In dieser Woche ist das neue Game „007: First Light“ von IO Interactive für PlayStation 5, Xbox Series X|S und den PC erschienen. Eine Portierung für die Nintendo Switch 2 folgt später. Ich habe nicht nur das Launchevent in Hamburg besucht, sondern mir den Titel am PC auch für einen Test angeschaut. Und eins kann man wirklich sagen: James Bond ist mit voller Breitseite zurück.
So gab es da für mich eine lange Flaute: Ich bin mit den Filmen mit Sean Connery und Roger Moore aufgewachsen. Pierce Brosnan war dann zwar als Darsteller ein toller Nachfolger, die Filme kranken aber unter einer für mich viel zu überdrehten Umsetzung. Daniel Craig schätze ich ebenso als Schauspieler, empfand ihn jedoch als Fehlbesetzung. Dennoch mochte ich „Skyfall“ sehr, konnte aber mit keinem der anderen Bond-Filme mit ihm etwas anfangen. „oo7: First Light“ ist für mich persönlich daher nicht nur die fulminante Rückkehr von 007 im Gaming, sondern medienübergreifend.
Die dänischen Entwickler von IO Interactive sind bisher vor allem für das Franchise „Hitman“ bekannt. Dieses Wissen nutzen sie zwar auch für „oo7: First Light“, doch eine 1:1 Kopie mit Bond-Skin liegt hier keinesfalls vor. Denn auch ein anderes Franchise ist als wichtige Inspirationsquelle überdeutlich zu erkennen: Sonys „Uncharted“. Insgesamt liegt hier ein lineares Action-Adventure vor, das hoffentlich ein neues Franchise einläutet.
Mein Test-System:
CPU: AMD Ryzen 7 9800X3D
CPU-Kühler: Noctua NH-D15 G2
Motherboard: MSI Tomahawk Wi-Fi AMD X670E
RAM: 64 GByte G.Skill Trident Z5 Neo RGB DDR5-6000 CL30
Grafikkarte: Nvidia GeForce RTX 5080
SSD: Kingston Fury Renegade 2 TByte WD_Black SN850 1 TByte
Externer Zusatzspeicher: SanDisk Extreme Portable SSD mit 8 TByte
Netzteil: be quiet! Power Zone 2 (1.000 Watt)
Tower: be quiet! Dark Base Pro 901 (White)
007 First Light Specialist Edition (Amazon exklusive) (PS5).
- Begib dich auf Missionen an atemberaubenden Schauplätzen, fahre Fahrzeuge mit Kultstatus und erlebe ein…
- Kämpfe mit Fäusten oder Patronen, nutze Gadgets, um in feindliches Territorium einzudringen, oder…
- Stell deine Fähigkeiten auf die Probe und spiele deine Lieblingsmissionen mehrmals mit zusätzlichen…
„007: First Light“: Darum geht es
In „007: First Light“ wird eine neue Geschichte erzählt: James Bond ist noch unerfahren und wird unverhofft für den britischen Geheimdienst MI6 rekrutiert. Vom Doppelnull-Status ist er jedoch noch weit entfernt. Stattdessen muss er sich erst einmal seine Sporen verdienen. Doch Bond wäre nicht Bond, wenn sich rasch eine Story mit internationalen Schauplätzen, ikonischen Schurken und natürlich schönen Frauen anbahnen würde. Der britische Agent muss nicht nur seine Fäuste, sondern auch seinen Charme spielen lassen, um eine globale Bedrohung aufzudecken und zu beseitigen.
Die Wurzeln von „Hitman“ erkennt man dabei immer in den Abschnitten, in denen James Bond nach Hinweisen suchen und sozusagen Spionagearbeit durchführen muss. Aber: Im Gegensatz zu „Hitman“ gibt es keine großen Sandbox-Areale. Vielmehr bewegt ihr Agent 007 durch überschaubare „Arenen“, wie IO Interactive sie nennt. Dabei habt ihr zwar weiterhin Freiheiten und könnt manche Situationen unterschiedlich bewältigen, doch den immensen Facettenreichtum eines „Hitman“ gibt es eben nicht. Das ist allerdings aus meiner Sicht in diesem Fall in Ordnung, denn „007: First Light“ hat andere Stärken.
Dazu zählen etwa die wuchtigen und äußerst dynamischen Faustkämpfe. Gerade jene waren bei „Hitman“ eher die Schwäche. Zumal die Umgebungen bei „007: First Light“ extrem interaktiv sind. Da segeln Gegner über Schränke, poltern in zerbrechendes Glas oder stolpern durch ein durch eine Explosion entfachtes Flammenmeer. Ihr selbst könnt die Spielumgebungen stets zu eurem Vorteil nutzen. Dank Bonds futuristischer Armbanduhr manipuliert ihr Geräte in der Nähe und lockt Feinde so etwa in Räume, die ihr hinter ihnen zusperrt. Auch wenn die Abschnitte in ihrer Größe überschaubar sind, habt ihr immer spielerische Freiheit.
Ausnahme sind die Fahrabschnitte, die an ähnliche, spektakuläre Einlagen in „Uncharted 4“ erinnern. Die Rasereien muten zwar zunächst aufregend an, doch ein falsches Manöver kann zum Neustart führen. Am Ende macht es eigentlich mehr Spaß, diesen Sequenzen in einem Video zuzuschauen, als sie selbst zu zocken. Ist mir persönlich jedenfalls zu linear und leicht monoton abgelaufen, auch wenn ich verstehen kann, dass solche Abschnitte den Spielfluss auflockern sollen.
Konventionelle, aber gute Technik
Patrick Gibson („Dexter: Original Sin“) als jungen James Bond finde ich hervorragend, aber auch der Rest des Casts ist hochkarätig. Gemma Chan, Lenny Kravitz, Lennie James und mehr liefern hier voll an. Wer jedoch auf eine deutsche Synchronisation gehofft hat, muss wohl schlucken. „007: First Light“ verfügt zwar über deutschsprachige Untertitel, es gibt aber nur eine englische Vertonung. Die ist, wie erwähnt, sehr charmant. Wenn Patrick Gibson als Bond etwa die Security mit Lügengeschichten einseift, um nicht aufzufliegen, sorgt das schon für ein Schmunzeln.
Für solche Aktionen benötigt James Bond im Übrigen eine Ressource namens „Instinkt“. Die erhaltet ihr durch Aktionen wie das Belauschen oder Ausknocken von Gegnern. Ohne Instinkt sind Bluffs, wie der oben genannte, nicht möglich. In Kämpfen wiederum könnt ihr Instinkt nutzen, um in Zeitlupe gekonnter auf Gegner zu feuern. Dazu sei erwähnt: In „007 First Light“ dürft ihr Feinde erst über den Haufen schießen, sobald diese euch mit tödlichen Waffen bedrohen. Dann erhaltet ihr temporär die Lizenz zum Töten. Sonst ist das nicht erlaubt.
An „Hitman“ erinnert tatsächlich, dass ihr für jede Mission aus verschiedenen Gadgets aus Qs Labor wählen dürft. Diese solltet ihr darauf abstimmen, ob ihr eher im Geheimen vorgehen wollt oder sowieso schon wisst, dass ihr am Ende auf direkten Konfrontationskurs geht. Da gibt es dann eben beispielsweise ein Dart-Smartphone, das hilft, Feinde für besonders lange Phasen abzulenken. Oder ihr steckt Rauchbomben ein, die euch helfen können, Feinde zu verwirren und zu entkommen.
Technisch ist „007: First Light“ ein interessanter Titel. Zum Launch sind weder hardwarebasiertes Ray-Tracing noch Pathtracing enthalten. Allerdings nutzt man eine Mischung aus softwarebasiertem Ray-Tracing und ausgefuchsten Beleuchtungstricks. Dadurch ist die Beleuchtung ziemlich stimmungsvoll und hat mich vage an das Remake von „Mafia“ erinnert – auf einem neuen Qualitätsniveau. Sieht schon sehr schick aus. Die Charaktere wiederum wirken zwar deutlich detaillierter als in den „Hitman“-Games, aber abseits von Cutscenes ist ihre Mimik ein wenig steif.
Auch gibt es immer mal wieder in der Spielumgebung einige matschige Texturen. Dafür punktet „007: First Light“ mit großen Menschenansammlungen, vielen interaktiven Objekten und einer guten Weitsicht. IO Interactive setzt also nicht auf die modernsten Technologien, Pathtracing soll allerdings durch ein Update im Sommer noch folgen, liefert aber ein stimmungsvolles Gesamtbild ab. Ich habe den Titel auf maximalen Einstellungen in 4K mit 60 fps mit DLSS Quality gezockt. Da ist das Gesamtbild trotz der beschriebenen, kleineren Schwächen erstklassig.
Mein Fazit
„007: First Light“ ist nicht nur ein gutes Spiel, dessen linearer Aufbau durch das offene Gameplay aufgelockert wird, sondern auch eine gute Bond-Geschichte. Charaktere wie M, Q oder Moneypenny sind charmant wie eh und je und auch die neuen Nebencharaktere und Schurken könnten so auch in einem der Kinofilme vorkommen. Patrick Gibson ist eine tolle Besetzung für einen jungen James Bond in seinen Anfangstagen, da hat IO Interactive also ein wunderbares Händchen gehabt.
Das Gameplay enthält zwar auch Versatzstücke aus „Hitman“, bedient sich aber mindestens genau so deftig bei z. B. „Uncharted“. Herausgekommen ist eine abwechslungsreiche Mixtur, die primär in den schlauchigen Rennsequenzen schwächelt. Durchgespielt ist der Titel in rund 20 Stunden. Der Wiederspielwert der Missionen ist deutlich geringer als bei „Hitman“, es gibt aber auch hier kleinere Herausforderungen für besonders engagierte Gamer.
Technisch gibt sich „007: First Light“ konventionell, aber auf hohem Niveau. Das Game setzt erkennbare Schwerpunkte bei der stimmungsvollen Beleuchtung und den detaillierten Arealen, während die Charaktere abseits der Cutscenes manchmal etwas hölzern wirken. Im Gesamtbild liegt hier aber ein spaßiges Game vor, dem ich jeden Erfolg gönnen werde. James Bond ist zurück und das besser, als man ihn in all seinen letzten Kinoabenteuern erleben durfte.
007 First Light Specialist Edition (Amazon exklusive) (Xbox Series X)
- Begib dich auf Missionen an atemberaubenden Schauplätzen, fahre Fahrzeuge mit Kultstatus und erlebe ein…
- Kämpfe mit Fäusten oder Patronen, nutze Gadgets, um in feindliches Territorium einzudringen, oder…
- Stell deine Fähigkeiten auf die Probe und spiele deine Lieblingsmissionen mehrmals mit zusätzlichen…
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