#Gastbeitrag – 5 Fehler, die wachsende Startups in der Produktentwicklung vermeiden sollten

Startups überholen sich selbst. Meistens passiert das, wenn der Product-Market Fit gefunden wurde und man nun die Produkt und IT-Abteilung skalieren muss. Fast 50 % der Startups in Deutschland benennen die Produktentwicklung als eines der größten Herausforderungen. Welche 5 größten Fehler ihr vermeiden solltet, um euch Wachstumsschmerzen in der Produktentwicklung zu ersparen, erfahrt ihr hier in diesem Beitrag:

1.  Zu wenig Fokus auf Menschen & Kultur

In einer Wachstumsphase werden fast immer neue Teammitglieder eingestellt. Die erste Hürde, die hier zu nehmen ist, ist fachlich starke Mitarbeiter zu finden, die zusätzlich auch eine Portion an Diversität, emotionaler Intelligenz und Empathie mit sich bringen. Warum das so wichtig ist liegt daran, dass Probleme zwischen den neuen und alten Mitarbeitern entstehen können. Konkurrenzdenken und ein Gegeneinander kann sich etablieren und das erzeugt eine sehr schädliche Arbeitsatmosphäre für alle Beteiligten.

Was hilft ist sich auf neue Mitarbeiter vorzubereiten, die bestehenden Mitarbeiter mit einzubinden und Klarheit über Aufgaben und die Rollen für alle Beteiligten schaffen. Im Großen und Ganzen und das ist das wesentliche: Alles dafür zu tun, um ein ehrliches und starkes Vertrauensverhältnis mit den neuen und den alten Mitarbeitern zu haben. Nur so kann langfristig gemeinsam eine nachhaltige Kultur erschaffen werden. Das Vertrauen zum Mitarbeiter steht sogar vor der Strategie.

2.  Keine neue Strategie

Menschen haben die Tendenz sich auf die vorherigen Erfolgsrezepte zu berufen und das oft sogar als geplante Strategie darzustellen. Basierend darauf wird eine sehr ähnliche und fast identische Strategie für die Zukunft vorgestellt.

Dazu muss man sagen, dass dieser Blickwinkel etwas limitiert ist und natürlich auch ein Quäntchen Glück zu dem Erfolg gehört hat. Viele Dinge haben sich in der Vergangenheit nicht kausal so ereignet, sondern passte unter den bestimmten Bedingungen. Man hat zur richtigen Zeit, die richtigen Lösung entwickelt.

Die Art und Weise wie ein Start-up in der Anfangsphase gearbeitet hat, ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht die gleiche Art und Weise für die nächsten Phasen.

Deswegen muss man sich ausgiebig und regelmäßig damit beschäftigen und sich auf die neuen Bedingungen einstellen, um eine neue Strategie entwickeln.

3.  Zu wenig oder zu viele Strukturen und Prozesse

In der Anfangsphase eines Startups ist das Team noch klein. Alle arbeiten sehr operative und ad hoc, somit schränken zu viel strikte Strukturen und Prozesse ein und sind fehl am Platz. Eine Lücke entsteht fast immer, wenn die nächste Etappe genommen werden muss und man wächst. Dabei scheitert die Führung daran, dass Prozesse und Strukturen nicht aufgebaut wurden, so dass neue Mitarbeiter den Rahmen dazu haben, die Arbeit fortzusetzen und weiterentwickeln zu können. Die Führung hat dann häufig zu viele Hüte auf, ist überfordert mit dieser neuen Situation und wird zum Flaschenhals. Sie erledigt immer noch selber Aufgaben und verpasst es, Verantwortung abzugeben und zu delegieren.

Stattdessen sieht man häufig ein Verwaltungsverhalten und Micromanagement. Frühzeitig sich dem bewusst zu sein und eine optimale Arbeitsumgebung für andere zu schaffen sorgt hier vor, um diesen Wachstumsschmerz zu vermeiden.

4.  Customizations entwickeln

Ein Start-up versucht, die beste Lösung für den Kunden zu entwickeln. Dabei arbeiten es sehr eng mit dem Kunden zusammen, um das Produkt zu definieren. Nicht selten steht man zu dem zahlenden Kunden auch in einer Abhängigkeit, was es umso schwieriger macht, spezielle Anforderungen des Kunden auszuschlagen. Fängt man jedoch an Customizations für den Kunden zu entwickeln, gerät man in weitere Abhängigkeit und man erwischt sich dabei jedem Kunden ein eigenes Produkt zu bauen. Sogar Features, die für mehrere Kunden funktionieren, aber unterschiedlichen Ausrichtung haben, sorgen dafür, dass das Produkt zu einem Bauchladen wird. Eine Alternative ist es dem Kunden eine Schnittstelle bereitzustellen, um die speziellen Anforderungen dennoch zu ermöglichen, jedoch außerhalb des Produktes. Deswegen ist das wichtigste die Produktvision klar zu definieren, im Auge zu behalten und zielstrebig in diese Richtung zu gehen, auch wenn das bedeutet den einen oder anderen Kunden zu verlieren, denn das ist dann auch nicht wirklich dein Kunde.

5.  Ignorieren der Technischen Schulden

Die Welt der Technologie entwickelt sich sehr schnell weiter. Während du das hier liest, werden unzählige neue Zeilen an Code geschrieben und neue Software released. Die technischen Schulden, die immer auftauchen, da man als Start-up sehr schnell sein muss und viele Veränderungen durchlebt, sollten regelmäßig beglichen werden.

Im besten Fall hat man von Grund auf sich Gedanken gemacht, wie ein System robust und resilient aufgebaut werden kann und flexible genug für Erweiterungen und Anpassungen ist, um in dieser sich sehr schnell verändernden Welt zu bestehen. Viele setzen dabei auf solide Standards, verlieren aber nicht den Blick darauf, neue Technologien zu verwenden, die für die Zukunft Verbesserungen liefern.

Erfolgt das regelmäßige Begleichen der technischen Schulden nicht, wird das System und die Weiterentwicklung nach einer gewissen Zeit sehr mühsam und kann bis hin zum Stillstand führen. Was dann noch hilft, jedoch teuer ist, ist wegschmeißen, aus den Fehlern lernen und neu bauen.

Über den Autor


Peyman Pouryekta arbeitet seit über 17 Jahren im Bereich Technologie und Produktentwicklung. Mit seinem Unternehmen beschäftige er sich intensiv mit dem Thema, wie Start-ups den schnellen Erfolg mit einhergehenden Wachstumsschmerzen in den Griff bekommen. Seit 2018 betreute er erfolgreich mehrere Unternehmen, darunter: Moody’s, All4Labels Group und Concular.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): Otovo

#Gastbeitrag – 5 Tipps, worauf Startups bei ihrem Geschäftsmodell achten müssen

#Gastbeitrag

Leider erlebe ich immer wieder den Fall, dass der angebotene Service oder das Produkt eines neuen Startups kein wirkliches Kundenproblem löst. Vielmehr werden bloß Vermutungen darüber angestellt, was mögliche Probleme sein könnten. Ein Gastbeitrag von Tobias Stamatis.

5 Tipps, worauf Startups bei ihrem Geschäftsmodell achten müssen

Freitag, 29. Juli 2022VonTeam

Es ist der Traum aller Gründer:innen: das eigene Startup, mit dem der große Durchbruch gelingt. Der Weg dahin jedoch steinig. Unter den vielen Faktoren, die ein Startup erfolgreich machen, kommt es am Ende vor allem auf ein funktionierendes Geschäftsmodell an. Mit ihm steht und fällt alles. Es ist der entscheidende Faktor für Erfolg oder Niederlage. Fünf Tipps, worauf Startups bei ihrem Geschäftsmodell achten müssen, um langfristig erfolgreich zu sein.

1. Löse ein echtes Kundenproblem

Der erste Tipp klingt banal und sehr logisch, leider erlebe ich in meiner Funktion als Berater und Investor aber immer wieder den Fall, dass der angebotene Service oder das Produkt kein wirkliches Kundenproblem löst. Vielmehr werden bloß Vermutungen darüber angestellt, was mögliche Probleme sein könnten. Um diesen Fehler zu vermeiden, sollten angehende Unternehmer sich intensiv mit ihrer Zielgruppe beschäftigen. Tiefe Analysen ermöglichen es wirkliche Kundenprobleme zu erkennen und sich dafür Lösungen zu überlegen. Und dieser Schritt bedarf einiger Übung. Es geht dabei nämlich nicht darum, direkt in Lösungen zu denken, sondern vielmehr in Bedürfnissen: Nutzer:innen von Autos wollen z. B. keine Autos, sondern in erster Linie Mobilität. Sie möchten von A nach B kommen. 

2. Habe deine Execution im Griff

Das zweite Missverständnis, dem ich immer wieder begegne: Es braucht etwas Revolutionäres. Mitnichten. Gorillas, Flink und all die anderen Lieferdienste haben das Rad nicht neu erfunden. Sie haben lediglich etwas deutlich besser gemacht: Sie liefern Lebensmittel schneller aus. Gorillas hat diese Execution mit dem Versprechen von „Lieferung in 10 Minuten“ auf die Spitze getrieben. Insbesondere am Anfang sollte enormer Wert auf die Operations gelegt werden, da der Start des Geschäftsmodells über das Vertrauen und die Reputation entscheidet. Nicht ohne Grund hat Gorillas am Anfang 20-€-Gutscheine und eine handgeschriebene Karte beigelegt, wenn mal ein Artikel nicht verfügbar war oder die Lieferung länger gedauert hat. 

3. Baue ein komplementäres Team auf

Man ist alleine nie so stark wie mit anderen Leuten. Was viele Gründer:innen am Anfang jedoch fälschlicherweise machen: Sie suchen Leute mit ähnlichen Stärken, Persönlichkeiten und Hintergründen. Dabei ist das Gegenteil viel effektiver und wertvoller: Baut ein komplementäres Team auf, mit unterschiedlichen Stärken und Charakteren. Mithilfe der gemeinsamen Vision, auf die man hinarbeitet, kann man die Differenzen dann als positive Spannungen und Motor der Transformation nutzen. Sie sind der wahre Katalysator für Veränderung.

4. Achte auf die Umsatzqualität

Schaut man sich die Bewertungen erfolgreicher Startups an, stellt man schnell fest, das allen voran solche Unternehmen hohe Multiples erreichen, die auf wiederkehrende Einnahmen setzen. Häufig handelt es sich bei solchen Geschäftsmodellen um As-a-Service-Geschäftsmodelle. Verkauft wird nicht unbedingt ein Produkt, sondern eine Dienstleistung über die Zeit. Für Investor:innen sind das Geschäftsmodelle mit einer hohen Umsatzqualität, weil sie kontinuierliche Umsätze sicherstellen und damit Planbarkeit ermöglichen. 

5. Das Geschäftsmodell ist nie fertig

Der letzte und zugleich wichtigste Tipp: Das Geschäftsmodell steht immer bei 80 %, selbst wenn es den Anschein hat, dass es sehr gut funktioniert und einwandfrei läuft. Ich erlebe es leider viel zu häufig, dass Gründer:innen sich zu schnell mit ihrem Geschäftsmodell zufrieden geben. Gerade am Anfang einer Gründung werden richtigerweise viele Hypothesen für das Geschäftsmodell getestet. Leider hört es dann aber meist auf und danach werden nur noch sehr selten neue Hypothesen aufgestellt. Dabei ist das erst der Anfang. Es gibt noch viel zu testen und zu validieren, um sich immer weiterzuentwickeln und das Geschäftsmodell besser zu machen. Beispielsweise den Vertriebskanal: Ein gutes Beispiel ist hier Snocks, die anfangs auf Amazon setzten und über die Plattform skaliert haben, später aber feststellten, dass sie ihre Produkte auch direkt (D2C) verkaufen können und dadurch einen höheren Deckungsbeitrag erreichen. Das geht nur durch konstante Entwicklung des Geschäftsmodells.

Über den Autor


Tobias Stamatis ist Geschäftsführer von Etribes, einer der führenden Digital-Beratungen Deutschlands, und Experte für die Digitalisierung, die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle sowie den Aufbau und die Weiterentwicklung von Teams.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

#Gastbeitrag – Clash of the Unicorns: Bumble vs. Tinder vs. OKCupid

#Gastbeitrag

Dating ist immer ein Thema! Die coronabedingten Kontaktbeschränkungen waren weiteres Dünger für diese Konzepte. Sowohl Bumble als auch Tinder als auch OKCupid wollen uns zeigen, wie Liebe, Lust und Leidenschaft 2022 so funktionieren. Ein Gastbeitrag von Friedrich Tromm.

Clash of the Unicorns: Bumble vs. Tinder vs. OKCupid

Montag, 25. Juli 2022VonTeam

Für Singlebörsen, Partnervermittlungen und Casual-Dating-Plattformen waren die coronabedingten Offline-Kontaktbeschränkungen Dünger fürs Geschäftsmodell. Laut einer Bitcom-Studie waren für 7 von 10 Nutzern von Online-Dating-Diensten die Portale und Apps der einzige Weg, Menschen kennenzulernen, und schon mehr als 10 % der Deutschen nutzen Matchmaking-Services. Gute Startbedingungen also für gleich drei Spielerinnen, um die Rückkehr der Freizügigkeit und den Einzug der Frühlingsgefühle mit gezielten Kampagnen zu feiern und zum Markenaufbau zu nutzen. Denn sowohl Bumble als auch Tinder als auch OKCupid wollen uns zeigen, wie Liebe, Lust und Leidenschaft 2022 so funktionieren.. 

Tinder: Vorsprung durch Technik

Wenn Siri für dich Sprechgesang auf einen Kirmes-Beat macht, musst du wohl gerade die neue Kampagne von Tinder schauen. Technolastig wie Musik und Stimme ist auch die Benefit-Kommunikation in den Spots. Ob Ex-Blocker, Video-Chat oder Verifizierung: Hier geht es nicht mehr darum, zu erklären, was Online-Dating ist, sondern um echte, Customer-zentrierte Zusatznutzen. Quasi  der Quattro Vierradantrieb für dein Liebeslieben. Einfach. Verständlich. Echte Innovation, statt bloßer Haltung . Hier wurde wirklich in Produkt und Kampagne Hirnschmalz investiert. Um das nur mit einem Beispiel zu untermauern: Allein in den USA wurden von Love-Scammern aka „Tinder-Schwindlern“ in den vergangenen fünf Jahren 1,3 Milliarden Dollar erbeutet – die ernsthaften psychischen und physischen gesundheitlichen Folgen für die Opfer noch nicht mal betrachtet. Da wird ein Feature wie „Verification” schnell zu einem echten Benefit. Also: Siri, sag Tinder und CPB: We love It!

OKCupid: Für Tortenheber

OKCupids Plakatkampagne sieht ein bisschen so aus, als hätte sich das Marketing David LaChapelle als Art Director geleistet. Oder Shirin David. Man weiß das nicht so genau. Was man, also in diesem Fall ich selbst, auch nicht so genau wusste, war eine gute Antwort auf die Frage unserer siebenjährigen Tochter, nachdem sie auf dem Schulweg ein OKCupid-Motiv betrachtet hatte, um versonnen nachzuhaken: „Papa, warum sitzt die Frau auf dem Kuchen?“ Leider vermochte ich außer einem lahmen „Die findet das schön“, nicht viel Kluges dazu von mir geben und kann es auch heute nicht, obwohl ich ein paar Tage über die Frage nachgedacht habe. Auf jeden Fall unterstreichen die Motive die Spontaneität, die die Marke verspricht. Der Kitkat Club in Berlin heißt ja auch irgendwie wie ein Schokoriegel, da sind die bildlichen Essensmetaphern vielleicht gerechtfertigt und machen auf eine subtile Art Sinn. 

Was auf jeden Fall ausgezeichnet an der Kampagne ist: Es werden Paare gezeigt, die offensichtlich eine gute Zeit miteinander haben. Klingt erstmal wie ein No-Brainer. Ist aber in einer instagrammigen Welt der wenigen Worte sauschlau. Denn wie ein Kunde bei Mercedes-Benz mir einmal bei der ersten Präsentation, bei der ich Junior-Copywriter dabei sein durfte, verschwörerisch-ermutigend zuraunte: „Junger Mann, niemand liest die Copy.“

Das positive Resultat der OKCupid Nutzung repitiliengehirngerecht zu zeigen: Sehr gut.

Bumble: Go woke, go broke.

Ok, ich verstehe: Daten ist kompliziert. Die Kampagne von Bumble auch. Ein bisschen erinnert der manifesto-artige Ansatz mit dem Anspruch, die Regeln des Dating neu zu schreiben, an Parship. Doch während es der „Lass uns Dating neu erfinden”-Kampagne von Parship gelingt, eine Revolution auszurufen, die von Freude, Hoffnung und Liebe getragen wird, dominiert bei Bumble aufdringlich die politische Agenda einer rücksichtslosen Gleichmacherei, die auch vor persönlichen Dating.Präferenzen nicht halt macht. Wenn eh alles das Gleiche ist – warum sich dann überhaupt die Mühe machen, auf ein Date zu gehen? Warum noch aufbrezeln? Warum noch Nervenkitzel? Wäre doch viel sicherer, wenn die Liebe auf Zuteilung per Bezugsschein erfolgt. Wie die Ausgabe von Spanplatten in der DDR. Jede muss Jede gleich attraktiv finden, weil es ja sonst unequal wäre? Und was bitteschön ist eine „Romance Gap”? Bekommen Männer wirklich mehr von dem, was sie wollen, auf Datingplattformen? Und wie beabsichtigt Bumble, das zu ändern? Wer auch immer mit dieser verkopften Strategie um die Ecke kam: Der erste Schritt zu besseren Dates wäre einer, der in Richtung Selbstliebe führt und weg von der Vorwurfshaltung. Denn die macht unattraktiv. Nicht deine Einzigartigkeit. Liebe soll nicht gleich machen, sondern glücklicher.

Schluss machen

Die Tinder-Kampagne gewinnt hier dank klar und modern kommunizierter technischer Benefits das Tête-à-Tête mit grün fliegenden Fahnen. Dicht gefolgt von der OKCupid-Kampagne, die Sinnlichkeit  und Spontaneität zeitgemäß in Szene setzt. Schlusslicht ist die ideologisch-verbrämte Kopfgeburt von Bumble, die so gar nicht ins Herz geht. Ein weiteres Exempel – nach Pleiten wie CNN oder 50 Milliarden Dollar Kursverlusten bei Netflix – wie man Werte ganz einfach vernichten kann, indem man Ideologie vor die Wünsche der Kundin stellt. Werbung soll Menschen dazu verführen, freiwillig etwas Neues, Schönes zu probieren. Das unterscheidet sie von marxistisch-leninistischer Propaganda.

Über den Autoren


Friedrich Tromm ist Gründer und Geschäftsführer von TryNoAgency. Getrieben von dem Anspruch, die überkommene Werbewelt mit einem disruptiven Geschäftsmodell anzugreifen, gründete er 2012 zusammen mit Stefan Nagel die Creative Company. Nach Stationen als Freelancer in über 50 namhaften nationalen und internationalen Agenturen (Jung von Matt, BBDO, Media Arts Lab uvm.) sowie diverser internationaler Apple Launch-Kampagnen kümmert er sich heute mit seinem Partner Stefan Nagel und 30 Mitarbeitern um das Besondere von Marken wie HP, McMakler, PlusDental oder Strato.

#Gastbeitrag – InsurTech-Startups brauchen Versicherung nicht neu erfinden

#Gastbeitrag

“Was ist mit der Insurtech-Revolution passiert?” fragte Anfang dieses Jahres das Wirtschaftsmagazin Globes. Unternehmen wie Lemonade hätten die Wall Street mit dem Versprechen gestürmt, die Versicherungswelt neu zu erfinden. Ihre Kurse würden nun jedoch eher eine enttäuschende Geschichte schreiben.

InsurTech-Startups brauchen Versicherung nicht neu erfinden

Donnerstag, 21. Juli 2022VonTeam

Erfolgreiche Insurtechs schalten etablierte Strukturen wie Vermittler nicht aus, sie “enablen” sie. Gerade im Lebensversicherungsbereich ist die persönliche Beratungskomponente nicht wegzudenken. Beratung findet aber natürlich digitaler und smarter statt. Letztendlich können Insurtechs gemeinsam mit allen Beteiligten ihre Stärken bei der Bewältigung komplexer gesellschaftlicher Herausforderungen ausspielen. 

“Was ist mit der Insurtech-Revolution passiert?” fragte Anfang dieses Jahres das israelische Wirtschaftsmagazin Globes. Hightech-Unternehmen wie das in Israel beheimatete Lemonade hätten die Wall Street mit dem Versprechen gestürmt, die Versicherungswelt neu zu erfinden. Ihre sinkenden Kurse würden nun jedoch eher eine enttäuschende Geschichte schreiben.

Wie immer sind solche Verallgemeinerungen mit Vorsicht zu genießen. Bisher lag der internationale Medienfokus überproportional auf B2C-Insurtechs wie Lemonade oder Metromile – sicherlich getrieben durch die entsprechenden Börsengänge in 2021. Einen “All-Digital-Neo-Insurer” für beratungsintensive Produkte zu bauen ist allerdings ein dickes Brett, für das der passende Bohrer oftmals noch gefunden werden muss. Mit anderen Worten: Insurtechs, die sich auf die letzte Meile zum Endkunden konzentrieren, lassen sich nicht ohne weiteres mit B2B- oder B2B2C-Insurtechs vergleichen. Genau deshalb halte ich es für falsch, von generellen Problemen der Insurtech-Branche zu sprechen. Dem Ruf nach einer Revolution sollte die Analyse vorausgehen, was an der Versicherungsbranche gut ist und wo es Verbesserungspotenzial gibt. Was Gründerinnen und Gründer – unabhängig von der Branche – bedenken sollten: Fortschritt heißt nicht automatisch Disruption. Vielmehr gilt es, sinnstiftend so zu digitalisieren, dass alle Beteiligten spürbaren Mehrwert für sich gewinnen. Und im Versicherungskontext sind das eben die Versicherer selbst, Endkundinnen und -kunden genauso wie Vermittlerinnen und Vermittler.

Gleichzeitig zeigt ein Blick auf das gesellschaftlich so wichtige Thema der Altersvorsorge, dass Technologie einen wichtigen Beitrag leisten kann, um komplexe Sachverhalte verständlich und lösbar zu machen.

Unsere globale Rentenlücke ist heute bereits enorm und wächst jeden Tag weltweit um 28 Milliarden Dollar. Bis 2050 häuft sich das Defizit auf 400 Billionen Dollar an. Der Handlungsbedarf ist dringlich und Lösungsansätze aus verschiedenen Blick- und Denkrichtungen sind mehr als willkommen. Das Potenzial für innovative Startups und Gründerteams – beispielsweise mit Software-as-a-Service-Lösungen – einen Beitrag zu leisten, um die Rentenlücke zu schließen, ist immens. 

Entscheidend ist aus unserer Sicht dabei jedoch, dass die klassische Wertschöpfungskette „Versicherung-Vermittler-Versicherungsnehmer“ Ausgangspunkt neuer Lösungsansätze bleibt. Aus unserer Warte macht es keinen Sinn, zu versuchen, hier irgendetwas zu unterbrechen oder gar abzuschneiden. Vielmehr gilt es, diese Wertschöpfungskette als Ganzes digital zu „enablen“. Die entscheidenden Bindeglieder sind die Vermittlerinnen und Vermittler. Werden sie in die Lage versetzt, mit Hilfe digitaler Lösungen Kundinnen und Kunden anzusprechen, steigert das die Effizienz. Mehr Abschlüsse sind mit weniger Aufwand zu erreichen, weil die Kunden – im Fall der betrieblichen Vorsorge sind das Arbeitgeber und Arbeitnehmer – besser informiert sind und sich dadurch besser beraten fühlen. Das gelingt vor allem durch die gezielte Aufbereitung von Daten und Informationen, was wiederum Transparenz und Vertrauen schafft. 

Diese Klarstellung ist notwendig, wenn es darum geht, beurteilen zu können, welche Geschäftsmodelle von Insurtechs – insbesondere bei beratungsintensiven Produkten – jetzt und in Zukunft erfolgversprechend sind. Unsere These: Komplexe Produkte brauchen einen Vermittler oder eine Vermittlerin. In der Altersvorsorge reden wir beispielsweise über Verträge, die Laufzeiten von 30 und mehr Jahren haben, nicht vergleichbar mit Privathaftpflicht- oder Kfz-Versicherungen, bei denen die Wechselbereitschaft höher ist. 

Die Erfolgsformel für Insurtechs 2.0 lautet daher aus unserer Sicht “Never change a winning team”– oder besser noch “Make a winning team even better”. Das hat immense Vorteile – beispielsweise mit Blick auf die Customer Acquisition Costs. Wer sich nicht zwischen Versicherer und Endkunden drängt, muss sich über diese Kosten weniger Gedanken machen. Wer schon einmal versucht hat, qualifizierte Leads zu erwerben, aus denen sich, unabhängig von der Branche, Geschäft ableiten lässt, weiß, wie hoch diese Kosten sein können. 

Die berühmte “Musik”, die Magazine wie Globes in der Insurtech-Welt zu vermissen scheinen, steckt für uns in der Befähigung der einzelnen Akteure im B2B2C-Geschäft. Und Technologie ist der Schlüssel. Vor allem die Plattformökonomie bietet hier Chancen, da es ihr Grundprinzip ist, alle relevanten Spieler eines Marktes extrem tief technologisch miteinander zu verbinden und damit Raum für Innovationen zu schaffen. Was die Insurtech-Welt – und alle, die sich überlegen, Teil davon zu werden – nicht vergessen darf: Die Vermittlerinnen und Vermittler haben bereits ein umfassendes Experten-Know-how und liefern sehr gute, nachgefragte Beratung. Unterstützung brauchen sie auf anderer Ebene, nämlich beim Eintritt in die digitale Welt mit Lösungen, die komplexe Produkte auch für jüngere Generationen verständlich, vergleichbar und damit attraktiv machen. 

Über den Autor


Tobias Wann ist CEO der Xempus AG.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

#Gastbeitrag – 5 HealthTech-Startups, die das größte Unicorn-Potenzial haben

Obwohl der europäische HealthTech-Markt noch in den Kinderschuhen steckt, hat er schon einiges an Wachstum vorzuweisen. 2021 konnten HealthTech-Startups aus Europa schon mehrere Milliarden US-Dollar einsammeln, ein vielfaches als noch vor wenigen Jahren. Dennoch sieht es auf der Unicorn-Spielwiese noch spärlich aus. Denn nur wenige europäische HealthTech-Startups haben es bisher geschafft, von Investoren mit der magischen Marke von mindestens 1 Milliarde US-Dollar bewertet zu werden.

Und das, obwohl der Markt durch die Pandemie noch einmal gehörig an Fahrt aufgenommen hat. Grund dafür ist, dass die Gesundheitsmärkte in Europa nach wie vor noch sehr fragmentiert sind und sich die “eine” dominierende Plattform noch nicht herauskristallisiert hat – trotz Engagement der Tech-Giganten Alphabet, Apple und Amazon. Es ist jedoch wichtig, dass Europa jetzt aufwacht – denn noch sind wir unabhängig von internationalen Playern.

Damit das so bleibt, brauchen europäische HealthTech-Startups mehr Möglichkeiten auf Innovation und Wachstum und das vor allem in Geschäftsmodellen mit Plattform-Potential. HealthTechs stehen heute da, wo FinTechs vor sechs bis sieben Jahren waren. Damals sprach auch noch keiner von Big Playern wie N26 und Wefox. Eine ähnliche Entwicklung ist auch für den HealthTech-Bereich zu erwarten. Aktuell gibt es 5 Startups, die großes Unicorn-Potenzial haben.

Hedera


Hedera DX ist ein erst im letzten Jahr gegründetes Schweizer Startup, das eine “Liquid-Biopsy-Diagnoseplattform” entwickelt. “Liquid-Biopsy” stellt einen der größten Fortschritte in der Onkologiediagnostik und personalisierten Medizin dar und könnte die Krebsbehandlung revolutionieren. Trotz des Potenzials der Technologie und einer Reihe sehr erfolgreicher, großer US-Unternehmen in diesem Bereich hat sich kein europäisches Unternehmen als führend etabliert, um die Technologie in größerem Umfang einzuführen. Die Fragmentierung des europäischen Marktes und eine Reihe länderspezifischer Herausforderungen hat dies bisher verhindert. Wir sehen Hedera DX gut positioniert, um diese Herausforderungen des Marktzugangs zu lösen und den Motor für die Kommerzialisierung von Liquid Biopsy in Europa aufzubauen. 

 Gaia


Das in Großbritannien ansässige Unternehmen Gaia wurde mit dem Ziel gegründet, den Zugang zu Fruchtbarkeitsbehandlungen zu demokratisieren, indem es Daten zur reproduktiven Gesundheit mit Finanztechnologie kombiniert. Dadurch wird In-Vitro-Fertilisation individueller, zugänglicher und erschwinglicher. Derzeit sind die Ergebnisse und Erfolgsquoten von Fruchtbarkeitsbehandlungen meist unklar und Paare, die mit Fruchtbarkeitsproblemen zu kämpfen haben, werden oft im Dunkeln gelassen. Die hohe finanzielle Belastung, die in den meisten Fällen mit mehreren IVF-Behandlungsrunden einhergeht, stellt eines der größten Hindernisse für diese Paare dar. Das ist das erste Problem, das Gaia mit seinem innovativen Produkt angeht. Es sagt Fruchtbarkeitsergebnisse vorher und versichert das Risiko eines Misserfolgs. Durch die Analyse großer Mengen historischer Daten ist Gaia in der Lage, zuverlässige Vorhersagen über die persönlichen Erfolgschancen der Patienten zu treffen, den optimalen Behandlungspfad zu bestimmen und im Falle eines negativen Ergebnisses den Großteil der Kosten zu erstatten. Gaia begleitet die Patient:innen auf ihrem gesamten Weg zur Fruchtbarkeit und unterstützt sie sowohl finanziell als auch emotional, indem es ihnen ständige medizinische Unterstützung und Beratung bietet und so die Akzeptanz und das Engagement fördert.   

Cera Care


Cera ist ein technologiegestütztes Pflegeunternehmen, das vor fünf Jahren in Großbritannien gegründet wurde und sich zum Ziel gesetzt hat, den immer noch sehr papierlastigen Sektor zu revolutionieren, indem es Qualität, Effizienz und Transparenz in die Pflegeversorgung bringt. Im Ergebnis wird die Qualität der Pflege für die Betreuten deutlich verbessert, während die Angehörigen in der App regelmäßig und in Echtzeit Einblicke in den Gesundheitszustand ihrer Angehörigen erhalten, was wiederum zu einer Reduzierung von Krankenhausaufenthalten und Gesundheitskosten führt.  Das Geschäftsmodell von Cera führte in den letzten Jahren zu einer beeindruckenden Expansion, die durch die Covid-Pandemie verstärkt wurde. Cera hat seine Belegschaft auf mehr als 40.000 Mitarbeiter erweitert und führt täglich über 10.000 Pflegebesuche durch – wir sind gespannt, wie sich der jüngste Eintritt in den deutschen Markt entwickelt! 

Impress


Impress ist ein spanischer zahnmedizinischer VIMPRO (Vertically-Integrated Micro Provider). Impress bietet hausinterne personalisierte Diagnostik, digital unterstützte Behandlung und einen personalisierten Nachsorgeplan. Impress überzeugt durch einen sehr digitalen Ansatz und beeindruckendes Wachstum. Wir sind davon überzeugt, dass mit Customer Convenience große Gesundheitsplattformen entstehen können, sei es in Dental, Kardiologie oder woanders.  

 Avi Medical


Das in Deutschland ansässige Unternehmen Avi Medical hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Zukunft der hausärtzlichen Versorgung neu zu gestalten. Seit seiner Gründung im Jahr 2020 hat das Unternehmen ein unglaubliches Wachstum erlebt und kürzlich eine Serie-B-Runde über 50 Millionen Euro abgeschlossen. Die digitale Gesundheitsplattform von Avi ermöglicht es Patienten, schnell Termine für Online- und persönliche Konsultationen in Avis eigenen Kliniken zu buchen, gibt ihnen Transparenz über ihre eigenen Gesundheitsdaten und die Möglichkeit, diese zu verwalten. Gleichzeitig gibt es Zugang zu Ärzten über ihre App – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur End-to-End Gesundheitsbetreuung. Auf der Ärzteseite schafft Technologie echten Mehrwert, wodurch zum Beispiel 30 % ihrer Zeit frei wird und sich die Ärzte mehr auf ihre Patienten konzentrieren können. Avi Medical ist eine Investition von Heal Capital. 

Über den Autor


Dr. Christian Weiss ist Gründer & General Manager von Heal Capital. Er blickt auf mehrere Jahre Erfahrung im Bereich Venture Capital und Private Equity zurück, unter anderem bei McKinsey, Creathor Venture und AlixPartners. Das Team rund um Dr. Christian Weiss und Eckhard Weber investiert rund 100 Mio. Euro in europäische Start-ups, die die Digitalisierung unserer Gesundheit vorantreiben. Heal Capital screent dafür über hundert HealthTech-Startups pro Jahr.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

Este sitio web utiliza cookies para que usted tenga la mejor experiencia de usuario. Si continúa navegando está dando su consentimiento para la aceptación de las mencionadas cookies y la aceptación de nuestra política de cookies, pinche el enlace para mayor información.

ACEPTAR
Aviso de cookies