#Interview – “Wir dachten, chronische Patienten rennen uns die Bude ein”

#Interview

Das Health-Unternehmen MedKitDoc setzt auf medizinische Fernbehandlungen. “Wir sind stark gewachsen, da wir mit der gerätegestützten Fernbehandlung scheinbar echt einen Nerv in der Pflegebranche getroffen haben”, sagt MedKitDoc-Macher Jan Koolen.

“Wir dachten, chronische Patienten rennen uns die Bude ein”

Dienstag, 24. September 2024VonAlexander Hüsing

Mit MedKitDoc aus Hann. Münden, 2020 von Benjamin Gutermann gegründet, können Patientinnen und Patienten sich nicht nur via Videokonferenz mit einem Arzt austauschen, sondern auch mittels ausgesuchter Geräte untersuchen lassen. Vorwerk Ventures und Acton Capital investieren gemeinsam mit den Altinvestoren Picus Capital und den FlixBus-Gründern zuletzt 7 Millionen Euro in MedKitDoc. Derzeit wirken rund 20 Mitarbeitende für das Unternehmen.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht MedKitDoc-Macher Koolen über einen gescheiterten Pivot, Frühchen und Rückenwind.

Wie würdest Du Deiner Großmutter MedKitDoc erklären?


Nichts fürchten ältere Menschen mehr, als ins Krankenhaus zu müssen. Das weiß ich aus Erfahrung mit meiner eigenen Oma. Wenn sich bei einer Bewohnerin eines Pflegeheims plötzlich der Zustand verschlechtert, bleibt der Pflegekraft meist nichts anderes übrig, als den Krankenwagen zu rufen. Das ist leider Alltag. Denn es fehlen Ärzte, vor allem auf dem Land, die regelmäßig insbesondere chronisch kranke Patienten untersuchen oder im Akutfall helfen können. Weiterhin führt der demographische Wandel in Deutschland neben dem Ärztemangel zu einer dramatisch ansteigenden Zahl von pflegebedürftigen Patienten. Bis zum Jahr 2050 wird sich die Anzahl der Pflegebedürftigen in Deutschland verdoppeln. Genau da setzen wir an: Mit uns können Ärzte aus der Ferne behandeln ohne auf die gewohnte Diagnostik durch Stethoskop und Co. verzichten zu müssen. Dazu liegt im Pflegeheim eines unserer MedKits bereit – ein digitaler Arztkoffer mit allen gängigen medizinischen Geräten wie Stethoskop, Blutdruckmessung usw. Die Pflegerin legt die Geräte an den Patienten an, der Arzt schaltet sich per Video auf das Tablet. Unsere Geräte senden nun live via Bluetooth über unsere App die Vitaldaten an den Arzt und werden für beide Seiten einsehbar gespeichert. Er hat sofort alles im Blick und kann direkt beraten. So wird aus einer Video-Sprechstunde eine echte Fernbehandlung.

War dies von Anfang an euer Konzept oder hat es sich seit dem Start irgendwie verändert?


Wir haben im Jahr 2022 einen B2C-Pivot probiert: Medizinische Geräte zu Hause inklusive App, die dich mit deinem Hausarzt verbindet, während du auf der Couch bleibst und untersucht wirst. Wir dachten, vor allem chronische Patienten rennen uns die Bude ein. Das Interesse war grundsätzlich schon da, aber wir haben damals festgestellt, wie gering die Zahlungsbereitschaft von Privatkunden für medizinische Leistungen in Deutschland ist. Außerdem erschienen uns die sogenannte Customer Acquisition Costs (CAC) deutlich zu hoch für ein nachhaltiges Geschäftsmodell. Wir haben uns dann wieder auf unsere Kernkompetenz zurück besonnen und fokussieren uns wieder auf den B2B Pflege Markt und die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). Klingt jetzt voll nach Sales, es ist aber so: Dank unserer Lösung schaffen wir eine Win-Win-Win-Lösung: Der Arzt bleibt in seiner Praxis, die Pflegekraft am Arbeitsplatz, die Patienten in ihrer gewohnten Umgebung im Heim. Eigentlich fehlt noch ein Win: Der Rettungswagen muss auch nicht so häufig gerufen werden. Das spart massiv Kosten und Zeit.

Wie hat sich MedKitDoc seit der Gründung entwickelt?


Wir sind seit etwa vier Jahren am Markt. In der Zeit sind wir stark gewachsen, da wir mit der gerätegestützten Fernbehandlung scheinbar echt einen Nerv in der Pflegebranche getroffen haben. Unser Gründer Ben ist Arzt. Tagsüber hat er praktiziert, abends bastelte er in seinem Keller an den ersten MedKits. Das war am Anfang noch sehr hemdsärmelig, – aber es funktionierte. Und so wurden nicht nur unsere Geräte und unsere App immer besser, sondern auch die Heime immer mehr. Wir sind heute über 20 Leute und betreuen über 70 Heime und mehrere tausend Patienten deutschlandweit.

Welches Projekt steht bei Euch in den kommenden Monaten ganz oben auf der Agenda?


Wir fokussieren uns auf vulnerable Menschen, also die aufgrund von Krankheit oder Alter am gefährdetsten sind. Deshalb testen wir ab Oktober zusammen mit der Charité und der TU München unsere MedKits auch bei Frühchen. Unser Ziel: Eltern frühgeborener Kinder müssen nicht ewig im Krankenhaus bleiben. Sie können nach Hause in ihre gewohnte Umgebung – das Baby wird aus der Ferne medizinisch überwacht. Wir decken damit die gesamte Lebensspanne ab: von Frühchen bis Rentner quasi.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


Der B2C-Case. Mit Corona, wo die Video-Sprechstunde ihr High hatte, dachten wir, mit der Ergänzung medizinischer Geräte wäre das die 1-Milliarde-Dollar-Idee. War aber nicht so. Aus unseren gesammelten Erfahrungen haben wir aber eine Menge gelernt und sind jetzt fokussierter denn je auf die Pflege. Hier können wir Millionen Menschen in einer immer älter werdenden Gesellschaft bei gleichzeitigem Ärzte- und Fachkräftemangel extrem helfen. Wir können hier einen wichtigen Beitrag leisten, um vermeidbare Krankenhauseinweisungen zu reduzieren und die Versorgung dieser Menschen zu verbessern und das motiviert mich und das Team wahnsinnig.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?


Es ist uns gelungen neben namhaften Angel Investoren wie z.B. die Gründer von Flixbus auch namhafte VCs wie Picus, Acton Capital und Vorwerk Ventures von unserer Idee zu überzeugen. Das hat uns natürlich enorm geholfen, um unser Geschäftsmodell in den letzten Jahren zu entwickeln. Wir sind aktuell an über 70 Standorten im Einsatz in der stationären Pflege und vor allem auch in der außerklinischen Intensivpflege. Hier arbeiten wir z.B. mit Pflegeheimbetreibern wie Alloheim und der Deutschen Fachpflege zusammen. Wir haben außerdem das große Glück, bereits Kooperationen mit großen GKV wie der BARMER, der AOK und auch der TK zu haben. Im Rahmen eines dieser Projekte konnten wir im Pfegeheimkontext z.B. eine Reduktion von vermeidbaren Krankenhauseinweisungen um 25% erreichen. Das angesprochene Projekt in der Frühchenversorgung ist ebenfalls ein großer Erfolg für uns und zugleich ein sehr emotionales Thema für mich als werdender Vater.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?


Gerade wenn du dich in einer Branche bewegst, die in der Vergangenheit von digitalen Innovationen eher weitestgehend ausgelassen wurde wie die Pflege, kann der Gegenwind in Form von Skepsis und Ablehnung manchmal echt kräftezehrend sein. Aber, auch wenn das jetzt etwas pathetisch klingt: Glaub weiter an deine Idee, zeige deine Erfolge auf allen Kanälen und bleib dran, wenn du dir sicher bist, dass es sich lohnt. Und: Fehlschläge gehören zum Erfolg einfach dazu. Lasst euch davon nicht entmutigen.

Wo steht MedKitDoc in einem Jahr bzw. in den kommenden Jahren?


Kurz bis mittelfristig wird es darum gehen, die in den Startlöchern stehenden Projekte sauber auf die Straße zu kriegen sowie mit unseren Bestandskunden weiter zu wachsen, das ist aktuell mein Hauptaugenmerk. Mittelfristig wird es auch darum gehen, nachhaltig zu wachsen und einen klaren Pfad in Richtung Profitabilität aufzuzeigen. Mit etwas Rückenwind könnten wir dieses Ziel im Laufe des kommenden Jahres erreichen. Wir haben außerdem viele spannende Partnerschaften mit echten Branchengrößen in der Pipeline, die sich natürlich immer auch in größere Chancen entwickeln können. Stichwort: Strategische Investments, Exit, etc. Langfristig: Es gibt in Deutschland 16.000 Heime. Wenn wir bis 2030 nur die Hälfte aller Heime an unsere Telemedizin-Plattform anschließen, versorgen wir täglich Millionen Menschen mit echter Fernbehandlung und erleichtern ihnen den Alltag.

#Interview – “Lasst euch nicht von großen Funding-Runden verrückt machen”

#Interview

Das Team von SongPush setzt auf eine Plattform, die es Musiker:innen ermöglicht, neue Fans zu erreichen. “Wir haben seit Frühjahr 2023 über 2.000 Kampagnen für die unterschiedlichsten Kunden realisieren können”, sagt Gründer Markus Cremer.

“Lasst euch nicht von großen Funding-Runden verrückt machen”

Montag, 23. September 2024VonAlexander Hüsing

Das musikalische Berliner Startup SongPush, 2021 von Stefan Kling, Markus Cremer und Zoltan Morvai als Plattform für Twitch-Streamer gegründet, setzt inzwischen auf eine Plattform, die es Musiker:innen und Musik-Labels ermöglicht, mithilfe von Creator:innen auf Social Media neue Fans zu erreichen. Die Matching-Algorithmen der Plattform sollen dabei “für passende Kooperationen sorgen”. Business Angels wie Stefan Zilch, Joel Berger und Kevin Tewe investierten zuletzt 2,94 Millionen Euro in Songpush.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründer Cremer über Vergütungen, Herausforderungen und Musikvideos.

Wie würdest Du Deiner Großmutter SongPush erklären?


Hey Omi, Stell dir SongPush wie ein großes Schwarzes Brett vor, an dem Unternehmen aller Art Zettel aufhängen können, um zu sagen: Wir suchen jemanden, der uns hilft, unsere Musik oder Produkte bekannt zu machen. Viele junge Leute, die gerne Videos ins Internet stellen, kommen vorbei und sagen: Das mache ich! Sie nehmen sich den Zettel, machen ein lustiges oder schönes Video, in dem sie das Produkt oder die Musik vorstellen, und zeigen es ihren Freunden im Internet. Dafür bekommen sie dann eine Vergütung. SongPush sorgt dafür, dass alles fair abläuft und jeder, der mitmacht, fair bezahlt wird.

Wie oder wo hast Du Deine Mitgründer kennengelernt?


Stefan war früher selber Sänger & Songwriter (Gold & Platin) und war Kunde meiner Marketing-Agentur Releazy. Hier habe ich für ihn einige seiner Musikvideos & Songs promoted und ihm zu mehr Streams, Views & Engagement verholfen. Wir haben direkt eine super Chemie und einen ähnlichen Drive beim Anderen gespürt und daraus ist dann SongPush entstanden. Unseren dritten Co-Founder haben wir tatsächlich über eine Founder-Plattform kennengelernt.

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?


Als Marktplatz ist es immer eine der größten Herausforderungen, eine Plattform zu entwickeln, die sowohl für Creator als auch für Brands intuitiv und effizient funktioniert. Auch die Auslastung & Balance im Marktplatz ist immer ein tricky Thema! Außerdem mussten wir sicherstellen, dass die Technologie, insbesondere unsere KI-Engine ‘mosaiq’, genau und zuverlässig arbeitet, um möglichst akkurate Ergebnisse zu liefern.

Wo steht Songpush derzeit, welche Zahlen, Daten und Fakten kannst Du mit uns teilen?


Wir haben seit Frühjahr 2023 über 2.000 Kampagnen für die unterschiedlichsten Kunden – Musik, Beauty, Film, Dating, Food etc. – erfolgreich realisieren können. Außerdem haben wir mittlerweile mehr als 150.000 App Downloads und in 2023 konnten wir 1 Millionen Euro Plattformumsatz erreichen. Auch konnten wir mit allen über unsere Plattform generierten Videos über 1 Milliarden Views auf TikTok erzielen.

Ihr konntet bereits Investorengelder einsammeln. Wie seid ihr mit euren Geldgebern in Kontakt gekommen?


Ganz unterschiedlich, aber viele kamen aus unserem bestehenden Netzwerk. Stefan Zilch habe ich tatsächlich über einen gemeinsamen Freund auf dem Tennisplatz kennengelernt, ohne zu wissen, dass er mal der Deutschland-Chef von Spotify war. Ansonsten waren wir immer sehr direkt und sind auf die Leute zugegangen, egal ob per E-Mail, auf Events oder auch auf LinkedIn.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?


Lasst euch nicht von großen Funding-Runden verrückt machen und macht euer Ding. Versucht eure Ausgaben gering zu halten – so lange wie möglich. Somit bleibt euch mehr Zeit euch auf das Wesentlich zu konzentrieren und ein tolles Produkt zu konzipieren, validieren und iterieren. The best growth hack is a really great product.

Wo steht SongPush in einem Jahr?


Hoffentlich bereits in einem neuen Markt außerhalb Deutschlands und mit einem tollen, noch größeren Team.

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Foto (oben): SongPush

#Interview – “Unser ursprüngliches Geschäftsmodell war nicht skalierbar”

Das No-Code-Startup Wandelbots, das Roboter programmiert, galt als aufsteigender Stern am Startup-Himmel. Insight Partners, 83North, Microsoft, Next47 und Co. investierten in den vergangenen Jahren rund 123 Millionen Dollar in das Unternehmen aus Dresden. Doch das ursprüngliche Geschäftsmodell ging nicht auf. Das Unternehmen, von Christian Piechnick, Georg Püschel, Maria Piechnick, Sebastian Werner, Jan Falkenberg, Giang Nguyen und Frank Fitzek gegründet, suchte sein Heil deswegen im einem radikalen Pivot.

“Obwohl unsere Vision der ‘einfachen Programmierung’ mit dem Tracepen erste Erfolge zeigte, stellten wir fest, dass viel Applikationswissen nötig war und die Anforderungen stark variierten. Dies führte zu einer projektbasierten Arbeit, die hauptsächlich über Personal skalierbar ist, was unsere Mission, die Welt zu verändern, eingeschränkt hätte”, sagt Gründer Christian Piechnick. Inzwischen nimmt das Unternehmen wieder Fahrt auf. “Diese Reise hat uns alle stärker gemacht”, sagt Piechnick.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Wandelbots-Macher einmal ganz ausführlich über den Pivot seines Unternehmens.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Wandelbots erklären?


Wandelbots ist ein junges Unternehmen, das die Nutzung von Robotern revolutioniert. Stell dir vor, du könntest einem Roboter beibringen, wie man Pflanzen gießt oder Unkraut jätet, ohne die komplizierte Sprache des Roboters zu lernen oder einen Roboterspezialisten anzurufen. Die Wandelbots-Software ermöglicht es dir, dem Roboter zu sagen, was zu tun ist, und er übernimmt den Rest. Zudem kann die Software vorher simulieren, ob die Automatisierung sinnvoll ist und wie sie am besten umgesetzt wird. Du kannst dich auf dein Wissen über Pflanzen und Gartenarbeit konzentrieren, während die Software den Roboter steuert. Und die Software wird immer besser, weil sie aus den Erfahrungen lernt und von einer Community and kreativen Entwicklern unterstützt wird.

Zuletzt habt ihr Euch aus dem Segment Hardware komplett zurückgezogen. Warum habt ihr Euer Geschäftsmodell so radikal geändert?


Wir haben uns aus dem Hardware-Segment zurückgezogen, weil unser ursprüngliches Geschäftsmodell nicht skalierbar war. Obwohl unsere Vision der “einfachen Programmierung” mit dem Tracepen erste Erfolge zeigte, stellten wir fest, dass viel Applikationswissen nötig war und die Anforderungen stark variierten. Dies führte zu einer projektbasierten Arbeit, die hauptsächlich über Personal skalierbar ist, was unsere Mission, die Welt zu verändern, eingeschränkt hätte. Nach intensiven Gesprächen mit Kunden und Partnern im Frühjahr 2023 entschieden wir uns, den Fokus komplett auf Software zu legen. Dieser Kurswechsel war schmerzhaft, aber notwendig, um unsere Vision zu verwirklichen.

Was war die größte Herausforderung, was die größte Schwierigkeit bei diesem Wandel?


Die größte Herausforderung war der Moment der Veränderung und der Abschied von unserer ursprünglichen Vision. Zu sehen, dass die Veränderung nicht nur unser Geschäftsmodell, sondern auch unsere Kollegen betrifft, war ein sehr harter Moment für alle, die in der strategischen Neuausrichtung involviert waren. Es gibt einfach den Zeitraum, wo bereits klar ist, wie die Veränderung aussieht und trotzdem Zeit ins Land zieht, bis du die Freigaben der Board Member hast und in die Umsetzung kommst. Da fühlt es sich an, als ob man als Leadership-Team in zwei Welten lebt. Dennoch hat uns diese Erfahrung gestärkt, indem sie uns lehrte, mit Unsicherheit umzugehen, flexibel zu bleiben und gemeinsam als Team durch schwierige Zeiten zu gehen.

Wie hat sich Euer Pivot auf Eure Mitarbeitenden ausgewirkt?


Für alle Kollegen war es emotional, da vielen bewusst war, dass der alte Weg nicht zielführend für die Demokratisierung war. Als klar wurde, dass wir einen Teilbereich der Firma nicht weiterführen und neue Anforderungen an die Teams stellen würden, traf erst die Realisierung ein, dass die Veränderung einen größeren Impact haben wird. Alle Kollegen wurden gebeten, sich Zeit zu nehmen, um zu entscheiden, ob sie sich mit der neuen Ausrichtung identifizieren können. Wir boten ein freiwilliges Programm für Kollegen an, die nicht mehr auf der Reise dabei sein wollten, mussten aber leider auch einigen kündigen. Heute, ein Jahr später, hat sich die emotionale Lage extrem verbessert und die Motivation ist höher denn je. Ende Juni konnten wir gemeinsam den Kick-Off des Beta-Programms durchführen. Dieser Moment hat alle auf einer neuen Ebene mit dem Unternehmen, unserem Produkt und ihrer täglichen Arbeit verbunden. In Dresden trafen die Teams die Kunden live, sahen, wie sie das Produkt nutzen und erhielten direktes Feedback. Dieser direkte Kontakt war besonders wertvoll und hat gezeigt, dass die Veränderung den Nerv der Zeit getroffen hat und der Markt den Mehrwert unserer Produktvision nutzen möchte. Diese Reise hat uns alle stärker gemacht und unsere Fähigkeit, als Team zusammenzuhalten, gefestigt. In einem tief technischen Umfeld solch positive Entwicklungen in nur einem Jahr zu sehen, ist wirklich beeindruckend.

Wie haben denn Eure Investoren reagiert, als die Entscheidung zum Pivot gefallen ist?


Wir haben aktiv das Gespräch mit unseren Investoren gesucht und Experten aus deren Center of Excellence Bereichen einbezogen. Obwohl wir uns darauf vorbereitet hatten, dass ein Gesellschafter sein Geld zurückfordern könnte, konnten wir letztendlich alle Investoren bei der strategischen Neuausrichtung an Bord holen. Unsere Investoren, darunter Insight, 83North, Microsoft und EQT, sind mit der Entwicklung seit dem Pivot sehr zufrieden. Diese Erfahrung hat uns gezeigt, wie wichtig offene Kommunikation und Transparenz in herausfordernden Zeiten sind und hat unser Beziehung gefestigt.

Und was haben Eure Kundinnen und Kunden gesagt?


Wir haben mit jedem Kunden gesprochen, um die bestehenden Verträge im gegenseitigen Einverständnis aufzuheben. Obwohl es weder für die Unternehmen noch für uns erfreulich war, konnten wir alternative Lösungen finden. Wir haben Kontakte zu Systemintegratoren hergestellt und Übergangskonzepte besprochen, bis die Kunden Zugriff auf die Software-only-Lösung hatten. Letztendlich fanden wir für alle eine zufriedenstellende Lösung. 

Welchen Tipp gibst Du anderen Gründerinnen und Gründern, die vor einem Pivot stehen?


In dieser Zeit gibt es viele Menschen mit Meinungen – und doch tragen die wenigsten die Verantwortung der Gründer oder des Leadership-Teams, das den Pivot vorbereitet, umsetzt und zum Erfolg führt. Warte nicht zu lange, wenn du das Gefühl hast, dass du in die falsche Richtung gehst, denn wahrscheinlich ist das tatsächlich der Fall. Auch wenn es das Ego schmerzt, zieh die Analyse und strategische Planung konsequent durch: vom Marktverständnis und Experteninterviews, zur Vision der Firma, zu den Fähigkeiten der Firma, den Erfolgschancen bei Markteintritt, hin zur Produktvision, Zielorganisationsstruktur, Budgetplanung und schließlich dem Umsetzungsplan. Diese Aufgabe darf nicht delegiert werden – ihr als Gründer oder Leadership-Team müsst den Puls selber spüren und die Realität mit eurer Vision in Einklang bringen. Sobald der Plan steht, denkt an die Kommunikation in die eigene Firma und bereitet euch auf die externe Kommunikation vor. Es wird emotional, verliert eure guten Manieren nicht. Jede Veränderung bringt Ängste mit sich, nehmt euch die Zeit, die Teams mit auf die Reise zu nehmen und erlaubt Emotionen. Achtet auf euch selbst, in dieser Zeit gibt es keine Ruhephasen. Wir haben uns bewusst dazu entschieden, einen Organisations- und Leadership-Coach einzubeziehen, der uns ohne Filter sehr deutlich die Alarmzeichen aufgezeigt hat, um uns in der Veränderung nicht zu verlieren. Wenn du als Leader nicht auf dich achtest, kannst du auch kein Unternehmen erfolgreich in der Veränderung leiten. Last but not least, feiert die ersten Erfolge und teilt auch Misserfolge, bleibt authentisch, ehrlich, inspirierend und verliert euren Glauben an eure Vision nicht. Nur weil es mal hart ist, heißt das nicht, dass es nicht funktionieren wird.

Wo steht Wandelbots in einem Jahr?


Als Team haben wir unser Produkt nach der Beta-Phase erfolgreich am Markt veröffentlicht und weltweit Kunden und Entwickler für uns gewinnen können. Unternehmen nutzen aktiv unsere Software und Entwicklungsplattform als Teil ihrer Automatisierungsstrategien. Universitäten lehren Wandelbots-Software in ihren Studiengängen, um Softwareentwickler und Automationsingenieure für die Zukunft mit neuen Fähigkeiten auszustatten. Die Wandelbots-Robotics-Community regt viele Menschen zum Austausch an und unterstützt sich gegenseitig bei Automatisierungsprojekten. Vielleicht gibt es eine erste Wandelbots-Developer-Konferenz, bei der Firmen jeder Art ihre Entwickler schicken, um gemeinsam die neuesten Möglichkeiten unserer Software kennenzulernen und ihre eigenen Erfolgsgeschichten zu teilen. Die Konferenz könnte ein Ort werden, an dem Innovationen vorgestellt, Netzwerke geknüpft und die Zukunft der Automatisierung gemeinsam gestaltet wird. Diese Erfolge zeigen, dass unsere Vision Realität geworden ist und dass Wandelbots einen bedeutenden Einfluss auf die Demokratisierung der Robotik und die Art und Weise, wie Automatisierung in der Industrie umgesetzt wird, hat.

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Foto (oben): Wandelbots

#StartupTicker – +++ Oxolo +++ Numbat +++ Wooga +++ June’s Journey +++ Camunda +++ Kakerlaken +++

#StartupTicker

#StartupTicker Oxolo stampft seine Text-to-Video-Lösung ein Numbat ist insolvent  June’s Journey knackt 1 Milliarde Umsatz Camunda peilt 100 Millionen Umsatz an Weniger Geld bringt bessere Unternehmen hervor

    Oxolo     Numbat     Wooga     June’s Journey     Camunda     Kakerlaken

Mittwoch, 14. August 2024VonTeam

Was gibt’s Neues? In unserem #StartupTicker liefern wir eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Startup-Nachrichten des Tages (Mittwoch, 14. August)

#STARTUPLAND: NUR FÜR FRÜHE VÖGEL




Kommt mit ins Startupland! Ab sofort könnt Ihr Euch Euer Ticket für eine Reise ins Startupland zum Early Bird-Preis buchen. Die erste Startupland Conference, unsere Startup- und Digital-Konferenz, findet am 6. November statt. Mehr über Startupland

#STARTUPTICKER

Oxolo


Neuausrichtung! Das millionenschwere Hamburger KI-Startup Oxolo, 2020 vom erfolgreichen Seriengründer Heiko Hubertz (AASP, Bigpoint, Whow Games) und Elisabeth L’Orange gegründet, setzte in den vergangenen Jahren auf “generative KI-Lösungen für eine Text-to-Video-Anwendung”. Damit ist nun Schluss!  “We have built software for people to easily generate videos featuring humans. For e-commerce, for training and HR purposes. We have done it successfully, we’ve raised Series A from top tier VCs, we have over 600k users, have built a high caliber team and grew daily. However, we decided to discontinue the product oxolo as it is”, schreibt Gründerin L’Orange auf Linkedin. “We didn’t take this decision lightly but timely. We will now build a product using our existing team and tech – most likely B2C. It’s been hard on us – letting go of people and a product and all the hard work that went into it is not easy”, führt sie weiter aus. Konkret baut das leicht verkleinerte Team nun “das nächste KI Produkt – diesmal aber B2C”, wie Gründerin L’Orange auf Anfrage mitteilt. Das neue Produkt wird dann aber nicht mehr unter dem Namen Oxolo vertrieben. DN Capital und Business Angels investierten zuletzt 13 Millionen Euro in das Unternehmen. Mehr über Oxolo

Numbat


Pleite! Das Allgäuer Ladesäulen-Startup Numbat ist insolvent. “Trotz vielen Partnerschaften, Kunden und Investoren, konnten die ambitionierten Ziele nicht verwirklicht werden und es entstand eine Krisensituation, in der eine Weiterführung der Numbat GmbH in der geplanten Form nicht mehr möglich war”, teilt das Team mit. Das Augsburger Immobilieninvestment-Unternehmen Patrizia stellte Numbat zuletzt gemeinsam “mit einem deutschen Bankenkonsortium unter der Führung der DAL (Deutsche Anlagen-Leasing)” 140 Millionen Euro zur Verfügung. “Die im Markt bekannte Kapitalrunde war für eine Projektgesellschaft vorgesehen und speziell für die Ausstattung mit Numbat-Systemen sowie deren Installation gedacht”, teilt das Unternehmen dazu mit. Das GreenTech aus Kempten, 2021 von Maximilian Wegener und Martin Schall gegründet, möchte mit einem Stromspeicher und einer Schnellladesäule die E-Mobilität weiter nach vorne bringen, indem man E-Autos schneller laden kann. Dazu kombiniert das Jungunternehmen einen Batteriespeicher mit einem sogenannten “High-Power Charger”. Zu den Investoren von Numbat gehören unter anderem eCAPITAL und sonnen-Gründer Christoph Ostermann. Mehr über Numbat

#LESENSWERT

June’s Journey – Wooga – Camunda – Kakerlaken 


 June’s Journey knackt nach sieben Jahren 1 Milliarde Euro Umsatz (OMR)  Workflow-Management-Grownup Camunda peilt 100 Millionen Umsatz an (Handelsblatt)  Kakerlaken: Wieso weniger Geld bessere Unternehmen hervorbringt (manager magazin)

#DEALMONITOR

Investments & Exits


Roger sammelt 7 Millionen ein VoiceLine erhält 2,4 Millionen STS Ventures investiert in Gipedo ACE Alternatives bekommt siebenstellige Summe Round2 Capital investiert in die E-Learning Group ease übernimmt Helvengo. Mehr im Deal-Monitor

Was ist zuletzt sonst passiert? Das steht immer im #StartupTicker

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Bing Image Creator – DALL·E 3 / Shutterstock

#Interview – “Wir entschieden uns, trotz der Profitabilität, die Entwicklung zu beschleunigen”

Simpleclub aus München, das 2015 von Alexander Giesecke und Nicolai Schork gegründet wurde, positioniert sich als Lern-App für Schüler.  Die Gründer haben schon 2011, als Elftklässler mit ihrem Projekt angefangen – mit Mathematik-Erklärvideos auf YouTube. Dann kam der große Pivot! “Es wurde uns dann bewusst, dass eine Entertainment-Plattform wie YouTube langfristig nicht der richtige Ort für die Zukunft der Bildung ist. Deshalb haben wir uns entschlossen, eine eigene Technologie-Plattform zu bauen”, sagt Gründer Schork.

Das Wagnis ging auf. “Zum Schulstart im September 2021 haben wir dann unsere Growth-Engine richtig aufgedreht und sind innerhalb von drei Monaten schneller gewachsen als in der gesamten Unternehmensgeschichte davor”, erzählt Mitstreiter Giesecke. Inzwischen arbeiten 150 Mitarbeiter:innen für die Jungfirma. Im Interview mit deutsche-startups.de sprechen die simpleclub-Macher zudem über Kennzahlen, Expansion und Feedback.

Wie würdest Du Deiner Großmutter simpleclub erklären?


Schork: simpleclub ist das Schulbuch der Zukunft. Anstatt mit traditionellen Materialien wie gedruckten Schulbüchern zu lernen, die für alle gleich sind, lernen Schülerinnen und Schüler heutzutage mit der App von simpleclub in ihrem eigenen Tempo am Handy oder Laptop. Dort finden sie Inhalte, die Spaß machen: Das sind Videos, interaktive Übungsaufgaben, sie können Karteikarten erstellen und mit individuellen Lernplänen ihren eigenen Lernfortschritt messen. Schon heute hat unsere Lernapp über zwei Millionen Nutzer:innen pro Monat. Auch tausende Lehrkräfte nutzen die digitalen Inhalte als Ergänzung zum traditionellen Lehrmaterial im Unterricht.

War dies von Anfang an euer Konzept?


Giesecke: Tatsächlich hatten wir vor einigen Jahren einen großen Pivot, weshalb wir die Story von simpleclub eigentlich in zwei Teilen erzählen müssen: Wir beide, Nico und ich, kennen uns seit der fünften Klasse. Etwa in der Zehnten hatten wir die Idee, gemeinsam etwas aufzubauen. Wir haben dann ein Soziales Netzwerk entwickelt, es aber nie veröffentlicht. Das war zu der Zeit als Google rauskam und alle dachten, das wird das nächste Facebook. Etwa ein Jahr später kamen wir auf die Idee, Lernvideos in Mathe besser zu machen als das, was es damals gab und auf YouTube hochzuladen. Denn immer mehr Schüler:innen gingen auf die Plattform, um nach Lösungen zu bestimmten Schulthemen zu suchen. Über unsere Studienzeit hinweg haben wir das Angebot auf insgesamt 14 Schulfächer erweitert und mit zwei Millionen Abonnenten und 500 Millionen Videoaufrufen den größten Education Channel Deutschlands auf YouTube aufgebaut.

Wie ging es dann weiter?


Schork: Dann kam aber der Pivot. Bis dahin waren wir bootstrapped und hatten bereits ein Team aus 30 Mitarbeiter:innen. Es wurde uns dann bewusst, dass eine Entertainment-Plattform wie YouTube langfristig nicht der richtige Ort für die Zukunft der Bildung ist. Deshalb haben wir uns entschlossen, eine eigene Technologie-Plattform zu bauen und damit einen Pivot um 180 Grad gemacht: Weg von YouTube, hin zu Education Tech. Allerdings haben wir auch gemerkt, dass wir mit den 30 Leuten im Team keine Tech Company aufbauen können. Wir trafen eine richtig schwere Entscheidung und mussten 15 Mitarbeiter:innen an einem Tag gehen lassen. Mit dem restlichen Team machten wir einen Workshop und beschlossen: Wir bauen die beste Lernapp der Welt. Das haben wir dann gleich sehr erfolgreich angefangen und im ersten Jahr der App – das war 2019 – bereits 500.000 Euro Gewinn gemacht. Der eigentliche Plan war, so organisch weiter zu wachsen, doch dann kam 2020 Corona. Mitte März wurden Schulen in ganz Deutschland geschlossen und uns war klar, wir müssen schnell handeln. Sofort haben wir eine Hilfsaktion gestartet und Schulen und Lehrer:innen den Vollzugang unserer App für die Zeit der Schulschließungen kostenlos zur Verfügung gestellt. In nur wenigen Tagen wurden 1,9 Millionen Lizenzen im Wert von über 30 Millionen Euro verteilt. Dieser Zuspruch, auch von Lehrkräften, hat uns gezeigt, dass wir nicht nur eine Lernhilfe am Nachmittag bei den Hausaufgaben oder zur Klausurvorbereitung sind. Wir hatten jetzt die Chance, direkt in den Unterricht integriert zu werden und damit zum Kernprodukt der Bildung zu werden. In der Folge entschieden wir uns, trotz der Profitabilität die Entwicklung von simpleclub zu beschleunigen und holten mit HV Capital unseren ersten Investor an Bord. Die Strategie war es, ein Jahr lang nicht in Wachstum zu investieren, sondern in das Produkt und haben unsere Retention, Unit Economics, LTV:CAC und andere Kennzahlen maßgeblich verbessert.

Und, ging der Plan auf?


Giesecke: Zum Schulstart im September 2021 haben wir dann unsere Growth-Engine richtig aufgedreht und sind innerhalb von drei Monaten schneller gewachsen als in der gesamten Unternehmensgeschichte davor. Daraufhin haben wir die Gründer von den Unicorn-Scaleups FlixBus, Schüttflix, CoachHub und sennder gewonnen, bei uns als Business-Angels einzusteigen. Vor Kurzem haben wir eine Series A Finanzierungsrunde in Höhe von 7,2 Millionen Euro abgeschlossen und 10x Founders als Lead Investoren dazu gewonnen – trotz der schwierigen Marktsituation. Der Plan ist es, bis Ende des Jahres die internationale Expansion zu starten. Dahinter steckt auch ein moralisches Ziel, denn jemand hat es mal so ausgedrückt: In Deutschland macht ihr Bildung besser. In anderen Ländern könnt ihr Bildung überhaupt erst ermöglichen.

Wie genau funktioniert denn euer Geschäftsmodell?


Giesecke: Unser Geschäftsmodell ist in zwei Segmente aufgeteilt: Zum einen erreichen wir mit der simpleclub App Schülerinnen und Schüler von der fünften bis zur dreizehnten Klasse (B2C). Auf der anderen Seite haben wir Unternehmenskunden (B2B), die mit unserer Hilfe die Ausbildungsinhalte für Azubis digitalisieren, um ihnen zeitgemäße Lernangebote mittels Lernapp zu machen, die viele schon aus der Schulzeit kennen. Im Kern funktionieren beide Segmente genau gleich: Nutzer:innen kaufen ein Abo, um den Vollzugang zur App zu erhalten. Damit erhalten sie alle Lerninhalte und Features wie Videos, Übungsaufgaben, Lernpläne, Karteikarten und Zusammenfassungen. Im Schulbereich sind Eltern die zahlenden Kunden, in der Ausbildung sind es die Unternehmen, die Lizenzen für ihre Auszubildenden erwerben.

Wie genau sich euer Unternehmen seit der Gründung entwickelt?


Schork: Heute sind wir ein Team aus über 150 Mitarbeitern, darunter Top Talents von HelloFresh, Klarna, Zalando, FreeNow, Vodafone, Amazon, Delivery Hero und anderen. Unser aktueller Jahresumsatz liegt im mittleren siebenstelligen Bereich, was überdurchschnittlich im Vergleich zu anderen Series A Startups ist. Wir haben über zwei Millionen monatliche Nutzer:innen und sind nachgewiesenermaßen die bekannteste und beliebteste Lernapp für Schule und Ausbildung in Deutschland. Das hat eine repräsentative Umfrage mit Kantar ergeben. Letztes Jahr wurden wir von Statista und Business Punk zum Nummer eins Startup Arbeitgeber im Bereich Bildung gewählt.

Seit der Seed-Runde  seid ihr somit von 30 auf über 150 Mitarbeiter:innen gewachsen. Wie habt ihr das organisatorisch gestemmt?


Giesecke: Der erste Schritt war das Einstellen einer starken VP People. Mit Yasmin Ahmed haben wir sehr viel Erfahrung bei People und HR ins Unternehmen geholt. Gleichzeitig haben wir unser Recruiting Team aufgebaut und sehr gute Leute eingestellt. Insgesamt haben wir ein starkes Mittelmanagement aufgebaut und unsere OKR-Prozesse – Objectives and Key Results – ständig verbessert.

Blickt bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


Giesecke: simpleclub ist anfangs sehr community-driven gewachsen, was vor allem mit unserem Start bei YouTube zu tun hatte. Für die ersten zahlenden Kunden mussten wir also keinen Cent in Werbung investieren. Als wir 2020 angefangen hatten, das erste Mal Paid Marketing zu starten, haben wir in einem Monat einen hohen fünfstelligen Betrag ohne nennenswerten Ertrag verbrannt, weil unser Setup nicht gut war. Das tat so weh, dass wir schnell gelernt haben: Wir haben einen starken Head of Growth eingestellt, der unsere Growth Marketing Engine methodisch von Null aufgebaut hat. Teil der Strategie war eine sehr enge Zusammenarbeit mit Product und User Research und so machten wir mit einem klaren Growth Plan wöchentlich Fortschritte. Dieser Prozess war maßgeblich dafür verantwortlich, dass wir heute so gute Unit Economics haben und in den letzten Monaten so stark wachsen konnten. Heute geben wir ein Vielfaches an Ad Spend aus und skalieren ständig weiter. Also am Ende ein guter Outcome, trotzdem hätten wir den Fehler gerne vermieden.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?


Schork: Bei unserer Unternehmenskultur. Hier gibt es eine Story: Vor Corona waren wir 30 Leute und unsere Kultur war klasse. Das war uns als Gründer immer sehr wichtig. Während der Corona-Pandemie ist unser Team um über 100 Leute gewachsen. Kombiniert mit unserer Full-Remote-Kultur haben wir keine einzige Person jemals in echt gesehen. Untereinander hatten auch alle nur über Google Meet Kontakt. Im August 2021 hatten wir dann wieder unser erstes großes Team Meeting in München mit 130 Leuten. Fünf Tage, viele Workshops und Partys geplant. Um ehrlich zu sein, waren wir echt nervös, denn wir hatten Angst, ob sich durch das Wachstum unsere Teamkultur verändert hat. Aber nach ein paar Stunden waren alle so connected und nach fünf Tagen schon richtig zusammengewachsen, dass wir unglaublich glücklich waren. Das Feedback aus dem Team war auch toll und selbst viele seniorige Mitarbeiter, die schon einige Firmen erlebt hatten, meinten, dass sie noch nie so eine Kultur wie bei uns erlebt hätten.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründern mit auf den Weg?


Giesecke: Drei Tipps, die uns extrem geholfen hätten. Erstens: Testet solange, bis ihr euren Product-Market-Fit zu 100 % gefunden habt. Zweitens: Euer Team ist euer wichtigstes Asset: Fokussiert euch darauf, die besten Leute reinzuholen. Drittens: Stay humble but always hungry: Seid euch dessen bewusst, dass ihr weniger krass seid, als ihr anfangs vielleicht glaubt. Lernt so viel wie möglich von erfahrenen Gründer:innen. Aber behaltet euch auch ein gewisses Maß an Größenwahn und seid selbstbewusst, wenn es um Dinge geht, die ihr wirklich gut könnt.

Wo steht simpleclub in einem Jahr?


Schork: In einem Jahr sind wir der Standard fürs digitale Lernen in der Schule und Ausbildung in Deutschland. Außerdem werden wir in drei bis vier internationalen Märkten starkes Wachstum aufzeigen können und die Grundlage dafür geschaffen haben, die nächste Wachstumsrakete zu zünden.

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Foto (oben): simpleclub

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