#Gastbeitrag – DeepTech stirbt nicht am Forschungsgeist, sondern an der Finanzierungslücke 

Wenn über das europäische Finanzierungsproblem bei Startups gesprochen wird, geht es meist um die späten Phasen: zu wenig Growth Capital, zu wenige große Runden, zu wenige Börsengänge. Die Diagnose ist nicht falsch, aber sie greift zu kurz. Das eigentliche Problem beginnt schon viel früher. 

Das strukturelle Mismatch 

Venture Capital funktioniert nach einer Logik, die für Software optimiert wurde: kurze Entwicklungszyklen, schnelle Iteration, messbare Metriken. Das bedeutet nicht, dass DeepTech keine attraktiven Returns oder Exits liefert. Im Gegenteil. Aber die Frühphase sieht anders aus. Das Risiko ist technologischer Natur, noch nicht marktbezogen. Die entscheidenden Fragen sind nicht „Wächst die Nutzerzahl?“, sondern „Funktioniert die Technologie unter industriellen Bedingungen?“ und „Wer kauft das in welchem Markt?“ 

Diese Fragen kann man nicht mit klassischen VC-Metriken beantworten. Man braucht tiefes Technologieverständnis, Marktkenntnisse in relevanten Industrien und ein Netzwerk, das beides verbindet. Das zeigt sich täglich im Dealflow: Startups mit funktionierender Technologie und echtem Marktpotenzial, die keine erste Runde schließen können. Nicht weil die Technologie oder das Team nicht überzeugen würden, sondern weil kaum jemand da ist, der sie wirklich einschätzen kann und bereit ist, die Leadinvestor-Rolle zu übernehmen. 

Kapital allein löst das nicht. Was DeepTech-Gründer in der Frühphase brauchen, ist ein Investor, der die Technologie versteht, den Markt kennt und aktiv dabei hilft, die richtigen industriellen Partner zu finden. 

Europa forscht auf Weltklasse-Niveau. Aber die Kommerzialisierung findet woanders statt. Nicht weil die USA oder Asien bessere Wissenschaftler hätten, sondern weil dort Finanzierungsstrukturen existieren, die zu DeepTech passen. Spezialisierte Fonds mit längeren Horizonten oder mehr Weitblick und mehr Technologieverständnis, strategische Investoren, die früh einsteigen sowie ein Ökosystem, das Hardware-Startups nicht als Anomalie behandelt. 

Was sich ändern muss 

Für Investoren bedeutet das vor allem eines: Es reicht nicht, Kapital bereitzustellen. DeepTech-Investments in der Frühphase erfordern tiefes Technologieverständnis, Marktkenntnisse in den relevanten Industrien und die Bereitschaft, die Lead-Rolle zu übernehmen, bevor klassische Signale wie Umsatz oder Nutzerwachstum existieren. Genau hier liegt die eigentliche Lücke in Europa. Nicht an grundsätzlich fehlendem Kapital, sondern an zu wenigen Fonds mit dem richtigen Profil, um diese Rolle auszufüllen.

Für die Politik gilt: Nicht jede Phase braucht neue Programme. Die Forschungsphase ist in Deutschland oft gut abgedeckt. Institutionen wie SPRIND leisten hier echte Pionierarbeit. Das Problem beginnt danach. 

Der Tech-Transfer funktioniert nicht optimal, weil die Logik von Forschungseinrichtungen und Tech-Transfer-Offices selten mit der Realität der VC-Welt zusammenpasst. Bewertungsvorstellungen, Verwertungsstrategien, Zeitrahmen: Hier treffen zwei Welten aufeinander, die zu selten miteinander sprechen. Was es braucht, sind Blaupausen, die funktionieren, und mehr Industrieunternehmen, die bereit sind, gemeinsam mit Forschungseinrichtungen Ansätze auszuprobieren, bevor eine Ausgründung überhaupt entsteht. 

Der entscheidende politische Hebel liegt aber tiefer: Solange Förderung fast ausschließlich auf Forschungsleistung ausgerichtet ist, fehlt der Anreiz zur Ausgründung. Was sich ändern muss, ist die Grundlogik. Förderung, die Gründungen belohnt, nicht nur Publikationen. Arbeitsplatzsicherheit für Wissenschaftler:innen, die den Schritt wagen, damit das Scheitern nach zwei Jahren nicht die Karriere kostet. Und eine systematische Ausbildung in unternehmerischem Denken, damit Forscher:innen verstehen, wie Startups funktionieren, wie Kapitalgeber denken und was es braucht, um eine Technologie in ein Unternehmen zu verwandeln. 

Die Chance ist da, aber nicht ewig 

Europa hat das Potenzial, DeepTech-Weltmarktführer hervorzubringen. Die Forschungsbasis ist stark, das Ingenieurwissen tief, die industrielle Tradition vorhanden. Was fehlt, ist eine Finanzierungsinfrastruktur, die zur technologischen Realität passt, sowie Investoren, die bereit sind, früh einzusteigen, das Risiko wirklich einzuschätzen und mehr mitzubringen als Kapital. 

Wer jetzt handelt – Investoren wie Politik –, kann diesen Markt mitgestalten. Wer wartet, wird später zusehen, wie die Wertschöpfung woanders entsteht. Die Technologien sind da. Es ist Zeit, sie groß zu machen. 

Über den Autor 

Chris Heyer ist Mitgründer und General Partner von Marvelous, einer europäischen Investmentplattform zur Kommerzialisierung physischer DeepTech-Innovationen. Heyer verfügt über umfangreiche Corporate-Venture-Erfahrung. Er gründete und skalierte fünf Unternehmen mit zwei erfolgreichen Exits und war Chief Investment Officer des MDAX-Unternehmens Hypoport. Zudem baute er VCs für Unternehmen wie OBI und Vonovia auf.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): KI

#Gastbeitrag – 3 Lektionen, die ich als Gründerin gelernt habe

Seit meiner Jugend hatte ich starke Zyklusbeschwerden, Periodenschmerzen und PMS – die Antwort darauf war häufig immer dieselbe: Pille oder Schmerzmittel. Beides habe ich ausprobiert, beides hat nicht wirklich geholfen. Was mich schließlich auf eine ganz andere Spur gebracht hat, war ausgerechnet der professionelle Tanz.

Als Leistungssportlerin lernt man schnell: Der Körper ist dein wichtigstes Werkzeug. Du beobachtest ihn, du hörst ihm zu und du versuchst seine Signale zu verstehen, weil du es musst. Denn wer auf der Bühne funktionieren will, kann sich keine ‚blinden Flecken‘ leisten.

Genau diese Haltung habe ich auch auf meine Hormongesundheit angewendet. Ich wollte nicht einfach Symptome unterdrücken, sonder verstehen, was in meinem Körper wirklich passiert, warum ich diese Beschwerden habe und wie ich sie nachhaltig lindern kann.

Ich wünschte mir damals jemanden, der mir erklärt, was wirklich hinter meinen Beschwerden steckt – jenseits der Standardempfehlungen. Aus diesem Wunsch entstand Hormonella.

Seitdem habe ich viel darüber gelernt, wie man eine Marke in der Gesundheitsbranche aufbaut und was es wirklich bedeutet, eine Marke zu gründen und Produkte zu entwickeln, die man selbst gebraucht hätte.

Learning 1: Outsourcing spart Zeit – aber wer seine Prozesse bis ins kleinste Detail versteht, ist langfristig im Vorteil

In den frühen Tagen von Hormonella haben uns viele geraten: Lagert so viel wie möglich aus. Logistik, Fulfillment, Produktion – alles in fremde Hände geben. Schnell skalieren, nichts selbst machen.

Wir haben diesen Rat bewusst nicht befolgt. Nicht aus Sturheit, sondern aus Überzeugung: Wer Qualität und Kundenerlebnis wirklich meistern will, muss jeden Prozess im eigenen Unternehmen verstanden und idealerweise selbst durchgeführt haben. Nur so kann man beurteilen, ob ein externer Partner wirklich den eigenen Ansprüchen gerecht wird.

Ein konkretes Beispiel: Bei Hormonella beschaffen wir jeden einzelnen Rohstoff selbst, kennen jeden Produzenten persönlich und setzen wo möglich auf direkte Lieferketten. Das ist aufwendiger als eine Bestellung beim Lohnhersteller. Aber es bedeutet, dass wir jederzeit wissen, was in unseren Produkten steckt und woher es kommt.

Automatisiert und delegiert – aber erst, wenn ihr den Prozess selbst verstanden habt. Dann wisst ihr auch, was ihr von euren Mitarbeitern und Partnern erwarten könnt, und wo die jeweiligen Grenzen liegen.

Learning 2: Feedback annehmen – aber nicht jede gut gemeinte Empfehlung befolgen

Wir haben Hormonella mitten in der Corona-Pandemie aufgebaut. Die Empfehlung aus nahezu allen Ecken war eindeutig: „Fokus auf Online. Stationärer Handel ist uninteressant. Apotheken sind zu langsam.“

Wir haben uns trotzdem – oder vielleicht genau deswegen – für einen Pharmacy-first-Ansatz entschieden. Nicht weil wir den Experten nicht zuhören wollten, sondern weil wir unsere Zielgruppe kannten. Die Apotheke ist im Gesundheitskontext mehr als ein Verkaufsort. Sie ist ein Vertrauensraum.

Also sind wir losgezogen. Apotheke für Apotheke. Persönliche Gespräche, direkte Rückmeldungen, echter Austausch mit Apothekerinnen und Gynäkologinnen. Das Ergebnis: Heute ist Hormonella in über 8.000 Apotheken in Deutschland erhältlich.

Holt euch regelmäßig Feedback von Kundinnen, von Partnern und aus der Branche. Aber filtert. Denn ihr kennt euer Unternehmen, eure Zielgruppe und euren Qualitätsanspruch besser als jede Person von außen. Hört zu, priorisiert und testet. Und entscheidet dann nach dem, was wirklich zu eurer Marke passt.

Learning 3: Transparenz ist kein Marketinginstrument – sie ist das Fundament

Die Supplement-Branche ist laut. Aber viele Marken wirken austauschbar: Health Claims, die zu gut klingen, um wahr zu sein, bunte Labels mit großen Versprechen und wenig Greifbaren dahinter.

Für uns war früh klar: Wenn wir das Vertrauen unserer Zielgruppe gewinnen wollen, reicht eine einfache „Geld-zurück-Garantie“ nicht. Wir müssen wirklich zeigen, was hinter unseren Produkten steckt.

Konkret bedeutet das bei Hormonella drei Dinge:

Erstens die Supply Chain. In der Supplement-Industrie beziehen die meisten Marken Produkte vom Lohnhersteller – woher die Rohstoffe stammen, was genau in den Inhaltsstoffen steckt bleibt oft unklar. Wir beschaffen jeden Rohstoff selbst und lassen Extrakte eigens für uns herstellen. Das hat einen direkten Qualitätsgrund: In vielen Pflanzenextrakten stecken versteckte Füllstoffe, die in keiner Zutatenliste auftauchen. Weil wir das selbst in der Hand haben, können wir für jedes einzelne Produkt höchste Qualität und Reinheit gewährleisten.

Zweitens das Reinheitsprinzip. Wir testen nicht nur das Endprodukt, sondern jeden einzelnen Rohstoff unabhängig im Labor. Für uns ist das Standard. In der Branche ist es oft leider die Ausnahme.

Drittens echte Beratung. Viele unserer Kundinnen haben schon vieles ausprobiert, bevor sie zu uns kommen. Dabei haben sie oft die Erfahrung gemacht, nicht ernst genommen zu werden oder Produkte gekauft zu haben, die nicht gehalten haben, was sie versprochen haben. Deswegen investieren wir in persönliche Beratungsgespräche mit Expertinnen und Pharmazeutinnen, damit unsere Kundinnen wirklich verstehen, was hinter ihren Beschwerden steckt, und die Unterstützung bekommen, die sie verdienen.

Vertrauen entsteht durch Klarheit, nicht durch Lautstärke. Zeigt, was ihr wirklich könnt – und sagt auch, was ihr nicht könnt. Das ist mutiger als jeder noch so vielversprechende Health Claim. Und langfristig wertvoller.

Über die Autorin

Felicitas Dammertz ist Gründerin von Hormonella, einer Female-Health-Marke aus Berlin. Hormonella hilft Frauen, ihren Hormonhaushalt besser zu verstehen – mit einem digitalen Hormoncheck und Nahrungsergänzungsmitteln, die in über 8.000 Apotheken erhältlich sind.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

#Gastbeitrag – Warum Community der unterschätzteste Erfolgsfaktor im HealthTech ist

Das klassische Narrativ im Venture Capital ist klar: Ein starkes Gründungsteam, das richtige Timing und Zugang zu Risikokapital entscheiden über Erfolg oder Misserfolg. Doch gerade im HealthTech-Bereich greift diese Logik zu kurz. Wer hier investiert oder gründet, braucht noch etwas anderes, um erfolgreich zu sein. Hier bewegt man sich nicht in einem homogenen Markt, sondern in einem hoch fragmentierten System aus Regulatorik, Versorgungspraxis, Forschung, Technologie und Erstattungssystemen. In dieser Komplexität zeigt sich ein Faktor, der oft unterschätzt wird: Community. Nicht als Buzzword, sondern als struktureller Wettbewerbsvorteil und Zugang zu „Insiderwissen“.

Fragmentierung als strukturelle Herausforderung

HealthTech ist kein klassischer Softwaremarkt. Innovation entsteht selten linear, sondern im Zusammenspiel unterschiedlichster Akteure: Ärzt:innen, Kliniken, Versicherungen, Regulatoren, Patient:innen und Technologieanbieter. Manche Gründer:innen waren in ihrem früheren Berufsleben schon Teil dieser Community, aber viele kommen aus anderen Industrien in den HealthTech-Sektor. Gerade für HealthTech-Startups ist jedenfalls eines augenscheinlich: Selbst die beste Lösung scheitert, wenn sie nicht in bestehende Strukturen eingebettet werden kann. Gleichzeitig fehlt vielen Teams zu Beginn der Zugang zu genau diesem „Insiderwissen“. Die Folge sind teure Fehlentscheidungen aufgrund von mangelndem Austausch mit der Community, also den entscheidenden Playern und Sparringspartner:innen.

Warum klassische VC-Logiken hier an Grenzen stoßen

Viele traditionelle Fonds arbeiten weiterhin stark transaktional mit dem Fokus auf Dealflow, Due Diligence und Boardarbeit. Manche versuchen, diese Arbeit so weit wie möglich mit Hilfe der KI zu automatisieren. Das funktioniert in klar strukturierten Märkten gut. Im HealthTech hingegen reicht das unserer Meinung nach nicht aus. Denn die entscheidenden Themen in unserer Branche lassen sich selten allein durch Datenräume oder Pitchdecks lösen. Hier sind andere Fragen entscheidend: Wie funktioniert der Vertrieb in Klinikstrukturen wirklich? Welche regulatorischen Hürden werden regelmäßig unterschätzt oder können wie überwunden werden? Wo entstehen aktuell neue Versorgungsmodelle? Die Antworten auf diese Fragen werden selten in Boardrooms gefunden, sondern meist im Austausch mit den richtigen Menschen, den Insidern.

Community als Wettbewerbsvorteil

Genau hier setzt das Konzept „Community First“ an. Für Calm/Storm bedeutet das: Wir verstehen uns nicht primär als Kapitalgeber, sondern als Zugangssystem zur HealthTech-Community mit all ihrem Wissen, ihrer Erfahrung und ihren unterschiedlichen Perspektiven. Formate wie kuratierte Events, thematische Panels oder Co-Investments sind dabei keine „Add-ons“, sondern zentrale Infrastruktur. Sie bringen Menschen zusammen, die sich sonst selten begegnen und schaffen einen Raum, in dem offen über Herausforderungen gesprochen wird. Das Entscheidende ist dabei nicht die Anzahl der Kontakte, sondern die Qualität des Austauschs. Wenn Gründer:innen ihre größten Fehler teilen, Investoren über gescheiterte Deals sprechen oder Operator ihre Erfahrungen aus dem Klinikalltag einbringen, entsteht ein Bild, das kein Boardmeeting liefern kann. Eine Gründerin aus unserem Netzwerk hat es treffend formuliert: „Ich kann hier offen sprechen, weil ich weiß, dass alle durch ähnliche Situationen gehen. Egal was ich brauche, jemand aus der Calm/Storm-Community teilt immer seine Erfahrung mit mir. Während Insider-Deals an der Börse verboten sind, profitieren wir hier in der Community von diesem immensen Vorteil.“

Community als Indikator für Trends

Wer kontinuierlich mit Gründungsteams, Corporates aus dem Gesundheitsbereich, Ärzt:innen, Manager:innen von Versicherungen und anderen HealthTech-Investoren im Austausch ist, erkennt Entwicklungen rechtzeitig und kann die eigene Community als Indikator für Trends nutzen. Veränderungen im Marktumfeld werden nicht erst sichtbar, wenn sie bereits in irgendwelchen Reports stehen, sondern sobald sie sich im Alltag der Beteiligten abzeichnen. Ob neue Geschäftsmodelle im Consumer Health, Fortschritte im Bereich Regulatorik oder Veränderungen in der Krankenhauslandschaft: Die relevanten Signale für Trends und entscheidende Strömungen finden sich meist zuerst in Gesprächen zwischen Insidern und erst wesentlich später möglicherweise in Datenbanken, die von KI durchsucht werden können. Ein Großteil der relevanten HealthTech-Entwicklungen in Europa wird innerhalb der Community sichtbar, lange bevor sie am Markt auftauchen. Das macht den regelmäßigen offenen Austausch nicht nur für uns als Fonds, sondern in erster Linie auch für unsere Gründungsteams zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Mehrwert für alle Beteiligten

Der eigentliche Hebel liegt jedoch darin, dass diese Community nicht nur Investoren und Startups hilft, bessere Entscheidungen zu treffen. Sie schafft Mehrwerte für das gesamte Ökosystem:

  • Für Gründer:innen entsteht ein Raum, in dem sie nicht nur Feedback bekommen, sondern echte Erfahrungswerte aus erster Hand. Gerade in kritischen Phasen – etwa bei Fundraising oder Go-to-Market – ist dieser Austausch oft entscheidend.
  • Für Investoren verbessert sich die Qualität der Einschätzungen. Co-Investments werden fundierter, weil sie auf einem breiteren Verständnis basieren.
  • Für Corporates und Gesundheitsunternehmen bietet die Community Zugang zu Innovationen, Trends und neuen Kontakten über ein strukturiertes Netzwerk.

Dabei zeigt sich immer wieder: Die wertvollsten Insights kommen nicht aus perfekten Erfolgsstories, sondern aus den Momenten, in denen Dinge nicht funktionieren. Dort entstehen Learnings, von denen alle Beteiligten profitieren können, wenn sie offen und ehrlich geteilt werden. Dazu braucht es viel Vertrauen, das Calm/Storm als Initiator maßgeblich schafft.

Vom Netzwerk zur Infrastruktur

Community wird häufig als „weicher Faktor“ betrachtet. In Wirklichkeit ist sie harte Infrastruktur, vergleichbar mit Daten oder Kapital. Gerade im HealthTech, wo Entscheidungen langfristige Auswirkungen auf Versorgungssysteme und Patient:innen haben, ist dieser Zugang entscheidend. Die besten Gründer:innen suchen heute nicht nur Kapital. Sie suchen Orientierung, Sparring und ein Umfeld, in dem sie schneller lernen können. Und genau deshalb verschiebt sich auch die Rolle von Investoren: weg vom klassischen Kapitalgeber hin zum Knotenpunkt eines funktionierenden Ökosystems.

Fazit: Wettbewerbsvorteil durch Vernetzung

HealthTech wird in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen, nicht zuletzt durch demografische Entwicklungen und steigenden Innovationsdruck im Gesundheitssystem. Wer in diesem Umfeld erfolgreich sein will, braucht mehr als Kapital und Technologie. Entscheidend ist der Zugang zu den richtigen Menschen, zum richtigen Zeitpunkt, mit der richtigen Perspektive. Community ist kein Nice-to-have, sondern eine wichtige Basis und oft der entscheidende Erfolgsfaktor. Oder anders gesagt: Die Zukunft des HealthTech entsteht nicht dort, wo Entscheidungen isoliert getroffen werden oder schnell viel Kapital investiert wird, sondern dort, wo das Vertrauen untereinander so hoch ist, dass Erfahrungen und Insiderwissen geteilt werden.

Über den Autor

Lucanus Polagnoli ist Gründer und Managing Partner von Calm/Storm Ventures, Europas aktivstem Frühphasen-Investor im Bereich digitale Gesundheit. Mit fast 90 super-early-stage Investments zählt er zu den profiliertesten HealthTech-Investoren Europas. Zuvor war er Partner bei Speedinvest und engagiert sich heute insbesondere für impactgetriebene Gründungsteams und digitale Lösungen rund um Gesundheit, Wohlbefinden und Nachhaltigkeit.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

#Gastbeitrag – Von Asphalt bis Trail: Welche Laufschuhe wirklich zu deinem Laufstil passen

Die Wahl des richtigen Equipments entscheidet über die Freude am Laufen und die langfristige Gesundheit der Gelenke. Während auf hartem Asphalt maximale Dämpfung und sanftes Abrollen im Vordergrund stehen, verlangen unebene Waldpfade nach aggressivem Grip und hoher Stabilität.

Da jeder Fußabdruck eine individuelle Biomechanik mitbringt, existiert nicht der eine Universalschuh für alle Fälle. Erst die präzise Abstimmung zwischen technischer Ausstattung und dem persönlichen Laufstil verwandelt einen einfachen Sportschuh in ein effektives Werkzeug für mehr Leistung und Sicherheit beim Laufen.

Die unterschiedlichen Laufschuhtypen

Laufschuh ist nicht gleich Laufschuh. Jeder Läufertyp benötigt einen anderen Schuh. Dabei ist es wichtig, zunächst zu verstehen, welche Laufschuhtypen es eigentlich gibt. Nur wer versteht, wo die eigenen Bedürfnisse liegen, findet als Schlussfolgerung die passenden Laufschuhe, die die Füße und Gelenke beim Sport optimal unterstützen.

Neutralschuhe für vielseitige Zwecke

Die wohl größte Laufschuhkategorie bilden die sogenannten Neutralschuhe. In der Regel verfügen sie über eine komfortable Dämpfung und sind ideal für das Laufen auf Asphalt geeignet. Neutralschuhe besitzen keine bis mittlere Führung sowie eine moderate Sprengung, weshalb sie für Menschen geeignet sind, die keine Probleme beim Abrollen des Fußes oder Fehlstellungen der Gelenke aufweisen.

Tipp: Grundsätzlich ist dieser Schuhtyp für Trainingsläufe und Freizeitaktivitäten geeignet. Dabei spielt die Distanz keine wesentliche Rolle.

Trailrunning-Schuhe für mehr Grip im Gelände

Wer den glatten Asphalt verlässt und sein Glück auf Waldwegen, Schlammpfaden und felsigen Singletrails sucht, der sollte seinen Fokus auf Trailrunning-Schuhe richten. Sie besitzen ähnlich wie Mountainbike-Reifen ein tiefes Profil, wodurch sie maximalen Halt auf losem Untergrund versprechen. Außerdem ist das Obermaterial häufig robuster, um den Fuß vor spitzen Steinen oder Ästen zu schützen. Die Sohle ist ebenfalls fester, damit sich die Unebenheiten des Untergrunds nicht direkt in die eigene Fußsohle bohren.

Wissenswert: Bei Schlechtwetterverhältnissen lohnt sich ein Modell mit wasserfester Membran (etwa Gore-Tex).

Stabilschuhe bei Überpronation

Manche Menschen knicken beim Laufen mit dem Fuß nach innen (Überpronation). In diesem Fall ist ein Stabilschuh perfekt geeignet. Die speziellen Laufschuhe verfügen über eine „Pronationsstütze“. An der Innenseite der Zwischensohle wird ein härteres Material verwendet, das ein zu starkes Einknicken beim Laufen verhindert. Die Korrektur schont langfristig die Knie und Hüfte, da sie die gesamte Beinachse stabilisiert.

Wichtig: Ein Stabilschuh sollte niemals ohne Laufbandanalyse gekauft werden, da zu viel Stabilität wiederum bei einem neutralen Fuß kontraproduktiv sein kann.

Wettkampfschuhe für maximale Bestzeiten

Bei Wettkampfschuhen wird grundsätzlich alles weggelassen, was zusätzliches Gewicht verursacht. Sie sind extrem leicht, gewährleisten ein direktes Bodengefühl und dämpfen kaum. Das zwingt den Läufer zu einem dynamischen Laufstil über den Vor- und Mittelfuß.

Geeignet sind Wettkampfschuhe primär für erfahrene Läufer mit einer gut trainierten Fußmuskulatur, die stets neuen Bestzeiten nachjagen. Der Laufschuh ist ideal für kurze bis mittlere Distanzen auf der Straße oder auf der Tartanbahn geeignet.

Carbon-Laufschuhe

Diese technologischen Wunderwerke nutzen eine integrierte Carbonplatte und hocheffizienten Spezialschaum, um bei jedem Schritt eine trampolinartige Energierückgabe zu erzeugen. Sie wirken gewissermaßen wie eine Feder. Carbonschuhe sind die erste Wahl für ambitionierte Läufer, die bei Halbmarathons oder Marathons ihre persönliche Bestzeit knacken wollen.

Lightweight-Trainer

Als perfekte Symbiose aus Komfort und Speed versprechen Lightweight-Trainer genug Dämpfung für längere Strecken, sind aber leicht genug für intensive Tempoläufe. Sie eignen sich ideal für Läufer, die im Training ein dynamisches, direktes Laufgefühl suchen, ohne auf den Schutz eines Alltagsschuhs zu verzichten.

Barfußschuhe/Minimalschuhe

Diese Schuhe verzichten konsequent auf Dämpfung sowie Sprengung und setzen stattdessen auf eine extrem flexible Sohle, die den natürlichen Bewegungsablauf des Fußes fördert. Sie sind ein hervorragendes Hilfsmittel, um die Fußmuskulatur gezielt zu kräftigen, erfordern jedoch eine behutsame und lange Eingewöhnungsphase.

Analyse: Welcher Läufertyp bist du eigentlich?

Ein Blick auf die Abnutzung der alten Sohlen liefert wertvolle Hinweise auf die eigene Biomechanik. Starker Abrieb an der Innenkante signalisiert eine Überpronation, während ein gleichmäßiges Bild auf einen neutralen Laufstil hindeutet. Auch das Körpergewicht beeinflusst die Wahl, da höhere Lasten nach einer massiveren Dämpfung verlangen, um die Aufprallenergie effektiv zu schlucken. Wer seine Fußform genau kennt und die Bewegungsmuster versteht, findet zielsicher das Modell mit der optimalen Unterstützung.

3 goldene Regeln für den Schuhkauf

Präzise Auswahlkriterien verwandeln den Schuhkauf von einem Glücksspiel in eine gezielte Investition in die eigene Laufleistung. Die drei folgenden Prinzipien garantieren dabei den optimalen Sitz und verhindern schmerzhafte Überraschungen auf der Strecke.

Regel 1: Reichlich Platz für die Zehen

Erfolgreiche Läufer planen beim Kauf einen Puffer ein, da sich die Füße unter Belastung ausdehnen. Eine Daumenbreite Freiraum vor den Zehen verhindert Druckstellen und sichert die natürliche Bewegung des Fußes.

Regel 2: Socken zum Testen mitnehmen

Die gewohnten Laufsocken gehören bei der Anprobe zwingend in den Schuh. Nur das Zusammenspiel aus Socke und Material vermittelt den realen Sitz und schützt vor späteren Reibungen oder Blasen.

Regel 3: Anprobe auf den Nachmittag legen

Füße erreichen erst am späten Tag ihr volles Volumen. Wer erst abends testet, simuliert die Schwellung während des Laufens perfekt und vermeidet so Fehlkäufe, die später im Training drücken.

Fazit: Laufschuhe wählen wie ein Profi

Der ideale Laufschuh vereint technische Finesse mit einem herausragenden Tragegefühl. Er fungiert als verlässlicher Partner auf dem Weg zu neuen Zielen und schützt den Bewegungsapparat vor Überlastung. Eine sorgfältige Auswahl und die Berücksichtigung des Geländes sowie der individuellen Anatomie garantieren lang anhaltenden Spaß am Sport. Wer in hochwertige Ausrüstung investiert, etwa in hochwertiges Equipment von i-run, schenkt seinen Füßen die nötige Freiheit für kraftvolle Schritte und schmerzfreie Kilometer.

Foto (oben): Bild von drobotdean auf Magnific

#Gastbeitrag – Warum viele Startups die falschen Probleme lösen – und worauf Investoren jetzt achten

Die Dynamik im KI-Markt ist ungebrochen. Neue Modelle, neue Tools, neue Versprechen – kaum ein Bereich entwickelt sich derzeit schneller. Gleichzeitig zeigt sich in der Praxis ein anderes Bild: Viele Unternehmen experimentieren zwar mit KI, schaffen es aber nicht, diese nachhaltig in ihre Abläufe zu integrieren.

Aktuelle Studien von McKinsey & Company zeigen, dass viele KI-Initiativen nicht über die Pilotphase hinauskommen oder nur begrenzten wirtschaftlichen Effekt erzielen. Ähnliche Beobachtungen macht Boston Consulting Group: Der Schritt von der Demo in den produktiven Einsatz bleibt für viele Organisationen die größte Hürde. Genau hier entsteht aktuell die entscheidende Verschiebung im Markt.

Vom Hype zur Realität: Unternehmen suchen keine Tools, sondern Lösungen

In der frühen Phase der KI stand vor allem die Frage im Mittelpunkt, was technologisch möglich ist. Heute hat sich der Fokus verschoben: Unternehmen fragen deutlich konkreter, was  im Alltag tatsächlich funktioniert. In der Praxis zeigt sich immer häufiger:

  • Ein leistungsfähiges Modell ersetzt keinen funktionierenden Prozess
  • Eine gute Demo ist kein Beweis für Skalierbarkeit
  • Technische Leistungsfähigkeit allein schafft keinen wirtschaftlichen Nutzen

Das verändert auch die Anforderungen an Startups fundamental.

Warum viele KI-Ansätze in der Umsetzung scheitern

Ein zentraler Grund für das Scheitern vieler Projekte liegt weniger in der Technologie selbst, sondern in der Komplexität der Umgebung, in der sie eingesetzt wird.

Unternehmen arbeiten mit:

  • historisch gewachsenen IT-Strukturen
  • proprietären und häufig fragmentierten Datenquellen
  • regulatorischen Anforderungen
  • individuellen, oft schwer standardisierbaren Prozessen

Vor diesem Hintergrund ist die Vorstellung von „Plug & Play KI“ in vielen Fällen nicht realistisch. Gartner geht davon aus, dass ein erheblicher Teil von KI-Projekten nicht über die Pilotphase hinauskommt oder an fehlender Operationalisierung, unklaren Verantwortlichkeiten und mangelnder Datenqualität scheitert. Für Startups bedeutet das: Technologie allein reicht nicht – entscheidend ist die Fähigkeit zur Integration.

Der unterschätzte Engpass: Zugriff auf relevantes Wissen

Ein wiederkehrendes Problem in der Praxis ist der fehlende Zugang zu kontextrelevanten Informationen. Viele KI-Anwendungen – insbesondere im Bereich generativer KI – liefern nur dann verlässliche Ergebnisse, wenn sie auf aktuelle, unternehmensspezifische Daten zugreifen können. Genau hier setzen neue Infrastrukturansätze an.

Technologien rund um semantische Suche und Retrieval-Systeme – etwa von Anbietern wie Qdrant – ermöglichen es, große Datenmengen kontextuell nutzbar zu machen und in Echtzeit in Anwendungen einzubinden.

Was zunächst wie ein technisches Detail wirkt, ist in der Praxis ein zentraler Erfolgsfaktor: Ohne strukturierten Datenzugriff bleibt KI oft unzuverlässig – und damit schwer produktiv einsetzbar.

Warum Kontrolle und Governance zum Wettbewerbsfaktor werden

Parallel steigt die Bedeutung von Steuerbarkeit. Je breiter KI im Unternehmen eingesetzt wird, desto relevanter werden Fragen wie:

  • Wer greift auf welche Daten zu?
  • Welche Systeme werden genutzt?
  • Wie lassen sich Ergebnisse nachvollziehen und kontrollieren?

Viele Organisationen stehen hier noch am Anfang. Entsprechend häufig entsteht eine fragmentierte Nutzung von KI-Tools – mit Risiken für Sicherheit, Compliance und Effizienz. Eine neue Generation von Plattformanbietern adressiert genau dieses Problem. Startups wie Neuland AI entwickeln KI-Unternehmensplattformen, die verschiedene KI-Anwendungen bündeln, Datenquellen integrieren und eine kontrollierte Nutzung ermöglichen. Diese Plattformen haben den Vorteil, dass sie:

  • Eine sichere und GDPR-konforme Umgebung für KI-Anwendungen im Unternehmen bieten,
  • „Guerilla-KI“, bei der jeder Mitarbeiter unkontrolliert auf verfügbare KI-Modelle zugreift vermeiden,
  • Unternehmenswissen der KI strukturiert zugänglich machen und
  • Viele verschiedene Use Cases auf einer gemeinsamen Plattform abbilden und vernetzen können.

Aus Investorensicht ist dieser Layer besonders relevant, weil er darüber entscheidet, ob KI isoliert eingesetzt wird oder tatsächlich skaliert.

Der eigentliche Wert entsteht in der Anwendung

Trotz aller technologischen Fortschritte bleibt eine Erkenntnis zentral: Der wirtschaftliche Wert von KI entsteht nicht durch das Modell selbst, sondern durch den Einsatz im konkreten Kontext.

Die erfolgreichsten Anwendungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie:

  • bestehende Prozesse messbar verbessern
  • operative Entscheidungen unterstützen
  • reale Effizienzgewinne schaffen

Genau deshalb gewinnt Applied AI weiter an Bedeutung – also Lösungen, die klar definierte Probleme adressieren und in bestehende Abläufe integriert sind.

Was Investoren heute anders bewerten

Vor diesem Hintergrund hat sich auch die Perspektive von Investoren verändert. Neben technologischer Qualität rücken zunehmend andere Kriterien in den Fokus:

  • Integrationsfähigkeit in bestehende Systeme
  • Umgang mit unternehmensinternen Daten
  • Stabilität im operativen Einsatz
  • klare wirtschaftliche Effekte

Diese Faktoren sind häufig entscheidender als reine Modellperformance. Oder anders formuliert: Nicht die beste Technologie gewinnt – sondern die, die im Alltag funktioniert.

Fazit: Der Markt wird anspruchsvoller – und selektiver

Die aktuelle Phase der KI ist weniger von Möglichkeiten geprägt als von Umsetzung. Unternehmen erwarten zunehmend belastbare Lösungen statt Experimente. Investoren achten stärker auf reale Nutzung statt auf technologische Versprechen. Für Startups bedeutet das: Erfolg entsteht nicht allein durch Innovation, sondern durch die Fähigkeit, diese Innovation in funktionierende Systeme zu übersetzen. Die zentrale Frage hat sich damit verschoben: Nicht mehr was KI kann entscheidet, sondern was davon im Unternehmen tatsächlich funktioniert.

Über den Autor

Dr. Hauke Hansen ist Unternehmer, Investor und Experte für Künstliche Intelligenz (KI) mit über 20 Jahren internationaler Erfahrung an der Schnittstelle von Technologie, Kapital und Skalierung. Er ist Mitgründer von Raisults, einer auf KI- Strategie und -Implementierung spezialisierten Beratung, sowie des AI.FUND, einem auf KI fokussierten Risikokapitalfonds für Frühphasenunternehmen.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): KI

Este sitio web utiliza cookies para que usted tenga la mejor experiencia de usuario. Si continúa navegando está dando su consentimiento para la aceptación de las mencionadas cookies y la aceptación de nuestra política de cookies, pinche el enlace para mayor información.

ACEPTAR
Aviso de cookies