#Interview – “Wir haben rund zwölf Millionen Packungen verkauft”

#Interview

Bei Forest Gum dreht sich alles um Kaugummis. “Wir müssen uns jeden Tag mit den Big Playern der Süßwarenindustrie messen und sowohl die Verbraucher:innen als auch den Einzelhandel davon überzeugen, dass es Alternativen zum heutigen Standard gibt”, sagt Gründer Thomas Krämer.

“Wir haben rund zwölf Millionen Packungen verkauft”

Mittwoch, 18. September 2024VonAlexander Hüsing

Das Kölner Startup Forest Gum, 2019 von Thomas Krämer gegründet, setzt auf “umweltfreundlicher Kaugummis und Fruchtgummis”. Derzeit arbeiten 11 Mitarbeitende für das Unternehmen. “Unsere Produkte sind deutschlandweit in über 11.000 Filialen erhältlich. Seit 2019 haben wir rund zwölf Millionen Packungen Kaugummi verkauft und dadurch bereits über 60 Tonnen Plastik eingespart”, sagt Gründer Krämer zum Stand der Dinge bei Forest Gum.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Forest Gum außerdem über Visionen, Mentalitäten und Kontakte.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Forest Gum erklären?


Oma, du hast dein Leben lang auf Plastik gekaut. Denn herkömmliche Kaugummis werden aus Erdöl gemacht und damit aus ähnlichen Stoffen wie Autoreifen oder Plastikflaschen. Damit deine Enkel das nicht auch machen müssen, habe ich eine natürliche Alternative erfunden und ein Unternehmen gegründet. Wir verkaufen superleckere Kaugummis und mittlerweile auch Fruchtgummis, auf Plastik verzichten wir dabei. Unsere Kaugummis haben eine natürliche Kaumasse aus Chicle, einem Baumharz aus Zentralamerika. Unsere Fruchtgummis sind in einer kompostierbaren Tüte verpackt. Der weltweit ersten Verpackung für Fruchtgummis, die aus nachwachsenden Rohstoffen gemacht wird! Und Oma, weil der Wald uns so am Herzen liegt, haben wir mit dem Verkauf unserer Produkte ein 100 Hektar großes Waldstück in der Nähe von Köln zum Schutzgebiet für Bäume, Pflanzen und Tiere gemacht. Hier darf sich die Natur ganz von allein erholen, renaturieren nennt man das. Lass uns da mal spazieren gehen und ein bisschen durchatmen.

Wie hat sich Forest Gum seit der Gründung entwickelt??


Wir sind von einem kleinen Start-up aus Köln zu einem führenden Anbieter umweltfreundlicher Kaugummis und Fruchtgummis geworden. Unser Team ist mittlerweile auf elf Mitarbeiter:innen gewachsen, die alle eine Leidenschaft für Waldschutz und Plastikvermeidung teilen. Unsere Produkte sind deutschlandweit in über 11.000 Filialen erhältlich. Seit 2019 haben wir rund zwölf Millionen Packungen Kaugummi verkauft und dadurch bereits über 60 Tonnen Plastik eingespart. Zusätzlich haben wir unser „Projekt Wildwuchs“ ins Leben gerufen, mit dem wir 100 Hektar Wald schützen und renaturieren, um CO2 zu binden und die Biodiversität zu fördern.

Ihr seid in diesem Jahr bereits fünf Jahre im Markt. Was waren in all diesen Jahren die größten Herausforderungen?


Die größte Herausforderung für uns war es, in einer von Plastik dominierten Branche wie der Süßwarenindustrie nachhaltige Alternativen zu etablieren. Wir müssen uns jeden Tag mit den Big Playern der Süßwarenindustrie messen und sowohl die Verbraucher:innen als auch den Einzelhandel davon überzeugen, dass es gesündere und umweltfreundlichere Alternativen zum heutigen Standard gibt. Zudem war die Entwicklung unserer kompostierbaren Verpackung für die Fruchtgummis eine Hürde, da sie anfangs nicht mit den vorhandenen Maschinen kompatibel war. Wir mussten viel experimentieren und anpassen, um unsere Vision in die Realität umzusetzen.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?


Mein Tipp an andere Gründer:innen: Glaubt als Team fest an eure Vision und bleibt dran. Fragt euch immer mal wieder, ob ihr noch treu zu den Anfängen und eure ursprüngliche Vision seid. Insbesondere in der sonst so schnelllebigen FMCG-Branche brauchen nachhaltige Veränderungen Zeit. Die muss man einplanen und möglichst gut Kurs halten. Für mich gilt zudem: arbeitet zuerst mit eurem Team, bevor ihr externe Expertise einholt. Fragt euch regelmäßig, was euer Team braucht und wie ihr alle am besten einbeziehen könnt.

Wo steht Forest Gum in einem Jahr?


Wir haben schon große Pläne für 2025, können aber noch nicht alles verraten. Sicher ist jedoch, dass wir mit einer neuen Produktkategorie im Süßwarenregal vertreten sein werden. Wir planen, neue Sorten unserer Fruchtgummis auf den Markt zu bringen und unser Kaugummi-Angebot um weitere spannende Geschmacksrichtungen zu erweitern. Wir freuen uns schon sehr darauf, die Süßwarenbranche weiter zu revolutionieren!

Reden wir über Köln. Wenn es um Start-ups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was macht den Reiz der Startup-Szene in Köln aus?


Die Start-up-Szene in Köln mag kleiner sein als die in Berlin, aber sie ist unglaublich offen und herzlich, mit einer starken Gemeinschaft. Hier kennt man sich, ist gut vernetzt und hilft sich gegenseitig. Mit der rheinischen Mentalität kommt man schnell ins Gespräch und kann sich wertvolle Tipps und Inspiration von anderen Start-ups holen. Zudem liegt Köln geographisch sehr praktisch mit Blick auf die großen Kunden aus der Einzelhandelswelt.

Was ist in Köln einfacher als in Berlin – und umgekehrt?


In Köln lassen sich schnell neue Kontakte knüpfen. Wir sind offen, herzlich und gehen unkompliziert aufeinander zu – das ist typisch für die rheinische Mentalität. Die Leute sind gut drauf. Es gibt ein starkes Gemeinschaftsgefühl, wo man sich unter die Arme greift. Obwohl Köln eine größere Stadt ist, ist die Start-up-Szene wirklich überschaubar. Die Berliner Szene kenne ich nur von einzelnen tollen Startups und bin selbst nicht sehr oft vor Ort. Ich denke aber die große Vielfalt bringt einen enormen Vorteil und bei Events und Konferenzen gibt es super Netzwerkmöglichkeiten. Dort triffst du auf Talente und Ideen aus der ganzen Welt, was den Austausch und die Inspiration auf ein anderes Level hebt.

Zum Schluss hast Du drei Wünsche frei: Was wünscht Du Dir für den Startup-Standort Köln?


Erstens: Weiterhin tollen Support der lokalen Händler. Zweitens: Mehr Radwege. Drittens:  Aufmerksamkeit und ein bisschen Support durch die Stadt.

Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness

In unserem Themenschwerpunkt Köln werfen wir einen Blick auf das Startup-Ökosystem der Rheinmetropole. Wie sind dort die Voraussetzungen für Gründer:innen, wie sieht es mit Investitionen aus und welche Startups machen von sich reden? Mehr als 550 Startups haben Köln mittlerweile zu ihrer Basis gemacht. Mit zahlreichen potenziellen Investoren, Coworking-Spaces, Messen und Netzwerkevents bietet Köln ein spannendes Umfeld für junge Unternehmen. Diese Rubrik wird unterstützt von der KölnBusiness Wirtschaftsförderung. #Koelnbusiness auf LinkedInFacebook und Instagram.

KoelnBusiness

Foto (oben): Forest Gum

#Interview – “Lass dich nicht von kritischen Stimmen verunsichern”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Wenn meine Kinder aus der Schule kommen, ist für mich Schluss mit Arbeit. Falls ich mich dann dabei erwischen lasse, wie ich auf mein Handy schaue, erinnern sie mich daran, dass ich Feierabend habe”, sagt Kaam-in-Gründerin Baicy Terbrüggen.

“Lass dich nicht von kritischen Stimmen verunsichern”

Mittwoch, 11. September 2024VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Baicy Terbrüggen, Gründerin von Kaam-in. Das Unternehmen setzt auf “deutschsprachige Pflege-Fachkräfte aus Indien”.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Ganz klassisch mit Kaffee und einem Blick auf meine To-Do-Liste und den Kalender. Danach geht’s ans E-Mails checken und Telefonieren, bevor ich mich an das Abarbeiten der einzelnen Aufgaben mache.

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?


Spätestens wenn meine Kinder um 15 Uhr aus der Schule kommen, ist für mich Schluss mit der Arbeit. Falls ich mich dann dabei erwischen lasse, wie ich beim Spielen mit ihnen auf mein Handy schaue oder ans Telefon gehe, erinnern sie mich daran, dass ich Feierabend habe – das ist so eine Art Familienregel. Meine Kinder beherrschen diese Regel perfekt, sodass mir das Abschalten gut gelingt. Einmal die Woche versuche ich zudem, Schwimmen zu gehen – manchmal auch vormittags. Das hilft mir, den Kopf freizubekommen und einfach abzuschalten.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?


Ich hätte gerne vorher gewusst, wie vielseitig die Verantwortung als Einzelunternehmerin wirklich ist. Man kümmert sich um alles: Personal, Marketing, Steuern, Rechnungswesen, IT, Technik und Ausstattung – und das ganze bürokratische Zeug. Man weiß zwar, dass das auf einen zukommt, aber man unterschätzt, wie viel da zusammenkommt.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?


Der größte Schritt war es, überhaupt den Mut zu finden, allein in die Selbstständigkeit zu starten. Es war auch eine Herausforderung, an mein eigenes Können zu glauben und den Kundenstamm von Grund auf aufzubauen.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?


Der größte Fehler war, mit einem Neukunden in die Zusammenarbeit einzusteigen und auf Wunsch Prozesse in die Wege zu leiten, bevor der Rahmenvertrag unterschrieben war. Als der Kunde dann die Zusammenarbeit aufgrund einer internen Umstrukturierung abgesagt hat und auch nicht bereit war, die Teilrechnungen zu zahlen, wurde mir klar: Das passiert mir nicht noch einmal.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?


Oft ist es eine Frage des Bauchgefühls – auch wenn das nicht immer richtig ist. Learning by doing eben. Mir ist wichtig, dass meine Mitarbeiter:innen ihre Aufgaben mit echter Leidenschaft angehen und sich über jeden Erfolg gemeinsam mit mir freuen, wie etwa bei der Ausstellung von Visas für unsere indischen Pflegefachkräfte, die in Deutschland arbeiten und leben wollen.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Hab Vertrauen in dich selbst und den Mut, deine Ideen umzusetzen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Bleib authentisch und versprich nur das, was du auch halten kannst. Lass dich nicht von den vielen kritischen Stimmen verunsichern, die dir erzählen, dass Selbstständigkeit immer nur Stress bedeutet und du keine Zeit für deine Familie haben wirst. Halte an deiner Vision fest – der Weg ist das Ziel. Investiere in Dinge wie Personal und Systeme, die dir Zeit sparen, zum Beispiel Steuer, Lohnabrechnung, IT – nach dem Motto: Zeit ist Geld.

Ohne welches externe Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Unser HR-System. Es war mir wichtig, von Anfang an ein gutes System zu haben, um den Überblick über alle Bewerber:innen und Kunden zu behalten.

Wie sorgt Ihr bei Eurem Team für gute Stimmung?


Da wir ein internationales Team haben – Indien, Dubai, Deutschland -, haben wir wöchentliche Meetings, um alle auf dem Laufenden zu halten, uns gegenseitig zu unterstützen und auch mal über Themen abseits der Arbeit zu sprechen. Regelmäßige 1:1-Gespräche sind mir ebenfalls wichtig, um offenes Feedback zu geben und zu bekommen.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Nur sechs Monate nach der Firmengründung konnten wir durch persönliche Empfehlungen unseren ersten Kunden in Österreich gewinnen. Das war echt schnell und unerwartet. Wenige Monate später ging es dann mit diesem Kunden nach Indien, um vor Ort Castings durchzuführen. Dabei haben wir von der österreichischen Fachhochschule die Bestätigung erhalten, dass die indischen Pflegekräfte top ausgebildet und qualifiziert sind.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): Kaam-in

#Interview – “Die schlaflosen Nächte haben sich mehr als gelohnt”

Das Kölner Startup grievy hat sich der digitalen Trauerbegleitung und –unterstützung verschrieben. “Wir nehmen Trauernde in den schwersten Zeiten ihres Lebens an die Hand. Dazu haben wir grievy entwickelt. Eine vertrauenswürdige, barrierearme und sofortige digitale Lösung für den Trauerprozess”, schreibt das Team der Gründer:innen Nele Stadtbaeumer, Daniel Bachmann und Aenis Chebil zur Idee. Im Interview mit deutsche-startups.de stellt Gründerin Stadtbaeumer das Konzept hinter grievy einmal ganz ausführlich vor.

Wie würdest Du Deiner Großmutter grievy erklären?


Ich würde meiner Großmutter erklären, dass wir bei grievy Menschen nach dem Tod einer nahestehenden Person zur Seite stehen. Wenn ein geliebter Mensch verstirbt, kann es schwierig sein, die Vielzahl an Gefühlen zu verarbeiten. Man fühlt sich möglicherweise allein oder von den vielen Entscheidungen, die getroffen werden müssen, überwältigt. Wir haben verschiedene Lösungen entwickelt, die wie eine helfende Hand in der Trauer funktionieren, damit diese Person sich besser fühlt und wieder glücklicher wird. Man kann dort lernen, wie man mit seinen Gefühlen umgeht, sich mit anderen Trauernden in einem geschützten Rahmen austauschen und es gibt auch Experten, die einem zuhören und helfen. Es ist, als ob man einen guten Freund immer bei sich hat, wenn man ihn braucht.

Wie wollt Ihr Geld verdienen, also wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?


Unser Geschäftsmodell basiert auf einer SaaS-Lösung. Unsere Hauptkunden sind Bestattungshäuser, Lebensversicherungen und andere Unternehmen, die ihren eigenen Kunden die Trauerbegleitung mit grievy als zusätzlichen Service anbieten möchten. Wir bieten unterschiedliche Modelle an, die flexibel auf die spezifischen Bedürfnisse unserer Geschäftskunden zugeschnitten sind. Diese Modelle variieren je nach Anzahl der Nutzer, die auf unsere Plattform zugreifen können, sowie dem Umfang der bereitgestellten Services. Auf diese Weise können wir unseren Geschäftskunden maßgeschneiderte Lösungen anbieten, die genau auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind.

Wie ist die Idee zu grievy entstanden?


Als ich 24 Jahre alt war, verstarb mein Vater plötzlich. Ich erlebte, wie konservativ und veraltet die Bestattungsbranche damals an vielen Stellen war. Als Psychologin begann ich mich zu fragen, ob ich die Einzige war, die sich nach dem Verlust alleingelassen fühlte. Also führte ich Interviews mit über 200 Angehörigen, und die Antwort war eindeutig: Mehr als 90 % fühlten sich nach der Beisetzung allein gelassen. Da ich im Rahmen meiner Promotion eng mit dem Thema “Digital Health” gearbeitet habe, hat schlussendlich eins zum anderen geführt und grievy ist entstanden. Der Tod meines Vaters liegt nun fast sechs Jahre zurück. Seitdem hat sich in der Branche viel verändert, und in den letzten zwei Jahren haben wir uns mit grievy als fester Player und Marktführer im Bereich der digitalen Trauerbegleitung etabliert.

Wie oder wo hast Du Deinen Mitgründer:innen kennengelernt?


Daniel Bachmann (CTO) und Aenis Chebil (COO) habe ich 2020 im Rahmen eines Universitätsprojekts kennengelernt. Auf der eher schwierigen Suche nach Entwicklern wandte ich mich an die FH Aachen, die glücklicherweise gerade ein Projektseminar gestartet hatte, bei dem kleine Gruppen von Studierenden Unternehmensprojekte bearbeiten. So stand ich neben renommierten Unternehmen mit meiner Idee für grievy. Daniel und Aenis waren zwei der Studierenden, mit denen wir gemeinsam den ersten MVP entwickelt haben. Ich könnte nicht mehr Glück mit den beiden an meiner Seite haben. Wir haben uns alle über die letzten Jahre wachsen gesehen und gemeinsam jede Herausforderung als Team gemeistert. Dabei ergänzen wir uns nicht nur fachlich, sondern auch persönlich. Und von uns Dreien im Gründungsteam sind wir mittlerweile auf ein Team aus acht Personen angewachsen.

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?


Wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke, fallen mir zwei große Herausforderungen ein. Einmal, als wir am Wendepunkt standen, ob wir Finanzierung aufnehmen möchten oder bootstrapped unsere gesamte Energie in unsere Sales-Pipeline stecken. Wir haben uns damals genau an einem Scheitelpunkt befunden, wo der bootstrapped-Weg durchaus realistisch, wenn auch risikoreicher war. Jetzt, acht Monate später, bin ich stolz, dass wir uns für diesen Weg entschieden haben. Wir sind bootstrapped und können uns selber tragen. Im Zuge dieser Entscheidung kam auch eine zweite größere Herausforderung: Wenn man Sales in hoher Intensität betreibt, lernt man schnell, an welchen Stellen das Geschäftsmodell noch Schwachstellen birgt. Wir haben über die letzten Monate unser Geschäftsmodell und unser Pricing noch einmal stark optimiert, viel getestet und an unsere Kunden angepasst. Rückblickend würde ich sagen: Das Risiko und die schlaflosen Nächte haben sich mehr als gelohnt.

Es herrscht weiter leichte Krisenstimmung in der deutschen Startup-Szene. Mit welchen Erwartungen blickst Du auf die kommenden Monate?


Ich kann hier nur für uns sprechen, aber ich blicke sehr positiv auf die kommenden Monate, da wir nicht auf externe Investments angewiesen sind. Besonders in Zeiten, in denen die Finanzierungslandschaft angespannt ist, bietet der bootstrapped Ansatz viele Vorteile. Natürlich ist dieser Weg nicht für jedes Geschäftsmodell ideal, aber für uns ermöglicht er eine größere Unabhängigkeit und Flexibilität.

Wo steht grievy in einem Jahr?


In einem Jahr sehe ich grievy in einer Phase des starken Wachstums. Da wir in der DACH-Region bereits stark aufgestellt sind, planen wir aktuell unsere Schritte in Richtung Internationalisierung voranzutreiben und unsere Präsenz in weiteren Märkten auszubauen. Außerdem erweitern wir unser Produkt derzeit um einen ganzen neuen Bereich der Begleitung, um noch gezielter auf die Bedürfnisse unserer Trauernden einzugehen. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Ausbau unserer B2B-Partnerschaften, um langfristige Kooperationen zu stärken und neue gewinnbringende Partnerschaften zu erschließen. So möchten wir unsere Position als führender Anbieter im Bereich der Trauerbegleitung weiter festigen.

Reden wir über Köln. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was macht den Reiz der Startup-Szene in Köln aus?


Köln und ganz Nordrhein-Westfalen haben sich als spannende und attraktive Startup-Standorte etabliert. Was Köln für uns besonders reizvoll macht, ist zum einen die extreme Sichtbarkeit in der Startup- und Unternehmens-Szene, die wir hier als junges Unternehmen erlangen dürfen. Zum anderen bietet Köln den großen Vorteil, von der gesamten Startup-Landschaft in Nordrhein-Westfalen zu profitieren. Köln liegt im Herzen von NRW, was den Zugang zu einer Vielzahl von Ressourcen, Events und Fördermöglichkeiten in anderen Städten wie Aachen, Düsseldorf oder dem Ruhrgebiet ermöglicht. Zusätzlich ist es für uns entscheidend, dass in Köln und Umgebung eine hohe Dichte an potenziellen Kunden vorhanden ist. Dies vereinfacht den Sales-Prozess und das Partner Management erheblich und unterstützt uns dabei, unser Geschäft effektiv auszubauen. Und last but not least: es ist wahr, was man über Köln sagt. Die Stadt und die Menschen haben ganz viel Herz und man fühlt sich schnell sehr wohl.

Was ist in Köln einfacher als in Berlin – und umgekehrt?


Da wir mit grievy bisher keine Niederlassung in Berlin haben, kann ich nur spekulieren. Ich vermute Köln bietet im Vergleich zu Berlin: stärkere Sichtbarkeit, leichtere Fördermöglichkeiten und eine große Vielfalt an Unternehmens-Kunden. Andererseits denke ich, dass es in Berlin einfacher ist, wichtige Stakeholder aus der Startup-Szene kennenzulernen und wertvolle Vernetzungen zu schaffen. Die Stadt bietet zahlreiche Gelegenheiten, um Kontakte zu knüpfen und sich mit relevanten Akteuren der Branche auszutauschen. In Köln trifft man jedoch regelmäßig vertraute Gesichter.

Zum Schluss hast Du drei Wünsche frei: Was wünscht Du Dir für den Startup-Standort Köln?


Wir sind mit dem Startup-Standort Köln sehr zufrieden und haben von den vielfältigen Fördermöglichkeiten, die Köln und NRW bieten, stark profitiert. Für den Standort Köln habe ich jedoch zwei kleinere Wünsche: Erstens, eine bessere Koordination und weniger Fragmentierung der verschiedenen Startup-Programme und -Initiativen. Eine gut abgestimmte Förderlandschaft würde es uns erleichtern, schneller die passenden Ressourcen und Unterstützung zu finden und effektiver zu nutzen. Zweitens, wünsche ich mir frischen Wind bei den Netzwerkevents. Neue, wertvolle Kontakte zu knüpfen ist in der Startup-Welt schließlich immer von großer Bedeutung. Und wenn es noch ein dritter Wunsch sein soll, dann das Köln sich genauso weiterentwickelt wie bisher. Die Stadt geht in die absolut richtige Richtung, und ich hoffe, dass dieser Fortschritt auch künftig anhält!

Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness

In unserem Themenschwerpunkt Köln werfen wir einen Blick auf das Startup-Ökosystem der Rheinmetropole. Wie sind dort die Voraussetzungen für Gründer:innen, wie sieht es mit Investitionen aus und welche Startups machen von sich reden? Mehr als 550 Startups haben Köln mittlerweile zu ihrer Basis gemacht. Mit zahlreichen potenziellen Investoren, Coworking-Spaces, Messen und Netzwerkevents bietet Köln ein spannendes Umfeld für junge Unternehmen. Diese Rubrik wird unterstützt von der KölnBusiness Wirtschaftsförderung. #Koelnbusiness auf LinkedInFacebook und Instagram.

KoelnBusiness

Foto (oben): grievy

#DealMonitor – Monda sammelt 5 Millionen ein – Zive erhält 2,9 Millionen – Lucid Genomics bekommt 1,3 Millionen

#DealMonitor

#DealMonitor Monda sammelt 5 Millionen ein Zive erhält 2,9 Millionen Lucid Genomics bekommt 1,3 Millionen 468 Capital investiert in morningcrunch jobvalley übernimmt Deutschlandgeschäft von YoungCapital DHDL: nayca – topfi – ratzfatz – Zockerhelden

Monda sammelt 5 Millionen ein – Zive erhält 2,9 Millionen – Lucid Genomics bekommt 1,3 Millionen

Dienstag, 3. September 2024VonTeam

Im #DealMonitor für den 2. September werfen wir einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages in der DACH-Region. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.

#STARTUPLAND: EARLY BIRD-PHASE ENDET




Kommt mit ins Startupland! Der frühe Vogel spart nur noch kurze Zeit: Nur noch bis zum 9. September gibt es alle Startupland-Tickets zum attraktiven Sonderpreis. Nutzt die Gunst der Stunde und spart jetzt noch schnell 100 Euro. Wir sehen uns dann im November in Köln. Mehr über Startupland

INVESTMENTS

Monda


Senovo, Acrobator Ventures und Techstars. investieren 5 Millionen US-Dollar in Monda. Das Berliner Startup, von Thani Shamsi und Richard Hoffmann als Spin-off von Datarade gegründet, positioniert sich als “All-in-One-Plattform zur Datenmonetarisierung”. Das Team möchte es “jedem Unternehmen ermöglichen, seine proprietären Daten sicher zu teilen und zu monetarisieren”.

Zive


Headline investiert 2,9 Millionen Euro in Zive – siehe Business Insider. Hinter dem Startup aus Hamburg, das vom Haiilo-Macher Jan Marius Marquardt und dem langjährigen Haiilo-Mitarbeiter Piers Wermbter gegründet wurde, verbirgt sich eine KI-basierte Wissensplattform, die das Wissen in Unternehmen “automatisch organisiert”, um dieses “schnell und einfach zugänglich zu machen”. So sollen Mitarbeitende genau das finden, “was sie brauchen, wenn sie es brauchen”. Mehr über Zive

Lucid Genomics


 Caesar Ventures, B.I.F. Partners, another.vc und dem MPF Accelerator Program investieren 1,3 Millionen Euro in Lucid Genomics. Das Unternehmen aus Berlin, von Uirá Souto Melo und Hossein Moeinzadeh gegründet, setzt auf eine “B2B Software-as-a-Service Plattform, die 100%ige DNA-Analyselösungen für den Gesundheits- und Pharmasektor bietet”. Das frische Kapital “wird genutzt, um die KI-basierte Digital-HealthTech-Plattform von Lucid Genomics weiter auszubauen”. 

morningcrunch


 468 Capital, Robin Lingg und Ex-Burda-Chef Martin Weiss investieren eine ungenannte Summe in morningcrunch. Das Berliner Medien-Startup, von Paul Ostwald und Gregor Becker gegründet, setzt auf E-Mail-Briefings zum Börsengeschehen, zur Private-Equity-Branche und zu den neuesten KI-Trends. Nach eigenen Angaben verfügt das Unternehmen bereits über 50.000 Abonnentinnen und Abonnenten sowie Öffnungsraten von über 50 %.

MERGERS & ACQUISITIONS

jobvalley – YoungCapital


 Das Kölner Grownup jobvalley, das “Studierenden, Berufseinsteigern und jungen Fachkräften” hilft Jobs zu finden, übernimmt das Deutschlandgeschäft des Personaldienstleisters oungCapital. “Mit der Übernahme leitet jobvalley die nächste Phase seiner Wachstumsstrategie ein. Das Technologie-Unternehmen baut seine Position als Deutschlands größte workforce-as-a-service Plattform für Studierende und Young Professionals weiter aus. Der Kundenstamm wächst mit der Übernahme auf 3.500 Kunden, der Pool an Studierenden auf 23.000”, teilt das Unternehmen mit.

DIE HÖHLE DER LÖWEN

nayca


Sales-Löwe Carsten Maschmeyer und Venture-Capital-Löwin Janna Ensthaler investieren in der sechzehnten Staffel der VOX-Gründershow “Die Höhle der Löwen”  250.00 Euro in nayca und sichern sich dabei 20 % am Unternehmen. Das Startup aus aus München, von Carina Heidi Hader gegründet, setzt auf ein Wärmekissen gegen Regelschmerzen. Der Deal platzte nach der Show. Mehr über nayca

topfi


Regal-Löwe Ralf Dümmel investiert in der sechzehnten Staffel  der VOX-Gründershow “Die Höhle der Löwen” 100.000 Euro in topfi und sichert sich dabei 20 % am Unternehmen. Das Startup aus Sprendlingen, von Annette und Tomasz Makowski gegründet, setzt auf einen Topfdeckelhalter für Töpfe und Pfannen. Mehr über topfi

ratzfatz


Produkt-Löwe Tillman Schulz und Pharma-Löwe Nils Glagau investieren in der sechzehnten Staffel der VOX-Gründershow “Die Höhle der Löwen”  100.00 Euro in ratzfatz und sichern sich dabei 20 % am Unternehmen. Das Startup aus Berlin, von Luisa Schubert, Sarina Morawiak und Maraike Höhne gegründet, setzt auf tiefgekühlte Bio-Fertiggerichte für Kinder. Der Deal platzte nach der Show. Stattdessen investierten aber Capacura und mehrere Business Angels 500.000 Euro in ratzfatz – siehe GründerszeneMehr über ratzfatz

Zockerhelden


Familien-Löwin Dagmar Wöhrl und Sales-Löwe Carsten Maschmeyer investieren in der sechzehnten Staffel der VOX-Gründershow “Die Höhle der Löwen”  125.000 Euro in Zockerhelden und sichern sich dabei 15 % am Unternehmen. Das Startup aus Markdorf, das von der Fußballkommentator-Legende Werner Hansch und dem Rechtsanwalt Marc Ellerbrock gegründet wurde, kümmert sich darum, “Glücksspielverluste von illegalen Online-Casinos zu fairen Konditionen zurückzuholen”. Mehr über Zockerhelden

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): azrael74

#Zahlencheck – deineTorte.de wächst auch in schwierigen Zeiten weiter

#Zahlencheck

Das Kölner Back-Unternehmen deineTorte.de, 2006 gegründet, beschäftigte zuletzt bereits über 150 Mitarbeitende. Der Umsatz stieg 2022 auf rund 15 Millionen. Nachdem das Team drei Jahre lang Gewinne erwirtschaftete, stand zuletzt aber unter dem Strich wieder ein Verlust.

deineTorte.de wächst auch in schwierigen Zeiten weiter

Mittwoch, 28. August 2024VonAlexander Hüsing

Das Kölner Unternehmen deineTorte.de, eine Plattform für individuelle Torten, legt neue Unternehmenszahlen vor – und zwar den Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2022. Das Unternehmen, das seit 2020 zum Lebensmittelriesen Dr. Oetker gehört, legte demnach in Bezug auf den erzielten Umsatz “das erfolgreichste Geschäftsjahr in der Unternehmensgeschichte” hin. Der Umsatz legte dabei um rund 9,4 % zu. Eine genaue Zahl nennt das Unternehmen nicht. Im Vorjahr lag der Umsatz allerdings bei rund 13,5 Millionen.

Somit müsste das Team 2022 bei rund 14,8 Millionen Umsatz gelandet sein. Ein imposantes Ergebnis für individuelle Torten aus dem Internet. Zumal sich das Unternehmen massiven Problemen stellen musste und auch weiter stellen muss. “Da bis zur Berichtserstellung für den Krieg in der Ukraine noch kein Ende prognostiziert werden kann und da sowohl bei der Inflation als auch bei der Wirtschaftsleistung zuletzt keine signifikanten Verbesserungen eingetreten sind, gehen wir davon aus, dass sich die Rahmenbedingungen für unsere Gesellschaft in 2023 nicht wesentlich verbessern werden. Aus diesem Grund prognostizieren wir für 2023 einen gleichbleibenden oder geringfügig verringerten Umsatz im Vergleich zu 2022. Vor diesem Hintergrund werden wir in 2023 primär an unserer Kostenstruktur arbeiten und durch Preiserhöhungen die Produktmargen verbessern. Für das Jahresergebnis gehen wir auf Grund des weiterhin herausfordernden Umfelds von einer ca. 30 %igen Verbesserung im Vergleich zu 2022 aus. Insbesondere durch eine verbesserte Kostenstruktur, aber auch einem wiederum wachsenden Absatz erwarten wir ab 2024 wieder positive Jahresergebnisse.”

2022 stand unter dem Strich bei deineTorte.de ein Jahresfehlbetrag in Höhe von 824.328 Euro – nach einem Jahresüberschuss in Höhe von 327.855 Euro im Jahr zuvor. Vor allem die Personalkosten der Tortenfirma stiegen zuletzt deutlich. “Die Personalkostenquote (Personalaufwand in % von den Umsatzerlösen) hat sich insbesondere infolge eines gestiegenen Personalbestandes sowie von Lohn- und Gehaltserhöhungen um 4,6 %-Punkte auf 33,3 % erhöht”, heißt es im Jahresabschluss. Die durchschnittliche Zahl der während des Geschäftsjahres im Unternehmen beschäftigten Arbeiternehmerinnen und Mitarbeiter betrug 156 (Vorjahr: 131).

Fakten aus dem Jahresabschluss 2022

* Die InterNestor GmbH stellt in eigener Produktion am Standort Köln in handwerklicher Qualität Back- und Konditoreiwaren, im wesentlichen Torten und ähnliche Produkte, wie Cupcakes, Cake-Pops, Muffins und Kekse her und vertreibt diese über den hauseigenen Online-Shop an Endkonsumenten sowie über B2B-Mitarbeiter an Firmenkunden.


* Die Umsatzerlöse erhöhten sich im Wesentlichen infolge inflationsgetriebener Preiserhöhungen bei im Vorjahresvergleich etwa gleichbleibender Absatzmenge.


*  Die durchschnittliche Zahl der während des Geschäftsjahres im Unternehmen beschäftigten Arbeiternehmer betrug 156 (Vorjahr: 131). Die Arbeitnehmer waren in der Produktion (126) und in der Verwaltung (30) tätig.

deineTorte.de im Zahlencheck

2022: 14,8 Millionen Euro (Umsatz); 824.328 Euro (Jahresfehlbetrag)


2021
: 13,5 Millionen Euro (Umsatz); 327.855 Euro (Jahresüberschuss)


2020
: 9,5 Millionen Euro (Umsatz); 175.354 Euro (Jahresüberschuss)


2019
: 96.920 Euro (Jahresüberschuss)


2018: 307.989 Euro (Jahresfehlbetrag)


2017
: 225.647 Euro (Jahresfehlbetrag)


2016: 571.399 Euro (Jahresfehlbetrag)


2015: 137.286 Euro (Jahresfehlbetrag)


2014: 22.935 Euro (Jahresfehlbetrag)


2013: 31.497 Euro (Jahresfehlbetrag)

Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness

In unserem Themenschwerpunkt Köln werfen wir einen Blick auf das Startup-Ökosystem der Rheinmetropole. Wie sind dort die Voraussetzungen für Gründer:innen, wie sieht es mit Investitionen aus und welche Startups machen von sich reden? Mehr als 550 Startups haben Köln mittlerweile zu ihrer Basis gemacht. Mit zahlreichen potenziellen Investoren, Coworking-Spaces, Messen und Netzwerkevents bietet Köln ein spannendes Umfeld für junge Unternehmen. Diese Rubrik wird unterstützt von der KölnBusiness Wirtschaftsförderung. #Koelnbusiness auf LinkedInFacebook und Instagram.

KoelnBusiness

Foto (oben): Shutterstock

Este sitio web utiliza cookies para que usted tenga la mejor experiencia de usuario. Si continúa navegando está dando su consentimiento para la aceptación de las mencionadas cookies y la aceptación de nuestra política de cookies, pinche el enlace para mayor información.

ACEPTAR
Aviso de cookies