#Gastbeitrag – DeepTech stirbt nicht am Forschungsgeist, sondern an der Finanzierungslücke 

Wenn über das europäische Finanzierungsproblem bei Startups gesprochen wird, geht es meist um die späten Phasen: zu wenig Growth Capital, zu wenige große Runden, zu wenige Börsengänge. Die Diagnose ist nicht falsch, aber sie greift zu kurz. Das eigentliche Problem beginnt schon viel früher. 

Das strukturelle Mismatch 

Venture Capital funktioniert nach einer Logik, die für Software optimiert wurde: kurze Entwicklungszyklen, schnelle Iteration, messbare Metriken. Das bedeutet nicht, dass DeepTech keine attraktiven Returns oder Exits liefert. Im Gegenteil. Aber die Frühphase sieht anders aus. Das Risiko ist technologischer Natur, noch nicht marktbezogen. Die entscheidenden Fragen sind nicht „Wächst die Nutzerzahl?“, sondern „Funktioniert die Technologie unter industriellen Bedingungen?“ und „Wer kauft das in welchem Markt?“ 

Diese Fragen kann man nicht mit klassischen VC-Metriken beantworten. Man braucht tiefes Technologieverständnis, Marktkenntnisse in relevanten Industrien und ein Netzwerk, das beides verbindet. Das zeigt sich täglich im Dealflow: Startups mit funktionierender Technologie und echtem Marktpotenzial, die keine erste Runde schließen können. Nicht weil die Technologie oder das Team nicht überzeugen würden, sondern weil kaum jemand da ist, der sie wirklich einschätzen kann und bereit ist, die Leadinvestor-Rolle zu übernehmen. 

Kapital allein löst das nicht. Was DeepTech-Gründer in der Frühphase brauchen, ist ein Investor, der die Technologie versteht, den Markt kennt und aktiv dabei hilft, die richtigen industriellen Partner zu finden. 

Europa forscht auf Weltklasse-Niveau. Aber die Kommerzialisierung findet woanders statt. Nicht weil die USA oder Asien bessere Wissenschaftler hätten, sondern weil dort Finanzierungsstrukturen existieren, die zu DeepTech passen. Spezialisierte Fonds mit längeren Horizonten oder mehr Weitblick und mehr Technologieverständnis, strategische Investoren, die früh einsteigen sowie ein Ökosystem, das Hardware-Startups nicht als Anomalie behandelt. 

Was sich ändern muss 

Für Investoren bedeutet das vor allem eines: Es reicht nicht, Kapital bereitzustellen. DeepTech-Investments in der Frühphase erfordern tiefes Technologieverständnis, Marktkenntnisse in den relevanten Industrien und die Bereitschaft, die Lead-Rolle zu übernehmen, bevor klassische Signale wie Umsatz oder Nutzerwachstum existieren. Genau hier liegt die eigentliche Lücke in Europa. Nicht an grundsätzlich fehlendem Kapital, sondern an zu wenigen Fonds mit dem richtigen Profil, um diese Rolle auszufüllen.

Für die Politik gilt: Nicht jede Phase braucht neue Programme. Die Forschungsphase ist in Deutschland oft gut abgedeckt. Institutionen wie SPRIND leisten hier echte Pionierarbeit. Das Problem beginnt danach. 

Der Tech-Transfer funktioniert nicht optimal, weil die Logik von Forschungseinrichtungen und Tech-Transfer-Offices selten mit der Realität der VC-Welt zusammenpasst. Bewertungsvorstellungen, Verwertungsstrategien, Zeitrahmen: Hier treffen zwei Welten aufeinander, die zu selten miteinander sprechen. Was es braucht, sind Blaupausen, die funktionieren, und mehr Industrieunternehmen, die bereit sind, gemeinsam mit Forschungseinrichtungen Ansätze auszuprobieren, bevor eine Ausgründung überhaupt entsteht. 

Der entscheidende politische Hebel liegt aber tiefer: Solange Förderung fast ausschließlich auf Forschungsleistung ausgerichtet ist, fehlt der Anreiz zur Ausgründung. Was sich ändern muss, ist die Grundlogik. Förderung, die Gründungen belohnt, nicht nur Publikationen. Arbeitsplatzsicherheit für Wissenschaftler:innen, die den Schritt wagen, damit das Scheitern nach zwei Jahren nicht die Karriere kostet. Und eine systematische Ausbildung in unternehmerischem Denken, damit Forscher:innen verstehen, wie Startups funktionieren, wie Kapitalgeber denken und was es braucht, um eine Technologie in ein Unternehmen zu verwandeln. 

Die Chance ist da, aber nicht ewig 

Europa hat das Potenzial, DeepTech-Weltmarktführer hervorzubringen. Die Forschungsbasis ist stark, das Ingenieurwissen tief, die industrielle Tradition vorhanden. Was fehlt, ist eine Finanzierungsinfrastruktur, die zur technologischen Realität passt, sowie Investoren, die bereit sind, früh einzusteigen, das Risiko wirklich einzuschätzen und mehr mitzubringen als Kapital. 

Wer jetzt handelt – Investoren wie Politik –, kann diesen Markt mitgestalten. Wer wartet, wird später zusehen, wie die Wertschöpfung woanders entsteht. Die Technologien sind da. Es ist Zeit, sie groß zu machen. 

Über den Autor 

Chris Heyer ist Mitgründer und General Partner von Marvelous, einer europäischen Investmentplattform zur Kommerzialisierung physischer DeepTech-Innovationen. Heyer verfügt über umfangreiche Corporate-Venture-Erfahrung. Er gründete und skalierte fünf Unternehmen mit zwei erfolgreichen Exits und war Chief Investment Officer des MDAX-Unternehmens Hypoport. Zudem baute er VCs für Unternehmen wie OBI und Vonovia auf.

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#DealMonitor – Schwarz-Gruppe setzt auf 1Global – Nesto erhält 11 Millionen – Lucy Group kauft Nuventura

#DealMonitor

#DealMonitor Schwarz-Gruppe setzt auf 1Global Nesto erhält 11 Millionen XO Life bekommt 4 Millionen Peak Quantum sammelt 2,2 Millionen ein SchuBu erhält Millionensumme Lucy Group kauft Nuventura AlphaPet Ventures übernimmt Tierliebhaber

Schwarz-Gruppe setzt auf 1Global – Nesto erhält 11 Millionen – Lucy Group kauft Nuventura

Dienstag, 14. April 2026VonTeam

Im #DealMonitor für den 14. April werfen wir einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages in der DACH-Region. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.

STARTUPLAND 2027: SAVE THE DATE



The next unicorn? You’ll meet it at STARTUPLAND

Du hast unsere phänomenale dritte STARTUPLAND verpasst? Dann trage Dir jetzt schon einmal unseren neuen Termin in Deinen Kalender ein: Die nächste STARTUPLAND findet am 10. März 2027 statt. Mehr über Startupland

INVESTMENTS

1Global

Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland und Co.) steigt bei 1Global ein und sichert sich 9,9 % am Unternehmen. „Die Zusammenarbeit mit 1Global ist auf fünf Jahre exklusiv angelegt, dazu erwirbt sie Anteile im Wert von vermuteten 80 Millionen Dollar“, berichtet das Handelsblatt. Das Startup, 2023 vom Auto1-Gründer Hakan Koç in London gegründet, bietet Telekommunikationsdienstleistungen an. Unternehmen können mit 1Global Datenvolumen oder eSIMs verkaufen, ohne über ein eigenes physisches Mobilfunknetz zu verfügen. Die Einzelhandelskette Lidl möchte mit 1Global nun ihre Mobilfunkangebote stark ausbauen. „100 million Lidl Plus users in up to 30 European countries will get access to affordable, flexible mobile connectivity in the next years“, schreibt Koç zum Einstieg der Schwarz-Gruppe. Mehr über 1Global

Nesto 

Der englische Growth-Investor Expedition Growth Capital investiert 11 Millionen Euro in Nesto. Das Unternehmen aus Karlsruhe, 2017 von Felix Kaiser und Theodor Ackbarow gegründet, bietet eine KI-gestützte Plattform für das Personalmanagement von Restaurantketten, Hotels und Freizeitparks an. „Das System fungiert als digitaler Copilot für Filialleiter – von der Planung über die Steuerung bis in die operative Umsetzung“, heißt es zum Konzept. Mit dem frischen Kapital möchte das Team „seine KI-Fähigkeiten weiter ausbauen und die internationale Expansion vorantreiben“. Mehr über Nesto

XO Life

Der kroatische Investor Fil Rouge Capital, Sandwater, Grazia Equity, Vi Partners und Bayern Kapital investieren 4 Millionen Euro in XO Life. Das Unternehmen mit Sitz in München, 2018 von Friderike Bruchmann und Johannes Bachhuber gegründet, setzt auf eine „globale Meta-Plattform für digitale Patientenbegleitung und Therapieunterstützung“. „Diese Investition ermöglicht es uns, die Entwicklung unserer brite-Plattform zu beschleunigen, KI in allen Funktionen zu nutzen und das Pharma-Onboarding über gesamte Portfolios hinweg zu automatisieren“, teilt das Team mit. Zuvor flossen rund 9 Millionen in das Unternehmen – unter anderem von Sandwater, Grazia Equity, Vi Partners, Bayern Kapital, aescuvest und Isartal Ventures. Sandwater aus Norwegen hielt zuletzt 10,6 % an XO Life. Mehr über XO Life

Peak Quantum

 Der englische Investor Cloudberry Ventures, United Founders, QAI Ventures, Golden Egg Check sowie Business Angels investieren 2,2 Millionen Euro in Peak Quantum. Insgesamt sammelte das Team – einschließlich Fördermittel – nun bereits „mehr als 5 Millionen“ ein. Das Startup aus München, 2024 von Leon Koch, Alexander Schult, Thomas Luschmann, Max Werninghaus, Ivan Tsitsilin und Kedar Honasoge gegründet, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die nächste Phase der Quanteninformatik durch die Entwicklung supraleitender Quantenprozessoren (QPUs) einzuleiten. „Mit der aktuellen Finanzierung beschleunigen wir unsere technologische Entwicklung und legen die Grundlage für eine industrielle Fertigung“, teilt das Team mit. Mehr über Peak Quantum

SchuBu

VerVieVas, Johannes Woithon, Erste Social Finance und der European Social Innovation and Impact Fund (ESIIF) investieren eine siebenstellige Summe in SchuBusiehe Brutkasten. Das EdTech aus Wien, 2020 gegründet, positioniert sich als „interaktives Schulbuch“. Mit dem frischen Kapital möchte das Team die „die Expansion im DACH-Raum vorantreiben“.

MERGERS & ACQUISITIONS

Lucy Group – Nuventura

Das englische Unternehmen Lucy Group übernimmt das Berliner DeepTech-Startup Nuventura. „By joining Lucy Electric, Nuventura gains access to a strong global footprint, established customer relationships, and industrial scale — enabling faster deployment of its technology across utilities, renewable energy projects, and industrial applications worldwide“, teilt das Unternehmen mit. Nuventura, 2017 von Fabian Lemke und Manjunath Ramesh gegründet, positioniert sich als Anbieter einer nachhaltigen Stromnetztechnologie. Das Team stellt Schaltanlagen her, die ohne das klimaschädliche Treibhausgas Schwefelhexafluorid auskommen. Mirova Environment Acceleration Capital, Forward.one, der European Innovation Council Fund sowie die Altinvestoren IBB Ventures, ADB Ventures, Cycle Group, Future Energy Ventures und DOEN Participaties investierten zuletzt 25 Millionen Euro in Nuventura. Insgesamt flossen in den vergangenen Jahren 35 Millionen Euro in das Unternehmen. Mirova hielt zuletzt rund 22 % an Nuventura. Forward.One war mit 10 % an Bord. IBB Ventures hielt zuletzt knapp 7 % . Mehr über Nuventura

AlphaPet Ventures – Tierliebhaber

Das Münchner Tiernahrungsunternehmen AlphaPet Ventures übernimmt das 2016 gegründete Berliner Unternehmen Tierliebhaber (Nahrungsergänzungsmittel und funktionale Snacks für Haustiere). „Die Akquisition wurde durch eine Kombination aus Eigen- und Fremdkapital finanziert. Patria Investments übernahm die Rolle des Lead-Investors der Finanzierungsrunde, mit einem signifikanten Beitrag von Venture Stars und der Unterstützung bestehender AlphaPet-Gesellschafter“, heißt es zur Übernahme. Die Übernahme von Tierliebhaber ist die sechste Akquisitionen in sechs Jahren, die das AlphaPet Ventures (2016 aus der Fusion von pets Premium und ePetWorld entstanden), getätigt hat. Zuletzt übernahm das Unternehmen das belgische Unternehmen Cpro Food, eine sognannte Premium-Marke für Hunde- und Katzennahrung. Mehr über AlphaPet Ventures

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#DealMonitor – Marvel Fusion erhält 62 Millionen – Syte bekommt 5 Millionen – Mind The Beauty kauft Uncorrupted Beauty

#DealMonitor

#DealMonitor Marvel Fusion erhält 60 Millionen Luya bekommt 5 Millionen  Syte sammelt 5 Millionen ein family.Cards erhält 1,2 Millionen Mind The Beauty übernimmt Uncorrupted Beauty Volders kauft Fine  Heal Capital legt zweiten Fonds auf

Marvel Fusion erhält 62 Millionen – Syte bekommt 5 Millionen – Mind The Beauty kauft Uncorrupted Beauty

Donnerstag, 26. September 2024VonTeam

Im #DealMonitor für den 26. September werfen wir einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages in der DACH-Region. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.

INVESTMENTS

Marvel Fusion


HV Capital, b2Venture, Tengelmann Ventures, SPRIND, Deutsche Telekom, Bayern Kapital, Earlybird Venture Capital, Athos, Primepulse, Plural Platform sowie mehrere Family Offices investieren 62,8 Millionen Euro in Marvel Fusion. Zusätzlich erhält Marvel Fusion vom Europäischen Innovationsrat (EIC) im Rahmen eines Accelerator-Programms eine Mischfinanzierungsoption in Höhe von bis zu 17,5 Millionen Euro. Das DeepTech-Unternehmen aus München, 2019 von Moritz von der Linden, Karl-Georg Schlesinger, Georg Korn und Pasha Shabalin gegründet, “arbeitet an einer neuartigen Fusionstechnologie, welche die Kommerzialisierung von Fusion als Energiequelle erheblich beschleunigen könnte”. “Die eingeworbenen Mittel sollen primär in die Erweiterung der Produktionskapazitäten sowie in die Erbringung des vollständigen Machbarkeitsnachweises für die Technologie des Unternehmens fließen”, teilt das Unternehmen mit. Insgesamt sammelte das Marvel-Fusion-Team bisher 120 Millionen Euro Eigenkapital und 150 Millionen Euro “in Mitteln aus öffentlichen Kooperationsprojekten” ein. Derzeit arbeiten rund 70 Mitarbeitende für das Unternehmen. Mehr über Marvel Fusion

Luya


Redalpine, Kickfund und Business Angels wie Lisa Schmidheiny investieren 5 Millionen Schweizer Franken in Luya. Das Food-Startup aus Zollikofen in der Schweiz setzt auf pflanzliche Alternativen zu Fleisch. Die Hauptzutat ist dabei Okara ein “nährstoffreiches Nebenprodukt der Tofu- oder Sojamilchherstellung, das oft ungenutzt bleibt”.  “Dieser Kapitalzufluss ermöglicht es Luya, den nächsten Schritt zu gehen: den Break-Even in der Schweiz zu erreichen und die Expansion in die EU vorzubereiten”, teilt das Team mit. Mehr über Luya

Syte


“Unternehmen der Schwarz Gruppe”, Vantage Value, vent.io, High-Tech Gründerfonds (HTGF), Moritz Luck und Fabian Axthelm investieren 5 Millionen Euro in Syte. Das Startup aus Münster, von Matthias Zühlke und Familonet-Gründer David Nellessen gegründet, liefert “Grundstücksanalysen und Entwicklungspotenziale auf Knopfdruck”. Der High-Tech Gründerfonds (HTGF) und vier “Investoren aus der Immobilienbranche” investierten zuvor bereits 2,6 Millionen Euro in Syte. Mehr über Syte

family.Cards


Brandenburg Kapital und OHA Osnabruck Healthcare 7 Ventures investieren 1,2 Millionen Euro in family.Cards. Mit dem Berliner Startup können Seniorinnen und Senioren Anwendungen wie Videoanrufe, Fotos oder Musik auf dem TV-Gerät erleben. Die Bedienung funktioniert über Karten. “Jede Karte stellt eine Aktion dar und mit dem Auflegen einer Karte auf das Lesegerät wird diese gestartet”, schreibt das Team um die Gründer Teo Ortega und Simon Hafner. Mehr über family.Cards

MERGERS & ACQUISITIONS

Mind The Beauty – Uncorrupted Beauty 


Das Schweizer Beauty-Unternehmen Mind The Beauty übernimmt das Münchner Kosmetik-Startup Uncorrupted Beauty. “This strategic move allows Mind The Beauty to transition from private label development into the DTC space, strengthening our position as a next-generation, full-service beauty brand builder. Our fantastic teams in Zurich and Munich will provide the foundation for this exciting growth. Uncorrupted Beauty, von den Seriengründern Charles von Abercron (Glossybox, Orange Brands) und Felix Lobkowicz (eve Sleep, The Good Us, Zesox) gegründet, sammelte in den vergangenen Jahren unter anderem von 468 Capital, G-Fund und Nemoco Geld ein. Mehr über Uncorrupted Beauty

Volders – Fine


Der Berliner Kündigungsservice  Volders übernimmt das 2020 gegründete Berliner LegalTech Fine, das sich um Verbraucherrechte kümmert – siehe Finance Forward. Fine, von Daniel Leis und Florian Heiwig gegründet, berät Verbraucherinnen und Verbraucher unter anderem zu rechtlichen Ansprüchen bei Glücksspielverlusten. Der High-Tech Gründerfonds (HTGF) investierte zuletzt in Fine. Volders, 2014 von Jan Hendrik Ansink gegründet, übernahm zuletzt bereits seinen direkten Wettbewerber Aboalarm. Das Unternehmen startete einst als Dienst rund um das Thema Vertragsmanagement. Inzwischen positioniert sich Volders als Kündigungsservice. Mehr über Volders

VENTURE CAPITAL

Heal Capital


Der HealthTech-Investor Heal Capital, hinter dem der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) steckt, legt seinen zweiten Fonds auf. “Bis zum Ende der aktuellen Investitionsperiode im vierten Quartal 2024 wird erwartet, dass der Folgefonds Heal Capital 2 ein Volumen von über 100 Millionen Euro erreicht. Neben den PKV-Unternehmen beteiligen sich auch renommierte Investoren wie der European Investment Fund (EIF), die MEDICE Health Family und eine Schweizer Versicherung”, heißt es in einer Presseaussendung. Heal Capital, 2019 gestartet, investiert zwischen 1 und 5 Millionen in “digitale Gesundheitsinnovationen”. Im Portfolio von Heal befinden sich derzeit Unternehmen wie Avi Medical, Formel Skin, Hema.to, Medicilio, PeakData und Sanvivo. Mehr über Heal Capital

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#Gastbeitrag – Das Tal scheint durchschritten

#Gastbeitrag

Wie sich das Segment Deep Tech aus VC-Sicht 2023 entwickelt hat und warum wir für 2024 (vorsichtig) optimistisch sind. Mut, Geduld sowie gesunder Realismus werden auf dem Weg zu nachhaltigem Erfolg helfen. Ein Gastbeitrag von Frederick Michna.

Das Tal scheint durchschritten

Freitag, 29. Dezember 2023VonTeam

2023 war das Jahr der Brückenfinanzierungen. Das Volumen der VC-Investitionen ist in Europa stark gesunken. In den ersten drei Quartalen 2023 wurde in Deutschland laut Pitchbook etwa 50 % weniger investiert als im gleichen Zeitraum in 2022. Die VC-Branche hat sich abermals vor allem auf Stabilität im eigenen Portfolio konzentriert und war von Zurückhaltung bei Neuinvestitionen geprägt. Entsprechend war Fundraising für viele Deep Tech Unternehmen dieses Jahr wieder eine Herausforderung. 

Bis auf wenige Ausnahmen wie etwa die Megarunden von Aleph Alpha (>500 Mio. USD), Helsing (209 Mio. EUR), Isar Aerospace (155 Mio. EUR), Enpal (125 Mio. EUR) oder Fernride (50 Mio. EUR) sind auch bei den deutschen Deep Tech-Startups die Tickets und Bewertungen nicht mehr so sportlich wir vor zwei Jahren. Viele Unternehmen mussten erstmals in ihrer Historie Downrounds hinnehmen und lernen, mit knapperen Ressourcen sparsam zu haushalten.

Die Innovationsgeschwindigkeit wurde dadurch jedoch bis jetzt noch nicht spürbar gebremst. Die Formel „Mehr Finanzierungen = mehr Output“ bewahrheitete sich dieses Jahr nicht zwingend. Stattdessen zeigten sich viele Teams resilient, erfinderisch und geduldig. Michael Kaschke, Präsident des Stifterverbandes und oberster Hüter der deutschen Spitzenforschung, erklärte kürzlich sehr eindrücklich, dass fehlendes Geld bei innovativen Sprungtechnologien oft nicht der Grund für ausbleibende Ergebnisse ist. Auch wenn dies bei Deep Tech zum Teil zutrifft und dieses Jahr viele bahnbrechende Fortschritte zu verzeichnen waren, so ist die Finanzierungslücke – vor allem im Vergleich zu den USA – ein unbestreitbarer Fakt und ein Handicap im globalen Innovationswettlauf. 

Glücklicherweise scheint zum Ende des ablaufenden Jahres auch das Interesse der VCs für Deep Tech wieder zu steigen. Ein Grund mag die Einsicht in die Notwendigkeit von grundlegenden, disruptiven Innovationen für die großen Herausforderungen unserer Zeit sein. Die Energie- und Mobilitätwende, der Umweltschutz, die globale Ressourcenverteilung, die Erschließung des Weltraums, die Transformation der Industrie oder auch die Zukunft der Medizin sind Handlungsfelder, in denen mehr als nur reine Geschäftsmodellinnovationen oder schnell programmierte Apps benötigt werden. Sie erfordern fundamentalere Ansätze und verändern sich nicht kurzfristig durch ein höheres Zinsniveau, eine flaue Konjunktur und andere derzeit wenig favorable Rahmenbedingungen.

Am deutlichsten zeigt sich die steigende Technologiebegeisterung der Szene an dem Boom von KI. Bereits im August vermeldete eine Studie von appliedAI, dass die Zahl der in Deutschland gelisteten KI-Startups um 67 % über dem Vorjahr lag. Insgesamt zählte die Studie Mitte 2023 über 500 KI-Startups in Deutschland. Diese Gründungwelle wird weiter anhalten. Fortschritte in KI werden damit vor allem auch als Enabler anderen Deep Tech Startups zugutekommen und deren Entwicklung beschleunigen.

5 Gründe für einen vorsichtigen Optimismus 

Ob sich aus diesen positiven Zeichen 2024 ein echter Trend entwickelt und die Branche die Krise hinter sich lassen wir, steht noch nicht fest. Aber es gibt eine ganze Reihe von Gründen, die einen optimistischen Blick in die Zukunft rechtfertigen.

Gesundes Ökosystem: Deep Tech fußt hierzulande auf einem starken akademischen Fundament. Technische Universitäten wie die TU München und die RWTH Aachen sorgen mit ihren exzellent ausgebildeten MINT-Absolventen für einen steten Strom an talentierten Gründerteams. Insbesondere die TU München mit ihrem Gründerzentrum „UnternehmerTUM“ setzt Maßstäbe in Deutschland und darüber hinaus, wie eine Zusammenführung technischer und betriebswirtschaftlicher Kompetenzen zu erfolgreichen Deep Tech Startups beiträgt. In Heilbronn wird mit einem ähnlichen Ansatz unter dem Schirm der Schwarz-Gruppe experimentiert. 

Ungebrochenes Unternehmertum: Die Szene wird im kommenden Jahr von den vielen Neugründung in der jüngeren Vergangenheit profitieren. Allein 2022 (für 2023 liegen noch keine Zahlen vor) wurden 275 neue Deep Tech Startups gezählt, das waren 33 % mehr als noch ein Jahr davor. Für 2020 lautete die Zahl an Neugründungen lediglich 107. Die Deep Tech Gründerszene ist in Deutschland vielfältig und lebendig.  

Zunehmende Professionalisierung: VCs sichten jährlich hunderte, teils sogar tausende Pitches. Im Gegensatz zu anderen Startup-Segmenten wie B2B SaaS haben sich Deep Tech Teams in der Vergangenheit immer schwergetan, ihre Konzepte einfach und überzeugend zu verkaufen. Die Präsentationen wirkten oft wie reine Wissenschaftsprojekte; kommerzielle Aspekte mit realistischen Annahmen wurden stark vernachlässigt. Dies hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert. Die Qualität der Pitches steigt. Es wird für die Teams damit leichter, VCs und andere Investoren zu überzeugen. 

Mehr öffentliche Mittel: Für junge, technologielastige Unternehmen wurden in letzter Zeit zunehmend Möglichkeiten geschaffen, mit öffentlichen Mitteln gefördert zu werden. Der Launch des mit einer Milliarde Euro dotierten Deep Tech & Climate Fonds durch die Bundesregierung war dabei ein starkes Signal an die Branche. Auch auf EU-Ebene beispielsweise durch Programme des Europäischen Investitionsrats (EIC) und der Europäischen Investitionsbank (EIB) erhalten Startups vermehrt Zugang nicht nur zu Eigenkapital, sondern auch zu vorteilhaften Darlehen sowie reinen Subventionen.

Konjunkturunabhängigkeit: Das deutsche BIP wird 2023 wie in der Coronakrise 2020 wieder schrumpfen. Für 2024 liegen die Wachstumsprognosen derzeit bei nur ~1%. Viele Deep Tech Teams, die an langfristigen technologischen Entwicklungen arbeiten, sind von der schwachen Konjunktur, dem Zinsumfeld und anderen makroökonomischen Daten jedoch nur wenig betroffen und kommen inhaltlich gut voran. Teilweise beflügelt die aktuelle Wirtschaftslage sogar den Bedarf für Deep Tech. Beispielsweise verschärft der Fachkräftemangel den Druck auf Unternehmen, die Automatisierung zu beschleunigen und Robotik einzusetzen.

Die Voraussetzungen, dass in Deutschland in den nächsten Jahren neue Deep Tech Champions entstehen, sind besser denn je. Gleichzeitig war auch der Handlungsdruck im globalen Wettbewerb selten größer. Neue Märkte werden gebildet, deren Anteile heute verteilt werden. Im Bereich Quantum Computing zum Beispiel konkurriert das deutsch-finnische Scale-Up IQM mit den US-Branchengrößen Google und IBM, sowie gut finanzierten Playern aus Asien. 

Jetzt ist also die Zeit zu handeln – sowohl für die Gründerteams als auch für die VCs. Mut, Geduld sowie gesunder Realismus zu Wachstum und Bewertungen werden beiden Seiten auf dem Weg zu nachhaltigem Erfolg in 2024 und darüber hinaus helfen.

Über den Autor


Frederick Michna ist Principal bei MIG Capital

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#Interview – “Eine der größten Herausforderungen war die Startfinanzierung”

#Interview

Das Bochumer KI-Startup ai.dopt, das 2022 gegründet wurde, möchte hroßen und kleinen Unternehmen einen “einfachen und sicheren Zugang zu künstlicher Intelligenz ermöglichen”. Das Zauberwort dabei lautet: SAIaaS, Secure-AI-as-a-Service. 

“Eine der größten Herausforderungen war die Startfinanzierung”

Montag, 3. April 2023VonAlexander Hüsing

Beim jungen Unternehmen ai.dopt, einem Projekt der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bo­chum, dreht sich alles um Künstliche Intelligenz. Das Team um die Gründer:innen André Bluhm, Martina Schuster und Max Hamscher möchte “moderne KI-Technologie für alle einfach und sicher zugänglich und nutzbar machen”. Insbesondere Menschen “ohne Vorkenntnisse” stehen dabei im Fokus. Das Team aus Bochum konnte zur seine Idee bereits “über 1 Millionen Euro durch Fördergelder und ein Angel Investment einsammeln“.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht ai.dopt-Macher André Bluhm über Routineuntersuchungen, Anwendungsfälle und Eintrittsbarrieren.

Wie würdest Du Deiner Großmutter ai.dopt erklären?


Einfach erklärt ist das, was wir machen, vielleicht mit einer Routineuntersuchung beim Arzt vergleichbar: Dabei checkt man am eigenen Körper, ob es irgendwo “zwickt” und erhält vom Arzt anhand der Krankenakte direkt eine Empfehlung und kann es im besten Fall direkt Vorort lösen. Wir machen das Gleiche, nur dass wir Firmen dabei helfen, ihr “Zwicken” selbständig zu finden, zu lösen und automatisch vorzubeugen. Also eine Art Werkzeug für die digitale Gesundheit, das sicherstellt, dass Unternehmen auch in der Zukunft selbständig gesund und mit den eigenen Mitarbeiter:innen wettbewerbsfähig bleiben. Und genau wie beim Arzt sollte man die Untersuchung von Zeit zu Zeit immer wieder tun – oder wie wir sagen: Kontinuierlich ai.dopten.  

Wie wollt Ihr Geld verdienen, also wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?


Unser Anspruch ist, dass wir unsere Partner mit unserer Plattform einfach und sicher durch den ganzen Prozess von intelligenter Wertschöpfung begleiten und selbst dazu befähigen. Dies umfasst die Identifizierung potenzieller Anwendungsfälle, die Evaluierung der konkreten Mehrwerte, die direkte Implementierung dieser in die eigenen Prozesse bis hin zur kontinuierlichen Verbesserung und Innovation der eigenen Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen. Dafür erhält unser Partner gegen Lizenzkosten den Zugang zu unserer Plattform inklusive der Begleitung der sicheren Transformation – oder kurz gesagt: SAIaaS, Secure-AI-as-a-Service. 

Wie ist die Idee zu ai.dopt entstanden?


Aufgrund der Erfahrungen sowohl aus praktischen Projekten in Unternehmen als auch aus dem akademischen Feld waren wir uns bereits über die Komplexität des Zugangs zu künstlicher Intelligenz und dessen Mehrwert für Unternehmen bewusst. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, diesen Zugang über eine innovative Lösung einfach und sicher in der Breite zugänglich zu machen – ohne unsere europäischen Werte als Leitmotiv bei Privatsphäre und Sicherheit zu vernachlässigen. Die Entwicklung dieser Gedanken lief dann ab, wie man es klassisch aus Filmen kennt: Mit vielen Whiteboards an den Wänden, viel Feedback und natürlich viel Kaffee. 

Was waren die größten Herausforderungen, die ihr bisher überwinden musstet?


Eine der größten Herausforderungen war sicherlich die Startfinanzierung. Als Startup im DeepTech-Bereich ist der Entwicklungsaufwand nach der initialen Validierung nicht gerade klein. Umso glücklicher sind wir über unsere umfangreiche finanzielle Förderung und das damit verbundene Vertrauen. Dies hat es uns ermöglicht, diese Eintrittsbarriere zu Beginn zu meistern und ein so motiviertes und erfahrenes Team zusammenzubringen. 

Wie oder wo hast Du Deine Mitgründer:innen kennengelernt?


Meine beiden Co-Founder Martina und Max habe ich beide zu Beginn meiner Studienzeit im Kontext des ehrenamtlichen Engagements im Bundesverband der Börsenvereine an deutschen Hochschulen (BVH) kennengelernt. Über die jahrelange Zusammenarbeit hinweg haben wir viele Höhen und Tiefen gemeinsam durchlebt und viele Projekte auf die Beine gestellt. Diese gemeinsamen Erfahrungen sind heute das Fundament unseres gegenseitigen Vertrauens.  

Euer Firmensitz ist Bochum. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil?


Wir haben Bochum bewusst als unseren Firmensitz gewählt, also die Wahl des Standorts hat sich nicht durch Zufall ergeben. Das Ruhrgebiet beherbergt besonders für den Bereich IT-Sicherheit viele renommierte Einrichtungen und speziell Bochum hat sich mit der Ruhr-Universität Bochum, dem Exzellenzcluster CASA oder dem Horst-Görtz-Institut mit dem Inkubator Cube 5 zu einem Hotspot der IT-Sicherheit in Europa etabliert. So haben wir nicht nur als Forschungsausgründung vom Standort Bochum profitiert, sondern haben unser Startup mit Hilfe wertvoller Beziehungen und Förderungen aufgebaut. Besonders die Worldfactory, die Bochumer Wirtschaftsentwicklung sowie die Inkubatoren WERK X in Bochum und Ignition in Düsseldorf haben uns bei unserem Start sehr geholfen.  

Wo steht ai.dopt in einem Jahr?


Seit unserer Gründung ging es mit über 1 Millionen Euro Finanzierung und mehr als einer Verdreifachung des Teams wirklich rasant voran. Deswegen soll es natürlich in den nächsten Schritten in der Zukunft für uns als Team genauso rasant weitergehen. Hoffentlich können wir uns dann in einem Jahr wieder mit deutsche-startups.de austauschen und erneut auf eine genauso spannende und rasante Entwicklung zurückblicken.

Tipp: Hier entlang für mehr Berichte über die Startup-Szene im Ruhrgebiet. Schaut ansonsten auch in unseren Startup Guide Ruhrgebiet.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): ai.dopt

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