#Interview – “Um an die Spitze zu kommen, braucht man viel hartes Training”

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Samuel Ernst, Gründer von mizaru. Das Startup vertreibt ein Elektrolytpulver, mit dem er die “Lifestyle Szene revolutionieren” möchte.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Die Idee zu mizaru entstand auf einer Poolparty, aber der Startup-Alltag ist leider keine Party mehr. Ich betreibe mizaru nebenberuflich, daher sind viele Prozesse automatisiert. Morgens überprüfe ich, ob neue Bestellungen eingegangen sind, und automatisch wird die DHL-Sendungsnummer an die Kunden gesendet. Unser Partner verschickt die Pakete. Ich organisiere mich optimal mit “Time-Boxing”. Als Gründer muss man auch abends und am Wochenende arbeiten, was Verständnis von Familie und Freunden erfordert.

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?


Sport hilft mir sehr. Musik hören oder einfach mit meinem Kleinen auf den Spielplatz gehen. Außerdem versuche ich, die erste Stunde nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen keine Screen-Time zu haben. Einfach mal das iPhone ausmachen :).

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?


Es ist wie Leistungssport. Um an die Spitze zu kommen, braucht man viel hartes Training, Zeit, Durchhaltevermögen und Glück.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?


Rechtlich sollte dein Startup von Tag 1 an sauber dastehen. Ein hands-on Steuerberater hilft. In unserem Fall war auch ein Top-Anwalt für Lebensmittel- und Markenrecht wichtig. Viel wichtiger ist jedoch, den Leitsatz zu verinnerlichen: “Don’t run out of cash, trust, or time!”

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?


Am Anfang habe ich viele Dinge selbst gemacht. Schnelleres Prototyping wäre schön gewesen, aber Deutschland ist stark reguliert. Es ist wichtiger, das mizaru-Produkt ständig weiterzuentwickeln. Christian Steiger, CEO von Lexware, bringt es treffend auf den Punkt: “Du darfst dich nicht in dein eigenes Produkt verlieben.”

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?


Zurzeit haben wir noch keine festen Mitarbeiter. Es gibt jedoch Interesse im Bekanntenkreis, mit mizaru durchzustarten, sobald ein strategischer Investor einsteigt. Mitarbeiter sollten kulturell zum Startup passen und die Vision von mizaru teilen.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Einfach machen, wie Nike sagt: “Just Do It.” Es gibt oft nicht das perfekte Produkt oder die perfekte Dienstleistung. Zu viel Perfektionismus kann jedes Startup töten. Die 80/20-Regel (Pareto-Prinzip) hilft: Schnelles Prototyping und Iterieren sind wichtig.

Ohne welches externes Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Wir haben eine first Cloud-First-Strategie (wie Salesforce) und vertrauen auf Lexware, Shopware, amazon, DHL und Google Cloud. Jede Bestellung wird automatisiert erfasst. Zudem setzen wir auf KI, um z.B. Belege schnell zu erfassen und zu verbuchen. Über Instagram und Google bespielen wir B2C-Kunden mit Kampagnen, und LinkedIn dient als B2B-Kommunikationskanal. Das Startup ist extrem agil aufgestellt.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?


Als Ein-Mann-GmbH gebe ich alles dafür, dass der Spaß nicht zu kurz kommt. Wenn wir auf Festivals mit freien Mitarbeitern sind, geben wir als Team alles, haben Spaß zusammen und gehen z.B. nach der Arbeit lecker Essen und anschließend Feiern. Ich bin auch Segler, und ein Team sollte wie eine Segelcrew sein. Der Skipper gibt vor, wohin das Schiff segeln soll, aber ohne sein Team ist er verloren.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Zweimal hat die Produktionsfirma von “Die Höhle der Löwen” uns kontaktiert, ob wir ein möglicher Fit für die Staffel sind. Das war 2019 und 2020. Da macht man sich als Startup komplett nackig. Leider haben wir den Zuschlag für die Staffeln 7 und 9 nicht erhalten. Die Jury hat auf ein anderes Nahrungsergänzungsmittel gesetzt. Aber wer weiß, vielleicht kommt ja nochmals die Chance. Alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

#Interview – “Viele Startups messen ihrem Recruiting nicht genug Bedeutung bei”

Das junge FinTech Teylor, das 2018 von Patrick Stäuble in Zürich gegründet wurde, vermittelte zunächst Kredite an Mittelständler. Inzwischen bietet das Unternehmen seine Kredit-Technologie auch Banken an. Ilavska Vuillermoz, Weisshorn Asset und ehemalige Banker investierten zuletzt 6,5 Millionen Schweizer Franken in das Unternehmen. “Vor allem wollen wir das Geld nutzen, um in ganz Europa zu expandieren”, sagt Gründer Stäuble.

40 Mitarbeiter:innen arbeiten derzeit für Teylor. “2021 konnte Teylor den Umsatz pro Monat durchschnittlich um 30 % steigern und hat für das vierte Quartal 2021 den Break-Even erreicht. Wir haben Bankkunden aus der gesamten DACH-Region und erste Projekte außerhalb des DACH-Raumes. Über unsere Plattform haben wir 2021 ein Kreditvolumen von über zwei Milliarden Euro bearbeitet”, sagt Stäuble zum Stand der Dinge bei Teylor.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Teylor-Macher unter anderem über Technologien, Aufholbedarf und Feedback.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Teylor erklären?


Meine Großmutter kennt noch die Zeit, in der es weder Computer noch das Internet gab. Für einen Kreditantrag musste man zum Bankgespräch und stapelweise Papierkram ausfüllen. Trotz der Digitalisierung in vielen anderen Bereichen ist das im Firmenkundengeschäft heute in vielen Banken immer noch so. Deshalb haben wir eine Software entwickelt, die KMU-Kreditprozesse digitalisiert und automatisiert. Diese nutzen wir, um schnell und unkompliziert über eine digitale Plattform Kredite zu vergeben. Wir stellen die Software außerdem Banken zur Verfügung, um deren Kreditprozesse zu digitalisieren.

War dies von Anfang an euer Konzept, oder hat sich euer Modell seit dem Start irgendwie verändert?


2018 haben wir Teylor zunächst als reine Kreditplattform gegründet. Diese war schnell sehr erfolgreich und wir bekamen Anfragen von Banken, die an unserer Technologie interessiert waren. Anschließend haben wir unsere SaaS-Lösungen entwickelt und auf den Markt gebracht. Da wir über kostengünstige und effiziente digitale Kanäle Zugang zu einer umfangreichen Pipeline an qualitativ hochwertigen Kreditnehmern haben, konnten wir zudem das Interesse verschiedener Debt-Investoren wecken. Seit der Gründung hat sich die Teylor-Plattform somit zu einer ganzheitlichen Lösung für alle Stakeholder des KMU-Kreditmarktes entwickelt.

Ihr konntet kürzlich 6,5 Millionen Schweizer Franken einsammeln. Wofür braucht ihr das Geld?


Vor allem wollen wir das Geld nutzen, um in ganz Europa zu expandieren. Wir haben bereits mehrfache Anfragen von europäischen Banken und sind mit einigen davon schon in fortgeschrittenen Verhandlungen. Außerdem wollen wir einen Teil der Finanzierung in die Weiterentwicklung unserer Tech-Plattform investieren.

Wie ist ist denn die Schweizer Sicht auf die deutsche FinTech- und Startup-Welt?


Im Vergleich zur Schweiz ist die deutsche Szene viel größer. Derzeit tut sich viel im deutschen Markt, vor allem in der Berliner Start-up-Szene. Mit Blick auf die Finanzindustrie sehe ich nach wie vor einen hohen Aufholbedarf bei deutschen Banken, was Möglichkeiten für FinTechs schafft. Außerdem sind deutsche Finanzinstitute auch sehr offen für eine Zusammenarbeit.

Wie genau funktioniert denn euer Geschäftsmodell?


Die Teylor-Plattform ist das Bindeglied zwischen KMU, Banken und Debt-Investoren. Wir bieten KMU eine schnelle, unkomplizierte Online-Finanzierung während wir Banken Software-as-a-Service-Lösungen zur Digitalisierung ihrer Kreditprozesse zur Verfügung stellen. Zudem bekommen Debt-Investoren über unseren Kreditfonds einfachen Zugang zu unserer KMU-Kreditpipeline und profitieren von unseren digitalen Vertriebskanälen und Risiko-Tools. Mit diesem Ansatz lösen wir das strukturelle Ertragsproblem des KMU-Kreditmarkts nicht nur teilweise, sondern ganzheitlich für alle involvierten Stakeholder. Unser Vorteil dabei ist, dass wir drei unterschiedliche Ertragsquellen haben und Synergien im Finanzierungs- und Softwaregeschäft nutzen können. Wir haben somit einen enormen Wettbewerbsvorteil. Denn die meisten Fintechs machen nur Tech und die meisten Finanzierungsunternehmen nur Finanzierung. Wir machen beides.

Wie ist überhaupt die Idee zu Teylor entstanden?


Vor Teylor habe ich zunächst als Produktmanager und anschließend als Head of Business Development bei einem Zürcher Fintech gearbeitet. Während dieser Zeit stand ich im Austausch mit vielen Banken und mir fiel auf, dass es im Privatkundengeschäft vonseiten der Banken bereits umfangreiche digitale Angebote gibt. Der KMU-Markt wurde jedoch komplett vernachlässigt. Dieses Problem wollte ich mit Teylor lösen. Später wurde uns bewusst, dass die mangelnde Digitalisierung nicht nur ein Problem für KMU ist, sondern auch für Banken und Kapitalgeber. Deshalb sind nach dem Launch der Kreditplattform später die Softwaresparte und der Kreditfonds entstanden.

Wie hat sich Dein Teylor seit der Gründung entwickelt?


2018 habe ich Teylor alleine gestartet und dann die ersten zwei Mitarbeiter eingestellt. Inzwischen besteht das Team aus 40 Mitgliedern. Wir suchen auch weiterhin nach Verstärkung, denn wir verzeichnen starkes Wachstum. 2021 konnte Teylor den Umsatz pro Monat durchschnittlich um 30 % steigern und hat für das vierte Quartal 2021 den Break-Even erreicht. Wir haben Bankkunden aus der gesamten DACH-Region und erste Projekte außerhalb des DACH-Raumes. Über unsere Plattform haben wir 2021 ein Kreditvolumen von über zwei Milliarden Euro bearbeitet.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


Bislang ist eigentlich nichts so richtig schief gelaufen. Natürlich hat COVID auch unser Kreditgeschäft eingetrübt – so wie bei allen anderen Kreditplattformen und Banken – aber das konnten wir durch das starke Wachstum im Softwaregeschäft mehr als ausgleichen. Was für uns, wie sicherlich auch für die meisten Startups, zeitweilig herausfordernd war, ist die richtigen Leute für das Team zu finden. Mittlerweile gelingt uns das ganz gut, da wir im Markt einen gewissen Bekanntheitsgrad haben und wir sowohl in den Junior-Positionen als auch für das Senior Management sehr gute Kandidaten finden.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?


Wir haben sehr gut und schnell auf die Anforderungen des Marktes reagiert. Wir haben von Anfang an den Ansatz verfolgt, unsere Lösungen schnell auf den Markt zu bringen, um schnell Feedback zu bekommen und dieses dann auch zügig umzusetzen. Daraus sind neue Produkte entstanden wie etwa unser SaaS-Geschäft und der Kreditfonds. Aber auch die bestehenden Lösungen entwickeln wir konstant weiter basierend auf dem Feedback unserer Kunden. Aufgrund dieses agilen Ansatzes ist es uns gelungen, das am Markt führende Angebot zu entwickeln und uns von der Konkurrenz abzusetzen.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründern mit auf den Weg?


Hört auf eure Kunden! Statt de facto ein Produkt für sich selbst zu entwickeln, sollte man so schnell wie möglich an den Markt, um Feedback zu bekommen. Das ist entscheidend. Außerdem ist das Team enorm wichtig. Das klingt nach einer Binsenweisheit, aber ich sehe viele Startups, die ihrem Recruiting nicht genug Bedeutung beimessen. Dabei kann man mit dem richtigen Team jede Herausforderung meistern.

Wo steht Teylor in einem Jahr?


Wir wollen in diesem Jahr weiter aggressiv wachsen. Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Unser Ziel ist es, die europaweit führende KMU-Kreditplattform zu werden. Außerdem wollen wir die Plattform weiter ausbauen und weitere Softwaremodule entwickeln. In einem Jahr wird keine Bank, keine KMU und kein Finanzierer mehr an Teylor vorbeikommen.

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Foto (oben): Teylor

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