine sehr clevere Waage, ja. Aber keine Präventionsklinik. Sie kann Hinweise geben, Trends zeigen und euch motivieren, bessere Gewohnheiten aufzubauen. Sie repariert aber weder Ernährung noch Schlaf noch Bewegung von allein.
Was mir an Withings grundsätzlich gefällt, ist die Aufbereitung. Die Werte landen schnell in der App, werden erklärt und in Diagrammen dargestellt. Die App kann auch Apple Health und andere Quellen einbinden. Wer schon im Withings-Ökosystem unterwegs ist, fühlt sich direkt zuhause. Wer neu einsteigt, muss sich durch viele Werte arbeiten, bekommt aber ordentliche Hilfen.

Der Haken ist Withings . Die BodyScan 2 kostet 499,95 Euro. Das ist bereits ein ordentlicher Betrag. Dass dann ausgerechnet einige der spannenden Auswertungen wie Herzalter oder später Glukose-Resilienz in ein Abo wandern, sollte man wissen. Withings bringt Programme, Prognosen, BodyPath, Ziel- und Kalorien-Tracker und weitere Auswertungen mit. Für manche kann das motivierend sein. Mir persönlich wäre wichtig, dass die Kernfunktionen eines so teuren Geräts auch ohne Abo dauerhaft stark bleiben. Mit 99 Euro pro Jahr ist das auch kein Schnapper.
Eine Herausforderung für den Hersteller wird die Ansage von Withings selbst sein. Wenn ein Gerät so stark mit Longevity und Gesundheitsfrüherkennung wirbt, muss man sehr sauber zwischen hilfreichem Trend und medizinischer Aussage trennen. Die BodyScan 2 ist kein Diagnosegerät für zu Hause, auch wenn die Sensorliste beeindruckend ist.
Und dann ist da noch die Frage, ob man wirklich so viele Daten möchte. Für Daten-Fans ist das klasse. Für Menschen, die sich von Messwerten schnell verrückt machen lassen, kann so ein Gerät auch zu viel sein. Nicht jeder braucht morgens direkt Gefäßalter, Herzalter, Fettverteilung, Viszeralfett und Stoffwechselwerte. Manchmal reicht auch, Gewicht geht runter, Bewegung passt, Essen passt. Für die meisten lohnt sich die BodyScan 2 meiner Meinung nach daher nicht. Wer einfach nur Gewicht, Körperfett und WLAN-Sync möchte, bekommt bei Withings günstigere Modelle, die vollkommen reichen.

Wer aber ernsthaft Training, Gewichtsabnahme, Muskelmasse, Viszeralfett und Herz-Kreislauf-Trends beobachten will, bekommt hier eines der umfangreichsten Consumer-Geräte in diesem Bereich. Hardware-technisch ist das schon stark, was Withings hier abliefert. Die 6-Zonen-Analyse ist der wichtigste Mehrwert, die App ist weiterhin ordentlich, die Sensorik ist beeindruckend und die Verarbeitung passt zum Premium-Anspruch. Gleichzeitig ist die BodyScan 2 teuer, abo-lastig und stellenweise etwas sehr verliebt in Longevity-Marketing.
Das Fazit
Mein Fazit fällt daher ähnlich aus wie bei der ersten Body Scan, nur mit noch größerem Preisschild. Das ist eine hervorragende Waage für Menschen, die solche Daten wirklich nutzen. Ich würde sie aber nicht kaufen, nur weil die Sensorliste beeindruckend klingt. Wenn ihr regelmäßig messt, Trends versteht und daraus etwas ableitet, könnt ihr mit der BodyScan 2 viel anfangen. Wer nur gelegentlich wissen will, ob Weihnachten, Ostern und Co. Spuren hinterlassen haben, spart sich das Geld und nimmt eine kleinere Withings-Waage. Die sind auch hervorragend.
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