#Gastbeitrag – Einkauf 4.0: Managst du schon oder excelst du noch?

#Gastbeitrag

Die digitale Vergabe und das digitale Management von externen Dienstleistungen wird in Zukunft Standard sein. Um komplexe Projekte durchzuführen und schnell und agil zu sein, braucht es SaaS, die in der Lage ist, auch mit ERP-Systemen vollumfänglich zu kommunizieren.

Einkauf 4.0: Managst du schon oder excelst du noch?

Montag, 16. August 2021VonTeam

Wenn Unternehmen mit externen Dienstleistern zusammenarbeiten, um beispielsweise Projekte auszulagern, gilt es, viel zu beachten und viel zu managen. Insbesondere nach der Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) im Jahr 2017. Klingt nach einer Herausforderung? Ist es auch. Denn wann immer es um eine regelkonforme Zusammenarbeit mit externen Partner-Unternehmen geht, spart ein Überblick über alle Prozesse in Echtzeit nicht nur Zeit, sondern auch Geld.

Datentapeten häufig noch Standard

Lohnabrechnung auf der einen Seite, digitale Tools zur Zeiterfassung auf der anderen Seite und beide Anwendungen als Softwarelösung im Silo. Häufig genug funktionieren die Insellösungen an sich gut, kommunizieren aber nicht miteinander. Kommt es dann beispielsweise bei Outsourcing-Projekten darauf an, die Daten aus weiteren unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen, um eine möglichst aktuelle Projektakte zu führen und dabei auch hausinterne Projektvorgaben einzuhalten, entstehen lange Excel-Listen, die zum Teil manuell bearbeitet werden und damit extrem anfällig für Fehler sind.

Zukunft liegt in digital vernetzten Prozessen

Nehmen wir als Beispiel die klassische Verpackungsdienstleistung durch Fremdfirmen. Hier werden Werkverträge häufig nicht im Vorhinein, sondern im Nachhinein beauftragt, weil Unwägbarkeiten an der Tagesordnung sind. So kann die Anzahl der am Tag gepackten Paletten variieren oder auch einfach aufgrund von Krankmeldungen die Anzahl der Mitarbeiter:innen schwanken. Vermeintlich kleine Variablen, die aber große Auswirkungen auf den ganzen Prozess haben. Spätestens hier wird deutlich, dass es nur eine Lösung gibt. Nämlich ein agiles Tool, welches die werkvertraglichen, auftrags- und prozessrelevanten Anforderungen abdeckt, alle Beteiligten einbindet und schnell und einfach Schnittstellen zu den bestehenden Systemen bereitstellt. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten, denn wenn beide Unternehmen, sowohl Auftraggeber als auch Auftragnehmer in Echtzeit planen, auswerten und korrigieren können, stimmt die Kalkulation von Anfang an.

KI lernt gerne

Ein weiterer wichtiger Punkt ist – ganz im Sinne eines agilen Prozesses – das Lernen aus Fehlern. Natürlich kann am Ende von Outsourcing-Projekten jeweils evaluiert werden, woran es lag, dass die Timings nicht eingehalten werden konnten oder die Kosten wieder außer Kontrolle geraten sind. Ein Aufwand der allerdings nicht zur Reduzierung der Prozessdurchlaufzeit insgesamt beiträgt. Digitale Systeme sind hingegen in der Lage, automatisch Verbesserungen anzuzeigen, wenn beispielsweise eine Tätigkeit noch nicht optimal erfolgt ist – und das zumeist in Echtzeit und ohne persönliche Befindlichkeiten. Dabei spielt KI als Technologie eine zentrale Rolle und unterstützt Mitarbeiter:innen dabei, die Aufgaben effizienter zu gestalten.

Investition in digitale Tools rentiert sich

Die digitale Vergabe und das digitale Management von externen Dienstleistungen wird in Zukunft Standard sein. Um komplexe Projekte durchzuführen und schnell und agil zu sein, braucht es SaaS, die in der Lage ist, auch mit ERP-Systemen vollumfänglich zu kommunizieren. Nur so können Unternehmen Projekte erfolgreich planen und auf lange Sicht wettbewerbsfähig sein. Und wer bereits an mögliche Lösungen denkt, der sollte sich daran erinnern, dass es sich bei der Einführung von neuen Strukturen und Prozessen immer lohnt, den Anbieter von Lösungen genau zu prüfen. Denn gerade bei Investitionen dieser Art geht es darum, ein Software-Beratungsunternehmen zu finden, das die Herausforderung kennt, das adäquate Lösungen anbietet und darüber hinaus auch in der Lage ist, die Einführung der SaaS-Lösung Schritt für Schritt zu begleiten.

Über den Autor


Mario Mosel ist Chief Product Officer (CPO) bei simpressive und Diplom-Kaufmann für Logistik & Personal.

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#Gastbeitrag – Wie viel Bürokratie verträgt ein Startup?

Unternehmensgründungen sind essenziell für den Innovationsstandort Deutschland. Startups mit zukunftsweisenden Produkten und mutigen Geschäftsmodellen modernisieren unsere wirtschaftlichen Strukturen, finden innovative Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit und schaffen neue Arbeitsplätze. Für die Umsetzung neuer Ideen brauchen sie Fachkräfte – die in Deutschland rar sind. Doch auch beim internationalen Recruiting stoßen Gründer schnell auf Hindernisse: in Form von bürokratischen Hürden.

Im April 2021 haben wir mit der Suche nach einem Junior DevOps-Engineer zur Unterstützung unseres Entwicklerteams begonnen. Nach wenigen Wochen hatten wir eine vielversprechende Kandidatin in Aussicht: Wir entschieden uns für eine junge Hochschulabsolventin indischer Abstammung, wohnhaft in Paris, ohne Berufserfahrung.


Eine faire Bezahlung ist uns sehr wichtig. Deshalb haben wir uns an deutschen Durchschnittswerten für branchenübliche Einstiegsgehälter orientiert und ihr zusätzlich eine virtuelle Beteiligung an unserem Startup angeboten. Die Bewerberin war mit dem Angebot sehr zufrieden und wollte es annehmen. Doch daraus wurde nichts – denn unsere Kandidatin bekam kein Visum. Die Begründung: Das Gehalt sei nicht „branchen- und ortsüblich“.





In §39 des deutschen Aufenthaltsgesetzes heißt es, dass die Bundesagentur für Arbeit der Beschäftigung einer ausländischen Fachkraft nur zustimmen kann, wenn „sie nicht zu ungünstigeren Arbeitsbedingungen als vergleichbare inländische Arbeitnehmer beschäftigt wird“. Dies ist im Grunde genommen ein sinnvolles Gesetz, um ausländische Arbeitskräfte vor einer ungerechten Ausbeutung zu schützen und deutsche Arbeitnehmer davor zu bewahren, durch billigere Arbeitskräfte aus dem Ausland ersetzt zu werden. Es bleibt aber stumpfe Anwendung einer Regel, wenn die von der Arbeitsagentur gewünschten Arbeitsbedingungen gar nicht an den aktuellen deutschen Markt angepasst sind.

Entgeltatlas: keine marktüblichen Zahlen für Startup-Szene

So orientiert sich die Bundesagentur für Arbeit, liegen keine einheitlichen Tarife vor, an den Vorgaben des sog. Entgeltatlas, den sie selbst bereitstellt. Leider scheinen die dort erhobenen Zahlen gar nicht marktüblich zu sein. Zumindest was die deutsche Startup-Szene angeht. Denn welches frisch gegründete FinTech kann es sich leisten, Berufseinsteiger wie langjährige Angestellte in einem Großunternehmen zu honorieren? 

Letzteres aber stellt genau das Mindestgehalt dar, das als Maßstab herangezogen wird. Die Mitarbeiter der Arbeitsagentur wissen, dass es Jobeinsteiger ohne Berufserfahrung gibt. Der Entgeltatlas selbst bietet eine Filterfunktion für Geschlecht und Alter sowie Regionen an. Leider dürfen sie das aber nicht miteinbeziehen, sondern aufgrund des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, auch unter dem Namen Antidiskriminierungsgesetz bekannt, ausschließlich die generelle Statistik berücksichtigen – immerhin aber mit einem zehnprozentigen Abzug, da es sich um eine Berufsanfängerin handelt. 

Sprich: Der Entgeltatlas differenziert zwar an sich, kann aber nicht angewandt werden. Es gilt nämlich als Diskriminierung, eine Berufseinsteigerin anders zu bezahlen als eine erfahrene Mitarbeiterin. Auch zusätzliche Leistungen wie beispielsweise (virtuelle) Unternehmensbeteiligungen werden nicht einbezogen, da diesen kein unabdingbarer Wert zugeschrieben werden kann. Letztere Option war dem Sachbearbeiter der Arbeitsagentur als Konzept noch nicht einmal bekannt. 

Deutschland braucht Startups, Startups brauchen Fachkräfte 

Unser Einstellungsversuch ist also an unzeitgemäßen bürokratischen Hürden gescheitert. Für die Zukunft bedeutet das: Wir können keine außereuropäischen Fachkräfte ohne Berufserfahrung in unser Recruiting miteinbeziehen, es sei denn, besondere zusätzliche Voraussetzungen werden erfüllt. Das grenzt den Pool geeigneter Kandidaten stark ein und erschwert unsere Suche massiv. Wie uns geht es natürlich auch zahlreichen weiteren Startups, die darauf angewiesen sind, ausländische Fachkräfte zu rekrutieren, weil es gar nicht hinreichend viele inländische Kandidaten gibt. Der Deutsche Startup Monitor 2020 (DSM) zeigt: Schon über ein Viertel der Beschäftigten in den jungen Unternehmen stammt nicht aus Deutschland, Tendenz steigend. Migration ist wichtig für das deutsche Startup-Ökosystem.


Junge innovative Unternehmen mit internationalem Bezug brauchen gut ausgebildete Fachleute mit Digitalkompetenz. Gerade im Hinblick auf den sich verschärfenden Fachkräftemangel gewinnt internationales Recruiting, insbesondere im IT-Bereich, weiter an Bedeutung. Die Digitalisierung, aber auch die Entwicklung klimafreundlicher Technologien erfordern in Zukunft immer mehr IT-Lösungen – und dadurch auch Experten, die dazu in der Lage sind, diese zu entwickeln. IT-Fachkräfte fehlen auf dem deutschen Markt aber schon seit langem. Der aktuelle MINT-Report sieht durch die Corona-Pandemie sogar eine Verschärfung der Lage voraus. 

Soll der zukunftsorientierte, digitalisierte und ökologische Umbau der Wirtschaft vorangetrieben werden, müssen bürokratische Hürden abgebaut und das Einstellen ausländischer Fachkräfte vereinfacht werden. Formelle Schritte wie die Anerkennung von Abschlüssen sowie das Beantragen von Arbeitsgenehmigungen oder Visa sind zwar notwendig, müssen aber auch realitätskonform sein und in einem für alle Seiten fairen rechtlichen Rahmen stattfinden.


Bürokratie, so weit das Auge reicht

Der deutsche Behördenapparat macht Gründern in vielen Bereichen das Leben schwer.


Auch hierzu liefert der Deutsche Startup Monitor interessante Ergebnisse: Knapp die Hälfte der deutschen Jungunternehmen wünscht sich eine Vereinfachung der Verwaltungsdienstleistungen. Darunter fällt nicht nur die Beseitigung bürokratischer Sackgassen wie beispielsweise beim Recruiting, sondern auch Anpassungen der Finanzierungsangebote. 

Ein großes Thema bleibt beispielsweise die Vereinfachung der Mitarbeiterbeteiligung, zu der ich mich bereits Anfang des Jahres ausführlich öffentlich geäußert hatte. Die Tatsache, dass sie schon als Konzept in der deutschen Behördenlandschaft unbekannt ist, spricht Bände und erklärt vielleicht auch, weshalb die Reform so kläglich gescheitert ist. Für uns als FinTech kommen zusätzlich Herausforderungen beispielsweise im Aufsichtsrecht hinzu. Große Banken werden lizenzseitig deutlich bessergestellt als innovative Unternehmen, die diese doch eigentlich herausfordern und den Markt für den Konsumenten aufrütteln sollen. Bürokratische Hürden sind also kein Einzelfall, sondern ein strukturelles deutsches Problem.


Dabei ist die Bedeutung der Startup-Szene für die deutsche Wirtschaft elementar. 

Nur wenn innovative Ideen auch von fachlich gut ausgebildeten Menschen umgesetzt werden, kann Deutschland seinen Status als Innovationsstandort langfristig aufrechterhalten. Außerdem schaffen Startups zahlreiche wichtige Arbeitsplätze. 

Appell an die Politik und Lösungsansätze

Das belegt eine kürzlich erschienene Studie, die vom Bundesverbands Deutsche Startups e.V. u.a. durchgeführt wurde. Diese geht von aktuell rund 1,6 Millionen Arbeitsplätzen in Deutschland aus, die von Startups und Scaleups direkt geschaffen oder indirekt gesichert werden. Dabei handelt es sich um einen Anteil, der bereits fast vier Prozent aller deutschen Erwerbstätigen entspricht. 

Bis 2030 könnte sich diese Zahl – unter idealen politischen Bedingungen – verdoppeln. Das damit verbundene Potenzial für das deutsche Wirtschaftswachstum wäre immens. Es sollte also im Sinne der Politik sein, die Entwicklung der Startup-Szene zu fördern, statt sie durch künstlich geschaffene Hindernisse auszubremsen. 

Im internationalen Vergleich wird die Position des deutschen Startup-Marktes gerade durch Hürden beim globalen Recruiting massiv geschwächt. Deshalb sollte hier schnellstens gehandelt werden. Das heißt konkret:

  1. Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit muss auch die deutsche Arbeitsrealität abbilden und Unterschiede zwischen Berufseinsteigern und erfahrenen Fachkräften miteinbeziehen. Dies wäre ein simpler Schritt, der auch ausländischen Fachkräften den Weg in deutsche Jungunternehmen ebnen kann. 
  2. Auch (virtuelle) Mitarbeiterbeteiligungsprogramme (ESOP/VSOP) müssen im 

Entgeltatlas Berücksichtigung finden. Schlimm genug, dass der bürokratische Aufwand dafür nach wie vor hoch ist. Aber: Wenn Mitarbeiter der Arbeitsagentur noch nicht einmal von dieser Form der Vergütung durch Anteile am Unternehmen gehört haben, zeigt sich, wie groß die Diskrepanz zwischen deutschen Behörden und der tatsächlichen Entwicklung der Branche ist. 

Über den Autor


Fabian Scholz ist Co-Founder und CEO von rubarb, einem jungen FinTech aus Hamburg, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Thema Geldanlage für alle zugänglich und transparent zu gestalten. Mithilfe der im November 2020 gelaunchten rubarb-App können Kunden über insgesamt drei nachhaltige Anlagemöglichkeiten für ihre individuellen Ziele sparen: Aufrundungen von Einkaufsbeträgen, Sparpläne und Einmalzahlungen. Dabei können schon kleinste Beträge in ein ausgewähltes nachhaltiges ETF-Portfolio eingezahlt werden.

#Gastbeitrag – Ohne millionenschwere Pre-Seed-Finanzierung gäbe es unser Startup nicht

Für uns stand relativ schnell fest, dass wir versuchen würden eine Pre-Seed-Runde zu stemmen. Denn wir hatten keine andere Wahl: Entweder würden wir genügend Geld einsammeln, um den Aufbau unserer komplexen Software-Lösung zu stemmen oder wir würden unsere Geschäftsidee direkt wieder begraben. 

Manchen könnten solche Überlegungen radikal erscheinen. Schließlich gibt es noch weitere Finanzierungsmöglichkeiten, die auf dem Papier stehen, z.B. erst einmal zu bootstrappen mit Geldern von Friends & Family, um dann, sobald man etwas Traction vorweisen kann, erste Business Angels für sich zu gewinnen. 

Im Austausch mit anderen Gründern habe ich vielfach wahrgenommen, dass die meisten eine Pre-Seed-Finanzierung von vorn herein nicht in Erwägung ziehen, zu groß sind die Bedenken bzgl. Verwässerung, Zielvorgaben, etc.. Wir haben unsere Entscheidung, Pre-Seed-Money einzusammeln anhand mehrerer Entscheidungskriterien getroffen und uns tatsächlich erst zuletzt mit dem Kriterium der Verwässerung befasst. Das sind die Gründe dafür.

Bootstrapping Business Angel vs. Pre-Seed-Finanzierungsrunde

Externes Geld einzusammeln macht immer abhängig. Ich habe erst kürzlich einen beeindruckenden Artikel über ein Gründerteam gelesen, welches über Jahre über Bootstrapping gewachsen ist, d.h. ausschließlich organisch. Sie haben erst nach 5 Jahren einen Investorenkreis reingeholt und waren zu diesem Zeitpunkt bereits ein nahezu gestandenes Unternehmen mit einem klasse Produkt und offenbar einem sehr starken Team. 

Wenn wir selbst so viel Kapital besäßen, dass wir auf ein Investment hätten verzichten können, hätten wir das selbstverständlich getan. Wir hätten sogar gebootstrappt, wenn wir eine einfache Software-Lösung im Sinn gehabt hätten, kaum bis wenig Konkurrenz und ein Team, dass nur vereinzelt seniorige Qualitäten aufweisen muss. 

Dem Ansatz erst einmal zu Bootstrappen und langsam Business Angels ans Board zu holen steht nichts im Wege, sofern man drei weitere Kriterien mitbedenkt: Produktkomplexität, Timing und Product-Market Fit

Da wir keine Software mit einer Insellösung bauen, sondern eine Plattform, die komplexe Prozesse automatisiert und eine Reihe von Lösungen und Features von Beginn an bieten soll, brauchen wir viele Entwickler auf hohem Niveau, die konstant die Plattform entwickeln. Software kontinuierlich und auf anspruchsvoller Ebene entwickeln zu lassen, ist mit Bootstrapping zwar möglich, aber nur mit Ach und Krach, denn: Man ist dem steten Risiko ausgesetzt, zwischendurch pausieren zu müssen, weil das Geld ausgegangen ist. Unterbrechungen kann man sich jedoch, als Nicht-First-Mover kaum leisten. Ist der Zielmarkt bereits hart umkämpft und mit Wettbewerbern gut befüllt, ist timing ein entscheidendes Kriterium. Was nützt es mir, in einem solchen Szenario, wenn ich mit Bootstrapping in vier Jahren die Software habe, die mich von der Konkurrenz abhebt? Bis dahin hat mich mindestens einer meiner Konkurrenten weit hinter sich gelassen und mit großen Finanzierungsrunden im schlimmsten Fall seine Software meiner angeglichen. In jedem Fall wird die Konkurrenz über viel mehr Kunden verfügen und mit nahezu allen Investoren gesprochen haben. Hiernach Investoren für sich zu gewinnen wird schwer. 

Ein weiterer Punkt, zu dem wir uns Gedanken gemacht haben betrifft den Product-Market Fit. Fachbeiträge zum Thema, welche Methoden sich am besten eignen um schnellstmöglich einen guten Product-Market Fit hinzubekommen, gibt es viele. Wir glauben jedoch, dass  mehr noch, das Team den entscheidenden Unterschied macht. Dabei ist das eine, ein ausgezeichnetes Team von sich zu überzeugen und das allein ist nicht immer einfach, aber denkt man an das Gehaltsspektrum von senioren Kandidaten für die Schlüsselpositionen, die man besetzen muss, merkt man schnell, dass man ohne Geld nicht weit kommt. Für den Erfolg unserer Geschäftsidee ist beispielsweise ein erfahrener Head of Product mit Deutsch als Muttersprache essentiell. Da wir Gründer nicht aus Deutschland kommen, aber deutsche KMU’s eine besonders wichtige Zielgruppe für uns darstellen, ist ein deutscher Muttersprachler auf dieser Position unerlässlich – und da wir schnell sein müssen, ein erfahrener obendrein. 

Was ist eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde?

Pre-Seed-Finanzierungsrunden unterstützen hauptsächlich die Gründungsidee und das Team und nicht den Umsatz oder die Traktion. Es gibt keine offizielle Definition von Pre-Seed, aber man könnte sagen, dass Pre-Seed eine Angel-Runde ist, mit der Präsenz eines institutionellen Fonds. Man könnte Pre-Seed Runden aber auch so definieren: Im Jahr 2020 sind sie das, was Seed 2015 war. Da die Rundengrößen und Anforderungen im Seed-Bereich aber stark gestiegen sind, kam eine weitere Finanzierungsrunde hinzu, um den Platz zu füllen. Sie kommen in Branchen, in denen Pre-Seed tatsächlich benötigt wird, immer häufiger vor. Wie auch immer man es betrachtet, eine Pre-Seed-Runde ist das erste externe institutionelle Investment in ein Unternehmen. 

Pros & Cons

Manche würden sagen, dass die Verwässerung der Anteile langfristig zu groß ist, wenn man schon so früh ein Investment einfährt. Da das, das häufigste Gegenargument ist, bleiben wir kurz bei diesem Punkt. Selbstverständlich hat man als Gründer kein Interesse daran seine Anteile vorzeitig verwässern zu lassen. Deshalb muss man seine Entscheidung auf die Grundlage von fundierten Annahmen stellen. Da es noch nicht viele Fachbeiträge gab zum Thema Pre-Seed, blieb uns nichts anderes übrig, als mittels Reverse Engineerings eine für uns akzeptable Verwässerung durch die Ableitung späterer Finanzierungsrunden zu ermitteln. 

Von welchem Grad an Verwässerung sollte man pro Runde ausgehen? Kürzlich habe ich folgendes Beispiel dazu bei Index Ventures gelesen:

* Ein gesunder bzw. durchschnittlicher Cap-Table (Capitalization Table) weist nach der Series A üblicherweise eine Beteiligung von Team ESOP von ~55% auf.

* Series A würde demnach eine durchschnittliche Verwässerung mit ca.  20% – 25% mit sich bringen.

* Die durchschnittliche Verwässerung bei der Seed-Finanzierungsrunde weist optimalerweise ca. 15% – 20% auf. 

Daraus folgt, dass eine Pre-Seed-Runde eine ungefähre Verwässerung von maximal ca. 10% – 20% haben sollte.

Zusammengefasst würden wir generell sagen, dass für eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde die Geschwindigkeit, die man aufnehmen kann und das Know-How, welches man von den Investoren erhält, spricht. Was gilt es beim Aufbau des Vertriebs und des Marketings zu beachten, wenn man KMU’s für sich gewinnen möchte anstelle große, internationale Unternehmen? Klar, das kann man sich alles durchlesen – oder man erhält aus erster Hand viel operatives Wissen zu dieser Zielgruppe, was man wissen muss und was schon 40-fach erprobt wurde. 

Ein Pre-Seed-Investment ist auch immer ein Ausrufezeichen für alle Beteiligten: Für die Investoren, für die Gründer, die Wettbewerber und nicht zuletzt auch für die Geschäftsidee. Zudem hat man ein Investment, dass dazu befähigt bereits zu diesem frühen Zeitpunkt seniorige Mitarbeiter einzustellen, die Vollzeit arbeiten. Die Signalwirkung für die nächste Finanzierungsrunde ist  insgesamt nicht zu unterschätzen.

Was spricht gegen eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde? Man macht sich früh abhängig von externem Kapital, man muss schnell wachsen, d.h. schnell Teams aufbauen und vor allem in diesem Punkt schauen, dass der Kulturaufbau durch das schnelle Wachstum weder hinterher hinkt noch zerstörerische Elemente entwickelt, die am Ende die ganze Unternehmung noch vor der Series A Runde platzen lassen könnten. Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, immerhin brauchen gute Unternehmenskulturen zum Entstehen eigentlich Zeit. 

Investors to shoot for oder die ideale Zusammensetzung von Investoren

Für unsere Pre-Seed-Runde haben wir uns bei Investoren vorgestellt, die schon häufig in dieser Phase investiert haben. Für uns war das eines der entscheidendsten Kriterien: Denn hätten wir auf einen Investor gesetzt, der noch nie ein Pre-Seed-Investment zuvor getätigt hat, hätten wir uns dem Risiko ausgesetzt seine Erwartungshaltung nicht erfüllen zu können. Denn mit einem Pre-Seed ist das Investmentrisiko nochmals höher und das Fehlen von KPIs normal. Andrey und ich wussten von anderen Gründern, dass wir auf eine angemessene Fondsgröße achten sollten, also maximal 60-80 Mio. Euro, so dass unser Ticket in unser Unternehmen im Fond eine gute Rolle einnehmen würde. 

Frühphaseninvestoren, die Pre-Seed machen, geben viel operatives Knowhow weiter, vernetzen ihre Portfolio-Companies miteinander und forcieren mit How-to-Kursen und Masterclasses nicht nur den Austausch untereinander, sondern vermitteln dadurch auch viel Fachwissen, damit Gründerteams wie wir, schnell vorankommen.

Weitere Punkte auf die wir u.a. geachtet haben sind: Der VC hat ein starkes Netzwerk von Follow-up-Investoren und kann in den darauffolgenden Finanzierungsrunden helfen; idealerweise investiert der VC auch Series A Runden und besitzt ein starkes Netzwerk von Angels, die komplementäre Kompetenzen mitbringen. 

Eine ideale Investorenrunde setzt sich wie folgt zusammen: Ein bis zwei Pre-Seed VCs, Business Angels aus der Old-Economy und Business Angels aus der New Economy. Warum? Die Zusammensetzung sollte komplementär sein, jeder Investor eine Facette einbringen, die man sowohl kurzfristig, als auch langfristig zum Aufbau des Geschäfts braucht. Gerade wenn es um den Zugang zu kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland geht, ist es wichtig einen Business Angel für sich zu gewinnen, der sich mit Kontakten und Erfahrung im Umgang mit dieser Zielgruppe einbringen kann. 

Wo wir jetzt stehen mit und wo wir stehen würden ohne Pre-Seed

Wir befinden uns Stand heute in der frühen Markteintrittsphase und mitten im Prozess des Product-Market Fit: Wir haben ein hervorragendes Team für uns gewonnen, wir lernen den Markt in hoher Geschwindigkeit immer besser kennen, wir erhalten viele Impulse und Knowhow von unseren Investoren, testen mit den ersten Kunden unsere Software, bessern Dank ihrem Feedback nach, planen und testen neue Features, stellen weitere Mitarbeiter ein, etc. – alles Dank unserer Pre-Seed-Finanzierung. Ohne diese Investments gäbe es unser Startup nicht.  

Über den Autor


Ivan Maryasin hat für unterschiedliche Startups im Silicon Valley gearbeitet und die deutsche Startupwelt als Head of Growth bei Penta kennengelernt. Zwei Jahre später gründete Ivan gemeinsam mit Andrey Korchak, dem ehemaligen Tech Lead der Tochka Bank (eine der größten Neobanken für KMUs in CEE) Monite, ein Fintech, dass bis zu 90% aller Tätigkeiten in der Finanzbuchhaltung, im Rechnungswesen und der Buchhaltung  in KMUs automatisiert. Das Gründerteam fuhr die Pre-Seed-Finanzierungsrunde innerhalb von 4 Monaten (September 2020 bis Dezember 2020) ein, nachdem sie im Sommer desselben Jahres noch keinen Investor von sich überzeugen konnten.

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#Gastbeitrag – IT-Set-up für Startups: Mit diesen 5 Systemen läuft dein ganzes Business

SaaS-Lösungen für Projektmanagement, kostenlose Cloud-Angebote für Dateisicherung, Video-Calls, Chats – die Liste könnte ewig so weiter gehen. Denn das Angebot an IT-Leistungen ist riesig und jeden Tag gibt es neue Tools, die versprechen, Startups das Leben zu erleichtern. Doch eigentlich brauchen Gründer nur eine gute Grundausrüstung, damit das Business läuft. Ein Gastbeitrag von Matthias Bollwein über die wichtigsten Systeme für Startups.

Das Unternehmen ist angemeldet, das Team steht schon in den Startlöchern und jetzt fehlt eigentlich nur noch die IT-Infrastruktur, um so richtig durchzustarten. Doch Startups tendieren besonders am Anfang ihres Unternehmensaufbaus dazu, sehr viele Insellösungen zu verwenden. Einzelne, nicht verknüpfte Systeme für z.B. die Buchhaltung, die Warenwirtschaft, das Projektmanagement und vieles mehr. Für den Anfang ist dieser Weg der naheliegenste, jedoch nur kurzfristig der praktikabelste und kostengünstigste. Es gibt wesentlich effizientere Lösungen, mit denen man sich von Tag eins an professionell aufstellen kann und gleichzeitig das Budget schonen. Für Gründer gibt es nichts wertvolleres als Zeit – die richtige Lösung unterstützt interne Prozesse in jeder Phase, indem sie vielseitige Funktionalität liefert. Doch welche Tools sind von Beginn an unverzichtbar und welche IT-Systeme lohnen sich wirklich?

Die Basics – Grundlegende Tools, die jedes Startup braucht

Die Investition in eine neue IT-Lösung sollte gut durchdacht sein, um Zeitverluste durch spätere Umzüge zu vermeiden – häufiges Nachjustieren vernichtet die Ersparnisse, die man sich vielleicht durch den Einsatz kostenloser Tools erhofft. Insbesondere im Hinblick auf das Wachstum des Unternehmens sollten Gründende sich eine gute Basis-Infrastruktur einrichten, die sich einfach erweitern lässt. Dabei sollte man die Lizenzkosten genauso im Auge behalten wie die Komplexität der täglichen Prozesse, bei denen man Anwendungs-übergreifend arbeitet. Zum Basic-Setup gehören eine File-Sharing-Plattform bzw. ein Server mit Remote-Zugang sowie Email-Server, gemeinsame Kalender- und sonstige Kollaborations-Tools wie Aufgabenverwaltung und Chatprogramme – am besten natürlich mit integrierter Videokonferenz-Funktion.

Filesharing einfach gemacht

An Daten- bzw. Filesharing kommt kein Startup vorbei. Das gehört wirklich zu den absoluten Basics und sollte so gestaltet werden, dass das Team alle Daten an einem zentralen Ort ablegt, speichert und teilt. Dafür bieten sich zum einen öffentliche Cloud-Lösungen an, bei denen unter anderem auf den freien Speicherplatz geachtet werden sollte. Wie bei allen Cloud Anwendungen gilt ein besonderes Augenmerk dem Anbieter selbst. Denn auch Startups sind nicht von Datenschutz-Richtlinien ausgenommen. Ein europäischer Dienstleister ist ein Muss, denn es fallen immer personenbezogene Daten an. 

Die Qual der Wahl: Public Cloud Dienst oder In-House Cloud Lösung

Neben den Public Cloud Diensten sind auch In-House Lösungen für Startups leicht umsetzbar und bringen nochmal viele Vorteile mit sich. Mit einem In-House Cloud-Server laufen die Kosten bei steigender Datenmenge und Nutzerzahl im Gegensatz zur Public Cloud nicht aus dem Ruder. Er vereinfacht die zentrale Account-Verwaltung und ermöglicht es, alle relevanten Systeme auf einer Plattform zu vereinen. Zu allen geläufigen Public Cloud Anwendungen, ob Daten-Cloud, Projektmanagement oder Chat, gibt es sehr gute Alternativen, die auf dem eigenen Cloud Server integriert werden können. Auch bei diesem „Miniatur-Rechenzentrum“ im Startup kann jeder aus dem Team von überall zugreifen – egal ob im Büro, im Home-Office oder von unterwegs. 

CRM und Buchhaltung sind das A & O

Die Suche nach einem passenden ERP-System oder einer guten Buchhaltungs-Software, gestaltet sich oft zeit- und kostenaufwendig. Gerade ein CRM-Tool ist von Beginn an unumgänglich. Denn nur mit Hilfe einer ausführlichen Lead- und Kunden-Verwaltung, können zielgerichtet erste Einnahmen generiert werden. Zudem setzt die DSGVO einen zentralen Speicherort der Kundendaten voraus. Sowohl beim ERP als auch beim Buchhaltungssystem ist es wichtig, dass es eine DATEV-Schnittstelle bereitstellt, sonst spart man sich unter Umständen Software-Kosten, aber die Rechnung vom Steuerberater wird dafür umso höher. Tipp: Es gibt bereits viele Anbieter, welche ERP- und CRM-Systeme koppeln.

Startup-Organisation mithilfe von Projektmanagement-Tools

Essenziell für Startups ist ebenfalls ein System, um Projekte und Aufgaben im Team zu organisieren. Dabei ist es von Vorteil, mit einem Tool zu arbeiten, das alle wichtigen Infos, Dokumente und Daten zentral speichert, damit diese mit wenigen Klicks zu finden sind. Pluspunkte bekommen Programme, die es ermöglichen, sich im Team Aufgaben zuzuteilen und den Kunden bzw. Partner direkt ins Projekt miteinzuladen.

Insider-Tipps und Tricks für die optimale IT-Ausstattung für Startups

Bei der Auswahl der IT-Systeme sollten Startups unbedingt auf die Funktionen, Lizenzen, Kaufpreise und Support-Angebote achten. Wichtig ist die Aufstellung einer langfristigen Kostenkalkulation, denn nicht alle Tools, die am Anfang günstig und effizient erscheinen, lohnen sich auf lange Sicht. Auch sollte die Frage gestellt werden, ob das angestrebte Tool mit dem Startup mitwachsen kann.

Viele Anbieter bieten anfangs kostenlose Demo-Versionen an, damit Unternehmen und Startups unverbindlich testen und in Ruhe entscheiden können, ob die IT-Lösung wirklich zu ihnen passt. Hier sollte man die Kündigungsfristen vom Testzeitraum im Blick behalten. Außerdem gibt es bei einigen Anwendungen die Möglichkeit, Programme zwar eingeschränkt, dafür aber kostenlos zu nutzen. Gründende sollten bei der Wahl der Softwarelösungen auf die Schnittstellen achten. Denn viele Tools lassen sich miteinander vernetzen und zentral von einer Plattform steuern. Durch diese Integrationen arbeitet das Team nur über ein System und greift auf alle Funktionen zu. 

Tipp: 10 Schritte, um ein Startup mit 44.000 Dollar Gratis-Guthaben aufzubauen

Über den Autor


Matthias Bollwein ist Mitgründer des IT-Startups Uniki, das mit dem ELLY Server eine einfache und hochsichere IT-Lösung für mittelständische Unternehmen anbietet. In der privaten ELLY Cloud werden Daten gespeichert, automatisch verschlüsselt und können ortsunabhängig abgerufen werden. Dabei spielt die Datensicherheit in der Cloud eine große Rolle.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

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