#Interview – “Lasst euch nicht von großen Funding-Runden verrückt machen”

#Interview

Das Team von SongPush setzt auf eine Plattform, die es Musiker:innen ermöglicht, neue Fans zu erreichen. “Wir haben seit Frühjahr 2023 über 2.000 Kampagnen für die unterschiedlichsten Kunden realisieren können”, sagt Gründer Markus Cremer.

“Lasst euch nicht von großen Funding-Runden verrückt machen”

Montag, 23. September 2024VonAlexander Hüsing

Das musikalische Berliner Startup SongPush, 2021 von Stefan Kling, Markus Cremer und Zoltan Morvai als Plattform für Twitch-Streamer gegründet, setzt inzwischen auf eine Plattform, die es Musiker:innen und Musik-Labels ermöglicht, mithilfe von Creator:innen auf Social Media neue Fans zu erreichen. Die Matching-Algorithmen der Plattform sollen dabei “für passende Kooperationen sorgen”. Business Angels wie Stefan Zilch, Joel Berger und Kevin Tewe investierten zuletzt 2,94 Millionen Euro in Songpush.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründer Cremer über Vergütungen, Herausforderungen und Musikvideos.

Wie würdest Du Deiner Großmutter SongPush erklären?


Hey Omi, Stell dir SongPush wie ein großes Schwarzes Brett vor, an dem Unternehmen aller Art Zettel aufhängen können, um zu sagen: Wir suchen jemanden, der uns hilft, unsere Musik oder Produkte bekannt zu machen. Viele junge Leute, die gerne Videos ins Internet stellen, kommen vorbei und sagen: Das mache ich! Sie nehmen sich den Zettel, machen ein lustiges oder schönes Video, in dem sie das Produkt oder die Musik vorstellen, und zeigen es ihren Freunden im Internet. Dafür bekommen sie dann eine Vergütung. SongPush sorgt dafür, dass alles fair abläuft und jeder, der mitmacht, fair bezahlt wird.

Wie oder wo hast Du Deine Mitgründer kennengelernt?


Stefan war früher selber Sänger & Songwriter (Gold & Platin) und war Kunde meiner Marketing-Agentur Releazy. Hier habe ich für ihn einige seiner Musikvideos & Songs promoted und ihm zu mehr Streams, Views & Engagement verholfen. Wir haben direkt eine super Chemie und einen ähnlichen Drive beim Anderen gespürt und daraus ist dann SongPush entstanden. Unseren dritten Co-Founder haben wir tatsächlich über eine Founder-Plattform kennengelernt.

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?


Als Marktplatz ist es immer eine der größten Herausforderungen, eine Plattform zu entwickeln, die sowohl für Creator als auch für Brands intuitiv und effizient funktioniert. Auch die Auslastung & Balance im Marktplatz ist immer ein tricky Thema! Außerdem mussten wir sicherstellen, dass die Technologie, insbesondere unsere KI-Engine ‘mosaiq’, genau und zuverlässig arbeitet, um möglichst akkurate Ergebnisse zu liefern.

Wo steht Songpush derzeit, welche Zahlen, Daten und Fakten kannst Du mit uns teilen?


Wir haben seit Frühjahr 2023 über 2.000 Kampagnen für die unterschiedlichsten Kunden – Musik, Beauty, Film, Dating, Food etc. – erfolgreich realisieren können. Außerdem haben wir mittlerweile mehr als 150.000 App Downloads und in 2023 konnten wir 1 Millionen Euro Plattformumsatz erreichen. Auch konnten wir mit allen über unsere Plattform generierten Videos über 1 Milliarden Views auf TikTok erzielen.

Ihr konntet bereits Investorengelder einsammeln. Wie seid ihr mit euren Geldgebern in Kontakt gekommen?


Ganz unterschiedlich, aber viele kamen aus unserem bestehenden Netzwerk. Stefan Zilch habe ich tatsächlich über einen gemeinsamen Freund auf dem Tennisplatz kennengelernt, ohne zu wissen, dass er mal der Deutschland-Chef von Spotify war. Ansonsten waren wir immer sehr direkt und sind auf die Leute zugegangen, egal ob per E-Mail, auf Events oder auch auf LinkedIn.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?


Lasst euch nicht von großen Funding-Runden verrückt machen und macht euer Ding. Versucht eure Ausgaben gering zu halten – so lange wie möglich. Somit bleibt euch mehr Zeit euch auf das Wesentlich zu konzentrieren und ein tolles Produkt zu konzipieren, validieren und iterieren. The best growth hack is a really great product.

Wo steht SongPush in einem Jahr?


Hoffentlich bereits in einem neuen Markt außerhalb Deutschlands und mit einem tollen, noch größeren Team.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): SongPush

#DHDL – “Eine Herausforderung war es, das richtige Design zu entwickeln”

#DHDL

Das junge Unternehmen Dübelix setzt auf ein System, das Dübel leicht aus Wänden lösen soll. “Die Idee zu Dübelix entstand, als ich ein weiteres Fitnessgerät für meinen Keller erwarb und feststellte, dass es nicht richtig passte”, sagt Gründer Robert Sobolewski.

“Eine Herausforderung war es, das richtige Design zu entwickeln”

Freitag, 20. September 2024VonTeam

Auch in der sechzehnten Staffel der erfolgreichen Vox-Gründer-Show “Die Höhle der Löwen” treten wieder etliche Gründerinnen und Gründer vor die Jury. In der vierten Folge der aktuellen Staffel ist unter anderem Robert Sobolewski, Gründer von Dübelix, zu Gast. Das junge Unternehmen setzt auf ein System, das Dübel leicht aus Wänden lösen soll.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Dübelix erklären?


Oma, stell dir vor, du willst ein altes Bild von der Wand nehmen, aber der Dübel steckt noch in der Wand und du bekommst ihn nicht heraus, ohne die Wand zu beschädigen. Das ist oft sehr anstrengend und braucht viel Kraft. Wir haben ein kleines Werkzeug entwickelt, das diesen Dübel ganz einfach und ohne Schäden entfernt. Das macht das Heimwerken viel einfacher und angenehmer und verringert zudem das Verletzungsrisiko erheblich.

Wie ist die Idee zu Dübelix entstanden?


Die Idee zu Dübelix entstand, als ich ein weiteres Fitnessgerät für meinen Keller erwarb und feststellte, dass es nicht richtig passte. Ein Umbau des Raumes war erforderlich, darunter auch das Umhängen von Spiegeln, die mit mehreren Dübeln befestigt waren. Also musste ich die Dübel auf die herkömmliche Art herausziehen – Schraube reindrehen und so fest mit der Zange ziehen wie möglich. Dabei rutschte ich bei einem Dübel ab und prallte mit meiner rechten Hand gegen ein Fitnessgerät. Die Hand begann zu bluten und schwoll an. In diesem Moment wurde mir klar: Ich brauche einen sicheren und effizienten Dübelentferner. Da es jedoch kein solches Werkzeug am Markt gab, entwickelten wir den Dübelix.

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?


Eine der größten Herausforderungen war es, das richtige Design und die richtige Funktionalität für den Dübelix zu entwickeln, sodass er einfach zu benutzen und gleichzeitig effektiv ist. Außerdem war es nicht leicht, die richtigen Produktionspartner zu finden und den gesamten Produktionsprozess zu optimieren.

Warum hast Du Dich entschieden, bei “Die Höhle der Löwen” mitzumachen?


Für uns ist “Die Höhle der Löwen” die führende Plattform für Startups in Deutschland, eine Bühne, die nicht nur eine breite Öffentlichkeit erreicht, sondern auch direkten Zugang zu erfahrenen Investoren bietet. Wir entschieden uns für die Teilnahme, um unseren Dübelix einem größeren Publikum vorzustellen und die Möglichkeit zu nutzen, von den Kenntnissen und dem Netzwerk der Löwen zu profitieren. Die Show bietet nicht nur eine Chance auf finanzielle Unterstützung, sondern auch auf wertvolle Partnerschaften und Expertise, die entscheidend für das Wachstum unseres Unternehmens sein können.

Dein Tipp an andere Gründer:innen, die mit einem Auftritt bei “Die Höhle der Löwen” liebäugeln?


Bereitet euch gründlich vor und seid authentisch. Genießt den Auftritt und nutzt die Gelegenheit, um euer Produkt mit Leidenschaft zu präsentieren. Die Aufregung ist normal, aber bleibt fokussiert und zeigt, was euch antreibt.

Wo steht Dübelix in einem Jahr?


In einem Jahr erwarten wir, dass der Dübelix in Baumärkten, Discountern und Online-Shops gut etabliert ist und von Heimwerkern sowie DIY-Enthusiasten regelmäßig genutzt wird. Unser Ziel ist es, ihn als praktisches Werkzeug in vielen Werkzeugkästen zu verankern. Gleichzeitig planen wir, weitere innovative Produkte zu launchen, die das Heimwerken und alltägliche Aufgaben vereinfachen. Wir sind gespannt auf die Entwicklungen und freuen uns darauf, diese Projekte mit unserem Team umzusetzen.

Tipp: Alles über die Vox-Gründershow gibt es in unserer großen DHDL-Rubrik.

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Foto (oben): RTL / Bernd-Michael Maurer

#Interview – “Wir haben rund zwölf Millionen Packungen verkauft”

#Interview

Bei Forest Gum dreht sich alles um Kaugummis. “Wir müssen uns jeden Tag mit den Big Playern der Süßwarenindustrie messen und sowohl die Verbraucher:innen als auch den Einzelhandel davon überzeugen, dass es Alternativen zum heutigen Standard gibt”, sagt Gründer Thomas Krämer.

“Wir haben rund zwölf Millionen Packungen verkauft”

Mittwoch, 18. September 2024VonAlexander Hüsing

Das Kölner Startup Forest Gum, 2019 von Thomas Krämer gegründet, setzt auf “umweltfreundlicher Kaugummis und Fruchtgummis”. Derzeit arbeiten 11 Mitarbeitende für das Unternehmen. “Unsere Produkte sind deutschlandweit in über 11.000 Filialen erhältlich. Seit 2019 haben wir rund zwölf Millionen Packungen Kaugummi verkauft und dadurch bereits über 60 Tonnen Plastik eingespart”, sagt Gründer Krämer zum Stand der Dinge bei Forest Gum.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Forest Gum außerdem über Visionen, Mentalitäten und Kontakte.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Forest Gum erklären?


Oma, du hast dein Leben lang auf Plastik gekaut. Denn herkömmliche Kaugummis werden aus Erdöl gemacht und damit aus ähnlichen Stoffen wie Autoreifen oder Plastikflaschen. Damit deine Enkel das nicht auch machen müssen, habe ich eine natürliche Alternative erfunden und ein Unternehmen gegründet. Wir verkaufen superleckere Kaugummis und mittlerweile auch Fruchtgummis, auf Plastik verzichten wir dabei. Unsere Kaugummis haben eine natürliche Kaumasse aus Chicle, einem Baumharz aus Zentralamerika. Unsere Fruchtgummis sind in einer kompostierbaren Tüte verpackt. Der weltweit ersten Verpackung für Fruchtgummis, die aus nachwachsenden Rohstoffen gemacht wird! Und Oma, weil der Wald uns so am Herzen liegt, haben wir mit dem Verkauf unserer Produkte ein 100 Hektar großes Waldstück in der Nähe von Köln zum Schutzgebiet für Bäume, Pflanzen und Tiere gemacht. Hier darf sich die Natur ganz von allein erholen, renaturieren nennt man das. Lass uns da mal spazieren gehen und ein bisschen durchatmen.

Wie hat sich Forest Gum seit der Gründung entwickelt??


Wir sind von einem kleinen Start-up aus Köln zu einem führenden Anbieter umweltfreundlicher Kaugummis und Fruchtgummis geworden. Unser Team ist mittlerweile auf elf Mitarbeiter:innen gewachsen, die alle eine Leidenschaft für Waldschutz und Plastikvermeidung teilen. Unsere Produkte sind deutschlandweit in über 11.000 Filialen erhältlich. Seit 2019 haben wir rund zwölf Millionen Packungen Kaugummi verkauft und dadurch bereits über 60 Tonnen Plastik eingespart. Zusätzlich haben wir unser „Projekt Wildwuchs“ ins Leben gerufen, mit dem wir 100 Hektar Wald schützen und renaturieren, um CO2 zu binden und die Biodiversität zu fördern.

Ihr seid in diesem Jahr bereits fünf Jahre im Markt. Was waren in all diesen Jahren die größten Herausforderungen?


Die größte Herausforderung für uns war es, in einer von Plastik dominierten Branche wie der Süßwarenindustrie nachhaltige Alternativen zu etablieren. Wir müssen uns jeden Tag mit den Big Playern der Süßwarenindustrie messen und sowohl die Verbraucher:innen als auch den Einzelhandel davon überzeugen, dass es gesündere und umweltfreundlichere Alternativen zum heutigen Standard gibt. Zudem war die Entwicklung unserer kompostierbaren Verpackung für die Fruchtgummis eine Hürde, da sie anfangs nicht mit den vorhandenen Maschinen kompatibel war. Wir mussten viel experimentieren und anpassen, um unsere Vision in die Realität umzusetzen.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?


Mein Tipp an andere Gründer:innen: Glaubt als Team fest an eure Vision und bleibt dran. Fragt euch immer mal wieder, ob ihr noch treu zu den Anfängen und eure ursprüngliche Vision seid. Insbesondere in der sonst so schnelllebigen FMCG-Branche brauchen nachhaltige Veränderungen Zeit. Die muss man einplanen und möglichst gut Kurs halten. Für mich gilt zudem: arbeitet zuerst mit eurem Team, bevor ihr externe Expertise einholt. Fragt euch regelmäßig, was euer Team braucht und wie ihr alle am besten einbeziehen könnt.

Wo steht Forest Gum in einem Jahr?


Wir haben schon große Pläne für 2025, können aber noch nicht alles verraten. Sicher ist jedoch, dass wir mit einer neuen Produktkategorie im Süßwarenregal vertreten sein werden. Wir planen, neue Sorten unserer Fruchtgummis auf den Markt zu bringen und unser Kaugummi-Angebot um weitere spannende Geschmacksrichtungen zu erweitern. Wir freuen uns schon sehr darauf, die Süßwarenbranche weiter zu revolutionieren!

Reden wir über Köln. Wenn es um Start-ups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was macht den Reiz der Startup-Szene in Köln aus?


Die Start-up-Szene in Köln mag kleiner sein als die in Berlin, aber sie ist unglaublich offen und herzlich, mit einer starken Gemeinschaft. Hier kennt man sich, ist gut vernetzt und hilft sich gegenseitig. Mit der rheinischen Mentalität kommt man schnell ins Gespräch und kann sich wertvolle Tipps und Inspiration von anderen Start-ups holen. Zudem liegt Köln geographisch sehr praktisch mit Blick auf die großen Kunden aus der Einzelhandelswelt.

Was ist in Köln einfacher als in Berlin – und umgekehrt?


In Köln lassen sich schnell neue Kontakte knüpfen. Wir sind offen, herzlich und gehen unkompliziert aufeinander zu – das ist typisch für die rheinische Mentalität. Die Leute sind gut drauf. Es gibt ein starkes Gemeinschaftsgefühl, wo man sich unter die Arme greift. Obwohl Köln eine größere Stadt ist, ist die Start-up-Szene wirklich überschaubar. Die Berliner Szene kenne ich nur von einzelnen tollen Startups und bin selbst nicht sehr oft vor Ort. Ich denke aber die große Vielfalt bringt einen enormen Vorteil und bei Events und Konferenzen gibt es super Netzwerkmöglichkeiten. Dort triffst du auf Talente und Ideen aus der ganzen Welt, was den Austausch und die Inspiration auf ein anderes Level hebt.

Zum Schluss hast Du drei Wünsche frei: Was wünscht Du Dir für den Startup-Standort Köln?


Erstens: Weiterhin tollen Support der lokalen Händler. Zweitens: Mehr Radwege. Drittens:  Aufmerksamkeit und ein bisschen Support durch die Stadt.

Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness

In unserem Themenschwerpunkt Köln werfen wir einen Blick auf das Startup-Ökosystem der Rheinmetropole. Wie sind dort die Voraussetzungen für Gründer:innen, wie sieht es mit Investitionen aus und welche Startups machen von sich reden? Mehr als 550 Startups haben Köln mittlerweile zu ihrer Basis gemacht. Mit zahlreichen potenziellen Investoren, Coworking-Spaces, Messen und Netzwerkevents bietet Köln ein spannendes Umfeld für junge Unternehmen. Diese Rubrik wird unterstützt von der KölnBusiness Wirtschaftsförderung. #Koelnbusiness auf LinkedInFacebook und Instagram.

KoelnBusiness

Foto (oben): Forest Gum

#Interview – “Der Fokus auf Software- und KI-basierte Lösungen war ein Volltreffer”

#Interview

Das junge Unternehmen Compredict aus Darmstadt, das Autos klüger macht, sammelte in den vergangenen Jahren rund 22 Millionen ein. “In den kommenden Monaten erwarten wir, dass unsere Technologie noch stärker nachgefragt wird”, sagt Gründer Stéphane Foulard.

“Der Fokus auf Software- und KI-basierte Lösungen war ein Volltreffer”

Dienstag, 17. September 2024VonAlexander Hüsing

Hinter dem Unternehmen Compredict, 2016 von Rafael Fietzek und Stéphane Foulard in Darmstadt gegründet, verbirgt sich eine Softwarelösung, die es Automobilherstellern ermöglicht, “das Design, die Nutzung und die Wartung von Fahrzeugen zu optimieren und gleichzeitig den Kunden durch neue Funktionen und geringere Kosten einen Mehrwert zu bieten”.  Woven Capital, der Wachstumsfonds von Toyota, und Shift4Good investierten zuletzt 15 Millionen US-Dollar in das Unternehmen. Insgesamt flossen bisher rund 22 Millionen in Compredict.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Compredict-Macher Foulard über Daten, Sichtbarkeit und Rentabilität.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Compredict erklären?


Oma, stell dir vor, unsere Firma hilft Autos, klüger zu werden, ohne dass man neue Sensoren einbauen muss. Wir nutzen die vorhandenen Daten im Auto, um zu erkennen, wenn etwas repariert werden muss, und um das Fahren sicherer und bequemer zu machen. Es ist wie ein unsichtbarer Helfer im Auto, der ständig aufpasst.

War dies von Anfang an euer Konzept?


Ja, wir erkannten frühzeitig, dass die Automobilbranche einen Wandel durchläuft, vergleichbar mit der Revolution der Smartphone-Industrie. Von Anfang an war unser Konzept, die schon heute in Serienfahrzeugen reichlich vorhandenen Fahrzeugdaten zu nutzen, um Fahrzeuge rein softwarebasiert intelligenter zu machen und die Fahrzeugentwicklung bis hin zu After-Sales datengetrieben zu unterstützen. Unser Ziel blieb konstant, aber wir haben unser Produktangebot erweitert und verfeinert, um den Bedürfnissen unserer Kunden besser gerecht zu werden.

Zuletzt konntet ihr 15 Millionen einsammeln. Wie seid ihr mit euren Investor:innen in Kontakt gekommen?


Wir sind mit unseren Investoren durch eine Kombination aus Netzwerkpflege, Empfehlungen, Branchenveranstaltungen und gezielten Pitches in Kontakt gekommen. Insbesondere unsere Marketingaktivitäten und unsere Teilnahme an einschlägigen Messen und Konferenzen hat uns geholfen, Sichtbarkeit zu erlangen und Beziehungen zu potenziellen Investoren aufzubauen.

Euer Firmensitz ist Darmstadt. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil?


Das ist ganz klar ein Vorteil. Darmstadt ist die Wissenschaftsstadt, ein Zentrum für technische Innovation und Forschung, insbesondere im Bereich Automotive und Software. Die Nähe zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie eine gute Infrastruktur bieten uns hervorragende Voraussetzungen.

Es herrscht weiter leichte Krisenstimmung in der deutschen Startup-Szene. Mit welchen Erwartungen blickst Du auf die kommenden Monate?


Wir blicken optimistisch in die Zukunft und sehen in jeder Krise auch neue Chancen. In den kommenden Monaten erwarten wir, dass unsere Technologie noch stärker nachgefragt wird, da die Automobilindustrie zunehmend auf Effizienz, Kosteneinsparungen und digitale Dienste setzt – genau die Bereiche, die wir abdecken. Wir planen, unsere Marktposition weiter zu festigen und unsere internationale Präsenz, insbesondere in Japan und den USA, auszubauen.

Wie hat sich Compredict seit der Gründung entwickelt?


Seit unserer Gründung haben wir bedeutende Fortschritte erzielt. Unser Team ist auf etwa 40 Mitarbeiter angewachsen, und wir konnten mehrere große Automobilhersteller als Kunden gewinnen. Erste bedeutende Serieneinsätze unserer Technologie stehen kurz bevor, und dank der neuen Finanzierung erwarten wir weiteres Wachstum und Expansion.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


Das Timing war in den letzten Jahren nicht ideal. Die Automobilindustrie bewegt sich langsamer als erwartet, was unsere Pläne verzögert hat. Zudem brachte die wirtschaftliche Krise aufgrund der Corona-Phase zusätzliche Herausforderungen mit sich, die einen Paradigmenwechsel bei den VC-Investitionen bewirkten: weg von Wachstum um jeden Preis hin zu Rentabilität als Priorität. Wir mussten unsere Go-to-Market-Strategie anpassen und gezielter mit unseren finanziellen Mitteln umgehen.





Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?


Wir haben uns durchgehend an unsere Vision gehalten und die Ausdauer bewiesen, langfristig durchzuhalten. Der Fokus auf Software- und KI-basierte Lösungen war ein Volltreffer. Durch innovative Produkte und starke Partnerschaften konnten wir uns im Markt etablieren und kontinuierlich wachsen.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer;innen mit auf den Weg?


Seid flexibel, hinterfragt alles und passt eure Pläne bei Bedarf an. Stellt talentierte und erfahrene Mitarbeiter ein, die an eure Vision glauben. Hört auf eure Kunden und das Marktfeedback. Eine gute Idee allein reicht nicht – die Umsetzung und das kontinuierliche Durchhalten sind entscheidend.

Wo steht Compredict in einem Jahr?


In einem Jahr wird unsere Technologie in einer Vielzahl von Fahrzeugen weltweit implementiert sein und wir weiterhin signifikantes Wachstum verzeichnen können.


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Foto (oben): Compredict

#Interview – “Lass dich nicht von kritischen Stimmen verunsichern”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Wenn meine Kinder aus der Schule kommen, ist für mich Schluss mit Arbeit. Falls ich mich dann dabei erwischen lasse, wie ich auf mein Handy schaue, erinnern sie mich daran, dass ich Feierabend habe”, sagt Kaam-in-Gründerin Baicy Terbrüggen.

“Lass dich nicht von kritischen Stimmen verunsichern”

Mittwoch, 11. September 2024VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Baicy Terbrüggen, Gründerin von Kaam-in. Das Unternehmen setzt auf “deutschsprachige Pflege-Fachkräfte aus Indien”.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Ganz klassisch mit Kaffee und einem Blick auf meine To-Do-Liste und den Kalender. Danach geht’s ans E-Mails checken und Telefonieren, bevor ich mich an das Abarbeiten der einzelnen Aufgaben mache.

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?


Spätestens wenn meine Kinder um 15 Uhr aus der Schule kommen, ist für mich Schluss mit der Arbeit. Falls ich mich dann dabei erwischen lasse, wie ich beim Spielen mit ihnen auf mein Handy schaue oder ans Telefon gehe, erinnern sie mich daran, dass ich Feierabend habe – das ist so eine Art Familienregel. Meine Kinder beherrschen diese Regel perfekt, sodass mir das Abschalten gut gelingt. Einmal die Woche versuche ich zudem, Schwimmen zu gehen – manchmal auch vormittags. Das hilft mir, den Kopf freizubekommen und einfach abzuschalten.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?


Ich hätte gerne vorher gewusst, wie vielseitig die Verantwortung als Einzelunternehmerin wirklich ist. Man kümmert sich um alles: Personal, Marketing, Steuern, Rechnungswesen, IT, Technik und Ausstattung – und das ganze bürokratische Zeug. Man weiß zwar, dass das auf einen zukommt, aber man unterschätzt, wie viel da zusammenkommt.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?


Der größte Schritt war es, überhaupt den Mut zu finden, allein in die Selbstständigkeit zu starten. Es war auch eine Herausforderung, an mein eigenes Können zu glauben und den Kundenstamm von Grund auf aufzubauen.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?


Der größte Fehler war, mit einem Neukunden in die Zusammenarbeit einzusteigen und auf Wunsch Prozesse in die Wege zu leiten, bevor der Rahmenvertrag unterschrieben war. Als der Kunde dann die Zusammenarbeit aufgrund einer internen Umstrukturierung abgesagt hat und auch nicht bereit war, die Teilrechnungen zu zahlen, wurde mir klar: Das passiert mir nicht noch einmal.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?


Oft ist es eine Frage des Bauchgefühls – auch wenn das nicht immer richtig ist. Learning by doing eben. Mir ist wichtig, dass meine Mitarbeiter:innen ihre Aufgaben mit echter Leidenschaft angehen und sich über jeden Erfolg gemeinsam mit mir freuen, wie etwa bei der Ausstellung von Visas für unsere indischen Pflegefachkräfte, die in Deutschland arbeiten und leben wollen.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Hab Vertrauen in dich selbst und den Mut, deine Ideen umzusetzen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Bleib authentisch und versprich nur das, was du auch halten kannst. Lass dich nicht von den vielen kritischen Stimmen verunsichern, die dir erzählen, dass Selbstständigkeit immer nur Stress bedeutet und du keine Zeit für deine Familie haben wirst. Halte an deiner Vision fest – der Weg ist das Ziel. Investiere in Dinge wie Personal und Systeme, die dir Zeit sparen, zum Beispiel Steuer, Lohnabrechnung, IT – nach dem Motto: Zeit ist Geld.

Ohne welches externe Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Unser HR-System. Es war mir wichtig, von Anfang an ein gutes System zu haben, um den Überblick über alle Bewerber:innen und Kunden zu behalten.

Wie sorgt Ihr bei Eurem Team für gute Stimmung?


Da wir ein internationales Team haben – Indien, Dubai, Deutschland -, haben wir wöchentliche Meetings, um alle auf dem Laufenden zu halten, uns gegenseitig zu unterstützen und auch mal über Themen abseits der Arbeit zu sprechen. Regelmäßige 1:1-Gespräche sind mir ebenfalls wichtig, um offenes Feedback zu geben und zu bekommen.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Nur sechs Monate nach der Firmengründung konnten wir durch persönliche Empfehlungen unseren ersten Kunden in Österreich gewinnen. Das war echt schnell und unerwartet. Wenige Monate später ging es dann mit diesem Kunden nach Indien, um vor Ort Castings durchzuführen. Dabei haben wir von der österreichischen Fachhochschule die Bestätigung erhalten, dass die indischen Pflegekräfte top ausgebildet und qualifiziert sind.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): Kaam-in

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