#Interview – “Der Stein ist erst ins Rollen gekommen”

#Interview

Wie lief es 2023 bei der Bloomwell Group? “Die Bundesregierung hat sich beim Cannabis-Gesetz nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Erst holte sie mit dem ersten Eckpunktepapier zum großen Wurf aus, dann dampfte sie das Projekt ein”, sagt Gründer Niklas Kouparanis.

“Der Stein ist erst ins Rollen gekommen”

Mittwoch, 3. Januar 2024VonTeam

Unter dem Dach der Bloomwell Group aus Frankfurt am Main, die vom Farmako-Macher Niklas Kouparanis, Anna-Sophia Kouparanis, Samuel Menghistu und Julian Wichmann gegründet wurde, tummeln sich Cannabis-Marken wie Algea Care, Breezy und Ilios-Sante. Artemis Growth Partners, Measure 8 Venture Partners, ein deutsches Family Office und Schauspieler Moritz Bleibtreu (Lammbock) investierten zuletzt “mehrere Millionen” Euro in das Unternehmen.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Bloomwell Group-Gründer Niklas Kouparanis einmal ausführlich über das kürzlich abgelaufene Jahr.

2023 ist gerade rum. Was war das Highlight im vergangenen Jahr bei Euch?


Unser Tochterunternehmen Breezy Brands hat Deutschlands ersten Cannabis-Apotheken-Marktplatz erfolgreich etabliert und im Sommer etliche neue Features gestartet. Patient:innen können in Echtzeit sehen, welche Sorten in welcher der Partnerapotheken verfügbar sind. So etwas mag zwar im eCommerce “State of the Art” sein, bei Online-Einlösen von Rezepten hat man teilweise das Gefühl noch im letzten Jahrzehnt zu sein. Grüne Brise ist deutschlandweit absoluter Pionier, was Usability, Automatisierung und Transparenz angeht. Nicht zu vergessen: Immerhin sprechen wir bei medizinischem Cannabis noch von einem Betäubungsmittel. Und bei Algea Care können Patient:innen unsere Telemedizin-Angebote inzwischen per App nutzen! Dass durch das Cannabis-Gesetz, das Anfang 2024 verabschiedet werden soll, eine Reklassifizierung stattfinden soll, ist sicherlich ein großer weiterer Meilenstein 2023. Gilt medizinisches Cannabis, wie aktuell geplant, ab 1. April 2024 nicht mehr als Betäubungsmittel, werden sich extrem viele Prozesse deutlich vereinfachen. Dann wird beispielsweise das E-Rezept möglich, was das Einlösen des Rezeptes auf Grüne Brise nochmal vereinfacht. Auch sind dann über Algea Care, Europas führender Telemedizin-Plattform für medizinisches Cannabis, persönliche Erstgespräche vor Ort nicht mehr verpflichtend. Zudem dürfte sich die Patient:innenzahl binnen eines Jahres vervielfachen, da medizinisches Cannabis, wenn es nicht mehr als Betäubungsmittel gilt, bei deutlich mehr Symptomen eingesetzt werden kann. Aktuell müssen wir viele Patient:innen leider abweisen. Nicht fehlen darf an dieser Stelle natürlich unsere Investment-Runde mit Moritz Bleibtreu und Artemis Growth Partners, einem sehr renommierten US-VC für Cannabis-Unternehmen. Dieses Vertrauen solcher Investoren war ein absoluter Ritterschlag für uns. Explizit erwähnen möchte ich dabei unsere Mitarbeitenden, ohne die all diese großartigen Leistungen nicht möglich gewesen wären.

Und was lief 2023 bei Euch überhaupt nicht rund?


Die Bundesregierung hat sich beim Cannabis-Gesetz nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Erst holte sie mit dem ersten Eckpunktepapier zum großen Wurf aus – also der Legalisierung der gesamten Wertschöpfungskette –, dann dampfte sie das Projekt auf den privaten Eigenanbau und Cannabis-Clubs sowie die Reklassifizierung ein. Dann sorgte die SPD durch mehrfache Terminverschiebung der finalen Verabschiedung des Gesetzes im Bundestag für reichlich Verwirrung. Immerhin hat die Fraktion nun bestätigt, dass der Bundestag das CanG Anfang 2024 verabschieden soll. Die Effektivität der Clubs steht aber so oder so noch in den Sternen, die großen Gewinner:innen dürften tatsächlich die Patient:innen sein. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette können Ressourcen eingespart werden, zudem vereinfacht sich für Ärztinnen und Ärzte die Verordnung von medizinischem Cannabis, sobald sie es auf einem gewöhnlichen Rx-Rezept ausstellen können. Die vielen Selbstzahler:innen unter den Cannabis-Patient:innen dürfen daher auf weiter sinkende Preise hoffen. Diese liegen übrigens für günstige Sorten jetzt weit unter den zehn Euro je Gramm, die auf dem illegalen Markt für Cannabis üblich sind. Doch zurück zur Frage: Wir haben uns bereits intensiv auf die Reklassifizierung vorbereitet. Das Hin und Her der SPD verunsichert die Industrie, Investoren und erschwert das Planen. Umso glücklicher bin ich, dass die SPD-Fraktion nun nochmal versichert hat, dass das CanG zeitnah in Kraft treten wird. Für Deutschland endet damit das Zeitalter der Prohibition, ein Paradigmenwechsel wird eingeleitet.

Welches Projekt steht bei Euch für 2024 ganz oben auf eurer Agenda?


Wie gesagt. Wir rechnen damit, dass sich die Zahl der Patient:innen binnen zwölf Monaten vervielfachen wird. Das A und O für uns ist daher Skalierbarkeit. Alle drei Portfolio-Unternehmen der Bloomwell Group müssen der rasant steigenden Nachfrage gerecht werden können: Über Algea Care werden deutlich mehr Patient:innen, teils ohne persönliches Erstgespräch, eine Cannabis-Therapie beanspruchen. Via Grüne Brise wird das Volumen der bei den Partner-Apotheken eingelösten Rezepte deutlich steigern – diese Rezepte werden dann direkt per eRezept, nicht mehr als gescanntes Dokument eingereicht. Die digitalen Prozesse dafür sind bereits angepasst. Wir sind “Ready to Launch”. Und unser Großhändler Ilios Santé muss gewährleisten, auch bei deutlich größeren Volumina zuverlässig und sicher medizinisches Cannabis importieren und liefern zu können.

Es herrscht weiter Krisenstimmung in der deutschen Startup-Szene. Mit welchen Erwartungen blickst Du auf 2024?


Um angesichts der anstehenden Reklassifizierung das Wachstum stemmen zu können, brauchen auch wir Kapital. Bis dato hat die deutsche VC-Szene Cannabis etwas stiefmütterlich behandelt. In den USA gibt es bereits auf Cannabis spezialisierte Investoren – auch weil das regulatorische Umfeld sehr anspruchsvoll ist. Ich hoffe, dass in Europa mehr VCs die sich bietende Chance ergreifen, eine komplette Industrie mit aufzubauen. Wir dürfen nicht vergessen, dass der Stein erst ins Rollen gekommen ist. In Deutschland ist seit März 2017 medizinisches Cannabis legal, mit der Reklassifizierung vervielfachen sich nun die Patientinnen und Patienten. Vor allem aber wird es langfristig nicht bei non-profit Clubs und privaten Eigenanbau bleiben. Die Bundesregierung hat das Ende der Prohibition eingeläutet – und an dessen Ende steht die vollumfänglich legalisierte Wertschöpfungskette für Cannabis als Genussmittel – nicht nur in Deutschland, sondern in vielen anderen europäischen Ländern. Diesen Markt werden die Unternehmen aufbauen, die heutzutage bereits federführend für medizinischen Cannabis sind.

Was hast Du Dir persönlich für 2024 vorgenommen?


Mich werden auch 2024 die Dinge reizen, die vorher noch keiner angepackt hat. Ihr dürft gespannt sein. Darüber hinaus kann ich versprechen, den regulatorischen Prozess weiter mit Argusaugen zu beobachten und mich öffentlich weiterhin kritisch zu Wort zu melden. Um nur ein Beispiel zu geben: Die Bundesregierung hat das erste Eckpunktepapier, das vorsah, die gesamte Wertschöpfungskette zu legalisieren, verworfen, weil es ihres Erachtens nach nicht mit dem europäischen Recht konform war. Diese Erkenntnis beruhte auf “vertraulichen Gesprächen” mit der Kommission. So eindeutig ist die Sache aber gar nicht. Viele Expert:innnen gehen davon aus, dass Deutschland die Wertschöpfungskette für Cannabis als Genussmittel im Einklang mit Völker- und Europarecht legalisieren könnte. Was einzelne Personen der Kommission denken, ist in diesem Fall zweitrangig, das letzte Wort hätte der EuGH gehabt – Ausgang offen. Selbst Mitglieder der Bundesregierung kritisieren den mangelnden Mut in den eigenen Reihen. Ich werde auch 2024 den Finger in die Wunde legen, wenn erforderlich.

Tipp: Mehr Rück- und Ausblicke findet ihr in unserem Jahresrückblick.

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Foto (oben): Leapsome, Linus Petit

#Interview – “Wir sind flexibel und können gut mit Veränderung umgehen”

#Interview

Wie lief es 2023 bei Tourlane? “Individualreisen sind die Königsdisziplin der Reiseindustrie. Es gibt viele Aspekte, die wir berücksichtigen müssen – externe Faktoren wie Streiks, Sperrungen oder Flugverspätungen können wir dabei schwer kontrollieren”, sagt Gründer Julian Weselek.

“Wir sind flexibel und können gut mit Veränderung umgehen”

Dienstag, 2. Januar 2024VonTeam

Das Berliner Travel-Startup Tourlane, das 2016 von Julian Stiefel und Julian Weselek gegründet wurde, positioniert sich als “Online-Spezialist für individuell gestaltete Urlaubsreisen”. In den vergangenen Jahren flossen bereits mehr als 100 Millionen US-Dollar in Tourlane. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründer Julian Weselek einmal ausführlich über das kürzlich abgelaufene Jahr.

2023 ist gerade rum. Was war das Highlight im vergangenen Jahr bei Euch?


In jedem unserer monatlichen Townhall-Meetings haben wir Kunden-Stories als festen Agendapunkt – das ist mein absolutes Highlight. Diese Erfahrungen mit Tourlane sind für uns wertvolles Feedback und motivieren unglaublich. Die Möglichkeit, durch Tourlane-Reisen beeindruckende Erinnerungen für so viele Menschen zu schaffen, treibt mich an!

Und was lief 2023 bei Euch überhaupt nicht rund?


Individualreisen sind die Königsdisziplin der Reiseindustrie. Es gibt so viele Aspekte, die wir berücksichtigen müssen – insbesondere externe Faktoren wie Streiks, Sperrungen oder Flugverspätungen können wir dabei schwer kontrollieren. Um für eine möglichst reibungslose Erfahrung zu sorgen und die Sicherheit der Reisenden zu gewährleisten, überwachen wir permanent ihre Routen und haben im letzten Jahr unser Warn- und Notfallsystem weiter verbessert. Außerdem setzen wir uns aktiv dafür ein, in schwierigen Situationen proaktiv zu kommunizieren. So stellen wir sicher, dass unsere Kunden sich stets gut informiert und betreut fühlen. Ein herausforderndes Ereignis in diesem Jahr war beispielsweise der fast zweiwöchige Streik der Tankwagenfahrer und des Hotel-Servicepersonals in Island im Februar. Hier haben wir frühzeitig gewarnt, proaktiv Umbuchungen angeboten und waren in ständigem Kontakt mit unseren Partnern vor Ort, um die Situation zu überwachen und unseren Kunden stets aktuelle Empfehlungen geben zu können. Wir sehen solche Situationen als Gelegenheit, um uns kontinuierlich zu verbessern und sicherzustellen, dass wir auch in Zukunft flexibel auf unvorhergesehene Umstände reagieren können. Letztendlich können wir solche Vorkommnisse nicht verhindern – also geht es vor allem darum, wie wir damit umgehen, um unseren Kunden dabei zur Seite zu stehen.

Welches Projekt steht bei Euch für 2024 ganz oben auf eurer Agenda?


Wir werden weiter in Produktverbesserungen und Servicequalität investieren – und auch wir setzen stark auf die Möglichkeiten der KI. Konkret werden wir unsere Partnerschaften mit Hotels, Fluganbietern und anderen Dienstleistern weiter digitalisieren und unseren Concierge-Service in den Zielländern weiter ausbauen. Damit haben Reisende jederzeit einen lokalen Ansprechpartner von Tourlane, der Restaurantempfehlungen gibt, sich um Reservierungen kümmert, Geheimtipps teilt und bei unerwarteten Herausforderungen schnell unterstützt. So stellen wir sicher, dass Kunden sich vor, während und nach ihrer Reise gut beraten sind.

Es herrscht weiter Krisenstimmung in der deutschen Startup-Szene. Mit welchen Erwartungen blickst Du auf 2024?


Bei Tourlane sind wir äußerst flexibel und können gut mit Veränderung umgehen. Deshalb schauen wir nicht allzu weit in die Zukunft, sondern konzentrieren uns darauf, das aktuelle Momentum optimal zu nutzen. Die Zukunft des Reisens ist individuelles Reisen und wir sehen eine hohe Nachfrage danach. Unser oberstes Ziel ist es, sicherzustellen, dass Reisende mit unserem Service so zufrieden sind, dass sie gerne wieder zu uns zurückkehren. Die Zufriedenheit unserer Kunden steht bei uns an erster Stelle.

Was hast Du Dir persönlich für 2024 vorgenommen?


Ich glaube nicht an Neujahrsvorsätze, sondern möchte jeden Tag mit dem Team ein bisschen besser werden. Im kommenden Jahr werden wir weiterhin nach dieser Mentalität handeln, und ich freue mich darauf, mit einem großartigen Team zu arbeiten. Und selbstverständlich haben meine Familie und ich bereits Urlaubspläne gemacht – 2024 wollen wir mit Tourlane nach Sri Lanka reisen.

Tipp: Mehr Rück- und Ausblicke findet ihr in unserem Jahresrückblick.

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Foto (oben): Tourlane

#Interview – “Eine Gründung ist ein ganz besonderer Moment”

#Interview

Bei Novo dreht sich alles um Energieeffizienz. Citizen Capital, 2bX, Antler und Co. investierten bereits 1 Million in das Berliner PropTech, das von Julia Wadehn und Mona Hornung gegründet wurde. Das Duo lernte sich fünf Jahre zuvor bei PaulCamper kennen.

“Eine Gründung ist ein ganz besonderer Moment”

Dienstag, 19. Dezember 2023VonAlexander Hüsing

Das Berliner PropTech Novo, 2022 von Julia Wadehn und Mona Hornung gegründet, kümmert sich um die Reduzierung von Emissionen in Eigenheimen. “Mit Novo helfen wir dabei zu verstehen, wo ein Haus heute in seiner Energieeffizienz steht, und wie man es in eine bessere energetische Zukunft bringen kann – komplett digital. Dann ist der Weg frei für energetische Sanierung”, sagt Gründerin Hornung. Citizen Capital, 2bX, Antler und ungenannte Business Angels investierten zuletzt 1 Million Euro in das Unternehmen.

“Zwei Sachen haben hier für uns gespielt. Zum einen kamen wir ja bereits aus einigen Jahren an Erfahrung im Skalieren von Tech-Startups. Aus der Zeit haben einige gespannt darauf gewartet, was wir als nächstes gemeinsam machen. Außerdem hatten wir früh die Unterstützung von Antler an unserer Seite. Und viele schauen darauf, in welche Teams so früh von ihnen investiert wird. So waren wir schon weit vor unserer Finanzierungsrunde in permanentem Austausch – auch mit einigen unserer heutigen Investoren”, sagt die Novo-Macherin zum Investment.

Im Interview mit deutsche-startups.de stellt die Jungunternehmerin Novo einmal ganz ausführlich vor.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Novo erklären?


Vereinfacht gesagt: mit Novo helfen wir dabei zu verstehen, wo ein Haus heute in seiner Energieeffizienz steht, und wie man es in eine bessere energetische Zukunft bringen kann – komplett digital. Dann ist der Weg frei für energetische Sanierung. Und wir bieten das erstmals auch für größere Bestände an. Man kann also nicht nur auf mein Haus schauen. Sondern gleich auf alle Häuser, mit denen man es zu tun hast. Vom Status quo bis zum Zukunftsszenario. Egal, ob als Bank, Energieversorger oder Kommune.

Wie oder wo hast Du Deine Mitgründerin kennengelernt?


Meine Mitgründerin Julia kannten uns tatsächlich schon aus langer Zusammenarbeit, als wir gemeinsam gründeten. Kennengelernt haben wir uns fünf Jahre zuvor bei PaulCamper. Julia war damals bereits als COO und Shareholderin an Bord – ich wurde als Beraterin auf Wachstumsthemen geholt und blieb. So haben wir über Jahre strategische Themen gemeinsam vorangebracht. Und irgendwann ist dir einfach klar: manche Zusammenarbeiten sind einfach zu gut, um sie aufzugeben. Stattdessen war klar: Wir machen etwas eigenes zusammen.

Wie ist die Idee zu Novo entstanden?


Als wir mit dem Thema gestartet sind, war in dem Feld noch vieles anders. Die hitzige Debatte über das Gebäudeenergiegesetz, die die breite Medienlandschaft eroberte, war noch nicht absehbar. Das Thema fristete eher ein Nischen-Dasein. Wir kreisten damals in unserer Arbeit rund um Themen der Energiewende und sind immer wieder verdutzt auf den Gebäudesektor zurückgekommen. Wie kann es sein, dass sich so wenig bewegt, obwohl der Gebäudesektor für 36 % aller CO2 Emissionen in der EU verantwortlich ist? Der Gedanke: “Das muss anders gehen” bleib. Und 2022 haben wir dann erstmals novo.eco gelauncht. Dass sich in dem Sektor so viel bewegt, gibt uns Recht.

Wie wollt Ihr Geld verdienen, also wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?


Wir verdienen ja bereits Geld. Fakt ist: in dem Thema der Energieeffizienz von Gebäuden gibt es einige Standardprodukte, wie den sogenannten “individuellen Sanierungsfahrplan”, die auch wir anbieten. Aber wir geben auch Überblick über größere Bestände. Das ermöglicht natürlich vielen eine Planung im eigenen Geschäft. Von den finanzierenden Banken, bis hin zu Energieversorgern. Sobald viele kommunale Wärmeplanungen fertig sind, wird dies noch dringender werden.

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?


2022 haben Julia und ich gemeinsam Novo gegründet. So eine Gründung ist ein ganz besonderer Moment, da weißt du, wo es lang geht und willst richtig Tempo machen. Gleichzeitig war mir und meiner Frau, genau wie bei Julia und ihrem Mann unabhängig voneinander klar: Das fällt zeitlich genau mit dem ersten Nachwuchs zusammen. Diesen Drang, unternehmerisch zu 120 % nach vorne zu ziehen auch in solchen Lebensphasen zu managen, ist eine Herausforderung. Aber wir erzählen gern: Es ist absolut möglich. Nachdem unsere Söhne noch im Jahr der Gründung geboren wurden, haben wir unser Kundengeschäft gestartet, Dax-Konzerne als Partner gewonnen und Investoren an Bord geholt – all das noch bevor sie ein halbes Jahr alt waren.

Ihr konntet bereits Investorengelder einsammeln. Wie seid ihr mit euren Geldgebern in Kontakt gekommen?


Wir haben im Sommer neben unseren Bestandsinvestoren Antler auch den französischen Impact VC Citizen Capital, den Urban-Tech VC 2bX und einige Angel an Bord geholt. Für uns die absolute Traumkombination. Zwei Sachen haben hier für uns gespielt. Zum einen kamen wir ja bereits aus einigen Jahren an Erfahrung im Skalieren von Tech-Startups. Aus der Zeit haben einige gespannt darauf gewartet, was wir als nächstes gemeinsam machen. Außerdem hatten wir früh die Unterstützung von Antler an unserer Seite. Und viele schauen darauf, in welche Teams so früh von ihnen investiert wird. So waren wir schon weit vor unserer Finanzierungsrunde in permanentem Austausch – auch mit einigen unserer heutigen Investoren.

Wo steht Novo in einem Jahr?


Wir denken über die Zukunft immer in zwei Aspekten nach. Zum einen: Wie können wir durch schnellere und sinnvolle Sanierungen so viel CO2 wie möglich sparen? Da verfolgen wir natürlich ambitionierte Ziele. Aber zum anderen: wie können wir Hausbesitzende so früh wie möglich darauf bringen, das Thema der Energieeffizienz anzuschauen? Unsere aktuellen Kooperationen mit großen Banken und Energieversorgern sind da wichtige Meilensteine.

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Foto (oben): Novo

#Interview – “Wie lange die Reise zum Erfolg tatsächlich ist, war mir vorher nicht klar”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Zum Start muss ich immer erst mal mich selbst überzeugen. Wenn ich zu 100 % an den Erfolg glaube, kann ich auch andere überzeugen”, plaudert Seriengründer Tino Keller aus dem Gründernähkästchen.

“Wie lange die Reise zum Erfolg tatsächlich ist, war mir vorher nicht klar”

Freitag, 15. September 2023VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet der Seriengründer Tino Keller von Accountable. Das deutsch-belgische FinTech positioniert sich als Steuer-App für Selbstständige.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Ich beginne immer mit einer Liste an top Prios für jeden Tag. Das brauche ich, um effektiv zu starten. Danach geht es in die Stand-ups. Wir haben ein Büro in Berlin und in Brüssel, daher ist die Abstimmung mit den Kollegen wichtig, um wirklich als Team zu arbeiten. Täglich teilen wir die Erfahrungen aus den verschiedenen Märkten, um voneinander zu lernen und gemeinsam zu wachsen. Seit letztem Jahr bin ich neben meiner Rolle als Co-Founder und Deutschlandchef auch für das gesamte Marketing verantwortlich. Daher versuche ich mir die Vormittage freier zu halten, um am Stück fokussiert an den verschiedenen Themen zu arbeiten. Am Nachmittag sind dann viele Meetings und Video-Calls.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?


Abzuschalten im Startup-Leben ist in der Tat schwierig. Abends Zeit mit der Familie zu verbringen, hilft mir dabei aber sehr. Die beste Methode für mich, um den Kopf freizubekommen, ist ganz klar Sport. Beim Training bin ich voll im Moment und das hat auch etwas Meditatives für mich.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?


Wie lange die Reise zum Erfolg tatsächlich ist, war mir vorher sicher nicht klar – da wäre ich im Nachhinein über einen Tipp dankbar gewesen. Gleichzeitig weiß ich heute, wie befriedigend es ist, die eigenen Ideen direkt selbst umzusetzen. Genau das motiviert dann auch wieder dranzubleiben, bis sich der Erfolg einstellt.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?


Zum Start muss ich immer erst mal mich selbst überzeugen. Wenn ich zu 100 % an den Erfolg glaube, kann ich auch andere überzeugen. Aktuell musste ich mich ganz konkret in das Thema Steuern einarbeiten – das war schon eine Hürde, aber es hat mir auch gezeigt, wie wertvoll unsere aktuelle Lösung für Selbstständige ist.


Vor der Markteinführung in Deutschland mussten wir für Accountable erst einmal SteuerberaterInnen finden, die uns als PartnerInnen auf unserer Reise begleiten. In der etablierten deutschen Steuerbranche war das anfangs gar nicht so einfach. Heute arbeiten wir mit tollen SteuerberaterInnen zusammen, die unsere Software nicht fürchten, sondern die Digitalisierung viel mehr als eine Chance sehen, sich auf ihr wesentliches Handwerk, die Beratung fokussieren zu können. Die andere große Herausforderung ist es, die Selbstständigen auch zu erreichen. Dafür müssen wir unsere Marketingkanäle sehr professionell aufstellen, um die richtigen potenziellen Nutzer und Nutzerinnen zu erreichen.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?


Bei Accountable haben wir definitiv zu spät auf Content-Marketing gesetzt. Der Fokus war zum Start stark auf dem Produkt und den Performance-Marketing-Kanälen – und das, obwohl ich vorher im Medienbereich unterwegs war. Mittlerweile investieren wir massiv in Qualitätsinhalte und sehen auch, wie sich das auszahlt. Ein anderer klassischer Fehler war die Priorisierung von Features. Hier haben wir zum Beispiel als erste Steuer-App mit viel Aufwand auch die Gewerbesteuer integriert. Im Nachhinein waren aber andere Funktionen viel entscheidender für viele NutzerInnen. Heute priorisieren wir noch klarer auf Basis von User-Feedback.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?


Ein motiviertes Team, das selbstständig Themen vorantreibt, ist für uns absolut entscheidend. Konkret hat für uns bisher LinkedIn immer gut funktioniert. Je nach Rolle sind auch andere Jobbörsen gut, z. B. das Auge für Kreative oder Deutsche Startups für typische Startup-Rollen. Daneben nutzen wir auch Netzwerke, wie zum Beispiel Factory Berlin und Mitarbeiterempfehlungen.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Dran bleiben, immer dran bleiben, beziehe so schnell wie möglich die Welt außerhalb der eigenen vier Wände ein und verliere Deine Vision dabei nicht aus den Augen. Was mir heute sehr wichtig ist, ist ein Umfeld von guten Leuten, denen ich vertraue und und von denen ich immer noch lernen kann.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Bei unserem internationalen Ansatz mit einem Team, das quasi von überall arbeitet, ist Kommunikation das A und O und somit sind Slack und Notion unsere zentralen Tools im Team.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?


Ich glaube, das gesamte Team sieht, dass wir mit Accountable an einer echten Mission arbeiten: Selbstständigen in Europa zu helfen, ihren beruflichen Traum zu verwirklichen – ohne Stress mit Steuern. Das motiviert. Daneben fokussieren wir uns sehr auf die Ergebnisse und bieten viel Flexibilität. Es kommt also nicht darauf an, von wo jemand arbeitet oder wann genau. Zusätzlich sind unsere Teamweeks ein echtes Highlight für alle, z. B. auf Kreta, in den Ardennen oder zuletzt in Ägypten.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Es ist schon etwas länger her, aber die Erfahrungen mit meiner ersten Gründung  Spickmich.de während meines Studiums war bisher der wildeste Ritt. Vor allem auf den Auftritt bei TV Total mit Stefan Raab werde ich immer noch angesprochen.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): Accountable

#Interview – “Niemand weiß wirklich, was Venture Capital oder Startup bedeutet”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Scheitern ist Teil des Prozesses. Man kann es auch positiv sehen: Als Gründer oder Gründerin kannst du so schnell Fehler machen und lernen wie in keiner anderen Position”, ist sich Jan Leise von eleQtron sicher.

“Niemand weiß wirklich, was Venture Capital oder Startup bedeutet”

Freitag, 11. August 2023VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Jan Leisse, Gründer von eleQtron. Das Unternehmen aus Siegen “entwickelt, produziert, betreibt und vermarktet Rechenzeit auf Ionenfallenbasierten Quantencomputern”.

Wie startest du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Ein guter Start in den Tag ist entscheidend für einen erfolgreichen Arbeitstag, insbesondere als Unternehmer:in oder Gründer:in. Mein perfekter Morgen sieht so aus: Früh aufstehen – 1,5 Stunden vor Arbeitsbeginn –, gesund frühstücken, Sport machen und dann den bevorstehenden Tag planen. Dafür setze ich mich mit einer Tasse Kaffee hin und überlege: Was sind heute meine Ziele und Aufgaben, welche Meetings habe ich und wo liegen meine Prioritäten? So starte ich maximal motiviert und vor allem mit klaren Zielen vor Augen in den Tag. Abends mache ich das Ganze dann rückwärts. Quasi den Tag gedanklich “aufräumen”. Natürlich funktioniert das aber nicht immer. Es gibt auch Tage, an denen ich morgens aus dem Bett falle, einmal schnell die Familie drücke, mit einer Banane in der Hand ins Auto springe, dort meinen ersten Call habe und sich das den ganzen Tag so durchzieht, bis ich abends wieder müde ins Bett falle…

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?


Ich trinke mein abendliches warmes Wasser (soll helfen bei der Regeneration!) und gehe möglichst früh schlafen. Sechs Stunden sollten immer mindestens drin sein, damit ich mich am nächsten Tag voller Energie fühle. Oder das Kontrastprogramm: Auspowern. Ich mache mindestens zweimal pro Woche Sport und gehe entweder ins Fitnessstudio, das praktischerweise direkt unter unserem Office ist, oder zum Schwimmen. Ich würde sagen, dass meine Familie auf jeden Fall “zu spüren bekommt”, dass ich gerade mit einem nicht unwesentlichen Zeit- und Energieaufwand ein Startup aufbaue. Die Wochenenden sind aber größtenteils reserviert und das brauche ich auch, um abzuschalten und auf andere Gedanken zu kommen.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?


Da fällt mir so einiges ein, aber meine größten Learnings waren bisher: 1. Scheitern ist Teil des Prozesses. Man kann es auch positiv sehen: Als Gründer oder Gründerin kannst du so schnell Fehler machen und lernen wie in keiner anderen Position. 2. Wenn sich eine Chance auftut, muss man sie nutzen. Das ist wie, wenn du mit dem Rennrad vor einem Berg stehst: Ja, da hoch wird es anstrengend, aber die Aussicht wird sicher grandios. 3. Zeitmanagement ist ziemlich wichtig. Wenn du den ganzen Tisch voll mit To-dos hast, musst du Prioritäten setzen können und dich auch mal von Aufgaben verabschieden, die keinen Sinn oder Mehrwert haben. 4. Neue Ideen zulassen – immer wieder. Nicht zu sehr auf eine Lösung festfahren, sondern immer offen für etwas komplett anderes sein. 5. Niemand weiß wirklich, was Venture Capital oder Startup bedeutet. Das hört sich erstmal cool an, aber was damit einhergeht, weißt du eigentlich erst, wenn du es machst. Entsprechend viel Aufklärungsarbeit müssen wir stemmen. 6. Kommunikation ist King. Generell immer, aber besonders wenn du ein schnell wachsendes Startup bist und so viele Themen noch in der Luft hängen. Es gibt nicht zu viel Kommunikation! Neue Personen bringen auch immer neue Impulse mit – und neue Themen ebenso. Hier gilt es,  größere Divergenzen und ein Auseinanderdriften zu minimieren. Besser man drückt zwischendurch “Reset” und setzt Dinge komplett neu auf.

Was waren die größten Fehler, die du bisher gemacht hast – und was hast du aus diesen gelernt?


So far so good – wir hatten bisher keine Riesenklatsche. Das liegt aber sicher auch daran, dass ich vieles nicht als “Fehler” verbuche, sondern eben als Learning. Klar: Es geht immer besser und daran arbeiten wir. Aber wir sind sehr zufrieden.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?


Indem man sich zuerst einmal ganz genau überlegt: Wen will ich haben? Was muss diese Person mitbringen? Und dann die Stellenanzeige entsprechend der Zielgruppe verfasst. Mit 08/15-Stellenanzeigen kommst du nicht weit. Oder es gilt: Ausprobieren und mit den richtigen Schlüsselworten arbeiten, mit den richtigen Personen, Gruppen und Themen verlinken usw. Dann: LinkedIn für Stellenanzeigen nutzen. Da geht einiges. Wir bekommen ca. 70% unserer Bewerbungen über LinkedIn und ca. 20% über unsere Webpage. Beim Bewerbungsprozess finde ich am wichtigsten, sich nicht zu verstellen, sondern einfach ehrlich und authentisch zu sein. Am Ende geht es doch vor allem darum, sich kennenzulernen und ein Gefühl dafür zu bekommen: Will ich mit dieser Person zusammenarbeiten oder nicht? Dafür zählt nicht nur das Fachliche, sondern vor allem das Persönliche. Team-Fit ist sehr wichtig!

Welchen Tipp hast du für andere Gründer:innen?


Machen! Einfach machen und immer wieder aufstehen. Immer. Wieder.

Ohne welches externe Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Alle, die mich kennen, werden nur eine Antwort erwarten: Excel.


Als wichtigeres Tool oder vielmehr Inhalt unseres Werkzeugkoffers sehe ich den Lehrstuhl für Quantenoptik der Uni Siegen. Hier hat alles angefangen – mit der jahrzehntelangen Forschungsarbeit, die meine Mitgründer Christof und Michael hier geleistet haben. Wir arbeiten immer noch eng mit dem Lehrstuhl zusammen. Aus unserer Zusammenarbeit sind nicht nur brillante Lösungen, sondern auch echte Freundschaften entstanden.

Wie sorgt Ihr bei Eurem Team für gute Stimmung?


Es wird immer, ohne Ausnahme und auch wenn es nicht schön klingt, “Happy Birthday” gesungen. Wir gehen jedes Jahr für ein paar Tage zusammen an die Ostsee zum Segeln, inklusive in Zelten oder im Schlafsaal schlafen und zusammen kochen. Das schweißt uns als Team enorm zusammen. Wir haben generell viel Spaß miteinander – auch weil wir es eben so wollen. Natürlich ist nicht immer alles Friede Freude Eierkuchen. Aber das ist okay. Wir reden offen über alles, diskutieren, räumen Fehler ein und lernen daraus.

Was war dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Da war ich leider nicht dabei, aber die EleQtron GmbH wurde an einem regnerischen Sonntag im Parkhaus gegründet. Damals galten noch Abstandsregeln. Also kamen alle Beteiligten, inklusive der Anwälte und Ansprechpartner der Banken, einfach ins Parkhaus. Ich selbst bin dann ein paar Monate später mit ins Boot gekommen, als Christof und Michael gemerkt haben, dass Physik allein noch keine Company macht.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): eleQtron

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