#Interview – “Als Gründer wird das Startup fast Teil der eigenen Persönlichkeit”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Wir hätten früher akzeptieren müssen, dass wir nicht für jedes Problem eine eigene Lösung finden müssen”, resümiert Daniel Porzig vom Kölner Startup heygrün.

“Als Gründer wird das Startup fast Teil der eigenen Persönlichkeit”

Mittwoch, 31. Juli 2024VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Daniel Porzig von heygrün. Das Kölner Startup hilft seiner Kundschaft bei der Planung und Umsetzung von Dachbegrünung.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Mit einer großen Kanne Früchtetee und einem Blick in die Mails. Anschließend folgt eine kleine Priorisierung der täglichen Aufgaben. Oft gibt es ein kurzes Team-Meeting, um den Tag zu planen und sicherzustellen, dass alle auf dem gleichen Stand sind.

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?


Körperliche Bewegung tut mir besonders gut, um abzuschalten. Egal ob Fitnessstudio, Tennis oder Spikeball – Hauptsache Bewegung.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?


Gründen ist eine Achterbahn, und jedem geht es so. Es laufen immer Dinge nicht wie geplant. Vor allem als Gründer wird das Startup fast Teil der eigenen Persönlichkeit. Jeder Rückschlag trifft einen deutlich härter als in einem Angestelltenverhältnis. Jedoch ist es wichtig, einfach weiterzumachen. Wenn man hartnäckig dabei bleibt und sich kontinuierlich verbessert, kommt auch die nächste Auffahrt bei der Achterbahn.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?


Das richtige Gründungsteam zu finden. Am Ende ist es wie eine Heirat, die man in kurzer Zeit eingeht. Vor allem, wenn man ein Team mit verschiedenen Kompetenzen zusammenstellt und die Person vorher nicht kennt, ist es wirklich wie die Nadel im Heuhaufen zu suchen. Man muss sich persönlich verstehen, von den Skills passen, von der Vision und auch von der notwendigen Risikobereitschaft stimmen.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?


Als Gründer muss man sich zwangsläufig in eine Menge verschiedener Themen einarbeiten. Teilweise ist es wichtig, damit man selbst versteht, wie die Dinge funktionieren und um sie später besser zu steuern. Teilweise hilft es aber auch früher mal andere zu fragen, wie sie es gelöst haben, oder mit Freelancer zusammenzuarbeiten. Das kostet teilweise Geld, erspart einem jedoch einiges an Zeit. Wir hätten früher akzeptieren müssen, dass wir nicht für jedes Problem eine eigene Lösung finden müssen.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?


Habe eine Vision, für die es sich lohnt zu arbeiten, und weiß ganz genau, was du wirklich brauchst. Ansonsten ziehst du nicht die richtigen Mitarbeiter an.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Validiere deine Idee möglichst schnell und gehe früh an den Markt. Sprich mit möglichst vielen über deine Idee und habe keine Angst, dass jemand diese klaut. Wir sind bereits verhältnismäßig früh gestartet mit einem MVP-Geschäftsmodell, bei dem wir den Kunden befähigen, die Dachbegrünung selbst durchzuführen. Im Nachhinein hätten wir noch radikaler Features entfernen können. Die Erkenntnisse, die man durch tatsächliche Kundeninteraktionen am Markt bekommt, sind immer aussagekräftiger als jedes vorherige Kundeninterview. Zudem zeigen diese die Schwachpunkte auf die es wirklich ankommt.

Ohne welches externes Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Unser CRM-System, da unsere kompletten Prozesse über Automatisierungen und Schnitsstellen zu anderen Programmen gesteuert werden. Es ist das Herzstück von heygrün. Ohne die sauberen Prozesse hätte ich längst den Überblick über die Anfragen verloren.

Wie sorgt Ihr bei Eurem Team für gute Stimmung?


Es ist wichtig, über Stress und andere Verpflichtungen offen zu reden, damit das Team einen unterstützen kann. Zudem hilft es, alles nicht zu ernst zu nehmen, um den Spaß an der Arbeit nicht zu verlieren. Regelmäßige Team-Events schaffen auch einen Raum auch mal über nicht Business relevante Dinge zu sprechen und noch enger als Team zusammenzuwachsen.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Ganz zu Beginn, als ich die Idee mit der Plattform für Dachbegrünung hatte, habe ich es einfach auf LinkedIn gepostet und nach Leuten gesucht, die sich mit Dachbegrünung auskennen und mir weiterhelfen können. Am Ende hatten sich auf den LinkedIn-Beitrag über 50 Personen proaktiv bei mir gemeldet. Ich hätte niemals mit so einem Feedback gerechnet, da ich selbst kein großes Netzwerk hatte. Im Urlaub war ich dann jeden Tag drei Stunden damit beschäftigt, den ganzen Leuten zu antworten und Termine zu vereinbaren. Ich war überrascht, wie viele Leute einem helfen wollen und vor allem, wie viele echte Verbindungen man über LinkedIn knüpfen kann. Also früh nach Feedback fragen und auf LinkedIn aktiv zu sein hilft!

Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness

In unserem Themenschwerpunkt Köln werfen wir einen Blick auf das Startup-Ökosystem der Rheinmetropole. Wie sind dort die Voraussetzungen für Gründer:innen, wie sieht es mit Investitionen aus und welche Startups machen von sich reden? Mehr als 550 Startups haben Köln mittlerweile zu ihrer Basis gemacht. Mit zahlreichen potenziellen Investoren, Coworking-Spaces, Messen und Netzwerkevents bietet Köln ein spannendes Umfeld für junge Unternehmen. Diese Rubrik wird unterstützt von der KölnBusiness Wirtschaftsförderung. #Koelnbusiness auf LinkedInFacebook und Instagram.

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#Interview – “Die Marktnachfrage entwickelte sich oft anders als erwartet”

rooom aus Jena, 2016 von Hans Elstner gegründet, bietet Softwarelösungen “für das Erstellen von 3D-Inhalten und digitalen Erlebnissen in Augmented und Virtual Reality” an. Der Münchner Wachstumsfinanzierer Marondo Capital sowie Altinvestoren wie Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS) und bm-t Beteiligungsmanagement Thüringen investierten zuletzt 17 Millionen Euro in das Unternehmen.

“Unsere Kapitalbeschaffung trotz schwieriger Marktbedingungen verdanken wir vor allem unserem starken Netzwerk. Wir haben aktiv an Veranstaltungen teilgenommen, die gezielt auf Investor:innen ausgerichtet waren. Dabei haben wir nicht nur potenzielle Geldgeber kennengelernt, sondern auch wertvolle Kontakte geknüpft. Aus meiner Sicht war ein entscheidender Faktor auch die kontinuierliche Pflege unserer bestehenden Beziehungen”, sagt Gründer Elstner.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der rooom-Macher außerdem über Dorfplätze, Kundenfeedback und populistische Anti-Immigrations-Haltungen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter rooom erklären?


Nun, meine Oma wäre heute über 100 Jahre alt. Aber wenn ich könnte, dann würde ich es ihr etwa so erklären: Stell dir mal vor, du hast einen Marktstand auf dem Dorfplatz, wo jeder vorbeikommt und du deine besten Marmeladen und Strickwaren anbietest. Jetzt stell dir vor, du könntest diesen Laden überall eröffnen, wo du möchtest, sodass Menschen aus der ganzen Welt deine Marmeladen und Strickwaren sehen, kaufen und sogar darüber plaudern können – ohne dass du jemals deinen gemütlichen Sessel verlassen musst. Bei rooom machen wir genau das – wir ermöglichen Menschen, ihre Produkte und Dienstleistungen weltweit zu präsentieren. Und helfen ihnen so, sich und ihre Ideen auf eine ganz neue, spannende Weise zu zeigen. Sie können digitale Räume erschaffen, die fast so aussehen und wirken wie echte Räume. Man kann sich dort umsehen, als würde man wirklich durch einen Laden spazieren, sich direkt mit anderen austauschen und sich spielerisch über Produkte informieren – und das alles funktioniert auf jedem digitalen Gerät, sei es ein Handy oder ein Computer. Dank unserer Technologie ist es ein bisschen so, als würdest du jeden Tag deine Freunde zum Kaffeeklatsch einladen, aber eben über das Internet und in einer Art dreidimensionaler Umgebung, die fast so real ist wie dein Wohnzimmer!

War dies von Anfang an euer Konzept?


Unsere Reise begann mit der Gründung einer IT-Service-Agentur vor über 15 Jahren. In dieser Zeit lag unser Fokus auf der digitalen Transformation, und ich hatte das Privileg, namhafte Unternehmen in diesem Bereich zu beraten. Im Laufe meiner Tätigkeit entstand die Idee, ein Netzwerk für 3D-Technologie und deren Anwendungen zu schaffen, 2016 zunächst mit dem Ziel, private Nutzer anzusprechen. Jedoch zeigte sich schnell ein großer Bedarf seitens der Unternehmen, was uns dazu veranlasste, 2018 unseren Schwerpunkt auf den B2B-Bereich zu legen, was sich als erfolgreich erwiesen hat. Langfristig streben wir jedoch auch die Einbindung von Creatoren auf unserer Plattform an. Mit meinem Team habe ich dann eine Softwareplattform entwickelt, und unser Projekt nahm stetig Fahrt auf. Als es uns gelang, die ersten Investoren zu gewinnen, war für mich klar, dass die Zeit gekommen war, rooom ins Leben zu rufen.

Es herrscht weiter Krisenstimmung in der deutschen Startup-Szene. Was ist Deine Sicht auf die aktuelle Eiszeit?


In Bezug auf die aktuelle Situation in der deutschen Startup-Szene kann ich aus persönlicher Erfahrung sagen, dass wir vor Herausforderungen standen. Statt des erwarteten dreiviertel Jahr haben wir anderthalb Jahre gebraucht, um unsere Finanzierungsrunde abzuschließen. Die Stimmung ist allgemein etwas zögerlicher geworden. Von unserem Konzept waren zwar viele überzeugt und auch begeistert, jedoch sind Investor:innen vor allem zögerlich, wenn es um Unternehmen geht, die in der Wachstumsphase stecken. Es wird zunehmend wichtiger, einen klaren Weg zur Profitabilität zu haben, da Investoren angesichts der angespannten Wirtschaftslage darauf verstärkt achten. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass solide Produkte, Dienstleistungen und Startups, die solche anbieten, auch durch diese schwierige Zeit kommen können. Ich sehe auch einen Teil der Verantwortung in der Politik, das Startup-Ökosystem angemessen zu fördern und gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Nur so können wir sicherstellen, dass die deutsche Startup-Szene weiterhin innovativ und wettbewerbsfähig bleibt.

Zuletzt konntet ihr 17 Millionen einsammeln. Wie seid ihr mit euren Investor:innen in Kontakt gekommen?


Unsere Kapitalbeschaffung trotz schwieriger Marktbedingungen verdanken wir vor allem unserem starken Netzwerk. Wir haben aktiv an Veranstaltungen teilgenommen, die gezielt auf Investor:innen ausgerichtet waren. Dabei haben wir nicht nur potenzielle Geldgeber kennengelernt, sondern auch wertvolle Kontakte geknüpft. Aus meiner Sicht war ein entscheidender Faktor auch die kontinuierliche Pflege unserer bestehenden Beziehungen. Wir haben uns bemüht, mit vielen Personen in Kontakt zu treten und Gespräche zu führen, um unser Netzwerk zu erweitern und potenzielle Investor:innen zu identifizieren. Dazu gehört es auch, beharrlich zu sein und nicht aufzugeben. Wir haben immer wieder neue Möglichkeiten ergriffen, das hat sich am Ende ausgezahlt.

Wie hat sich rooom seit der Gründung entwickelt?


Seit unserer Gründung hat sich unser Unternehmen deutlich weiterentwickelt und ist mittlerweile zu einem etablierten Akteur in der Branche geworden. Wir haben mittlerweile knapp 80 Mitarbeitende in unserem Team, die mit Leidenschaft und Engagement an der Weiterentwicklung unserer Plattform arbeiten. Diese Plattform hat bereits 45.000 registrierte Nutzer:innen. Darüber hinaus dürfen wir viele namhafte Kunden zu unseren Partnern zählen. Besonders erfreulich ist, dass ein Drittel der DAX-Konzerne auf unsere Lösungen zurückgreifen.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


In den vergangenen Jahren haben wir als Startup sicherlich einige Herausforderungen gemeistert, wie es für junge Unternehmen typisch ist. Dazu gehören beispielsweise Schwierigkeiten bei der Skalierung oder damit, die richtige Balance zwischen Agilität und Struktur zu finden. Oftmals mussten unsere Teams schnell auf veränderte Anforderungen reagieren, gleichzeitig war stets eine gewisse Struktur und Planung erforderlich, um langfristige Ziele zu erreichen und das Wachstum des Unternehmens zu unterstützen. Ein Problem war oft auch, dass sich die Marktnachfrage anders entwickelte als erwartet. Fehler und Irrtümer gehören mit dazu, im Leben wie beim Gründen. Heute bin ich froh um all die Erkenntnisse, die ich und wir damit gewinnen konnten. Wir haben daraus gelernt und sind besser geworden. Wichtig ist dabei, trotz allem positiv zu bleiben.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?


Ich denke mehr, als wir falsch gemacht haben. Wir haben die Stärken unseres Teams genutzt und immer den Mehrwert für unsere Kunden im Blick gehabt. Mit kontinuierlicher Marktbeobachtung und Kundenfeedback haben wir unsere Plattform ständig verbessert und an die Bedürfnisse unserer Nutzer:innen angepasst, bis heute. Das ist ein fortlaufender Prozess. Manchmal ist es aber auch ein bisschen richtiges Timing. Wir existierten bereits, als während der COVID-19-Pandemie Unternehmen verstärkt auf digitale Lösungen angewiesen waren. Zusätzlich zu unserer technologischen Expertise haben wir von Anfang an in den Aufbau eines starken Netzwerks investiert. Wir haben aktiv an Branchenveranstaltungen teilgenommen, Partnerschaften geschmiedet und uns um Feedback von Expert:innen und potenziellen Kunden bemüht. Dies hat uns wertvolle Einblicke und Unterstützung gebracht, die meiner Ansicht nach entscheidend für unseren Erfolg waren und immer noch sind. Wir investieren in unsere Community und das Investment lohnt sich.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?


Mein Rat an andere Gründer:innen ist, die Bedeutung eines starken Netzwerks nicht zu unterschätzen. Es ist wichtig, aktiv Beziehungen zu potenziellen Kund:innen, Investor:innen, Branchenexpert:innen und anderen Unternehmen aufzubauen und zu pflegen. Dabei sollten Gründer:innen flexibel und offen für Feedback sein, um ihr Produkt oder ihre Dienstleistung kontinuierlich zu verbessern und an die Bedürfnisse des Marktes anzupassen.

Euer Firmensitz in Jena. Ist das nun ein Vor- oder ein Nachteil?


Für uns ist der Standort unserer Firma in Jena ein echtes Geschenk! Ich bin persönlich sehr mit dieser Stadt verbunden und kenne die Vorzüge aus erster Hand. Jena bietet eine wirklich inspirierende Umgebung für Startup-Gründer:innen wie uns. Neben den zwei renommierten Hochschulen ziehen auch zahlreiche Forschungseinrichtungen Fachkräfte an, was uns den Zugang zu qualifizierten Talenten erleichtert. Zudem profitieren wir von einer gut ausgebauten Infrastruktur an Beratungs- und Förderangeboten, die uns dabei unterstützen, unser Unternehmen erfolgreich zu führen und weiter auszubauen. Die Nähe zu den Einrichtungen und die vielfältigen Netzwerkmöglichkeiten tragen dazu bei, dass wir stets am Puls der Zeit bleiben und von den neuesten Entwicklungen in unserer Branche profitieren können. Gerade die Digitalbranche hier ist sehr eng vernetzt. Ich sehe unseren Standort in Jena als klaren Vorteil und bin davon überzeugt, dass er maßgeblich zu unserem Erfolg beiträgt.

Wie sieht die Situation in Thüringen allgemein aus? 


Viele Startups kämpfen gerade um ihr wirtschaftliches Überleben und suchen nach Möglichkeiten, ihre Kosten zu reduzieren. Wenn die Konjunktur anzieht, steht ein neues, großes Problem am Horizont: der Fachkräftemangel. Hier in Jena haben wir das große Glück, durch die Hochschulen regelmäßig an neues, qualifiziertes Personal zu kommen, aber das ist nicht überall in Thüringen der Fall. Was fehlt, sind Ballungszentren für ausländische Fachkräfte. Dazu kommt, dass der Visa-Prozess in Deutschland viel zu komplex ist. Das muss sich ändern. Denn ausländische Fachkräfte bringen nicht nur ihre Kompetenzen mit, sondern auch neue Perspektiven und einen erweiterten Horizont für das gesamte Startup und helfen so nicht zuletzt bei der Internationalisierung. Deswegen finden auch unter Thüringer Gründer:innen populistische Anti-Immigrations-Haltungen keinen Anklang. So eine Politik hätte verheerende Auswirkungen auf das Startup-Ökosystem.

Wo steht rooom in einem Jahr?


In einem Jahr streben wir an, unsere Marktpräsenz weiter auszubauen und in verschiedenen Sektoren wie HR, Learning und dem verarbeitenden Gewerbe stärker Fuß zu fassen. Wir werden unsere Plattform kontinuierlich weiterentwickeln und neue Funktionen einführen, um den Anforderungen unserer Kunden gerecht zu werden. Dabei wollen wir verstärkt auf Marktdurchdringung setzen und Partnerschaften mit führenden Unternehmen in verschiedenen Branchen eingehen, um unser Wachstum zu beschleunigen und unsere Position als Innovationsführer zu festigen. Außerdem wollen wir die Community weiter ausbauen, sodass Content noch einfacher in unserer Plattform erstellt und geteilt werden kann. Wir wollen sicherstellen, dass wirklich jede:r seinen oder ihren Platz innerhalb unserer Lösung findet.

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Foto (oben): rooom

#Interview – “Gründen war schon immer ein Traum von mir”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Ich würde anderen Gründerinnen und Gründern mitgeben, dass sie keine Angst haben sollen anzufangen: Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt. Perfektionismus bringt niemanden weiter”, sagt Evan Petkov von Optiml.

“Gründen war schon immer ein Traum von mir”

Freitag, 26. Juli 2024VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Evan Petkov, Gründer von Optiml. Das Zürcher SaaS-Start-up bietet “Immobilienunternehmen und Beratern eine Plattform, um finanziell und ökologisch ausgewogene Entscheidungen für Sanierungs- und Dekarbonisierungsstrategien zu treffen”.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Als Gründer eines Startups ähnelt der Arbeitsalltag oft einer Achterbahnfahrt. Man schlüpft in viele verschiedene Rollen, das ist aber auch genau der Reiz an der Position. An manchen Tagen ist der Kalender voll mit Kundengesprächen, operativen Aufgaben und, hoffentlich nicht, zu dringenden Problemlösungen. An anderen Tagen kann ich strategischer und durchdachter vorgehen, ohne dass ich viele Termine habe oder für Probleme auf Abruf bereit bin. Was ich jeden Tag versuche, ist, den Tag mit ein bis zwei Stunden für mich allein zu beginnen, um die Morgenstunden konzentriert zu nutzen.

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?


Sport bietet mir den besten Ausgleich. Aber es kann schwierig sein, ihn einzuplanen, besonders während den kalten Monaten. Wenn es wärmer ist, betreibe ich hauptsächlich Ausdauersport wie Radfahren, Laufen und Schwimmen. Hier hilft es, sich selbst kleine Motivationen zu setzen. Dieses Jahr habe ich mich zum Beispiel für den Zürcher Triathlon angemeldet. Als ich noch an der Uni war, habe ich als Hobby zwischendurch selbst Bier gebraut. Ich genieße also noch heute ab und zu ein gutes Bier.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?


Als Entwickler des ersten Produkts der Optiml-Software während meines PhDs fiel es mir bei der Gründung schwer, das Produkt loszulassen und den Stab an das Team zu übergeben. Dieser Schritt war aber nötig, damit ich mich auf den Aufbau von Optiml als Firma konzentrieren konnte. Ich hätte vorher nicht erwartet, dass mir – als Ingenieur im Herzen – die technischen Details so fehlen würden! Ich wünschte, ich hätte vorher gewusst, wie viel es bedeutet, in eine Führungs- und Management-Rolle hineinzuwachsen. Vor allem, wenn diese Rolle so gar nicht der eigenen Ausbildung entspricht. Trotzdem bin ich froh, heute da zu sein, wo ich bin, denn Gründen war schon immer ein Traum von mir.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?


Als Amerikaner war es definitiv nicht einfach, ein Spin-off an der ETH Zürich zu gründen, es gab Visaprobleme und rechtliche Fragen zu klären. Diese wichtigen und “showstopping” rechtlichen Aspekte waren definitiv der härteste Teil, vor allem weil diese am Anfang in einer so fragilen Unternehmensphase zu bewältigen waren. Gerade im Vergleich mit einer Gründung in den USA hatten wir überraschend viele Hürden zu überwinden.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast und was hast Du aus diesen gelernt?


Ich würde sagen, es gibt zwei Dinge, die ich als größere Fehler betiteln kann. Zum einen habe ich aufgrund mangelnder Hiring-Erfahrung zu Beginn zwei Mitarbeitende schnell wieder entlassen müssen. Der Fehler lag also darin, die falschen Personen für unser Startup eingestellt zu haben. Die beiden haben die Software in ihrer Gänze nicht verstanden und standen entsprechend auch nicht zu 100 Prozent hinter dem Produkt. So etwas findest du am Anfang schwer in Interview-Gesprächen heraus, ist mir aber doch ein großes Learning. Fehler Nummer zwei ist, dass wir uns zu Anfang vermehrt auf den Schweizer Markt konzentrieren wollten, was gar nicht nötig war, wie wir kurz darauf feststellen durften. Das Interesse an unserer Dekarbonisierungs- und Sanierungsoftware für Immobilien war so groß, dass es weit über die Grenzen von Europa hinausreichte. Wir haben bereits vor dem offiziellen Software-Launch im April 2024 Pilotprojekte mit den größten Gebäudeeigentümern in Europa und den USA durchgeführt. Und nun im April im DACH-Raum und UK gelauncht. Mit anderen Worten: Wir konzentrieren uns von jetzt an auf mehrere Länder, und natürlich vor allem auf die, wo wir das meiste Potential für die Dekarbonisierung von Immobilien sehen – Immer mit dem Ziel im Hinterkopf, die CO2-Emissionen des Gebäudesektors so schnell wie möglich und kosteneffizient herunterzufahren.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?


Die Einstellung der Mitarbeiter:innen ist meiner Meinung nach der wichtigste Aspekt für Unternehmen in der Frühphase, aber auch eine der am schwersten fassbaren, wenn man sich meine Geschichte von gerade anhört. Man kann auf dem Papier erstaunlich gute Kandidaten und Kandidatinnen haben, trotzdem kann die Persönlichkeit nicht zum Team passen. Einer der besten Wege, die wir für uns gefunden haben, ist, die Stellenbeschreibung mehrmals zu iterieren. Und auch, die Stellenausschreibung umfassend zu gestalten, um sehr verschiedene Profile anzusprechen. Wir führen zudem mehrere Interviews durch und veranstalten auch ein kleines “lockeres” Treffen mit allen Teammitgliedern, um zu schauen, wie der kulturelle Fit ist. Die Rollen im Startup entwickeln sich so schnell, dass man Menschen braucht, die unternehmerisch und “out of the box” denken können.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Ich würde anderen Gründerinnen und Gründern mitgeben, dass sie keine Angst haben sollen anzufangen: Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt. Perfektionismus bringt niemanden weiter. Versendet eure Prototypen, führt Gespräche, holt euch Kundenfeedback ein und iteriert. Wenn euer Produkt bereits funktioniert, habt ihr quasi zu spät mit diesen Prozessen angefangen. Es gibt so viel zu sagen zu einer Gründung, aber am wichtigsten ist es denke ich, tolle und auch passende Investoren zu finden, solche, die euch eure Geschichte selbst erzählen lassen und die euer Team vervollständigen.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): Optiml

#Interview – “Unseren Hauptinvestor haben wir im Wald getroffen”

#Interview

Die CrateDB-Macher Jodok Batlogg und Christian Lutz setzen nun auf Tree.ly und das Boom-Thema ClimateTech. “Viele Dinge gehen sehr leicht von der Hand und man ist beim vierten oder fünften Mal schon sehr effizient”, sagt Seriengründer Batlogg.

“Unseren Hauptinvestor haben wir im Wald getroffen”

Mittwoch, 24. Juli 2024VonAlexander Hüsing

Das ClimateTech Tree.ly mit Sitz in Dornbirn und Berlin, 2021 von den CrateDB-Machern Jodok Batlogg und Christian Lutz ins Leben gerufen, möchte Waldbesitzer:innen helfen, “in ihrem Wald zusätzliche Einnahmen durch die CO2-Speicherung zu generieren”. Unternehmen wiederum bietet das Unternehmen “CO2-Gutschriften mit Mehrwert” an. PortfoLion, aws Gründungsfonds, SymbiaVC und Tyrolean Business Angel-Netzwerk investierten zuletzt 5 Millionen Euro in das Unternehmen. 20 Mitarbeitende wirken derzeit für Tree.ly.

Im Interview mit deutsche-startups.de stellt Seriengründer Batlogg Tree.ly einmal ganz ausführlich vor. 

Wie würdest Du Deiner Großmutter Tree.ly erklären?


Es ist 2024. Wir alle wissen, dass der Klimawandel unsere Welt ernsthaft bedroht und dass dabei auf der einen Seite die Emissionen (von Firmen) – und auf der anderen Seite Ökosysteme (wie Wälder) eine entscheidende Rolle spielen. Wenn Firmen ihre Emissionen verringern und gleichzeitig die finanzielle Verantwortung für Klimaschutz übernehmen, können diese Mittel in den Erhalt und den Ausbau unserer Ökosysteme und natürlichen CO2-Senken investiert werden. Das geeignete Mittel dafür sind CO2-Credits. Dabei gab es in der Vergangenheit leider viel Missbrauch. Tree.ly ist eine Plattform, die regionale, glaubwürdige und wirkungsvolle Klimaschutzprojekte entwickelt und dabei europäische Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer mit Firmen zusammenbringt. 

Wie wollt Ihr Geld verdienen, also wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?


Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer bezahlen uns für unsere Leistungen (Projektentwicklung, Zertifizierung, Vermarktung und Vertrieb) in Form eines erfolgsabhängigen Betrages. Wir übernehmen Vor-Investitionen und minimieren dadurch das finanzielle Risiko für sie.

Wie ist die Idee zu Tree.ly entstanden?


Mir war es wichtig, direkt an der CO2-Senke – “mit einem Bein im Wald” – verankert zu sein. Sprich, kein weiteres “Layer of Abstraction” – Handelsplattform, enabling technology, – sondern etwas, wo echtes CO2 bewegt wird. Zudem wollte ich mich auf naturbasierte Lösungen konzentrieren: Denn ich glaube, dass die Kombination aus Natur und Software-Technologie unschlagbar ist. Es war mir auch wichtig, etwas mit Fokus auf Europa zu machen.

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?


Missbrauchsfälle – vorwiegend im Regenwald haben für einen starken Einbruch des gesamten Voluntary Carbon Market gesorgt. Jedoch sind glücklicherweise gleichzeitig die Preise für lokale, hochqualitative Projekte um 78 % gestiegen. Eine starke Industrielobby – unter anderem fossile Industrie – propagiert technische Removals – zum Beispiel Direct Air Capture – als permanente Lösung. Die  schwierige Messbarkeit der Co-Benefits wie Biodiversität, Wasser und die Volatilität von Ökosystemen macht das komplexer zu verstehen.

Vor Tree.ly  hast Du bereits CrateDB  hochgezogen. Was reizt Dich, wieder ein Startup hochzuziehen?


Ich war schon immer im Startup-Umfeld tätig. Auch schon vor Crate.io. Ich kann mir keine andere Welt vorstellen. Mir gefällt die Geschwindigkeit, mit der wir unterwegs sein können. Und ich mag es auch lieber, mich mit jungen, intrinsisch motivierten Menschen zu umgeben.

Ist beim erneuten Gründen wirklich alles einfacher als beim ersten Mal?


Viele Dinge gehen sehr leicht von der Hand und man ist beim vierten oder fünften Mal schon sehr effizient. Jedoch ist es auch sehr anstrengend, ganz alleine zu starten. Es benötigt schon einen gewissen Mut, von einer “sicheren”, größeren Umgebung auf ein komplett weißes Blatt umzusteigen. Aber in drei Jahren von One-Man-Show im Sabbatical auf 20 Mitarbeitende zu wachsen macht auch unglaublich viel Spaß.

Welche Erfahrungen aus CrateDB fließen denn in Tree.ly ein?


Der Aufbau von cross-funktionalen, distributed high-performance Teams mit hoher Diversität. Das immerwährende, agile Anpassen des Produktes in Richtung eines skalierenden Product-Market-Fits. Das Schließen von strategischen Kooperationen und der Umgang mit Investoren ist sicher auch etwas, wo Seniorität viel hilft.

Ihr konntet bereits Investorengelder einsammeln. Wie seid ihr mit euren Geldgebern in Kontakt gekommen?


Tree.ly ist ein New-Generation Startup. Wir sind ein for-profit impact Unternehmen. Das gibt es in dieser Form noch nicht. Wie schaffen wir es, above-market performance in Bezug auf Growth zu zeigen – und gleichzeitig den Impact auf unseren Planeten zu maximieren. Unseren Hauptinvestor, bzw. dessen Partner Aurel, haben wir das erste Mal persönlich im Wald beim Gespräch mit einem möglichen Kunden  in Ungarn getroffen.  Mein Partner Christian hat schon unzählige Finanzierungsrunden begleitet und mehr als 100 Mio. Euro  gesammelt. Aber das aktuelle Funding-Umfeld war wirklich brutal.

Wo steht Tree.ly in einem Jahr?


Wir haben es geschafft, unser Produkt weiter zu standardisieren, um Co-Benefits wie Biodiversität anzureichern. Im Hintergrund haben wir die besten Telemetrie-Daten unserer Wälder in unserem Storage und sind in der Lage, für jeden Flecken das optimale Impact-Potential zu berechnen. Wir sind in der Lage, Impact zu messen und zu accounten.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Tree.ly, Julian-Schmelzinger

#Interview – “Die Startfinanzierung aus der eigenen Tasche erlaubt mehr Freiheit”

Das Wiener Startup fynk, 2022 von den Prescreen-Gründern Constantin Wintoniak, Dominik Hackl und Markus Presle gegründet, positioniert sich als “Vertragsmanagement-Software zur Erstellung, Prüfung, Zeichnung und Analyse von Verträgen in großer Anzahl”. Das Team verspricht seinen Nutzerinnen und Nutzern dabei eine “infache, moderne Vertragsmanagement Software zur Erstellung, Prüfung, Zeichnung und Analyse von Verträgen in großer Anzahl”.

“Wir konnten bereits vor dem offiziellen Start – also Launch – in einer geschlossenen Beta-Phase mit ersten Kunden arbeiten. Davon gibt es ungefähr 50, die ihre Nutzung von fynk auch laufend auf weitere Teams und Anwendungsfälle erweitern. Das geschieht aktuell mit einem Team von 10, bald 12, Mitarbeiter:innen. Da wir erst diese Woche unseren Public Launch hatten, will und kann ich zu Zahlen und Fakten nicht mehr sagen”, sagt Gründer Wintoniak zum Stand der Dinge bei fynk.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Prescreen-Gründer außerdem über Leidenschaft, Perfektionismus und Freiheit.

Wie würdest Du Deiner Großmutter fynk erklären?


Meine Oma und ich sprechen tatsächlich immer wieder darüber und das dient mir als UI/UX-Designer oft als Orientierung, ob es uns gelingt, den Mehrwert unseres SaaS-Produkts zu erklären: Stell dir vor, du hast irgendwo eine verstaubte Kommode voll mit wichtigen Papieren, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben. Jedes Mal, wenn du dann versuchst, etwas Bestimmtes darin zu finden, musst du mühsam Blatt für Blatt durchgehen. Unsere Lösung hilft den Mitarbeiter:innen von kleinen bis mittelgroßen Unternehmen dabei, dass ihnen das nicht passiert. Wir verwenden moderne Technologie, um alte und neue Dokumente sicher im Internet zu speichern. Du hast in letzter Zeit bestimmt schon den Begriff „Künstliche Intelligenz“ gehört: Die benutzen auch wir, als digitalen Assistenten, der den Leuten  dabei hilft, die richtigen Papiere schneller zu finden, deren Inhalt zu verstehen und sich zum Beispiel an wichtige Termine und Fristen erinnern zu lassen, oder kritische Stellen hervorzuheben. Weil es den Menschen Zeit, Nerven und Geld spart, wollen sie in Zukunft jedes Dokument, genauer gesagt Verträge, nur noch auf diese Weise erzeugen, bearbeiten und sogar unterschreiben.

War dies von Anfang an euer Konzept?


Wir kennen die Herausforderung, dass Dokumente oft unstrukturiert und schwer zu organisieren sind, schon aus der Vergangenheit. Ursprünglich hatten wir den Plan, erst einmal folgendes Problem zu lösen: Wir wollten erkennen, ob eine oder mehrere besonders kritische Klauseln in einem Vertrag enthalten sind, die man typischerweise im Software-Vertrieb vom Gegenüber – dem potenziellen Kunden – geschickt bekommt. Wir haben also im Herbst 2021 erstmals versucht, eine Klausel-Identifikation mit einem selbst gehosteten LLM zu implementieren. Die Resultate waren vielversprechend, aber wir haben dabei zwei Dinge erkannt. Erstens: Wir bräuchten sehr viele Daten und viel Geld, um so ein Modell ordentlich zu trainieren. Zweitens: Damit Unternehmen dieses Produkt nutzen können, müsste rundherum sehr viel andere Funktionalität zusätzlich vorhanden sein. Nur wenn die Lösung direkt in die wichtigen Unternehmensprozesse integriert ist, können unsere Kunden optimal von moderner KI profitieren. Wir haben unser Modell also nicht verändert, sondern erweitert. Der übliche Tipp „fange mit einem möglichst kleinen MVP an“ war dabei so nicht realistisch umsetzbar. Positiv hat sich ergeben, dass mit dem Aufstieg von GPT und dem Hype um LLMs im Allgemeinen plötzlich eine Technologie zur Verfügung stand, die es uns zu wesentlich geringeren Kosten ermöglicht, eine der Kernfunktionalitäten schneller und vermutlich auch besser zu entwickeln, als das im Alleingang je möglich gewesen wäre.

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?


Unser Ziel ist es, eine ganze Produktkategorie neu zu definieren. Das bedeutet, dass wir die Art und Weise, wie Unternehmen mit rechtlichen bzw. kommerziellen Dokumenten arbeiten, verändern wollen. Es handelt sich dabei um ein sehr komplexes Thema, da es mit Microsoft Word ein über 40 Jahre altes Produkt gibt, welches Unternehmen sehr stark an sich bindet. Über 90 % der Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeiter:innen verwenden kein System zur strukturierten Ablage von Verträgen. Um solchen Unternehmen einen Umstieg zu ermöglichen, ist es erforderlich, den gesamten Prozess vom Import bzw. der Erstellung, über die Zusammenarbeit bis zur digitalen Unterschrift, Ablage und Nachverfolgung, in einem Produkt abzubilden. Und dieses muss auch noch unglaublich einfach zu benutzen sein. Das erklärt die 2-jährige Entwicklungsphase, an deren Ende wir nun stehen.

Wo steht fynk derzeit?


Wir konnten bereits vor dem offiziellen Start – also Launch – in einer geschlossenen Beta-Phase mit ersten Kunden arbeiten. Davon gibt es ungefähr 50, die ihre Nutzung von fynk auch laufend auf weitere Teams und Anwendungsfälle erweitern. Das geschieht aktuell mit einem Team von 10, bald 12, Mitarbeiter:innen.

Vor fynk hast Du bereits Prescreen aufgebaut und erfolgreich an Xing verkauft. Was reizt Dich daran, nun wieder ein Startup hochzuziehen?


Persönlich war es für mich reizvoll, wieder selbst „Hand anzulegen“. Ich bin und bleibe im Herzen ein produktfokussierter Mensch und meine Leidenschaft ist UI/UX-Design, sowie Frontend-Webentwicklung. Diese Dinge kommen in einer großen Organisation mit der Zeit irgendwann zu kurz. Sie werden dann von anderen, nicht minder spannenden Herausforderungen abgelöst. Ich denke, dieser Wechsel zwischen unterschiedlichen Phasen und Rollen ist es, der das Leben als Gründer reizvoll macht. In einem Startup hat man die Möglichkeit, mit maximaler Geschwindigkeit den höchsten Innovationsgrad zu liefern. Das liegt einerseits daran, dass man in einem kleinen Team viel kürzere Kommunikationswege hat und andererseits daran, dass man noch sehr eng mit den Kunde:innen zusammenarbeiten kann. Und letztlich auch, weil in einem Startup ein viel höheres Gefühl von Eigenverantwortung entsteht, nicht nur bei den Gründern, sondern auch beim gesamten Team. Hinzu kommt , dass gerade große Unternehmen, insbesondere kurz vor oder kurz nach dem Börsengang, sehr kurzfristig incentiviert agieren. Da geht es selten um Mehrwert und Wachstum, sondern viel mehr um die EBITDA-Marge. Ich sage damit nicht, dass Profitabilität nicht wichtig ist, aber das sehr kurzfristige und manchmal auch kurzsichtige Vorgehen von Konzernen überrascht mich immer wieder.

Ist beim erneuten Gründen wirklich alles einfacher als beim ersten Mal?


Jein. Das Netzwerk und der Ruf sind ein klarer Vorteil bei der Finanzierung. Die Startfinanzierung aus der eigenen Tasche zu ermöglichen, erlaubt auch mehr Freiheit und manche Fehler lassen sich eher vermeiden. Ein gutes Beispiel dafür ist die verlorene Zeit auf zu vielen „Networking“-Veranstaltungen, die einen nicht näher an sein Ziel bringen, aber Startup-Gründer ganz gerne in ihren Bann ziehen. Andererseits neigt man beim zweiten Mal zu einem stärker ausgeprägten Perfektionismus, der einen ausbremsen kann. Der Trugschluss, dass man schon „alles weiß“, ist eine große Gefahr. Zu guter Letzt habe ich es persönlich auch so empfunden, dass der Druck, jemandem etwas „beweisen zu müssen“ beim zweiten Mal sogar durchaus größer sein kann. Erstens ist man älter. Das Argument „ich bin ja noch jung“ funktioniert irgendwann nicht mehr. Zweitens steht man wieder am Anfang und es heißt: Alles oder nichts.

Welche Erfahrungen aus Prescreen fließen in fynk ein?


Einerseits, was es bedeutet, ein Unternehmen von 0 auf über 100 Mitarbeiter:innen zu entwickeln und wie man ein Software-As-A-Service Produkt in Mitteleuropa erfolgreich skaliert. Andererseits die Arbeit in einem börsennotierten Unternehmen mit über 1.500 Mitarbeiter:innen und brillanten Spezialist:innen, von denen man das Lösen von spezifischen Problemen lernen kann. Auf der negativen Seite, dass jeder Exit mit einem strategischen Kontrollverlust einhergeht und man am Ende manchmal Entscheidungen zusehen muss, die man selbst anders getroffen hätte. Die wichtigste Erfahrung aus der Prescreen-Zeit ist aber, wie oben bereits kurz erwähnt, vor allem die Gewissheit, dass es ein reales Problem gibt, das für viele Unternehmen heute nicht zureichend gelöst ist. Ich selbst wurde oftmals am Wochenende vor einem Quartalsende spätabends angerufen, um noch irgendeinen externen „Supplier Code of Conduct“ oder ähnliches zu prüfen, bzw. irgendwelche Änderungsvorschläge an unseren eigenen Vorlagen zu beurteilen. Dass man den Entscheider anruft, ist nur verständlich, wenn ein Vertriebsteam seine Ziele erreichen will. Aber ich dachte mir damals schon: Es muss besser gehen, es muss dafür doch eine Software-Lösung geben. Die Konsequenz: Meine Co-Founder und ich haben zwei Jahre unseres Lebens der Lösung dieses Problems gewidmet und jetzt gibt es fynk.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?


Sucht eine unternehmerische Herausforderung, an der ihr gerne arbeitet. Geld soll dabei nie der Antrieb sein. Das hilft besonders in schwierigen Phasen, die unweigerlich vor euch liegen werden.

Wo steht fynk in einem Jahr?


In einem Jahr werden wir vom DACH-Markt in den gesamten europäischen Raum und darüber hinaus internationalisieren und eine deutlich dreistellige Zahl an zufriedenen Kunden vorweisen können.

Foto (oben): fynk, Victor Liska

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