#Gastbeitrag – Automatisierung für Startups: Drei Workflows, die sofort entlasten

Startups brauchen keine große Automatisierungsstrategie, sondern Abläufe, die schnellstmöglich weniger Arbeit machen. Eine täglich wiederkehrende Aufgabe auswählen, automatisieren und erst danach skalieren. Im Folgenden 3 Ideen und die dafür benötigten Tools:

1. Lead-Follow-up: Vom Formular zur Opportunity

Ein Lead füllt ein Formular aus, schreibt über LinkedIn oder meldet sich nach einem Webinar und landet im Posteingang. Bis jemand reagiert, sind oft Stunden oder Tage vergangen.

Ein konkreter Workflow: Ein Lead kommt über Typeform, Webflow, HubSpot oder LinkedIn rein. Automatisierungsplattformen wie Zapier, Make, n8n oder Turbotic greifen die Daten ab. Ein KI-Modell analysiert Freitextfelder wie „Wobei können wir helfen?“ und extrahiert Branche, Problem, Dringlichkeit, Unternehmensgröße und Budgetsignal. Danach wird automatisch ein Kontakt oder Deal in HubSpot, Pipedrive oder Salesforce angelegt.

Die KI priorisiert: A-Leads kommen aus der Zielbranche, haben konkreten Bedarf und kurzen Zeithorizont. B-Leads brauchen Nurturing. C-Leads erhalten eine Standardantwort oder gehen in einen Newsletter-Flow. Anschließend erstellt die KI einen Follow-up-Entwurf mit Problemzusammenfassung, Terminvorschlag und nächstem Schritt. Der Versand sollte anfangs manuell freigegeben werden.

Messgröße: Zeit von Lead-Eingang bis erster qualifizierter Reaktion.

Tools: Lead-Formular CRM Automatisierungsplattform LLM.

Grenze: Abschluss, Preisverhandlung und sensible Fälle bleiben beim Menschen.

2. Support-Triage: Anfragen sortieren, bevor jemand sie liest

Support ist in Startups oft ein Sammelbecken: Bugs, Feature-Wünsche, Kündigungsrisiken, Rechnungsfragen und Bedienprobleme landen im selben Kanal. Dadurch werden dringende Fälle übersehen.

Der Quickwin ist automatische Triage. Jede Anfrage aus Intercom, Zendesk, Front, Gmail oder Slack wird von einer KI klassifiziert: technischer Fehler, How-to-Frage, Billing, Kündigungsrisiko, Feature Request, Login-Problem oder Sicherheitsfrage. Parallel extrahiert sie Kundendaten, betroffene Funktion, Dringlichkeit, Stimmung und fehlende Informationen.

Danach steuert der Workflow den nächsten Schritt. How-to-Fragen erhalten einen Antwortvorschlag aus Helpcenter, Notion oder Confluence. Billing-Fragen gehen an Finance. Kritische Bugs erzeugen ein Ticket in Linear, Jira oder GitHub Issues – inklusive Kundenzitat, Browserdaten, Screenshot-Link und Kurzbeschreibung. Kündigungsrisiken werden zusätzlich in Slack gemeldet.

Ohne gute Dokumentation halluziniert die KI. Deshalb sollte der Workflow nur auf freigegebene Quellen zugreifen: Helpcenter-Artikel, interne FAQs, Produktdokumentation und bekannte Fehlermeldungen.

Messgröße: Zeit bis zur ersten Einordnung und Anteil korrekt kategorisierter Tickets.

Tools: Support-Tool Wissensbasis Jira/Linear Slack/Teams LLM.

Grenze: Bei Kündigungen, Rechtsfragen, Sicherheitsvorfällen oder verärgerten Schlüsselkunden sollte ein Mensch reagieren.

3. Operatives Reporting: Aus Tool-Chaos wird ein Wochenbriefing

Viele Gründer verlieren jede Woche Zeit mit Copy-and-paste-Reporting. Zahlen kommen aus CRM, Stripe, Analytics, Ads, Support, Produktanalyse und Buchhaltung. Am Ende entsteht ein Slide-Deck oder Slack-Update, das Arbeit macht, aber selten echte Steuerung liefert.

Jeden Montagmorgen zieht eine Automatisierung Kennzahlen aus HubSpot oder Pipedrive, Stripe oder Chargebee, GA4, Mixpanel, PostHog, Zendesk und dem Projektmanagement-Tool. Die KI erstellt daraus kein Dashboard, sondern ein kurzes Briefing: Was hat sich verändert? Welche Kennzahl ist auffällig? Welche Aufgaben hängen fest? Wo braucht es eine Entscheidung?

Beispiel: Die Pipeline wächst, aber die Conversion von Demo zu Angebot sinkt. Support-Tickets zum Onboarding steigen. Gleichzeitig melden drei Enterprise-Leads denselben Feature-Wunsch. Das KI-Briefing verbindet diese Signale und formuliert: „Onboarding-Friktion könnte Sales-Abschlüsse verzögern. Vorschlag: Top-5-Onboarding-Tickets prüfen und Demo-Script anpassen.“

Der Workflow kann direkt Aufgaben erstellen: „Sales: drei verlorene Deals analysieren“, „Product: häufigstes Onboarding-Problem clustern“, „Finance: Burn-Update ergänzen“. So wird Reporting zum Entscheidungsinstrument.

Messgröße: Zeit für Wochenreporting und Zahl der daraus entstehenden Entscheidungen oder Aufgaben.

Tools: CRM Payments Analytics Support Notion/Slack Automatisierungsplattform.

Grenze: Finanzielle Entscheidungen, Forecasts und Investorenkommunikation müssen final menschlich geprüft werden.

Fazit – unspektakulär, aber effektiv

Die besten Automatisierungs-Quickwins beantworten Leads schneller, sortieren Support sauberer und machen Reporting entscheidungsfähiger. Startups sollten mit einem Workflow beginnen, der täglich nervt: eine Woche testen, eine Kennzahl messen, Fehler korrigieren, dann ausbauen. So wird Automatisierung zum praktischen Betriebssystem für Wachstum.

Über den Autor

Theodore Bergqvist ist ein erfahrener Unternehmer und Business Leader mit über 25 Jahren Expertise in den Bereichen Künstliche Intelligenz, digitale Plattformen, Gaming und Enterprise-IT. Er ist CEO und Co-Founder des Stockholmer Automatisierungs- und KI-Unternehmens Turbotic und berät zahlreiche führende Firmen aus Technologie und Digitalwirtschaft. Bergqvist hat mehrere Unternehmen gegründet und erfolgreich verkauft, darunter Paradox Interactive und GamersGate. Zuvor war er in leitenden Führungspositionen bei Ericsson tätig, wo er die globale KI- und Datenstrategie verantwortete.

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#Gastbeitrag – AI Act: Was jetzt auf das Marketing von Startups zukommt

Am 2. August tritt Artikel 50 des neuen AI Acts vollständig in Kraft. Aktuell kannst du als kleines  Startup Content in genau derselben Qualität produzieren wie ein Multimilliarden-Konzern. Dank KI ist  die Vermarktung deines Unternehmens heute 1.000-mal günstiger als früher. Aber eben nur noch bis  zum 2. August. 

Nach diesem Datum schreibt die EU-Gesetzgebung vor, dass fotorealistische, KI-generierte Medien eine  sichtbare ‚KI-generiert‘-Kennzeichnung tragen müssen. Etwa in Form eines ‚Made with AI‘-Badges. 

Wir erleben gerade im Marketing eine Kostenrevolution. Hochwertige Bilder, Texte, Werbevideos,  Produktvisualisierungen und ganze Kampagnen können heute in Minuten erstellt werden. Dinge, die  früher tausende oder zehntausende Euro gekostet haben, sind plötzlich für kleine Unternehmen,  Selbstständige und Startups zugänglich. Zum ersten Mal kann ein kleines Unternehmen Werbung  produzieren, die nicht mehr automatisch billig aussieht. Zum ersten Mal kann ein Startup mit  begrenztem Budget visuell auf Augenhöhe mit großen Konzernen auftreten.  

Und exakt an diesem Punkt greift die EU regulierend ein, und beendet die Euphorie. 

Stell dir vor, du willst ein neues Hero-Bild deines Bürogebäudes für deine Website. Musst du einen Fotografen buchen? Auf das perfekte Wetter warten? Die perfekte Tageszeit erwischen?  Nein. Heute kann man das mit KI lösen. Perfektes Licht, perfekter Winkel, perfekte Stimmung. Ein Ergebnis, das aussieht wie ein teures Fotoshooting. Verantwortungsvolle Agenturen verzichten inzwischen darauf, Kunden für Bilder zur Kasse zu bitten, die in Sekunden mit KI erstellt wurden. Aber jetzt stell dir vor, auf diesem Bild müsste ein sichtbares ‚KI-generiert‘-Label stehen. Würdest du es noch verwenden? Wahrscheinlich nicht. Und nicht, weil das Bild schlecht wäre oder in irgendeiner Form minderwertig. Sondern weil das Label selbst ein Signal sendet: billig. 

Ein kleines Beispiel zeigt, wie absurd diese Regelung ist: Wenn du deinen Gebrauchtwagen verkaufen  willst und drei Stunden in Photoshop verbringst, um das Foto aufzuhübschen, brauchst du keinen  Hinweis. Erledigst du dasselbe aber in zwei Sekunden per KI, ist das Label plötzlich Pflicht. 

Der Gesetzgeber bestraft das Werkzeug, nicht die Absicht. 

Ein Werbespot, in dem ein schmutziges T-Shirt, mit altbewährten Schnitt-Tricks, in zwei Sekunden wieder  magisch weiß aus der Waschmaschine kommt? Völlig in Ordnung. Wenn du dasselbe Konzept jedoch mit  KI umsetzt, benötigst du plötzlich ein Label, um zu erklären: „Das ist nicht real.“ 

Natürlich gibt es echte Probleme mit KI. Betrug. Fake-Shops. Politische Manipulation. Niemand bestreitet  das. Aber die entscheidende Frage ist: Löst ein sichtbares ‚AI generated‘-Label diese Probleme? Wird ein  Krimineller, der eine gefälschte Website mit nicht existierenden Produkten baut, brav ein KI-Label auf  seine Bilder setzen? Natürlich nicht. 

Diejenigen, die betrügen wollen, werden die Regeln ignorieren. Diejenigen, die legal arbeiten wollen,  zahlen den Preis.

Für große Unternehmen ist das zwar ärgerlich, aber verkraftbar. Sie buchen weiterhin Studios und  Retuscheure. Sie verfügen über Budgets, Rechtsabteilungen und Compliance-Prozesse. Für kleine Unternehmen ist es etwas anderes. Für sie ist KI kein Spielzeug, sondern ein Hebel. Es macht  Gründungen günstiger und den Wettbewerb fairer. Und genau diese Hebelwirkung wird jetzt  eingeschränkt. 

Das Ergebnis ist absehbar. 

Europa wird damit zum letzten Markt, in dem die alte Kunst des ‚Photoshoppens‘ noch wie ein  Familienhandwerk von Vater zu Sohn weitergegeben wird. Während der Rest der Welt seine  Marketingkosten senkt, die Geschwindigkeit erhöht und Kampagnen in Echtzeit testet, wird die  Erstellung von Inhalten in der EU teurer bleiben als nötig. Startups werden langsamer starten. Kleine Unternehmen werden lieber auf bessere Bilder verzichten, als ein KI-Label auf ihre Website zu setzen. Jede Regulierung, die Fixkosten erhöht, hilft nur den Unternehmen, die diese problemlos tragen können.  Sie schützt nicht die Kleinen, sie schützt die Etablierten. 

Das Tragische daran ist, dass die bessere Lösung auf der Hand liegt. 

Entscheidend sollte nicht das Werkzeug, sondern die Verantwortung für den Inhalt sein. Genau wie beim  Text. Der Regulierungsvorschlag sieht vor, dass ein KI-generierter Text, der von einem Menschen geprüft,  redigiert und freigegeben wurde, nicht als unkontrollierte Maschinenäußerung gilt und kein Badge oder  Vermerk benötigt. Warum sollte bei Bildern nicht derselbe Grundsatz gelten? 

Wenn ein Unternehmen ein KI-generiertes Bild prüft, bewusst auswählt und verantwortet, dann ist es für  die Aussage verantwortlich. Genau wie bei einem Foto. Genau wie bei jeder anderen Form kommerzieller Kommunikation. 

Europa spricht ständig über Innovation, Digitalisierung und Wettbewerbsfähigkeit. Aber sobald eine  Technologie tatsächlich kleinen Unternehmen hilft, schneller und günstiger mit den Großen mitzuhalten,  kommt ein Regelwerk, das genau diesen Vorteil wieder reduziert. 

Nicht aus Absicht. 

Deshalb ist es sinnvoll, das Thema anzusprechen. 

Long Story Short: Wenn du ein Startup starten, eine Website bauen oder Ihre Marke professionell  aufstellen willst, tu es vor dem 2. August. Nutze die Phase, in der KI-Marketing noch den vollen  Kostenvorteil bringt. 

Über den Autor

Barnabas Szantho ist Marketingexperte und hat als Marketingverantwortlicher für einige der größten  Konzerne gearbeitet, bis hin zur C-Level-Ebene. Er lehrt an der Hochschule Pforzheim, ist regelmäßiger  Gastdozent im MBA-Programm der Mannheim Business School, veröffentlicht Artikel in Fachmedien und  arbeitet als Berater.  2026 gründete er das Marketing-Startup ModernPanda.de, um Startups dabei zu unterstützen, durch KI  deutlich günstigeres und zugleich professionelles Marketing umzusetzen.

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#Gastbeitrag – Europa kann sich seine Souveränität nicht mieten 

#Gastbeitrag

Amerika hat mit SpaceX einen Riesen gebaut, der fast die ganze Wertschöpfungskette kontrolliert. Europa muss daraus nicht den Schluss ziehen, einen vergleichbaren Riesen bauen zu wollen. Ein Gastbeitrag von Daniel Niemi (Atlantic).

Europa kann sich seine Souveränität nicht mieten 

Donnerstag, 25. Juni 2026VonTeam

Der Börsengang von SpaceX hat uns alle in den vergangenen Wochen beschäftigt. Und er hat viele Investoren reich gemacht. Aber die eigentliche Nachricht liegt nicht an der Börse. Sie liegt darin, was SpaceX inzwischen ist: keine Raketenfirma mehr, sondern ein Stück Infrastruktur. Starts, Konnektivität, Rechenleistung, künstliche Intelligenz und Verteidigung wachsen dort zu einer Plattform zusammen. Amerika hat mit SpaceX einen Riesen gebaut, der fast die ganze Wertschöpfungskette kontrolliert. Europa muss daraus nicht den Schluss ziehen, einen vergleichbaren Riesen bauen zu wollen. Die wichtigere Frage ist: Welche Teile dieser Infrastruktur dürfen wir nicht aus der Hand geben?

Eine Antwort darauf entsteht bereits. Nur sieht sie anders aus als in den USA. Europa baut keinen einzelnen Champion, sondern ein Geflecht spezialisierter Firmen. Gründerinnen und Gründer arbeiten an sehr niedrigen Umlaufbahnen, an Mobilität im Orbit, an Lagebildern aus dem All und an Diensten, die daraus verwertbare Daten machen. Ebene für Ebene entsteht so eine europäische Alternative. Nicht jeder Baustein muss national sein. Aber die entscheidenden Schichten dürfen nicht dauerhaft auf fremden Plattformen liegen.

Europa hat sich zuletzt vor allem als Kunde hervorgetan. 2024 überwies die EU rund 180 Millionen Euro, um vier eigene Galileo-Satelliten auf einer Falcon 9 von amerikanischem Boden zu starten. Eine einsatzbereite eigene Rakete fehlte. Nur wer die Leitungen besitzt, bestimmt den Preis und die Bedingungen. Strategische Autonomie lässt sich nicht mieten.

Die Ökonomie ändert sich zu Europas Gunsten. Ein Kilogramm in die niedrige Umlaufbahn kostete zu Shuttle-Zeiten rund 54.500 Dollar. Mit der wiederverwendbaren Falcon 9 sind es noch etwa 2.700. Der Preis ist um 95 Prozent gefallen. Fallende Startkosten öffnen neue Dienste, so wie GPS einst die Navigations-Apps möglich machte. Welche genau, weiß heute niemand. Dass sie kommen, weiß jeder.

Sie entstehen auch in Bahnen, die bislang leer blieben. Zwischen 200 und 300 Kilometern liegt die sehr niedrige Umlaufbahn, sechzig Jahre lang als zu lebensfeindlich verschmäht. Luftwiderstand bremst, atomarer Sauerstoff zerfrisst die Hülle, und ohne ständigen Schub sinkt ein Satellit binnen Monaten zur Erde zurück.

Genau dort wird jetzt gebaut. NewOrbit will dauerhaft in dieser Bahn fliegen und Aufnahmen zwanzigmal günstiger liefern. Das Schweizer PAVE verkürzt mit eigenen Schleppern das Anheben einer Umlaufbahn von Monaten auf unter einen Tag. Das Münchner Vyoma brachte im Januar Europas ersten Satelliten zur Lageaufklärung ins All; er verfolgt Trümmer und fremde Manöver in Echtzeit. Alle drei gehören zum Portfolio von Atlantic. Alle drei haben ein Geschäftsmodell. Alle drei verhandeln mit Kunden.

Zum ersten Mal hat Europa, was amerikanische Firmen längst haben: einen Ankerkunden und Kapital. In Bremen sagten die ESA-Staaten im Dezember 22,3 Milliarden Euro zu, ein knappes Drittel mehr als drei Jahre zuvor. Erstmals geht mehr als eine Milliarde allein an Sicherheit und Verteidigung im Orbit. Ein verlässlicher staatlicher Abnehmer senkt das Risiko für private Geldgeber. Dieser Hebel, nicht der Erfindergeist allein, hat die amerikanische Raumfahrt groß gemacht.

Warum bauen, wenn Mieten billiger ist? Der Einwand liegt nahe. Doch der Börsengang führt vor, wohin Mieten führt. Wer keine eigene Infrastruktur hat, zahlt den Preis des anderen und beugt sich seinen Regeln. Das größere Risiko liegt ohnehin woanders. Es heißt nicht „zu teuer“, sondern „zu zersplittert“. Zwei Dutzend nationale Mittelmaß-Projekte helfen Europa nicht. Es braucht wenige Sieger.

Europa sollte deshalb in Schichten denken, nicht in Flaggen. Eine Handvoll europäischer Firmen kann die entscheidenden Ebenen besetzen: die Umlaufbahn, die Mobilität im All, das Lagebild. Zusammen ergäben sie einen eigenen Stack. Wer ihn besitzt, muss nicht länger in der Rakete eines anderen mitfliegen. Den Start an diesem Freitag holt Europa nicht mehr ein. Die nächste Schicht aber kann uns gehören. Wir bauen daran.

Über den Autor

Daniel Niemi ist Partner bei Atlantic.

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#Gastbeitrag – Demografie – was viele Gründer:innen missverstehen

Der „demografische Wandel“. Ein Begriff, der bei Gründer:innen in Deutschland meist zu einem Augenrollen führt. Er steht sinnbildlich für Menschen in beigen Jacken, die still auf Parkbänken sitzen.

In Japan, Israel und besonders in den USA hat man hingegen längst verstanden, was dieser Wandel ist: Ein Blue Ocean für Gründer.

Eine alternde Gesellschaft führt zur Verlagerung von Kaufkraft, Konsum und Vermögen und eröffnet somit neue Möglichkeiten für Geschäftsmodelle.

Gerade in den USA fällt auf, welche wirtschaftliche Power diese gesellschaftliche Veränderung mit sich bringt und wie gezielt die Gründerszene sich dem Thema annimmt.

Laut den „Research Insights“ der AARP und Daten der Federal Reserve Bank verfügen Amerikaner ab 50 Jahren über mehr als 70 % des nationalen Vermögens und stehen für etwa 52 % aller Konsumausgaben in den USA. 

AARP ist eine Organisation mit rund 38 Millionen Mitgliedern, die sich auf Themen konzentriert, die Menschen ab 50 betreffen. Sie wurde 1958 von einer pensionierten Lehrerin ins Leben gerufen, um Armut und Isolation unter älteren Amerikanern zu bekämpfen.

40 Millionen Dollar waren nur der Anfang

AARP hat frühzeitig erkannt, dass sich die Bedürfnisse der Konsumentinnen und Konsumenten aufgrund der Alterung der Gesellschaft nachhaltig verändern und neue Märkte schaffen. Bereits 2015 wurde der „AARP Innovation Fund“ mit 40 Millionen Dollar aufgelegt. Ziel dieses Fonds ist es, in innovative Produkte und Dienstleistungen zu investieren und so die Gründerszene für die Thematik zu gewinnen.

Bis heute trägt AARP maßgeblich dazu bei, dass sich die US-amerikanische Start-up-Szene strategisch mit Lösungen für den veränderten Bedarf einer alternden Bevölkerung befasst. Das eigene Innovations-Netzwerk besteht aus rund 700 Akteuren, die Start-ups fördern, finanzieren und auszeichnen.

Auch auf der CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas, der weltweit größten und wichtigsten Fachmesse für Unterhaltungselektronik und Technologie, ist „Altern“ ein etabliertes Thema – sowohl in den Messehallen als auch im Konferenzprogramm.

Dieses Engagement zahlt sich aus. In den USA sind viele erfolgreiche Start-ups entstanden, und das nicht nur in den offensichtlichen Bereichen Health und Care, sondern auch in Bereichen wie Fintech oder Mobility.

In den USA und Kanada gibt es zudem mehrere speziell auf diesen Markt ausgerichtete VCs, die für die nötigen Finanzmittel sorgen. Regionale Netzwerke erzeugen durch die Vernetzung der Akteure Synergien und schaffen überall in den USA Ökosysteme. 

Aus diesem Ökosystemen entstehen neue Themen- und Produktbereiche wie „agetech“ und „longevity“ die Innovatoren und Investoren gleichermaßen begeistern.

Deutschland droht den Anschluss an einen Milliardenmarkt zu verlieren

Das Medianalter liegt in den USA bei 38,5 Jahren, in Deutschland bereits bei 45,5 Jahren. Die Gruppe der über 65-Jährigen macht in Deutschland 24 % und in den USA nur 18 % der Bevölkerung aus.

Eigentlich sollte Deutschland bei der „Silver Economy“ führend sein, denn die Alterung unserer Gesellschaft und somit auch die der Kunden ist weiter fortgeschritten als in den USA.

Dem ist nicht so.

2024 lag gemäß Bundesbank das Median-Nettovermögen bei Menschen unter 35 bei 17.500 EUR der Median bei der Altersgruppe 55 von 64 Jahre lag bei 171.200 EUR. 

Durch die Alterung der Gesellschaft verschiebt sich auch der private Konsum in Richtung älterer Menschen. Gerade bei Markenprodukten und kostspieligen Anschaffung dominieren die reifen Kundensegmente. 

So liegt das Durchschnittsalter von Neuwagenkäufern in Deutschland bei 53 Jahren. Ältere dominieren zudem die Nachfrage in vielen anderen Bereichen. Beispielsweise bei Reisen und „Personal Care“, den Produkten aus den Bereichen Kosmetik und Hygieneartikel. Wenig überraschend. Im Bereich Gaming bilden ältere Menschen die am stärksten wachsende Gruppe in Deutschland.

Aber immer noch stehen junge Kunden im Fokus von Werbung und Innovation.

Die Frage ist warum.

Ein wesentlicher Grund ist die Tatsache, dass in Deutschland negative Stereotype und fragwürdige Rollenklischees gegenüber älteren Menschen weit verbreitet sind.

Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Ageismus – Altersbilder und Altersdiskriminierung in Deutschland“ die im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erstellt wurde. 

Diese Haltung und die unbewussten Vorurteile, die wir alle in uns tragen, führen auch dazu, dass „ältere Menschen“ von Gründer:innen kaum in Geschäftsmodellen berücksichtigt werden. 

Eine Kundengruppe, die vermeintlich nur von einer kleinen Rente lebt, konservative Werte pflegt und innovationsscheu sowie technikfern agiert, scheint nicht gerade vielversprechend.

50plus ist keine Lösung 

Diese, meist unbewussten, Vorurteile führen zu einem der größten Denkfehler, den Gründer und etablierte Unternehmen im Kontext des demografischen Wandels regelmäßig machen: Sie bilden Zielgruppen und Marktsegmente, die sich am Lebensalter orientieren. Wer kennt sie nicht: die Zielgruppe 50plus. 

Das Lebensalter ist jedoch ein denkbar schlechter Indikator für Bedürfnisse. Anstatt Personas mit Fokus auf die Lebensjahre zu entwickeln, gilt es Lösungen für Lebensphasen zu kreieren: Ruhestand, Menopause oder die Rollen als pflegende Angehörige und Großeltern gehen mit einer Veränderung von Bedürfnissen, Wissensdefiziten und oft auch finanziellen Herausforderungen einher. Hier liegt das Geschäftspotenzial für Gründer:Innen!

In Deutschland gibt es bereits zahlreiche Startups, die Lösungen für eine alternde Gesellschaft erfolgreich anbieten.

Deutsche Gründer haben Potential

Das Berliner Start-up voize entwickelt einen KI-gestützten Sprachassistenten für die Pflegedokumentation. 2025 hat es in einer Serie-A-Finanzierungsrunde 50 Millionen US-Dollar eingesammelt, um in Europa zu expandieren und in den US-Markt einzutreten, um damit seine Mission voranzutreiben, den Verwaltungsaufwand im Gesundheitswesen zu reduzieren.

Senior Connect ist die AI-first Plattform für berufliche Übergänge. Das 2024 in München gegründete Unternehmen begleitet Mitarbeiter im Übergang mit KI-gestützten Workflows, von der Jobsuche bis zur Vermittlung. Für Unternehmen digitalisiert das Team Outplacement-Prozesse. 

Veli aus Kassel analysiert den Strom- und Wasserverbrauch eines Haushalts in Echtzeit. Durch Abweichungen von typischen Verbrauchsmustern erkennt das System Notsituationen und organisiert automatische Hilfestellungen. Es ist eine smarte Alternative zum Hausnotruf.

Das Ökosystem wächst

Alle drei Teams wurden mit dem Gründerpreis „SENovation-Award” ausgezeichnet.

Das Programm unterstützt seit 2018 die deutschsprachige Gründerszene zu den Themen Alter, Agetech und Longevity. Unter der Schirmherrschaft des NRW-Wirtschaftsministeriums werden jedes Jahr zwei Teams mit Preisgeld und Coaching ausgezeichnet. Bewerbungen können noch bis zum 30. Juni 2026 online eingereicht werden.

Unterstützt wird das Programm von der SIGNAL IDUNA Gruppe, deren CEO Torsten Uhlig feststellt: „Wenn Deutschland jetzt nicht handelt, werden zentrale Lösungen für die alternde Gesellschaft künftig aus dem Ausland kommen.“

Auch aus dem öffentlichen Bereich wird das Thema adressiert. 

So verfolgt die Landesregierung von Niedersachsen mit den „LINGA Wochen“ das Ziel, Studierende frühzeitig für das Thema „Altern als Chance“ zu sensibilisieren und durch die Beteiligung von unterschiedlichen Fachbereichen Innovationen und Ideenfindung voranzutreiben. Geschäftsmodellentwicklung während des Studiums.

2025 ist AgeTechX in Berlin gestartet. Das Forum will Gründer, Investoren, Unternehmen und politische Entscheidungsträger zu den Themen Alterung, gesellschaftliche Herausforderungen und Technologie zusammenbringen. Am 5. und 6. Oktober 2026 findet die gleichnamige Konferenz in Berlin statt.

Mindset-Shift

Gründer:innen müssen ihre Perspektive ändern.

Sie sollten sich von der pauschalen Bewertung von Altersclustern und Generationen lösen und stattdessen eine bedarfsgetriebene Geschäftsmodellentwicklung verfolgen, die wachsende Marktsegmente adressiert. 

So wird aus dem demografischen Wandel eine Silver Economy, die Gründerstories wie die von Honor, Papa oder Rippl auch in Deutschland ermöglicht.

Der Markt ist da. Es ist ein globaler Markt der garantiert wächst.

Deutschland hat die besten Voraussetzung eine zentrale Rolle im globalen Mega-Trend 

„Aging“ zu spielen, wenn wir Alter als Chance und nicht als Problem verstehen.

Über den Autor

Frank Leyhausen berät seit 2000 Unternehmen, Behörden und gemeinnützige Organisationen zu den Chancen und Herausforderungen einer alternden Gesellschaft. Die Handlungsfelder sind Innovation und Kommunikation sowie die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

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#Gastbeitrag – Mehr als Kapital: Wie Startups Investor:innen finden, nutzen und Krisen vermeiden 

Wenn Gründer:innen zögern, ihren Investor mit schlechten Nachrichten anzurufen, ist die Beziehung meistens schon weit vorher gescheitert. Nicht in dem Moment, in dem etwas schiefläuft, sondern in den Monaten davor. Wenn Erwartungen nie sauber geklärt wurden. Wenn Kommunikation zum Ritual ohne Nutzen wurde. Und wenn sich Zusammenarbeit mehr nach Kontrolle als nach Unterstützung anfühlt.  

Unabhängig davon, wie der Markt gerade tickt: eine Runde ist selten ein Selbstläufer und ein Punkt wird besonders oft unterschätzt: Startups brauchen nicht nur Kapital. Sie brauchen Kapital, das zur Firma passt – und Investor:innen, mit denen man die Reise auch in schwierigen Phasen wirklich durchstehen kann. Durchhaltevermögen ist keine Charakterfrage. Es ist häufig eine Frage von Setup, Beziehung und Arbeitsmodus. 

Ich habe in den letzten Jahren viele Founder (und zuvor auf Startup-Seite auch Investor:innen) erlebt, die Investor:innen wie ein notwendiges Übel behandeln: Man liefert ein Update, beantwortet Fragen, hofft auf Ruhe und meldet sich erst wieder, wenn es nicht anders geht. So ein Modus kann phasenweise funktionieren – zum Beispiel in sehr intensiven Produkt- oder Hiring-Phasen. Problematisch wird es, wenn daraus ein Dauerzustand wird. Denn Herausforderungen tauchen in jedem Startup auf. Der Unterschied ist, ob sie früh genug besprochen werden, um noch mehrere Handlungsoptionen zu haben

Investor-Fit ist kein „Nice-to-have“, sondern Risikomanagement 

Ein guter Fit heißt nicht, dass immer Harmonie herrscht. Es heißt: Teams können offen sprechen, ohne dass Gespräche schwerer werden als die Situation selbst. Schlechte Nachrichten lassen sich teilen, ohne Angst vor Schuldzuweisungen – und gute Nachrichten werden gemeinsam gefeiert. Und wenn Energie oder Zuversicht im Team gerade knapp werden, gibt es auf Investor:innenseite Menschen, die nicht nur Fragen stellen, sondern auch Rückenwind geben: mit Pragmatismus, Optimismus und dem richtigen Push zur richtigen Zeit.  

Damit das kein Zufall ist, lohnt sich eine Frage schon vor der Runde: Wer sitzt auf dem Cap Table – Angel, VC, strategische Investor:innen, CVC? Welche Skills bringt wer mit? Viele Teams haben eine bunte Runde an Namen, nutzen diese Vielfalt aber nicht aktiv. Dabei liegt genau hier ein Hebel: Cap Table als Skill-Matrix denken und die unterschiedlichen Stärken gezielt einsetzen. 

Investor:innen haben unterschiedliche Stärken – und Startups müssen sie aktiv nutzen  

Viele Teams sprechen über „ihre Investor:innen“, als wären alle gleich. In der Praxis ist der Cap Table aber eine Skill-Matrix: Angels helfen oft sehr hands-on, VCs bringen Fundraising- und Pattern-Expertise, strategische Investor:innen oder CVCs können – wenn gut aufgesetzt – Zugang zu Domänenwissen, Netzwerken und operativer Erfahrung bieten. 

Der Punkt ist: Dieser Mehrwert passiert nicht automatisch. Founder müssen ihn aktiv anfordern – mit klaren Fragen, konkreten Bitten („Wer kennt jemanden für X?“) und der Bereitschaft, auch unbequeme Themen früh zu teilen. Sonst bleibt Zusammenarbeit schnell bei Reporting und Folien stehen.  

Wie gute Zusammenarbeit praktisch aussehen kann 

In guten Beziehungen ist Reporting kein Selbstzweck. Es ist ein Werkzeug. 

Ein schlankes monatliches Update – „as lean as possible, as informative as necessary“ – kann operativ sogar entlasten: Es zwingt zu Klarheit über KPIs, Cash, Prioritäten und Risiken. Früh gutes Reporting macht spätere Entscheidungen einfacher, und es hilft im nächsten Fundraising, weil die Story sauberer ist. 

Wichtig ist der Ton: Ein Update ist nicht „für Investor:innen“. Es ist für das Unternehmen. Der Investor-Call (oft reichen 30 Minuten) sollte dann nicht zur Folienlesung werden, sondern zur Frage: Wo brauchen wir Sparring? Welche Entscheidung wird diese Woche leichter, wenn wir sie gemeinsam durchdenken? 

Quartalsformate (Board/Strategy) sind wiederum keine „größeren Reporting-Calls“. Sie sind für Deep Dives: eine strategische Diskussion, die das Team wirklich weiterbringt – plus die formalen Beschlüsse, die eben dazugehören. 

Und dann gibt es den wichtigsten Teil: ad hoc. Kleine positive Updates zwischendurch. Ein kurzer Erfolg, der geteilt wird. Und vor allem: Probleme früh flaggen. Nicht, wenn es brennt, sondern wenn es anfängt, warm zu werden. 

Denn genau daran entscheidet sich, ob der „Bad News Call“ später schwer wird oder selbstverständlich: Wenn ich Investor:innen nur dann höre, wenn ich liefern muss, graut es mir irgendwann vor dem Gespräch. Wenn ich Investor:innen als Partner erlebe, rufe ich an, sobald ich merke, dass ich Hilfe brauche oder einen Erfolg teilen möchte. 

Am Ende ist es tatsächlich wie in jeder Beziehung: Vertrauen entsteht nicht in der Krise. Es entsteht in den Wochen davor – durch Klarheit, Verlässlichkeit und das Gefühl, dass man gemeinsam am selben Ziel arbeitet. 

Über den Autor

Jasper Roll ist Geschäftsführer von Haufe Group Ventures, einem Unternehmen der Haufe Group. Er verantwortet Investments in frühphasige B2B-Startups sowie den Aufbau neuer Geschäftsmodelle im Corporate-Service-Umfeld. Zuvor war er unter anderem bei audibene, Dreamlines sowie bei Rocket Internet tätig. Roll verfügt über langjährige Erfahrung in der Skalierung junger Unternehmen und der digitalen Transformation. 

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

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