#Interview – „Wir sehen ganz starken Dealflow“

#Interview

“In ersten Quartal 2026 gehörten wir zu den 15 most active VCs in Deutschland, diesen pace wollen wir für den Rest des Jahres beibehalten”, sagt Axel Roitzsch, General Partner des Münchner Frühphaseninvestosr Vanagon Ventures (Fonds: 20 Millionen Euro).

„Wir sehen ganz starken Dealflow“

Freitag, 29. Mai 2026VonAlexander

Der 2022 gegründete Münchner Frühphaseninvestor Vanagon Ventures, hinter dem Axel Roitzsch, Susanne Fromm und Sandro Stark stecken, verkündete zuletzt das Final Closing seines ersten Fonds (20 Millionen Euro).

Vanagon Ventures investiert in „B2B-Startups, die grundlegende systemische Herausforderungen adressieren und durch Künstliche Intelligenz und DeepTech neue Geschäftsmodelle und Märkte schaffen“. Initial investiert das Team bis zu 500.000 Euro.

Zuletzt investierten die Bajuwaren in aufstrebende Startups wie deeplify, Neuramancer und ewigbyte. Insgesamt peilt das Team 30 Investments an.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Vanagon-General Partner Axel Roitzsch einmal ausführlich über die aktuelle Investmentsituation in Deutschland.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Vanagon Ventures erklären?

Liebe Oma, erinnere dich daran, wie du in den 80ern unterwegs gewesen bist und jemand sagte: „Dieser Computer-Kram wird nie was.“ Genau das ist Europa passiert und so hat es den Internet-Boom verschlafen. Jetzt kommt die nächste Welle, DeepTech, und diesmal wollen wir vorne dabei sein. Bis 2030 winkt eine Billion Euro an Wert, den clevere Technologien schaffen können. Wir investieren in Gründer mit echter Industrie- und Wissenschaftserfahrung, die große Probleme lösen: Wasser sparen, Materialien schneller entwickeln, Daten für Jahrtausende sichern. Also Kram, der die Welt wirklich verändert. Dabei steigen wir ganz früh ein, bspw. kurz nach Gründung, mit bis zu 500.000 Euro als erster Investor. Wir helfen den jungen Unternehmen dann aktiv beim Wachsen und freuen uns, wenn wir unseren Enkeln davon erzählen können.

Wie bewertest Du die aktuelle Investmentsituation in Deutschland?

DeepTech ist in aller Munde und trotzdem bleiben viele generalistische VCs zurückhaltend. Längere Entwicklungszyklen passen schlecht in klassische Return-Modelle, und spätestens ab Seed wird planbare Umsatzentwicklung zum entscheidenden Maßstab. Technologischer Fortschritt, der sich – noch – nicht direkt in Zahlen niederschlägt, wird selten als echter Value Driver anerkannt – dabei ist genau das der Kern dessen, auf was es teilweise ankommt Auf der anderen Seite beobachten wir eine wachsende, bislang unterschätzte Nachfrage: Corporates und mittelständische, inhabergeführte Unternehmen suchen aktiv nach Technologien, die sie unabhängiger machen und ihren eigenen Techstack zukunftsfähig halten. Diese Investitionsbereitschaft ist real, sie läuft nur noch etwas unter dem Radar. 

Mit welchen Erwartungen blickst Du auf die kommenden Monate?

Wir sehen ganz starken Dealflow in allen für unseren Fund relevanten Bereichen, Advanced Manufacturing, Future Materials, Geospatial Intelligence, Artificial Intelligence, Next-Gen Computing und investieren dementsprechend aktiv. In ersten Quartal 2026 gehörten wir zu den 15 most active VCs in Deutschland, diesen pace wollen wir für den Rest des Jahres beibehalten. Auch freuen wir uns, dass es gerade in den letzten Wochen wieder einige große Exits gab und auch IPOs angekündigt werden. Die Dynamik ist wieder da und es ergeben sich wunderbare Chancen.

Was rätst Du Gründer:innen, die derzeit auf Kapitalsuche sind?

Definiert frühzeitig, in welcher „Währung“ ihr eure Traction messen wollt. Umsatz ist eine Möglichkeit, aber bei weitem nicht die einzige. Production Output, Design Customers oder andere belastbare Signale können in frühen Phasen genauso aussagekräftig sein. Entscheidend ist, dass ihr Fortschritt messbar macht. Und: Sucht euch Kunden, die bereit sind, das Produkt gemeinsam mit euch zu entwickeln, sie sind oft wertvoller als zehn passive Käufer.

Welche Startups begeistern Dich derzeit ganz besonders?

Teams, die sich neue technologische Möglichkeiten zunutze machen, um Probleme zu lösen, die bisher strukturell nicht adressierbar waren, geführt von technischen Gründern mit einem ausgeprägten kommerziellen Gespür. Den Weg zur Skalierung ebnen sie sich durch Datensouveränität und starke Distribution quasi wie selbstverständlich. Wir sind sehr stolz auf unser Portfolio, in dem die Teams sich die notwendige Denkweise enorm schnell zu eigen gemacht haben. Die Lernkurve bei Startups, aber auch Investoren, ist derzeit steil wie nie.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Vanagon Ventures

#Interview – „Die Marktmacht der Pharmaindustrie haben wir unterschätzt“

#Interview

In den vergangenen Jahren flossen bereits rund 100 Millionen in das umtriebige MedTech Precisis, das eine Hirnstimulation für Menschen mit Epilepsie entwickelt. Nun drängt das Team aus Heidelberg, das seit 2015 an seiner Idee arbeitet in die USA.

„Die Marktmacht der Pharmaindustrie haben wir unterschätzt“

Mittwoch, 27. Mai 2026VonAlexander

Beim Heidelberger Startup Precisis, 2015 von Angela Liedler gegründet, dreht sich alles um Epilepsie. „Precisis hat ein medizinisches Gerät erfunden, mit dem sich Epilepsie-Patienten im Alltag geschützt fühlen können. In Deutschland, England, der Schweiz und Österreich tragen bereits Hunderte von Patienten das Implantat unter der Kopfhaut und wollen es nicht mehr missen, weil es ihr Leben mit Epilepsie so viel leichter macht“, sagt Gründerin Liedler.

In den vergangenen Jahren flossen bereits 100 Millionen Euro in das MedTech, das derzeit 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Zu den Investoren von Precisis gehört unter anderem der australische Medizintechnikhersteller Cochlear, der auf implantierbare Hörlösungen spezialisiert ist.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Precisis-Gründerin Angela Liedler einmal ausführlich über den Stand der Dinge in ihrem Unternehmen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Precisis erklären?

Precisis hat ein medizinisches Gerät erfunden, mit dem sich Epilepsie-Patienten im Alltag geschützt fühlen können. Das hochmoderne Gerät kann epileptische Anfälle, also das „Gewitter im Kopf“, punktgenau an seinem Entstehungsort unterdrücken. Die technologische Erfindung dabei ist, dass winzig kleine Ströme über dünne Elektroden, die unter der Haut liegen, durch den Kopfknochen hindurch ins Gehirn geleitet werden, ohne dass die Patienten davon etwas spüren. In Deutschland, England, der Schweiz und Österreich tragen bereits Hunderte von Patienten das Implantat unter der Kopfhaut und wollen es nicht mehr missen, weil es ihr Leben mit Epilepsie so viel leichter macht. Der Name EASEE spielt darauf an, dass clevere Ideen scheinbar einfach daherkommen.

War dies von Anfang an Euer Konzept?

Die Idee, das kranke Gehirnareal bei jedem Patienten individuell mit elektrischen Pulsen zu behandeln, war von Anfang an unser Konzept. Im Gegensatz zu herkömmlichen Methoden wollten wir keinesfalls Gehirngewebe beschädigen oder Elektroden um Nerven herumwickeln. Wir wollten immer schon etwas Elegantes, Sicheres, und wieder rückgängig Machbares anbieten, damit die Patienten unsere moderne Alternative leicht akzeptieren können und attraktiv finden. Mit der Zeit haben sich natürlich Hard- und Software weiterentwickelt – hin zu einem intelligenten, digitalen Taktgeber fürs Gehirn. 

Wie hat sich Precisis seit der Gründung entwickelt?

Seit Kick-off im Jahr 2015 ist das Team in Heidelberg von vier auf ein Team von 40 international Mitarbeitenden gewachsen.

Was war zuletzt das Highlight bei Euch?

Das aktuelle Highlight ist die Erhebung von Wirksamkeitsdaten bei Kindern mit Epilepsien. Die Genehmigung zur Durchführung einer Klinischen Studie an Kindern war möglich geworden, weil die Behandlung davor bei Erwachsenen so gut und sicher funktionierte. Wir rechnen damit, dass die EASEE-Therapie gegen Ende 2027 auch für Epilepsie-Patienten ab dem Alter von 12 Jahren im Markt zur Verfügung stehen wird. 

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?

Die Marktmacht der Pharmaindustrie haben wir unterschätzt. So mussten wir lernen, dass jeder dritte Epilepsie-Patient im Schnitt 22 Jahre lang mit unwirksamen Medikamenten behandelt wird, bevor ihm von seinem betreuenden Arzt eine andere – modernere, technische oder chirurgische – Methode angeboten wird. So ein starres System aus überkommenen Ritualen aufzubrechen, ist für ein kleines Startup eine echte Herausforderung.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?

Mit der konsequenten Fokussierung unserer Erfindung auf das Patientenwohl lagen wir von Anfang an richtig. Auch unser Team ist nahezu perfekt gewachsen. Bei uns arbeiten hochmotivierte Persönlichkeiten effektiv zusammen.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?

Ich persönlich finde es sehr hilfreich, wenn Gründer, die Experten auf ihrem Gebiet sind, möglichst viele unterschiedlich ausgebildete Leute von ihrem Geschäftsmodell begeistern können. Denn Startups werden nur mit Partnern und Mitmachern groß und erfolgreich.

Wo steht Precisis in einem Jahr?

Im amerikanischen Gesundheitswesen. Wir haben von der Zulassungsbehörde FDA eine Art wissenschaftliches Gütesiegel erhalten, das es uns ermöglicht, das EASEE-Gerät in hochrangigen amerikanischen Epilepsie-Zentren zu testen.

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Foto (oben): Precisis

#Interview – „Damit wären wir eine der erfolgreichsten jungen Firmen Berlins“

Das 2020 gegründete Berliner Casual-Gaming-Startup JustPlay wanderte kürzlich unter das Dach von NCSoft. Der koreanische Videospielentwickler übernahm die Mehrheit (70 %) am Hidden Champion aus der Hauptstadt. Der Kaufpreis: 202 Millionen US-Dollar.

JustPlay, von den ehemaligen AppLovin-Mitarbeitern Carl Livie, Gil Mincberg und Mirko Aquaro gegründet, erreicht mit seinen rund 40 Spielen nach eigenen Angaben derzeit mehr als 25 Millionen Spielerinnen und Spieler. Vor allem in den USA ist JustPlay eine große Nummer.

Der gebootstrappte Games-Champion, der eine Loyalty-Gaming-App betreibt, erwirtschaftete 2025 rund 172,8 Millionen Dollar Umsatz und 19,1 Millionen Gewinn. Für das laufende Jahr peilt das Team 300 Millionen US-Dollar Umsatz an. Derzeit arbeiten rund 110 Mitarbeitende für JustPlay.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründer Carl Livie einmal ausführlich über die Geschichte von JustPlay.

Wie würdest Du Deiner Großmutter JustPlay erklären?

Ich würde meiner Oma wahrscheinlich sagen: Stell dir vor, du spielst ein Spiel auf dem Handy und statt nur Zeit zu vertreiben, bekommst du am Ende auch noch etwas dafür zurück. Dann würde sie vermutlich fragen: „Also bezahlt ihr Leute fürs Daddeln?“ Und ich würde sagen: Im Prinzip ja, aber die Technik dahinter würde sie beim Kaffee eher langweilen. Aber um ihr zu helfen, das einzuordnen, sage ich immer: Mobile Gaming ist die größte Entertainment Kategorie der Welt. Jeden Tag spielen eine Milliarde Menschen Spiele auf dem Handy. Wir geben Spieler:innen einfach was dafür, was sie sowieso machen würden und machen das Ganze fairer und lustiger. Die einfache Idee ist: Wenn Menschen Zeit in digitalen Produkten verbringen, verdienen andere daran mit, zum Beispiel über Werbung. Wir bauen JustPlay so, dass auch die Spieler:innen etwas davon zurückbekommen. Einfach und ohne komplizierte Regeln. Am Ende müssen Nutzer:innen verstehen, wie etwas funktioniert und was sie bekommen. Egal, um welches Produkt es geht. Genau deshalb ist Vertrauen für unser Modell so wichtig. Am wichtigsten ist es aber, dass es dabei auch noch Spaß macht. Niemand wird reich über die Rewards, aber die Rewards geben dem ganzen Spielerlebnis noch eine weitere spannende Entertainment Dimension. 

War dies von Anfang an Euer Konzept?

Der Fairness halber, muss ich erstmal festhalten, dass meine Mitgründer und ich ungefähr 20 Apps gebaut haben, die nix geworden sind, aber daraus entstand dann JustPlay. Aus diesem Prozess entwickelte sich aber eine Grundüberzeugung: Wir wollten ein Produkt bauen, bei dem Spieler:innen stärker an dem Wert beteiligt werden, den sie durch ihr Engagement schaffen. Am Anfang sieht man vor allem das sichtbare Produkt: Nutzer:innen spielen und erhalten Rewards. Das Entscheidende passiert jedoch im Hintergrund. Damit Rewards langfristig funktionieren und Nutzer:innen wiederkommen, müssen viele Teile sehr eng zusammenspielen: die App, die Games, Monetarisierung, Growth, Adtech, Fraud Prevention, Daten, Auszahlungen und natürlich die User Experience. Wir haben gelernt, dass wir nicht einfach ein Rewards-Feature bauen, sondern ein voll integriertes Ecosystem, in dem der Value Flow nachhaltig funktionieren muss.

Wie genau ist die Idee zu JustPlay entstanden?

Die Idee entstand aus einer Beobachtung, die uns in der Mobile-Gaming- und Adtech-Welt immer wieder begegnet ist: Es gibt sehr viel Wert in diesem Markt, aber er ist nicht besonders fair verteilt. Milliarden Menschen spielen Mobile Games. Advertiser zahlen dafür, diese Nutzer:innen zu erreichen. Games Publisher stehen gleichzeitig unter hohem Druck, weil User Acquisition immer teurer wird. Und die Nutzer:innen selbst bekommen oft nur sehr wenig davon zurück, obwohl ihr engagement die Grundlage des gesamten Systems ist. Wir haben uns gefragt: Was wäre, wenn man dieses Modell anders baut? Was wäre, wenn Rewards nicht nur ein Add-on sind, sondern ein zentraler Teil der User Experience?  Kombiniert mit vielen Adtech Learnings bei AppLovin entstand dann JustPlay.

Wie hat sich JustPlay seit der Gründung entwickelt?

Wir haben JustPlay 2020 gegründet und das Unternehmen seitdem von einer Idee zu einer der skaliertesten Plattform für rewarded gaming entwickelt. Heute sind wir in mehr als 25 Ländern aktiv, haben über 25 Millionen Downloads erreicht und mehr als 200 Millionen US-Dollar an Nutzer:innen ausgezahlt. Gleichzeitig haben wir ein Portfolio von über 40 Casual Mobile Games aufgebaut. Bisschen konkreter: In 2026 werden wir gut über 300 Millionen US-Dollar Umsatz machen, wachsen über 80 % year over year und haben eine sehr nachhaltige EBIT Marge. Unser Team ist um die 110 Leute global, mit circa 50 in unserem HQ in Berlin. Wir sind auch sehr stolz auf unseren Umsatz und Ebit pro Kopf, was nur in einer sehr flachen und impact orientierten Teamstruktur funktioniert. Wir Founder sind sehr nah am Produkt, Engineering und im Marketing, was viel Spaß macht, aber auch den Vorteil bringt, dass das Team immer an den Themen arbeitet, die unserer Meinung nach am meisten Business Impact haben. Für mich ist dabei aber nicht nur die Größe entscheidend, sondern die Qualität des Systems dahinter. Wir haben JustPlay bewusst als integriertes Modell aufgebaut mit Teams aus Produkt, Engineering, Adtech, Data, Growth, Gaming und Payments, die gemeinsam daran arbeiten, dass der Wert für Nutzer:innen klar und verlässlich bleibt. Und bei aller Technologie darf man eines nicht vergessen: Es muss auch für die Spieler Spaß machen. Wenn das Produkt nicht unterhält, funktioniert auch das beste Reward-Modell nicht langfristig.

Gerade habt Ihr die Mehrheit an NCSoft verkauft. Wie geht es nun weiter?

Für uns ist das kein Endpunkt, sondern der nächste Schritt. Mit NCSoft haben wir einen Partner an unserer Seite, der tiefes Gaming-Know-how, globale Erfahrung und langfristige Produktperspektive mitbringt. Für JustPlay bedeutet das: Wir haben hier jetzt eine technologisch führende und legendäre Gaming Firma an unserer Seite und können unsere Mission schneller und größer denken. Unser Fokus bleibt derselbe: Wir wollen die Rewards Engine für Mobile Gaming weiter ausbauen und zeigen, was rewarded engagement über Gaming hinaus werden kann.

Ihr habt JustPlay ohne Fremd-Finanzierungen und Kapitalgeber aufgebaut. War dies von Anfang an eine bewusste Entscheidung?

Ja, es war bewusst, aber nicht aus Prinzip gegen Venture Capital. Für unser Modell war es wichtig, von Anfang an wirtschaftlich diszipliniert zu bauen. Rewards funktionieren nur, wenn das Geschäftsmodell dahinter nachhaltig ist. Man kann in diesem Bereich sehr schnell wachsen, aber wenn der Value Flow nicht trägt, verliert man Vertrauen. Und Vertrauen ist in unserem Modell zentral. Bootstrapping hat uns gezwungen, früh auf echte Unit Economics, Produktfunktionalität und nachhaltiges Wachstum zu achten. Das war manchmal sicher unbequem, aber es hat auch die Kultur von JustPlay geprägt. Wir mussten sehr klar priorisieren, testen, schnell reagieren und konnten nicht einfach Wachstum einkaufen, ohne zu verstehen, ob das System wirklich funktioniert. Ich würde aber nicht sagen, dass Bootstrapping immer besser ist. Es muss zum Geschäftsmodell, zum Markt und zum Gründerteam passen.

Was rätst Du anderen Gründer:innen, die sich für Bootstrapping entscheiden?

Erstens: Bootstrapping klingt von außen oft unabhängiger, als es sich im Alltag anfühlt. Man hat keine Investoren, aber trotzdem sehr reale Zwänge: Cashflow, Profitabilität, Timing etc. Zweitens: Sehr früh verstehen, wo wirklich Value entsteht. Jede Entscheidung muss nah am Produkt, am Geschäftsmodell sein. Wir haben uns jeden Tag gefragt: Does it make us more money tomorrow? Drittens: Ein Team bauen, das mit Ambiguität umgehen kann, aber gleichzeitig pragmatisch bleibt. Man kann nicht alles gleichzeitig machen, also muss man sehr bewusst entscheiden, was man macht und was nicht. Wichtig ist, dass auch das ganze Team so gezwungen ist, tief in den Daten und im Produkt zu sein, um jeden Tag neue Innovationen zu pushen. Und zuletzt: Entscheidend ist nicht, ob man mit oder ohne externes Kapital startet, sondern ob man ein Modell baut, das langfristig funktioniert.

Wo steht JustPlay in einem Jahr?

In mehr Märkten mit besseren Produkten, einem stärkeren Games-Portfolio und einer weiter verbesserten Reward Experience für Nutzer:innen. Gleichzeitig wollen wir weiter daran arbeiten, was rewarded engagement über Gaming hinaus bedeuten kann. Rewarded Gaming boomt und wächst als Kategorie viel schneller als der Rest der Gaming Industrie. Wir sehen hier eine riesige Chance mit unserer uniquen integrierten Platform klar als Leader herauszukommen. Wir sind ein ambitioniertes Team: 500 Millionen Annual Run Rate Ende 2027 sind erreichbar! Glaube damit wären wir eine der erfolgreichsten jungen Firmen Berlins. Ich glaube, der größere Trend ist, dass Nutzer:innen immer genauer verstehen wollen, welchen Wert sie für digitale Plattformen schaffen und was sie dafür zurückbekommen. JustPlay steht genau an dieser Schnittstelle. In einem Jahr wollen wir noch klarer zeigen, dass Rewards nicht nur ein Growth-Mechanismus sind, sondern ein nachhaltiger Bestandteil digitaler Nutzererlebnisse werden können.

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Foto (oben): JustPlay

#Interview – „Unsicherheit ist kein Zeichen von Scheitern“

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Mein Tag beginnt ruhig. Bevor ich in Mails, To-dos und Abstimmungen gehe, brauche ich erst einmal einen klaren Kopf. Das kann eine kurze Meditation oder einfach ein Kaffee in Stille sein”, sagt Maja Mast, Gründerin von Yoga Studio Fox.

„Unsicherheit ist kein Zeichen von Scheitern“

Freitag, 22. Mai 2026VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Maja Mast, Gründerin von Yoga Studio Fox, einem digitalen Yoga Studio aus Stuttgart.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?

Mein Tag beginnt ruhig. Bevor ich in Mails, To-dos und Abstimmungen gehe, brauche ich erst einmal einen klaren Kopf. Das kann eine kurze Meditation, ein paar bewusste Atemzüge oder einfach ein Kaffee in Stille sein. Danach priorisiere ich sehr bewusst: Was ist heute wirklich wichtig, was zahlt auf die Vision von Yoga Studio Fox ein und was darf auch warten. Struktur gibt mir Freiheit, gerade im oft sehr dynamischen Startup-Alltag.

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?

Am besten durch Bewegung und Natur. Yoga gehört natürlich dazu, aber auch Spaziergänge, Zeit mit meiner Familie oder bewusstes Nichtstun. Mir hilft es, abends digitale Grenzen zu setzen und nicht ständig erreichbar zu sein. Abschalten heißt für mich, wieder bei mir anzukommen.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?

Wie emotional diese Reise ist. Gründerin zu sein bedeutet nicht nur Strategien, Zahlen und Entscheidungen, sondern auch Zweifel, Verantwortung und permanentes Lernen. Ich hätte gerne früher gewusst, dass Unsicherheit dazu gehört und kein Zeichen von Scheitern ist.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?

Loszulassen und zu vertrauen. Am Anfang wollte ich alles selbst machen und kontrollieren. Zu lernen, Verantwortung abzugeben und gleichzeitig die Vision klar zu halten, war eine große Herausforderung. Außerdem die Umstellung von der reinen Yogalehrerin zur Unternehmerin.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast und was hast Du aus diesen gelernt?

Zu schnell Ja zu sagen. Zu Projekten, Kooperationen oder Arbeitsweisen, die sich nicht ganz stimmig angefühlt haben. Daraus habe ich gelernt, stärker auf mein Bauchgefühl zu hören und Entscheidungen langsamer, dafür nachhaltiger zu treffen.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?

Über Werte, nicht nur über Lebensläufe. Fachlichkeit ist wichtig, aber Haltung, Eigenverantwortung und echtes Interesse an der Vision sind entscheidend. Bei Yoga Studio Fox suchen wir Menschen, die mitgestalten wollen, nicht nur Aufgaben abarbeiten.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?

Hab Geduld mit dir selbst. Erfolg ist selten linear. Bleib verbunden mit deinem Warum, hol dir Unterstützung und vergleiche dich nicht ständig mit anderen. Dein Weg darf genauso aussehen, wie er für dich stimmig ist.

Ohne welches externes Tool würde Yoga Studio Fox quasi nicht mehr existieren?

Ohne unsere digitalen Lern- und Organisationsplattformen. Sie ermöglichen es uns, Yoga-Aus- und Weiterbildungen ortsunabhängig, persönlich und hochwertig anzubieten. Digitalisierung ist für uns kein Ersatz für Nähe, sondern ein Werkzeug dafür.

Wie sorgt Ihr bei Eurem Team für gute Stimmung?

Durch Vertrauen, Offenheit und echtes Interesse aneinander. Wir kommunizieren viel, geben Raum für Feedback und achten darauf, dass Arbeit und Mensch im Gleichgewicht bleiben. Humor und Menschlichkeit gehören für uns genauso dazu wie Professionalität.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?

Der Moment, in dem wir entschieden haben, uns komplett neu auszurichten und von einem lokalen Studio zu einem rein digitalen Ausbildungsanbieter zu werden. Das war mutig, beängstigend und gleichzeitig einer der besten Schritte für Yoga Studio Fox.

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SAVE THE DATE: Bereits am 18. März findet unsere dritte STARTUPLAND statt. Es erwartet Euch wieder eine faszinierende Reise in die Startup-Szene – mit Vorträgen von erfolgreichen Gründer:innen, lehrreichen Interviews und Pitches, die begeistern. Mehr über Startupland

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Foto (oben): Yoga Studio Fox

#Interview – „Such dir Investoren, die wirklich Mehrwert bringen“

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“Kapital ist grundsätzlich vorhanden. Gleichzeitig ist die Risikobereitschaft gesunken. Entscheidungen dauern wieder länger, Due Diligence ist tiefer, und Kapital wird selektiver vergeben”, sagt Markus Gick von xdeck zur aktuellen Investmentsituation in Deutschland.

„Such dir Investoren, die wirklich Mehrwert bringen“

Donnerstag, 21. Mai 2026VonAlexander

Seit 2019 unterstützte xdeck, ein Accelerator und Venture Capital-Geber, bereits über 100 aufstrebende Startups. „Wir arbeiten eng mit Gründerinnen und Gründern zusammen, helfen ihnen, die ersten Kunden zu gewinnen, ihr Produkt zu schärfen und ein funktionierendes Geschäftsmodell aufzubauen“, sagt Markus Gick, Managing Partner bei xdeck.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht xdeck-Macher Markus Gick einmal ausführlich über die aktuelle Investmentsituation in Deutschland.

Tipp: STARTUPLAND: Reverse Pitch mit Markus Gick (xdeck) Jetzt ansehen!

Wie würdest Du Deiner Großmutter xdeck erklären?

xdeck hilft Menschen, aus einer Idee ein erfolgreiches Unternehmen zu machen und zwar sehr früh, wenn noch vieles unklar ist. Wir arbeiten eng mit Gründerinnen und Gründern zusammen, helfen ihnen, die ersten Kunden zu gewinnen, ihr Produkt zu schärfen und ein funktionierendes Geschäftsmodell aufzubauen. Dabei bringen wir sie auch mit erfahrenen Unternehmern und großen Firmen zusammen wie McKinsey, Kienbaum, der UBS, Ecovis und vielen weiteren Best-in-Class Partnern. Das Besondere: Wir sind nicht nur Berater, sondern selbst Unternehmer und Investoren. Wenn wir überzeugt sind, investieren wir eigenes Geld und begleiten die Firmen oft über viele Jahre. Am Ende bauen wir mit an der nächsten Generation von erfolgreichen Technologieunternehmen aus Köln heraus.

Wie bewertest Du die aktuelle Investmentsituation in Deutschland?

Die Situation ist klar anspruchsvoller geworden, deshalb aber nicht schlechter. Kapital ist grundsätzlich vorhanden, gerade bei Investoren mit langfristigem Fokus, etwa in Bereichen wie AI, Climate oder industrieller Software. Gleichzeitig ist die Risikobereitschaft gesunken und der Markt hat sich gedreht.  Entscheidungen dauern wieder länger, Due Diligence ist tiefer, und Kapital wird selektiver vergeben. Der wichtigste Unterschied zu früher: Nicht mehr jede gute Idee wird finanziert, sondern nur noch die, die echte Skalierbarkeit und klare Marktbeweise zeigen. Für den Markt ist das gesund, und für die Startups auch!

Mit welchen Erwartungen blickst Du auf die kommenden Monate?

Ich erwarte ein weiterhin selektives, aber konstruktives Umfeld. Wir sehen eine Rückkehr zu den Grundlagen: Starke Teams, echte Kundenprobleme, funktionierende Unit Economics. Für Investoren ist das eine gute Phase, weil nachhaltigere Unternehmen entstehen. Für Gründer bedeutet es mehr Druck, aber auch die Chance, sich klar vom Wettbewerb abzuheben. Ich glaube: Die besten Firmen der nächsten Dekade werden genau jetzt gebaut, in Zeiten von AI, die eine viel schnellere Skalierung als früher ermöglichen wird. Die Frage stellt sich eher: Welche Mehrwerte müssen Investoren bieten, um bei den Top-Startups auf den Captable zu kommen, wenn der Aufbau eines Unternehmens aufgrund z.B. mehr AI-Agents und weniger Menschen nicht mehr zig- Finanzierungsrunden benötigt?

Was rätst Du Gründer:innen, die derzeit auf Kapitalsuche sind?

Drei Dinge sind entscheidend. Erstens: Übe dich in radikaler Klarheit! Du musst dein Produkt und deinen Markt so erklären können, dass es jeder sofort versteht. Komplexität  herunterzubrechen ist im Fundraising ein riesiger Vorteil. Zweitens: Bringe erste Hinweise auf die Umsetzbarkeit deiner Vision mit! Investoren wollen heute sehen, dass etwas funktioniert, sei es durch erste Umsätze, starke Nutzerzahlen oder klare Kunden-Insights. Drittens: Hab einen „Wow-Effekt“ dabei! VC finanziert keine „guten Unternehmen“, sondern potenzielle Ausreißer. VCs hören unendlich oft von der AI-All- on-One Lösung. Ich würde mir immer überlegen, ob ich etwas habe, das den Investor im Call überrascht, das ihm oder ihr im Gedächtnis bleibt, sei es durch die Präsentation, einen Insight oder auch einfach durch eine besondere Geschichte im Gründerteam. Und ganz praktisch: Such dir Investoren, die wirklich Mehrwert bringen, sei es Netzwerk, Kunden, operative Unterstützung. Kapital. Ich würde immer einen Investor mit „edge“ nehmen, jemand der mehr ist als nur ein reiner Wagniskapitalfonds. Kapital allein ist heute kein Differenzierungsfaktor mehr.

Welche Startups begeistern Dich derzeit ganz besonders?

Mich begeistern vor allem Startups, die grundlegende Infrastruktur neu denken, und eher das Operating System für Industrien und Dienstleistungen bauen. Ein Beispiel ist LawX. Das Team baut ein AI-basiertes Betriebssystem für Kanzleien und Notariate. Dies ist ein Markt, der technologisch massiv unterversorgt ist. Statt punktueller Tools denken sie die gesamte Arbeitsweise neu und transformieren damit einen gesamten Berufsstand, aber nicht über die Analyse rechtlicher Texte, sondern über das Backoffice, wo die oft „unsexy“, aber mindestens genauso wichtige Arbeit anfällt – vom Grundbuchauszug anfordern über die Abrechnung, die Fallverwaltung etc.  Ein anderes Beispiel ist Depotcharge: Das Team baut einen Marktplatz für das Laden von elektrischen LKWs an Depotstandorten. Sie verbinden Betreiber von Ladeinfrastruktur mit Flotten und schaffen so bessere Auslastung und niedrigere Kosten. Entscheidend ist, dass sie nicht nur Matching anbieten, sondern eine komplette Abwicklungsschicht, von Buchung bis Abrechnung. So entsteht eine neue Infrastruktur für die Elektrifizierung von Logistik.  Was beide eint: Sie denken groß, starten aber sehr konkret, mit einem echten, spürbaren Problem im Alltag ihrer Kunden und bauen hierfür die Infrastruktur. Genau daraus entstehen die besten Unternehmen.

Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness

In unserem Themenschwerpunkt Köln beleuchten wir das dynamische Startup-Ökosystem der Rheinmetropole. Wie sind die Bedingungen für Gründer:innen, welche Investitionen fließen in innovative Ideen und welche Startups setzen neue Impulse? Rund 800 Startups haben Köln bereits als ihren Standort gewählt – unterstützt von einer lebendigen Gründerszene, einer starken Investor:innen-Landschaft sowie zahlreichen Coworking-Spaces, Messen und Netzwerkevents. Als zentrale Anlaufstelle für die Startup- und Innovationsszene stärkt die KölnBusiness Wirtschaftsförderung die Rahmenbedingungen für Gründer:innen, vernetzt sie mit Investor:innen und bietet gezielte Unterstützung. Diese Rubrik wird unterstützt von KölnBusiness. #Koelnbusiness auf LinkedInFacebook und Instagram.

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Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): xdeck

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