Anker kennt ihr hier im Blog ja seit Jahren vor allem für Powerbanks, Ladegeräte und die Solix-Balkonkraftwerke. Mit dem Anker SOLIX X1 griff das Unternehmen bereits Mitte 2024 aber eine Liga höher an und drängte mit Wucht in den Markt für vollwertige Heimspeicher und Photovoltaik-Anlagen.
Das System verspricht, die eierlegende Wollmilchsau für das Eigenheim zu sein: modular, schlank, ausfallsicher und vollgepackt mit smarter Technik. Glücklicherweise sind die Batterien mittlerweile einen ganzen Schwung günstiger geworden, wer am Haus viel in Eigenleistung macht, schon Panels und einen vernünftigen Elektriker hat, der ist für 10 kWh vielleicht schon unter 5.000 Euro dabei.
Logo, da kommt noch einiges zu, Kabel, Aufhängungen für die Panels, die Panels selbst, und der Elektriker wird auch Geld haben wollen. Dennoch bin ich mir sicher, dass ihr nicht mal ansatzweise heutzutage noch das bezahlen werdet, was die Drücker vom örtlichen Energieversorger zur Coronazeit von mir wollten. Ähnlich dimensioniertes System, 45.000 Euro. Viel gelacht und den Kopf geschüttelt. Aber ja, die haben hier in der Ecke wohl ein paar Dumme gefunden. Davon ab: Das Ganze ist bei vielen Herstellern tricky. Die normalen Systeme haben Preise, aber manche Komplettanlagen eben nicht. Auch nicht Anker, da gibt’s Preise nur auf Anfrage bei geschulten Betrieben. Falls ihr grob in meiner Ecke wohnt: Ich kann Christoph und seine Jungs von Go Top Solar empfehlen.
Das X1 arbeitet bei einem Freund und bei mir im Haus und da ich eh gerade ein Firmware-Update machte, dachte ich, dass ich auch mal etwas dazu schreiben kann. Das SOLIX X1 kommt in einem extrem schlanken, fast schon schicken Gehäuse daher und setzt auf ein All-in-One-Design. Hier wird ein dreiphasiger Hybrid-Wechselrichter (verfügbar von 5 bis 18 kW) mit Lithium-Eisenphosphat-Speichermodulen (LiFePO4) kombiniert.
Ein einzelnes Batteriemodul liefert 5 kWh Kapazität. Davon lassen sich bis zu sechs Einheiten pro Turm stapeln (also maximal 30 kWh). Wer komplett eskalieren möchte: Bis zu sechs dieser Systeme lassen sich parallel schalten, was eine theoretische maximale Kapazität von satten 180 kWh ergibt. Da schaut man natürlich schon neidvoll, manchmal denke ich mir, ob ich nicht noch ein Akku-Päckchen anklemme.
Die Installation ist durch das flache Design und die kabellose Steckverbindung der Module untereinander für den Fachbetrieb vergleichsweise schnell erledigt. Optisch macht das Ding durchaus was her, das Hauptsteuergerät kommt mit einem Display, das per Bewegungssensor anspringt und die wichtigsten Daten direkt anzeigt. Das ist ideal in einer dunklen Garage, wenn man kurz etwas rausholt – da hat man dann gleich auch etwas Licht.
Nennenswert ist wohl auch der integrierte Energieoptimierer in jedem einzelnen Akkupack. Wer schon einmal versucht hat, einen bestehenden Akku nach zwei oder drei Jahren zu erweitern, kennt vielleicht das Problem: Der schwächste Block bestimmt die Gesamtleistung. Anker löst das hier über eine Einzelpack-Steuerung. Alte und neue Module arbeiten unabhängig voneinander und ohne Energieverlust nebeneinander. Sollte zudem mal ein Modul ausfallen oder zicken, wird es vom System einfach isoliert, während die restlichen Blöcke munter weiterlaufen.
Im Betrieb verhält sich der SOLIX X1 angenehm unauffällig vor sich hin. Klar, wenn viel Druck auf dem Kessel ist, dann hört man die Kühler natürlich, aber im Normalbetrieb hört man das kaum – und ich bin echt viel in unserer Garage unterwegs.
Auch extreme Wetterbedingungen steckt der Speicher laut Anker gut weg. Während herkömmliche Akkus bei Frost oder großer Hitze spürbar an Leistung verlieren, verbaut Anker hier eine thermische Steuerung: Ab 0 °C greift eine interne Heizung, die die Zellen auf Wohlfühltemperatur. Auf der anderen Seite hält das Kühlsystem die Leistung auch bei sommerlichen Temperaturen von bis zu 55 °C stabil. Durch meinen Aufstellungsort konnte ich das allerdings nicht nachvollziehen.
Gesteuert wird das Ganze über die bekannte Anker-App. Die UI ist übersichtlich, die Echtzeit-Visualisierung der Energieflüsse (Solarproduktion, Hausverbrauch, Akkuladung, Netzeinspeisung) funktioniert flüssig und ohne große Gedenksekunden. Dazu gibt es noch einen ganzen Schwung an anderen Dingern, die den normalen Anker Solarbanks natürlich fehlen. Letzten Endes muss ich aber sagen: Das justiert man einmal, und dann macht man eigentlich nicht mehr so viel.
Außer vielleicht, dass man reinschaut und sich erfreut, was so passiert. Ansonsten so? Es gibt eine echte Notstromfunktion: Die Umschaltzeit bei Stromausfall liegt bei unter 10 Millisekunden, die Bude wird dreiphasig versorgt. Wer möchte, der kann mittlerweile auch Anbietern dynamischer Tarife nachtanken. Und wer Angst vor einem wetterbedingten Blackout hat, kann über einen Storm Guard Mode die Akkus vollladen lassen, wenn eine Unwetterfront aufziehen könnte. Ich habe euch mal ein paar Screenshots der App gemacht:
Wo ist der Haken? Die App krankt hier und da noch an kleineren Details. Während die grundlegenden Funktionen stabil laufen, wünschen sich Power-User vielleicht tiefere Konfigurationsmöglichkeiten und mehr statistischen Tiefgang. Wer rein im Anker-Ökosystem (inklusive deren EV-Chargern für das E-Auto) bleibt, merkt davon nichts.
Anker liefert mit dem SOLIX X1 ein verdammt starkes Stück Hardware ab. Das ist zumindest meine Meinung, wobei ich finde, dass solche Dinger eh im Hintergrund einfach ihre Arbeiten erledigen sollten. Was man letzten Endes damit spart, ist natürlich auch abhängig vom Standort des Hauses und den verwendeten Panels und dem aktuellen Tarif. Da muss man sich das dann durchrechnen, in wie viel Jahren man das Ganze dann durch hat. Letzten Endes ist so etwas natürlich keine kleine Anschaffung und vermutlich ist man gelegentlich auch bei der Auswahl etwas lokaler gebunden.
Bei meinem Verbrauch hier im Haus war es nur eine Frage der Zeit, bis ich so etwas haben musste, um irgendwann mal etwas einzusparen. Und bisher klappt das ganz gut, wenn ich das so überschlage. Allerdings muss ich auch zugeben, dass das Ganze ein ziemliches rabbit hole ist, wenn man sich generell mit dem Thema befasst – und ein weiteres, wenn man das System erst einmal hat und man optimieren möchte.







