#Interview – „Eine Trennung war für beide Seiten die bessere Option“

#Interview

Blinkist (Exit 2023) ist wieder in Gründerhand. Die Gründer Holger Seim und Tobias Balling halten nun jeweils 50 % an ihrem Unternehmen. “Eine strategische Neuausrichtung hat dazu geführt, dass die Vision, die die Grundlage unseres Exits war, nicht mehr im Fokus steht”, sagt Gründer Seim.

„Eine Trennung war für beide Seiten die bessere Option“

Donnerstag, 23. April 2026VonAlexander

Das Berliner Medien-Grownup Blinkist, das 2023 vom australischen Lern-Unternehmen Go1 komplett übernommen wurde, ist wieder in Gründerhand. Die beiden Gründer Holger Seim und Tobias Balling halten nun jeweils 50 % an ihrem Unternehmen (gegründet 2012).

Blinkist liefert seinen Nutzerinnen und Nutzern Kernaussagen aus Sachbüchern – in Wort und Ton. Im Geschäftsjahr 2023/24 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz in Höhe von rund 53 Millionen Euro (Vorjahr: 28 Millionen). Beim Exit wurde das Grownup mit rund 200 Millionen bewertet.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Blinkist-Gründer Holger Seim über die Gründe für den unerwarteten Rückkauf.

Knapp drei Jahre nach dem Exit ist Blinkist wieder in Gründerhand. Wie kam es dazu?

Eine strategische Neuausrichtung hat dazu geführt, dass die gemeinsame Vision, die die Grundlage unseres Exits war, nicht mehr im Fokus steht. Ein Teil der Wahrheit ist sicherlich auch, dass beide Seiten unterschätzt haben, wie viel Komplexität es mit sich bringt, ein Unternehmen über drei Zeitzonen hinweg – Australien, Europa und USA – zu führen und dabei schnell und agil zu bleiben. Aus diesen Gründen war eine „Trennung“ für beide Seiten die bessere Option.  

Was waren die wichtigsten Gründe für den Rückkauf?

Mein Mitgründer Tobias und ich sehen in unserem Produkt, aber vor allem auch in der Marke Blinkist, noch viel Potential für die Zukunft. KI ist gleichzeitig eine Bedrohung und eine große Chance für Unternehmen wie unseres. Wir möchten dieses Potential heben und ein neues, aufregendes Kapitel mit Blinkist schreiben. 

Wie lange hat der Rückkaufprozess gedauert?

Das ging recht schnell. Wir haben Ende letzten Jahres das erste Mal über die Möglichkeit gesprochen, und konnten den Rückkauf im April abschließen. 

War der Verkauf im Nachhinein gesehen ein Fehler?

Nein, das würde ich so nicht sagen. Mit dem Wissen, das beide Seiten in 2023 hatten, war es die richtige Entscheidung. Die Beweggründe für Kauf bzw. Verkauf und die gemeinsame Vision für eine Kombination unserer Unternehmen waren schlüssig. Mit etwas mehr Glück und Geschick hätte es auch eine große Erfolgsgeschichte werden können. Nun ist es leider anders gekommen, aber ich bin froh, dass wir eine gute Lösung für beide Seiten gefunden haben und im Guten wieder auseinandergehen. 

Wie geht es nun weiter?

Unser B2C-Geschäft läuft weiterhin sehr gut und stabil – die Abgesänge auf Blinkist aufgrund von KI kamen definitiv zu früh. Wir sehen großes Wachstumspotential im Weiterbildungsbereich für Unternehmen. Dort gibt es einen großen Need, aber wenig überzeugende Lösungen. Wir haben mit Blinkist Business schon heute eine Lösung, mit der Unternehmen effektiv Soft Skills schulen können durch eine Kombination aus Inhalten und digitalen Team Sessions. Wir haben viele zufriedene Unternehmenskunden und werden dieses Geschäftsfeld weiter ausbauen. Darüber hinaus haben wir viele Ideen – es wird nicht langweilig.

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Foto (oben): Blinkist

#Interview – „Die Realität zeigt dir erst, was wirklich funktioniert“

Das deutsch-luxemburgische Robotik-Unternehmen R3 Robotics (früher als Circu Li-ion bekannt), 2021 von Antoine Welter und Xavier Kohll in Luxemburg gegründet, setzt auf eine „KI-gestützte Roboterplattformen zur sicheren, effizienten und industriellen Demontage von Elektrofahrzeugen am Ende ihres Lebenszyklus“.

HG Ventures, Suma Capital, Oetker Collection, European Innovation Council Fund (EIC Fund) sowie die Altinvestoren BonVenture, FlixFounders und EIT Urban Mobility investierten zuletzt 14 Millionen Euro in das Unternehmen. Zudem sicherte sich das Team 6 Millionen an öffentlichen Fördermitteln.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründer Antoine Welter einmal ausführlich über den Stand der Dinge bei R3 Robotics.

Wie würdest Du Deiner Großmutter R3 Robotics erklären?

Bis heute entziehen wir Menschen unserer „Mutter Erde“ jeden Tag tausende Tonnen an Rohstoffen, obwohl wir über die Zeit schon viele Produkte hergestellt haben, deren Materialien in vielen Fällen wiederverwendet werden könnten. Das Problem dabei ist, dass die verschiedenen Stoffe, aus denen die Produkte bestehen, nach ihrer Nutzung nicht so einfach voneinander zu trennen sind. Die Trennung händisch vorzunehmen, lohnt sich nicht, und maschinell gestaltet es sich meistens auch als eher schwierig. Mit unserem Unternehmen entwickeln wir für dieses Problem eine Lösung: Wir geben Robotern mit unserer Technologie „Augen, ein Hirn und Hände“, um Menschen diese Aufgabe abzunehmen, und saubere und ökonomisch effiziente Stoffströme für eine Wiederverwertung zu ermöglichen.

War dies von Anfang an Euer Konzept?

Unser Konzept hat sich strategisch erweitert. Wir sind unter dem Namen Circu Li-ion mit klarem Fokus auf die Demontage von Lithium-Ionen-Batterien gestartet. Das war damals der logische Einstiegspunkt, weil Batterien die kritischsten Komponenten von z.B. Elektrofahrzeugen und akkubetriebenen Werkzeugen sind und die größten Mengen an wertvollen Materialien enthalten. Mit zunehmender Markterfahrung und nachdem wir über mehrere Jahre mit verschiedenen industriellen Partnern zusammengearbeitet haben, wurde uns aber klar: Das Problem ist deutlich größer. Die gesamte Automobilindustrie steht vor der gleichen Herausforderung – nicht nur bei Batterien, sondern bei allen elektrifizierten Komponenten. So enthalten E-Motoren seltene Erden, in Leistungselektronik sind strategische Halbleitermaterialien verbaut. Deshalb haben wir unseren Scope systematisch erweitert und uns Anfang 2026 zu R3 Robotics umbenannt. R3 steht für „Repair, Reuse, Recycle“ – angetrieben durch industrielle Robotik. Das ist eine logische Evolution unserer Vision. Wir haben die automatisierte Demontage komplexer elektrifizierter Systeme – was unsere Kernkompetenz ist – auf ein breiteres Anwendungsfeld übertragen. Die Technologie-Grundlage ist dieselbe geblieben, aber der adressierbare Markt ist um ein Vielfaches gewachsen.

Wie hat sich R3 Robotics seit der Gründung entwickelt?

Nach ersten Angel-Investments 2021 haben wir 2023 insgesamt 8,5 Millionen Euro eingesammelt – darunter eine Seed-Finanzierung in Höhe von 4,5 Millionen Euro und 4 Millionen Euro an Fördermitteln, die 2,5 Millionen Euro vom European Innovation Council (EIC) inkludierten. Das war für uns der entscheidende Meilenstein, um mit unserer technologischen Lösung von der Forschung in die echte industrielle Umsetzung zu gehen. Im Juni 2023 haben wir unsere Demontageanlage in Karlsruhe eröffnet, die im Februar 2024 alle vollständigen BImSchG- und EfB-Zertifizierungen erhielt. Damit betreiben wir einen vollzertifizierten Recyclingbetrieb in Deutschland. Im Juni 2024 folgte die Eröffnung unserer neuen R&D-Facility in Luxemburg in Anwesenheit des dortigen Wirtschaftsministers. Anfang 2026 konnten wir dann weitere 20 Millionen Euro aufbringen – bestehend aus einer 14 Millionen Euro Series-A-Finanzierung und EU-Fördermitteln in Höhe von 6 Millionen Euro. Diese Kombination aus privatem Kapital und öffentlicher Unterstützung unterstreicht unsere strategische Bedeutung für europäische Lieferketten. Unsere Mitarbeiterzahl ist seit der Gründung parallel zur steigenden Anzahl der Batterien, die wir verarbeiten, stetig gewachsen – aktuell sind wir 41 Teammitglieder. Heute skalieren wir das Team massiv in den Bereichen Engineering, Künstliche Intelligenz (KI), Software und Operations. Mit Peter Mohnen, dem ehemaligen CEO von KUKA, haben wir zudem einen der renommiertesten Experten für industrielle Robotik in unser Advisory Board geholt.

Wie seid ihr mit Euren Investor:innen in Kontakt gekommen?

Die Series-A-Finanzierung wurde von HG Ventures und Suma Capital angeführt. Beide dieser Investmentfirmen kamen auf uns zu. HG Ventures ist der „Corporate Venture Capital“-Arm der Heritage Group aus Indianapolis, einem Familienunternehmen mit langer Historie in den Bereichen Industriematerialien und Recycling. Dieser Investor bringt neben Wachstumskapital auch Verständnis für industrielle Prozesse und den für uns wichtigen Zugang zum US-Markt mit. Suma Capital aus Barcelona ist auf ökologische Transformation spezialisiert – Kreislaufwirtschaft und kritische Rohstoffe passen da gut ins Portfolio. Zusätzlich beteiligten sich an der Finanzierungsrunde Oetker Collection, der European Innovation Council Fund (EIC Fund) sowie unsere Bestandsinvestoren BONVENTURE, FlixFounders und EIT Urban Mobility. Der Kontakt entstand teils durch unser Netzwerk, teils durch direkte Ansprache der Investoren. Das Thema kritische Rohstoffe und europäische Lieferketten hat durch aktuelle Richtlinien wie den Critical Raw Materials Act und die EU Battery Regulation an Relevanz gewonnen, was das Investoreninteresse bekräftigt.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen? 

Die meisten Unternehmerinnen und Unternehmer starten etwas naiv mit ihrem Business – sonst würden sie es wahrscheinlich nie machen. So war es auch bei uns. Wenn wir vorher gewusst hätten, wie komplex es ist und wie schwierig es wird, OEMs das erste Mal zum Bezahlen zu bewegen, hätten wir es vermutlich nicht gemacht. Dazu kam: Wir haben mit einem stärkeren Wachstum des Marktes für Elektrofahrzeuge gerechnet, das so bisher leider nicht eingetreten ist. An diesen verlangsamten Ramp-Up mussten wir uns anpassen. Einfach war das nicht, aber so lernt man.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht? 

Wir haben von Anfang an eng mit OEMs zusammengearbeitet. Diese direkte Zusammenarbeit hat uns geholfen, die tatsächlichen Anforderungen zu verstehen und unsere Technologie entsprechend zu entwickeln. Ohne diesen Input hätten wir am Markt vorbei entwickelt und viel Zeit und Ressourcen verschwendet.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?

Loslegen und dann konstant anpassen – je nachdem, was man lernt. Viele warten auf den perfekten Plan oder die perfekte Technologie. Die Realität zeigt dir erst, was wirklich funktioniert, wenn du anfängst. Dann heißt es: zuhören, lernen, anpassen und das immer wieder.

Wo steht R3 Robotics in einem Jahr?

Unsere Anlage in Karlsruhe läuft im industriellen Maßstab. Wir haben mehrere Deployments bei europäischen Partnern, insbesondere in Deutschland und Frankreich. Der US-Markteintritt ist vollzogen und wir haben erste Partnerschaften mit amerikanischen Recyclern und OEMs. Die wichtigsten Positionen im Team sind besetzt. Und wir werden wahrscheinlich auch schon über die nächste Finanzierungsrunde nachdenken, um die Expansion weiter zu beschleunigen. Unsere Ambition ist klar: 2030 wollen wir der führende Anbieter für automatisierte Demontage elektrifizierter Systeme in Europa und Nordamerika sein.

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Foto (oben): R3 Robotics

#Interview – „Wir waren gar nicht auf der Suche nach einem Funding“

#Interview

Die Münchner Jungfirma SEAL Robotics baut mobile Roboter, die in Häfen oder Güterbahnhöfen zum Einsatz kommen können. “Unser Ziel ist es, gefährliche Arbeiten sicherer zu machen und Menschen dabei zu entlasten”, sagt Gründer Daniel Leidner.

„Wir waren gar nicht auf der Suche nach einem Funding“

Dienstag, 14. April 2026VonAlexander

SEAL Robotics aus München, 2025 von Marie-Elisabeth Makohl und dem DLR-Robotik-Experten Daniel Leidner gegründet, entwickelt „robotische Systeme zur Automatisierung sicherheitskritischer, bislang manueller Prozesse im Containerumschlag von Schiffen und Zügen“.

Der englische Uni-Investor Creator Fund, Auxxo Female Catalyst Fund, January Ventures, Marvelous und Stefan Tietze investierten kürzlich 2,1 Millionen US-Dollar in die Jungfirma. Wir waren noch gar nicht aktiv auf der Suche nach einem Funding, haben aber schon viel auf LinkedIn kommuniziert. Dann sind die Investoren tatsächlich auf uns zugekommen“, erzählt Gründerin Marie-Elisabeth Makohl.

Im Interview mit deutsche-startups.de sprechen die SEAL Robotics-Gründerin und ihr Mitstreiter Daniel Leidner einmal ganz ausführlich über den Stand der Dinge in ihrem Startup.

Wie würdest Du Deiner Großmutter SEAL Robotics erklären?

Leidner: Wir bauen mobile Roboter, die draußen in Häfen und an Güterbahnhöfen arbeiten können. Sie arbeiten überall dort, wo Container gesichert oder gelöst werden müssen, und übernehmen diese schweren Handgriffe mit speziellen Greifern. Unser Roboter ist modular aufgebaut, das heißt, er lässt sich an unterschiedliche Häfen, Abläufe und Aufgaben anpassen. Mithilfe von KI lernt das System, mit verschiedenen Situationen umzugehen. So können wir nicht nur Container-Verriegelungen an Schiffen und Zügen handhaben, sondern Schritt für Schritt weitere Aufgaben im Terminalbetrieb übernehmen. Unser Ziel ist es, gefährliche Arbeiten sicherer zu machen und Menschen dabei zu entlasten.

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell?

Makohl: Wir verkaufen robotische Systeme, die diese Sicherungsarbeiten an Containern übernehmen, also das sogenannte Twistlock- und Pin-Handling. Terminalbetreiber zahlen für die Systeme und für deren Betrieb und Wartung. Der wirtschaftliche Nutzen entsteht durch mehr Sicherheit, zuverlässigere Abläufe und weniger Ausfälle.

Wie ist die Idee zu Eurem Startup entstanden?

Leidner: Die Idee entstand aus einer sehr konkreten persönlichen Erfahrung. Marie-Elisabeth war mehrfach auf Containerschiffen unterwegs und hat dort aus nächster Nähe gesehen, wie Container unter hohem Zeitdruck manuell gesichert und entsichert werden. Die körperliche Belastung und das Sicherheitsrisiko dieser Arbeiten waren offensichtlich. Daraus entstand die Frage, warum genau diese zentralen Prozesse bis heute kaum automatisiert sind und wie Robotik hier sinnvoll eingesetzt werden kann.

Wie oder wo hast Du Deinen Mitgründer:in kennen gelernt?

Makohl: Ich habe Daniel vor vielen Jahren bei einem Startup-Event in Berlin kennengelernt. Über die Jahre sind wir immer wieder in Kontakt geblieben. Als ich ihm schließlich von meiner Idee erzählt habe, sicherheitskritische Prozesse im Terminalbetrieb mit Robotik zu automatisieren, war er sofort Feuer und Flamme. Schnell war klar, dass sich seine Robotik-Expertise und meine operativen Beobachtungen sehr gut ergänzen.

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?

Makohl: Wir haben besonders in der Anfangsphase enorm viel Zeit in Research investiert und intensiv mit potenziellen Kund:innen gesprochen. Wir wollten von Beginn an eine Lösung entwickeln, die in sehr unterschiedlichen internationalen Häfen funktioniert und sich an verschiedene Szenarien anpassen lässt. Uns war wichtig, die Abläufe, Unterschiede und Randbedingungen wirklich zu verstehen, bevor wir Technik bauen. Deshalb haben wir bewusst einen Data-First-Ansatz gewählt: erst Prozesse beobachten und analysieren, dann Robotik entwickeln. Dieser Weg ist aufwendiger, zahlt sich aber aus, weil unsere Lösung auf realen Betriebsdaten basiert.

Welches Projekt steht demnächst ganz oben auf Eurer Agenda?

Leidner: Aktuell konzentrieren wir uns auf unsere Pilotprojekte für Twistlock- und Pin-Handling in Terminals in Nordeuropa und Südostasien. Dort bringen wir unsere Systeme aus der Entwicklung direkt in den laufenden Betrieb und arbeiten daran, sie gemeinsam mit den Betreibern so weiterzuentwickeln, dass wir sie anschließend schrittweise in weiteren Terminals ausrollen und skalieren können.

Ihr konntet bereits Investorengelder einsammeln. Wie seid Ihr mit Euren Geldgebern in Kontakt gekommen?

Makohl: Wir waren noch gar nicht aktiv auf der Suche nach einem Funding, haben aber schon viel auf LinkedIn kommuniziert. Dann sind die Investoren tatsächlich auf uns zugekommen. Offenbar haben unser Thema und der sehr konkrete Anwendungsfall einen Nerv getroffen, sodass sich daraus schnell vertiefende Gespräche entwickelt haben.

Wo steht SEAL Robotics in einem Jahr?

Leidner: In einem Jahr wollen wir einen belastbaren Proof of Concept entwickelt und im realen Terminalbetrieb getestet haben. Auf dieser Basis wollen wir unsere Robotersysteme dann aktiv in den Verkauf bringen.

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Foto (oben): SEAL Robotics

#Interview – “Covid-19 war für heycater eine Nahtoderfahrung”

#Interview

Seit 2015 setzt das Berliner Startup heycater auf die Vermittlung von Business-Catering. “Wir verfügen über 2.500 aktive Geschäftskunden und erwirtschaften einen Jahresumsatz von 12 Millionen”, sagt heycater-Macher Michael Möglich zum Stand der Dinge bei heycater.

“Covid-19 war für heycater eine Nahtoderfahrung”

Dienstag, 10. Dezember 2024VonAlexander

Das Berliner Catering-Unternehmen heycater, 2015 von Sophie Radtke und Therese Köhlerwar sowie Henrik Piroth gegründet, in den vergangenen Jahren recht ruhig unterwegs. Im Gegensatz zu einigen anderen Startups, die in den vergangenen Jahren auf die Vermittlung von Caterings gesetzt haben, ist das Unternehmen, das derzeit von Michael Möglich, Janick Lienau und Therese Köhler geführt wird, aber noch da.

In den vergangenen Jahren flossen rund 13 Millionen Euro Venture Capital in heycater – unter anderem von FoodLabs, Hevella Capital, IBB Ventures, Mihalovits Invest und Doehler Ventures. In der Hochphase des Catering-Booms versuchten neben heycater Unternehmen wie CaterWings, HappyCater und Lemoncat das Segment zu erobern – teilweise mit vielen Millionen Investorengeldern im Hintergrund. Und dann kam die Corona-Pandemie.

“Covid-19 war für heycater eine Nahtoderfahrung, da Catering-Umsätze um bis zu 98 % einbrachen. Diese schwierige Phase erfolgreich überstanden zu haben und wieder von quasi Null begonnen zu haben, hat uns unglaublich agil und fokussiert gemacht”, sagt heycater-Macher Michael Möglich. Inzwischen ist heycater wieder in ruhigeren Gewässern unterwegs: “Wir sind inzwischen rund 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, verfügen über 2.500 aktive Geschäftskunden und erwirtschaften einen Jahresumsatz in Höhe von 12 Millionen Euro.”

Im Interview mit deutsche startups spricht der heycater-Chef, der seit August 2023 im Amt ist, einmal ausführlich über den Stand der Dinge in seinem Unternehmen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter heycater erklären?


Wir bringen durch großartiges Essen Freude an den Arbeitsplatz der Menschen. heycater ist eine digitale Plattform für Business-Catering, die anspruchsvolle Unternehmen mit den besten Catering-Anbietern Deutschlands zusammenbringt. Unsere Firmenkunden stellen auf der Plattform strukturierte Anfragen für ihre einmalige oder regelmäßigen Catering-Events und erhalten innerhalb von 24 Stunden mindestens drei maßgeschneiderte Angebote von qualitätsgesicherten Caterern. Caterer profitieren bei Nutzung von heycater von großen Arbeitserleichterungen bei nicht mit der Zubereitung und Lieferung von Speisen verbundenen Prozessen – etwa Marketing, Angebotserstellung, Rechnungsstellung, Planbarkeit der Zahlungseingänge – und erhalten zudem Zugang zu exklusiven Kunden.

War dies von Anfang an Euer Konzept?


Es fand kein großer Pivot statt, wohl aber eine kontinuierliche Entwicklung weg von transaktionalen, einmaligen Office-Caterings und kleineren Veranstaltungen hin zu tagtäglichen und umfassenden Verpflegungslösungen am Arbeitsplatz mit einer stabilen Basis an Großkunden. Für diese bieten wir alles vom maßgeschneiderten individuellen Angebotsservice über Full-Service-Lösungen für große Events, kuratierte Catering-Marktplätze, einer Online-Kantine mit täglich variierenden Gerichten zur Auswahl, bis hin zum Betrieb von stationären Bistros und Restaurants, aus einer Hand.

Was war zuletzt das Highlight bei Euch?


Der Launch von heykantine – unserer digitalen Kantinenlösung für Modern Work. Die heykantine-App erlaubt es den Mitarbeitenden unserer Kunden, Tag für Tag persönlich ausgewählte, nachhaltige und köstliche Gerichte verzehrfertig ins Office geliefert zu bekommen, bei flexibler Bezuschussung durch den Arbeitgeber. Unternehmen gibt die Online-Kantine die Möglichkeit, auch bei schwankender Büropräsenz eine vielfältige, aber passgenaue Verpflegung am Arbeitsplatz anzubieten, ohne die Fixkosten einer stationären Kantine. Zudem gibt es nun ein Catering mit neutraler Klimabilanz. Dies ist der Beginn der vollständigen Kompensation sämtlicher durch die über die Plattform gebuchten Caterings verursachten Treibhausgasemissionen. Und zu guter Letzt: Das Erreichen unseres ersten profitablen Quartals.

Wie hat sich heycater seit der Gründung entwickelt?


Wir sind inzwischen rund 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, verfügen über 2.500 aktive Geschäftskunden und erwirtschaften einen Jahresumsatz in Höhe von 12 Millionen Euro.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


Die Pandemie: Covid-19 war für heycater eine Nahtoderfahrung, da Catering-Umsätze um bis zu 98 % einbrachen. Diese schwierige Phase erfolgreich überstanden zu haben und wieder von quasi Null begonnen zu haben, hat uns unglaublich agil und fokussiert gemacht.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?


Wir sind mit Abstand die Nummer 1 in Deutschland; fast alle anderen jungen B2B-Catering-Plattformen haben die Pandemie nicht überstanden oder sind seither out of business gegangen, einige trotz sehr hohem Funding. Wir sind unseres Wissens die einzigen Catering-Provider, die nicht nur den eigenen CO2-Footprint vollständig durch Investitionen in ausgewählte Kilmaschutzprojekte ausgleichen, sondern auch sämtliche durch Herstellung und Lieferung der über heycater! gebuchten Caterings entstandenen Ausstöße. Nachhaltigkeit ist uns und unseren Kunden gleichermaßen wichtig.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?


Experimentieren bis die Proposition wirklich passt, danach radikaler Fokus und Skalierung – das klappt aber nur, wenn Ihr in punkto Talent keine Kompromisse eingeht.

Wo steht heycater in einem Jahr?


Wir sind dann die Nummer Eins Catering-Plattform in Europa. Dank heykantine erhalten jeden Tag Tausende von Menschen individuell abgestimmte Mahlzeiten verzehrfertig ins Büro geliefert, zu sehr attraktiven Preisen dank flexibler Bezuschussung durch den Arbeitgeber. Durch konsequente Anwendung von KI generieren wir für unsere Kunden noch schneller perfekt auf sie abgestimmte Angebote und steigern die Effizienz unserer eigenen Prozessabläufe.

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Foto (oben): heycater

#Interview – “Wir sind ein Startup mit überschaubarer Kapazität”

#Interview

Kezzel setzt auf einen Wasserkocher für Induktionsherde. “Wir haben eine echte Innovation, eine Weltneuheit. Wir haben ja nicht nur einen Wasserkessel entwickelt, sondern ein Verfahren, das Kochvorgänge auf Induktion automatisch beendet”, sagt Gründer Alexandros Zachos.

“Wir sind ein Startup mit überschaubarer Kapazität”

Montag, 9. Dezember 2024VonTeam

Auch in der sechzehnten Staffel der erfolgreichen Vox-Gründer-Show “Die Höhle der Löwen” treten wieder etliche Gründerinnen und Gründer vor die Jury. Im Weihnachts-Special der aktuellen Staffel sind unter anderem Alexandros Zachos, Thomas Ifland und Sabine Schröder, das Team hinter Kezzel, zu Gast. Das Unternehmen aus Bochum im Ruhrgebiet setzt auf einen Wasserkocher für Induktionsherde, der keinerlei Elektronik beinhaltet aber trotzdem automatisch abschaltet, wenn das Wasser kocht. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Kezzel-Macher Zachos einmal ausführlich über sein Unternehmen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Kezzel erklären?


Bei einem gemeinsamen Kochabend kam die Idee zu einer neuen Art von Wasserkessel. Unser Wasserkessel Kezzel kocht Wasser auf einem Induktionsherd. Anders als bisherige Flötenkessel, pfeift Kezzel aber nicht einfach, wenn das Wasser kocht, sondern schaltet den Induktionsherd automatisch ab. Und zwar ohne eigene Elektronik. Wir haben das Beste aus zwei Welten zusammengebracht. Das ist eine echte Weltneuheit! Wir nutzen dabei zwei Voraussetzungen, die Induktionskochfelder mitbringen. 1. Induktion braucht ein magnetisches Kochgeschirr und 2. nimmt man den Topf vom Induktionskochfeld, schaltet dieses ab. Unser Kezzel ist aus Glas und wird von der Induktion nur dadurch erkannt, dass wir eine magnetische Edelstahlscheibe an den Boden drücken. Wenn das Wasser kocht, wird diese hochgefahren und der Herd schaltet ab.

Wie ist die Idee zu Kezzel entstanden?


Wir haben gemeinsam gekocht und ich führte meine neue Küche vor, als Ingenieur völlig begeistert von dem neuen Induktionskochfeld. Thomas, leidenschaftlicher Koch, war auch begeistert, aber eher aus ganz praktischen Gründen. Eben der Überlegung, ob man da was Sinnvolles mit machen kann. An dem Abend war die Idee für einen innovativen Wasserkessel geboren und Kezzel nahm seinen Lauf.

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?


Aus der ersten Idee ein Serienprodukt zu machen. Und auf dem Weg waren Zeit und Geld die kritischen Faktoren. Erstens: Dauert es länger als man denkt und Zweitens: Kostet es mehr Geld als geplant. Diese Herausforderungen haben wir gemeistert.

Warum hast Du Dich entschieden, bei “Die Höhle der Löwen” mitzumachen?


Wir haben eine echte Innovation, eine Weltneuheit. Wir sind ein Startup mit überschaubarer Kapazität und begrenzten Mitteln. Sind aber fest davon überzeugt, ein Produkt zu haben, von dem die Welt erfahren sollte. Von dieser starken Medienpräsenz hoffen wir auf Bekanntheit und möchten Nachfrage generieren. Mit dem Ziel, unser Startup zu etablieren und weitere Produkte auf Basis unserer Technologie zu entwickeln. Wir haben ja nicht nur einen Wasserkessel entwickelt, sondern ein Verfahren, das Kochvorgänge auf Induktion automatisch beendet. Dafür wünschen wir uns unbedingt einen Deal. Die Beteiligung eines erfahrenen Löwen und damit einen starken Partner an unserer Seite zu wissen, kann der Turbo für unser Unternehmen sein.

Dein Tipp an andere Gründer:innen, die mit einem Auftritt bei “Die Höhle der Löwen” liebäugeln?


Auf jeden Fall machen – Just do it!

Wo steht Kezzel in einem Jahr?


Entwickelt haben wir ein Verfahren, das Kochgeschirr auf Induktion automatisch abschaltet. Kezzel ist das erste Produkt, mit dem wir gestartet sind. Wir sind angetreten, um nachhaltige Produkte zu entwickeln, die nach und nach Elektrokleingeräte substituieren und so Elektroschrott vermeiden. Da ist also noch einiges im Funnel.

Tipp: Alles über die Vox-Gründershow gibt es in unserer großen DHDL-Rubrik.

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Foto (oben): RTL / Bernd-Michael Maurer

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