beyerdynamic Aventho 200 im Test: Beweisen sich die Over-Ear-Kopfhörer?

Kürzlich habe ich hier im Blog die Over-Ear-Kopfhörer beyerdynamic Aventho 300 getestet. Jenes Modell ist bereits 2024 auf den Markt gekommen und hat mit dem Aventho 200 Ende 2025 einen kleinen Bruder erhalten. Auch jenes Modell konnte ich mir inzwischen für einen Test genauer anhören. Ist diese leicht abgespeckte Version eventuell vielleicht sogar die bessere Wahl?

Zunächst verrate ich euch, welche Funktionen des beyerdynamic Aventho 300 dem Aventho 200 fehlen. So behält man beim kleinen Bruder zwar den 45-mm-Treiber bei, bewirbt diesen aber nicht mehr explizit als STELLAR.45 (Made in Germany). Obendrein ist Dolby Atmos mit Head-Tracking der Schere zum Opfer gefallen. Dem Aventho 200 fehlt auch Unterstützung für LE Audio. Zusätzlich ist der abgedeckte Frequenzbereich etwas kleiner und reicht von 10 bis 22.000 statt von 5 bis 22.000 Hz. Im Tieftonbereich geht es also nicht ganz so tief herunter.

Technische Eckdaten der beyerdynamic Aventho 200

Kategorie Wert
Trageart Over-Ear
Akustische Bauweise Geschlossen
Übertragungsart Bluetooth (drahtlos), USB-C, 3,5-mm-Klinke
Bluetooth-Version 5.4
Unterstützte Bluetooth-Profile AVDTP 1.3, AVCTP 1.4, GAVDP 1.3, SPP 1.2, RFCOMM 1.2, A2DP 1.4, AVRCP 1.6.2, HFP 1.9
Audio-Codecs SBC, AAC, aptX Lossless, aptX Adaptive
Frequenzbereich 10 – 22.000 Hz
Reichweite 15 m
Gewicht 293 g
Akkulaufzeit (mit ANC) Bis zu 63 Stunden
Ladeanschluss USB-C
Besondere Features Adaptives ANC, Transparenzmodus, Multipoint, Trageerkennung
Treiber dynamisch, 45 mm
Preis 239 Euro

Doch der beyerdynamic Aventho 200 hat gegenüber dem großen Bruder auch Vorzüge. So ist das Gewicht dieses Modells geringer (293 vs. 319 g) und die Akkulaufzeit höher (bis zu 63 vs. bis zu 50 Std.). Der Preisunterschied beträgt wiederum ca. 60 Euro.

Ausstattung und Verarbeitung

Die Verarbeitung des beyerdynamic Aventho 200 ähnelt durchaus der des Aventho 300. So nutzt der deutsche Hersteller auch hier bequeme Kopfpolster aus Memoryschaum und Metall für den verstellbaren Bügel. Das geringe Gewicht fällt allerdings sofort auf, wenn man den Over-Ear aus der Verpackung nimmt. Beim Lieferumfang fehlt hier jedoch das Hardcase für den Transport, welches dem Aventho 300 beigelegen hat, was ich als merklichen Verlust empfinde. Im Ergebnis müsst ihr den Aventho 200 im beiliegenden Stoffbeutel transportieren.

Geblieben sind im Lieferumfang passende Kabel für 3,5-mm-Klinke sowie USB-C. Somit könnt ihr auch den beyerdynamic Aventho 200 nicht nur kabellos per Bluetooth verbinden, sondern auch kabelgebunden. Die Bedienung erfolgt auch hier sowohl über die Begleit-App als auch eine Touch-Oberfläche an der rechten Ohrmuschel plus einen Schieberegler für Power und einen Button, der zwischen ANC-, Transparenz- und Standardklang wechselt. Die Touchsteuerung funktioniert genau wie am Aventho 300. Ein Wischen nach oben/unten hebt und senkt die Lautstärke, ein Wischen nach links/rechts springt Songs zurück oder nach vorne. Doppeltes Antippen pausiert bzw. startet die Wiedergabe.

In der Begleit-App wiederum könnt ihr nicht nur die aktive Geräuschunterdrückung in Stufen regeln, sondern auch die Firmware aktualisieren, einen Equalizer einrichten und mehr. ANC beinhaltet beim Aventho 300 5 verschiedene Stufen, beim Aventho 200 sind es nur drei. Auch hier ist im Übrigen eine Trageerkennung an Bord. Die Wiedergabe pausiert demnach automatisch, wenn ihr den Kopfhörer absetzt, und startet wieder, wenn ihr ihn aufsetzt. Auch eine Sidetone-Funktion für Telefonate ist wieder optional zuschaltbar.

Der beyerdynamic Aventho 200 lässt sich für den Transport zusammenfalten und auch ohne den Strom anzuknipsen per Kabel nutzen – worunter der Klang aber erheblich leidet. Haltet ihn also lieber aufgeladen. Im Übrigen kommt die vom Hersteller angegebene Akkulaufzeit gut hin. Zwar konnte ich keine vollen 63 Stunden erreichen, 60 Stunden waren mir ohne ANC aber durchaus möglich. Bluetooth Multipoint ist im Übrigen ebenfalls an Bord, um schnell zwischen zwei verbundenen Geräten zu wechseln.

Praxistest des beyerdynamic Aventho 200

Der beyerdynamic Aventho 200 ist dem Aventho 300 in vielen Punkten sehr ähnlich. So habe ich Dolby Atmos mit Head-Tracking persönlich zu keiner Zeit vermisst, weil ich das mehr für ein Gimmick halte. Allerdings merkt man, dass der Klang etwas weniger dynamisch auf die Ohren kommt. Das sind aber eher Nuancen als extreme Sprünge. Klanglich würde ich persönlich aber den exzellenten Aventho 300 dem immer noch sehr guten Aventho 200 vorziehen.

Anders sieht es beim Tragekomfort aus: Das geringere Gewicht macht sich durchaus bemerkbar und der Aventho 200 trägt sich gerade beim Sport nochmal eine Ecke angenehmer. Im Fitnessstudio musste ich allerdings auch bei diesem Modell feststellen, dass die aktive Geräuschunterdrückung und die eher maue, passive Isolierung die Achillesferse sind. Da sind die Konkurrenten von Bose, Sony oder sogar Apple einfach weiter. Im Fitnessstudio kamen in meinem Fall mehr Geräusche durch als bei meinem betagten Jabra Elite 85h, der jedoch klanglich natürlich durchweg unterlegen ist.

So liefert auch der Aventho 200 einen warmen Klang, den man über den Equalizer der Begleit-App gut für seine individuellen Bedürfnisse abstimmen kann. Dank aptX HD muss man sich auch um den Codec keine Sorgen machen. Vor allem die gute Räumlichkeit hat mir auch hier sehr gut gefallen, sodass ich den Kopfhörer auch für das ein oder andere Streaming-Video sehr gerne aufgesetzt habe. Ähnlich wie beim Aventho 300 ist auch der Sitz des Aventho 200 ziemlich fest, allerdings ohne auf die Ohren zu drücken. Aufgrund des geringeren Gewichts hat mir der Tragekomfort hier sogar noch mehr zugesagt, was sich bei längeren Sessions durchaus bemerkbar machen kann.

Schwächen? Der Aventho 200 integriert weniger Mikrofone als der Aventho 300, worunter nicht nur das ohnehin schwache ANC leidet, sondern auch der Transparenzmodus und die Telefonie. Letztere funktioniert zwar auch hier recht sauber, doch es dringen zu eurem Gesprächspartner definitiv mehr Umgebungsgeräusche durch. In der Summe ist ANC hier sicherlich kein Kaufargument, auch wenn es beim Pendeln durchaus Linderung verschafft – da ist die Konkurrenz aber in dieser Preisklasse ungleich stärker. Punkte sammelt beyerdynamic vielmehr beim ausgewogenen, räumlichen Sound und bei Verarbeitung und Tragekomfort.

Mein Fazit

Wer den besseren Klang und Telefonie in höherer Qualität sucht, ist beim Aventho 300 besser aufgehoben als beim Aventho 200. Da lohnt sich dann auch durchaus der Aufpreis von rund 60 Euro. Dafür trägt sich das günstigere Modell aufgrund des geringeren Gewichts noch angenehmer. Das sollte speziell Leser hellhörig machen, welche die Over-Ears beim Sport nutzen möchten. Euch ist die aktive Geräuschunterdrückung besonders wichtig? Dann hört euch erst einmal Konkurrenzmodelle von Bose und Sony an, denn hier hat beyerdynamic noch Hausaufgaben zu erledigen.

Fantastisch ist die Verarbeitung der beyerdynamic, die sehr wertig wirkt. Da steht der Aventho 200 dem großen Bruder also in nichts nach. Auch hier liegt deswegen ein empfehlenswerter Over-Ear-Kopfhörer vor, der sowohl eindeutige Schwächen (ANC) als auch Stärken (Klang, Tragekomfort) mitbringt.

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beyerdynamic Aventho 300 im Test: Over-Ears mit allem, was man braucht

beyerdynamic hat seinen kabellosen Premium-Kopfhörer Aventho 300 bereits 2024 auf den Markt gebracht. Da ich euch bald auch einen Test des jüngeren Geschwistermodells Aventho 200 präsentieren möchte, habe ich die Chance genutzt, mir vorher einmal diese Over-Ears anzuhören. Denn auf dem Papier wird mit Dolby Atmos, aptX HD und natürlich adaptiver, aktiver Geräuschunterdrückung (ANC) so einiges geboten.

Dabei ist beyerdynamic ein deutscher Traditionshersteller, der allerdings gerade vom chinesischen Konzern Cosonic übernommen wird. So wirbt man dann auch für seine Aventho 300 mit einem in Deutschland gefertigten Schallwandler (Stellar.45). Mit 45 mm Durchmesser sind die Treiber etwas größer als bei vielen Konkurrenten, was aber nicht immer automatisch auch gleich für einen besseren Sound spricht. Beeindruckend klingen auch die vom Hersteller versprochenen Akkulaufzeiten von bis zu 50 Stunden mit ANC. Für immersiven Klang lässt sich das bereits erwähnte Dolby Atmos sogar mit optionalem Headtracking nutzen.

Technische Eckdaten der beyerdynamic Aventho 300

Kategorie Wert
Trageart Over-Ear
Akustische Bauweise Geschlossen
Übertragungsart Bluetooth (drahtlos), USB-C, 3,5-mm-Klinke
Bluetooth-Version 5.4
Unterstützte Bluetooth-Profile AVDTP 1.3, AVCTP 1.4, GAVDP 1.3, SPP-B 1.2, RFCOMM 1.2, A2DP 1.3.2, AVRCP 1.6.2, HFP 1.8, IOPT
Audio-Codecs SBC, AAC, aptX Lossless, aptX Adaptive, LE Audio
Frequenzbereich 5 – 22.000 Hz
Reichweite 15 m
Gewicht 319 g
Akkulaufzeit (mit ANC) Bis zu 50 Stunden
Ladeanschluss USB-C
Besondere Features Adaptives ANC, Transparenzmodus, Dolby Atmos Head Tracking, Multipoint, Trageerkennung
Treiber STELLAR.45 (Made in Germany)
Preis 299 Euro

Die beyerdynamic Aventho 300 sind ursprünglich für 399 Euro auf den Markt gekommen, ihr Preis ist aber mittlerweile auf 299 Euro gefallen. Gleichzeitig hat der Hersteller seit dem Launch auch Verbesserungen vorgenommen, etwa für die Geräuschunterdrückung. Bieten will man euch im Übrigen auch „Tragekomfort der Extraklasse“, wie die Produktseite vollmundig wirbt. Man setzt diesbezüglich auf  schräggestellte Hörerschalen, ein Kopfband aus Memory-Foam und flexible Drehgelenke aus Aluminium fürs Zusammenklappen.

Ausstattung und Verarbeitung

Der Lieferumfang der beyerdynamic Aventho 300 ist (fast) komplett vorbildlich. Die Kopfhörer liegen in einem stabilen Hardcase, in welchem sogar noch ein weiterer Tragebeutel aus Stoff liegt. Auch ein USB-C-Lade- und Verbindungskabel liegt bei. Das gilt auch für ein 3,5-mm-Klinkenkabel. Ja, ihr könnt die Over-Ears nämlich auf Wunsch auch kabelgebunden verwenden. Das geht per Klinke sogar im ausgeschalteten Zustand bzw. wenn euch einmal die Akkuladung ausgehen sollte – allerdings leidet darunter der Klang erheblich.

Die beyerdynamic Aventho 300 lassen sich auch zusammenklappen, die Aluminiumgelenke ermöglichen da tatsächlich einen sehr sanften Übergang. Generell wirken die Kopfhörer sehr stabil und hochwertig. Ich hatte allerdings bei der ersten Kopplung einige Startschwierigkeiten, denn automatisch wurden die Over-Ears von der Begleit-App nicht gefunden. Also musste ich die Kopfhörer manuell koppeln. In der App könnt ihr Dolby Atmos und das Headtracking an- und ausschalten, über einen Equalizer den Sound anpassen und natürlich Updates beziehen. Auch Sidetone lässt sich etwa für Anrufe zu- oder abschalten. Wünscht ihr die Trageerkennung nicht, könnt ihr auch diese bei Bedarf abschalten.

Das Testmuster der beyerdynamic Aventho 300 hat mir in der Farbe Schwarz vorgelegen. An der rechten Ohrmuschel sitzen dabei die USB-C- und Klinkenanschlüsse, der Powerbutton sowie eine Taste zum Wechseln zwischen ANC- und Transparenzmodus. Die Intensität der Geräuschunterdrückung lässt sich über die App stufenweise anpassen. Neben den erwähnten Tasten gibt es aber auch noch ein Touch-Bedienfeld an der Oberfläche der rechten Ohrmuschel.

Zweimaliges Antippen pausiert bzw. startet die Wiedergabe, während das Wischen nach links bzw. rechts einen Song zurück bzw. nach vorne springt. Das Wischen nach oben oder unten hebt bzw. senkt die Lautstärke. Die Bedienung funktioniert grundlegend gut, allerdings musste ich mich etwas daran gewöhnen, zumal es beim Zurechtrücken des Kopfhörers auch mal vorkommen kann, dass man aus Versehen ein Lied überspringt – ist mir im Testzeitraum zumindest ein-, zweimal passiert.

Praxistest der beyerdynamic Aventho 300

Ich habe bislang privat als Over-Ear-Kopfhörer tatsächlich den unkaputtbaren Jabra Elite 85h verwendet. Mit diesem Modell vergleiche ich daher den beyerdynamic Aventho 300 ein wenig, einfach weil ich beide Exemplare nun gut kenne. Dabei muss ich sagen, dass ich vom ANC des Aventho 300 sehr enttäuscht bin. Im Fitnessstudio schlägt er sich tatsächlich schlechter als das deutlich ältere Pendant von Jabra, was die Unterdrückung von Umgebungsgeräuschen angeht. Allerdings ist einzuwenden, dass der Elite 85h auch die deutlich bessere, passive Isolierung mitbringt. Jedenfalls ist die eher maue Geräuschunterdrückung für mich der größte Kritikpunkt des Over-Ears von beyerdynamic. Selbst auf der höchsten Stufe kommt mehr durch, als mir lieb ist.

Dafür ist der Klang tatsächlich ein Quantensprung. Der beyerdynamic Aventho 300 klingt relativ neutral, aber über den Equalizer der Begleit-App kann das natürlich jeder ganz gut für sich anpassen. Die Höhen finde ich manchmal etwas zu spitz bzw. bei aktivem ANC und hohen Lautstärken leicht klirrend. Das tritt aber eher sporadisch auf und kann durch den Equalizer gänzlich vermieden werden. Dazu muss ich sagen, dass meine noisige Musikuntermalung (Shoegaze, Dreampop) hier auch für jeden Kopfhörer einen Härtetest darstellt. In jedem Fall erlaubt der Aventho 300 eine hohe Dynamik und bietet vor allem eine sehr starke Stereo-Räumlichkeit, die ich sonst selten bei Over-Ears so deutlich wahrnehme.

Im Gesamtbild ist der Klang zwar nicht perfekt, aber sehr luftig und differenziert, was genau meinem Geschmack entspricht. Dabei könnt ihr über die Begleit-App auch Dolby Atmos zuschalten, was meines Erachtens aber wie bei den Konkurrenzmodellen eine Spielerei ist. Klar, das Head-Tracking ist beim ersten Ausprobieren ein nettes Gimmick, ich selbst würde aber nie auf die Idee kommen, dies im Alltag zu verwenden. Da lenkt es doch mehr ab, als dass Immersion entstünde.

Der beyerdynamic Aventho 300 sitzt dabei ziemlich fest auf dem Kopf, drückt aber in meinem Fall auch mit Brille bzw. beim Sport keinesfalls unangenehm. Man kann dabei die Passform gut über den Ohrbügel verstellen und die einzelnen Stufen rasten stabil ein. Die Ohrpolster umrahmen dabei ziemlich exakt meine Ohren, haben also eine gute Größe. Telefonate verliefen in meinem Testszenario glasklar und meine Gesprächspartner bescheinigten den Over-Ears bzw. ihren Mikrofonen eine gute Audioqualität. Das hat auch in herausfordernden Umgebungen, wie einer viel befahrenen Straße, gut funktioniert.

Mein Fazit

Der beyerdynamic Aventho 300 ist ein starker Over-Ear-Kopfhörer, der vor allem mit seiner räumlichen und dynamischen Stereo-Wiedergabe punktet. In Sachen Musikwiedergabe hat mir das Gebotene extrem gut gefallen. Dolby Atmos und Head-Tracking bleiben für mich auch bei diesem Modell Marketing-Gimmicks, auf die ich gerne verzichte. Schade ist, dass die aktive Geräuschunterdrückung (ANC) für mich deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt, zumal auch die passive Isolation besser sein könnte.

Neben dem starken Sound bei Musik punktet der beyerdynamic Aventho 300 aber auch bei Telefonaten mit sauberem Klang. Auch der stabile, aber komfortable Sitz weiß zu gefallen. Und Design und Verarbeitung empfinde ich als wirklich hochwertig, zumal ein robustes Case und ein zusätzlicher Stoffbeutel beiliegen. Im Gesamtbild bietet der deutsche Hersteller hier also einen immer noch sehr guten Over-Ear-Kopfhörer an, der beim Klang ganz vorne mitspielt.

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Beyerdynamic Amiron 200 im Test

Open-Ear-Kopfhörer legen seit einigen Jahren spürbar zu – und das nicht nur in puncto Beliebtheit, sondern zunehmend auch klanglich. Beyerdynamic macht mit dem neuen Amiron 200 deutlich, dass man das Segment nicht den Sportmarken überlassen will. Anders als das hauseigene Clip-on-Modell Amiron Zero Sport setzt der Amiron 200 auf klassische Ohrbügel. Der Fokus liegt dabei klar auf dem Klang – und das spürt man tatsächlich.

Design und Verarbeitung

Die Amiron 200 sehen zurückhaltend aus. Kein Logo, das sofort ins Auge springt, kein buntes Plastik. Erhältlich in Mattschwarz und Mattweiß wirken die Kopfhörer ordentlich und modern. Die ergonomischen Ohrbügel bestehen aus robustem Kunststoff, der Lautsprecher positioniert sich vor dem Gehörgang.

Mit gut zehn Gramm pro Earbud fallen die Amiron 200 etwas schwerer aus als mancher Konkurrent. Das schlägt sich bei bestimmten Ohrenformen in einem nicht ganz so festen Sitz nieder, beim Tragekomfort an sich macht sich das Gewicht aber kaum bemerkbar. Das Ladecase bringt rund 76 g auf die Waage und ist mit Abmessungen von 87 × 68 × 29 mm eines der größeren Modelle in diesem Segment. Es passt noch in die Hosentasche, trägt dort aber spürbar auf.


Die IP54-Zertifizierung schützt vor Staub und Wasserspritzern – für eine schweißtreibende Runde Joggen oder einen kurzen Schauer reicht das allemal. Schwimmen, duschen oder sie in einer Pfütze zum Verweilen ablegen – alles keine gute Idee für die Amiron 200. Verarbeitung und Haptik sind insgesamt solide.

Tragekomfort

Der Sitz ist angenehm. Die weich gummierten Ohrbügel passen sich gut an und erzeugen auch nach längerer Tragedauer keinen Druck. Beim Sport – Crosstraining, Radfahren – bleiben die Earbuds zuverlässig am Ohr. Bei sehr kleinen Ohren kann der Halt sicher etwas locker ausfallen, das sollte man vor dem Kauf im Hinterkopf behalten. Grundsätzlich gilt: Man kann die Amiron 200 problemlos den ganzen Tag tragen, ohne Beschwerden.

Bedienung und App

Gesteuert wird per Touch-Oberfläche an den Treibereinheiten. Tippen, mehrfach tippen, halten – die üblichen Gesten für Wiedergabe, Lautstärke, Spurwechsel und Anrufannahme sind alle dabei. Eine leichte Mulde hilft dabei, die Sensorfläche schnell zu finden, was in der Praxis ordentlich funktioniert. Wischgesten gibt es nicht.

Etwas nervig: Die Amiron 200 besitzen keine Trageerkennung. Musik läuft weiter, wenn man die Kopfhörer abnimmt. Fehlauslösungen der One-Touch-Geste passieren hin und wieder. Beides lässt sich über die App entschärfen – die One-Touch-Geste lässt sich deaktivieren, eine automatische Abschaltung nach einstellbaren Zeiträumen zwischen 15 und 120 Minuten ist ebenfalls konfigurierbar. Wer physische Tasten bevorzugt, wird hier aber eben nicht glücklich.

Die Beyerdynamic-App für iOS und Android ist schlicht und direkt gehalten. Ein 5-Band-Equalizer lässt den Klang individuell anpassen, fünf Genre-Presets wie Rock oder Klassik sind vorinstalliert, eigene Profile lassen sich abspeichern. Dazu kommen Firmware-Updates, Akkuanzeige und flexible Tastenbelegung – sogar für jedes Earbud separat. Was fehlt: Spatial Audio, Health-Tracking, eine Gerät-finden-Funktion oder ein personalisiertes Hörprofil. Für den Grundbedarf reicht die App, wer mehr gewohnt ist, muss Abstriche machen, trotz des einigermaßen hohen Preises.

Bluetooth und Codecs

Bluetooth 5.3 ist an Bord, Multipoint verbindet die Amiron 200 gleichzeitig mit maximal zwei Geräten. Bei den Codecs bleibt Beyerdynamic bei SBC und AAC. LDAC und aptX sind nicht dabei. Für ein offenes Design fällt das klanglich kaum ins Gewicht – aber beim Videoschauen kann die Latenz leicht auffallen.

Klang

Hier wird es richtig interessant. Der Klang der Amiron 200 ist für einen Open-Ear-Kopfhörer schlicht mega! Die Klangbühne ist weit und offen – das fühlt sich stellenweise an wie das Tragen eines guten offenen Over-Ear-Kopfhörers. Instrumente lassen sich gut auseinanderhalten, Stimmen kommen klar und direkt rüber, ohne dass der räumliche Eindruck dabei verloren geht.

Was besonders auffällt: mein Liebling, der Bass. Tiefe Frequenzen gehen bei offenen Kopfhörern durch die Bauart naturgemäß teilweise verloren – die Amiron 200 kompensieren das aber spürbar. Der Tiefton ist kräftig, präsent und durchaus druckvoll. Auch für Genres, die ein solides Fundament im Tieftonbereich brauchen, taugen die Kopfhörer gut.

Die Mitten sind ausgewogen und natürlich. Der Hochtonbereich ist scharf genug für Details, aber nicht so überspitzt, dass er nach längerer Tragedauer anstrengend wird. Das Klangbild klingt rundum super – nicht wie ein Kompromiss, den man eingeht, weil man beim Tragen der Dinger die Umgebung wahrnehmen will.

Mit dem Equalizer lässt sich noch nachsteuern. Die Profile „Bass“ oder „Loudness“ heben Tiefen und Mitten gezielt an und bringen nochmal mehr Druck – besonders für Pop und Rock eine sinnvolle Einstellung. In lauten Umgebungen verliert das offene Design bauartbedingt an Tiefe, das geht aber eben allen Open-Ear-Modellen so. Und: Bei höherer Lautstärke bekommt die Umgebung durchaus etwas mit. Wer im Großraumbüro oder Flieger sitzt, sollte das im Kopf behalten.

Telefonie

Vier Mikrofone – zwei pro Earbud – sind für Telefonate und Geräuschunterdrückung zuständig. In ruhigen Räumen klingt das gut und verständlich. In lauten Umgebungen – Straße, Bahnhof, Innenstadt – lässt die Qualität nach, Umgebungsgeräusche erzeugen einen leichten Echoeffekt. Für gelegentliche Anrufe im Alltag ist das aber akzeptabel. Wer viel draußen telefoniert und dabei auf besonders hohe Sprachqualität angewiesen ist, wird sich daran stören.

Akku

Elf Stunden Laufzeit pro Ladung verspricht der Hersteller, das kann ich so abnicken. Das Ladecase liefert zwei weitere Vollladungen, was auf insgesamt bis zu 36 Stunden hinausläuft. Für einen normalen Arbeitstag, Sport oder Reisen braucht man sich keine Gedanken zu machen. Per Quick Charge lassen sich nach zehn Minuten am USB-C-Kabel rund zwei Stunden Wiedergabezeit herausholen – praktisch, wenn es mal schnell gehen muss. Kabelloses Laden per Qi unterstützt das Case nicht. Das hätte dem Gesamtpaket gutgetan und fehlt auf diesem Preisniveau dann doch.

Fazit

Die Beyerdynamic Amiron 200 kosten 179 Euro und machen das meiste davon richtig. Klanglich gehören sie zu den überzeugendsten Open-Ear-Kopfhörern, die man derzeit kaufen kann. Dazu kommen eine starke Akkulaufzeit, ein bequemer Sitz und solide Verarbeitung.

Wer damit leben kann, dass Qi-Lading fehlt, das Case etwas klobig ausfällt und LDAC nicht an Bord ist, bekommt hier ein Paket, das überzeugt. Wer Open-Ear-Kopfhörer sucht und dabei Klangqualität über Komfortfeatures stellt, liegt mit den Amiron 200 richtig.

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Nothing Headphone (a) ausprobiert: So schlägt sich das günstigere Over-Ear-Modell

Nach den Nothing Headphone (1) im vergangenen Jahr (meinen Testbericht lest ihr hier), gibt es jetzt erstmals günstigere Over-Ear-Kopfhörer, die in der (a)-Reihe ihr Zuhause finden: die Nothing Headphone (a). Die fallen mit einem Preisschild von 159 Euro deutlich günstiger aus, als der große Bruder, der bei 299 Euro unterwegs ist.

Alles in allem fand ich die Nothing Headphone (1) ein gelungenes Stück Hardware. Punkten kann Nothing mit Tragekomfort, dem Sound sowie dem Transparenz-Modus. Ungenutztes Potenzial hat man vielmehr bei Spatial Audio liegengelassen. Und: designtechnisch war das letztjährige Modell sicherlich nicht jedermanns Sache. Grund genug, auch einen ersten Blick auf die Headphone (a) zu werfen, die dem Schwestermodell doch in einiger Hinsicht ähneln – wenn auch nicht beim Preis.

Beim (a)-Modell setzt man jetzt an diversen Stellen auf Kunststoff, anstelle von Aluminium. Bei den Bügeln oder auch den Ohrpolstern aus Memory Foam soll aber alles identisch aufgebaut sein. Auch setzt man auf eine identische Bedienung mit verschiedensten Buttons, die mir im Test der Nothing Headphone (1) durchaus zusagte. Die Membran aus Kunststoff (PET PU) ist ebenfalls 40 mm groß und setzt auf titanbeschichtete Treiber.

In Sachen aktiver Geräuschunterdrückung (ANC) will man Geräusche mit bis zu 40 dB wegblocken. Jene Unterdrückung ist zwar adaptiv, wie bei den Headphone (1), aber nicht mit Echtzeit-Anpassungen. Das ANC greift auf fünf HD-Mikrofone zurück (bei den Headphones (1) sind es sechs.) Weitere Unterscheidung: Man unterstützt Spatial Audio, allerdings statisch und somit ohne Head-Tracking-Funktion. Auch ein Transparenz-Modus ist mit von der Partie. Ebenso Algorithmen, um Nebengeräusche bei Gesprächen aus den Mikrofonen zu filtern. Die Verbindung zum Endgerät erfolgt per Bluetooth 5.4. Unterstützt wird Hi-Res Wireless-Audio dank LDAC-Unterstützung mit 24 Bits/96kHz. In Sachen Codecs stehen zudem AAC und SBC zur Verfügung.

Wenngleich auch die Nothing Headphones (a) die Zugehörigkeit zur Nothing-Familie nicht leugnen können, so fällt das Design deutlich weniger auffällig aus, als bei den Headphones (1). Die Designsprache mit transparenten Elementen ist hier ebenfalls gegeben, aber eben weitaus dezenter, beziehungsweise schlichter.

Die Verarbeitung ist Nothing-typisch gut. Es knarzt nichts und fühlt sich absolut gut an. Die Headphones (1) wirken mit ihren Aluminium-Ohrmuscheln, vor allem im Direktvergleich, aber deutlich hochwertiger. Der Kunststoff fasst sich deutlich wärmer an, als das kühle Alu. Ich für meinen Teil bin gespannt, wie sich der Kunststoff langfristig mit Kratzern schlägt.

Auch die Headphones (a) sind nicht faltbar. Die Ohrpolster lassen sich genauso klappen, Nothing liefert kein Etui mit, sondern lediglich einen Beutel – der doch arg chemisch riecht. Die zwei Euro mehr für eine Art Case wie bei den Headphones (1) wären doch sicherlich drin gewesen, oder? Es gibt zwar eine Seitentasche für Kabel, aber in den Rucksack werfen würde ich den Beutel so nicht. Kompakt zu transportieren sind die Kopfhörer nämlich eben auch nicht. Gleiches Problem wie bei den Geschwistern: Die beiden Hörmuscheln schlagen zusammen, wenn man die Kopfhörer am Kopfband hält. Nur dass hier eben nicht Alu und Alu zusammentreffen.

Der Tragekomfort beider Modelle ist identisch. Das ist toll, denn damit konnten die Headphone (1) bei mir ebenfalls punkten. Die Ohrpolster aus Memory-Foam und gehen problemlos und komplett über die Ohren. Auch das Kopfband ist gepolstert. Die Ohrpolster sind sehr weich und ich hatte keine Probleme, die Kopfhörer auch mehrere Stunden am Stück auf den Ohren zu haben – ganz ohne Druckstellen oder andere Beschwerden. Die Kopfhörer halten zuverlässig auf dem Kopf, dennoch hatte ich hin und wieder ein Gefühl des leichten Verrutschens. Für den Sportgebrauch sind die Kopfhörer nicht gemacht.

Das Gewicht fällt, in Anbetracht der geänderten Materialwahl, mit 310 Gramm durchaus üppig aus. (Zum Vergleich: Die Headphones (1) bringen 329 Gramm auf die Waage.) Das tut dem Tragekomfort aber keinen Abbruch und wirkt sich positiv auf die verbaute Akkukapazität aus. Bei der konkreten Akkulaufzeit fehlt es mir etwas an Langzeiterfahrungen, aber die Kopfhörer sind nach Tagen jeweils stundenweiser Benutzung kaum leer zu bekommen. Dauernutzer dürften da ihren Gefallen dran finden, üppiger als beim Premium-Modell fällt die Laufzeit allemal aus, wenngleich das sehr auf Nutzungsszenarien ankommt und die Verwendung des Hi-Fi-Codecs LDAC sich massiv auf die Laufzeit auswirkt.

Sehr gelungen aus meiner Sicht: die taktilen Bedienelemente. Die sagten mir schon im letztjährigen Test zu und sind hier identisch. Man verzichtet gänzlich auf Touch-Bedienelemente oder gleichartige Tasten. Jede Taste/ Tastenart hat ihre eigene Funktion, die sich problemlos und auch blind ertasten lässt.

So kann man mit dem Roller durch Drehen sehr präzise die Lautstärke steuern und diesen auch für eine weitere Funktion verwenden (Play/Pause bzw. die ANC-Modi bei langem Drücken). Das Padel erlaubt durch das Klappen in zwei Richtungen das Springen zum nächsten Titel. Zudem gibt es einen dedizierten Ein/-Ausschalter. Sprich: Drücken und halten – auf gut Glück – und so Geschichten, die andere Hersteller machen, gibt es hier nicht.

Kommen wir zum Herzstück: dem Sound der Nothing Headphones (a). Ich habe die Kopfhörer nun über diverse Stunden auf den Ohren gehabt und mit verschiedensten Geräten und Übertragungswegen (Neben Bluetooth kann man Audio-Geräte auch über Klinke oder USB-C anbinden.) Probe gehört.

Ohne Direktvergleich muss ich sagen, dass der Sound zwar differenziert, für meinen Geschmack oftmals etwas zu flach ist. Das fällt im Direktvergleich zu den Headphones (1) dann doch nochmals stärker auf. Diese würde ich tendenziell als neutraler abgestimmt beschreiben und im Direktvergleich sind bei den Headphones (a) die Höhen leider wesentlich weniger ausgeprägt. Grundsätzlich fallen die Headphones (a) basslastiger aus, wenngleich die Tiefen der Headphones (1) kraftvoller und pointierter ausfallen, etwa in den Anfangssekunden bei Opalite (Taylor Swift). Problemlos lassen sich Songs jedoch auch in hohen Lautstärken genießen.

Aktive Nebengeräusche , etwa mein 3D-Drucker, wurden beim Arbeiten sauber unterdrückt. Normale Störgeräusche, wie eine befahrene Straße oder Staubsaugerlärm ebenfalls. Mit laufender Musik bekommt man alleine durch die passive Geräuschunterdrückung nur sehr wenig von der Umgebung mit. Vor allem mit tiefen Frequenzen kommt die aktive Geräuschunterdrückung ganz gut klar. Alleine die Geräuschunterdrückung (Modus: hoch), ohne laufende Musik, reicht nicht aus, um nebebei laufende Gespräche oder auch Videokonferenzen wegzufiltern.

Das ANC ist ebenfalls dynamisch, regelt aber nicht so flott nach wie bei den Headphones (1), so das Datenblatt. In der Alltagsnutzung ist mir dahingehend aber nichts aufgefallen. Zumindest nichts, was ich in einem Blindtest zu einhundert Prozent unterscheiden könnte oder das ANC der Headphones (a) als massives Downgrade empfände. Auch der Transparenz-Modus macht wieder Laune und ist vor allem für diese Preiskategorie echt gut. Das wirkt echt als hätte man keine Kopfhörer auf den Ohren.

Ansonsten? Spatial Audio gibt es, allerdings fixiert und ohne Head-Tracking. Macht den Sound tatsächlich etwas voller, aber nichts was mich da nun wirklich überzeugt. Da hätte ich von den Headphones (1) damals auch mehr erwartet, was das Thema mit 3D-Audio-Inhalten, gerade bei Filmen, angeht. Die Audioqualität für Telefongespräche geht in Ordnung und ist durchschnittlich. Nicht besonders herausragend, aber mein Gegenüber und ich konnten uns problemlos verständigen.

Weitere Details, wie die App-Anbindung, sind fast identisch: Die Konfiguration und Anpassungen ans eigene Hörvergnügen erfolgen über die Nothing-X-App. Da kann man auch Anpassungen an den Tasten vornehmen oder weitere Einstellungen tätigen. Eine Over-Ear-Erkennung gibt es hier nicht. Die war bei den Headphones (1) in meinem Test ohnehin nicht sehr zuverlässig, und bei der Akkulaufzeit dürfte es nicht ins Gewicht fallen, falls die Kopfhörer doch mal angeschaltet bleiben.

Unterm Strich? Für 159 Euro hat Nothing hier in meinem Ersteindruck ein ordentliches Gesamtpaket geschnürt. Klar, die Abstriche zum großen Bruder merkt man, aber wer einen Allrounder mit ordentlichem Tragekomfort und hochwertiger Verarbeitung sucht. Der sollte die Nothing Headphone (a) durchaus mal in die engere Wahl nehmen.

Transparenz: In diesem Artikel sind Partnerlinks enthalten. Durch einen Klick darauf ge­lan­gt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalten wir ei­ne kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Partnerlinks haben keinerlei Einfluss auf unsere Berichterstattung.

Razer Kraken V4 Pro: Gaming-Headset mit haptischem Feedback im Test

Razer hat Ende September 2024 mit dem Kraken V4 Pro ein neues Gaming-Headset vorgestellt. Als Alleinstellungsmerkmal bietet dieses Exemplar haptisches Feedback. Das nennt der Hersteller konkret „Razer Sensa HD Haptics“. Ich habe diese Funktion einmal im Alltag auf die Probe gestellt und mir auch die sonstigen Qualitäten der Kopfhörer für euch angehört.

Das Razer Kraken V4 Pro gehört im Bereich der Gaming-Headsets zur Oberklasse, was sich auch im Preis widerspiegelt: 449,99 Euro kostet dieses Exemplar. Neben dem erwähnten Alleinstellungsmerkmal des haptischen Feedbacks bekommt ihr aber auch einen besonderen OLED Control Hub dazu. Dabei handelt es sich um eine Steuerungseinheit, die ihr mit Konsole oder PC verbindet. Das Gerät erinnert mit seinem großen Drehregler vage an analoge Verstärker. An dem Hub sitzt eben ein kleines OLED-Display, das es euch erlaubt, z. B. zwischen verschiedenen Zuspielern und Klangmodi zu wechseln.

Technische Daten der Razer Kraken V4 Pro

  • Over-Ear-Gaming-Headset mit ovalen Ohrpolstern
  • Treiber: 40 mm
  • Chroma-RGB-Beleuchtung
  • Razer Sensa HD Haptics für haptisches Feedback
  • Frequenzgang: 20 Hz – 28 kHz
  • Impedanz: 32 Ohm
  • Empfindlichkeit: 98 dBSPL / mW bei 1 kHz (HATS)
  • Ohrmuschel-Material: Kunstleder mit Ohrpolstern aus Memory-Schaumstoff
  • Verbindungsmöglichkeiten: 2,4 GHz per OLED-Control-Hubm Bluetooth 5.3, USB Typ A oder 3,5-mm-Klinkenstecker
  • Bluetooth-Codecs: AAC, SBC
  • Mikrofon: einziehbares, unidirektionales HyperClear-Super-Breitband-Mikrofon
  • Mikrofon-Frequenzgang: 100 Hz – 10 kHz
  • Akkulaufzeit: bis zu 50 Stunden
  • Weitere Besonderheiten: Virtueller Surround-Sound via THX Spatial Audio
  • Gewicht: 397 g
  • Preis 449,99 Euro

Als Begleit-App des Razer Kraken V4 Pro dient Razer Synapse 4. Das Gaming-Headset erlaubt es euch, unter Windows 10 bzw. Windows 11 auch virtuellen Surround-Sound via THX Spatial Audio zu verwenden. Das soll eben 7.1-Raumklang simulieren. Einige Spiele verfügen dafür sogar über spezielle angepasste THX-Game-Profile. Wie schon erwähnt, lassen sich die Kopfhörer aber natürlich nicht nur a, PC verwenden, sondern auch an Spielekonsolen wie der PlayStation 5 oder Nintendo Switch. Via Bluetooth 5.3 ist das Razer Kraken V4 Pro auch in Kombinationen mit mobilen Endgeräten einsetzbar.

Ausstattung und Verarbeitung

Im Lieferumfang des Razer Kraken V4 Pro findet ihr neben dem Gaming-Headset an sich noch den erwähnten OLED Control Hub, ein Kabel von USB-C auf USB-A, ein Kabel von USB-C auf USB-C, ein 3,5-mm-Audio-Kabel, eine Anleitung, ein paar Sticker sowie einen Stoffbeutel für den Transport vor. Ich persönlich hätte mir statt des Beutels angesichts des ausgerufenen Preises eher ein stabiles Case gewünscht, welches das Headset beim Transport besser schützt. Dafür machen die geflochtenen Kabel einen sehr hochwertigen Eindruck.

Zwar sind die Ohrmuscheln des Gaming-Headsets drehbar, zusammenfalten könnt ihr die Kopfhörer für den platzsparenden Transport jedoch leider nicht. Dabei sitzen ab beiden Ohrmuscheln Bedienelemente. Links findet ihr den Powerbutton, ein Lautstärkerad sowie eine Taste zur Stummschaltung des Mikrofons vor. Letzteres sitzt ebenfalls an der linken Seite und lässt sich praktisch herausziehen oder bei Nichtgebrauch komplett einfahren.

An der rechten Ohrmuschel sitzen eine Taste zur Aktivierung bzw. Deaktivierung des haptischen Feedbacks sowie ein Multifunktions-Button, der z. B. zwischen den verschiedenen Modi wechseln oder das Bluetooth-Pairing einleiten kann. Angenehm ist, dass ihr nicht nur die Größe des Ohrbügels, sondern auch den Winkel der Muscheln für mehr Ergonomie anpassen könnt. Die Polsterung des Bügels habe ich dabei als sehr angenehm empfunden. Auch die Ohrmuscheln sind gut gepolstert, aufgrund ihrer Größe solltet ihr aber aufpassen, dass sie bei euch nicht auf das Kiefergelenk drücken. Ich musste da ein wenig mehr justieren als üblich, bis ich den für mich passenden Sitz heraus hatte.

Dann wäre da besagter OLED Control Hub. Über diesen könnt ihr bis zu drei Audioquellen parallel verbunden halten – dafür gibt es zwei Ports für USB-C, einmal 3,5 mm und eben die beiden kabellosen Verbindungswege. Diese Steuerungseinheit fällt natürlich wesentlich mehr ins Auge als ein kleiner USB-Dongle, sieht aber zumindest recht schlicht und nicht nach dem typischen „Gaming-Bling-Bling“ aus. Das gesamte Konstrukt ist aus Plastik, auch der Drehknopf vorne. Anstatt des Hubs bietet das Kraken V4 Pro die obligatorische RGB-Beleuchtung an den Ohrmuscheln, die ihr auch mit anderen Chroma-Geräten von Razer synchronisieren könnt.

Insgesamt finde ich Ausstattung und Verarbeitung des Razer Kraken V4 Pro sehr gelungen. Das Headset macht optisch und haptisch einen wirklich hochwertigen Eindruck und der OLED Control Hub erleichtert die schnelle Bedienung, ohne erst in der Synapse-App wühlen zu müssen. Dass ein stabiles Tragecase fehlt, ist zwar schade, aber zu verschmerzen, da die meisten User das Gaming-Headset wohl ohnehin primär daheim nutzen werden. Schließlich gibt es für unterwegs passender Bluetooth-Kopfhörer mit höherwertigen Codecs und ANC.

Praxistest des Razer Kraken V4 Pro

Ich konnte das Razer Kraken V4 Pro mit Sensa HD Haptics schon im Rahmen eines Briefings beim Hersteller austesten, was aber nur ein Vorgeschmack gewesen ist. Zu Hause konnte ich diese Funktion beispielsweise mit den Titeln „Hitman: World of Assassination“ und „Hogwarts Legacy“ an meinem Gaming-PC testen. Beide Spiele aus meiner Sammlung sind explizit für die Funktion optimiert worden. Ihr könnt aber grundsätzlich jedes Spiel mit haptischem Feedback verwenden. Dafür konfiguriert ihr in der App Synapse 4 einfach, welcher Audio-Frequenzbereich dafür eingezogen werden soll. Razer schlägt für einige Spiele auf dieser Website auch passende Settings vor.

Ich habe dabei etwa für mich herausgefunden, dass weniger oft mehr ist. So könnt ihr nicht nur aus grundlegenden Profilen (Balanced, Controlled, Dynamic) wählen, sondern auch den Frequenzbereich und die Intensität des Feedbacks für euch abstimmen bzw. per Custom-Modus ans Werk gehen. Letzten Endes empfand ich beim Herumprobieren das Profil „Controlled“ ganz gut, im Custom-Modus mit eigenen Anpassungen lässt sich aber natürlich am meisten herausholen. Sonst nutzt sich das haptische Feedback eher ab bzw. nervt schnell, wenn es fast die ganze Zeit rumpelt. Mehr Spaß macht es dann doch, wenn z. B. nur bei größeren Explosionen oder dem Stampfen eines Monsters plötzlich bombastisch wird. Das alles funktioniert derzeit im Übrigen nur am PC in vollwertiger Form. Seid ihr also reine Konsoleros, solltet ihr bedenken, dass euch die Abstimmungen über Synapse und die Spiele-Profile nicht zur Verfügung stehen.

Glücklicherweise könnt ihr das in der App Razer Synapse 4 recht benutzerfreundlich einstellen und auch für Games einzeln in Profilen abspeichern. Hier hat man im Grunde schnell den Dreh heraus und findet einen Weg, das Feedback so zu gestalten, dass es den eigenen Ansprüchen genügt. Wenn ihr darauf mal gar keine Lust habt, könnt ihr es freilich auch ausknipsen. Zu beachten ist natürlich, dass die Vibrationen auch am Akku ziehen. Nutzt ihr z. B. eine 2,4-GHz-Verbindung, was beim Gaming aus meiner Sicht der beste Weg ist, dann kann je nach Settings nach z. B. 20 Stunden Schluss sein. Zieht ihr auch noch die RGB-Beleuchtung hinzu, dauert es maximal 13 Stunden, bis der Ofen aus ist.

Ohne Haptik und Beleuchtung landet ihr bei 2,4 GHz bei bis zu 50 Stunden. 45 Stunden sind es immerhin noch, wenn ihr 2,4 GHz und Bluetooth parallel aktiviert haltet, um z. B. bei einem Anruf schnell aus dem Spiel zum Telefonat wechseln zu können. Wo wir bei Telefonaten sind: Das herausziehbare Mikrofon erledigt einen sehr sauberen Job und ist für Sprachanrufe und Voice-Chats sehr gut geeignet. Es werkelt ja auch im bereits erhältlichen BlackShark V2 Pro und konnte da bereits viel Lob einheimsen, in das ich hier mit einstimmen kann.

Weniger vom Hocker reißen mich der virtuelle 7.1-Surround-Sound bzw. THX Spatial Audio. Allerdings sei dazu fairerweise gesagt, dass mich mit solchen Sperenzchen noch kein einziger Kopfhörer für sich gewinnen konnte. Das Ergebnis von derlei Techniken ist in meinen Ohren einfach ein differenzierter Stereo-Klang, der aber nichts mit Surround-Sound zu tun hat. Zum allgemeinen Klang: Es dienen hier Razers TriForce-Bio-Zellulose-Treiber als Basis, die für einen natürlichen und warmen Sound sorgen sollen. Ab Werk ist mir das Ganze, typisch für die meisten Gaming-Headsets, etwas zu basslastig. Das könnt ihr aber natürlich noch über die Synapse-4-App anpassen.

In der App könnt ihr auch Animationen, auch in Form eigener GIFs für den OLED Control Hub einbinden. Letzterer ist wirklich eine feine Sache, denn ich muss somit für kleinere Einstellungen nicht immer die Synapse aufrufen. Zumal man über den Drehregler, der auch als übergroßer Button dient, sehr schnell zwischen den Einstellungen wechselt. Tolle Sache, falls man etwa den Equalizer-Modus wechseln oder das haptische Feedback umstellen will.

Klar, ist das Razer Kraken V4 Pro ansonsten kein audiophiler Kopfhörer, denn man merkt dem Klangbild an, dass hier nicht Musik und Videowiedergabe, sondern Games der Fokus sind. Allerdings ist in Spielen eine exzellente Stereo-Differenzierung gegeben und das Gameplay klingt sehr wuchtig. Leidtragende sind eben grundlegend etwas die Höhen, sodass die Musikwiedergabe natürlich nicht an Allround-Bluetooth-Kopfhörern der gehobenen Klasse herankommt. Aber das werfe ich diesem Modell nicht vor, denn die Paradedisziplin ist nun einmal das Gaming – und da ist das Ergebnis fantastisch.

Letzter Einwurf zu Razer Sensa HD Haptics: In angepassten Games erhaltet ihr spezifisches Vibrations-Feedback, das z. B. perfekt zu Zaubersprüchen in „Hogwarts Legacy“ passt. Noch immersiver wird das dann, wenn ihr das Vibrations-Kissen Freyja verwendet. Dieses konnte ich bislang aber nur im Rahmen des Briefings antesten und noch nicht ausführlicher testen. Ihr könnt das haptische Feedback im Übrigen auch noch Belieben außerhalb von Spielen für Musik und Videos anlegen.

Mein Fazit

Das Gaming-Headset Razer Kraken V4 Pro klingt wirklich gut in Spielen und ermöglicht eine präzise Ortung der Gegner bei reichlich Wucht. Dieser Eindruck wird durch Sensa HD Haptics noch verstärkt, denn das Vibrations-Feedback trägt durchaus zur Immersion bei. Dass man das auch für sich fein abstimmen kann, finde ich sehr überzeugend. So macht das Haptic Feedback auch in nicht speziell durch die Entwickler optimierten Titeln Spaß. Der OLED Control Hub wiederum erleichtert die Bedienung und lässt sich dank eines langen Kabels flexibel platzieren.

Ergonomisch gibt es aus meiner Sicht bessere Gaming-Headsets, denn die recht großen Ohrmuscheln haben bei mir bei minimal verrutschtem Sitz unangenehm auf den Kieferknochen gedrückt. Das wird aber bei jedem Kopf etwas anders aussehen. Ich musste hier jedenfalls sehr auf die absolut passende Position achten. Klanglich bin ich vom Kraken V4 Pro sehr überzeugt, auch wenn es typisch für diesen Produktbereich im Bassbereich etwas zu stark zur Sache geht. Die Möglichkeit THX Spatial Audio bzw. virtuellen 7.1-Surround-Sound zu genießen, ist für manchen Leser vielleicht ebenfalls ein Mehrwert. In Spielen ist der Sound jedenfalls differenziert und kräftig.

Beachten sollten Konsolenspieler, dass ihr aus dem Razer Kraken V4 Pro eigentlich nur an einem PC mit der Begleit-App Synapse 4 das Maximum herausholen könnt. Auch an der PlayStation 5 macht das Gaming-Headset Laune, aber ich selbst wechsele regelmäßig zwischen Konsole und PC und profitiere so voll und ganz von den Stärken. Im Gesamtergebnis ist das Kraken V4 Pro ein tolles Gaming-Headset, das etwas Neues wagt. Jetzt liegt die Zukunft auch ein wenig in den Händen der Entwickler, denn sollten mehr Studios Sensa HD Haptics explizit in ihre Titel einarbeiten, wäre der Kaufanreiz natürlich noch größer. Schließlich sind die ausgerufenen 449,99 Euro kein Pappenstiel.

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