Energiekrise in Deutschland: Bundesnetzagentur befürchtet Totalausfall von russischem Gas und verrät, wem zuerst das Gas abgedreht würde

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Energiekrise in Deutschland: Bundesnetzagentur befürchtet Totalausfall von russischem Gas und verrät, wem zuerst das Gas abgedreht würde

Blick auf Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1 in Lubmin bei Greifswald

Blick auf Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1 in Lubmin bei Greifswald

picture alliance/dpa | Stefan Sauer

Mit großer Sorge wird in Deutschland auf die anstehenden Wartungsarbeiten der Pipeline Nord Stream 1 im Juli geschaut – und ob nach den Arbeiten wieder Gas durch die Röhre fließt.

Die Bundesnetzagentur fürchtet einen Totalausfall – und ruft erneut zum Energiesparen auf.

Im Interview mit der Funke-Mediengruppe verriet der Chef der Bundesnetzagentur Klaus Müller, wem in diesem Fall zuerst das Gas abgedreht werden würde.

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, fürchtet einen Totalausfall russischer Gaslieferungen. Das sagte er in einem Interview der Funke-Mediengruppe. Die Frage sei, ob aus der bevorstehenden regulären Wartung der Gaspipeline Nord Stream 1 im Juli „eine länger andauernde politische Wartung wird“, sagte Müller. Am 11. Juli beginnen jährliche Wartungsarbeiten von Nord Stream, die in der Regel zehn Tage dauern. Dann fließt kein Gas durch Nord Stream 1. Die große Sorge ist, dass Russland nach der Wartung den Gashahn nicht wieder aufdreht. Wenn der Gasfluss aus Russland „länger anhaltend abgesenkt wird, müssen wir ernsthafter über Einsparungen reden“. Er appelliere, wie auch zuvor Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, an die Bevölkerung, so viel Energie wie möglich einzusparen.

Müller rief alle Haus- und Wohnungsbesitzer dazu auf, ihre Gasbrennwertkessel und Heizkörper rasch zu überprüfen und effizient einstellen zu lassen. „Eine Wartung kann den Gasverbrauch um 10 bis 15 Prozent senken“, sagte er. Dies müsse jetzt passieren und nicht erst im Herbst.

Die Stadt Hamburg kündigte bereits an, im Falle eines Gasnotstandes Warmwasser zu rationieren. Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) schloss im Gespräch mit der Zeitung „Welt“ für den Fall eines Gas-Notstandes in der Hansestadt eine Begrenzung des Warmwassers für private Haushalte nicht aus. Eine Unterscheidung sei demnach aus technischen Gründen zwischen gewerblichen und privaten Anschlüssen nicht möglich.

Bundesnetzagentur würde zuerst Verbrauch in der Industrie reduzieren

Die deutschen Gasspeicher seien aktuell jedoch zu 60 Prozent gefüllt, so Müller. Gemäß europäischem Gesetz müssten Privathaushalte werden besonders geschützt werden, so Müller – ebenso Krankenhäuser oder Pflegeheime. Dass Privathaushalte ohne Gas dastehen werde mit allen Mitteln vermieden, könne jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden. „Wenn es zu einer Rationierung kommt, müssen wir zuerst im industriellen Bereich den Verbrauch reduzieren“, sagt Müller. Dies wolle unbedingt vermieden werden. Müssten Industriebetriebe jedoch von der Gasversorgung getrennt werden, „orientieren wir uns am betriebswirtschaftlichen Schaden, am volkswirtschaftlichen Schaden, an den sozialen Folgen und auch an den technischen Anforderungen des Gasnetzbetriebs“, sagte Müller. Dazu wolle die Bundesnetzagentur Daten der größten industriellen Verbraucher in eine IT-Plattform überführen, die aber erst im Herbst zur Verfügung stehe.

Für die Abschalt-Entscheidung sei ebenfalls relevant, welche Unternehmen als systemrelevant gelten. Müller bekomme Briefe von Unternehmen aus allen Branchen, die sich alle als systemrelevant bezeichneten. Bei „kritischen Bereichen wie Teilen der Lebensmittel- und Pharmabranche müssen wir sehr vorsichtig sein“, sagt Müller gegenüber den Zeitung der Funke-Mediengruppe. Dagegen wären Produkte und Angebote, die in den Freizeitbereich fallen, eher nachrangig. „Schwimmbäder gehören wohl nicht zum kritischen Bereich, genauso wie die Produktion von Schokoladenkeksen“, so Müller.

Die Netzagentur sehe allerdings „kein Szenario, in dem gar kein Gas mehr nach Deutschland kommt“.

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mit Material der dpa/ sgo

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Kurz vor den Sanktionen übertrug Oligarch Roman Abramowitsch den Besitz seiner Luxusjets im Wert von 400 Millionen Dollar auf seine Kinder, sagt das FBI

Roman Abramowitsch

Roman Abramowitsch

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Wie das FBI vermutet, habe Roman Abramovich das Eigentum an seinem Vermögen noch im selben Monat umverteilt, als Russland den Angriffskrieg in der Ukraine begann.

Dabei habe er je zwei Jets im Wert von 400 Millionen Dollar an seine Kinder übertragen, so die Aussage eines Spezialagenten der US-Sicherheitsbehörde.

Die US-Behörden erwirkten am Montag Haftbefehle zur Beschlagnahme der Luxusjets.

Im selben Monat, in dem der russische Angriffskrieg auf die Ukraine begann, soll der Oligarch Roman Abramowitsch mehrere Millionen an Vermögenswerten auf seine Kinder übertragen haben. Das geht aus der Aussage eines FBI-Agenten in Gerichtsdokumenten hervor, die am Montag in New York eingereicht wurden.

Der russische Milliardär habe seine Kinder zu Nutznießern zweier Trust-Fonds gemacht, die ein Netzwerk von Briefkastenfirmen mit Sitz auf Zypern, Jersey und den Britischen Jungferninseln kontrollierten, schrieb Spezialagent Alan Fowler. Das FBI behauptet außerdem, dass dadurch der legale Besitz von zwei Luxusjets im Gesamtwert von 400 Millionen Dollar noch vor Inkrafttreten der Sanktionen von Abramowitsch weg verlagert worden sei. Die „New York Post“ berichtete darüber zuerst.

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Die Gerichtsdokumente, die im Zuge eines US-Antrags auf einen Haftbefehl zur Beschlagnahme der Luxusobjekte eingereicht wurden, sind beispielhaft für die verworrenen Finanzstrukturen, die von sanktionierten Personen verwendet werden, um Eigentum an ihren ausländischen Vermögenswerten zu verschleiern. Dadurch, dass Briefkastenfirmen, Trusts und Holdinggesellschaften ihren offiziellen Sitz in verschiedenen Steueroasen auf der ganzen Welt hätten, erlangten die Superreichen eine gewisse Anonymität der jeweiligen Käufer, erzählten Experten gegenüber Business Insider.

Abramowitsch, ein langjähriger Mitarbeiter des russischen Präsidenten Wladimir Putin, verfügt laut Schätzungen über ein Reinvermögen von 11,9 Milliarden US-Dollar (circa 11,4 Milliarden Euro). Im März wurde er von Großbritannien und der EU sanktioniert. Von Sanktionen der USA blieb er allerdings bislang verschont. Diese Diskrepanz könnte mit der Beteiligung des Milliardärs an Friedensgesprächen zwischen Russland und der Ukraine zusammenhängen.

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Der ehemalige Eigentümer des Fußballvereins FC Chelsea ist nicht das erste Mitglied der russischen Kleptokratie, das beschuldigt wird, Verwandte zu benutzen, um den persönlichen Reichtum zu verschleiern. Im März sanktionierten die USA Dmitri Sergejewitsch Peskow, den führenden Pressesprecher der Russischen Föderation, sowie seine Frau und zwei erwachsene Kinder. Die unmittelbaren Familienmitglieder von Peskow würden einen luxeriösen Lebensstil führen, „der nicht mit Peskows Beamtengehalt übereinstimmt und wahrscheinlich auf dem unrechtmäßig erworbenen Reichtum von Peskows Verbindungen zu Putin basiert“, sagte das US-Finanzministerium.

Dieser Text wurde von Anika Faber aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

Aktuelle News

„Ich will morgens ohne Wecker aufstehen“: Wie diese 34-Jährige jetzt passives Einkommen von 3000 Euro im Monat aufbauen will

Angela Mygind bloggt als Miss Finance über ihren Weg in die finanzielle Freiheit

Angela Mygind bloggt als Miss Finance über ihren Weg in die finanzielle Freiheit

Angela Mygind

Die Schweizerin Angela Mygind investiert mindestens 30 Prozent ihres monatlichen Einkommens in ETFs. Ihr Ziel: Ein passives Einkommen von 3000 Franken (umgerechnet 2915 Euro) im Monat.

Die 34-Jährige investiert unter anderem in einen ETF aus dem Gaming-Bereich, in die Emerging Markets und Tech-Unternehmen.

Ihr wichtigster Ratschlag: „Lasst euch nicht von der Gier leiten. Gerade nach Corona, als die Zeiten extrem euphorisch waren, überschätzt man sich schnell mal.“

Angela Mygind hat ihre Karriere an der Börse mit einem enormen Verlust begonnen. Heute hat die 34-jährige Schweizerin ein sechsstelliges Depot. Wie hat sie es geschafft?

„Ich konnte immer schon gut sparen. Das war nie ein Problem“, sagt Mygind im Gespräch mit Business Insider. Doch je höher die Summe auf dem Konto wurde, desto mehr sei ihr klar geworden, dass das Geld wegen der Inflation stetig an Wert verliere. „Mit 25 Jahren habe ich gemerkt, dass dies nicht so clever ist, weil man keine Rendite bekommt“, sagt Mygind. Doch sie interessierte sich weder für Finanzthemen noch gab es Menschen im privaten Umfeld, die helfen konnten. So versuchte sie, die Verantwortung abzugeben – und ging zu einem Finanzdienstleister.

Fynn Kliemann: Chronik eines Influencer-Fiaskos

Shitstorms, Anzeigen und enttäuschte Geschäftspartner: Viel ist passiert, seit Betrugsvorwürfe gegen Fynn Kliemann öffentlich wurden. Die wichtigsten Ereignisse zusammengefasst.

Vom „Heimwerkerking“ zum Influencer und schließlich zum mutmaßlichen Betrüger: Fynn Kliemann.

Vom „Heimwerkerking“ zum Influencer und schließlich zum mutmaßlichen Betrüger: Fynn Kliemann.

picture alliance / Geisler-Fotopress | Clemens Niehaus/Geisler-Fotopress

Seit Anfang Mai halten die Betrugsvorwürfe gegen Influencer Fynn Kliemann das Netz in Atem. Der 34-Jährige soll nach Recherchen des Redaktionsteams um TV-Satiriker Jan Böhmermann bewusst falsche Angaben beim Handel mit Atemschutzmasken gemacht, Geschäftspartner getäuscht und die Lieferung fehlerhafter Masken an Flüchtlinge zumindest mit organisiert haben. Zudem habe Kliemann von den Geschäften – anders als behauptet – auch finanziell profitiert.

Gegen Kliemann liegen inzwischen nicht nur erste Anzeigen vor. Auch zahlreiche Geschäftspartner haben sich zuletzt von ihm distanziert und Kooperationen beendet. Gründerszene fasst die wichtigsten Schlüsselmomente des Influencers zusammen – vom Aufstieg bis zum tiefen Fall:

April 2015: Fynn Kliemann lädt sein erstes Heimwerker-Video hoch – eine Anleitung zum Bau eines Schwebestativs. „Zum Spaß, um meinen Freunden zu zeigen, dass man für sowas keinen Tausender hinblättern braucht“, erzählt ­Kliemann später dem Magazin t3n: „Es wurde geteilt wie bescheuert.“ Zehntausende sehen sich den Clip an. Als selbsternannter „Heimwerkerking“ postet der gelernte Mediengestalter daraufhin weitere Videos mit teils kuriosen Projekten: So filmt sich Kliemann in seiner Garage etwa dabei, wie er einen Streitwagen oder ein Trainingsgerät für Astronauten baut.

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Durchbruch dank ZDF-Kooperation

August 2016: Mit einem Filmteam aus Hannover kaufte Kliemann zuvor einen Bauernhof in Rüspel bei Bremen, mitten in der niedersächsischen Pampa. Angeblich nur, „um ein bisschen mit dem Traktor rumzuballern“ oder DIY-Raketen „abzuschießen“, wie Fynn Kliemann sagt. Schnell wird daraus aber mehr: Der Youtuber tauft das drei Hektar große Areal in „Kliemannsland“ um, will so den „ersten, besten und freiesten Interaktiv-Staat der Welt“ aufbauen. Freiwillige könnten auf dem Hof mit anpacken. Was es vor Ort konkret zu tun gibt, sagt einem die von Kliemann programmierte Web-App „Fynnder“.

Filmisch produziert wird das Projekt für das ZDF-Jugendformat Funk. Zusätzlich zu Kliemanns persönlichem Youtube-Kanal entsteht unter dem Namen „Kliemannsland“ ein zweiter. Für den Jungunternehmer markiert die Kooperation den Anfang einer steilen Influencer-Karriere.

Oktober 2016: Fynn Kliemann steigt in den Handel mit Merchandise ein. Unter der Marke „Oderso“ verkauft er selbst gestaltete Kapuzenpullis und Mützen im eigenen Webshop. Die Produktion übernimmt die Textilfirma Global Tactics, die nach eigenen Angaben fair und nachhaltig in Europa produziert.

September 2018: Kliemann, der laut eigener Aussage seit seiner Jugend Musik macht, veröffentlicht sein erstes Musikalbum „Nie“. Die Besonderheit: Den Vertrieb organisiert er selbst, auf ein professionelles Plattenlabel verzichtet er. Über eine Art Crowdfunding-Kampagne generiert er 80.000 Vorbestellungen. Insgesamt verkauft sich das Album 100.000-mal. Dafür erhält er die Goldene Schallplatte.

November 2018: Mit Kumpel und Ex-Sidekick von Joko und Klaas, Olli Schulz, kauft Kliemann das Hausboot des verstorbenen Musikers Gunter Gabriel. Für das abgewohnte Objekt im Hamburger Hafen bezahlen beide insgesamt 30.000 Euro. Was genau Kliemann und Schulz mit dem Hausboot planen, ist zunächst nicht klar. Nur soviel: Es soll wieder zum Leben erweckt werden.

Erste Deals mit Sponsoren

Januar 2020: Kliemann hat sich inzwischen eine beachtliche Reichweite aufgebaut. Seine beiden Youtube-Kanäle kommen zusammengezählt auf rund eine Million Abonnenten. Auch auf Instagram hat Kliemann mehrere hunderttausend Follower. Von seinem Credo, grundsätzlich alle Anfragen für bezahlte Werbepartnerschaften abzulehnen, ist der Influencer inzwischen abgerückt. So unterhält Kliemann unter anderem Kooperationen mit der Trinkwasserschutzorganisation Viva con Agua. Später kommt unter anderem der Energieversorger EWE hinzu, der das Kliemannsland energiesparend umrüstet. Weitere Werbepartner in der Kliemann-Vita: Die Biermarke Jever und die Baumarkt-Kette Toom.

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Fynn Kliemann

April 2020: Sein Image als Weltverbesserer weiß Kliemann auch in der Corona-Pandemie zu nutzen. Um Arbeitsplätze an den europäischen Produktionsstätten der Textilfirma Global Tactics zu sichern, stellt Kliemann mit einem Geschäftspartner die Produktion auf Schutzmasken um. Gleichzeitig bezeichnet der Influencer bisherige Masken-Anbieter als „Profitgeier“, er wolle zeigen, dass man Masken auch in Europa zu fairen Preisen und Arbeitsbedingungen fertigen könne. Aufsehen erregt Kliemann zudem mit der Ankündigung, rund 100.000 Masken an Flüchtlinge zu spenden. Auch Business Insider berichtet, schreibt von zwei Unternehmern, die sich „gesellschaftlich verantwortlich fühlen.“

Finanzielle Erfolge mit Musik und NFTs

März 2021: Fynn Kliemann verzeichnet einen beachtlichen finanziellen Erfolg mit sogenannten NFTs. Er versteigert insgesamt 100 digitale Abdrucke selbst kreierter Kunstwerke auf einer Krypto-Plattform. Darüber nimmt er circa 170 Ether ein – nach damaligem Kurs umgerechnet 250.000 Euro.

März 2021: Wie sehr sich auch der Ausflug von Fynn Kliemann in die professionelle Musikwelt gelohnt hat, zeigt ein Geschäftsabschluss seines neu gegründeten Two Finger Records. Demzufolge hat der Musiker 2019 mit seinen Werken einen Vorsteuergewinn von 818.000 Euro erzielt.

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März 2021: Drei Jahre, nachdem Kliemann mit Olli Schulz das Hausboot des verstorbenen Musikers Gunter Gabriel gekauft hat, erscheint auf Netflix eine Dokuserie über das Projekt. Die Doku zeigt, wie Kliemann und Schulz das Hausboot sanieren und neu einrichten. Wieder berichten zahlreiche Medien über das Projekt, was Fynn Kliemann zu weiterer Bekanntheit verhilft.

August 2021: Erneut macht Fynn Kliemann selbst kreierte Gemälde zu Geld. Diesmal in physischer Form als Echt- oder Kunstdruck. 1,3 Millionen Euro kommen so laut Nord24.de zusammen.

Februar 2022: Neues Jahr, neues Projekt – Kliemann startet unter dem Namen LDGG („Lass dir gut gehen“) ein eigenes Vermietungsportal für Ferienwohnungen mit ungewöhnlicher Architektur. Die Immobilien (zum Beispiel einen Wasserturm oder ein Tiny House) erwirbt Kliemann meist im sanierungsbedürftigen Zustand und möbelt diese neu auf – auch durch Sponsoren.

Betrugsvorwürfe von Jan Böhmermann

3. Mai 2022: Fynn Kliemann veröffentlicht in einem Instagram-Video einen kritischen Fragenkatalog der „ZDF Magazin Royale“-Redaktion, die er „von der Chefredakteurin“ per Mail erhalten habe. Worum es dem Redaktionsteam von TV-Satiriker Jan Böhmermann geht, wird zunächst nicht ganz klar. Die Fragen beziehen sich vor allem allgemein auf Details zu Kliemanns Maskengeschäften im Frühjahr 2020.

Kliemann selbst gibt sich in dem Video gelassen: Er sei ja eigentlich „ein Fan von transparenten Gesprächen miteinander“, sagt er. Zudem finde er es gut, „Dinge zu hinterfragen und nicht einfach so hinzunehmen“, ebenso wie investigative Journalisten, die hinterfragten. Kliemann beantwortet die Fragen anschließend aus seiner Sicht in knapp 30 Minuten. Fans feiern den Influencer für seine vermeintliche Offenheit: „Krass transparent“, schreibt etwa ein Anhänger bei Instagram.

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6. Mai 2022: Das „ZDF Magazin Royale“ um TV-Satiriker Jan Böhmermann veröffentlicht über Nacht eine neue Folge. In dem knapp halbstündigen Video wirft Böhmermann Kliemann vor, falsche Angaben beim Handel mit Atemschutzmasken gemacht zu haben. Statt wie von Kliemann und dessen Textilpartner Global Tactics im Frühjahr 2020 behauptet, stammten die Masken nicht aus fairer Produktion in Europa, sondern aus Bangladesch und Vietnam. Zudem sollen die rund 100.000 Masken, die Kliemann medienwirksam an Flüchtlinge gespendet hat, fehlerhaft gewesen sein. Auch habe sich der Influencer an Maskendeals sehr wohl bereichert. Die Rede ist von einem Millionengewinn. Böhmermann beruft sich bei seinen Recherchen auf Lieferscheine, Whatsapp-Chats sowie Foto- und Videoaufnahmen. Das Enthüllungsvideo kommt schnell auf über eine Million Abrufe bei Youtube.

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6. Mai 2022: Am Abend reagiert Fynn Kliemann auf die Vorwürfe. Er wolle sich „in aller Form bei allen Personen, Organisationen, Institutionen entschuldigen“, die nun „enttäuscht und geschockt“ seien, teilt er auf Instagram mit. Er nehme die Vorwürfe sehr ernst. „Für einige muss ich mich entschuldigen und andere muss ich dringend richtig stellen, da jene Betrugsvorwürfe einfach nicht stimmen.“ Er liest ein mehrseitiges Statement vor und versucht, die erhobenen Vorwürfe zu entkräften.

6. Mai 2022: Die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis (DNP), die Kliemann in 2020 noch für sein Maskenprojekt einem Sonderpreis ausgezeichnet hatte, erkennt ihm diesen ab.  „Weil er unlautere Methoden angewendet und uns mit Greenwashing hintergangen hat“, so die Begründung der Stiftung.

7. Mai 2022: Getäuscht worden sein soll außerdem der Online-Modehändler About You. Der hatte die Atemschutzmasken von Fynn Kliemann in sein Sortiment aufgenommen, wohl in der Annahme, die Masken stammten tatsächlich aus europäischer Produktion. Fynn Kliemann gibt in seinem Statement an, About You habe davon gewusst. Das bestreitet About-You-Mitgründer Tarek Müller bei Instagram umgehend. Das Unternehmen entfernt die Atemschutzmasken aus seinem Sortiment.

Erste Anzeigen bei der Polizei

9. Mai 2022: Fynn Kliemann veröffentlicht auf Instagram ein zweites Statement zu den Vorwürfen. Das fällt dieses Mal deutlich kürzer aus. Nach „Zehntausenden Nachrichten“ und „Fragen über Fragen“ habe er einen „riesigen Knoten im Kopf“, schreibt er. Er wolle sich demnächst noch einmal äußern. Dafür brauche er jedoch erst einmal etwas Zeit, bis er „Klarheit über die Details“ habe.

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10. Mai 2022: Die Betrugsvorwürfe haben für Fynn Kliemann erste juristische Folgen. Wie die Syker Kreiszeitung berichtet, seien bei der Polizeiinspektion im niedersächsischen Rotenburg „eine Handvoll Hinweise“ sowie eine Strafanzeige aus der Bevölkerung eingegangen. „Die Leute haben mitbekommen, dass Fynn Kliemann in diesem Landkreis wohnt“, sagte ein Sprecher der Kreiszeitung. Die Behörde stehe zudem im Austausch mit der Staatsanwaltschaft. Auch gegen die Textilfirma Global Tactics, an der Kliemann als Gesellschafter beteiligt ist, liegt laut der Wirtschaftswoche eine Strafanzeige vor.

12. Mai 2022: Weitere Geschäftspartner trennen sich von Fynn Kliemann. Nachdem sich bereits die Trinkwasserschutzorganisation Viva con Agua, der Modeshop About You und der Energieversorger EWE vom Influencer losgesagt haben, stoppen nun auch der Getränkehersteller Berentzen und die Baumarkt-Kette Toom die Zusammenarbeit. Kurz darauf zieht zudem die Biermarke Jever nach.

20. Mai 2022: Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) legt ein geplantes Fernsehprojekt mit Fynn Kliemann vorerst auf Eis. Laut dem Branchendienst DWDL soll der NDR mit dem Influencer ein Comedy-Format geplant haben. Das Projekt hätte demnach mit knapp 500.000 Euro bezuschusst werden sollen.

21. Mai 2022: Nach den Betrugsvorwürfen gegen Fynn Kliemann und den Maskenlieferanten Global Tactics, tritt der Geschäftsführer des Unternehmens, Tom Illbruck, zurück. Tom Illbruck ist Gründer der Textilfirma Global Tactics und arbeitete seit 2020 mit dem Influencer zusammen.

Entschuldungs-Video auf Instagram

25. Mai 2022: Wie der Spiegel durch neue Dokumente, E-Mails, WhatsApp-Nachrichten herausgefunden hat, wollte sich Kliemann schon seit mehreren Monaten von dem Masken-Projekt distanzieren. Demnach untersagte der Influencer, in diesem Zusammenhang mit seinem Gesicht zu werben. Daraufhin habe etwa die Drogeriekette Rossmann eine größere Bestellung storniert. Aus juristischen Kabbeleien habe Kliemann sich bewusst zurückgehalten und auf seine Geschäftspartner verwiesen. Angesprochen auf gerichtliche Schreiben antwortete er laut Bericht „ich will das gar nicht sehen hahahaha“. Um einen ersten Schritt in Richtung einer Aufbesserung seines Image zu gehen, wolle Kliemann nun den vermeintlichen Gewinn – überprüft ist die Summe von rund 280.000 Euro nicht – aus den Maskengeschäften an gemeinnützige Institutionen spenden. Indes outete sich OMR-Chef Philipp Westermeyer als stiller Teilhaber an Kliemanns Aktivitäten. Vor wenigen Jahren habe er sich mit 25.000 Euro beteiligt.

28. Mai 2022: Fynn Kliemann meldet sich knapp drei Wochen nach Bekanntwerden der Betrugsvorwürfe mit einem neuen Video auf Instagram zurück. Darin entschuldigt er sich für die Vorwürfe und verspricht einen Regelkatalog für seine zahlreichen Firmen. Innerhalb weniger Tage wird das Video rund eine Million Mal abgerufen. Die Reaktionen sind überwiegend positiv.

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29. Mai 2022: Auch auf dem Kurznachrichtendienst Twitter wird das neue Kliemann-Video rege diskutiert. Nicht jeder sieht darin aber eine aufrichtige Entschuldigung. Ein Twitter-Nutzer, der sich als „ehemaliger PR-Berater“ bezeichnet, sieht in dem Video ein Beispiel für Krisenkommunikation, wie es sie sonst nur in Konzernen gibt. Der Thread ist durchaus lesenswert:

Als ehemaliger PR-Berater möchte ich hier mal meine Meinung zum neuen Video von #kliemann sagen.#lmaafk #kliemannsland #fynnkliemann
Let's go.
Vorab: Nach seinem letzten Video dachte ich nur “Hätte er mal besser Profis gefragt”. Nun, das hat er. Aber ob das gut war? (1/x)

— This is this 💪🏼🇺🇦 (@barbcore) May 29, 2022“>

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Diese Chronik wird fortlaufend aktualisiert.

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Warum Elon Musk zwar aus dem legendären 200-Milliarden-Dollar-Club geflogen, aber immer noch der reichste Mensch der Welt ist

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Warum Elon Musk zwar aus dem legendären 200-Milliarden-Dollar-Club geflogen, aber immer noch der reichste Mensch der Welt ist

Tesla-Chef Elon Musk.

Tesla-Chef Elon Musk.

Stephen Lam/Reuters

Das Vermögen von Elon Musk ist am Dienstag um 5,4 Prozent auf 193 Milliarden Dollar gefallen. Grund: Die Tesla-Aktien sind um sieben Prozent gefallen.

Die Ungewissheit über Musks Kauf von Twitter hat zu einem größeren Abverkauf der Tesla-Aktien geführt, deren Wert in diesem Jahr um 41 Prozent gefallen ist.

Elon Musks Gesamtvermögen ist jetzt nicht mehr 200 Milliarden Dollar wert. Aber Musk ist immer noch 65 Milliarden Dollar reicher als Amazon-Chef Jeff Bezos.

Am Dienstag ist der Kurs der Tesla-Aktie um mehr als sieben Prozent gefallen. Das Vermögen von Elon Musk ist seitdem mehr 200 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 188 Milliarden Euro) schwer.

Musks Vermögen sank laut Bloomberg um 5,4 Prozent auf 193 Milliarden Dollar, als der Aktienkurs des Elektroautoherstellers fiel. Das bedeutet, dass er an einem einzigen Tag 11,1 Milliarden Dollar verloren hat.

Tesla ist seit Jahresbeginn um 41 Prozent gesunken, da im Technologiesektor im Allgemeinen viel abverkauft wurde. Die Aktie ist um knapp 38 Prozent gefallen, seit Elon Musk im vergangenen Monat eine Vereinbarung zum Kauf von Twitter für 44 Milliarden US-Dollar getroffen hat.

Musk hat seit der Ankündigung der geplanten Übernahme eine Kontroverse ausgelöst, indem er drohte, sein Angebot auf der Grundlage der Anzahl der Bots auf der Social-Media-Plattform zu kürzen. Die anhaltende Ungewissheit scheint dem Wert von Tesla geschadet zu haben.

„Diese Zirkusvorstellung hat die Tesla-Aktie stark belastet“, sagte Dan Ives von der US-amerikanischen Investmentfirma Wedbush in einer Notiz vom Montag. „Musk befindet sich in einer Situation, in der er über den nächsten Schritt in dieser Seifenoper entscheiden muss, da die Geduld der Tesla-Investoren sehr dünn wird.“

Elon Musk ist nicht zum ersten Mal aus dem Club ausgestiegen

Musk ist in diesem Jahr bereits zweimal aus dem 200-Milliarden-Dollar-Club ausgestiegen – einmal im Februar und dann noch einmal im März. Die Erholung der Aktienmärkte hat ihn beide Male wieder über diese Schwelle gebracht.

Das Nettovermögen von Elon Musk ist laut „Bloomberg Billionaires Index“ nun so niedrig wie seit August letzten Jahres nicht mehr. Er hat in diesem Jahr knapp 78 Milliarden Dollar verloren, ist aber immer noch mit Abstand der reichste Mensch der Welt.

Musk ist um 65 Milliarden Dollar reicher als Jeff Bezos, der in diesem Jahr 65 Milliarden Dollar verloren hat, wobei die Amazon-Aktie seit Jahresbeginn um 38 Prozent gefallen ist. Bill Gates, Warren Buffett, LVMH-Chef Bernard Arnault und der indische Industrielle Gautam Adani sind ebenfalls alle über 100 Milliarden Dollar schwer.

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.

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