#Interview – “Nicht beirren lassen. Dran glauben. Durchhalten”

#Interview

Bei Zmyle, 2025 gegründet, dreht sich alles um Gutscheine. “Wir generieren mit acht Mitarbeitern einen Umsatz im achtstelligen Bereich und betreiben Stadtgutscheine in über 100 Netzwerken und mehr als 200 Städten”, sagt Gründer Alexander Arend.

“Nicht beirren lassen. Dran glauben. Durchhalten”

Montag, 9. Dezember 2024VonAlexander

Das Coesfelder Unternehmen Zmyle, 2015 von Ralf Schreijer, Aristide und Alexander Arend gegründet, setzt auf “professionelle Gutscheinlösungen”. Derzeit arbeiten acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das profitable Unternehmen. Wir generieren einen Umsatz im achtstelligen Bereich und betreiben Stadtgutscheine in über 100 Netzwerken und mehr als 200 Städten”, sagt Gründer Arend zum Stand der Dinge bei Zmyle. 

Im Interview mit deutsche startups spricht der Zmyle-Macher einmal ausführlich über den Werdegang seines Unternehmens.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Zmyle erklären?


Oma, du kannst jetzt mit Deinem Handy Gutscheine an Deine Enkelkinder verschicken und dabei deine Lieblingsgeschäfte unterstützten. 

War dies von Anfang an euer Konzept?


Ursprünglich war Zmyle als Plattform für einzelne Geschäfte, Restaurants und Dienstleister konzipiert. Wir haben aber schnell erkannt, dass das Konzept digitaler Gutscheine auch hervorragend im Netzwerk funktioniert. Somit besteht unsere Hauptaufgabe darin, mehr und mehr Städte mit unseren Stadtgutscheinen auszustatten. Mit dem schönen Nebeneffekt, dass auch Zmyle als Plattform für Gutscheine einzelner Geschäfte wächst. 

Wie hat sich Zmyle seit der Gründung entwickelt?


Wir generieren mit acht Mitarbeitern einen Umsatz im achtstelligen Bereich und betreiben Stadtgutscheine in über 100 Netzwerken und mehr als 200 Städten. 

Was war zuletzt das Highlight bei Euch?


Wir freuen uns zurzeit sehr darüber, dass wir uns inzwischen eine Größe und deutschlandweite Abdeckung erarbeitet haben, die dazu führt, dass immer mehr Filialisten und Tankstellen Ihre Kassen an uns anschließen. 

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


Rückblickend muss ich gestehen, dass so richtig nichts schief gegangen ist. Zum Glück. Allerdings würde ich, mit dem Wissen von Heute, fokussierter Arbeiten. Was wir inzwischen auch tun. Aber grade in der Anfangsphase haben wir uns oft von individuellen Wünschen unserer Kunden leiten lassen. Was zwar den einzelnen glücklich gemacht hat, aber dem Fortkommen des großen Ganzen nicht besonders förderlich war. 

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?


Anscheinend haben wir vor vielen Jahren alles richtig gemacht. Denn bei der Entwicklung unseres Stadtgutscheinsystems stellte sich die grundsätzliche Frage, ob wir lediglich eine Stadtgutschein-Software bauen wollen oder ob wir als Emittent die Gutscheine herausgeben möchten und somit für unsere Städte-Partner als Full-Service-Dienstleister agieren. Was für uns mit wesentlich mehr Aufwand verbunden ist, unsere Partner aber immens entlastet. Wir haben uns für den Full-Service-Ansatz entschieden. Mit dem Vorteil, dass jede Partei Ihre Kernkompetenzen ausspielen kann. Die Städte-Partner sind das Gesicht des Gutscheins. Sie bewerben den Gutschein bei den Akzeptanzstellen, den Bürgern und den Arbeitgebern. Und wir kümmern uns um alles Weitere. Vom Cash Management über den technischen Betrieb bis hin zum Support. Und wir entlasten unsere Städte-Partner auch juristisch zu 100 %. Somit stellen wir gemeinsam die Weichen für ein erfolgreiches Stadtgutscheinsystem. 

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer;innen mit auf den Weg?


Nicht beirren lassen. Dran glauben. Durchhalten. 

Wo steht Zmyle in einem Jahr?


Wir werden unsere Marktführerschaft als Deutschlands größter Herausgeber von Stadtgutscheinen weiter ausbauen und evtentuell anfangen, über die Grenzen zu schauen.

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Foto (oben): Zmyle

#Interview – “Unser kostspieligster ‘Fehler’ war unsere erste Produktion”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Man kann als eigener Chef oder als Gründerin sein Leben so gestalten, wie man selbst es möchte. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg. Ein ausbalanciertes Familienleben zu leben, ist möglich”, ist sich Nele Schellschmidt von Judes Family sicher.

“Unser kostspieligster ‘Fehler’ war unsere erste Produktion”

Freitag, 6. Dezember 2024VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Nele Schellschmidt, Gründerin von Judes Family. Das Startup aus München bietet Eltern die “einfachsten Stoffwindel der Welt”

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Ich habe Judes zusammen mit meinem Partner gegründet. Wir sind nicht nur gemeinsam Gründer, sondern haben zusammen ein Kind, das wir in den ersten drei Jahren selbst betreut haben. Das heißt: Bei uns ist jede Woche und nahezu jeder Tag anders. Ich bin die Hauptansprechpartnerin für unser Team und nehme mir viel Zeit für die Kommunikation. Solange das gewährleistet ist, sind wir extrem flexibel. Wir sind viel auf Reisen und arbeiten immer dann, wenn es gut passt.

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?


In der Natur. Ich liebe es, wandern zu gehen und zu campen. Ich bin mit meiner Familie fast jede freie Minute draußen, sowohl bei Sonne als auch bei Regen. Es bleibt nicht aus, dass wir auch bei einer Wanderung mal über Judes brainstormen, aber das ist ok. Oft kommen uns da die besten Ideen.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?


Eine Sache, die ich nicht auf dem Schirm hatte: wie einsam es sein kann. Ich bin ein sehr extrovertierter Mensch und liebe es, in Gemeinschaft zu sein. Wir haben während der Corona-Pandemie gegründet und gleichzeitig ein Kind bekommen. Wir waren in der Zeit gezwungenermaßen sehr viel unter uns. Nach ein paar Jahren habe ich gemerkt: Es fehlt mir, eingebunden zu sein und im Team zu arbeiten. Die Einsamkeit war sicher einer der Gründe, warum ich nach knapp zwei Jahren ein Burnout hatte. Ich habe dann lernen dürfen, dass es in der Position als Gründerin und Geschäftsführerin für mich wichtig ist, Verbindungen mit anderen Gründer:innen aufzubauen und mit dem Team Verbindlichkeit aufzubauen, zum Beispiel durch regelmäßige Meetings, in dem wir uns auch Zeit für Zwischenmenschliches nehmen.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?


Meine eigenen Glaubenssätze. In mir ist ganz tief der Perfektionismus verankert. Das hat mich früher oft eingeschränkt und ich musste lernen, anders zu arbeiten. Mittlerweile arbeite ich nach dem 80/20 Prinzip. Es ist ok, Dinge erstmal in Bewegung zu setzen, auch wenn sie noch nicht perfekt sind. Wir sind deshalb auch offen für Kunden-Feedback und kommunizieren deutlich, dass wir das Produkt stetig weiterentwickeln. Dadurch können sich viele Türen öffnen. Die Menschen kommen leichter auf uns zu und es entsteht ein wertvoller Austausch.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?


Unser kostspieligster “Fehler” war unsere erste Produktion. Wir haben lange nach einem Hersteller gesucht, waren nach dem Sampling-Prozess und vielen Feedback-Loops sehr zufrieden und haben dann die erste Produktionscharge in Auftrag gegeben. Doch leider haben wir keine Qualitätsinspektion der ersten Charge vor Ort gemacht. Die Produktionsfirma hatte ein anderes Klettmaterial als vereinbart verwendet, der Klettverschluss unserer Windeln löste sich beim Waschen förmlich auf. Aber wir haben daraus gelernt. Unter anderem, dass es sich auszahlt, mit unseren Kund:innen ehrlich und transparent zu sein. Viele Familien haben sehr verständnisvoll reagiert. Wir haben einen neuen Produktionspartner gefunden und ihre Produkte ersetzt. Mit der neuen Qualität waren die Judes Families super happy. 

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?


Der allergrößte Teil unserer Mitarbeiterinnen stammt aus der Judes Community. Wenn wir Stellen zu vergeben hatten, haben wir immer wieder unsere Kund:innen gefragt. Das war ein Erfolg, denn sie kannten sich nicht nur gut mit dem Produkt aus, sondern waren und sind davon überzeugt. Ich höre immer wieder von ihnen, dass es für sie extrem befriedigend ist, an etwas zu arbeiten, woran sie glauben.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Als erstes: immer wieder den Dialog mit Kund:innen zu suchen. Wir haben von Anfang an immer viel Feedback eingefordert. Wir sind viel im Gespräch mit Kund:innen, schreiben hin und her, sind im Austausch über jede Produktänderung. Das hat uns sehr viele spannende Einblicke gegeben.


Und zweitens: Man kann als eigener Chef oder als Gründerin sein Leben so gestalten, wie man selbst es möchte. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg. Ein ausbalanciertes Familienleben zu leben, ist möglich. Für uns soll nicht das Leben der Firma dienen, sondern die Firma dem Leben. Das gilt nicht nur für uns Gründer und Gründerin, sondern für das ganze Team.

Ohne welches externe Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Ganz klar Shopify. Es war keine Frage, mit welchem Shop-System wir Judes aufbauen wollen. Shopify war das einfachste und performanteste Tool. Da wir ausschließlich direct to consumer verkaufen, wären wir ohne Shopify aufgeschmissen. An zweiter Stelle Google Sheets, weil wir extrem Daten getrieben arbeiten.

Wie sorgt Ihr bei Eurem Team für gute Stimmung?


Wie oben gesagt ist die Motivation im Team gar nicht so ein Thema, da wir den Großteil unserer Mitarbeiter:innen über die Judes Community rekrutiert haben. Die meisten kommen aus stabilen, gut bezahlten Jobs und haben sich dafür entschieden, bei Judes zu arbeiten, weil wir so familienfreundlich sind. Wir alle arbeiten komplett selbstbestimmt, flexibel und remote. Einige unserer Teammitglieder leben im Ausland oder sind immer mal wieder länger auf Reisen. Eine Mitarbeiterin ist in Australien, eine lebt in Spanien. Wir machen alles möglich. Für uns ist das super befriedigend zu sehen, dass wir nicht nur für uns im Gründer-Team ein tolles Leben in Freiheit aufbauen können, sondern auch für das gesamte Team.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Ich hatte erst vor kurzem ein wirklich lustiges Erlebnis. Auf einem Fest habe ich mich mit einer anderen Mutter unterhalten und den Namen von meinem Partner und Mitgründer Leon erwähnt. Sie starrte mich ganz erstaunt an und sagte: “Ist das etwa Leon von Judes Family? Der kommt mir so bekannt vor.” Es stellte sich heraus, dass sie Judes-Nutzerin war und unsere Story mitbekommen hatte, weil wir sie sehr offen teilen. Das war für mich einfach ein total verrücktes Gefühl. Ich hatte unbewusst immer noch den Gedanken, dass unsere Freunde und Familie netterweise Judes kaufen. Aber in Wirklichkeit gibt es mittlerweile über 30.000 Familien da draußen, die mit Judes wickeln und noch viel mehr, die die Story mitbekommen haben. Jemanden zu treffen, der uns kannte und der überzeugt war und unsere Werte teilt, war ein super verrücktes und verbindendes Gefühl. Es hat mich vom Neuen motiviert, weiterzumachen.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): Judes Family

#Interview – “User standen plötzlich vor der Wohnung meines Co-Founders”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Ich stehe meistens um 6:30 Uhr auf, trinke einen Kaffee und mache erst einmal Sport. Nebenbei beantworte ich schon ein paar E-Mails”, sagt Loris Lange, Gründer von ArtistConnect zu seinem Start in den Tag.

“User standen plötzlich vor der Wohnung meines Co-Founders”

Freitag, 29. November 2024VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Loris Lange, Gründer von ArtistConnect. Das Berliner Startup kümmert sich um die “Demokratisierung der Musikindustrie”.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Ich stehe meistens um 6:30 Uhr auf, trinke einen Kaffee und mache erst einmal Sport. Nebenbei beantworte ich schon ein paar E-Mails. Dann fahre ich ins Büro. Bis 11 Uhr ist immer Zeit geblockt für Themen, die viel Ruhe und Konzentration benötigen bspw. Strategieplanungen oder Prozessoptimierungen. Anschließend starten die ersten Meetings mit Mitarbeitern und Geschäftspartnern.

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?


Bevor ich meinen Laptop zuklappe, plane ich den nächsten Tag mit alle To-Do’s. Das hilft mir, wichtige Gedanken loszuwerden. Ich lasse mit meiner Freundin den Abend ausklingen und lese ganz gerne noch ein Buch oder schaue mir eine Dokumentation an.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?


Es gibt positive Dinge, die mich wahrscheinlich früher zur Gründung gebracht hätten. Zum Beispiel war ich positiv überrascht, wie viel Spaß es macht, mit einem Team an einer Lösung für Millionen von Menschen zu arbeiten. Das Feedback von Nutzern zeigt, dass wir ihr Leben positiv beeinflussen. Das ist wirklich bewegend. Ich hätte nicht gedacht, dass ich als Gründer so viel bewirken kann. Gleichzeitig gibt es auch schwierige Phasen. Zum Beispiel, wenn das Team am Product Market Fit arbeitet. In dieser Zeit probiert man viele Ideen aus. Die meisten funktionieren nicht. Auf diese Herausforderungen wäre ich gerne besser vorbereitet gewesen.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?


Die größte Hürde war für mich der Ausstieg aus dem Investmentbanking. Es war schwierig, von einer planbaren Karriere in eine Welt voller Unsicherheit zu wechseln. Keiner von uns hatte vorher ein Unternehmen gegründet. Wir hatten auch noch nie eine innovative Plattform entwickelt oder Finanzierungsrunden organisiert. In unserem Umfeld gab es kaum Founder, die einen ähnlichen Weg gegangen sind. Dieser Schritt hat meine Co-Founder und mich viel Überwindung gekostet.

Wie findet man die passenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für sein Startup?


Wir haben die besten Mitarbeiter vor allem über unser Netzwerk gefunden. Zusätzlich veröffentlichten wir online Stellenangebote. Von Anfang an gab es einen 4-stufigen Interviewprozess. In diesem Prozess prüfen wir den Culture-Fit, den Fit mit den Gründern, die Leidenschaft für das Thema und die Technical Skills. Der Prozess ist etwas komplexer und zeitaufwändiger als bei anderen Unternehmen. Für uns ist er aber der Schlüssel für erfolgreiche Einstellungen. Bisher sind 100 % der eingestellten Mitarbeiter:innen immer noch bei uns im Unternehmen.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Feiert eure Erfolge ab Tag 1. Für uns waren das damals der erste User, der erste Investor und die erste Berichterstattung. Mit der Zeit ändern sich die Maßstäbe, und frühere Ziele erscheinen klein. Ich kann aber sagen: Das Gefühl, als wir unseren ersten zahlenden Kunden hatten, war unglaublich. Vielleicht sogar besser als beim 100. oder 1000. Kunden.

Ohne welches externe Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Wir nutzen für alles Slack und Notion. Für wirklich alles.

Wie sorgt Ihr bei Eurem Team für gute Stimmung?


Alle Teammitglieder haben eine Leidenschaft für Musik. Mit der Zeit haben sich daraus verschiedene Routinen entwickelt. Zum Beispiel schickt jedes Teammitglied wöchentlich seinen neuesten Lieblingssong in unsere Company-Channels. Bei Team-Events kreieren wir auch gemeinsam Musik. Mein persönlicher Favorit: Bei besonders erfolgreichen Songs werden wir für unsere Arbeit von Musikindustrie Instituten ausgezeichnet und erhalten Awards. Es ist großartig, das Funkeln in den Augen zu sehen, wenn ein Teammitglied den Award stolz bei sich zu Hause im Regal stehen hat.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Als User plötzlich vor der Wohnung meines Co-Founders standen! Es gab nämlich zwei User, die in unserem Impressum gesehen haben, dass wir die gleiche Anschrift haben wie sie selbst. Sie haben dann die Wohnungen im Haus abgeklingelt. Bei einer hat mein Co-Founder aufgemacht. Die beiden haben wohl ein Großraumbüro erwartet, stießen aber nur auf die kleine 1-Zimmer-Wohnung meines Mitgründers, die als Anschrift und Postadresse genutzt wurde. Funny enough: Die beiden User sind mittlerweile bekannte Music Producer unter dem Alias “Wooshy”.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): ArtistConnect

#Interview – “Diese Hochgefühle hatte ich in meinem Angestelltenverhältnis nie”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Wir arbeiten in einem CoWorking Space, da hilft der Heimweg schon sehr, an Home Office Tagen endet der Tag gefühlt nie”, sagt Charlotte Irlen, Gründerin des jungen FemTech-Unternehmens Fevana.

“Diese Hochgefühle hatte ich in meinem Angestelltenverhältnis nie”

Mittwoch, 27. November 2024VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Charlotte Irlen, Gründerin von Fevana. Das Unternehmen aus Köln setzt auf spezielle Nahrungsergänzungsmittel für Frauen. Konkret geht es darum, Frauen zu unterstützen, “ihren Hormonhaushalt zu regulieren”.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Wir haben morgens immer ein kurzes Stand Up Briefing, in dem jeder sagt, wie es ihm geht, was er an dem Tag vor hat und was ihn davon abhalten könnte, das zu schaffen.

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?


Wir arbeiten in einem CoWorking Space, da hilft der Heimweg schon sehr, an Home Office Tagen endet der Tag gefühlt nie, da geh ich dann oft zum Yoga, um einen Cut zu haben.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?


Wieviel Energie man aus dem Unternehmen ziehen kann. Wenn die Sales richtig gut sind und gleichzeitig ein paar top Bewertungen reinkommen, sind die Endorphine für ein paar Tage gesichert. Diese Hochgefühle hatte ich in meinem Angestelltenverhältnis nie.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?


Dass man sich immer wieder selbst motivieren muss. Auch wenn man ab und zu die Hoffnung hat, bekommt man einfach nichts geschenkt. Am Montag voll da zu sein, wenn die Vorwoche schlecht lief, ist immer wieder eine der größten Hürden. Da hilft dann nur einfach durchzuziehen und sich selbst immer wieder zu sagen, dass es auch wieder bergauf geht. Und das tut es dann auch jedes Mal wieder, da muss man einfach vertrauen und sich nicht davon abhalten lassen, einfach weiter zu machen.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?


Ich habe vor allem ganz am Anfang viele Sachen verkompliziert. In der Anfangszeit musste alles immer perfekt sein, weil man in der Uni gelernt hatte, wenn du es nicht genau nach Textbook machst, gibt es Punkteabzug. Auch vielen Werbeagenturen zu glauben, die einem erzählen man müsse es genauso machen, wie es nur die Agentur dank ihrer Erfahrung machen kann, hat unnötig Zeit und Geld gekostet. Mittlerweile sind wir deutlich pragmatischer und machen fast alles selbst. So macht man sich nicht abhängig und hat die Kernkompetenzen im Team. Man kann schnell reagieren und Dinge ändern. Wir starten mittlerweile bei ganz vielen Sachen einfach und passen dann im Nachhinein an. Das ist soviel effizienter. Dieses ewige Abwarten und Anpassen bis etwas perfekt ist, ist einer der größten Fehler überhaupt.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?


Wir haben klassisch über LinkedIn & Co ausgeschrieben und bei der Auswahl ist dann ist das Wichtigste Eigenverantwortung. Mitdenken, Ideen haben, Sachen hinterfragen war für uns viel wichtiger, als gute Noten oder renommierte Unis.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Herausfinden, was die wirklich entscheidenden zwei KPIs sind, mit denen das Business Model steht und fällt. Und dann den ganzen Fokus darauf legen, diese immer weiter zu verbessern und sich nicht von Kleinkram aufhalten lassen.

Ohne welches externes Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Shopify. Wir haben keinen Affiliate Deal, aber die sind halt einfach die besten und unkompliziertesten.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?


Wir sind im WeWork, da gibt es oft Frühstück, einen Barista und viele Leute von anderen Startups, mit denen man sich austauschen kann. Das sorgt meistens für gute Laune und einen guten Teamspirit.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Nach einem Pitchevent ganz am Anfang von Fevana kam der Geschäftsführer von einem großen deutschen Familienunternehmen mit einem Übernahmeangebot auf uns zu. Wir haben das nicht ganz ernst genommen, aber am nächsten Tag hat er über fünf Ecken die Privatnummer von meinem Mitgründer organisiert und mehrmals angerufen. Wir haben dann ein paar Tage später auch recht konkret nochmal gesprochen.  Das wäre tatsächlich auch ganz lukrativ gewesen, aber unser Anspruch, das effektivste und vor allem qualitativ hochwertigste Produkt für Frauen anzubieten, wäre dahin gewesen und Fevana wäre ein Massenprodukt mit Fokus auf Marge geworden.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness

In unserem Themenschwerpunkt Köln werfen wir einen Blick auf das Startup-Ökosystem der Rheinmetropole. Wie sind dort die Voraussetzungen für Gründer:innen, wie sieht es mit Investitionen aus und welche Startups machen von sich reden? Mehr als 550 Startups haben Köln mittlerweile zu ihrer Basis gemacht. Mit zahlreichen potenziellen Investoren, Coworking-Spaces, Messen und Netzwerkevents bietet Köln ein spannendes Umfeld für junge Unternehmen. Diese Rubrik wird unterstützt von der KölnBusiness Wirtschaftsförderung. #Koelnbusiness auf LinkedInFacebook und Instagram.

KoelnBusiness

Foto (oben): Fevana

#Interview – “Ratschläge von den Besten zu erhalten, ist ein Privileg”

#Interview

Hinter sykell verbirgt sich ein “Mehrwegsystem für LEH, System- und Verkehrsgastronomie”. Zu den Groß-Kunden des jungen Berliner Unternehmens zählen die REWE Group, Lekkerland und auch HIT-Supermärkte. Zuletzt sammelte das Team 4,5 Millionen ein.

“Ratschläge von den Besten zu erhalten, ist ein Privileg”

Dienstag, 26. November 2024VonAlexander

Das Berliner Unternehmen sykell, 2021 von Davide Mazzanti und Michael A. Kappler gegründet, positioniert sich als “Mehrwegsystem für LEH, System- und Verkehrsgastronomie”. “sykell hat es sich zum Ziel gesetzt, den Übergang zu einer umfassenden Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen, Abfälle zu minimieren und damit die Natur zu schützen” , erklärt Gründer Mazzanti das Konzept hinter seinem Unternehmen. Collateral Good Ventures, Interzero und Altinvestor REWE investierten zuletzt 4,5 Millionen Euro in sykell.

Im Interview mit deutsche startups spricht der sykell-Macher einmal ausführlich über den bisherigen Weg des Unternehmens.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Dein Startup erklären?


Für meine Nonna, italienisch für Oma: Du möchtest heute doch auch Abfall beim täglichen Einkauf sparen. Dafür bieten wir eine simple Lösung, so einfach wie Pfandflaschen, die sogar von der Deutschen Bundes-Umweltministerin ausgezeichnet wurde. Für alle anderen: sykell hat es sich zum Ziel gesetzt, den Übergang zu einer umfassenden Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen, Abfälle zu minimieren und damit die Natur zu schützen. Dafür bietet sykell verschiedene Lösungen. Erstens erweitert sykell für deutsche Konsumentinnen und Konsumenten das bewährte deutsche Flaschenpfandsystem mit der bereits mehrfach ausgezeichneten Einfach-Mehrweg-Lösung um innovative Mehrwegverpackungen und -becher im Bereich Lebensmittel und Takeaway. Unsere Mehrweg-Verpackungen und -Becher können ganz einfach wie Pfandflaschen an den modernen Pfandflaschenautomaten zurückgegeben werden. 

War dies von Anfang an euer Konzept?


“So einfach wie Pfandflaschen” war die Zielsetzung bereits bei der Konzeptionierung von sykells Einfach Mehrweg-System. Im Vergleich zu anderen Marktlösungen wurde daher bewusst auf Barrieren verzichtet, die die Nutzung und Akzeptanz bei Verbraucher/innen negativ beeinträchtigen könnten. So sind beispielsweise weder App-Download noch eine Registrierung erforderlich. Zudem können die Behälter und Becher bequem und schnell über bestehende Pfandautomaten im Lebensmitteleinzelhandel wieder abgegeben werden. Das macht die Rückgabe nicht nur einfach, sondern entlastet zudem durch die Automatisierung auch Mitarbeitende vor Ort.

Wie hat sich sykell seit der Gründung entwickelt?


sykell wurde 2021 in Berlin gegründet. Das Team umfasst aktuell 15 Mitarbeiter:innen. Zu den Groß-Kunden von sykell zählen die REWE Group, Lekkerland und auch HIT-Supermärkte. sykell hat als erstes Unternehmen in Deutschland die Ökobilanz (LCA, Life Cycle Assessment) von Mehrwegverpackungen auf der Basis von aktuellen Daten erstellen lassen und vollumfänglich veröffentlicht. Dabei konnte belegt werden, dass die Mehrwegverpackungen im Durchschnitt 91 % weniger Abfall im Vergleich zu Einwegverpackungen verursachen. In 2023 wurden durch den Einsatz von Einfach Mehrweg 1,2 Millionen Einwegverpackungen ersetzt, was zu einer Einsparung von 44.800 kg Abfall, 32.600 kg CO2e-Emissionen und 658.000 Litern Wasser führte.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die aktive Nutzung des Mehrwegangebots noch etwas zurückhaltend ausfällt. Viele mehrwegangebotspflichtigen Unternehmen und auch Konsumentinnen und Konsumenten sind über die neuen nachhaltigen Mehrweg-Angebote vermutlich noch nicht ausreichend informiert bzw. gewöhnen sich nur langsam daran. Auffallend ist, dass die Kunden eine starke Präferenz für die Verwendung von Mehrwegbehältern haben, wenn sie diese schnell und unkompliziert an einem Pfandautomaten zurückgeben können. Hier wollen wir noch mehr Aufklärungsarbeit gemeinsam mit den Medien und den Partnern des Einzelhandels leisten.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?


Eine starke Vision zu haben ist das eine. Diese dann aber auch erfolgreich umzusetzen, erfordert viel harte Arbeit des gesamten Teams. Umso mehr freuen wir uns, dass diese Arbeit auch öffentlich Anerkennung findet. So wurde sykell gerade mit seinen Services beim 17. Deutscher Nachhaltigkeitspreis 2024 gleich in drei Kategorien als Finalist nominiert. Die Zusammenarbeit mit großen Partnern wie z.B. der REWE Group, Lekkerland und auch den HIT-Supermärkten hilft uns sehr, unsere sykell Services reichweitenstark umzusetzen. Und auch auf der Investoren-Seite erfahren wir viel Anerkennung. Für ein wirkungsorientiertes Unternehmen wie sykell ist es für eine erfolgreiche langfristige Zusammenarbeit von entscheidender Bedeutung, die gleichen Grundwerte mit seinen Investoren zu teilen. Das brachte uns zu Collateral Good, einem der spannendsten Impact-Investoren überhaupt. Deren Engagement für Nachhaltigkeit geht weit über das hinaus, was man öffentlich sieht. Sie wenden bei all ihren Investitionen einen wissenschaftlichen Ansatz an und berichten transparent über ihr Portfolio. Seit unserer Zusammenarbeit im Jahr 2023 haben wir enorm von ihren Erkenntnissen profitiert. Ehrliche Ratschläge von den Besten der Branche zu erhalten, ist ein Privileg, das sich nur wenige Unternehmen leisten können. Und wir sind dafür sehr dankbar.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?


Liebe Gründerin, lieber Gründer – vor allem jene im Bereich Nachhaltigkeit da draußen. Ich weiß, dass Du mehr als einmal mit manchmal extremen Herausforderungen zu kämpfen hast – und Dich wahrscheinlich schon gefragt hast, warum Du das tust. Wäre es nicht einfacher, ab und zu ein paar Abstriche zu machen und zu akzeptieren, dass wir nicht alle Dinge ändern können? Wir sind keine Regierungen oder mächtigen Konzerne, warum also die Mühe machen? Ich habe nicht alle Antworten, aber es gibt etwas, das ich Dir gerne zeigen möchte. Bei sykell haben wir beschlossen, dass es an der Zeit ist, alte Gewohnheiten zu ändern. Unternehmen jeder Größe sollten transparent über ihre Bemühungen berichten, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Das sehe ich als unsere Pflicht und Verpflichtung gegenüber den kommenden Generationen. Ich möchte Dich einladen, zu erfahren, wie wir die Dinge angehen – und unseren Impact Report zu lesen. Wir sind sicher weit davon entfernt, perfekt zu sein, aber ich hoffe, dass Du darin etwas Nützliches findest und Dich inspirieren lässt, das Gleiche in Deiner Organisation zu tun. Wir arbeiten alle auf das gleiche Ziel hin – und Zusammenarbeit, nicht Konkurrenz, wird uns schneller ans Ziel bringen.

Wo steht sykell in einem Jahr?


Mit Einfach Mehrweg werden wir in einem Jahr unsere Präsenz im deutschen Einzelhandel nochmals signifikant weiter ausgebaut haben – und damit viele weitere  Konsumentinnen und Konsumenten erreichen. Mit der Circular ERP werden wir mit vielen, auch internationalen Unternehmen im Bereich der wiederverwendbaren Verpackungen und der Kreislaufwirtschaft zusammenarbeiten – auch, um sie dabei zu unterstützen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Gerade auch das internationale Interesse zeichnet sich jetzt schon immer mehr ab. Und vorab exklusiv für Deutsche Startups: Wir werden eine eigene Verbraucher:innen-App auf den Markt bringen, um mit der Community in Kontakt zu treten und die Verbreitung von Mehrweg in Deutschland weiter und schneller auszubauen.

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