Die 24-jährige Madeline Lawrence hält eigentlich nichts von Kapitalismus, arbeitet aber für einen VC. Uns hat sie erklärt, warum sie und ihre Generation anders tickt.
Die VC-Investorin Madeline Lawrence denkt kritisch über das, was sie tut.
Peak Capital
In ihrer Selbstbeschreibung auf Twitter steht: Madeline Lawrence, „young & naive, making rich men richer @ Peak Capital VC“. Im Grunde, erklärt die Investorin des niederländischen VC bei einem Mittagessen in Berlin-Mitte, sei das ein bittersüßes Eingeständnis. „Natürlich kann ich mir selbst eine schöne Geschichte darüber erzählen, wie gut und sinnvoll es ist, was ich tue“, sagt sie lächelnd. „Aber ich kann die Tatsache ja nicht ignorieren, dass das alles auch einen problematischen Aspekt hat.“ Eben jenen, dass Venture Capital nun mal immer irgendwie irgendwo reiche Männer reicher macht.
Unternehmerisch lief es für Axel Hefer zuletzt gemischt. Ruhe findet er beim Lesen – das sind seine Buchtipps.
Seit Anfang 2020 ist Axel Hefer CEO des Reiseportals Trivago.
Trivago
Tagsüber Trivago-CEO, abends Aufsichtsratschef beim FC Schalke 04. Axel Hefer hat sich um gleich zwei Großunternehmen zu kümmern. Vor allem für Trivago lief es in den vergangenen Jahren dabei alles andere als gut. Die Corona-Pandemie hat dem Geschäft der börsennotierten Düsseldorfer Hotel-Suchmaschine schwer zugesetzt. Zeitweise sollen die Verluste die Umsätze überstiegen haben. Der Aktienkurs spiegelt das eindrücklich wider: Bei rund 1,40 Euro dümpelt das Papier derzeit herum. Auf die zurückliegenden fünf Jahre gerechnet steht ein Kursrückgang von gut 90 Prozent zu Buche.
Hefer gibt sich im Gespräch mit Gründerszene jedoch gelassen. „Von uns werden relativ wenig Aktien an der Börse gehandelt, von daher ist die Aussagekraft des Kurses eher gering“, sagt der 45-Jährige. Und auch sonst zeigt sich der Manager für den künftigen Geschäftsverlauf von Trivago optimistisch. Zwar zögen die Preise etwa für Hotels wegen Inflation und der hohen Nachfrage an. „Für ein Unternehmen, das Preisvergleiche ermöglicht, ist das aber natürlich eine positive Sache“, so Hefer. Er geht davon aus, dass sich die Mehrkosten für Hotels und Flüge nicht auf die Gesamtnachfrage auswirken.
Wenn Familienvater Hefer sich nicht um sein Unternehmen oder den Fußballverein kümmern muss, dann liest er. Gern sogar, wie er sagt. Gründerszene wollte daher wissen, welche Bücher ihn zuletzt beeindruckt haben. Hier die Liste:
Speed & Scale: An Action Plan for Solving Our Climate Crisis Now (John Doerr)
Klimakrise – für viele Menschen klingt das abstrakt. So abstrakt, dass auch konkrete Handlungsmaßnahmen oft vage bleiben. Hier setzt das Buch von John Doerr an. Auf knapp 450 Seiten bricht der renommierte Investor aus dem Silicon Valley (Kleiner Perkins) die für das 1,5-Grad-Ziel benötigten Gesamteinsparungen an CO2 auf konkrete Einzelmaßnahmen herunter. „Vergleichbar mit OKRs in Unternehmen“, wie Hefer erklärt. Dadurch werde den Leserinnen und Lesern Hoffnung vermittelt, dass die Klimakatastrophe tatsächlich noch abgewendet werden kann.
Matchplan: Die neue Fußballmatrix (Christoph Biermann)
Noch vor einigen Jahren wurden junge „Laptop-Trainer“ wie der heutige Bayern-Coach Julian Nagelsmann belächelt – inzwischen hat sich ihre datengetriebene Arbeitsweise in vielen Proficlubs durchgesetzt. Glück und Pech im Fußball kann berechnet, die Leistung von Spielern besser analysiert werden. Im besten Fall finden Trainer so heraus, was wirklich zum Sieg führt. Der Sportjournalist Christoph Biermann macht genau das in seinem Buch zum Thema. Für Schalke-Aufsichtsrat Axel Hefer eine Empfehlung: „Eine gut zu lesende Einführung in die Entwicklungen des modernen Fußballs und die Nutzung von Daten im Sport.“
Stillness is the key: An Ancient Strategy for Modern Life (Ryan Holiday)
Wie vermeide ich Ablenkung? Wie treffe ich instinktiv richtige Entscheidungen? Diesen Fragen geht der New-York-Times-Bestseller-Autor Ryan Holiday auf knapp 300 Seiten nach. Für Trivago-Chef Axel Hefer offenbar eine echte Hilfe in seinem Unternehmerleben: „Das Buch nutzt historische Beispiele, um die Wichtigkeit der inneren Ruhe, insbesondere im heutigen hektischen Alltag aufzuzeigen.“
Nur wenige Monate nach der Insolvenzanmeldung einigte sich die Coworking-Firma mit ihren Gläubigern auf einen Deal. Madeleine von Mohl über die härteste Zeit ihres Lebens.
Madeleine Gummer von Mohl (40) hat das Betahaus vor 12 Jahren mitgegründet und leitet es mit ihren zwei Co-Gründern bis heute.
Taylor Record
Am 28. Dezember 2021 um 13 Uhr, an einem Tag, an dem die meisten Menschen noch auf der Couch lagen und sich vom reichhaltigen Weihnachtsessen erholten, hatten die Gründer des Betahaus einen Termin im Berliner Amtsgericht zusammen. Hier würde über die Zukunft des Coworking-Space-Anbieters entschieden.
Christian Lindner will Mitarbeiterbeteiligungen „deutlich verbessern“ – Szene elektrisiert
Die spanische Regierung ist gerade dabei, eine Startup-Reform zu verabschieden. Das spornt auch den neu ernannten Bundesfinanzminister an – vor allem beim Thema Mitarbeiterbeteiligung.
Finanzminister Christian Lindner will Deutschland zum Startup-Standort machen.Pool / Getty Images
Seit Juli gelten in Deutschland neue Regeln bei der Mitarbeiterbeteiligung. Über ein halbes Jahr lang haben der damalige Finanzminister Olaf Scholz (SPD), Ex-Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und die Startup-Szene diskutiert. Das Resultat: ernüchternd. Aus der Szene hagelte es Kritik, die Reform sei realitätsfremd und gehe an den Bedürfnissen der Startups vorbei.
FDP-Chef Christian Lindner will nun als neu ernannter Finanzminister eine Reform der Reform erwirken. Er habe sich vergangene Woche mit der Wirtschaftsministerin aus Spanien, Nadia Calvino, über das Thema Startup-Politik ausgetauscht, schreibt Lindner in den sozialen Netzwerken. „Wir waren in vielen Punkten einer Meinung. Auch in Deutschland werde ich zum Beispiel die #Mitarbeiterkapitalbeteiligung im Vergleich zum Status quo deutlich verbessern.“
Die spanische Regierung hat am Freitag einen Gesetzesentwurf verabschiedet, der das Land attraktiver für die Gründerszene machen soll. Dazu gehören Steuererleichterungen, Visa-Anträge im Schnellverfahren und Online-Gründungen innerhalb von sechs Stunden. Der deutsche Finanzminister scheint aber besonders von den Änderungen beim Mitarbeiterbeteiligungsprogramm – auch Employee stock options plan (ESOP) – angetan. Spanien will demnach den jährlichen Steuerfreibetrag von 12.000 Euro auf 50.000 Euro anheben. Neu wäre auch, dass die Steuerzahlungen erst mit einem Exit oder IPO fällig sind – aber spätestens nach zehn Jahren. Ähnlich wie in Deutschland muss nun das Parlament in einem nächsten Schritt über den Entwurf abstimmen.
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Der Steuerfreibetrag liegt in Deutschland bei jährlich 1440 Euro – viel zu niedrig, sagen Kritiker. Vor der Reform waren es sogar nur 360 Euro. Ähnlich wie in Spanien müssen Arbeitnehmer ihre Aktienoptionen nach spätestens zehn Jahren oder bei einem Arbeitgeberwechsel versteuern. Viele Startups weichen deshalb auch weiterhin auf virtuelle Beteiligungsprogramme aus, darin werden die Anteile pro Mitarbeiter zunächst nur im Computer vorgemerkt.
FDP will Steuerfreibetrag um weitere 1000 Euro erhöhen
Was Finanzminister Lindner konkret ändern möchte, darauf geht er nicht weiter ein. „Die Mitarbeiterkapitalbeteiligung werden wir attraktiver machen, unter anderem durch eine weitere Anhebung des Steuerfreibetrags“, heißt es lediglich im Koalitionsvertrag. Details nennen die Regierungsparteien SPD, Grüne und FDP nicht. In ihrem Wahlprogramm forderte Lindners FDP zusätzliche 1000 Euro Steuerfreibetrag. Obendrein soll die Zahlung erst beim Exit oder dem Börsengang erfolgen.
In den sozialen Netzwerken sprachen sich Vertreter der Startup-Szene für Christian Lindners Tatendrang aus. Unter seinen Beiträgen auf Linkedin und Twitter gratulierten zahlreiche Personen dem Finanzminister zu seinem Entschluss. „DAS ist ein großartiges Statement – wir freuen uns sehr über diese klare Ansage“, schreibt etwa Christian Miele, Investor und Chef des Deutschen Startup-Verbands. „Das größte Hindernis für deutsche Tech-Unternehmen ist der Zugang zu Talenten. Mitarbeiteraktienoptionen zu reformieren, wird ein Game-Changer sein und Mitarbeitern einen größeren Anreiz geben, in einem Startup zu arbeiten“, heißt es etwa von Getyourguide-Mitgründer und Business Angel Johannes Reck.
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Berlin gilt als Deutschlands Startup-Hochburg. Eine Studie zeigt allerdings, dass der Gründergeist woanders am höchsten ist: in einer sächsischen Grenzstadt.
Erkannt, welche Stadt hier zu sehen ist? Es ist Görlitz. Die Sachsen laufen Berlin bei Neugründungen den Rang ab.
Franz Meinelt / EyeEm / Getty Images
Den Sachsen sagt man historisch nach, dass sie tüchtig und besonders unternehmerisch sind – manche halten sie auch für aufmüpfig. Eine Statistik scheint den Drang zum Unternehmerischen jetzt zu bestätigen. Unter den Zentren der deutschen Gründerkultur findet sich eine Region, die viele dort wohl nicht vermutet hätten: Görlitz.
Dort im östlichen Landkreis Sachsens haben sich so viele Menschen im Erwerbsalter für eine Existenzgründung entschieden wie kaum irgendwo sonst in der Republik. Der Name der Gebietskörperschaft an der Grenze zu Polen taucht jetzt im Ranking der dynamischsten Gründungszentren ganz oben auf.
Nach einer Auswertung des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn weisen nur zwei andere Orte in Deutschland mehr Existenzgründungen je 10.000 Einwohner (im erwerbsfähigen Alter) auf, nämlich die Stadt Leverkusen und der Landkreis Marburg-Biedenkopf in Hessen. Das IfM hat die Entwicklung in allen 401 Landkreisen und Städten ausgewertet und eine Karte zunehmender und abnehmender Gründungsdynamik erstellt.
Existenzgründungen sind in Deutschland auf dem Rückzug
Generell ist die unternehmerische und selbstständige Lebensform in Deutschland seit Jahren auf dem Rückzug. Verzeichneten die Statistiker Anfang des Jahrhunderts noch mehr als 500.000 Existenzgründungen, so trafen 2019, im letzten Jahr vor Corona, nur noch 266.000 Menschen die Entscheidung für einen eigenen Betrieb.
„Wir beobachten, dass die Gründungsaktivität im gewerblichen Bereich seit Jahren sinkt“, sagt Rosemarie Kay, Studienleiterin und stellvertretende Geschäftsführerin des IfM Bonn. Dieser Trend kontrastiert mit der Bedeutung schnell wachsender Startups für die deutsche Wirtschaft, ist jedoch stark ausgeprägt.
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Für den generellen Rückgang der Gründungsneigung machen die Forscher eine Kombination von Faktoren verantwortlich. Da ist zum einen die Besserung der Situation am deutschen Jobmarkt. Vor 20 Jahren lag die Arbeitslosenquote hierzulande noch über neun Prozent, rund vier Millionen Bundesbürger waren auf Stellensuche. Die Alternative einer Existenzgründung war viel naheliegender als heute, da immer mehr Branchen von einem Fachkräftemangel reden und um Mitarbeiter werben.
Aber auch die Alterung spielt eine Rolle. Ältere Menschen neigen in der Regel weniger dazu, das Risiko einer Existenzgründung einzugehen. Je mehr sich das Durchschnittsalter in Deutschland nach oben verschiebt, desto weniger Gründungen sind zu erwarten. Die Wiedereinführung der Meisterpflicht in einzelnen Gewerken und zuletzt die Corona-Pandemie haben die Dynamik weiter gedämpft, auch wenn sich im ersten Halbjahr 2021 zumindest kurzfristig ein Gegentrend abzeichnete. Im Schnitt gibt es seit zwei Dekaden Jahr für Jahr vier Prozent weniger Gründungen.
In diesen Regionen gibt es mehr Gründungen
Die Wissenschaftler richteten ihren Blick vor allem auf Kreise und Städte, in denen die Gründungsneigung nicht zurückgegangen, sondern gestiegen ist. „In fünf Regionen lässt sich eine positive Entwicklung beobachten: In den Landkreisen Görlitz, Marburg-Biedenkopf und Teltow-Fläming sowie in den Städten Leverkusen und Mülheim an der Ruhr“, berichtet Kay.
In rund 40 Prozent der Kreise hat sich die Gründungsintensität besser entwickelt als im bundesweiten Durchschnitt. Das gute Abschneiden von Görlitz überrascht dabei besonders, ist das Durchschnittsalter dort mit 49,5 Jahren eines der höchsten in der Republik. Allerdings gibt sich die Stadt an der Neiße in vieler Hinsicht innovativ. So konnten Menschen 2019 und 2020 im Rahmen des Projekts „Stadt auf Probe“ für sich herausfinden, ob Görlitz für sie als Wohn- und Arbeitsort, aber auch als Wirtschaftsstandort infrage kommt.
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„Das Projekt richtete sich vor allem an Personen, die ortsungebunden arbeiten können, zum Beispiel Selbstständige und Freischaffende. Für ihren Aufenthalt konnten sie kostenfrei Wohnungen und Arbeitsräume nutzen“, heißt es bei der Stadt.
Keine Überraschung ist dagegen die Zunahme der Gründungen rund um die Metropole Berlin. Die Hauptstadt selbst steht für eine Vielzahl von Startups und anderen Gründungen, viele davon im Dienstleistungsbereich, Industrie spielt hier keine große Rolle. Nach Berechnungen der KfW haben an der Spree zuletzt 181 von 10.000 Erwerbsfähigen jährlich eine selbstständige Tätigkeit begonnen. Als Bundesland steht Berlin damit an der Spitze. Zum Vergleich: Im zweitplatzierten Bundesland Hamburg waren es 129, im dritten Stadtstaat Bremen allerdings nur 41.
Brandenburg profitiert von Startup-Metropole Berlin
Die Dynamik in Berlin reißt auch das Umland mit, was allerdings auch damit zu tun haben dürfte, dass die Hauptstadt vielen Gründern zu teuer geworden ist. „Die überdurchschnittliche Gründungstätigkeit in Berlin hat in den letzten Jahren auf die Peripherie ausgestrahlt, wovon Brandenburg direkt profitiert hat“, sagt KfW-Ökonom Georg Metzger.
Da Brandenburg eine relativ geringe Bevölkerung von nur 2,5 Millionen Menschen hat, kommt jeder Gründung hier statistisch ein hohes Gewicht zu. So war Brandenburg im KfW-Ranking zwischenzeitlich sogar auf den zweiten Platz nach Berlin gestiegen, ist dann in der Corona-Zeit aber wieder auf Platz fünf zurückgefallen.
Das aktuell bestplatzierte Flächenland im KfW-Gründungsmonitor ist Schleswig-Holstein, das mit 120 Gründungen auf Platz drei liegt und von der geografischen Nähe zu Hamburg profitieren dürfte. Platz vier belegt Bayern mit 109 Gründungen je 10.000 Erwerbsfähige.
Prinzipiell haben große Städte aus Sicht von Existenzgründern einige Standortvorteile gegenüber dem flachen Land, zumal wenn es sich nicht um einen produzierenden Betrieb handelt. „Gründungstätigkeit in Ballungsräumen sind durch kurze Wege sowie eine hohe Personen- und Unternehmensdichte gekennzeichnet“, erklärt Metzger. Das mache sich vor allem in den Bereichen Dienstleistungen und Handel bemerkbar. Und genau in diesen Sektoren sei die Selbstständigkeit als Erwerbsform stärker verbreitet.
Startup-Ausrichtung hängt stark von Region ab
In welcher Branche die Gründer aktiv sind, hängt oft von der jeweiligen Wirtschaftsstruktur der Region ab. So wird die Gründungstätigkeit in Hamburg und Berlin stark von der Medien- und der IT-Branche mit ihren hohen Anteilen von freiberuflichen Gründern gespeist. „Eine industrielle Prägung geht dagegen eher mit einer geringeren Gründungstätigkeit einher: Großbetriebe haben typischerweise attraktive Arbeitsplätze zu bieten, die auch für potenzielle Gründer interessant sind“, sagt Metzger.
Allerdings gibt es Ausnahmen. Gerade ein technologischer Umbruch im verarbeitenden Gewerbe wie Dekarbonisierung und Elektromobilität kann dazu führen, dass in einer scheinbar etablierten Industrie plötzlich Arbeitsplätze unsicher werden und Spezialisten doch daran denken, ihr eigenes Ding zu machen.
So ist der Gründungs-Champion Leverkusen als Chemie-Standort bekannt, in der nordrhein-westfälischen Stadt hat unter anderem der Dax-Konzern Bayer seinen Sitz. Dazu kommen – häufig mittelständische – Autozulieferbetriebe, Kunststoff- und Metallverarbeiter. Viele dieser Geschäftsmodelle sind direkt vom technologischen Umbruch betroffen, der sich aus dem Primat des Klimaschutzes ergibt.
Die 164.000-Einwohner-Stadt selbst wirbt damit, dass sich um das produzierende Gewerbe herum „eine gut vernetzte Struktur aus Firmen gebildet, die insbesondere unternehmensnahe Dienstleistungen anbieten“. Der Standort sei einer attraktivsten in Deutschland, sagen die Leverkusener und berufen sich auf eine Studie der Beratungsgesellschaft Contor.
Weniger Existenzgründungen in Ostdeutschland
Dort, wo ein solches mittelständisches Netzwerk fehlt, wo es keine kurzen Wege, und auch kein enges Zusammenspiel von Fachkräften, Behörden und Institutionen gibt, haben es Gründer besonders schwer. Das erklärt, warum die ländlichen Gebiete der ostdeutschen Länder sich ganz unten im Ranking wiederfinden.
Die wenigsten Existenzgründungen verzeichnen die Statistiker in Thüringen, und zwar im Kyffhäuserkreis, im Wartburgkreis und in Sonneberg Thüringen. Pro 10.000 Erwerbsfähigen gibt es dort nur 23 bis 25 Neugründungen im Jahr, etwa ein Fünftel dessen, was Leverkusen oder Görlitz verzeichnen. „In diesen Regionen belastet eine im Durchschnitt geringere Kaufkraft die Gründungstätigkeit“, merkt KfW-Ökonom Metzger an. Aber auch die ältere Bevölkerung wirkt dämpfend. Der Kyffhäuserkreis und Sonneberg gehören zu den Regionen mit dem höchsten Durchschnittsalter der Bevölkerung.
„Die Gründungsneigung nimmt in der Regel mit dem Alter ab“, heißt in dem KfW-Bericht. Im sächsischen Görlitz hat das aber nichts daran geändert, dass dort die Dynamik hoch ist. Die Demografie scheint also nicht das letzte Wort zu sprechen, wenn es um Selbstständigkeit und unternehmerische Lebensform geht.
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