#Interview – “In einem Jahr werden wir die größte Musikschule in DACH sein”

#Interview

Hinter Sirius aus Berlin verbirgt sich eine digitale Musikschule. “Unsere Nutzerzahlen wachsen im Monat durchschnittlich um die 15 % und haben einen Recurring Gross Merchandise Value (GMV)  im siebenstelligen Bereich”, sagt Gründerin Charlotte von Dryander.

“In einem Jahr werden wir die größte Musikschule in DACH sein”

Dienstag, 15. Oktober 2024VonAlexander Hüsing

Das Berliner Startup Sirius, 2020 von Charlotte von Dryander und Sebastian Riegelbauer gegründet, bietet virtuelle Räume speziell für den Online-Musikunterricht an. Das Jungunternehmen verspricht, optimale Klangqualität von Musikinstrumenten und Gesang bei der Übertragung bieten zu können. Market One Capital, Severin Zugmayer, Angel Invest, Lopo Champalimaud, Nicole Büttner sowie Marius Luther und Marius Jeuck, die Gründer von HeyJobs investieren 4 Millionen US-Dollar in das junge Unternehmen.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründerin Charlotte von Dryander einmal ausführlich über den Stand der Dinge bei Sirius

Wie würdest Du Deiner Großmutter Sirius erklären?


Sirius ist eine Musikschule, die Musikschüler:innen den Unterricht in Gesang, Klavier und Gitarre durch Musiklehrer:innen auf der ganzen Welt anbietet. Aus einem Pool von über 450 Musiklehrer:innen mit unterschiedlichen Unterrichtsprofilen sucht unser System die perfekte Lehrkraft für neue Schüler:innen aus. Der Unterricht findet online über unseren selbst entwickelten digitalen Musikraum statt, der optimal auf den Musikunterricht ausgerichtet ist. Er bietet u. a. exzellente Klangqualität, virtuelles Klavier, Stimmgerät und Metronom. Alle anfallenden administrativen Aufgaben werden ebenfalls digital über die Plattform abgewickelt, dazu zählen die Qualifizierung der Lehrkräfte, die Terminplanung, die Bezahlung und der Austausch von Unterrichtsmaterialien.

War dies von Anfang an euer Konzept?


Während Covid-19 haben wir begonnen, den digitalen Musikraum für den Onlineunterricht zu entwickeln und diesen als SaaS-Lösung an Lehrkäfte und Musikschulen zu verkaufen. Dabei haben wir die aktuellen Lösungen für Musikbildung gut kennengelernt und schnell festgestellt, wie fragmentiert und ineffizient der Markt aufgrund geographischer Barrieren ist. In den Städten gibt es lange Wartezeiten an den Musikschulen. Gleichzeitig leben viele selbständige Musiker:innen am Existenzminimum und haben Schwierigkeiten, Schüler:innen zu finden. Mithilfe unserer Plattform schließen wir diese Lücke und machen hochwertigen Musikunterricht weltweit einfach zugänglich. Über Sirius kann jede:r ohne Wartezeit den perfekten Musiklehrer:in finden und Musiklehrer:innen haben mit uns die Möglichkeit, in bislang ungenutzter Zeit ein zusätzliches Einkommen zu generieren.

Wie hat sich Sirius seit der Gründung entwickelt?


Unsere Nutzerzahlen wachsen im Monat durchschnittlich um die 15 % und haben einen Recurring Gross Merchandise Value (GMV)  im siebenstelligen Bereich. Seit Beginn des Jahres hat sich die Teamgröße von 7 auf aktuell 13 Personen vergrößert. Ziel ist es, bis Ende des Jahres auf 18 Personen zu wachsen. 

Zuletzt konntet ihr Millionen einsammeln. Wie seid ihr mit euren Investor:innen in Kontakt gekommen?


Netzwerken ist ein wichtiger Bestandteil des Gründens. Durch Konferenzen, Events, aber auch unsere vorherigen Berufe haben wir früh ein Netzwerk von Unterstützer:innen für Sirius aufgebaut, die uns bei der Finanzierungsrunde sehr geholfen haben und uns relevanten Investor:innen vorgestellt haben. Das ist ein erster wichtiger Start. Sobald das Fundraising ins Laufen kommt, nimmt der Prozess eine Eigendynamik an. Durch erste Zusagen bekommt man in der Regel auch Intros zu weiteren spannenden Investor:innen. Unseren Lead Investor haben wir tatsächlich vor einem Jahr auf der FOMO Konferenz in Warschau kennengelernt. Somit war es für uns einfach, im Fundraising daran wieder anzuknüpfen. 

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


Das ist schwer zu beantworten, denn wenn man ein Startup aufbaut, trifft man ständig viele Entscheidungen. Rückblickend waren nicht alle davon die richtigen und wir mussten hier und da nachjustieren. Noch schlimmer ist es aber, keine Entscheidungen zu treffen oder diese zu lange hinauszuzögern, denn das verlangsamt das ganze Unternehmen. Beispielsweise haben wir eine Zeit lang Webinare für Lehrer:innen angeboten, um unsere Software zu vermarkten. Das hat Ressourcen gebunden und uns vom Marktplatz abgelenkt. Es wäre besser gewesen, das früher einzustellen und sich darauf zu konzentrieren, die Musikschule aufzubauen. Aber mir hat diese Erfahrung noch einmal bewusst gemacht, wie wichtig gerade in einem kleinen Team ist, immer richtig zu priorisieren. Allgemein schaue ich nach einem Fehler immer sehr schnell wieder nach vorne und sehe auf das Positive, das Learning in jeder Sache.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?


Sebastian und ich sind beide ökonomisch denkende, bodenständige Gründer:innen. Daher haben wir immer darauf geachtet, Sirius sehr effizient aufzubauen. Das zwingt uns dazu, kreativ zu werden und unkonventionelle Wege zu finden, um zu wachsen. In Anbetracht des aktuellen Sentiments im Markt war das extrem wichtig für uns und hat uns geholfen, diese Finanzierungsrunde zu raisen. Gleichzeitig haben wir eine große Vision und Motivation: Mit Sirius wollen wir den Musikunterricht revolutionieren und die größte Musikschule der Welt aufbauen.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer;innen mit auf den Weg?


Da fallen mir zwei Themen ein, die ich mir auch immer wieder vor Augen führe: Erstens, sich regelmäßig die Frage zu stellen, was die wesentlichen Herausforderungen sind, auf die wir uns fokussieren müssen. Aus meiner Sicht ist das eine der Kernkompetenzen für Gründer:innen, um erfolgreich zu sein. Zweitens sollten sich Gründer:innen Personen/Mentor:innen suchen, die erfahrener sind als man selbst, und ihnen helfen, schneller ans Ziel zu kommen. Schließlich muss man nicht jeden Fehler wiederholen. Dieser Austausch erspart somit Zeit und Ressourcen. 

Wo steht Sirius einem Jahr?


In einem Jahr werden wir die größte Musikschule in DACH sein. 

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Foto (oben): Sirius

#Interview – “Um an die Spitze zu kommen, braucht man viel hartes Training”

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Samuel Ernst, Gründer von mizaru. Das Startup vertreibt ein Elektrolytpulver, mit dem er die “Lifestyle Szene revolutionieren” möchte.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Die Idee zu mizaru entstand auf einer Poolparty, aber der Startup-Alltag ist leider keine Party mehr. Ich betreibe mizaru nebenberuflich, daher sind viele Prozesse automatisiert. Morgens überprüfe ich, ob neue Bestellungen eingegangen sind, und automatisch wird die DHL-Sendungsnummer an die Kunden gesendet. Unser Partner verschickt die Pakete. Ich organisiere mich optimal mit “Time-Boxing”. Als Gründer muss man auch abends und am Wochenende arbeiten, was Verständnis von Familie und Freunden erfordert.

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?


Sport hilft mir sehr. Musik hören oder einfach mit meinem Kleinen auf den Spielplatz gehen. Außerdem versuche ich, die erste Stunde nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen keine Screen-Time zu haben. Einfach mal das iPhone ausmachen :).

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?


Es ist wie Leistungssport. Um an die Spitze zu kommen, braucht man viel hartes Training, Zeit, Durchhaltevermögen und Glück.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?


Rechtlich sollte dein Startup von Tag 1 an sauber dastehen. Ein hands-on Steuerberater hilft. In unserem Fall war auch ein Top-Anwalt für Lebensmittel- und Markenrecht wichtig. Viel wichtiger ist jedoch, den Leitsatz zu verinnerlichen: “Don’t run out of cash, trust, or time!”

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?


Am Anfang habe ich viele Dinge selbst gemacht. Schnelleres Prototyping wäre schön gewesen, aber Deutschland ist stark reguliert. Es ist wichtiger, das mizaru-Produkt ständig weiterzuentwickeln. Christian Steiger, CEO von Lexware, bringt es treffend auf den Punkt: “Du darfst dich nicht in dein eigenes Produkt verlieben.”

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?


Zurzeit haben wir noch keine festen Mitarbeiter. Es gibt jedoch Interesse im Bekanntenkreis, mit mizaru durchzustarten, sobald ein strategischer Investor einsteigt. Mitarbeiter sollten kulturell zum Startup passen und die Vision von mizaru teilen.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Einfach machen, wie Nike sagt: “Just Do It.” Es gibt oft nicht das perfekte Produkt oder die perfekte Dienstleistung. Zu viel Perfektionismus kann jedes Startup töten. Die 80/20-Regel (Pareto-Prinzip) hilft: Schnelles Prototyping und Iterieren sind wichtig.

Ohne welches externes Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Wir haben eine first Cloud-First-Strategie (wie Salesforce) und vertrauen auf Lexware, Shopware, amazon, DHL und Google Cloud. Jede Bestellung wird automatisiert erfasst. Zudem setzen wir auf KI, um z.B. Belege schnell zu erfassen und zu verbuchen. Über Instagram und Google bespielen wir B2C-Kunden mit Kampagnen, und LinkedIn dient als B2B-Kommunikationskanal. Das Startup ist extrem agil aufgestellt.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?


Als Ein-Mann-GmbH gebe ich alles dafür, dass der Spaß nicht zu kurz kommt. Wenn wir auf Festivals mit freien Mitarbeitern sind, geben wir als Team alles, haben Spaß zusammen und gehen z.B. nach der Arbeit lecker Essen und anschließend Feiern. Ich bin auch Segler, und ein Team sollte wie eine Segelcrew sein. Der Skipper gibt vor, wohin das Schiff segeln soll, aber ohne sein Team ist er verloren.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Zweimal hat die Produktionsfirma von “Die Höhle der Löwen” uns kontaktiert, ob wir ein möglicher Fit für die Staffel sind. Das war 2019 und 2020. Da macht man sich als Startup komplett nackig. Leider haben wir den Zuschlag für die Staffeln 7 und 9 nicht erhalten. Die Jury hat auf ein anderes Nahrungsergänzungsmittel gesetzt. Aber wer weiß, vielleicht kommt ja nochmals die Chance. Alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

#DHDL – “Die größte Herausforderung war, neben Hauptjob und Familie zu gründen”

#DHDL

Das Team von alla/jen setzt auf sogenannte Skintapes als “Geheimwaffe gegen Falten”. “Mit unseren Skintapes helfen wir, den Alterungsprozess der Haut aufzuhalten, indem sie die körpereigenen Selbstheilungskräfte aktivieren”, sagt Gründerin Alla Emmerich.

“Die größte Herausforderung war, neben Hauptjob und Familie zu gründen”

Freitag, 4. Oktober 2024VonTeam

Auch in der sechzehnten Staffel der erfolgreichen Vox-Gründer-Show “Die Höhle der Löwen” treten wieder etliche Gründerinnen und Gründer vor die Jury. In der sechsten Folge der aktuellen Staffel sind unter anderem Alla Emmerich und Jenny Christie Sternemann, die Gründerinnen von alla/jen zu Gast. Das Team setzt auf sogenannte Skintapes als “Geheimwaffe gegen Falten”.

Wie ist die Idee zu Deinem Startup entstanden?


Ich saß in einer vertrauten Mädelsrunde, bei der das Thema “Hautalterung” aufkam: Es ging darum, was man nicht schon alles ausprobiert hätte, ohne das gewünschte Ergebnis erzielt zu haben. Irgendwann ging es um die Durchblutung sowie den eigenen Abbau von Hyaluron. Sie sprachen darüber, was es bereits gibt, um die Durchblutung zu fördern und so kamen sie zum Thema Taping: Bekannt durch Sport, hilft das Taping bei der Durchblutung und setzt die Haut in eine Art Ruhezustand. Jetzt musste man nur noch die richtigen Wirkstoffe in das Tape bekommen. Ich ging direkt auf Jen, als Marketing und Beauty Expertin, zu. Jen ist seit vielen Jahren Makeup-Artist und beschäftigt sich intensiv mit der Beschaffenheit der Haut und vor allem mit Wirkstoffen, damit sie am Ende das perfekte Ergebnis bei ihren Kundinnen erzielt. Außerdem kennt sie gefühlt jedes Produkt und jeden Trend auf dem Markt. Und so war die Idee für die Skintapes geboren. 

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?


Die größte Herausforderung für uns war definitiv, neben Hauptjob und Familie zu gründen. Grundsätzlich ist der Beautymarkt sehr hart umkämpft, deswegen würden wir sagen, dass uns noch ein paar Herausforderungen begegnen werden.

Warum hast Du Dich entschieden, bei “Die Höhle der Löwen” mitzumachen?


Wir sind auf der Suche nach einem starken strategischen Partner für den breiten Markteintritt und das notwendige Marketing und genau dafür bietet die Teilnahme bei “Die Höhle der Löwen” eine riesige Chance.

Dein Tipp an andere Gründer:innen, die mit einem Auftritt bei “Die Höhle der Löwen” liebäugeln?


Ihr seid die Gründer und ihr habt die Vision. Keiner da draußen steht so hinter eurem Produkt oder eurer Sache, wie ihr selbst. Steht dazu. Traut euch. Es ist eine einmalige Chance. 

Wo steht alla/jen in einem Jahr?


Wir haben ganz klar das Ziel Marktführer im Bereich Skintaping zu werden und somit ein erfolgreiches Unternehmen zu führen. Wir haben etliche Ideen, um weitere Bereiche abdecken zu können. 

Tipp: Alles über die Vox-Gründershow gibt es in unserer großen DHDL-Rubrik.

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Foto (oben): RTL / Bernd-Michael Maurer

#DHDL – “Wir können nur jeden ermutigen, diesen Weg zu gehen”

#DHDL

Das junge Unternehmen WC-Star aus Warendorf setzt auf Mehrweg-Hygienesteinspeicher für Aufputzspülkästen. “Wir setzen alles daran, dass sich der WC-Star als Marke etabliert Wir hoffen somit einen Beitrag leisten können, Einwegplastik einzusparen”, sagt Gründer Michael Grundmann.

“Wir können nur jeden ermutigen, diesen Weg zu gehen”

Freitag, 27. September 2024VonTeam

Auch in der sechzehnten Staffel der erfolgreichen Vox-Gründer-Show “Die Höhle der Löwen” treten wieder etliche Gründerinnen und Gründer vor die Jury. In der fünften Folge der aktuellen Staffel sind unter anderem Francesco La Pica und Michael Grundmann, die Gründer von WC-Star, zu Gast. Das Unternehmen aus Warendorf setzt auf Mehrweg-Hygienesteinspeicher für Aufputzspülkästen. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht WC-Star-Macher Grundmann einmal ausführlich über sein Unternehmen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter WC-Star erklären?


Mit unserem Startup möchten wir praktische Produkte produzieren, die Probleme lösen und Einwegplastik reduzieren.

Wie ist die Idee zu WC-Star entstanden?


Als Handwerksmeister aus der Heizungs- und Sanitärbranche hatte Michael die Idee für den WC-Star, um Einwegplastik im Sanitärbereich einzusparen. Da wir uns beide schon zuvor mit Problemlösern im Haushalt beschäftigt haben, haben wir uns gemeinsam Gedanken gemacht, wie wir den WC-Star konzipieren können. Nach einem Jahr tüfteln und testen, haben wir Anfang 2018 unser gemeinsames Unternehmen L & G Ideenwelt gegründet. Unser WC-Star ist ein innovativer Mehrweg-Hygienesteinspeicher für Aufputzspülkästen. Der WC-Star wird einfach im Spülkasten montiert und somit von außen unsichtbar und reinigt beim Spülvorgang das gesamte WC. Unser Slogan: Mehrweg statt Einweg!

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?


Die Finanzierung der Produktentwicklung und die Einführung in den Markt.

Warum hast Du Dich entschieden, bei “Die Höhle der Löwen” mitzumachen?


Damit der WC-Star flächendeckend im Markt angeboten werden kann, benötigten wir einen starken Partner, der die finanziellen Möglichkeiten und über die entsprechenden Kontakte, sowie Expertise im Marketing und Vertrieb verfügt.

Dein Tipp an andere Gründer:innen, die mit einem Auftritt bei “Die Höhle der Löwen” liebäugeln?


Es ist für jeden Gründer eine positive Erfahrung. Wir können nur jeden ermutigen, diesen nicht ganz einfachen, aber interessanten Weg zu gehen.

Wo steht WC-Star in einem Jahr?


Wir setzen alles daran, dass sich der WC-Star als Marke etabliert und bald in jedem Zuhause zu finden ist. Wir hoffen somit einen Beitrag leisten können, Einwegplastik einzusparen. 

Tipp: Alles über die Vox-Gründershow gibt es in unserer großen DHDL-Rubrik.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): RTL / Bernd-Michael Maurer

#Interview – “Wir dachten, chronische Patienten rennen uns die Bude ein”

#Interview

Das Health-Unternehmen MedKitDoc setzt auf medizinische Fernbehandlungen. “Wir sind stark gewachsen, da wir mit der gerätegestützten Fernbehandlung scheinbar echt einen Nerv in der Pflegebranche getroffen haben”, sagt MedKitDoc-Macher Jan Koolen.

“Wir dachten, chronische Patienten rennen uns die Bude ein”

Dienstag, 24. September 2024VonAlexander Hüsing

Mit MedKitDoc aus Hann. Münden, 2020 von Benjamin Gutermann gegründet, können Patientinnen und Patienten sich nicht nur via Videokonferenz mit einem Arzt austauschen, sondern auch mittels ausgesuchter Geräte untersuchen lassen. Vorwerk Ventures und Acton Capital investieren gemeinsam mit den Altinvestoren Picus Capital und den FlixBus-Gründern zuletzt 7 Millionen Euro in MedKitDoc. Derzeit wirken rund 20 Mitarbeitende für das Unternehmen.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht MedKitDoc-Macher Koolen über einen gescheiterten Pivot, Frühchen und Rückenwind.

Wie würdest Du Deiner Großmutter MedKitDoc erklären?


Nichts fürchten ältere Menschen mehr, als ins Krankenhaus zu müssen. Das weiß ich aus Erfahrung mit meiner eigenen Oma. Wenn sich bei einer Bewohnerin eines Pflegeheims plötzlich der Zustand verschlechtert, bleibt der Pflegekraft meist nichts anderes übrig, als den Krankenwagen zu rufen. Das ist leider Alltag. Denn es fehlen Ärzte, vor allem auf dem Land, die regelmäßig insbesondere chronisch kranke Patienten untersuchen oder im Akutfall helfen können. Weiterhin führt der demographische Wandel in Deutschland neben dem Ärztemangel zu einer dramatisch ansteigenden Zahl von pflegebedürftigen Patienten. Bis zum Jahr 2050 wird sich die Anzahl der Pflegebedürftigen in Deutschland verdoppeln. Genau da setzen wir an: Mit uns können Ärzte aus der Ferne behandeln ohne auf die gewohnte Diagnostik durch Stethoskop und Co. verzichten zu müssen. Dazu liegt im Pflegeheim eines unserer MedKits bereit – ein digitaler Arztkoffer mit allen gängigen medizinischen Geräten wie Stethoskop, Blutdruckmessung usw. Die Pflegerin legt die Geräte an den Patienten an, der Arzt schaltet sich per Video auf das Tablet. Unsere Geräte senden nun live via Bluetooth über unsere App die Vitaldaten an den Arzt und werden für beide Seiten einsehbar gespeichert. Er hat sofort alles im Blick und kann direkt beraten. So wird aus einer Video-Sprechstunde eine echte Fernbehandlung.

War dies von Anfang an euer Konzept oder hat es sich seit dem Start irgendwie verändert?


Wir haben im Jahr 2022 einen B2C-Pivot probiert: Medizinische Geräte zu Hause inklusive App, die dich mit deinem Hausarzt verbindet, während du auf der Couch bleibst und untersucht wirst. Wir dachten, vor allem chronische Patienten rennen uns die Bude ein. Das Interesse war grundsätzlich schon da, aber wir haben damals festgestellt, wie gering die Zahlungsbereitschaft von Privatkunden für medizinische Leistungen in Deutschland ist. Außerdem erschienen uns die sogenannte Customer Acquisition Costs (CAC) deutlich zu hoch für ein nachhaltiges Geschäftsmodell. Wir haben uns dann wieder auf unsere Kernkompetenz zurück besonnen und fokussieren uns wieder auf den B2B Pflege Markt und die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). Klingt jetzt voll nach Sales, es ist aber so: Dank unserer Lösung schaffen wir eine Win-Win-Win-Lösung: Der Arzt bleibt in seiner Praxis, die Pflegekraft am Arbeitsplatz, die Patienten in ihrer gewohnten Umgebung im Heim. Eigentlich fehlt noch ein Win: Der Rettungswagen muss auch nicht so häufig gerufen werden. Das spart massiv Kosten und Zeit.

Wie hat sich MedKitDoc seit der Gründung entwickelt?


Wir sind seit etwa vier Jahren am Markt. In der Zeit sind wir stark gewachsen, da wir mit der gerätegestützten Fernbehandlung scheinbar echt einen Nerv in der Pflegebranche getroffen haben. Unser Gründer Ben ist Arzt. Tagsüber hat er praktiziert, abends bastelte er in seinem Keller an den ersten MedKits. Das war am Anfang noch sehr hemdsärmelig, – aber es funktionierte. Und so wurden nicht nur unsere Geräte und unsere App immer besser, sondern auch die Heime immer mehr. Wir sind heute über 20 Leute und betreuen über 70 Heime und mehrere tausend Patienten deutschlandweit.

Welches Projekt steht bei Euch in den kommenden Monaten ganz oben auf der Agenda?


Wir fokussieren uns auf vulnerable Menschen, also die aufgrund von Krankheit oder Alter am gefährdetsten sind. Deshalb testen wir ab Oktober zusammen mit der Charité und der TU München unsere MedKits auch bei Frühchen. Unser Ziel: Eltern frühgeborener Kinder müssen nicht ewig im Krankenhaus bleiben. Sie können nach Hause in ihre gewohnte Umgebung – das Baby wird aus der Ferne medizinisch überwacht. Wir decken damit die gesamte Lebensspanne ab: von Frühchen bis Rentner quasi.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


Der B2C-Case. Mit Corona, wo die Video-Sprechstunde ihr High hatte, dachten wir, mit der Ergänzung medizinischer Geräte wäre das die 1-Milliarde-Dollar-Idee. War aber nicht so. Aus unseren gesammelten Erfahrungen haben wir aber eine Menge gelernt und sind jetzt fokussierter denn je auf die Pflege. Hier können wir Millionen Menschen in einer immer älter werdenden Gesellschaft bei gleichzeitigem Ärzte- und Fachkräftemangel extrem helfen. Wir können hier einen wichtigen Beitrag leisten, um vermeidbare Krankenhauseinweisungen zu reduzieren und die Versorgung dieser Menschen zu verbessern und das motiviert mich und das Team wahnsinnig.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?


Es ist uns gelungen neben namhaften Angel Investoren wie z.B. die Gründer von Flixbus auch namhafte VCs wie Picus, Acton Capital und Vorwerk Ventures von unserer Idee zu überzeugen. Das hat uns natürlich enorm geholfen, um unser Geschäftsmodell in den letzten Jahren zu entwickeln. Wir sind aktuell an über 70 Standorten im Einsatz in der stationären Pflege und vor allem auch in der außerklinischen Intensivpflege. Hier arbeiten wir z.B. mit Pflegeheimbetreibern wie Alloheim und der Deutschen Fachpflege zusammen. Wir haben außerdem das große Glück, bereits Kooperationen mit großen GKV wie der BARMER, der AOK und auch der TK zu haben. Im Rahmen eines dieser Projekte konnten wir im Pfegeheimkontext z.B. eine Reduktion von vermeidbaren Krankenhauseinweisungen um 25% erreichen. Das angesprochene Projekt in der Frühchenversorgung ist ebenfalls ein großer Erfolg für uns und zugleich ein sehr emotionales Thema für mich als werdender Vater.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?


Gerade wenn du dich in einer Branche bewegst, die in der Vergangenheit von digitalen Innovationen eher weitestgehend ausgelassen wurde wie die Pflege, kann der Gegenwind in Form von Skepsis und Ablehnung manchmal echt kräftezehrend sein. Aber, auch wenn das jetzt etwas pathetisch klingt: Glaub weiter an deine Idee, zeige deine Erfolge auf allen Kanälen und bleib dran, wenn du dir sicher bist, dass es sich lohnt. Und: Fehlschläge gehören zum Erfolg einfach dazu. Lasst euch davon nicht entmutigen.

Wo steht MedKitDoc in einem Jahr bzw. in den kommenden Jahren?


Kurz bis mittelfristig wird es darum gehen, die in den Startlöchern stehenden Projekte sauber auf die Straße zu kriegen sowie mit unseren Bestandskunden weiter zu wachsen, das ist aktuell mein Hauptaugenmerk. Mittelfristig wird es auch darum gehen, nachhaltig zu wachsen und einen klaren Pfad in Richtung Profitabilität aufzuzeigen. Mit etwas Rückenwind könnten wir dieses Ziel im Laufe des kommenden Jahres erreichen. Wir haben außerdem viele spannende Partnerschaften mit echten Branchengrößen in der Pipeline, die sich natürlich immer auch in größere Chancen entwickeln können. Stichwort: Strategische Investments, Exit, etc. Langfristig: Es gibt in Deutschland 16.000 Heime. Wenn wir bis 2030 nur die Hälfte aller Heime an unsere Telemedizin-Plattform anschließen, versorgen wir täglich Millionen Menschen mit echter Fernbehandlung und erleichtern ihnen den Alltag.

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