#Interview – „Verwechselt Interesse nicht mit Nachfrage“

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#Interview

Nuvio Planet ermöglicht die präzise Analyse von Emissionen entlang komplexer Lieferketten. “Wenn ein Futtermittelunternehmen eine Einkaufsentscheidung ändert, weil Nuvio Planet es ihnen zeigt – das ist der Moment, der zählt”, sagt Gründerin Irene Rosique-Conesa.

„Verwechselt Interesse nicht mit Nachfrage“

Dienstag, 5. Mai 2026VonAlexander

Das Berliner Startup Nuvio Planet, 2023 von Irene Rosique-Conesa und Jorg Riesmeier gegründet, setzt auf eine Environmental Intelligence Software für die globale Protein- und Futtermittelindustrie. Ursprünglich entwickelte das Team seine Idee im BASF-Ökosystem, gründete Nuvio Planet dann aber aus.

„Jedes Produkt, das wir essen und das tierisches Protein enthält, stammt aus einer Lieferkette, die niemand wirklich vollständig überblicken konnte. Alle haben geraten. Wir haben Nuvio Planet gebaut, damit das nicht mehr nötig ist“, erklärt Gründerin Rosique-Conesa das Konzept.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht die Nuvio Planet-Macherin ausführlich über den Stand der Dinge in ihrem Unternehmen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Nuvio Planet erklären?

Jedes Produkt, das wir essen und das tierisches Protein enthält, also Fleisch, Eier, Milchprodukte, Fisch – stammt aus einer Lieferkette, die niemand wirklich vollständig überblicken konnte. Nicht das Unternehmen, das es hergestellt hat. Nicht der Landwirt, der das Futter angebaut hat. Nicht der Einkäufer, der es bezogen hat. Alle haben geraten. Wir haben Nuvio Planet gebaut, damit das nicht mehr nötig ist, indem wir zeigen, wo Kosten und Emissionen entstehen und wie man das verändern kann. Statt zu raten, können Unternehmen bessere Entscheidungen bei Einkauf, Rezeptur und Produktion treffen. Dasselbe Geschäft, bessere Margen, geringerer Fußabdruck. Stell dir das wie Kochen zu Hause vor. Wenn du genau weißt, welche Zutaten am meisten Energie und Geld verschwenden, kochst du klüger. Wir geben Unternehmen genau diese Klarheit – nur im Maßstab der Welternährung.

War dies von Anfang an Euer Konzept?

Der Kern hat sich nicht verändert. Aber die Rolle schon. Wir haben uns von der Modellierung von Wirkungen hin zur Einbettung in Entscheidungen entwickelt. Anfangs lebte Nachhaltigkeit in der Berichterstattung. Heute sitzt sie in Einkauf, Rezeptur und kommerziellen Abwägungen. Deshalb haben wir Nuvio Planet als Entscheidungsinfrastruktur für die tierische Proteinwertschöpfungskette gebaut, nicht als Reporting-Tool.

Wie hat sich Nuvio Planet seit der Gründung entwickelt?

Nuvio Planet ist ein junges Unternehmen, aber die zugrunde liegenden Modelle wurden über mehr als ein Jahrzehnt in der Industrie entwickelt und validiert. Heute arbeiten wir mit globalen Playern wie BASF, Evonik und Vall Companys zusammen – Unternehmen, die zusammen den Großteil der Emissionen in tierischen Proteinlieferketten abdecken. Umsatzzahlen teilen wir in dieser Phase nicht, aber was ich sagen kann: Die Gespräche, die wir führen, drehen sich nicht mehr um Pilotprojekte, sondern um Integration in großem Maßstab.

Was war zuletzt das Highlight bei Euch?

Wir haben den Schritt vollzogen von einem Nachhaltigkeitstool hin zu einem System, das dort sitzt, wo echte Entscheidungen getroffen werden: in Einkaufsprozessen, Futtermittelrezeptierung, kommerzieller Planung. Dieser Wandel ist eingetreten, weil unsere Kunden aufgehört haben, Umweltdaten als Reporting-Output zu behandeln und sie stattdessen als Input für ihre wirtschaftlichen Kalkulationen zu nutzen. Wenn ein Futtermittelunternehmen eine Einkaufsentscheidung ändert, weil Nuvio Planet es ihnen zeigt – das ist der Moment, der zählt. Das passiert immer öfter.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist seit der Grüdung so richtig schief gegangen? 

Wir haben überschätzt, wie schnell Regulierung in operative Veränderungen innerhalb von Unternehmen übersetzen würde. Der eigentliche Flaschenhals war nicht die Regulierung, sondern die Nutzbarkeit. Unternehmen hatten keinen Mangel an Daten. Ihnen fehlten Systeme, die Daten mit Entscheidungen verbinden.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht? 

Wir haben uns früh auf die wirtschaftliche Ebene konzentriert. In Lebensmittelsystemen sind Emissionen und Kosten eng verknüpft, besonders im Futtermittelbereich. Wenn man das einmal zeigt, hört Nachhaltigkeit auf, eine Debatte zu sein, und wird zur Margenfrage. Genau dort beginnt echte Adoption.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?

Verwechselt Interesse nicht mit Nachfrage. Gerade im Bereich Nachhaltigkeit werden die Menschen dir lange zustimmen, bevor sie tatsächlich kaufen. Baut für den Moment, in dem euer Produkt wirtschaftlich unvermeidbar wird. Dann bewegt sich etwas.

Wo steht Nuvio Planet in einem Jahr?

In einem Jahr sitzt Nuvio Planet in den Systemen, in denen Entscheidungen getroffen werden: Rezeptierungstools, Einkaufsprozesse, kommerzielle Planung. Und es reicht in die angrenzenden Ebenen hinein, von denen diese Entscheidungen abhängen – Lieferantendaten, Betriebsleistung und Portfoliostrategie. Nicht als Reporting-Schicht, sondern als Infrastruktur. Das Ziel ist einfach: Umweltwirkung wird Teil jeder wirtschaftlichen Entscheidung in der Wertschöpfungskette.

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Foto (oben): Nuvio Planet

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