#Interview – „Unser System nimmt diese Kleinarbeit ab“

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Das Berliner IndustrialTech Kyrok, 2025 von Daniel Hofinger und Lukas Bierfreund gegründet, entwickelt ein KI-Betriebssystem für Supply-Chain-Teams im Pharma- und Chemie-Mittelstand. „Kyroks Betriebssystem legt sich als Anwendungsebene über bestehende ERP-Systeme (Enterprise-Resource-Planning), ganz ohne Systemmigration“, heißt es zum Konzept.

Der Wiener Investor Speedinvest, Arve Capital, das Family Office des Unternehmens Sanner, sowie Business Angels wie Marcell Vollmer, André Heeg, Stephan Rohr, Jonas Beisswenger, Tobias Kemkes, Lennard Schmidt und Rodrigo Martinez (helloworld.vc) investierten kürzlich 3,1 Millionen Euro in die Jungfirma.

Im Interview mit deutsche-startups.de stellt Gründer Daniel Hofinger sein Unternehmen einmal ganz ausführlich vor.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Kyrok erklären?

Ich würde wahrscheinlich damit anfangen, was sie aus ihrem Alltag am wahrscheinlichsten kennt. Wir entwickeln ein IT-System für Fabriken, damit sie zuverlässig und mit Qualität Medikamente und chemische Stoffe herstellen können. In solchen Fabriken fallen täglich hunderte kleine Aufgaben an: Bestellungen aufnehmen, ausrechnen, wie viel Material gebraucht wird, bei Lieferanten nachfragen. Das erledigen heute Menschen von Hand, und es kostet sie viel Zeit. Unser System nimmt ihnen diese Kleinarbeit ab, damit sie sich um das Wichtige kümmern können. Es läuft dabei mit den Programmen mit, die in den Fabriken längst im Einsatz sind.

Wie genau funktioniert Euer Geschäftsmodell?

Wir verkaufen unser Produkt in einem Lizenzmodell. Unternehmen zahlen einen festen Jahrespreis, der sich daran bemisst, wie viele Aufträge bei ihnen durchlaufen. So wissen sie von Anfang an, was sie zahlen. Der Preis wächst mit ihrem Geschäft und sinkt, wenn es schrumpft, er ist also eng an ihre Wertschöpfung gekoppelt.

Wie ist die Idee zu Kyrok entstanden?

Mein Mitgründer Lukas und ich kennen uns aus dem Master an der WHU. Wir haben uns ernsthaft hingesetzt und die ganze Wirtschaft Branche für Branche durchgegangen, mit einer simplen Leitfrage: Wo können wir richtig gut sein, wo ist der Bedarf am größten und wo entsteht ein echter gesellschaftlicher Mehrwert? Dabei sind wir bei den Pharma- und Chemiebranchen gelandet. Danach haben wir fast ein Jahr gebraucht, um ihr Supply-Chain-Management tiefgründig zu verstehen: über 200 Interviews mit Entscheider:innen, dazu viele Werksbesuche und Analysen von ERP-Prozessen. Wir wollten einen Ansatzpunkt finden, an dem wir unseren Kunden den größten und schnellsten Return on Investment liefern. Daraus ist Kyrok entstanden.

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?

Ganz ehrlich, die größte Hürde war nicht die, die man erwartet. Die Finanzierungsrunde und die ersten Kunden empfand ich witzigerweise nicht als das eigentlich Schwere. Herausfordernd war die lange Phase davor, dieses fast ganze Jahr, in dem wir die Branche durchdrungen haben, bevor wir uns festgelegt haben. Diese Tiefe zu erreichen war zäh und langsam, aber sie ist heute der Grund, warum unser Produkt so präzise die Bedürfnisse unserer Kunden abdeckt. 

Welches Projekt steht demnächst ganz oben auf Eurer Agenda?

Wir starten mit dem Kundenservice-Modul, das ist live und bei unseren Kunden im Einsatz. Als Nächstes kommt ein Modul für den Einkauf, das wir zum Jahresende angehen. Beide hängen technisch eng zusammen, im Kern geht es um Bestellungen und den E-Mail-Verkehr drumherum. 2027 folgen dann Produktions- und Materialplanung, womit das Betriebssystem die komplette Supply Chain abdeckt. Parallel bauen wir unser Team in Berlin aus, um die wachsende Nachfrage zu bedienen. Im Mittelpunkt steht aber, das Produkt mit unseren Kunden zu vertiefen und die Ergebnisse weiter zu belegen.

Ihr konntet bereits Investorengelder einsammeln. Wie seid Ihr mit Euren Geldgebern in Kontakt gekommen?

Mit Speedinvest, unserem Lead-Investor, standen wir schon früh im Austausch, lange bevor eine Finanzierung überhaupt das Ziel war. Aus diesem engen, inhaltlichen Kontakt ist das Vertrauen entstanden, das zu dieser Runde geführt hat. Bei den weiteren Investoren hat vor allem unser Track-Record, die Branchennähe und das gemeinsame Verständnis für den Mittelstand überzeugt. Mit den Langdock-Gründern verbindet mich zudem eine längere gemeinsame Geschichte: Jonas Beisswenger und ich haben vor Jahren zusammen unsere erste Firma aufgebaut. Dass sie heute bei Kyrok investiert sind, freut mich deshalb besonders.

Wo steht Kyrok in einem Jahr?

In einem Jahr ist Kyrok bei deutlich mehr mittelständischen Pharma- und Chemieunternehmen im Einsatz, über die Pilotphase hinaus, und in der Branche als verlässlicher KI-Partner bekannt, mit Ergebnissen, die wir schwarz auf weiß belegen können. Das Betriebssystem deckt dann das gesamte Supply-Chain-Management ab. Verzögert sich etwa ein Rohstoff, wird der Einkauf benachrichtigt, die Materialplanung passt sich an, die Produktion wird neu terminiert, und die E-Mail, die den Kunden informiert, ist mit einem Klick versandbereit. Und wir fangen an, denselben Mittelstand über den DACH-Raum hinaus europaweit anzusprechen.

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Foto (oben): Kyrok

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