#StartupTicker – +++ Aleph Alpha +++ N26 +++ Extantia Capital +++ 1Komma5° +++ Pivot +++

#StartupTicker

#StartupTicker Aleph Alpha: 468 Capital und Lakestar machen ordentlich Kasse N26 arbeitet ein Quartal profitabel Extantia Capital legt Fonds auf (204 Millionen) 1Komma5° gründet Heartbeat AI aus 4 Schritte zum perfekten Pivot

    Aleph Alpha     N26     Extantia Capital     1Komma5°     Pivot

Donnerstag, 21. November 2024VonTeam

Was gibt’s Neues? In unserem #StartupTicker liefern wir eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Startup-Nachrichten des Tages (Donnerstag, 21. November)

#STARTUPTICKER

Aleph Alpha


Ausstieg: Die beiden millionenschwereren Kapitalgeber 468 Capital und Lakestar steigen beim Heidelberger KI-Unternehmen Aleph Alpha aus – siehe auch Manager Magazin.  “Die Secondary-Transaktion erfolgt ein Jahr nach der erfolgreichen Series-B-Finanzierungsrunde”, teilt das Unternehmen mit. Die Anteile der beiden sehr frühen Aleph Alpha-Investoren wandern zu Unternehmen der Schwarz Gruppe (Lidl, Kaufland), Earlybird Venture Capital und Burda Principal Investments. Im Gegensatz zu 468 Capital und Lakestar glauben diesen Geldgeber an eine goldene Zukunft für Aleph Alpha. Zudem investiert die deutsche Bank eine ungenannte Summe in Aleph Alpha. Insgesamt investierte 468 Capital wohl etwas mehr als 5 Millionen Euro in Aleph Alpha. Nun erhielt der Investor laut Bericht knapp 39 Millionen für seine Anteile. Das Heidelberger KI-Unternehmen, 2019 von Jonas Andrulis gegründet  entwickelt KI-Systeme, mit denen Unternehmen und Behörden ihre Prozesse automatisieren können. Anfangs setzte das Unternehmen auf allgemeine KI-Modelle. Mehr über Aleph Alpha

N26


Die Berliner Smartphone-Bank N26 arbeitet profitabel – zumindest auf Quartalsbasis. “Im Juni 2024 hat N26 erstmals einen monatlichen Gewinn verzeichnet. Das dritte Quartal 2024 schloss N26 mit einem operativen Ergebnis von 2,8 Millionen Euro ab und hat damit seinen ersten Quartalsgewinn verbucht”, heißt es in einer Presseaussendung. Für das Gesamtjahr 2024 erwartet das Unternehmen “einen weiter beschleunigten Anstieg seiner Bruttoerträge von etwa 40 % auf rund 440 Millionen Euro”. Unter dem Strich soll 2024 “ein moderat positives operatives Ergebnis” stehen. N26 wächst somit nach den aufgehobenen Beschränkungen durch die Bafin wieder. Mehr über N26

Extantia Capital


Ein praller Geldtopf! Der Berliner ClimateTech-Investor Extantia Capital verkündet das Final Closing seines sogenannten “Flagship Fund”. Im Topf sind beachtliche 204 Millionen Euro. Zuletzt hatte der Geldgeber den Fonds mit 150 Millionen angekündigt. “This oversubscribed fund supercharges our commitment to backing bold, industry-changing entrepreneurs”, teilt das Team auf Linkedin mit. Extantia Capital, 2020 gegründet, investiert zwischen 1 und 5 Millionen Euro in junge Startups. Mehr über Extantia Capital

#LESENSWERT

1Komma5° – Heartbeat AI – Pivot


1Komma5° gründet Heartbeat AI und investiert 100 Millionen in seinen KI- und Software-Ableger (Trending Topcs)  4 Schritte zum perfekten Pivot (Gründerszene)

#DEALMONITOR

Investments & Exits


KoRo sammelt 35 Millionen ein apaleo erhält 20 Millionen Deutsche Bank investiert in Aleph Alpha caera erhält Millionensumme Investorengruppe kauft MetricsCosmetics Rheindigital übernimmt fyrfeed. Mehr im Deal-Monitor

Was ist zuletzt sonst passiert? Das steht immer im #StartupTicker

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Bing Image Creator – DALL·E 3

#Interview – “2020 ist der Markt für unsere Wettbewerber eingebrochen”

#Interview

In den vergangenen Jahren flossen rund 35 Millionen in Wunderflats. Das Berliner Unternehmen, von Jan Hase und Arkadi Jampolski gegründet, setzt seit 2015 auf die Vermietung von voll möblierten Wohnungen. 190 Mitarbeitenden wirkten derzeit für Wunderflats.

“2020 ist der Markt für unsere Wettbewerber eingebrochen”

Dienstag, 19. November 2024VonAlexander Hüsing

Das Berliner Startup Wunderflats, 2015 von Jan Hase und Arkadi Jampolski gegründet, bietet möblierte Wohnungen zur Miete an. Zielgruppe sind insbesondere Unternehmen, die für einige Wochen oder Monate Wohnungen für ihre Mitarbeitenden suchen. Investoren wie Creathor Venture, IBB Ventures, PT1, Verdane und Axel Springer Digital Ventures investierten in den vergangenen Jahren rund 35 Millionen Euro in das Unternehmen. 190 Mitarbeitenden wirken derzeit für Wunderflats.

Im Interview mit deutsche startups spricht Gründer Jampolski einmal ausführlich über die bisherige Entwicklung des Unternehmens.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Wunderflats erklären?


Wunderflats ist ein sicherer und einfacher Ort im Internet, um ein Zuhause zu mieten. Vermieter vermieten bei uns voll möblierte Wohnungen. Mieter aus Deutschland und dem Ausland mieten sie.

War dies von Anfang an Euer Konzept?


Ganz am Anfang, 2015, war unsere Zielgruppe Studierende. Über unsere Plattform konnten sie den passenden Wohnraum finden. Wir hatten mehrere Hundert Wohnungen vermittelt, waren im Microsoft Accelerator Programm und befanden uns augenscheinlich auf dem richtigen Weg – bis wir Geld für unsere Plattform verlangt haben. Geld ausgeben wollte niemand für unsere Lösung. Wir standen also ohne Kunden und Finanzierung dar.

Wie ging es dann weiter?


Als mein Mitgründer Jan Hase dann seine eigene Wohnung befristet an ein Gründerteam aus San Francisco vermietet hat – und währenddessen bei mir lebte – haben wir festgestellt: Unsere Zielgruppe sind vor allem die internationalen Fachkräfte, die in Deutschland ein vertrauenswürdiges Mietverhältnis suchen. Denn wer aus dem Ausland nach Deutschland kommt, hat für gewöhnlich keine Schufa-Auskunft. So eine Wohnung finden wird schwer. Und auch für Vermieter in Deutschland ist es häufig schwer, Mieter aus dem Ausland zu verifizieren. Und für dieses Produkt war der Markt bereit, Geld auszugeben. Am 11. März 2015 haben wir unseren ersten Umsatz verbucht.

Wie hat sich Wunderflats seit der Gründung entwickelt?


Am 11. März 2015 war die erste Person dazu bereit, für unser Produkt Geld zu bezahlen, knapp zehn Jahre später suchen über 20.000 Personen pro Tag nach Wohnungen über Wunderflats und wir gehören zu den größten Anbietern für flexibles Wohnen in Europa. Neben unserem Kernmarkt Deutschland sind wir in Österreich und Frankreich verfügbar – weitere Expansionen sind geplant.

Was war zuletzt das Highlight bei Euch?


Unser Start in Paris war sicherlich eins der größten Highlights. Vor Ort leitet unser Managing Director Gabriel Brüser das französische Team. Er selbst hat in Paris schon in 17 Wohnungen gelebt und weiß wie kompliziert der französische Mietmarkt sein kann. Die Mietverträge in Frankreich sind zum Teil deutlich komplexer als in Deutschland, es gibt zahllose Regelungen, die Mieter und Vermieter beachten müssen. So kann es passieren, dass man, um eine neue Wohnung anzumieten, bereits eine französische Anschrift benötigt – unmöglich für ausländische Fachkräfte. Wir nehmen diese Komplexität von den Schultern der Mieter und Vermieter. Ein weiteres Highlight war und ist das Projekt “Helfende Wände”. Mit der bundesweiten Initiative vereinfachen und beschleunigen wir die Bereitstellung von Unterkünften und die vorübergehende Unterbringung von Geflüchteten aus der Ukraine. Kofinanziert von der Europäischen Union und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, haben wir das Projekt mit der gemeinnützigen Organisation ProjectTogether ins Leben gerufen. Herzstück der Initiative ist die Plattform helfendewaende.de, auf der Anbieter ihren verfügbaren, privaten Wohnraum Geflüchteten aus der Ukraine zur Verfügung stellen können. “Helfende Wände” wird zusätzlich von der humanitären Organisation IPSO begleitet, die sich auf psychologische Beratung spezialisiert hat. Ursprünglich 2022 als Pilotprojekt in Reaktion auf den Krieg in der Ukraine ins Leben gerufen, hat die Plattform Tausende Geflüchtete aus der Ukraine bei der Suche nach einem vorübergehenden Zuhause in Deutschland unterstützt.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


Zwischen 2017 und 2020 hatten wir zwar eine solide Kunden- und Umsatzbasis, aber es gab etwa sechs Wettbewerber in Europa, die ähnlich aufgestellt waren wie wir. Irgendwann waren sie sogar gemessen an den Finanzierungsrunden, zwei-, drei-, oder sogar zehnmal größer als wir; und sie waren in ganz Europa tätig, während wir uns vor allem auf unseren Kernmarkt Deutschland fokussierten. Das fühlte sich manchmal an wie ein Wettrennen zu verlieren. Wir kannten die genauen Zahlen des Wettbewerbs natürlich nicht, aber das Gefühl, das aus dem reinen Beobachten entstand, war nicht gut. 2020 ist der Markt für unsere Wettbewerber dann aber eingebrochen. Mieter aus dem Ausland blieben pandemiebedingt nahezu vollständig weg. Wir aber hatten eine solide Nachfragebasis aus dem Inland und konnten während dieser Phase sogar um 60 % wachsen.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?


Bei der Auswahl unserer Geschäftspartner. Unsere Investoren, Verdane und PropTech1, vertreten dieselben Werte wie wir. Wir können uns auf sie zu 100 Prozent verlassen. Als Russland die Ukraine angriff, haben wir ihnen unseren Plan für Helfende Wände erklärt – ein Projekt, das zwar einen großen sozialen Nutzen hat, aber – das liegt in der Natur der Sache – keinen Umsatz einbringt. Sie haben unserem Vorhaben komplett vertraut. Wir können uns auf sie als Menschen und als Geschäftspartner verlassen.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?


Gesunder Menschenverstand muss die erste Priorität sein. Einstellungsgespräche sind dafür ein gutes Beispiel: Wenn der Lebenslauf perfekt zur gesuchten Stelle passt, aber eine Person nicht zur Unternehmenskultur passt, sollte ich sie trotzdem nicht einstellen.

Wo steht Wunderflats in einem Jahr?


Wir werden bestehende Märkte weiter ausbauen und unsere Fühler in neue Märkte ausstrecken. Außerdem werden wir in einem Jahr eine deutlich umfangreiche Angebotspalette haben – dazu aber in Zukunft mehr. Wunderflats ist Deutschlands Marktführer für flexibles möbliertes Wohnen. Das Berliner Scale-up wurde 2015 von Jan Hase und Arkadi Jampolski gegründet. Die Plattform bietet einfache und sichere Lösungen für mittelfristige Anmietungen mit einer Mindestmietdauer von einem Monat und bringt Wohnungssuchende und Wohnungsanbieter zusammen. Wunderflats bietet eine umfassende Vermietungslösung. Diese umfasst verifizierte Mietverträgen, Wohnungen, Mieter und Vermieter sowie weitere Dienste, wie zum Beispiel professionelle Inserat-Fotos und die Mietverwaltung. Wunderflats listet derzeit über 50.000 Wohnungen in Europa und hat über 190 Mitarbeitende.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Wunderflats

#Interview – “Das B2C-Modell hat sich nicht durchgesetzt”

Das Kölner Unternehmen MySchleppApp, 2016 von Frank Heck und Santosh Satschdeva gegründet, positioniert sich als “digitales, flächendeckendes Pannenhilfenetzwerk”. Anfangs setzte das Team auf B2C, schwenkte dann aber ins B2B-Segment rüber. Zu den Kunden der Jungfirma gehören Automobilhersteller, Fuhrparkmanager und Leasing-Unternehmen. Kürzlich wanderte das Unternehmen unter das Dach von hlpy aus Italien.

“Die Übernahme durch hlpy ermöglicht uns weiteres Wachstum. Gemeinsam bedienen wir nun nicht mehr nur Deutschland und Österreich, sondern auch Italien, Frankreich und Spanien. Das schafft Synergien und neue Kunden auf beiden Seiten”, sagt MySchleppApp-Macher Satschdeva.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Satschdeva außerdem über organisches Wachstum, mediale Aufmerksamkeit und Nischen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter MySchleppApp erklären?


Unser Geschäftsmodell ist ziemlich einfach: Wir verbinden Menschen, die mit ihrem Auto liegengeblieben sind, mit Abschleppdiensten, die das Auto schnell abholen und in die Werkstatt bringen. MySchleppApp verdient Geld, indem wir eine Gebühr für diese Vermittlung nehmen.

Zum Start habt Ihr auf B2C gesetzt. Inzwischen liegt Euer Fokus auf B2B. Wie kam es zu diesem Wandel?


Das B2C-Modell hat sich aufgrund der starken Konkurrenz nicht durchgesetzt. Unseren ersten großen B2B-Kunden fanden wir schließlich in Bosch, mit denen wir noch heute zusammenarbeiten. Es hat sich gezeigt, dass wir in der B2B-Nische wirtschaftlich arbeiten und unseren Platz finden können. Inzwischen betreuen wir namhafte Unternehmen wie z.B. Tesla, die Deutsche Post, Signal Iduna oder BYD.

Wie hat sich MySchleppApp seit der Gründung entwickelt?


Vom Büro in den eigenen vier Wänden sind wir nach einem Zwischenstopp am Kölner Startplatz inzwischen in einem wunderschönen Büro-Gebäude in Köln-Porz angekommen. Wir sind von 3 auf 15 Mitarbeiter gewachsen und werden dieses Jahr noch zwei weitere Arbeitsplätze besetzen. Unser Pannenhilfe-Netzwerk ist in Deutschland flächendeckend und umfasst etwa 1.500 Dienstleister. Wir bearbeiten jährlich etwa 55.000 Pannen.

Gerade wurdet Ihr von hlpy übernommen. Wie genau geht es nun weiter für Euch?


Die Übernahme durch hlpy ermöglicht uns weiteres Wachstum. Gemeinsam bedienen wir nun nicht mehr nur Deutschland und Österreich, sondern auch Italien, Frankreich und Spanien. Das schafft Synergien und neue Kunden auf beiden Seiten.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


Wir haben eine neue Version unserer Partner-App für die Abschleppdienste gelauncht, die leider einige Bugs enthielt. So konnten wir mehrere Tage keine Aufträge an unser Netzwerk versenden, bis das Thema wieder im Griff war.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?


Zum einen ist da die Teilnahme am TV-Format “Die Höhle der Löwen”, die uns 2017 große mediale Aufmerksamkeit gebracht hat. Das hat uns natürlich sehr geholfen, interessante Kontakte zu knüpfen. Zum anderen war die Änderung unserer Strategie von B2C auf B2B ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung. Besonders wichtig war für uns auch das langsame, aber organische Wachstum und dass wir keine Investoren, dafür aber einen langen Atem hatten.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?


Hartnäckig bleiben. Innovativ sein. Sich von Misserfolgen nicht entmutigen lassen. Immer weitermachen.

Wo steht MySchleppApp in einem Jahr?


In einem Jahr werden mit mit hlpy zu einer starken Gemeinschaft zusammengewachsen sein. Wir sind bereits einer der führenden Anbieter für digitale Pannenhilfe in Deutschland und Österreich. Unsere jährlichen Wachstumsraten liegen bei über 130 % – und so darf es gerne weitergehen.

Reden wir über Köln. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was macht den Reiz der Startup-Szene in Köln aus?


Die Kölner Startup-Szene ist dynamisch und vielfältig. Wir haben nur die besten Erinnerungen an unsere Zeit am Kölner Startplatz. Dort haben wir viele tolle Menschen kennengelernt und die Weichen für unser Business gelegt. Der Startplatz ist übrigens ein besonders wichtiges Gründerzentrum, das regelmäßig Workshops, Events und Networking organisiert. Köln ist außerdem bekannt für seine Medien- und Kreativwirtschaft, aber auch Startups in den Bereichen Technologie, E-Commerce, Mobilität und FinTech haben hier ihren Platz. Besonders stark sind hier die digitalen Geschäftsmodelle, wie etwa E-Commerce-Plattformen oder Apps, aber auch im Bereich Software-as-a-Service (SaaS) gibt es viele spannende Unternehmen. Wir sind und bleiben Köln-Fans!

Was ist in Köln einfacher als in Berlin – und umgekehrt?


Köln ist zwar nicht so bekannt wie Berlin, hat sich aber in den letzten Jahren zu einem wichtigen Standort für junge, innovative Unternehmen entwickelt. In Köln ist die Startup-Szene kleiner und übersichtlicher als in Berlin. Dadurch ist es oft einfacher, Zugang zu relevanten Kontakten zu finden und in bestehende Netzwerke aufgenommen zu werden. Die Startup-Community ist gut vernetzt, und der Austausch zwischen Gründern, Investoren und Mentoren ist persönlicher. Dies kann gerade für neue Gründer hilfreich sein, da sie schneller Unterstützung und Rat finden. Berlin hingegen bietet einen größeren Zugang zu internationalen Talenten, Risikokapital und mehr Aufmerksamkeit. Beide Städte haben also ihre eigenen Vorteile – die Wahl hängt stark davon ab, welche Prioritäten Gründer haben und in welcher Branche sie tätig sind.

Zum Schluss hast Du drei Wünsche frei: Was wünscht Du Dir für den Startup-Standort Köln?


Erstens: Köln verzeichnet eine wachsende Anzahl von Investoren, aber es gibt noch nicht so viele Venture-Capital-Firmen und Business Angels wie in Berlin oder München. Startups, die größere Finanzierungsrunden abschließen möchten, müssen oft außerhalb der Region suchen. Es wäre hilfreich, wenn es mehr lokale Risikokapitalgeber gäbe, die gezielt in regionale Startups investieren. Zweitens: Zwar gibt es in Köln bereits einige Co-Working-Spaces und Gründerzentren, aber es fehlt an genügend erschwinglichen und flexiblen Büroflächen, besonders wenn Startups wachsen und größere Räume benötigen. Die Stadt könnte Maßnahmen ergreifen, um den Zugang zu bezahlbaren Gewerbeflächen zu verbessern und damit Startups in verschiedenen Wachstumsphasen zu unterstützen. Drittens: Die Universitäten und Fachhochschulen in Köln sind bereits gut vernetzt, aber es gibt noch Raum für eine engere Zusammenarbeit zwischen Forschung und Gründern. Mehr technologische Transferprogramme, Inkubatoren an Universitäten und spezielle Förderungen für studentische Gründungen könnten dazu beitragen, dass mehr Forschungsergebnisse in Startups umgesetzt werden.

Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness

In unserem Themenschwerpunkt Köln werfen wir einen Blick auf das Startup-Ökosystem der Rheinmetropole. Wie sind dort die Voraussetzungen für Gründer:innen, wie sieht es mit Investitionen aus und welche Startups machen von sich reden? Mehr als 735 Startups haben Köln mittlerweile zu ihrer Basis gemacht. Mit zahlreichen potenziellen Investoren, Coworking-Spaces, Messen und Netzwerkevents bietet Köln ein spannendes Umfeld für junge Unternehmen. Diese Rubrik wird unterstützt von der KölnBusiness Wirtschaftsförderung. #Koelnbusiness auf LinkedInFacebook und Instagram.

KoelnBusiness

Foto (oben): MySchleppApp

#Interview – “Wir dachten, chronische Patienten rennen uns die Bude ein”

#Interview

Das Health-Unternehmen MedKitDoc setzt auf medizinische Fernbehandlungen. “Wir sind stark gewachsen, da wir mit der gerätegestützten Fernbehandlung scheinbar echt einen Nerv in der Pflegebranche getroffen haben”, sagt MedKitDoc-Macher Jan Koolen.

“Wir dachten, chronische Patienten rennen uns die Bude ein”

Dienstag, 24. September 2024VonAlexander Hüsing

Mit MedKitDoc aus Hann. Münden, 2020 von Benjamin Gutermann gegründet, können Patientinnen und Patienten sich nicht nur via Videokonferenz mit einem Arzt austauschen, sondern auch mittels ausgesuchter Geräte untersuchen lassen. Vorwerk Ventures und Acton Capital investieren gemeinsam mit den Altinvestoren Picus Capital und den FlixBus-Gründern zuletzt 7 Millionen Euro in MedKitDoc. Derzeit wirken rund 20 Mitarbeitende für das Unternehmen.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht MedKitDoc-Macher Koolen über einen gescheiterten Pivot, Frühchen und Rückenwind.

Wie würdest Du Deiner Großmutter MedKitDoc erklären?


Nichts fürchten ältere Menschen mehr, als ins Krankenhaus zu müssen. Das weiß ich aus Erfahrung mit meiner eigenen Oma. Wenn sich bei einer Bewohnerin eines Pflegeheims plötzlich der Zustand verschlechtert, bleibt der Pflegekraft meist nichts anderes übrig, als den Krankenwagen zu rufen. Das ist leider Alltag. Denn es fehlen Ärzte, vor allem auf dem Land, die regelmäßig insbesondere chronisch kranke Patienten untersuchen oder im Akutfall helfen können. Weiterhin führt der demographische Wandel in Deutschland neben dem Ärztemangel zu einer dramatisch ansteigenden Zahl von pflegebedürftigen Patienten. Bis zum Jahr 2050 wird sich die Anzahl der Pflegebedürftigen in Deutschland verdoppeln. Genau da setzen wir an: Mit uns können Ärzte aus der Ferne behandeln ohne auf die gewohnte Diagnostik durch Stethoskop und Co. verzichten zu müssen. Dazu liegt im Pflegeheim eines unserer MedKits bereit – ein digitaler Arztkoffer mit allen gängigen medizinischen Geräten wie Stethoskop, Blutdruckmessung usw. Die Pflegerin legt die Geräte an den Patienten an, der Arzt schaltet sich per Video auf das Tablet. Unsere Geräte senden nun live via Bluetooth über unsere App die Vitaldaten an den Arzt und werden für beide Seiten einsehbar gespeichert. Er hat sofort alles im Blick und kann direkt beraten. So wird aus einer Video-Sprechstunde eine echte Fernbehandlung.

War dies von Anfang an euer Konzept oder hat es sich seit dem Start irgendwie verändert?


Wir haben im Jahr 2022 einen B2C-Pivot probiert: Medizinische Geräte zu Hause inklusive App, die dich mit deinem Hausarzt verbindet, während du auf der Couch bleibst und untersucht wirst. Wir dachten, vor allem chronische Patienten rennen uns die Bude ein. Das Interesse war grundsätzlich schon da, aber wir haben damals festgestellt, wie gering die Zahlungsbereitschaft von Privatkunden für medizinische Leistungen in Deutschland ist. Außerdem erschienen uns die sogenannte Customer Acquisition Costs (CAC) deutlich zu hoch für ein nachhaltiges Geschäftsmodell. Wir haben uns dann wieder auf unsere Kernkompetenz zurück besonnen und fokussieren uns wieder auf den B2B Pflege Markt und die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). Klingt jetzt voll nach Sales, es ist aber so: Dank unserer Lösung schaffen wir eine Win-Win-Win-Lösung: Der Arzt bleibt in seiner Praxis, die Pflegekraft am Arbeitsplatz, die Patienten in ihrer gewohnten Umgebung im Heim. Eigentlich fehlt noch ein Win: Der Rettungswagen muss auch nicht so häufig gerufen werden. Das spart massiv Kosten und Zeit.

Wie hat sich MedKitDoc seit der Gründung entwickelt?


Wir sind seit etwa vier Jahren am Markt. In der Zeit sind wir stark gewachsen, da wir mit der gerätegestützten Fernbehandlung scheinbar echt einen Nerv in der Pflegebranche getroffen haben. Unser Gründer Ben ist Arzt. Tagsüber hat er praktiziert, abends bastelte er in seinem Keller an den ersten MedKits. Das war am Anfang noch sehr hemdsärmelig, – aber es funktionierte. Und so wurden nicht nur unsere Geräte und unsere App immer besser, sondern auch die Heime immer mehr. Wir sind heute über 20 Leute und betreuen über 70 Heime und mehrere tausend Patienten deutschlandweit.

Welches Projekt steht bei Euch in den kommenden Monaten ganz oben auf der Agenda?


Wir fokussieren uns auf vulnerable Menschen, also die aufgrund von Krankheit oder Alter am gefährdetsten sind. Deshalb testen wir ab Oktober zusammen mit der Charité und der TU München unsere MedKits auch bei Frühchen. Unser Ziel: Eltern frühgeborener Kinder müssen nicht ewig im Krankenhaus bleiben. Sie können nach Hause in ihre gewohnte Umgebung – das Baby wird aus der Ferne medizinisch überwacht. Wir decken damit die gesamte Lebensspanne ab: von Frühchen bis Rentner quasi.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


Der B2C-Case. Mit Corona, wo die Video-Sprechstunde ihr High hatte, dachten wir, mit der Ergänzung medizinischer Geräte wäre das die 1-Milliarde-Dollar-Idee. War aber nicht so. Aus unseren gesammelten Erfahrungen haben wir aber eine Menge gelernt und sind jetzt fokussierter denn je auf die Pflege. Hier können wir Millionen Menschen in einer immer älter werdenden Gesellschaft bei gleichzeitigem Ärzte- und Fachkräftemangel extrem helfen. Wir können hier einen wichtigen Beitrag leisten, um vermeidbare Krankenhauseinweisungen zu reduzieren und die Versorgung dieser Menschen zu verbessern und das motiviert mich und das Team wahnsinnig.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?


Es ist uns gelungen neben namhaften Angel Investoren wie z.B. die Gründer von Flixbus auch namhafte VCs wie Picus, Acton Capital und Vorwerk Ventures von unserer Idee zu überzeugen. Das hat uns natürlich enorm geholfen, um unser Geschäftsmodell in den letzten Jahren zu entwickeln. Wir sind aktuell an über 70 Standorten im Einsatz in der stationären Pflege und vor allem auch in der außerklinischen Intensivpflege. Hier arbeiten wir z.B. mit Pflegeheimbetreibern wie Alloheim und der Deutschen Fachpflege zusammen. Wir haben außerdem das große Glück, bereits Kooperationen mit großen GKV wie der BARMER, der AOK und auch der TK zu haben. Im Rahmen eines dieser Projekte konnten wir im Pfegeheimkontext z.B. eine Reduktion von vermeidbaren Krankenhauseinweisungen um 25% erreichen. Das angesprochene Projekt in der Frühchenversorgung ist ebenfalls ein großer Erfolg für uns und zugleich ein sehr emotionales Thema für mich als werdender Vater.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?


Gerade wenn du dich in einer Branche bewegst, die in der Vergangenheit von digitalen Innovationen eher weitestgehend ausgelassen wurde wie die Pflege, kann der Gegenwind in Form von Skepsis und Ablehnung manchmal echt kräftezehrend sein. Aber, auch wenn das jetzt etwas pathetisch klingt: Glaub weiter an deine Idee, zeige deine Erfolge auf allen Kanälen und bleib dran, wenn du dir sicher bist, dass es sich lohnt. Und: Fehlschläge gehören zum Erfolg einfach dazu. Lasst euch davon nicht entmutigen.

Wo steht MedKitDoc in einem Jahr bzw. in den kommenden Jahren?


Kurz bis mittelfristig wird es darum gehen, die in den Startlöchern stehenden Projekte sauber auf die Straße zu kriegen sowie mit unseren Bestandskunden weiter zu wachsen, das ist aktuell mein Hauptaugenmerk. Mittelfristig wird es auch darum gehen, nachhaltig zu wachsen und einen klaren Pfad in Richtung Profitabilität aufzuzeigen. Mit etwas Rückenwind könnten wir dieses Ziel im Laufe des kommenden Jahres erreichen. Wir haben außerdem viele spannende Partnerschaften mit echten Branchengrößen in der Pipeline, die sich natürlich immer auch in größere Chancen entwickeln können. Stichwort: Strategische Investments, Exit, etc. Langfristig: Es gibt in Deutschland 16.000 Heime. Wenn wir bis 2030 nur die Hälfte aller Heime an unsere Telemedizin-Plattform anschließen, versorgen wir täglich Millionen Menschen mit echter Fernbehandlung und erleichtern ihnen den Alltag.

#Interview – “Lasst euch nicht von großen Funding-Runden verrückt machen”

#Interview

Das Team von SongPush setzt auf eine Plattform, die es Musiker:innen ermöglicht, neue Fans zu erreichen. “Wir haben seit Frühjahr 2023 über 2.000 Kampagnen für die unterschiedlichsten Kunden realisieren können”, sagt Gründer Markus Cremer.

“Lasst euch nicht von großen Funding-Runden verrückt machen”

Montag, 23. September 2024VonAlexander Hüsing

Das musikalische Berliner Startup SongPush, 2021 von Stefan Kling, Markus Cremer und Zoltan Morvai als Plattform für Twitch-Streamer gegründet, setzt inzwischen auf eine Plattform, die es Musiker:innen und Musik-Labels ermöglicht, mithilfe von Creator:innen auf Social Media neue Fans zu erreichen. Die Matching-Algorithmen der Plattform sollen dabei “für passende Kooperationen sorgen”. Business Angels wie Stefan Zilch, Joel Berger und Kevin Tewe investierten zuletzt 2,94 Millionen Euro in Songpush.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründer Cremer über Vergütungen, Herausforderungen und Musikvideos.

Wie würdest Du Deiner Großmutter SongPush erklären?


Hey Omi, Stell dir SongPush wie ein großes Schwarzes Brett vor, an dem Unternehmen aller Art Zettel aufhängen können, um zu sagen: Wir suchen jemanden, der uns hilft, unsere Musik oder Produkte bekannt zu machen. Viele junge Leute, die gerne Videos ins Internet stellen, kommen vorbei und sagen: Das mache ich! Sie nehmen sich den Zettel, machen ein lustiges oder schönes Video, in dem sie das Produkt oder die Musik vorstellen, und zeigen es ihren Freunden im Internet. Dafür bekommen sie dann eine Vergütung. SongPush sorgt dafür, dass alles fair abläuft und jeder, der mitmacht, fair bezahlt wird.

Wie oder wo hast Du Deine Mitgründer kennengelernt?


Stefan war früher selber Sänger & Songwriter (Gold & Platin) und war Kunde meiner Marketing-Agentur Releazy. Hier habe ich für ihn einige seiner Musikvideos & Songs promoted und ihm zu mehr Streams, Views & Engagement verholfen. Wir haben direkt eine super Chemie und einen ähnlichen Drive beim Anderen gespürt und daraus ist dann SongPush entstanden. Unseren dritten Co-Founder haben wir tatsächlich über eine Founder-Plattform kennengelernt.

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?


Als Marktplatz ist es immer eine der größten Herausforderungen, eine Plattform zu entwickeln, die sowohl für Creator als auch für Brands intuitiv und effizient funktioniert. Auch die Auslastung & Balance im Marktplatz ist immer ein tricky Thema! Außerdem mussten wir sicherstellen, dass die Technologie, insbesondere unsere KI-Engine ‘mosaiq’, genau und zuverlässig arbeitet, um möglichst akkurate Ergebnisse zu liefern.

Wo steht Songpush derzeit, welche Zahlen, Daten und Fakten kannst Du mit uns teilen?


Wir haben seit Frühjahr 2023 über 2.000 Kampagnen für die unterschiedlichsten Kunden – Musik, Beauty, Film, Dating, Food etc. – erfolgreich realisieren können. Außerdem haben wir mittlerweile mehr als 150.000 App Downloads und in 2023 konnten wir 1 Millionen Euro Plattformumsatz erreichen. Auch konnten wir mit allen über unsere Plattform generierten Videos über 1 Milliarden Views auf TikTok erzielen.

Ihr konntet bereits Investorengelder einsammeln. Wie seid ihr mit euren Geldgebern in Kontakt gekommen?


Ganz unterschiedlich, aber viele kamen aus unserem bestehenden Netzwerk. Stefan Zilch habe ich tatsächlich über einen gemeinsamen Freund auf dem Tennisplatz kennengelernt, ohne zu wissen, dass er mal der Deutschland-Chef von Spotify war. Ansonsten waren wir immer sehr direkt und sind auf die Leute zugegangen, egal ob per E-Mail, auf Events oder auch auf LinkedIn.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?


Lasst euch nicht von großen Funding-Runden verrückt machen und macht euer Ding. Versucht eure Ausgaben gering zu halten – so lange wie möglich. Somit bleibt euch mehr Zeit euch auf das Wesentlich zu konzentrieren und ein tolles Produkt zu konzipieren, validieren und iterieren. The best growth hack is a really great product.

Wo steht SongPush in einem Jahr?


Hoffentlich bereits in einem neuen Markt außerhalb Deutschlands und mit einem tollen, noch größeren Team.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): SongPush

Este sitio web utiliza cookies para que usted tenga la mejor experiencia de usuario. Si continúa navegando está dando su consentimiento para la aceptación de las mencionadas cookies y la aceptación de nuestra política de cookies, pinche el enlace para mayor información.

ACEPTAR
Aviso de cookies