#Interview – “Ich lege großen Wert auf eine klare Struktur”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “An meinen Sporttagen bleibe ich oft länger bis in die Nacht am Schreibtisch, weil die morgendliche Bewegung mir hilft, den ganzen Tag konzentriert und produktiv zu bleiben”, sagt Alexander Weltzsch, Gründer von Dealcode.

“Ich lege großen Wert auf eine klare Struktur”

Freitag, 22. November 2024VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Alexander Weltzsch, Gründer von Dealcode, einem Unternehmen zur Vertriebsautomatisierung durch Künstliche Intelligenz (KI) mit Sitz in Hamburg und Berlin.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Mein Start in den Tag variiert je nach Wochentag, aber eines ist immer gleich: Ich lege großen Wert auf eine klare Struktur. Dreimal die Woche bringe ich meinen Sohn mit dem Fahrrad zur Schule, wenn es das Wetter zulässt, und fahre anschließend direkt in unser Büro in der Hamburger City. Der Arbeitstag dort beginnt dann immer mit einem guten Kaffee. An den anderen beiden Tagen starte ich mit Sport – entweder mit einem Lauf von 5 bis 7 Kilometern oder Kraft- und Ausdauertraining im Gym. Nach dem Sport arbeite ich oft von zu Hause aus. Bis 9:30 Uhr habe ich mir in der Regel einen Überblick über meine E-Mails und Termine verschafft, und ab 10:00 Uhr beginne ich dann, nach einem zweiten Kaffee, mit Meetings – ob mit dem Team, Partnern, Kunden oder Investoren. Generell versuche ich, Termine vor 10:00 Uhr zu vermeiden, da ich kein Morgenmensch bin.

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?


Auch das hängt stark vom Wochentag ab. An meinen Sporttagen bleibe ich oft länger bis in die Nacht am Schreibtisch, weil die morgendliche Bewegung mir hilft, den ganzen Tag konzentriert und produktiv zu bleiben. An den anderen Tagen versuche ich, zwei bis drei Stunden mit meiner Familie oder Freunden zu verbringen. Das gelingt natürlich nicht immer, besonders da häufig berufliche Veranstaltungen oder Reisen anstehen. Doch auch diese Events bieten mir eine gute Möglichkeit, den Kopf freizubekommen und abzuschalten.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?


Ich hätte gerne vorher gewusst, wie einsam man sich als Gründer manchmal fühlt. Abends alleine im Büro zu sitzen, während man das Gefühl hat, dass die Welt draußen ihr Leben lebt, kann schwer sein. Obwohl ich mit Dennis Hilger, der an unserem Berliner Standort sitzt, einen tollen Partner und insgesamt ein großartiges Team um mich herum habe, fühle ich mich manchmal doch wie ein Einzelkämpfer. Es ist wichtig, sich auf diese Momente vorzubereiten und Strategien zu entwickeln, um damit umzugehen.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?


Eine der größten Hürden war sicherlich, einen gut bezahlten und erfüllenden Job in einem bereits etablierten Unternehmen – das ich selbst mit aufgebaut habe – zu kündigen, um von vorne zu beginnen. Ich war zuvor zwar in der Geschäftsleitung eines erfolgreichen Startups und wusste, was auf mich zukommt. Trotzdem war es ein großer Schritt, quasi wieder bei Null anzufangen. Aber mein innerer Drang, noch einmal etwas komplett eigenes zu schaffen, hat mich dazu motiviert. Auch nach vier Jahren bereue ich diesen Schritt kein bisschen.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?


Einer meiner größten Fehler war es, Entscheidungen zu lange zu überdenken. Als Gründer sollte man schnell lernen, auf sein Bauchgefühl zu hören. Anfangs habe ich mich zu sehr von externen Meinungen beeinflussen lassen und manchmal Entscheidungen hinausgezögert, die eigentlich längst fällig waren. Auch Ratschläge auf Plattformen wie LinkedIn können irreführend sein. Der Schlüssel ist, den Fokus nicht zu verlieren und sich nicht von Meinungen, die nicht auf einen selbst oder auf das eigene Unternehmen zugeschnitten sind, ablenken zu lassen.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?


Die ersten 100 Mitarbeiter eines Startups sollten direkt von den Gründern selbst rekrutiert werden. Diese Personen sind entscheidend für den Erfolg und fungieren später als Multiplikatoren Deiner Unternehmensvision. Daher stammen bislang alle unsere Mitarbeiter:innen aus Empfehlungen, dem persönlichen Netzwerk oder dem erweiterten Netzwerk auf Plattformen wie LinkedIn. Ich achte immer darauf, dass Persönlichkeit und Teamfit mindestens genauso gut passen, wie die fachliche Qualifikation.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Niemand wird Deine Vision so klar verstehen wie Du. Du hast Dein Unternehmen gegründet, weil Du an eine Idee glaubst, und auf dem Weg dorthin werden viele versuchen, Dich davon abzubringen oder Dir zu sagen, dass Dein Konzept nicht funktioniert. Lass dich davon nicht verunsichern. Natürlich ist es wichtig, den Markt und das Geschäftsmodell gründlich zu validieren – viele Ideen scheitern auch, weil es schlichtweg an einem vernünftigen Geschäftsmodell mangelt. Dennoch bist mein Tipp: Höre vor allem auf Dich selbst und Dein Bauchgefühl.

Ohne welches externe Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Ganz klar: Jira. Hier arbeiten alle Teams mit ihren Projekten, Tickets und Aufgaben. Ohne ein sauberes Projekt- und Prozessmanagement könnten wir nicht wachsen und hätten längst den Überblick verloren.

Wie sorgt Ihr bei Eurem Team für gute Stimmung?


Flexibilität wird bei uns groß geschrieben. Jeder kann sich seine Arbeitszeit so einteilen, wie es ihm oder ihr am besten passt. Natürlich gibt es Pflichttermine, aber darüber hinaus haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viele Freiheiten.  Ein echtes Highlight sind unsere vierteljährlichen Co-Working-Wochen. Hier treffen wir uns einmal pro Quartal für eine volle Woche an einem Ort, um gemeinsam zu arbeiten, aber auch um gemeinsame Freizeitaktivitäten zu unternehmen. Das stärkt den Teamzusammenhalt in der heutigen hybriden Arbeitswelt enorm.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Ein Kunde versuchte wochenlang, uns mit Anwälten und der Geschäftsleitung glaubhaft zu machen, dass er kurz vor der Insolvenz stehe. Aus “Kulanz” bot er uns eine Einmalzahlung an, wenn wir im Gegenzug auf den Restbetrag einer Jahresrechnung verzichten würden. Alles wirkte seriös, da die Geschäftsführung des Kunden involviert war. Am Ende stellte sich jedoch heraus, dass alles nur vorgetäuscht war – sie hatten lediglich einen Weg gesucht, uns zu bewegen eine deutlich geringere Zahlung zu akzeptieren. In der Geschäftswelt gibt es viele schwarze Schafe und man sollte immer zweimal schauen, auf wen man sich am Ende einlässt.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus?


Ein guter Start in den Tag beginnt für mich mit Bewegung – sei es der Weg ins Büro mit dem Fahrrad, ein kurzer Lauf oder eine Einheit im Fitnessstudio. Das gibt Energie und Ausgeglichenheit, um die Herausforderungen des Tages besser zu meistern. Außerdem sollte immer Zeit für einen guten Kaffee und eine Mittagspause von mindestens 30 Minuten sein, am besten außerhalb des Büros. Die Arbeitstage in einem Startup können sehr, sehr lang sein, deshalb ist es wichtig, sich bewusst Zeit für Pausen zu nehmen. Timeboxing ist für mich der Schlüssel zur Struktur. Große Themen wie Produktentwicklung, Sales und Marketing, HR oder Fundraising haben feste Zeitblöcke und nur in diesen bin ich für das jeweilige Thema ansprechbar – sowohl intern als auch extern. Sonst läuft man Gefahr, fremdbestimmt zu arbeiten, was auf Dauer sehr unzufrieden machen kann.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): Dealcode

#Interview – “2020 ist der Markt für unsere Wettbewerber eingebrochen”

#Interview

In den vergangenen Jahren flossen rund 35 Millionen in Wunderflats. Das Berliner Unternehmen, von Jan Hase und Arkadi Jampolski gegründet, setzt seit 2015 auf die Vermietung von voll möblierten Wohnungen. 190 Mitarbeitenden wirkten derzeit für Wunderflats.

“2020 ist der Markt für unsere Wettbewerber eingebrochen”

Dienstag, 19. November 2024VonAlexander Hüsing

Das Berliner Startup Wunderflats, 2015 von Jan Hase und Arkadi Jampolski gegründet, bietet möblierte Wohnungen zur Miete an. Zielgruppe sind insbesondere Unternehmen, die für einige Wochen oder Monate Wohnungen für ihre Mitarbeitenden suchen. Investoren wie Creathor Venture, IBB Ventures, PT1, Verdane und Axel Springer Digital Ventures investierten in den vergangenen Jahren rund 35 Millionen Euro in das Unternehmen. 190 Mitarbeitenden wirken derzeit für Wunderflats.

Im Interview mit deutsche startups spricht Gründer Jampolski einmal ausführlich über die bisherige Entwicklung des Unternehmens.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Wunderflats erklären?


Wunderflats ist ein sicherer und einfacher Ort im Internet, um ein Zuhause zu mieten. Vermieter vermieten bei uns voll möblierte Wohnungen. Mieter aus Deutschland und dem Ausland mieten sie.

War dies von Anfang an Euer Konzept?


Ganz am Anfang, 2015, war unsere Zielgruppe Studierende. Über unsere Plattform konnten sie den passenden Wohnraum finden. Wir hatten mehrere Hundert Wohnungen vermittelt, waren im Microsoft Accelerator Programm und befanden uns augenscheinlich auf dem richtigen Weg – bis wir Geld für unsere Plattform verlangt haben. Geld ausgeben wollte niemand für unsere Lösung. Wir standen also ohne Kunden und Finanzierung dar.

Wie ging es dann weiter?


Als mein Mitgründer Jan Hase dann seine eigene Wohnung befristet an ein Gründerteam aus San Francisco vermietet hat – und währenddessen bei mir lebte – haben wir festgestellt: Unsere Zielgruppe sind vor allem die internationalen Fachkräfte, die in Deutschland ein vertrauenswürdiges Mietverhältnis suchen. Denn wer aus dem Ausland nach Deutschland kommt, hat für gewöhnlich keine Schufa-Auskunft. So eine Wohnung finden wird schwer. Und auch für Vermieter in Deutschland ist es häufig schwer, Mieter aus dem Ausland zu verifizieren. Und für dieses Produkt war der Markt bereit, Geld auszugeben. Am 11. März 2015 haben wir unseren ersten Umsatz verbucht.

Wie hat sich Wunderflats seit der Gründung entwickelt?


Am 11. März 2015 war die erste Person dazu bereit, für unser Produkt Geld zu bezahlen, knapp zehn Jahre später suchen über 20.000 Personen pro Tag nach Wohnungen über Wunderflats und wir gehören zu den größten Anbietern für flexibles Wohnen in Europa. Neben unserem Kernmarkt Deutschland sind wir in Österreich und Frankreich verfügbar – weitere Expansionen sind geplant.

Was war zuletzt das Highlight bei Euch?


Unser Start in Paris war sicherlich eins der größten Highlights. Vor Ort leitet unser Managing Director Gabriel Brüser das französische Team. Er selbst hat in Paris schon in 17 Wohnungen gelebt und weiß wie kompliziert der französische Mietmarkt sein kann. Die Mietverträge in Frankreich sind zum Teil deutlich komplexer als in Deutschland, es gibt zahllose Regelungen, die Mieter und Vermieter beachten müssen. So kann es passieren, dass man, um eine neue Wohnung anzumieten, bereits eine französische Anschrift benötigt – unmöglich für ausländische Fachkräfte. Wir nehmen diese Komplexität von den Schultern der Mieter und Vermieter. Ein weiteres Highlight war und ist das Projekt “Helfende Wände”. Mit der bundesweiten Initiative vereinfachen und beschleunigen wir die Bereitstellung von Unterkünften und die vorübergehende Unterbringung von Geflüchteten aus der Ukraine. Kofinanziert von der Europäischen Union und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, haben wir das Projekt mit der gemeinnützigen Organisation ProjectTogether ins Leben gerufen. Herzstück der Initiative ist die Plattform helfendewaende.de, auf der Anbieter ihren verfügbaren, privaten Wohnraum Geflüchteten aus der Ukraine zur Verfügung stellen können. “Helfende Wände” wird zusätzlich von der humanitären Organisation IPSO begleitet, die sich auf psychologische Beratung spezialisiert hat. Ursprünglich 2022 als Pilotprojekt in Reaktion auf den Krieg in der Ukraine ins Leben gerufen, hat die Plattform Tausende Geflüchtete aus der Ukraine bei der Suche nach einem vorübergehenden Zuhause in Deutschland unterstützt.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


Zwischen 2017 und 2020 hatten wir zwar eine solide Kunden- und Umsatzbasis, aber es gab etwa sechs Wettbewerber in Europa, die ähnlich aufgestellt waren wie wir. Irgendwann waren sie sogar gemessen an den Finanzierungsrunden, zwei-, drei-, oder sogar zehnmal größer als wir; und sie waren in ganz Europa tätig, während wir uns vor allem auf unseren Kernmarkt Deutschland fokussierten. Das fühlte sich manchmal an wie ein Wettrennen zu verlieren. Wir kannten die genauen Zahlen des Wettbewerbs natürlich nicht, aber das Gefühl, das aus dem reinen Beobachten entstand, war nicht gut. 2020 ist der Markt für unsere Wettbewerber dann aber eingebrochen. Mieter aus dem Ausland blieben pandemiebedingt nahezu vollständig weg. Wir aber hatten eine solide Nachfragebasis aus dem Inland und konnten während dieser Phase sogar um 60 % wachsen.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?


Bei der Auswahl unserer Geschäftspartner. Unsere Investoren, Verdane und PropTech1, vertreten dieselben Werte wie wir. Wir können uns auf sie zu 100 Prozent verlassen. Als Russland die Ukraine angriff, haben wir ihnen unseren Plan für Helfende Wände erklärt – ein Projekt, das zwar einen großen sozialen Nutzen hat, aber – das liegt in der Natur der Sache – keinen Umsatz einbringt. Sie haben unserem Vorhaben komplett vertraut. Wir können uns auf sie als Menschen und als Geschäftspartner verlassen.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?


Gesunder Menschenverstand muss die erste Priorität sein. Einstellungsgespräche sind dafür ein gutes Beispiel: Wenn der Lebenslauf perfekt zur gesuchten Stelle passt, aber eine Person nicht zur Unternehmenskultur passt, sollte ich sie trotzdem nicht einstellen.

Wo steht Wunderflats in einem Jahr?


Wir werden bestehende Märkte weiter ausbauen und unsere Fühler in neue Märkte ausstrecken. Außerdem werden wir in einem Jahr eine deutlich umfangreiche Angebotspalette haben – dazu aber in Zukunft mehr. Wunderflats ist Deutschlands Marktführer für flexibles möbliertes Wohnen. Das Berliner Scale-up wurde 2015 von Jan Hase und Arkadi Jampolski gegründet. Die Plattform bietet einfache und sichere Lösungen für mittelfristige Anmietungen mit einer Mindestmietdauer von einem Monat und bringt Wohnungssuchende und Wohnungsanbieter zusammen. Wunderflats bietet eine umfassende Vermietungslösung. Diese umfasst verifizierte Mietverträgen, Wohnungen, Mieter und Vermieter sowie weitere Dienste, wie zum Beispiel professionelle Inserat-Fotos und die Mietverwaltung. Wunderflats listet derzeit über 50.000 Wohnungen in Europa und hat über 190 Mitarbeitende.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Wunderflats

#Interview – “Wir haben keine Angst, fachfremde Menschen auszubilden”

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Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Ich bin gerne draußen. Der Hund braucht genauso viel Auslauf wie ich, und manchmal stehlen wir uns einfach einen Vormittag und gehen in die Berge”, erzählt Jürgen Henkel, Gründer des Online-Shops Carl Henkel.

“Wir haben keine Angst, fachfremde Menschen auszubilden”

Freitag, 15. November 2024VonAlexander Hüsing

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Jürgen Henkel, Gründer von Carl Henkel, einem Online-Shop rund um das Thema “Home-Living-Coffee-Tea und  Decoration”.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Heute, als E-Commerce-Unternehmer, beginnt mein Tag viel strukturierter und gesünder als früher. Damals war ich jährlich 50.000 Kilometer mit dem Auto unterwegs, flog oft international und verbrachte 150 Nächte nicht in meinem eigenen Bett – immer auf dem Weg zu Kundinnen und Kunden, mit denen man sich persönlich treffen musste. Jetzt stehe ich wochentags kurz vor sieben auf, gehe ins Gym für meine Morgenroutine und genieße dann ein Frühstück zu Hause mit frisch gebrühtem Kaffee aus unserer Kaffeekanne Arca X-tract. Kirsten, meine Frau und Mitgründerin, und ich lieben es, so in den Tag zu starten. Dann beginne ich mit der Arbeit. Sieben Tage die Woche beantworte ich als erstes Kundenanfragen und Social-Media-Kommentare. Nach diesem “Reality Shower” verfolge ich meinen Tagesplan: Deep Work Session 1, dann ein Spaziergang mit dem Hund, ein kurzes Schläfchen, gefolgt von Deep Work Session 2, und abends noch ein Spaziergang mit dem Hund. Warum ich den Hund erwähne? Weil Nachdenken in Ruhe, ohne vor dem Computer zu sitzen, für mich die beste investierte Zeit ist.

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?


Ich bin gerne draußen. Bei uns in der Schweiz ist es unglaublich schön und einfach, in die Natur zu kommen. Der Hund braucht genauso viel Auslauf wie ich, und manchmal stehlen wir uns einfach einen Vormittag und gehen in die Berge.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?


Das Liquiditätsmanagement ist in der Theorie weniger nervenaufreibend als in Wirklichkeit. Als angestellter Manager, selbst als CEO, erschien es mir nie so anstrengend. Aber wenn es um dein eigenes Geld geht, ist es schwieriger, als man es in der Business School lernt.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?


Zunächst lief alles reibungslos, bis wir erfuhren, dass wir unseren eigenen Namen Carl Henkel nicht als Marke für unsere Produkte benutzen durften. Andere Firmen hatten die Marke für die für uns relevanten Warengruppen gesichert. Es hat Geduld gebraucht, aber wir haben es geschafft: Mit der Hilfe einer erfahrenen Anwältin gelang es uns nach etwa zwei Jahren, unsere Marke zu beanspruchen. 

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?


Als Unternehmer muss man Entscheidungen treffen. Manchmal zu schnell, manchmal auf falschen Annahmen basierend. Die Corona-Krise brach aus, als ich von einer Messe in Schweden zurückkam. Die Tasche voll Aufträge, das Buch voll Leads und das Lager voller Ware. Ich dachte, wir hätten es geschafft. Doch zu Hause angekommen, waren die Aufträge storniert, die Kontakte wertlos und das Investment verloren. Die Lektion? Warenrisiko ist gefährlich. 

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?


Genauso wie neue Käuferinnen und Käufer für unser Produkt: Die Besten kommen durch Empfehlungen. Wir haben keine Angst davor, fachfremde Menschen jeglichen Alters auszubilden und ihnen die Freude und den Stolz zu vermitteln, etwas Neues zu lernen und sich entsprechend ihrer Interessen und Fähigkeiten einzubringen.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Wir sind ein Familienunternehmen. Ich habe Carl Henkel gemeinsam mit meiner Frau Kirsten gegründet, die einen ähnlichen Hintergrund hat wie ich. Bis heute fehlt mir ein Co-Founder mit einem völlig anderen Skill-Set. Eine weitere Perspektive hätte mir einige Male gutgetan und hilft dabei, auch nochmal andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. 

Ohne welches externe Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Shopify, Klaviyo und vor allem die Beratung durch Nico Frank und sein Team von Ecoza.

Wie sorgt Ihr bei Eurem Team für gute Stimmung?


Meiner Meinung nach kann man Motivation nicht durch externe Veranstaltungen herbeiführen. Motivation muss von innen kommen. Anreize wirken wie Doping – kurzzeitig und die Abhängigkeit steigt. Ehrlichkeit, Freude, Teilen, Partizipation, Eigenständigkeit und gerechte Bezahlung sind die Bausteine des täglichen Miteinanders. Freundlichkeit, Authentizität und ehrlich gemeintes Lob sind die Basis für ein gutes Miteinander.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Die wahnsinnige Dynamik von begeisterten Kundinnen und Kunden macht extrem viel Freude. Wir haben sie erst vor kurzem gefragt, ob sie Interesse an einem speziellen X-tract Kaffee für unsere Kaffeekannen haben. Die Ergebnisse der Umfrage waren schon überwältigend und der erste Pre-Sale war der beste Tag in unserer Firmengeschichte. Das macht so viel Spaß!

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): Carl Henkel

#Interview – “Wir haben dreißig großartige Gesellschafter, darunter zwei VC-Fonds”

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Das Team von bcause digitalisiert das Gründen von Stiftungen. Die Unternehmerfamilie Mast (Jägermeister), BonVenture und IBB Ventures sowie Altinvestoren investierten zuletzt 4,2 Millionen Euro in das Berliner Unternehmen., das 2021 gegründet wurde.

“Wir haben dreißig großartige Gesellschafter, darunter zwei VC-Fonds”

Montag, 11. November 2024VonAlexander Hüsing

Das Berliner Startup  bcause, 2021 von Lukas Bosch, Susanna Krüger, Felix Oldenburg, Timm Richter, Sven Tantau und Nicole Weyde gegründet, digitalisiert das Gründen von Stiftungen. “Wer mehr tun kann und will, als ab und zu eine kleine Spende zu machen, hat früher eine Stiftung gegründet – das kostet aber viel Zeit und Geld. Wir haben die Stiftung digital neu erfunden, so dass es jetzt nur noch wenige Minuten dauert und wenig bis gar nichts kostet”, sagt Gründer Felix Oldenburg.

Die Unternehmerfamilie Mast (Jägermeister), BonVenture und IBB Ventures sowie Altinvestoren wie Andreas Haug, Martin Weber, Gesche Joost und Tobias Thelen investierten zuletzt 4,2 Millionen Euro in das Unternehmen. Im Interview mit deutsche-startups.de stellt Gründer Oldenburg bcause einmal ausführlich vor.

Wie würdest Du Deiner Großmutter bcause erklären?


bcause macht es für alle einfach, sich mit Geld für eine bessere Welt einzusetzen. Wer mehr tun kann und will, als ab und zu eine kleine Spende zu machen, hat früher eine Stiftung gegründet – das kostet aber viel Zeit und Geld. Wir haben die Stiftung digital neu erfunden, so dass es jetzt nur noch wenige Minuten dauert und wenig bis gar nichts kostet. 

War dies von Anfang an euer Konzept?


Nach dem anfänglichen Interesse stockte das Wachstum. Wir haben gelernt, dass sich viel mehr Menschen finanziell engagieren wollen, aber ihr Vorhaben aufschieben, bis sie ihrer Meinung nach genug Zeit und Geld dafür haben. Sie brauchen also einen Anstoß aus ihrem Umfeld. In unseren Zielgruppen haben wir gezielt eine Community von Online-Stiftenden aufgebaut, die ihr Netzwerk einladen, in ihre Stiftungen zu spenden. Jetzt wächst bcause viel organischer. Und dann gibt es diejenigen, die eher wirtschaftlich denken und nur kleine Beträge einsetzten. Für sie haben wir die einzigartige Funktion gebaut, aus der Stiftung auch Impact Investments zu finanzieren. So kann sich ihre Spende vermehren und mehrfach wirken. Inzwischen verstehen wir, dass wir ein neues Finanzinstrument für das Gute bauen.

Zuletzt konntet ihr Millionen einsammeln. Wie seid ihr mit euren Investor:innen in Kontakt gekommen?


Fundraising ist Vertrauenssache, da hilft es, dass ich schon einige berufliche Stationen hinter mir und ein Netzwerk im Rücken hatte, aus dem bekannte Angels wie Christian Vollmann kamen. In unserer Anfangsphase sammelten Fintech-Startups um uns Millionen von Fonds ein, aber unsere Strategie war anders: Wir haben nur Privatpersonen angesprochen, die unsere Mission unterstützen. Zwischendurch habe ich auch mal geblufft und so getan, als könnten wir uns die Investierenden aussuchen, die zu uns passen. So haben wir heute dreißig großartige Gesellschafter, darunter jetzt auch zwei VC-Fonds. Das ist für mich die beste Garantie, dass wir die langfristige Vision im Auge behalten, während wir den Markt erobern.

Wie hat sich bcause seit der Gründung entwickelt?


Die Größe eines Startups ist ja immer eine Wette auf den verbleibenden Runway. Wir wissen, dass unser Thema viel Ausdauer braucht. Deshalb bin ich sehr glücklich, dass wir das konstant mit einem Team in der Größe einer Fußballmannschaft stemmen können. Wir haben mittlerweile mehr als 1500 aktive User, die allein im letzten Monat 650.000 Euro in ihre Stiftungen eingezahlt haben. 

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


Am Anfang haben wir mal viel Zeit und Geld in ein aufwändiges Designverfahren investiert. Zum Glück hatten wir schnell einen Prototypen, sonst wären wir ewig im Leerlauf geblieben. Und dann kamen wir mal aus einem Mietvertrag nicht raus. Aber ich vermute, es gibt größere Fehler in nicht genutzten Chancen, die ich auch heute noch übersehe. 

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?


Ich bin sehr glücklich mit dem Team, und damit meine ich nicht nur die Angestellten, sondern das große, verteilte Team of Teams, also auch unsere Investierenden und unsere aktiven User. 

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer;innen mit auf den Weg


Nicht im falschen Moment Geld brauchen. 

Wo steht bcause in einem Jahr?


Von Bill Gates habe ich neulich gehört, dass man meist überschätzt, was man in einem Jahr schafft, aber unterschätzt, was man in zehn Jahren schaffen kann. Dann sind digitale Stiftungen so selbstverständlich wie Online-Depots. 

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): bcause

#Interview – “Wir müssen unser Selbstbild und unsere Glaubenssätze hinterfragen”

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Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Ich frühstücke mit meinem 17-jährigen Sohn und verabschiede ihn in die Schule. Dann setze ich mich für eine Stunde gemütlich mit einer großen Tasse Tee ins Bett”, sagt volate-Gründerin Dorothea von Wichert-Nick zu ihrem Start in den Tag.

“Wir müssen unser Selbstbild und unsere Glaubenssätze hinterfragen”

Freitag, 8. November 2024VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Dorothea von Wichert-Nick, Gründerin von volate. Das Unternehmen unterstützt Gründerinnen und Gründer dabei “neue Perspektiven zu entwickeln und ihre Führungsfähigkeiten an die sich ständig wandelnden Anforderungen anzupassen”. 

Wie sieht Dein typischer Morgen aus, bevor Du in den Arbeitstag startest?


Ich frühstücke mit meinem 17-jährigen Sohn und verabschiede ihn in die Schule. Dann setze ich mich für eine Stunde gemütlich mit einer großen Tasse Tee ins Bett und lese etwas über Leadership und psychologische Themen. So nehme ich eine große Portion Inspiration und Reflexion für den Tag mit. Herrlich! 

Was machst Du, um nach einem intensiven Arbeitstag abzuschalten?


Am liebsten mache ich einen Spaziergang vom Büro nach Hause. 30 Minuten durch Schrebergärten schlendern, durch ein kleines Wäldchen und einen Park. Gerne mit einer guten Freundin zusammen oder mit einem Podcast im Ohr. 

Wenn Du in die Zeit vor Deiner Gründung zurückblickst – was wäre hilfreich gewesen, schon vorher zu wissen?


Wie wichtig es ist, die Transformation vom Macher zum Leader zu schaffen. Wir alle starten als Macher. Das ist es, was wir in der Schule und im Studium gelernt haben. Wir genießen unsere Selbstwirksamkeit: “Ich habe das geschafft.” Dummerweise wird ein Unternehmen damit nicht groß. Die Schallgrenze liegt bei 15 bis 25 Mitarbeitern. Wer bis dahin nicht gelernt hat zu führen, sabotiert das weitere Wachstum des Unternehmens. Die Herausforderung: Hinter diesem Schritt steht eine tiefgreifende persönliche Transformation. Wir müssen unser Selbstbild und unsere Glaubenssätze hinterfragen. Hilfreich dabei ist ein Coach oder eine Coachin, die diesen Weg bereits selbst gegangen ist.  

Gab es im Laufe Deiner Gründerkarriere Rückschläge, aus denen Du besonders viel gelernt hast?


Mein größter Fehler in der Führung war, der Arbeit den Vorrang vor der Beziehung zu setzen. Dieser Glaubenssatz hat mich mindestens eine Geschäftsführungsrolle gekostet. Nur wenig ist so wichtig wie ein starkes Gründer- oder Leadership-Team. Das Problem: In den intensiven Wachstumsphasen passiert es schnell, dass sich jeder Gründer nur noch auf sein oder ihr Aufgabengebiet fokussiert. “Es gibt so viel zu tun –  wann sollen wir uns noch für einen  persönlichen Austausch treffen?” “Das ist doch unproduktiv.” Aus der intensiven Zusammenarbeit der ersten Gründungstage  werden irgendwann nur noch kurze Updates. Das Dumme dabei ist, dass ohne persönlichen Austausch das Vertrauen untereinander verloren geht. Misstrauen schleicht sich ein. Konflikte können nicht mehr gelöst werden. Am Ende bleibt nur noch eine Trennung. Mein Learning: Regelmäßiger persönlicher Austausch muss eine feste Routine haben, egal wie stressig die Zeiten sind.  

Was ist das Geheimnis, um talentierte Mitarbeiter für ein junges Unternehmen zu gewinnen?


Anfangs nutzt man das eigene, enge Netzwerk und die aktive Ansprache über LinkedIn. Man sucht nach Menschen, die mit ihrem Lebenslauf signalisieren: Ich bin neugierig und baue gerne etwas auf. So schafft man dann eine starke begeisternde Unternehmenskultur. Eine Kultur, bei der Menschlichkeit und Performance in der Balance sind, in der jeder über sich hinauswachsen kann und die von einer ambitionierten Mission getragen wird. A-Player wollen Impact haben und in einem ambitionierten und wertschätzenden Umfeld arbeiten. Unternehmen, die das schaffen, sprechen sich schnell herum, denn A-Player holen andere A-Player an Bord. 

Welche Erkenntnis möchtest Du anderen Gründern mit auf den Weg geben?


Lerne dich selbst intensiv kennen. Was sind deine Stärken, was deine Schwächen? Was ist dein Bestes-Ich, was dein Stress-Ich? Was sind die Glaubenssätze, die dich antreiben –  und wie können sie dir zum Nachteil werden? 

Gibt es Tools, die für die Organisation und den Erfolg deines Startups unverzichtbar sind?


Ja, da gibt es zwei, Asana und Notion. Notion nutze ich als Sammelbecken für all meine Ideen. Asana für meine Planung und als Plattform für meine Klienten.

Wie sorgt Ihr bei Eurem Team für gute Stimmung?


Indem wir uns Zeit für Persönliches nehmen.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Die ersten Weihnachtsfeste bei der Beratung Solon. Sie waren weniger wild als bewegend. Es war ein gemeinsames Erlebnis auf Gut Elmau, mit den ganzen Familien, inklusive Babies. Nach dem gemeinsamen Abendessen wurde Scharade gespielt. Am nächsten Tag sind wir gemeinsam auf eine Alm geklettert und mit dem Schlitten wieder runter. Es war wunderbar, die Kollegen als ganze (Familien-)Menschen zu erleben. Auch wenn das ganze schon 25 Jahre her ist, halten viele Kontakte noch immer. 

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): Volante, Anne Kainer

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