#Interview – „Verwechselt Interesse nicht mit Nachfrage“

#Interview

Nuvio Planet ermöglicht die präzise Analyse von Emissionen entlang komplexer Lieferketten. “Wenn ein Futtermittelunternehmen eine Einkaufsentscheidung ändert, weil Nuvio Planet es ihnen zeigt – das ist der Moment, der zählt”, sagt Gründerin Irene Rosique-Conesa.

„Verwechselt Interesse nicht mit Nachfrage“

Dienstag, 5. Mai 2026VonAlexander

Das Berliner Startup Nuvio Planet, 2023 von Irene Rosique-Conesa und Jorg Riesmeier gegründet, setzt auf eine Environmental Intelligence Software für die globale Protein- und Futtermittelindustrie. Ursprünglich entwickelte das Team seine Idee im BASF-Ökosystem, gründete Nuvio Planet dann aber aus.

„Jedes Produkt, das wir essen und das tierisches Protein enthält, stammt aus einer Lieferkette, die niemand wirklich vollständig überblicken konnte. Alle haben geraten. Wir haben Nuvio Planet gebaut, damit das nicht mehr nötig ist“, erklärt Gründerin Rosique-Conesa das Konzept.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht die Nuvio Planet-Macherin ausführlich über den Stand der Dinge in ihrem Unternehmen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Nuvio Planet erklären?

Jedes Produkt, das wir essen und das tierisches Protein enthält, also Fleisch, Eier, Milchprodukte, Fisch – stammt aus einer Lieferkette, die niemand wirklich vollständig überblicken konnte. Nicht das Unternehmen, das es hergestellt hat. Nicht der Landwirt, der das Futter angebaut hat. Nicht der Einkäufer, der es bezogen hat. Alle haben geraten. Wir haben Nuvio Planet gebaut, damit das nicht mehr nötig ist, indem wir zeigen, wo Kosten und Emissionen entstehen und wie man das verändern kann. Statt zu raten, können Unternehmen bessere Entscheidungen bei Einkauf, Rezeptur und Produktion treffen. Dasselbe Geschäft, bessere Margen, geringerer Fußabdruck. Stell dir das wie Kochen zu Hause vor. Wenn du genau weißt, welche Zutaten am meisten Energie und Geld verschwenden, kochst du klüger. Wir geben Unternehmen genau diese Klarheit – nur im Maßstab der Welternährung.

War dies von Anfang an Euer Konzept?

Der Kern hat sich nicht verändert. Aber die Rolle schon. Wir haben uns von der Modellierung von Wirkungen hin zur Einbettung in Entscheidungen entwickelt. Anfangs lebte Nachhaltigkeit in der Berichterstattung. Heute sitzt sie in Einkauf, Rezeptur und kommerziellen Abwägungen. Deshalb haben wir Nuvio Planet als Entscheidungsinfrastruktur für die tierische Proteinwertschöpfungskette gebaut, nicht als Reporting-Tool.

Wie hat sich Nuvio Planet seit der Gründung entwickelt?

Nuvio Planet ist ein junges Unternehmen, aber die zugrunde liegenden Modelle wurden über mehr als ein Jahrzehnt in der Industrie entwickelt und validiert. Heute arbeiten wir mit globalen Playern wie BASF, Evonik und Vall Companys zusammen – Unternehmen, die zusammen den Großteil der Emissionen in tierischen Proteinlieferketten abdecken. Umsatzzahlen teilen wir in dieser Phase nicht, aber was ich sagen kann: Die Gespräche, die wir führen, drehen sich nicht mehr um Pilotprojekte, sondern um Integration in großem Maßstab.

Was war zuletzt das Highlight bei Euch?

Wir haben den Schritt vollzogen von einem Nachhaltigkeitstool hin zu einem System, das dort sitzt, wo echte Entscheidungen getroffen werden: in Einkaufsprozessen, Futtermittelrezeptierung, kommerzieller Planung. Dieser Wandel ist eingetreten, weil unsere Kunden aufgehört haben, Umweltdaten als Reporting-Output zu behandeln und sie stattdessen als Input für ihre wirtschaftlichen Kalkulationen zu nutzen. Wenn ein Futtermittelunternehmen eine Einkaufsentscheidung ändert, weil Nuvio Planet es ihnen zeigt – das ist der Moment, der zählt. Das passiert immer öfter.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist seit der Grüdung so richtig schief gegangen? 

Wir haben überschätzt, wie schnell Regulierung in operative Veränderungen innerhalb von Unternehmen übersetzen würde. Der eigentliche Flaschenhals war nicht die Regulierung, sondern die Nutzbarkeit. Unternehmen hatten keinen Mangel an Daten. Ihnen fehlten Systeme, die Daten mit Entscheidungen verbinden.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht? 

Wir haben uns früh auf die wirtschaftliche Ebene konzentriert. In Lebensmittelsystemen sind Emissionen und Kosten eng verknüpft, besonders im Futtermittelbereich. Wenn man das einmal zeigt, hört Nachhaltigkeit auf, eine Debatte zu sein, und wird zur Margenfrage. Genau dort beginnt echte Adoption.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?

Verwechselt Interesse nicht mit Nachfrage. Gerade im Bereich Nachhaltigkeit werden die Menschen dir lange zustimmen, bevor sie tatsächlich kaufen. Baut für den Moment, in dem euer Produkt wirtschaftlich unvermeidbar wird. Dann bewegt sich etwas.

Wo steht Nuvio Planet in einem Jahr?

In einem Jahr sitzt Nuvio Planet in den Systemen, in denen Entscheidungen getroffen werden: Rezeptierungstools, Einkaufsprozesse, kommerzielle Planung. Und es reicht in die angrenzenden Ebenen hinein, von denen diese Entscheidungen abhängen – Lieferantendaten, Betriebsleistung und Portfoliostrategie. Nicht als Reporting-Schicht, sondern als Infrastruktur. Das Ziel ist einfach: Umweltwirkung wird Teil jeder wirtschaftlichen Entscheidung in der Wertschöpfungskette.

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Foto (oben): Nuvio Planet

#Interview – „Gute Technologie allein reicht nicht“

#Interview

Bei Odonata, 2021 gegründet, dreht sich nach einem großen Pivot jetzt alles um unbemannte Logistik. Das Team aus Bayern entwickelt mit Pantala eine autonome Dual-Use-Langstrecken-Drohne. Der erste Schwebetest ging kürzlich erfolgreich über die Bühne.

„Gute Technologie allein reicht nicht“

Montag, 4. Mai 2026VonAlexander

Das Münchner Unternehmen Odonata, das 2021 von Daniel Etter, John Griesbacher, Dominik Weigl und Dennis Furchheim gegründet wurde, entwickelt mit Pantala eine autonome Langstrecken-Drohne (für zivile und militärische Einsätze). „Damit kann man Logistik ganz neu denken: schneller, direkter und unabhängiger. Besonders relevant ist das für zeitkritische Fracht an abgelegene Orte“, sagt Gründer Furchheim.

Der erste Schwebetest von Pantala ging bereits erfolgreich über die Bühne. „Wenn aus Präsentationen und Tabellen erst CAD und dann ein Prototyp wird, der schließlich fliegt, dann ist das schon bewegend“, erzählt Furchheim.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Odonata-Macher einmal ausführlich über den Stand der Dinge bei seinem Startup.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Odonata erklären?

Wir bauen ein Fluggerät, das wie ein Helikopter vertikal starten und landen kann, in der Luft aber wie ein Flugzeug fliegt, nur eben ohne Pilot und vollautonom von A nach B. Damit kann man Logistik ganz neu denken: schneller, direkter und unabhängiger. Besonders relevant ist das für zeitkritische Fracht an abgelegene Orte, in Regionen mit schwacher Infrastruktur oder dort, wo Straßen durch Verkehr zu langsam sind und Helikopter zu teuer wären.

War dies von Anfang an Euer Konzept?

Nein, ursprünglich wollten wir ein personentragendes eVTOL mit hybridem Wasserstoff-Antrieb entwickeln. Wir haben dann aber bewusst einen Pivot gemacht, weil wir früh erkannt haben, dass unbemannte Logistik deutlich realistischer, weniger kapitalintensiv und schneller in den Markt zu bringen ist. Der Vorteil war, dass wir die Technologie aus den ersten eVTOL-Ansätzen in die deutlich kleinere Drohne übernehmen konnten – das hat Zeit und Resourcen gespart. 

Wie hat sich OdonataUn seit der Gründung entwickelt?

Wir haben uns von einer Vision zu einem echten Technologie-Startup entwickelt. Aus ersten Konzepten ist ein Full-Scale-Prototyp geworden mit knapp 8m Wingspan. Der entscheidende Unterschied ist: Wir reden nicht mehr nur über unsere Vision, wir bauen sie bereits.

Was war zuletzt das Highlight bei Euch?

Ganz klar der erste erfolgreiche Hover-Test unseres PANTALA-Drohnen-Prototyps. Das war ein besonderer Moment, weil sichtbar wurde, dass aus intensiver Entwicklungsarbeit ein reales fliegendes System entstanden ist. Wenn aus Präsentationen und Tabellen erst CAD und dann ein Prototyp wird, der schließlich fliegt, dann ist das schon bewegend. 

Blicke bitte einmal zurück: Was ist seit der Gründung so richtig schief gegangen?

Wir mussten lernen, dass im DeepTech-Segment gute Technologie alleine nicht reicht. Timing, Kapitalmarkt und Fokus sind mindestens genauso wichtig. Der größte Einschnitt war die Erkenntnis, dass unser ursprünglicher Ansatz für das Marktumfeld zu kapitalintensiv war. Besonders, wenn gerade große Player in dem Feld aufgeben, dann ist das nicht hilfreich für die eigene Kapitalbeschaffung – auch wenn das eigene Konzept ganz andere Technologien und Märkte hat. Das haben wir nicht kommen sehen und die Folgen unterschätzt.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?

Wir haben uns nicht an unserer ersten Idee festgeklammert. Stattdessen haben wir ehrlich auf Markt, Machbarkeit und Bedarf geschaut und daraus die richtigen Konsequenzen gezogen. Wir haben versucht möglichst viele Erkenntnisse und Technologien aus dem ersten Entwicklungsfokus zu dem personentragendes eVTOL auf unser aktuelles Projekt zu übertragen – das hat Zeit und Kosten gespart und wir haben die Lernkurve bei vielen Themen schon einmal durchlaufen.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?

Verliebt euch nicht in eure erste Lösung, sondern in das Problem, das ihr lösen wollt. Und verwechselt Durchhaltevermögen nicht mit Starrsinn.

Wo steht Odonata in einem Jahr?

In einem Jahr wollen wir deutlich näher an der operativen Anwendung sein. Die Zulassung von Luftfahrzeugen ist komplex, aber wir sind guter Dinge, dass wir nach weiteren Flugtests bereits erste Pilotprojekte mit Kunden starten können. Unser Ziel ist klar: Aus der Pantala echten Nutzen zu machen.

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Foto (oben): Odonata

#Interview – „Es fühlt sich an, als wäre alles gleichzeitig in Bewegung“

#Interview

Das junge Unternehmen Logicc knackte gerade 1 Million Euro ARR. Die Ambitionen des Gründerteams, das zuvor OAK25 aufgebaut hat, sind aber noch viel größer! “Unser Ziel ist klar: den Umsatz in den nächsten 12 Monaten zu verzehnfachen”, sagt Gründer Jacob Leffers.

„Es fühlt sich an, als wäre alles gleichzeitig in Bewegung“

Dienstag, 28. April 2026VonAlexander

Hinter dem Unternehmen Logicc aus Hamburg, 2025 von den OAK25-Gründern Emil Woermann und Jacob Leffers sowie Benjamin Seifert und Santiago Martinez-Avial gegründet, verbirgt sich eine „zentrale KI-Plattform für Unternehmen“. Dabei verspricht das Team: „Mit Logicc nutzt Dein Team alle führenden aktuellen und künftigen KI-Modelle auf nur einer Plattform“.

Das Team kommt rund 6,5 Monate nach dem Startschuss auf 1 Million Annual Recurring Revenue (ARR). Der Münchner Investor 10x Founders, Redstone und MS&AD Ventures investierten kürzlich 2,5 Millionen Euro in die Jungfirma. About You-Gründer Tarek Müller, der auch schon auf OAK25 setzte, investierte zuvor bereits eine sechsstellige Summe in die Jungfirma.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Seriengründer Jacob Leffers einmal ausführlich über den Stand der Dinge bei Logicc.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Logicc erklären?

Oma, du kennst ChatGPT – das KI-Programm, das alle nutzen. Das Problem: Für Ärzte, Anwälte oder Behörden ist das rechtlich heikel, weil Patientendaten und Mandantengeheimnisse dort nicht sicher sind. Wir haben eine Version gebaut, die genauso mächtig ist – aber bei der die Daten geheim bleiben.

War dies von Anfang an euer Konzept?

Nicht ganz. Am Anfang wollten wir eine KI-Plattform für alle bauen. Aber wir haben schnell gemerkt: Den größten unerfüllten Bedarf gibt es bei Branchen, die mit sensiblen Daten arbeiten – und bisher auf KI verzichten mussten. Der Fokus auf regulierte Branchen war kein großer Pivot, eher eine Schärfung. Rückblickend die beste Entscheidung, die wir getroffen haben.

Wie hat sich Logicc seit der Gründung entwickelt?

Wir haben die Marke von 1 Million Euro ARR geknackt, über 1.800 Organisationen vertrauen heute auf die Plattform, und wir haben gerade eine Seed-Runde über 2,5 Millionen Euro abgeschlossen – mit Investoren wie dem 10X Founders Fund, Redstone und MS&AD. Das Team wächst, das Produkt wächst, der Markt wächst. Es fühlt sich an, als wäre gerade alles gleichzeitig in Bewegung.

Was war zuletzt das Highlight bei Euch?

Ehrlich gesagt war das Schönste der Moment, als wir die 1-Million-ARR-Marke gesehen haben. Das war der Beweis, dass wir einen Produkt-Market Fit haben und einen Nerv im Markt getroffen haben.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist seit der Gründung so richtig schief gegangen?

Wir haben am Anfang zu lange versucht, für alle da zu sein. Zu breiter Fokus kostet Zeit, Energie und manchmal auch Kunden. Bis man akzeptiert, dass Fokus keine Einschränkung ist, sondern ein Vorteil – das dauert länger als gedacht. 

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht? 

Wir haben früh auf Compliance als Kernfeature gesetzt, nicht als Checkbox. DSGVO, §203 StGB, Zero Data Retention – das ist kein Marketing, das ist Architekturentscheidung. Genau das öffnet uns Türen, die für andere Plattformen schlicht zu sind.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?

Am Anfang braucht es immer ein enormes Durchhaltevermögen. Es ist wichtig immer dran zu bleiben.

Wo steht Logicc in einem Jahr?

Unser Ziel ist klar: den Umsatz in den nächsten 12 Monaten zu verzehnfachen. Mehr Branchen, mehr Länder, mehr Nutzer – die sicher mit KI arbeiten können. KI darf keine Frage des Berufsfeldes sein.

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Foto (oben): Logicc 

#Interview – „Erst Kunden gewinnen – dann die Runde schließen“

#Interview

Hinter beglaubigt.de verbirgt sich ein “digitaler Notar”. Das Team aus München konnte gerade 3,3 Millionen einsammeln. “Wir haben lange gebootstrapped, bis wir eine solide Kundenbasis und echte Traction aufgebaut hatten”, sagt Gründer Felix Gerlach.

„Erst Kunden gewinnen – dann die Runde schließen“

Montag, 27. April 2026VonAlexander

Das Münchner LegalTech Openlaw, 2024 von Alexander Sporenberg und Felix Gerlach gegründet, positioniert sich als „europäische Plattform für digitale Rechts- und Notarinfrastruktur“. In Deutschland ist die Jungfirma mit beglaubigt.de unterwegs.

„Die Plattform bildet den gesamten Gründungsprozess digital ab, von den Gründungsdokumenten über den Notartermin bis zur HRB-Eintragung und Transparenzregister-Anmeldung“, heißt es zum Konzept.

YouTube-Mitgründer Jawed Karim (Y Ventures), Moonfire Ventures (Mattias Ljungman), Zeno Ventures, Combination VC, Orange Collective und zahlreiche Business Angels investierten kürzlich 3,3 Millionen US-Dollar in das junge Unternehmen.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründer Felix Gerlach einmal ausführlich über den Stand der Dinge in seinem Startup.

Wie würdest Du Deiner Großmutter beglaubigt.de erklären?

Stell dir vor, du müsstest nicht mehr zum Anwalt, Notar oder Amt gehen und könntest alles bequem von zu Hause aus am Computer erledigen – quasi ein digitaler Rechtsdienstleister.

War dies von Anfang an Euer Konzept?

Wir sind ursprünglich mit der digitalen Beglaubigung als Kernprodukt gestartet – also genau dem Moment, in dem etwas rechtlich verbindlich wird. Relativ schnell haben wir jedoch gemerkt: Das ist nur ein kleiner Teil der eigentlichen Gründerreise. Deshalb haben wir unser Modell konsequent weiterentwickelt. Heute begleiten wir Gründer:innen end-to-end – von der Gründung über Behördenanmeldungen bis hin zur laufenden Buchhaltung. Aus einem einzelnen Produkt ist so Schritt für Schritt ein vollständiges Legal Backoffice für Unternehmen entstanden.

Wie hat sich beglaubigt.de seit der Gründung entwickelt?

Unsere Entwicklung in Zahlen: 25.000 Kund:innen seit Launch, 20 Mitarbeiter:innen, stark wachsend, zuletzt mit rund 50 % MoM-Wachstum. Live-Integrationen mit Qonto, Holvi, sevDesk, Kontist und weiteren Partnern. beglaubigt.de ist heute Deutschlands führende Plattform für digitale Unternehmensgründungen und Notarisierungen. Wir verkürzen GmbH-Gründungen von sechs bis acht Wochen auf bis zu drei Tage – vollständig digital, von den Gründungsdokumenten über den Notartermin bis zur HRB-Eintragung und Anmeldung im Transparenzregister. Unser Produktportfolio umfasst inzwischen: Firmengründungen – GmbH, UG, GbR/eGbR, Holding -, Beglaubigungen und Apostillen, beglaubigte Übersetzungen, Registeranmeldungen sowie Buchhaltung.

Zuletzt konntet Ihr eine Millionensumme einsammeln. Wie seid Ihr mit Euren Investor:innen in Kontakt gekommen?

Wir haben lange gebootstrapped und komplett eigenfinanziert gearbeitet, bis wir eine solide Kundenbasis und echte Traction aufgebaut hatten. Die ersten Investor:innen kamen aus unserem Netzwerk – vor allem aus dem Legal- und Tech-Bereich, also Menschen, die das Problem wirklich verstehen. Mit Y Combinator kam dann der erste große internationale Investor hinzu. YC hat ein extrem starkes Umfeld geschaffen und in Kombination mit unseren Zahlen den Zugang zu weiteren Top-Investoren deutlich beschleunigt. Kurz gesagt: erst bauen, echte Kunden gewinnen – und dann mit Substanz die Runde schließen.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist seit der Gründung so richtig schief gegangen?

Wir launchen bewusst sehr früh – das ist Teil unserer DNA und gleichzeitig die Quelle von Fehlern. Wenn man Produkte früh zum Kunden bringt, entstehen zwangsläufig Reibung, Bugs und Dinge, die noch nicht perfekt sind. Genau darin liegt aber auch der Schlüssel: echtes Feedback, reale Nutzung und schnelle Iteration. Eines unserer wichtigsten Learnings aus dem Y Combinator ist nicht, Fehler zu vermeiden, sondern schnell genug aus ihnen zu lernen.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?

Wir haben früh verstanden, dass es nicht um Features geht, sondern um echte Probleme. Statt lange im stillen Kämmerlein zu entwickeln, sind wir schnell zum Kunden gegangen, haben zugehört, iteriert und uns konsequent am tatsächlichen Bedarf ausgerichtet. Gleichzeitig haben wir von Anfang an auf Geschwindigkeit gesetzt: schnell entscheiden, schnell launchen, schnell lernen. Diese Kombination aus Kundennähe und konsequenter Execution hat letztlich den Unterschied gemacht.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?

Es war noch nie so einfach, ein Unternehmen zu starten wie heute. Wir befinden uns in einem echten „Golden Age“ des Unternehmertums. Also: anfangen – und zwar jetzt.

Wo steht beglaubigt.de in einem Jahr?

In einem Jahr wollen wir der Standard für Gründung und Legal-Infrastruktur in Deutschland sein – und zeigen, dass Gründen auch einfach geht. Unser Ziel ist es, nicht nur ein Tool zu sein, sondern die gesamte darunterliegende Infrastruktur: ein durchgängiger Flow vom ersten Dokument bis zur laufenden Gesellschaft. Denn die Reise endet nicht mit der Gründung – sie beginnt dort. Von Registeranmeldungen über Steuern bis hin zu Compliance decken wir den gesamten Unternehmens-Lifecycle ab. Kurz gesagt: weniger Bürokratie, mehr Aufbau.

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Foto (oben): beglaubigt.de

#Interview – „Ich habe lange versucht, alles allein zu stemmen“

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Mit drei Kindern beginnt mein Tag meistens zwischen Brotdosen und Babyflasche”, so Dilan Küçük, Gründerin von NAILD. “Danach: starker Kaffee und ein schneller Blick in die Zahlen”, führt sie weiter aus.

„Ich habe lange versucht, alles allein zu stemmen“

Freitag, 24. April 2026VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Dilan Küçük, Gründerin von NAILD. Das 2017 gegründete Startup aus Berlin, das auf Press-on Nails setzt, erwirtschaftet inzwischen einen siebenstelligen Umsatz.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?

Mit drei Kindern beginnt mein Tag meistens zwischen Brotdosen und Babyflasche. Danach: starker Kaffee und ein schneller Blick in die Zahlen. Ich brauche einen klaren Überblick über die Performance, erst dann kann ich fokussiert in Meetings oder kreative Themen einsteigen. Mein Mann und ich führen NAILD gemeinsam – also startet unser Tag oft im Team.

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?

Ehrlich gesagt gar nicht immer. Das Gründerinnen-Leben hört im Kopf selten um 18 Uhr auf. Aber ich versuche, bewusste Übergänge zu schaffen, zum Beispiel durch Kochen, Spazieren mit den Kids oder ein Matcha-Date mit mir selbst. Inzwischen weiß ich: Selfcare ist kein Luxus, sondern notwendig, wenn du langfristig brennen willst, ohne auszubrennen.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?

Wie einsam es manchmal ist, wenn man niemanden hat, der wirklich versteht, was gerade in deinem Kopf los ist. Deswegen habe ich früh angefangen, mir einen Female Founder Circle aufzubauen. Ohne Austausch, Ehrlichkeit und gegenseitigen Support wäre ich heute nicht da, wo ich bin.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?

Ich hatte keine Vorbilder, die aussahen wie ich. Keine Business-Eltern, kein Kapital, keinen „klassischen“ Weg. Ich musste mir alles selbst beibringen und oft doppelt so laut sein, um gehört zu werden. Aber genau deshalb ist NAILD heute eine Marke, die andere ermutigt, sich selbst zu vertrauen.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?

Ich habe lange versucht, alles allein zu stemmen – aus Angst, die Kontrolle zu verlieren. Dabei habe ich gelernt: Vertrauen ins Team und klare Prozesse sind keine Schwäche, sondern der Schlüssel zu Wachstum. Und: Nicht jede Agentur ist die richtige. Gute Briefings sind Gold wert.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?

Nicht durch CVs, sondern durch Haltung. Wir schauen, ob Menschen unsere Werte teilen, mitdenken und mitwachsen wollen. Wir sind ein kleines Team, da zählt jede Stimme. Wer bei uns arbeitet, muss nicht perfekt sein, aber bereit, Verantwortung zu übernehmen und sich einzubringen.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?

Zeig dich. Deine Geschichte, deine Vision, deine Haltung. Personal Branding ist kein Buzzword – es ist dein USP und deine größte Chance auf einen nachhaltigen Wachstumstreiber. Und: Hab keine Angst vor deiner eigenen Stimme. Sichtbarkeit schafft Vertrauen: bei Kund:innen, bei Partner:innen und im Team.

Ohne welches externes Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?

Shopify. Unsere gesamte E-Commerce-Infrastruktur läuft über die Plattform. Aber genauso wichtig: WhatsApp. Wir sind ein kleines Team, das super schnell reagieren muss und unsere wöchentliche Kommunikation mit Agenturen läuft größtenteils asynchron über kurze Voice-Memos.

Wie sorgt Ihr bei Eurem Team für gute Stimmung?

Wertschätzung ist der Anfang von allem. Wir feiern kleine Erfolge, sprechen offen über Herausforderungen und lassen Flexibilität zu, wo es möglich ist. Mein Mann und ich arbeiten eng mit dem Team – und wir wissen, wie wichtig es ist, gesehen zu werden, nicht nur als Arbeitskraft.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?

Unser erstes Pop-Up-Event in Berlin. Innerhalb von zehn Tagen haben wir alles selbst organisiert – inklusive Matcha-Bar, DJ, Fotowand und hunderten Besucher:innen. Es war chaotisch, emotional und komplett überwältigend. Und genau das hat mir gezeigt: Female Energy ist eine unterschätzte Kraft.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Naild

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