#Interview – “Unser ursprüngliches Geschäftsmodell war nicht skalierbar”

Das No-Code-Startup Wandelbots, das Roboter programmiert, galt als aufsteigender Stern am Startup-Himmel. Insight Partners, 83North, Microsoft, Next47 und Co. investierten in den vergangenen Jahren rund 123 Millionen Dollar in das Unternehmen aus Dresden. Doch das ursprüngliche Geschäftsmodell ging nicht auf. Das Unternehmen, von Christian Piechnick, Georg Püschel, Maria Piechnick, Sebastian Werner, Jan Falkenberg, Giang Nguyen und Frank Fitzek gegründet, suchte sein Heil deswegen im einem radikalen Pivot.

“Obwohl unsere Vision der ‘einfachen Programmierung’ mit dem Tracepen erste Erfolge zeigte, stellten wir fest, dass viel Applikationswissen nötig war und die Anforderungen stark variierten. Dies führte zu einer projektbasierten Arbeit, die hauptsächlich über Personal skalierbar ist, was unsere Mission, die Welt zu verändern, eingeschränkt hätte”, sagt Gründer Christian Piechnick. Inzwischen nimmt das Unternehmen wieder Fahrt auf. “Diese Reise hat uns alle stärker gemacht”, sagt Piechnick.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Wandelbots-Macher einmal ganz ausführlich über den Pivot seines Unternehmens.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Wandelbots erklären?


Wandelbots ist ein junges Unternehmen, das die Nutzung von Robotern revolutioniert. Stell dir vor, du könntest einem Roboter beibringen, wie man Pflanzen gießt oder Unkraut jätet, ohne die komplizierte Sprache des Roboters zu lernen oder einen Roboterspezialisten anzurufen. Die Wandelbots-Software ermöglicht es dir, dem Roboter zu sagen, was zu tun ist, und er übernimmt den Rest. Zudem kann die Software vorher simulieren, ob die Automatisierung sinnvoll ist und wie sie am besten umgesetzt wird. Du kannst dich auf dein Wissen über Pflanzen und Gartenarbeit konzentrieren, während die Software den Roboter steuert. Und die Software wird immer besser, weil sie aus den Erfahrungen lernt und von einer Community and kreativen Entwicklern unterstützt wird.

Zuletzt habt ihr Euch aus dem Segment Hardware komplett zurückgezogen. Warum habt ihr Euer Geschäftsmodell so radikal geändert?


Wir haben uns aus dem Hardware-Segment zurückgezogen, weil unser ursprüngliches Geschäftsmodell nicht skalierbar war. Obwohl unsere Vision der “einfachen Programmierung” mit dem Tracepen erste Erfolge zeigte, stellten wir fest, dass viel Applikationswissen nötig war und die Anforderungen stark variierten. Dies führte zu einer projektbasierten Arbeit, die hauptsächlich über Personal skalierbar ist, was unsere Mission, die Welt zu verändern, eingeschränkt hätte. Nach intensiven Gesprächen mit Kunden und Partnern im Frühjahr 2023 entschieden wir uns, den Fokus komplett auf Software zu legen. Dieser Kurswechsel war schmerzhaft, aber notwendig, um unsere Vision zu verwirklichen.

Was war die größte Herausforderung, was die größte Schwierigkeit bei diesem Wandel?


Die größte Herausforderung war der Moment der Veränderung und der Abschied von unserer ursprünglichen Vision. Zu sehen, dass die Veränderung nicht nur unser Geschäftsmodell, sondern auch unsere Kollegen betrifft, war ein sehr harter Moment für alle, die in der strategischen Neuausrichtung involviert waren. Es gibt einfach den Zeitraum, wo bereits klar ist, wie die Veränderung aussieht und trotzdem Zeit ins Land zieht, bis du die Freigaben der Board Member hast und in die Umsetzung kommst. Da fühlt es sich an, als ob man als Leadership-Team in zwei Welten lebt. Dennoch hat uns diese Erfahrung gestärkt, indem sie uns lehrte, mit Unsicherheit umzugehen, flexibel zu bleiben und gemeinsam als Team durch schwierige Zeiten zu gehen.

Wie hat sich Euer Pivot auf Eure Mitarbeitenden ausgewirkt?


Für alle Kollegen war es emotional, da vielen bewusst war, dass der alte Weg nicht zielführend für die Demokratisierung war. Als klar wurde, dass wir einen Teilbereich der Firma nicht weiterführen und neue Anforderungen an die Teams stellen würden, traf erst die Realisierung ein, dass die Veränderung einen größeren Impact haben wird. Alle Kollegen wurden gebeten, sich Zeit zu nehmen, um zu entscheiden, ob sie sich mit der neuen Ausrichtung identifizieren können. Wir boten ein freiwilliges Programm für Kollegen an, die nicht mehr auf der Reise dabei sein wollten, mussten aber leider auch einigen kündigen. Heute, ein Jahr später, hat sich die emotionale Lage extrem verbessert und die Motivation ist höher denn je. Ende Juni konnten wir gemeinsam den Kick-Off des Beta-Programms durchführen. Dieser Moment hat alle auf einer neuen Ebene mit dem Unternehmen, unserem Produkt und ihrer täglichen Arbeit verbunden. In Dresden trafen die Teams die Kunden live, sahen, wie sie das Produkt nutzen und erhielten direktes Feedback. Dieser direkte Kontakt war besonders wertvoll und hat gezeigt, dass die Veränderung den Nerv der Zeit getroffen hat und der Markt den Mehrwert unserer Produktvision nutzen möchte. Diese Reise hat uns alle stärker gemacht und unsere Fähigkeit, als Team zusammenzuhalten, gefestigt. In einem tief technischen Umfeld solch positive Entwicklungen in nur einem Jahr zu sehen, ist wirklich beeindruckend.

Wie haben denn Eure Investoren reagiert, als die Entscheidung zum Pivot gefallen ist?


Wir haben aktiv das Gespräch mit unseren Investoren gesucht und Experten aus deren Center of Excellence Bereichen einbezogen. Obwohl wir uns darauf vorbereitet hatten, dass ein Gesellschafter sein Geld zurückfordern könnte, konnten wir letztendlich alle Investoren bei der strategischen Neuausrichtung an Bord holen. Unsere Investoren, darunter Insight, 83North, Microsoft und EQT, sind mit der Entwicklung seit dem Pivot sehr zufrieden. Diese Erfahrung hat uns gezeigt, wie wichtig offene Kommunikation und Transparenz in herausfordernden Zeiten sind und hat unser Beziehung gefestigt.

Und was haben Eure Kundinnen und Kunden gesagt?


Wir haben mit jedem Kunden gesprochen, um die bestehenden Verträge im gegenseitigen Einverständnis aufzuheben. Obwohl es weder für die Unternehmen noch für uns erfreulich war, konnten wir alternative Lösungen finden. Wir haben Kontakte zu Systemintegratoren hergestellt und Übergangskonzepte besprochen, bis die Kunden Zugriff auf die Software-only-Lösung hatten. Letztendlich fanden wir für alle eine zufriedenstellende Lösung. 

Welchen Tipp gibst Du anderen Gründerinnen und Gründern, die vor einem Pivot stehen?


In dieser Zeit gibt es viele Menschen mit Meinungen – und doch tragen die wenigsten die Verantwortung der Gründer oder des Leadership-Teams, das den Pivot vorbereitet, umsetzt und zum Erfolg führt. Warte nicht zu lange, wenn du das Gefühl hast, dass du in die falsche Richtung gehst, denn wahrscheinlich ist das tatsächlich der Fall. Auch wenn es das Ego schmerzt, zieh die Analyse und strategische Planung konsequent durch: vom Marktverständnis und Experteninterviews, zur Vision der Firma, zu den Fähigkeiten der Firma, den Erfolgschancen bei Markteintritt, hin zur Produktvision, Zielorganisationsstruktur, Budgetplanung und schließlich dem Umsetzungsplan. Diese Aufgabe darf nicht delegiert werden – ihr als Gründer oder Leadership-Team müsst den Puls selber spüren und die Realität mit eurer Vision in Einklang bringen. Sobald der Plan steht, denkt an die Kommunikation in die eigene Firma und bereitet euch auf die externe Kommunikation vor. Es wird emotional, verliert eure guten Manieren nicht. Jede Veränderung bringt Ängste mit sich, nehmt euch die Zeit, die Teams mit auf die Reise zu nehmen und erlaubt Emotionen. Achtet auf euch selbst, in dieser Zeit gibt es keine Ruhephasen. Wir haben uns bewusst dazu entschieden, einen Organisations- und Leadership-Coach einzubeziehen, der uns ohne Filter sehr deutlich die Alarmzeichen aufgezeigt hat, um uns in der Veränderung nicht zu verlieren. Wenn du als Leader nicht auf dich achtest, kannst du auch kein Unternehmen erfolgreich in der Veränderung leiten. Last but not least, feiert die ersten Erfolge und teilt auch Misserfolge, bleibt authentisch, ehrlich, inspirierend und verliert euren Glauben an eure Vision nicht. Nur weil es mal hart ist, heißt das nicht, dass es nicht funktionieren wird.

Wo steht Wandelbots in einem Jahr?


Als Team haben wir unser Produkt nach der Beta-Phase erfolgreich am Markt veröffentlicht und weltweit Kunden und Entwickler für uns gewinnen können. Unternehmen nutzen aktiv unsere Software und Entwicklungsplattform als Teil ihrer Automatisierungsstrategien. Universitäten lehren Wandelbots-Software in ihren Studiengängen, um Softwareentwickler und Automationsingenieure für die Zukunft mit neuen Fähigkeiten auszustatten. Die Wandelbots-Robotics-Community regt viele Menschen zum Austausch an und unterstützt sich gegenseitig bei Automatisierungsprojekten. Vielleicht gibt es eine erste Wandelbots-Developer-Konferenz, bei der Firmen jeder Art ihre Entwickler schicken, um gemeinsam die neuesten Möglichkeiten unserer Software kennenzulernen und ihre eigenen Erfolgsgeschichten zu teilen. Die Konferenz könnte ein Ort werden, an dem Innovationen vorgestellt, Netzwerke geknüpft und die Zukunft der Automatisierung gemeinsam gestaltet wird. Diese Erfolge zeigen, dass unsere Vision Realität geworden ist und dass Wandelbots einen bedeutenden Einfluss auf die Demokratisierung der Robotik und die Art und Weise, wie Automatisierung in der Industrie umgesetzt wird, hat.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Wandelbots

#Interview – “Hört genau auf das Feedback eurer Kunden”

#Interview

Das Team von WorkerHero möchte Unternehmen helfen, “den perfekten Mitarbeiter zu finden”. “Auf unserer Plattform sind über 70.000 aktive Nutzer registriert. Wir arbeiten mit mehr als 200 Unternehmen zusammen”, sagt Gründer Richard Fischer zum Stand der Dinge.

“Hört genau auf das Feedback eurer Kunden”

Montag, 19. August 2024VonAlexander Hüsing

Das Münchner Unternehmen WorkerHero, 2021 von Richard Fischer, Steven Miller, Michael König und Emanuel Wernitz als DriverHero gegründet, kümmerte sich zunächst um die “schnelle Vernetzung von Unternehmen mit Fahrern”. Später erfolgt die Erweiterung “auf den gesamten Blue Collar-Bereich”. Mediahuis und Altinvestoren wie 10x Founders sowie Bonsai Partners investierten zuletzt 4 Millionen Euro in das Unternehmen.

Im Interview mit deutsch-startups.de spricht Gründer Richard Fischer über Organisationsstrukturen, Teamgeist und Offenheit.

Wie würdest Du Deiner Großmutter WorkerHero erklären?


WorkerHero ist wie ein sehr schlauer Freund, der dir hilft, den perfekten Job oder den perfekten Mitarbeiter zu finden. Unternehmen, die Schwierigkeiten haben, Fachkräfte wie Elektroniker oder Mechaniker zu finden, wenden sich an WorkerHero. Gemeinsam finden wir die passenden Mitarbeiter für das Unternehmen. Gleichzeitig unterstützen wir Menschen, die einen Job suchen, dabei, diesen über unsere Plattform zu finden.

Zum Start lautete euer Name DriverHero. Was war die größte Herausforderung bei diesem Namenswechsel?


Die größte Herausforderung war nicht der Namenswechsel selbst, sondern dass wir viele unterschiedliche Branchen gleichzeitig angegangen sind. Auch wenn unser Produkt für andere Jobs und Branchen gut funktionierte, mussten wir viel über die unterschiedlichen Industrien und Anforderungen lernen und unser Modell stetig weiterentwickeln.

Wie hat sich WorkerHero  seit der Gründung entwickelt?


Seit unserer Gründung im Jahr 2021 ist WorkerHero auf über 40 Mitarbeiter in vier Ländern angewachsen. Auf unserer Plattform sind über 70.000 aktive Nutzer registriert. Wir arbeiten mit mehr als 200 Unternehmen zusammen und sind in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden aktiv.

Welches Projekt steht in den kommenden Monaten ganz oben auf der Agenda bei Euch?


Unser Hauptziel in den kommenden Monaten ist es, weiter zu skalieren und unser Team zu erweitern. Wir werden uns darauf konzentrieren, unsere Organisationsstruktur zu stärken und die Kundenzufriedenheit zu erhöhen, da uns das besonders wichtig ist. Zudem möchten wir unsere Plattform kontinuierlich verbessern, um den Recruiting-Prozess noch effizienter zu gestalten und neue Industrien zu erschließen.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


Bei uns geht laufend etwas schief. Gerade wenn man viel Neues ausprobiert, gehen Projekte, neue Features oder Ähnliches oft schief. Bei uns geht es aber darum, möglichst schnell daraus zu lernen und es dann besser zu machen – getreu dem Motto “Fail fast, learn fast”.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?


Neben der Entscheidung, unseren Fokus auf Fachkräfte und gewerbliches Personal zu legen, haben wir über die letzten Jahre einen starken Teamgeist und eine positive Arbeitskultur bewahrt. Wir setzen viel Vertrauen und Eigenverantwortung in unser Team. Das kann manchmal herausfordernd sein, aber die Lernkurve ist für jeden steil. Dabei ist es uns auch wichtig, ein respektvolles und unterstützendes Miteinander zu fördern.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer;innen mit auf den Weg?


Hört genau auf das Feedback eurer Kunden und passt eure Prozesse und Produkte laufend an. Es ist entscheidend, flexibel und anpassungsfähig zu bleiben und bereit zu sein, eure ursprünglichen Pläne zu ändern, wenn es die Umstände erfordern. Baut ein starkes Team auf, dem ihr vertrauen könnt, und fördert eine Kultur der Offenheit und Zusammenarbeit.

Wo steht WorkerHero in einem Jahr?


Wir möchten unsere Technologie weiter verbessern und gleichzeitig auf der Business- und Teamseite weiter wachsen. Wir schauen aktuell motiviert und optimistisch in die Zukunft.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): WorkerHero

#Interview – “Ohne CTO zu gründen war einer der folgenschwersten Fehler”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Versucht so viel wie möglich, von Ratschlägen und Erfahrungen anderer zu profitieren. Aber übernehmt nie etwas, ohne ganz sicher zu sein, dass es für euch und euer Startup richtig ist”, rät Thomas Rüdel von Kauz anderen Gründer:innen.

“Ohne CTO zu gründen war einer der folgenschwersten Fehler”

Freitag, 16. August 2024VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Thomas Rüdel von Kauz. Das Startup aus Düsseldorf setzt auf Chatbot-Anwendungen.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Ich fahre ins Büro (als einer der wenigen bei Kauz gehe ich fast immer ins Büro). Ich versuche, ein, zwei wichtige Dinge zu erledigen und mir einen Überblick über den Tag zu verschaffen, dann gehe ich erstmal 20 Minuten an der Düssel spazieren. Dabei sortiert sich alles noch einmal und meistens kommen mir auch ein bis zwei gute Ideen.

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?


Hmmh, schwierig :-). Essen, ein Buch lesen, einen Film gucken. 

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?


Dass um 4 Uhr Aufwachen und über offene Rechnungen nachdenken keinen Spaß macht.  

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?


Das war eigentlich kein Problem.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?


Puuh – ich habe so viele gemacht… Ohne CTO zu gründen war wohl der erste und einer der folgenschwersten Fehler. In der Anfangszeit nicht genug genetzwerkt. Zu leichtfertig das Geld ausgegeben. 

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?


Auch ein ganz schwieriges Thema. Weiß ich bis heute nicht. In der Regel stellt es sich erst nach längerer Zeit heraus, ob jemand wirklich gut zu uns passt und umgekehrt. Im Recruiting kann man eigentlich nur die rausfiltern, die sicher nicht passen. Und selbst das macht man oft falsch, wenn man gerade dringend jemanden braucht. 

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Versucht so viel wie möglich, von Ratschlägen und Erfahrungen anderer zu profitieren. Aber übernehmt nie etwas, ohne ganz sicher zu sein, dass es für euch und euer Startup richtig ist. Es hängt alles von den konkreten Umständen ab. 

Ohne welches externes Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Es gibt im Grunde für jedes Thema mehrere Tools.

Wie sorgt Ihr bei Eurem Team für gute Stimmung?


Das machen die Leute schon selbst. Eigentlich muss man nur ab und zu freie Tage dafür einrichten (Strategietag, Hackathon, “Creating energy by wasting time together”)

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


In den ersten zwei Jahren in Dauerschleife: Jedesmal wenn wir das Büro zu einem Kundentermin verließen, saß unser Techie noch daran, die Demo zum Laufen zu bringen. Wenn wir beim Kunden ankamen, lief sie – hoffentlich. Oder wir mussten die Intro noch etwas in die Länge ziehen. Oder es aufs Internet schieben…

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): Kauz

#Interview – “Das Hiring des Teams ist richtig, richtig gut gewesen”

#Interview

Das junge Kölner EdTech DeepSkill möchte “Unternehmen helfen, ihre Mitarbeiter fit für die Zukunft zu machen”. Inzwischen arbeiten 15 Mitarbeitende für die Jungfirma, die zuletzt 1,5 Millionen Venture Capital einsammeln konnte.

“Das Hiring des Teams ist richtig, richtig gut gewesen”

Mittwoch, 14. August 2024VonAlexander Hüsing

Das Kölner EdTech-Unternehmen DeepSkill, 2020 von Miriam Mertens und Peter Goeke gegründet, kümmert sich um “emotionale Skills und ganzheitliche Personalentwicklung”. Angel-Investorinnen aus dem encourageventures-Netzwerk, Ex-Lufthansa-CHRO Bettina Volkens sowie die Altinvestoren High-Tech Gründerfonds (HTGF) und Kienbaum investierten zuletzt 1,5 Millionen Euro in das aufstrebende Unternehmen aus dem Rheinland.

Im Interview mit deutsche-startups.de stellt Gründerin Mertens ihr Startup einmal ganz ausführlich vor.

Wie würdest Du Deiner Großmutter DeepSkill erklären?


Wir helfen Unternehmen, ihre Mitarbeiter fit für die Zukunft zu machen und stellen sicher, dass sie genau die Dinge können, die sie aktuell und zukünftig für ihren Job brauchen.

War dies von Anfang an euer Konzept?


Für uns war von Anfang an klar: We love People & Tech! Und wir fühlen uns im B2B sehr zu Hause. Das heißt, wir haben von Anfang an Blended Learning-Reisen angeboten, also eine Kombination aus selbstgesteuertem, technologiegestütztem Lernen in Verbindung mit echten menschlichen Sessions – und zwar für Unternehmen. Dabei sind wir geblieben. Was sich verändert hat, sind die Einsatzszenarien bei den Unternehmen. Während wir kurz nach Gründung Unternehmen dabei unterstützt haben, durch die schwierige Corona-Lock-Down-Zeit zu kommen, begleiten wir sie jetzt in großen Transformationsvorhaben.

Zuletzt konntet ihr 1,5 Millionen einsammeln. Wie seid ihr mit euren Investor:innen in Kontakt gekommen?


Über echte menschliche Beziehungen! Wir sind in verschiedenen starken Netzwerken aktiv, z.B. dem WHU-Netzwerk, dem Investorinnen-Netzwerk Encourage Ventures oder dem ScaleUp-NRW-Programm. Aber auch international haben wir Kontakte, z.B. in der European EdTech Alliance. All diese Kontakte pflegen wir intensiv und haben darüber auch den Großteil unserer Investoren kennengelernt.

Wie hat sich DeepSkill seit der Gründung entwickelt?


Wir sind mittlerweile 15 FTE und über 100 teilweise internationale Trainer und Coaches. Wir schulen über 50 verschiedene Module mit Lernenden auf allen Kontinenten.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen??


Ich hätte bei manchen Entscheidungen kompromissloser sein müssen. Ob bestimmte strategische Initiativen oder Personalentscheidungen – oft weiß man schon schnell, dass es nicht richtig passt. Ich habe mir zu viel Zeit mit einer konsequenten Entscheidung gelassen. Das hätte viel Zeit und Schmerz erspart.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht??


Wir sind ein sehr starkes Team mit einer hohen intrinsischen Motivation, die alle für die Sache, nämlich die Kraft der emotionalen Intelligenz & Tech brennen. Das Hiring des Teams ist richtig, richtig gut gewesen!

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer;innen mit auf den Weg?


Durchhalten, weitermachen, 1 % besser werden jeden Tag! Es gibt nicht die eine große Magic, die Deinem Startup zum Boost verhilft, sondern die Konsistenz und Kontinuität im Verbessern, weitermachen, optimieren. Und: Nehme Kritik, Fehler etc. ernst und versuche WIRKLICH daraus zu lernen, auch wenn es unangenehm ist.

Wo steht DeepSkill in einem Jahr?


Produktseitig bieten wir über AI-Features noch personalisierteren Content und Übungen an, die unserer Lernenden noch effektiver begleiten. Zudem haben wir unser Lernangebot weiter in Transformation in Richtung AI, sowie Nachhaltigkeit ausgebaut. Marktseitig sind wir weitergewachsen und haben eine Kundenbasis in mehreren internationalen Märkten.

Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness

In unserem Themenschwerpunkt Köln werfen wir einen Blick auf das Startup-Ökosystem der Rheinmetropole. Wie sind dort die Voraussetzungen für Gründer:innen, wie sieht es mit Investitionen aus und welche Startups machen von sich reden? Mehr als 550 Startups haben Köln mittlerweile zu ihrer Basis gemacht. Mit zahlreichen potenziellen Investoren, Coworking-Spaces, Messen und Netzwerkevents bietet Köln ein spannendes Umfeld für junge Unternehmen. Diese Rubrik wird unterstützt von der KölnBusiness Wirtschaftsförderung. #Koelnbusiness auf LinkedInFacebook und Instagram.

KoelnBusiness

Foto (oben): Rheinproduktiv

#Interview – “Wir merken: Aktuell ist überall ‘viel Musik’ drin”

#Interview

Das junge FinTech bezahl.de ist auch in allgemein schwierigen Zeiten auf Kurs. “2024 war bisher ein top Jahr für uns: Wir haben unsere Series-B Finanzierungsrunde abgeschlossen. Zudem haben wir zusammen als Team neue Transaktionsrekorde aufgestellt”, sagt Gründer Lasse Diener.

“Wir merken: Aktuell ist überall ‘viel Musik’ drin”

Mittwoch, 7. August 2024VonAlexander Hüsing

Das Kölner FinTech bezahl.de, das 2018 von Lasse Diener und Ulrich Schmidt gegründet wurde, kümmert sich um Forderungs- und Zahlungsmanagement. PayPal Ventures, Seaya Ventures, Walter Ventures und Altinvestor Motive Ventures investierten zuletzt 22 Millionen Euro in das FinTech. Insgesamt sammelte das Unternehmen bislang 38 Millionen ein. Rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten derzeit für das Embedded Finance-Unternehmen.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründer Diener über den Stand der Dinge bei bezahl.de.

Wie würdest Du Deiner Großmutter bezahl.de erklären?


Wir vereinfachen den Prozess, wie Autos und Werkstattrechnungen bezahlt werden. Mühsame, händische Prozesse werden dabei vollständig automatisiert. So sorgen wir dafür, dass Autohändler ihr Geld schneller erhalten und der Zahlungsprozess für Käufer so einfach wie möglich ist. 

Was lief 2024 bei Euch bisher richtig gut und was lief gar nicht rund?


2024 war bisher ein top Jahr für uns: Wir haben unsere Series-B Finanzierungsrunde mit tollen neuen sowie bestehenden Investoren erfolgreich abgeschlossen. Zudem haben wir zusammen als Team regelmäßig neue Transaktionsrekorde aufgestellt und bedeutende internationale Partner für unsere Expansion gewonnen. Klar ist: Wir sind auf Wachstumskurs! Dennoch: In diesem Jahr sind gleich 2x Elektro-OEMs kurz vor Vertrag in Schieflage geraten, weshalb die Zusammenarbeit mit uns nicht zustande kommen konnte. Das ist natürlich ärgerlich – gehört aber auch dazu. Mund abwischen und weiter geht´s.

Welches Projekt steht in den kommenden Monaten ganz oben auf der Agenda bei Euch?


Oben auf der Agenda steht zunächst einmal die weitere Stärkung unserer Marktführerschaft und Vergrößerung der Kundenbasis in Deutschland. Außerdem starten wir in Südeuropa mit großen Partnern in Italien und Spanien sowie einer neuen internationalen Marke durch. Aber dazu bald mehr! Zudem stehen Kickoffs mit namhaften Autoherstellern an, die unsere Wachstums- und Expansionspläne unterstützen werden. Wir merken: Aktuell ist überall “viel Musik” drin und eine hochspannende Zeit für die weitere Reise von bezahl.de.

Wie hat sich bezahl.de seit der Gründung entwickelt?


Seit der Gründung sind wir von acht  auf heute knapp 150 Mitarbeitende aus über 10 Nationen gewachsen und kommen mittlerweile auf mehrere Tausende Fahrzeugtransaktionen pro Tag. Unser Plattformvolumen ist auf mehrere Hundert Millionen pro Monat gewachsen, da wir es geschafft haben, dass mittlerweile über 70 % der Top 100 Autohändler und über 1.000 Autohäuser in Deutschland auf bezahl.de setzen.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


Unsere Grundeinstellung ist: Wir fokussieren uns auf das Positive. Da wir unsere  Produkte immer eng mit Marktteilnehmern entwickelt haben, sind wir bisher glücklicherweise auch vor größeren Fehltritten verschont geblieben – das ist übrigens auch eine Vorgehensweise, die wir anderen B2B-Businesses ans Herz legen würden. Dennoch gab es natürlich auch größere Herausforderungen für uns, darunter zum Beispiel die Insolvenz unseres ersten Top-100-Partners kurz nach Gründung und gemeinsamen Projektstart, was natürlich erstmal ein Dämpfer ist. Am Ende hat das aber das Team nur mehr zusammengeschweißt und allen gezeigt: man kann alles gemeinsam schaffen.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?


Was wir gut können, ist das Wesentliche im Blick zu behalten. Wir haben unseren Fokus zu 100% auf das Geschäft behalten – und das spiegelt sich kontinuierlich in guten Zahlen wider und wurde mit der erfolgreichen Series-B-Runde belohnt. Zudem legen wir großen Wert auf gutes Beziehungsmanagement – sowohl teamintern, mit Investoren, als auch auf dem Markt, mit unseren Partnern und potenziellen Multiplikatoren der Branche. Gerade in Hinblick auf das Team, ist es unabdinglich, die richtigen Menschen anzustellen. Wir haben immer einen wesentlichen Fokus darauf gelegt, sogenanntes Hiring for Attitude and Teamfit zu betreiben und gemerkt, wie sehr sich das lohnt.

Wo steht bezahl.de in einem Jahr?


In einem Jahr haben wir unsere Position als Marktführer in Deutschland weiter gefestigt. Nahezu alle Top-100-Autohandelsgruppen optimieren ihren Order-to-Cash Prozess mit bezahl.de und wir konnten uns in den ersten, weiteren europäischen Ländern mit tollen Partnern als Marktstandard etablieren. Außerdem werden wir weitere Produkt-Mehrwerte an der Transaktion geschaffen haben – mit klarem Fokus auf dem Angebot von Embedded Finance Produkten.

Reden wir über Köln. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was macht den Reiz der Startup-Szene in Köln aus?


Auch wenn Köln als Startup-Hub noch nicht so etabliert ist  wie Berlin oder München, versuchen wir unseren Teil dazu beizutragen, genau das zu ändern. Als bei der Preisverleihung des FinTech Germany Awards vor einigen Jahren Startups aus nahezu allen NRW-Städten unter dem Begriff “Greater Cologne Area” zusammengefasst wurden, wussten wir: Hier müssen wir dringend etwas ändern. Erfolgreiche Stories wie z.B. Deepl helfen dafür natürlich, wir geben Alles die nächste große Erfolgsgeschichte aus Köln zu schreiben. Die offene und gastfreundliche Kultur der Kölner ist dabei sicher etwas, das vor allem im Business-Kontext besonders ist. Außerdem bietet die Anbindung an andere industriestarke Metropolen in NRW ein hervorragendes Netzwerk – das auch reich an Talenten ist! 

Was ist in Köln einfacher als in Berlin – und umgekehrt?


Es ist einfacher in Köln ein Local Hero zu sein, der sowohl für die Presse als auch potenzielle Talente sichtbar ist. Außerdem fällt es uns hier leichter, Geschäftsbeziehungen aufzubauen – das liegt wohl an der Rheinländischen, offenen Art. Das Netzwerk an Gründer:innen und Investor:innen sowie die Events sind aber natürlich bei weitem nicht mit denen in Berlin zu vergleichen. Der Mittelpunkt der Startup Welt ist weiterhin Berlin – auch wenn unser persönlicher Mittelpunkt Köln ist. 

Zum Schluss hast Du drei Wünsche frei: Was wünscht Du Dir für den Startup-Standort Köln?


Drei weitere, richtig starke Erfolgsstories aus Köln, die es zu einem globalen Industry Leader schaffen. 

Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness

In unserem Themenschwerpunkt Köln werfen wir einen Blick auf das Startup-Ökosystem der Rheinmetropole. Wie sind dort die Voraussetzungen für Gründer:innen, wie sieht es mit Investitionen aus und welche Startups machen von sich reden? Mehr als 735 Startups haben Köln mittlerweile zu ihrer Basis gemacht. Mit zahlreichen potenziellen Investoren, Coworking-Spaces, Messen und Netzwerkevents bietet Köln ein spannendes Umfeld für junge Unternehmen. Diese Rubrik wird unterstützt von der KölnBusiness Wirtschaftsförderung. #Koelnbusiness auf LinkedIn, Facebook und Instagram.

KoelnBusiness

Foto (oben): bezahl.de

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