#Interview – Talentspace: Vom Event-Veranstalter zum Software-Unternehmen

Das Berliner Startup Talentspace, das 2017 an den Start ging, wandelte sich im Zuge der weltweiten Corona-Pandemie vom Event-Veranstalter zum Software-Unternehmen. “Seit dem Launch unserer Plattform veranstalten wir keine eigenen Events mehr, sondern sind ein reines SaaS-Geschäft: Universitäten, Unternehmen und andere Veranstalter nutzen Talentspace, um ihre eigenen Events und Aktivitäten über unsere Plattform umsetzen”, sagt Gründer Marco Eylert, der das Startup gemeinsam mit Jason Reich und Markus Dücker gegründet hat, zum Pivot.

Anderen Gründer:innen, die vor einem Pivot stehen, rät Eylert: “Seid flexibel und hört darauf, was eure – potenziellen – Kunden wirklich brauchen werden. Es geht weniger darum, dass Ihr eure Ideen verwirklicht, sondern vielmehr darum, etwas zu erschaffen, das mit den Needs eurer Kunden zusammenspielen kann”. Inzwischen wirken 40 Mitarbeiter:innen für das junge Unternehmen, das von 468 Capital, Axel Springer Plug and Play und Avala Capital finanziell unterstützt wird.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Talentspace-Macher Eylert außerdem über Remote Work, oberflächliche Gespräche und die Internationalisierung von Talentspace.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Talentspace erklären?


Mit Talentspace haben wir einen digitalen Raum geschaffen, in dem Arbeitgeber und Bewerber zusammenkommen, sich austauschen und zueinander finden können, und das sogar nachhaltiger, effizienter und zielführender als das bei klassischen Messen und Formaten möglich war. Unsere virtuelle Plattform bietet verschiedene Formate und Funktionen, bei denen die Interaktion im Mittelpunkt steht – und als Konsequenz finden Bewerber durch Talentspace besser einen Job und Unternehmen effizienter die passenden Mitarbeiter.

Hat sich das Konzept, das Geschäftsmodell, in den vergangenen Jahren irgendwie verändert?


Ja, und zwar grundlegend. Wir sind Ende 2017 mit Talentspace gestartet und für die ersten Jahre mit der Organisation von Karriere-Events hauptsächlich analog unterwegs gewesen. Wir haben zwar schon begonnen, klassische Events durch Technologie weiterzuentwickeln, haben diese aber noch selber europaweit umgesetzt. Der erste Lockdown wirkte dann wie ein Brandbeschleuniger für die Weiterentwicklung unseres Geschäftsmodells: Da physische Veranstaltungen ausfallen mussten, haben wir all unsere Insights und Energie in die Entwicklung der Plattform gesteckt.

Was war die größte Herausforderung, was die größte Schwierigkeit bei diesem Wandel?


Die größte Herausforderung war es, unser Geschäftsmodell in kürzester Zeit vom Eventveranstalter zum Software-Unternehmen zu entwickeln – sowohl was die Entwicklung des Produkts, die Weiterentwicklung der Kundenbeziehungen, aber auch die Zusammenstellung des Teams betraf. Für viele Unternehmen war das Benutzen der Plattform erstmal neu, aber wir konnten sie schnell von den Vorteilen überzeugen.

Welchen Tipp gibst du anderen Gründern, die vor einem Pivot stehen?


Seid flexibel und hört darauf, was eure – potenziellen – Kunden wirklich brauchen werden. Es geht weniger darum, dass Ihr eure Ideen verwirklicht, sondern vielmehr darum, etwas zu erschaffen, das mit den Needs eurer Kunden zusammenspielen kann. Versucht daher nicht, eure Idee auf Biegen und Brechen durchzukriegen, sondern seid flexibel und offen für die Zeichen der Zeit. Habt ihr eine Entscheidung erstmal getroffen, dann arbeitet auch daran, diese schnell und konsequent umzusetzen.

Wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell jetzt?


Seit dem Launch unserer Plattform im Herbst 2020 veranstalten wir keine eigenen Events mehr, sondern sind ein reines SaaS-Geschäft: Universitäten, Unternehmen und andere Veranstalter nutzen Talentspace, um ihre eigenen Events und Aktivitäten über unsere Plattform umsetzen – und das kann von großen Karrieremessen, internen Mobilitäts-Events bis hin zu Assessment Center oder Firmenpräsentationen alles sein. Unsere Kunden zahlen uns dafür eine jährliche Lizenzgebühr. Wir bieten also im Grunde die technische Infrastruktur dafür, dass Unternehmen und Bewerber sich online kennenlernen können.

Die Corona-Krise traf die Startup-Szene zuletzt teilweise hart. Wie habt ihr die Auswirkungen gespürt?


Der Beginn der Pandemie war schon krass, da wir aus dem offline-Geschäft mit einem Umsatzrückgang von 100 % zu kämpfen hatten. Durch unsere schnelle Reaktion und die Umstellung des Geschäftsmodells auf online, sind wir im ersten halben Jahr aber mit einem blauen Auge ziemlich gut weggekommen. Die Zeit ab Sommer 2020 hatte es dann in sich: Eine Finanzierungsrunde von renommierten VCs, schnelles Wachstum, ein vergrößertes Team und neue Kunden weltweit. Schade war es schon, dass wir die Erfolge nicht gemeinsam feiern konnten, da natürlich auch unser Büro dicht ist. Doch ehrlich gesagt funktioniert das kollektive remote Arbeiten so gut, dass wir unsere Firma mittlerweile auf “Remote-first” umgestellt haben.

Wie ist überhaupt die Idee zu Talentspace entstanden?


Meine Mitgründer und ich kannten Karriere-Events schon aus unserer Uni-Zeit, gruselten uns aber vor den Goodybags und oberflächlichen Gesprächen. Diese Veranstaltungen waren immer ineffizient und am eigentlichen Ziel vorbei, da man kaum Einblicke in die Firmen, Jobs und Karrieremöglichkeiten bekam. Wir wollten eigene Formate durch die Integration von Technologie besser machen und die einzelnen Touchpoints sowohl für die Unternehmen als auch für die Teilnehmer*innen relevanter machen. Damit haben wir dann angefangen.

Wie hat sich Talentspace seit der Gründung entwickelt?


Auch das lässt sich am besten wohl mit dem Pivot im letzten Jahr beschreiben. Während wir in den ersten 2,5 Jahren ein gut wachsendes, profitables Business mit den analogen Events aufgebaut haben, war die Reichweite von offline-Events natürlich begrenzt: so haben wir in der ersten Phase unserer Firma rund 50 Veranstaltungen mit insgesamt 300 Unternehmen und knapp 10.000 Teilnehmern durchgeführt. Das hat sich stark verändert: Allein seit dem Sommer 2020 sind jetzt mehr als 1.600 Unternehmen und über hunderttausend Leute bei Veranstaltungen auf Talentspace miteinander in den Austausch gekommen. Wir helfen durch die Umstellung auf digitale Events also heute schon deutlich mehr Unternehmen und Bewerbern beim Recruiting als jemals zuvor.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Talentspace inzwischen?


Seit dem Launch im letzten Jahr sind wir dann auch kräftig gewachsen auf mittlerweile knapp 40 Mitarbeiter. Zudem werden wir es in diesem Quartal schaffen, erstmals die siebenstellige Umsatz-Marke zu knacken.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


Im letzten November haben wir auch einmal die Tücken der digitalen Welt erfahren müssen. Mitten in einem großen Live-Event ging plötzlich nichts mehr und alle Verbindungen brachen weg. Wir hatten zunächst keine Ahnung, was los war und wie wir das Problem schnell fixen konnten – recht schnell erfuhren wir dann auch warum. AWS hatte einen riesigen Ausfall und legte gefühlt das halbe Internet lahm. Da war für uns dann auch wenig zu machen.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?


Wir haben wahrscheinlich vor allem den Mut gehabt, die Pandemie nicht einfach aussitzen zu wollen, um unser offline-Geschäft zu retten. Stattdessen haben wir diese als Chance begriffen, uns auf unsere online-Plattform zu fokussieren und die Entwicklung dieser zu beschleunigen. So sind wir direkt all-in auf die Entwicklung und den Launch der Plattform gegangen. Das hat sich rückblickend echt bezahlt gemacht.

Wo steht Talentspace in einem Jahr?


In einem Jahr wollen wir nicht nur unsere Internationalisierung in die USA weiter vorangetrieben haben, sondern vor allem die erste Anlaufstelle für die Interaktion im gesamten virtuellen Recruitingprozess von Unternehmen werden – also vom Kennenlernen bei Recruiting-Events, über Interviews, Assessment-Center bis hin zum Onboarding.

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Foto (oben): Talentspace

#Podcast – “Wir sehen in jedem Marktsegment einen maximalen Inflow of Money”

#Podcast

Der Düsseldorfer Kapitalgeber Crosslantic Capital. investiert zwischen 10 und 50 Millionen Euro in Unternehmen. Sascha van Holt, Managing Partner bei Crosslantic Capital.spricht im Interview unter anderem über Quick Commerce, die Strategie von Tiger Global und halbstündige Meetings in London.

“Wir sehen in jedem Marktsegment einen maximalen Inflow of Money”

Mittwoch, 2. Juni 2021Vonds-Team

In unserem Interview-Podcast ist diesmal Investor Sascha van Holt von Crosslantic Capital zu Gast. Der Düsseldorfer Kapitalgeber investiert zwischen 10 und 50 Millionen Euro in Unternehmen, die mindestens 10 Millionen Umsatz machen.

Im Gespräch mit Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, spricht van Holt, der zuvor etwa bei SevenVentures tätig war, unter anderem über Herausforderungen im E-Health-Segment, Kontaktpflege, Quick Commerce, die Strategie von Tiger Global, Positionierungen von Venture Capital-Gebern, das Trendthema Nachhaltigkeit, halbstündige Meetings in London, Gründerinnen und SPACS.

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Die heutige Ausgabe wird präsentiert vom ruhrHUB, dem digitalen Knotenpunkt für Startups, Unternehmen und Digital Natives im Ruhrgebiet. Auch in diesem Jahr veranstaltet der ruhrHUB wieder den ruhrSUMMIT. Das größte B2B-Startup-Event Deutschlands findet am 29./30. Juni wieder in hybrider Form statt. Analoge Komponenten in der Bochumer Jahrhunderthalle treffen dabei auf digitale, interaktive Elemente auf der Event-Plattform und garantieren so, ein Hybrid-Event der besonderen Art. Mehr Infos gibt es unter www.ruhrsummit.de. Du möchtest mit deinem Startup auf dem ruhrSUMMIT sichtbar sein und Unternehmen und Investor*innen auf dein Produkt, deinen Service aufmerksam machen? Dann bewirb dich bis zum 7. Juni für einen digitalen Startup Pitch und überzeuge das internationale Publikum von deiner Vision! Gefragt ist hier ein englischer Pitch (3 Minuten plus 4 Minuten Q&A). Das Bewerbungsformular für die digitale Pitch Stage findest du unter: www.ruhrsummit.de/start-up-bewerbung.

#Interview – “Die emotionale Achterbahnfahrt in den ersten Monaten ist anstrengend”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Für die unzähligen Ups und Downs innerhalb nur eines Tages ist ein dickes Fell und Stressresistenz zwingend erforderlich. Das habe ich anfangs unterschätzt, ist gleichzeitig aber auch der geile Kick während der Gründung”, sagt Matthias Potthast von Relevo.

“Die emotionale Achterbahnfahrt in den ersten Monaten ist anstrengend”

Freitag, 21. Mai 2021Vonds-Team

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Matthias Potthast, Gründer von Relevo. Das Münchner Startup bietet Mehrwegverpackungen für To-Go Essen an. “Neben unseren nachhaltigen Verpackungen bieten wir ein bequemes Netzwerk an Rückgabe-Stationen inklusive hygienischer Spüllogistik an”, teilt die Jungfirma mit. So soll Müll vermieden werden, bevor er überhaupt entsteht.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Raus aus dem Bett, 10 bis 15 Minuten Workout, Yoga oder Dehnen, kurz duschen, AirPods rein und mit dem Bike ins Büro.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?


Mit dem Mountainbike noch kurz auf den Isar-Trail oder in die Berge zum Feierabend-Skitouren gehen. Das klappt nur leider viel zu selten, daher meist lecker was kochen oder To-Go holen – in der Relevo selbstverständlich – und früh ins Bett.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?


Die emotionale Achterbahnfahrt gerade in den ersten Monaten ist äußerst anstrengend und sehr Energie raubend. Für die unzähligen Ups und Downs teilweiße innerhalb nur eines Tages ist ein dickes Fell und Stressresistenz zwingend erforderlich. Das habe ich anfangs unterschätzt, ist gleichzeitig aber auch der geile Kick während der Gründung.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?


Mit Relevo wollten wir am 16. März 2020 starten und hatten alles für unseren Go-Live vorbereitet und waren entsprechend voller Vorfreude. Bis am Freitag dem 13. März der erste Lockdown verkündet wurde und somit erst einmal alles auf Eis lag. Die folgenden Wochen waren sehr zäh und voller Ungewissheit, noch mehr als eh schon. Die “Ruhe-Phase” hat uns allerdings zu einem Pivot gezwungen, in dem wir unser Geschäftsmodell entschlacken konnten und durften anschließend Anfang Juni mit voller Power richtig durchstarten, auf heute ein Team von über 30 MitarbeiterInnen innerhalb von nur 10 Monaten.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?


Ich stand vor einem wichtigen Mitarbeitergespräch bzgl. Vertragsverlängerung. Aufgrund meines vollen Terminkalenders musste das Gespräch verschoben werden und fand schlussendlich telefonisch zwischen Tür und Angel statt. Leider habe ich dabei entscheidende Details nicht korrekt rüberbringen können und meine Kommunikation war einseitig und ohne Empathie. Das klärende Gespräch in Person hat dann die Wogen wieder geglättet, aber meine Learnings: persönliche Themen werden ausschließlich persönlich besprochen.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?


Eine starke Vision und authentische Kommunikation ist für uns im Recruiting extrem wichtig. Als Impact Startup ziehen wir ganz viele Initiativbewerbungen von MitarbeiterInnen mit intrinsischer Motivation an. Und entsprechend ist für uns auch im Hiring-Prozess der persönliche Fit und die gemeinsam geteilte Vision für einen nachhaltigen Impact entscheidend.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Nicht alles, was blinkt ist auch Gold und nicht jeder, der sich Experte nennt ist auch hilfreich. Fokussiere dich auf dein Kern-Geschäftsmodell, sag nein zu allem, was nicht direkt auf deine First-Principles einzahlt und lass dich nicht von deiner klar definierten Vision ablenken. Und die besten Experten teilen häufig ihr Know-How und ihre Unterstützung auch ohne finanzielle Gegenleistung, Du musst dich nur trauen zu fragen.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Slack und G-Drive sind für uns der Dreh und Angelpunkt. Hierüber läuft alles und wir können in Echtzeit kooperativ arbeiten.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?


Zum Glück sind wir alle durchweg positive Menschen, die für eine positive Sache brennen. Da ist die gute Stimmung ein Selbstläufer, klingt kitschig, ist allerdings so. Dazu hilft sicherlich auch das ein oder andere Feierabend-Bier auf unserer Sonnenterrasse.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Wir konnten nach nur fünf Monaten mit dem STWNO eines der größten Studentenwerke Deutschlands für unsere Mehrweglösung gewinnen. „Leider“ wollten sie nur drei Wochen später live gehen, was uns zu schlaflosen Nächten und durchgearbeiteten Wochenenden getrieben hat. Am Tag des Go-Lives waren wir dann doch ready, der Bayerische Rundfunk für einen TV-Beitrag im Anflug und 2 Stunden vor Start ging plötzlich unsere App nicht. Am Ende war es nur ein kurzzeitiges Serverproblem und alles lief bestens. Wir bekommen allerdings noch heute beim Gedanken daran Schweißausbrüche.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Relevo

#Podcast – “Dass Leonardo DiCaprio in ein deutsches Startup investiert, ist eine gute Schlagzeile”

#Podcast

Enpal, 2017 gestartet, erwirtschaftete 2020 bereits einen Umsatz in Höhe von 56 Millionen Euro. Im Interview spricht Gründer Mario Kohle über den Klimawandel, Promi-Investor Leonardo DiCaprio, die Börsenpläne von Enpal und große bzw. ambitionierte Ziele.

“Dass Leonardo DiCaprio in ein deutsches Startup investiert, ist eine gute Schlagzeile”

Mittwoch, 19. Mai 2021Vonds-Team

In unserem Interview-Podcast ist diesmal Seriengründer Mario Kohle, Gründer von Käuferportal und Enpal, zu Gast. Das 2017 gestartete Unternehmen Enpal, das Solaranlagen vermietet, erwirtschaftete 2020 bereits einen Umsatz in Höhe von 56 Millionen Euro. In den vergangenen Jahren investierten insbesondere Picus Capital, Spreadshirt-, Circ- und Delivery Hero-Gründer Lukasz Gadowski sowie der amerikanische Investmentfonds Princeville Climate Technology in das Unternehmen, das langfristig einen IPO plant.

Im Gespräch mit Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, spricht Kohle über den Klimawandel, Promi-Investor Leonardo DiCaprio, Fehler, die Börsenpläne von Enpal, große bzw. ambitionierte Ziele, offene Kommunikation und Technologien aus dem 19.Jahrhundert.

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Die heutige Ausgabe wird gesponsert vom ruhrHUB, dem digitalen Knotenpunkt für Startups, Unternehmen und Digital Natives im Ruhrgebiet. Auch in diesem Jahr veranstaltet der ruhrHUB wieder den ruhrSUMMIT. Das größte B2B-Startup-Event Deutschlands findet am 29./30. Juni wieder in hybrider Form statt. Analoge Komponenten in der Bochumer Jahrhunderthalle treffen dabei auf digitale, interaktive Elemente auf der Event-Plattform und garantieren so, ein Hybrid-Event der besonderen Art. Der ruhrSUMMIT bietet in diesem Jahr einige neue, spannende Formate, wie das ruhrSUMMIT ROULETTE und die neue Smart-City-Stage! Mehr Infos gibt es unter www.ruhrsummit.de. Du möchtest mit deinem Startup auf dem ruhrSUMMIT sichtbar sein und Unternehmen und Investor*innen auf dein Produkt, deinen Service aufmerksam machen? Dann bewirb dich bis zum 31. Mai für einen digitalen Startup Pitch und überzeuge das internationale Publikum von deiner Vision! Gefragt ist hier ein englischer Pitch (3 Minuten plus 4 Minuten Q&A. Das Bewerbungsformular für die digitale Pitch Stage findest du unter: www.ruhrsummit.de/start-up-bewerbung.

Interview #23 – Mario Kohle (Enpal)

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Foto (oben): Enpal

#Interview – Ein Startup, das Batteriedaten analysiert

#Interview

Mit Accure ist es möglich, die Performance von Batterien zu tracken und zu prognostizieren. “Der Batteriemarkt geht gerade komplett durch die Decke. Das merken wir einerseits am Wachstum unserer Bestandskunden, aber auch an den neu einkommenden Leads”, sagt Gründer Philipp Kairies.

Ein Startup, das Batteriedaten analysiert

Mittwoch, 19. Mai 2021VonAlexander Hüsing

Das Batterie-Startup Accure, 2020 von den Wissenschaftlern Kai-Philipp Kairies, Georg Angenendt und Johannes Palmer gegründet, bietet Unternehmen eine “Plattform, die durch APIs Zugang zu Batteriedaten ermöglicht, um diese verwalten, analysieren und schließlich die Entwicklung des Gesundheitszustands von Batterien vorhersagen zu können”. Capnamic Ventures investierte kürzlich gemeinsam mit 42CAP 2,3 Millionen Euro in das junge Unternehmen, das sich als SaaS-Dienst über Nutzngsgebühren refinanzieren möchte.

Das Geld nutzte das Unternehmen vor allem, um personall zu wachsen. “Seit unserer Seed-Runde sind wir von sieben auf über 30 Mitarbeiter:innen angewachsen und haben noch zahlreiche Stellen offen. Wir investieren außerdem stark in Forschungsprojekte mit den führenden Universitäten weltweit um Technologieführer zu bleiben”, sagt Gründer Kairies. Auch in den kommenden Wochen und Monaten möchte das Startup weiter wachsen. “Der Batteriemarkt geht gerade komplett durch die Decke”, erzählt Kairies.

Im Interview mit deutsche-startups.de stellt der Accure-Macher sein Startup einmal ganz ausführlich vor.

Welches Problem wollt Ihr mit Accure lösen?


Batteriespeicher sind ein zentraler Baustein der Energie und Verkehrswende – aber Batterien sind extrem komplex und verändern mit der Zeit ihre Eigenschaften – Alterung. In manchen Fällen fangen sie auch Feuer, siehe zum Beispiel zuletzt die großen Rückrufaktionen von LG Chem und General Motors. Zu den technischen Herausforderungen kommt eine vielschichtige Supply Chain: OEM wie VW haben typischerweise drei bis fünf Zulieferer, deren Batterien jeweils vollkommen unterschiedlich sind und alle 18 Monate kommen neue Produktgenerationen raus, die wenig bis nichts mit den Alten zu tun haben. Mit Accure bieten wir eine Cloud-Plattform an, die alle batterierelevanten Daten an einem Ort zusammenführt und physikalische Modelle nutzt, um Batterieperformance zu tracken und prognostizieren. Damit ermöglichen wir erhebliche Verbesserungen bei Systemauslegung und -betrieb. Unser Monitoring stellt auch die Basis zur Versicherung und Finanzierung von Großspeicherprojekten dar.

Wie ist die Idee zu Accure entstanden?


Ich beschäftige mich seit über zehn Jahren mit Batterien, habe dazu promoviert und einige Jahre eine Forschungsgruppe an der RWTH Aachen geleitet. Als extrem industrienahe Universität haben wir vor allem R&D für die großen Automobil- und Energiekonzerne gemacht. Dabei wurde mir klar, dass alle diese Firmen vor den gleichen Herausforderungen stehen – Batterien sind extrem komplex und es gibt keine guten Tools, um den Umgang damit effizienter zu gestalten. Also haben wir es selbst eins gebaut. Heute monitoren wir damit weltweit rund 500 MWh und betreiben somit eine der größten Batteriedatenbanken weltweit.

Capnamic Ventures und 42CAP investierten bereits 2,3 Millionen Euro in Accure. Wofür braucht ihr das Geld?


Seit unserer Seed-Runde im September sind wir von sieben auf über 30 Mitarbeiter:innen angewachsen und haben noch zahlreiche Stellen offen. Wir investieren außerdem stark in Forschungsprojekte mit den führenden Universitäten weltweit um Technologieführer zu bleiben.

Euer Firmensitz ist Aachen. Was zeichnet die Satrtup-Szene vor Ort aus?


Aachen ist aufgrund der Nähe zur RWTH ein echt starkes Ökosystem für Deep Tech-Startups. So waren wir zum Beispiel in der Lage, innerhalb kürzester Zeit ein hochspezialisiertes Team aus Batterie- und Cloudcomputing Expert:innen aufzubauen. Daneben können wir durch Kooperationen mit Lehrstühlen bei Bedarf auf eines der größten Batterielabore Europas zurückgreifen.

Wo steht Accure in einem Jahr?


Der Batteriemarkt geht gerade komplett durch die Decke. Das merken wir einerseits am Wachstum unserer Bestandskunden, aber auch an den neu einkommenden Leads. Die Accure-Plattform ist für extreme Skalierung ausgelegt, wir werden uns in den nächsten zwölf Monaten aber sicherlich personell noch deutlich verstärken, um alle für uns sinnvollen Projekte bedienen zu können und unsere Software kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Accure

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