#Interview – “Der Leadinvestor kam proaktiv auf uns zu”

Das Berliner Startup NeoTaste, 2019 von Hendrik Sander und Tobias Düser in Osnabrück gegründet, lässt sich am besten als Restaurant-Entdecker-App samt Deal-Komponente beschreiben. Earlybird, Burda Principal Investments (BPI) und mehrere Business Angels investierten zuletzt rund 21 Millionen Euro in das Unternehmen. 80 Mitarbeitende arbeiten derzeit für NeoTaste – unter anderem in der Backfabrik in Berlin.

Derzeit ist das Unternehmen in 27 Städten in zwei Ländern unterwegs und kommt auf 750.000 App-Userinnen und – User. “Unser Wachstum zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, unsere Vision zu verwirklichen und einen echten Mehrwert für unsere Nutzer und Partner zu schaffen”, sagt Gründer Sander. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Jungunternehmer außerdem über Remote First, Grundsteine und Nebensächlichkeiten.

Wie würdest Du Deiner Großmutter NeoTaste erklären?


NeoTaste ist eine App, mit der man neue Restaurants entdecken kann. Dabei haben die Restaurants die Möglichkeit, mich mit einem speziellen Angebot als neuen Kunden für sich zu gewinnen. Aber das ist erst der Anfang, in Zukunft wird man auf der Plattform noch deutlich mehr machen können.

Vor Euch gab es eine ganze Reihe anderer Teams, die sich als eine Art Restaurant-Tipp-App samt Deal-Komponente versucht haben. Viele gibt es nicht mehr. Was macht Ihr anders?


Wir legen großen Wert darauf, langfristigen Wert für beide Seiten der Plattform zu schaffen, sowohl für Nutzer als auch für Restaurantinhaber. Im Gegensatz zu einigen anderen Plattformen in diesem Bereich konzentrieren wir uns nicht nur auf Deals, sondern auf ein ganzheitliches Erlebnis, das das Entdecken und Genießen neuer Restaurants erleichtert und gleichzeitig unseren Restaurantpartnern langfristige Vorteile bietet.

Eure Wurzeln liegen in Osnabrück. Inzwischen sitzt Ihr aber zum Großteil in Berlin. Wie kam es dazu?


Unser Team war von Anfang an Remote First aufgestellt und das hat sich bis heute nicht geändert, da unsere Mitarbeiter an verschiedenen Standorten verteilt sind. Für die nächste Phase unseres Wachstums streben wir danach, die allerbesten Talente auf dem Markt für uns zu gewinnen. Wir haben erkannt, dass für viele eine physische Präsenz wichtig ist, um effektiv zusammenarbeiten zu können. Daher haben wir Ende letzten Jahres beschlossen, ein Büro in der Backfabrik in Berlin zu eröffnen, um unseren Mitarbeitern eine zentrale Anlaufstelle zu bieten und die Zusammenarbeit weiter zu stärken. Die Entscheidung, ob sie remote oder im Büro arbeiten wollen, können sie selbst treffen.

Zuletzt konntet Ihr über 15 Millionen einsammeln. Wie seid Ihr mit Euren Investor:innen in Kontakt gekommen?


Ursprünglich hatten wir nicht geplant, bereits sechs Monate nach unserer Series A eine weitere Finanzierungsrunde zu machen. Der Leadinvestor dieser Runde kam proaktiv auf uns zu und schlug vor, früher eine weitere Runde zu machen, um schneller zu expandieren und langfristiger planen zu können. Die Gespräche haben uns sehr zugesagt und dann war die Entscheidung schnell getroffen, da es uns die Möglichkeit bietet, unsere Vision noch schneller zu verwirklichen.

Wie hat sich NeoTaste seit der Gründung entwickelt?


Wir haben über 80 Mitarbeiter, 750.000 App-User und sind in 27 Städten in zwei Ländern vertreten. Unser Wachstum zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, unsere Vision zu verwirklichen und einen echten Mehrwert für unsere Nutzer und Partner zu schaffen.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist seit der Gründung so richtig schief gegangen?


Der größte Rückschlag war wohl, dass wir im Februar 2020 eine Restaurant-Entdecker-App gelauncht haben und sie im März 2020 aufgrund von Covid wieder einstellen mussten. Heute können wir darüber herzlich lachen, aber 2020 und 2021 war dies eine harte Herausforderung.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?


Beim Aufbau des Teams. Aufbau der Kultur. Der meiner Meinung nach wichtigste Grundstein, den man für jede Organisation legen muss.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?


Sage öfter Nein und bleibe fokussiert. Als Gründer ist es wichtig, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und sich nicht von Nebensächlichkeiten ablenken zu lassen. Manchmal ist es notwendig, Nein zu sagen, um den Fokus zu bewahren und Ziele zu erreichen.

Wo steht NeoTaste in einem Jahr?


In einem Jahr wird NeoTaste in noch mehr Ländern verfügbar sein und noch mehr Funktionen bieten. Das kann ich versprechen. Alles andere mag ich nicht vorhersagen, wenn ich mir anschaue, wie verrückt alleine die letzten sechs Monate waren.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): NeoTaste

#Interview – “Es sind gute Zeiten, um die Sinne zu schärfen”

#Interview

Seit Ende Februar gehört das Unternehmen easybill, das sich um Rechnungen kümmert, zu Lea Partners. Unter der Führung von Andreas Seifert, der im Zuge der Übernahme den Chefposten eingenommen hat, soll das Unternehmen weiter “wachsen, auch international”.

“Es sind gute Zeiten, um die Sinne zu schärfen”

Freitag, 17. Mai 2024VonAlexander Hüsing

Das Rechnungs­software-Unternehmen easybill, 2007 von Philipp Gesell, Christian Szardenings und Ronny Keyser gegründet, gehört seit wenigen Monaten zum Karlsruher Investor Lea Partners. Das profitable Unternehmen aus Kaarst in Nordrhein-Westfalen, dass sich für kleine und mittlere Firmenkunden und Selbstständige um elektronische Rechnungen kümmert, soll nun unter der Führung von Andreas Seifert, der im Zuge der Übernahme den Chefposten eingenommen hat, weiter “wachsen, auch international”.

“Das Unternehmen bietet eine erstklassige Lösung und ist sehr gut aufgestellt. Die drei Gründer haben das Unternehmen über die Jahre sehr akribisch aufgebaut und hervorragend geführt, ein tolles Team aufgebaut und den Markt tief durchdrungen. easybill hat beste Voraussetzungen für ein rasantes Wachstum”, sagt Seifert zu seinem ersten Eindruck von easybill. In den kommenden Monaten möchte er nun das “Wachstum von easybill beschleunigen”.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der neue easybill-Chef außerdem über Substanz, Benutzerfreundlichkeit und Krisenzeiten.

Wie würdest Du Deiner Großmutter easybill erklären?


easybill verbessert den Arbeitsalltag von Selbstständigen und kleinen Unternehmen mit einer automatisierten, zeitsparenden und rechtskonformen SaaS-Lösung. Mit den vielseitigen Modulen – u.a. Rechnungserstellung, Angebot, Lieferschein, Zahlungserinnerung und Mahnung – werden wesentliche Geschäftsprozesse rechtssicher automatisiert. So kann man beispielsweise bis zu 80% seiner Zeit sparen bei der Rechnungserstellung und Nachbearbeitung.

Im Zuge der Übernahme durch Lea Partners hast Du gerade den Chefsessel bei easybill übernommen. Was ist dein erster Eindruck?


Nach dem Ausscheiden aus der operativen Rolle aus einem meiner Investments habe ich mir unter anderem zusammen mit Lea Partners mögliche Optionen im Markt angeschaut. Schnell sind wir auf easybill gestoßen. Das Unternehmen bietet eine erstklassige Lösung und ist sehr gut aufgestellt. Die drei Gründer haben das Unternehmen über die Jahre sehr akribisch aufgebaut und hervorragend geführt, ein tolles Team aufgebaut und den Markt tief durchdrungen. easybill hat beste Voraussetzungen für ein rasantes Wachstum.

easybill wurde bereits 2007 gegründet. Welche Aufgaben entfallen nun auf die Gründer?


Die Gründer bleiben an Bord. Wir haben uns die Aufgaben gut aufgeteilt. Ich kümmere mich vor allem um Strategie, Technologie und Team-Aufbau. Ich bin sehr froh, dass ich beispielsweise weiterhin auf die tiefgreifende Produkt- und Technologie-Erfahrung der Gründer zurückgreifen kann.

Wo steht easybill denn derzeit, welche Zahlen, Daten und Fakten kannst Du mit uns teilen?


Wir sind aktuell 35 Mitarbeitende, betreuen über 18.000 Kunden und bearbeiten über 100 Millionen Transaktionen im Jahr. Das Unternehmen ist kerngesund – mit einem ausgereiften, herausragenden Software Produkt. Wir wachsen im laufenden Geschäftsjahr signifikant und profitabel. Wir investieren dabei aus eigenen Mitteln wohlgemerkt in zusätzliches Wachstum.

In der Pressemitteilung zur easybill-Übernahme durch Lea ist von der “nächsten Wachstumsphase” die Rede. Wie genau soll diese aussehen?


Unser Ziel ist es, das Wachstum und die Innovation von easybill zu beschleunigen, um unsere führende Position im B2B-Sektor mit modernsten SaaS-Lösungen auszubauen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Bereitstellung einer besonders benutzerfreundlichen, einfachen und EU-konformen Lösung für die verpflichtende elektronische Rechnungsstellung durch Unternehmen.

Es herrscht leider weiter Krisenstimmung in der deutschen Wirtschaft. Welche Rolle spielt die derzeit schlechte Marktlage für Eure Planungen?


Unternehmen und Geschäftsmodelle mit Substanz und Qualität setzen sich immer durch. Es sind gute Zeiten, um die Sinne zu schärfen und an Details und Prozessen zu arbeiten. So  können Unternehmen selbst in schweren Krisenzeiten noch besser werden und haben somit einen guten Absprungpunkt für die nächste Wachstumsphase. Wir schauen, wie wir unseren Kunden helfen können, und bauen das in unsere Planungen und Entwicklungen ein. Setzen wir das konsequent um, ist uns bei easybill gar nicht bange.

Wo steht easybill in einem Jahr?


Wir haben zusammen mit allen Gesellschaftern und dem Team die bestehende Unternehmensstrategie angeschaut und weiterentwickelt. Mit der ab 1.1.25 verpflichtend kommenden E-Rechnung steht dem gesamten Bereich der Rechnungslegung eine große Transformation bevor. Hier wollen wir unserer Philosophie der Einfachheit und Benutzerfreundlichkeit treu bleiben, und den Hunderttausenden Unternehmern, die noch mit Word und Excel arbeiten, helfen, in dieses neue Zeitalter zu kommen.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): easybill

#Interview – “Sobald die Kids in der Kita sind, wird das Kinderzimmer zum Homeoffice”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Arbeitet fokussiert an eurem Product-Market-Fit und der Erfolg kommt mit der Zeit. Hierbei ist oftmals Geduld gefragt”, gibt Tom Apel von Papas Shorts anderen Gründer:innen als Tipp.

“Sobald die Kids in der Kita sind, wird das Kinderzimmer zum Homeoffice”

Freitag, 26. April 2024VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Tom Apel von Papas Shorts. Das Startup aus Berlin bietet zeitlose und bequeme Herrenhosen.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Als Papa von zwei Kleinkindern beginnt mein Tag meist vor dem Sonnenaufgang und sobald die Kids in der Kita sind, wird das Kinderzimmer zum Homeoffice. Dann werden zuerst die Verkaufszahlen vom Vortag gecheckt, bevor eine Priorisierung der Tagesaufgaben anhand meines Kalenders und Notizblocks erfolgt.

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?


Da unterstützen mich meine Kinder und weisen mich im Ernstfall lautstark darauf hin, dass ich das Handy doch bitte weglegen soll. Ansonsten hilft mir Sport sehr gut beim Abschalten. Seit knapp 3 Jahren habe ich Beachvolleyball für mich entdeckt.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?


Dass das Gründerdasein manchmal auch einsam sein kann, war mir so nicht bewusst. Gerade durch Homeoffice kommt es vor, dass ich den ganzen Tag in den eigenen Vier Wänden verbringe und da fehlt mir die Kaffeepause mit den Kollegen doch manchmal ein wenig.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?


Im ersten Jahr nach Gründung war die größte Herausforderung für mich den richtigen Fokus zu finden. In kurz: Was sind die Hebel, die uns wirklich nach vorn bringen? So habe ich beispielsweise gelernt, dass Social Media für mich weder Leidenschaft noch Wachstumshebel ist und ich stattdessen mit Native Ads deutlich mehr Neukunden für einen attraktiven Preis gewinnen kann.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?


In den ersten Jahren sind wir zu häufig den “sicheren Weg” gegangen. Beispielsweise wussten wir, dass die Nachfrage für unsere Jogger Hosen sehr hoch ist. Dennoch haben wir uns dafür entschieden unsere Liquidität nicht zu gefährden und folglich eine vergleichbar kleinere Produktbestellung aufgegeben. Heute greifen wir in derartigen Situationen auf kurzfristige Darlehen (z.B. Paypal Businesskredite) zurück, um unser Umsatzpotential nicht durch fehlende Produktverfügbarkeit einzuschränken.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?


Tatsächlich haben wir unsere besten Mitarbeiter bisher über persönliche Empfehlungen bekommen. Die Schwägerin einer alten Kollegin leitet jetzt unser Logistikteam, ein guter Bekannter unterstützt uns in der IT und all unsere Fotografen kamen bisher aus dem persönlichen Umfeld.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Arbeitet fokussiert an eurem Product-Market-Fit und der Erfolg kommt mit der Zeit. Hierbei ist oftmals Geduld gefragt, aber sobald ihr die richtigen Hebel für Wachstum gefunden habt, kann es ganz schnell gehen. Nutzt das Momentum und lasst euch nicht von außen verunsichern. Und vor allem, habt Spaß auf eurer Reise!

Ohne welches externes Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Tatsächlich muss ich hier Slack nennen. Bis vor 2 Jahren habe ich mich noch komplett dagegen gewehrt aber mittlerweile ist Slack bei allen Agenturen, mit denen wir zusammenarbeiten, das Standard-Kommunikationstool. Bedeutet also: ohne Slack, keine Agenturzusammenarbeit mehr. Das ist für mich als E-Mail-Dinosaurier immer noch schwer zu verdauen.

Wie sorgt Ihr bei Eurem Team für gute Stimmung?


In regelmäßigen Abständen ist es einfach wichtig, dass wir uns als 2er Gründerteam auf ein Bierchen zusammensetzen. Da wird dann auch nicht über Arbeit gesprochen,


sondern gemeinsam über das Leben philosophiert, die großen Gefühle unserer Kinder ausgewertet oder mittelmäßige Dad Jokes ausgetauscht. Es ist so wichtig sich auch mal bewusst ablenken zu lassen.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


2019 durfte ich mit meiner Frau (US-Amerikanerin) mal wieder das Landesamt für Einwanderung in Berlin besuchen. Unsere vorherigen Besuche endeten nicht selten in


Verzweiflung, Wut und vereinzelten Tränen. Von daher war ich umso erfreuter als mich der Mitarbeiter erkannte und seine Begeisterung für Papas Shorts zum Ausdruck


brachte. Das war tatsächlich das erste und einzige Mal, dass wir das LEA mit einem Lächeln verlassen haben.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben):  Papas Shorts

#Interview – “Messen waren beim Fundraising der Schlüssel zum Erfolg”

Das Berliner Startup myo, 2018 von Jasper Böckel gegründet, positioniert sich als Kommunikationsplattform für Pflegeheime. “Begonnen hat alles mit der Kommunikation zwischen Mitarbeitenden im Pflegeheim und den Angehörigen der Pflegebedürftigen. Wir haben dann nach und nach mehr Stakeholder, vom Wäschedienst, über die Apotheke bis hin zur Küche auf unsere Plattform geholt und damit komplexe Prozesse wie das Versenden von Rezepten per Fax oder das Bestellen von Essen mit Stift und Papier, vereinfacht”, sagt Gründer Böckel. 

TVM Capital Life Science (TVM), TWIP Impact Ventures (Twip) und Altinvestoren investierten zuletzt 10,5 Millionen Euro in myo. BonVenture, Baby Royal, Mountain Partners und Co. investierten zuvor zudem bereits rund 5 Millionen in das Unternehmen. Die Firma verfügt nach eigenen Angaben derzeit über “rund 400 Kunden im DACH-Raum sowie in Großbritannien”. “Wir machen mittlerweile siebenstellige Umsätze in Deutschland und England”, führt Böckel aus.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der myo-Gründer außerdem über Optimismus, Weitsicht und Smart Money.

Wie würdest Du Deiner Großmutter myo erklären?


Liebe Großmutter, wenn Du mal ins Pflegeheim kommen solltest, dann will ich weiterhin mit Dir und den Personen, die sich täglich um Dich kümmern, in Kontakt bleiben. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass die Menschen, die dort arbeiten, so viel ihrer Zeit wie möglich mit Dir verbringen und sie nicht mit umständlichen administrativen Prozessen verschwenden. Deswegen suche ich für Dich eine Einrichtung, welche die myo App nutzt. Damit wird sämtliche Kommunikation der Mitarbeiter an einem Ort datenschutzkonform und effizient bündelt. 

War dies von Anfang an Euer Konzept?


Begonnen hat alles mit der Kommunikation zwischen Mitarbeitenden im Pflegeheim und den Angehörigen der Pflegebedürftigen. Es konnten mit Hilfe von Fotos, Videos oder Sprachnachrichten Einblicke in den Alltag gewährt oder schnell administrative Dinge geklärt werden. Häufig waren wir damals das erste digitale Produkt, das es in die tägliche Anwendung geschafft hat. Damit ist Vertrauen für das Thema Digitalisierung geschaffen worden und auch die Kundenstimmen wurden lauter, die immer mehr über unsere App abbilden wollten. Wir haben dann nach und nach mehr Stakeholder, vom externen Wäschedienst, über die Apotheke bis hin zur Küche oder Physiotherapeutin auf unsere Plattform geholt und damit komplexe Prozesse wie das Versenden von Rezepten per Fax oder das Bestellen von Essen mit Stift und Papier, vereinfacht. Das Konzept, irgendwann sämtliche Kommunikation rund um den Pflegebedürftigen an einem Ort zu bündeln, hat sich damit nie verändert, sondern nur erweitert. 

Zuletzt konntet Ihr über 10 Millionen einsammeln. Wie seid Ihr mit Euren Investor:innen in Kontakt gekommen?


Ich habe auf der LSX Konferenz in London eine Gesprächsanfrage an Sascha Berger, Partner von TVM Capital, geschickt und er hat zum Glück angenommen. Aus dem 20-minütigen Kennenlernen ist sieben Monate später das Investment entstanden. Ähnlich war es bei TWIP Impact Ventures, die ich bei einem Speed Dating Event auf der Bits and Pretzels in München kennengelernt habe. Nachdem Messen in der Vergangenheit keine Rolle in Sachen Fundraising für uns gespielt haben, waren sie diesmal der Schlüssel zum Erfolg. 

Wie hat sich myo seit der Gründung entwickelt?


Wir sind heute 25 Mitarbeitende und bedienen ungefähr 400 Kunden. Wir machen mittlerweile siebenstellige Umsätze in Deutschland und England. Unseren Markteintritt haben wir 2020 gewagt – seitdem sind wir jedes Jahr um mehr als 100 % gewachsen. Mehr als 30.000 Personen nutzen myo bereits und wir haben Schnittstellen zu marktführenden Dienstleistern.

Es herrscht derzeit weiter Krisenstimmung in der deutschen Startup-Szene. Mit welchen Erwartungen blickst Du auf die kommenden Monate?


Ich vermute, dass sich die Situation so schnell nicht ändern wird und neues Kapital weiterhin schwer zu bekommen ist. Gleichzeitig glaube ich, dass Optimismus und die Fähigkeit, Chancen in Krisen zu sehen, zwei wichtige Tugenden eines Unternehmers sind. Auch in der Pflege wird der Leidensdruck immer größer und mit ihm die Notwendigkeit für strukturellen Wandel. Ich schaue daher mit einer Mischung aus Spannung und Vorfreude auf das, was da kommt. 

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


Die Liste ist ziemlich lang, ich versuche mal eine Sache hervorzuheben, die erstmal klein erscheint, aber riesige Implikationen hat: Die Entscheidung über unsere technische Architektur. Ich habe mich damals entschieden, unsere Software nativ auf allen drei Plattformen, Web, Android und iOS zu programmieren. Mir hat die Weitsicht für die Anforderungen an das Produkt und noch viel mehr für die rasante Entwicklung von Cross-Plattform Frameworks gefehlt. Was uns das an Zeit bei Teamaufbau und Geld gekostet hat, rechne ich mal lieber nicht aus. 

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?


Eine Sache, von der uns fast alle abgeraten haben, wir aber auf unseren eigenen Kopf und Bauch gehört haben, war die Wahl unseres ersten großen Investors. Entgegen jeder Ratschläge, haben wir uns für einen institutionellen strategischen Investor entschieden. Ich habe die Warnungen noch heute im Ohr: “Damit macht ihr euch komplett uninteressant für jeden VC in weiteren Runden”, “Der Exit geht jetzt nur noch an die und der Preis wird miserabel sein” und so weiter und so fort. Für uns war es ein absoluter Glücksgriff, da wir ein unendliches Spielfeld für Produkt-Tests hatten, den ersten Referenzkunden, Pricing-Diskussionen neben dem echten Budget von einem Pflegeheim führen konnten oder einen Crashkurs zum Thema Datenschutz bekamen. Gerade wo in der VC Landschaft gerne von Smart Money gesprochen wird, habe ich dort erfahren, was das wirklich bedeutet. 

Wo steht myo in einem Jahr?


Immer noch mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Neues Kapital birgt auch immer das Risiko, zu schnell zu viel zu wollen und strukturelle Probleme mit Headcount zu kompensieren. Die letzten Monate haben uns -und auch vielen anderen – die wichtige Lektion der Kapitaleffizienz gelehrt. Diese wird auch weiterhin hohe Priorität haben. Trotzdem wollen wir natürlich wachsen und dafür brauchen wir in jedem Department Unterstützung. Zum Ende des Jahres wird das dazu führen, dass wir uns knapp verdoppelt haben, sowohl beim Headcount als auch ARR. Wir sind unangefochtener Marktführer in unserem Segment und geben diese Position auch nicht mehr her – weder dieses noch irgendein anderes Jahr. 

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): myo / Miriam Klingl

#Interview – “Es wird oft unterschätzt, wie abhängig man von externen Faktoren ist”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Ohne ein starkes Team wirst du es nicht schaffen. Auch wenn du das beste Produkt und starke Investoren hast, zur richtigen Zeit am richtigen Ort bist – dein Team muss immer mitziehen”, ist sich Wolfgang Maurer von HelloBello sicher.

“Es wird oft unterschätzt, wie abhängig man von externen Faktoren ist”

Freitag, 16. Februar 2024VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Wolfgang Maurer, Gründer von HelloBello. Das Startup aus Bad Tölz bietet frisch gekochtes Hundefutter im Abo-Modell.

Wie startest du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Im Arbeitsalltag von Startups gibt es das Wort “normal” gar nicht – und das ist gerade das Tolle. Wachstum bedeutet, sich ständig mit neuen Herausforderungen und Erfahrungen zu beschäftigen. Dementsprechend gleicht kein Tag dem anderen. Es ist ein konstantes Weiterentwickeln, Optimieren und Lernen.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?


Nach der Arbeit steht meine Familie im Fokus, aber auch Hobbys wie Wandern und Segeln. Außerdem haben wir bei HelloBello ja den großen Vorteil, immer Hunde um uns herum zu haben. Die helfen auch mal, während der Arbeit für ein paar Minuten abzuschalten, wenn sie ihre Streicheleinheiten einfordern.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?


Ich glaube, es ist unmöglich sich vorstellen zu können, wie viel Durchhaltevermögen und Nerven es braucht, um ein Startup zu gründen und durch die ersten Jahre zu bringen. Es wird oft unterschätzt, wie abhängig man von externen Faktoren und Personen ist. Und das betrifft die unterschiedlichsten Bereiche: Logistik, Produktion, Finanzierung, Kundenbetreuung, IT und vieles mehr. Sich da durchzuboxen, fordert dich als Gründer, aber auch dein Team maximal.

Was waren die größten Hürden, die du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?


Die größte Hürde war ganz klar die Fertigstellung des Produkts und des Produktionsablaufes. Bis unser frisch gekochtes Futter wirklich marktreif und skalierbar war, haben wir unzählige Male Prozesse verändert, verbessert und dann doch wieder ganz über den Haufen geworfen und es noch einmal anders probiert. Wir arbeiten mit frischen Lebensmitteln, das hat sehr viele ungeahnte Herausforderungen mit sich gebracht – besonders durch unsere hohen Qualitätsansprüche an das fertige Produkt.

Was waren die größten Fehler, die du bisher gemacht hast – und was hast du aus diesen gelernt?


Die Integration von Frischfutter in die individuelle Fertigung erwies sich als deutlich komplexer als ursprünglich angenommen. Zu Beginn hätten wir mehr Ressourcen für diese Herausforderung einplanen sollen. Dadurch waren wir nicht ausreichend auf den unerwarteten Ansturm vorbereitet.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?


LinkedIn bietet eine hervorragende Möglichkeit, gezielt nach Mitarbeitern zu suchen, die über die erforderlichen Fähigkeiten und Erfahrungen für die vakante Position verfügen. Die Nutzung des eigenen Netzwerks auf dieser Plattform erweist sich oft als effektiver als herkömmliche Stellenausschreibungen.

Welchen Tipp hast du für andere Gründer:innen?


Ohne ein starkes Team wirst du es nicht schaffen. Auch wenn du das beste Produkt und starke Investoren hast, zur richtigen Zeit am richtigen Ort bist – dein Team muss immer mitziehen. Ein Startup zu gründen ist eine Achterbahnfahrt mit vielen Herausforderungen. Auch wenn es banal klingen mag, die Stärke deines Unternehmens hängt letztendlich von der Leistung des schwächsten Teammitglieds ab. Insbesondere in kleineren Teams ist ein positiver Teamgeist unerlässlich, um am Ende des Tages erfolgreich zu sein.

Ohne welches externe Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Triple Whale ermöglicht uns im Marketing, noch stärker auf Daten zu setzen und unser Budget besonders effektiv zu nutzen. Damit behalten wir jederzeit einen präzisen Überblick, was uns zweifellos bereits vor der ein oder anderen Fehleinschätzung bewahrt hat.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?


Hier sind verschiedene Faktoren im Spiel. Da sich nicht alle Mitarbeiter:innen an einem Standort befinden, stellen große Zusammenkünfte wie unsere Weihnachtsfeier oder Segelausflüge im Sommer immer besondere Highlights dar. Bei solchen Events liegt uns viel daran, nicht ausschließlich über Arbeitsthemen zu sprechen, sondern einfach eine gute Zeit miteinander zu verbringen. Im Alltag tragen auch Kleinigkeiten wie thematisch lustige Hintergründe in Google Meetings dazu bei, eine positive Stimmung zu schaffen.

Was war dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Ein unvergesslicher Moment war unsere Teilnahme bei der TV-Sendung “2Minuten2Millionen” – dem österreichischen Pendant zu “Die Höhle der Löwen” – vor etwa 3 Jahren. Sowohl die Aufnahme als auch die Ausstrahlung waren wild. Wir waren zu der Zeit noch ein sehr kleines Team und standen noch ganz am Anfang mit der Produktion. Niemals hätten wir es gewagt, von einem derartigen Ansturm auf unser Produkt zu träumen. Doch mit einem unglaublichen Team-Einsatz konnten wir diese Herausforderung bewältigen. Es ist wirklich toll zu sehen, wie viele Hunde wir seit der Teilnahme immer noch jeden Monat bekochen dürfen.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): HelloBello

Este sitio web utiliza cookies para que usted tenga la mejor experiencia de usuario. Si continúa navegando está dando su consentimiento para la aceptación de las mencionadas cookies y la aceptación de nuestra política de cookies, pinche el enlace para mayor información.

ACEPTAR
Aviso de cookies