#Gastbeitrag
DeepTech ist der Schlüssel, um Deutschland neu zu erfinden. In NRW trifft eine dichte Forschungslandschaft auf hohe Gründungsdynamik und eine starke industrielle Basis. Damit hat NRW das Potenzial, zum DeepTech-Taktgeber zu werden. Ein Gastbeitrag von Johanna Tjaden-Schulte.

Mittwoch, 22. Juli 2026
VonTeam
57 Millionen Euro für ein Quantencomputing-Startup aus Siegen – die Series-A von eleQtron gehört zu den größten Finanzierungsrunden weltweit in diesem Bereich. Diese Nachricht machte jüngst international Schlagzeilen. Dabei steht sie exemplarisch für eine Entwicklung, die in Nordrhein-Westfalen deutlich an Fahrt gewinnt: Nordrhein-Westfalen wird zum Deep Tech-Hotspot.
Diese Entwicklung ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis eines Ökosystems, das sein Potenzial zunehmend entfaltet und die Voraussetzungen schafft, wissenschaftliche Durchbrüche systematisch in marktfähige Technologien zu übersetzen.
Die besondere DNA des Standorts NRW
Nordrhein-Westfalen verfügt über eine besondere DNA, die Deep Tech-Gründungen begünstigt: eine außergewöhnlich dichte Forschungslandschaft, eine starke industrielle Basis und breit aufgestellter Mittelstand. 78 Hochschulen und mehr als 50 außeruniversitäre Forschungseinrichtungen liefern kontinuierlich neue technologische Impulse. Gleichzeitig ist der Mittelstand mit über 700.000 Unternehmen in NRW breit aufgestellt und bietet einen einzigartigen Pool an potenziellen Partnern, Pilotkunden und Skalierungsmärkten.
Dieses wirtschaftliche Kraftzentrum trifft auf eine hohe Gründungsdynamik. Nordrhein-Westfalen zählt heute zu den führenden Startup-Standorten in Deutschland. Mit 658 Neugründungen ( 33 %) lag das Land 2025 bundesweit auf Rang zwei.
Vom Forschungsergebnis zum Geschäftsmodell
Ein wichtiger Treiber dieser Entwicklung ist die gezielte Stärkung des Transfers aus der Wissenschaft. Mit 15 Exzellenzclustern für internationale Spitzenforschung ist Nordrhein-Westfalen ein herausragendes Zentrum der Wissenschaft in Deutschland. Diese wissenschaftliche Stärke ist eine echte Keimzelle für Zukunftstechnologien und unternehmerische Talente.
Dass sich dieses Potenzial zunehmend in erfolgreiche Gründungen übersetzt, zeigt auch der Blick auf die Hochschulen: Im Gründungsradar des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft belegen Universitäten aus Nordrhein-Westfalen inzwischen führende Plätze. Diese Entwicklung wird durch die beiden neuen vom Bund geförderten Startup Factories in NRW, die die Anzahl und Qualität wissensbasierter Ausgründungen erheblich steigern sollen, weiter an Dynamik gewinnen.
Gerade für Deep Tech ist dieser Transfer entscheidend. Technologische Durchbrüche entstehen häufig im Forschungsumfeld, etwa in Bereichen wie Quantencomputing, Künstlicher Intelligenz, Biotechnologie oder neuen Materialien. Ihr wirtschaftliches Potenzial entfalten sie jedoch erst, wenn sie in unternehmerische Modelle überführt werden. Der Weg vom Labor in den Markt ist deshalb kein Nebenprodukt, sondern der zentrale Erfolgsfaktor.
Die größte Herausforderung: Skalierung
Eine der größten Herausforderungen ist dabei die Finanzierung. Deep Tech-Startups haben einen besonders hohen Kapitalbedarf, etwa für Investitionen in Forschung, Entwicklung, Prototypenbau und Produktionsinfrastruktur. Dieser kann bislang nicht ausreichend durch Wachstumskapital aus Deutschland gedeckt werden.
Für uns als NRW.BANK ergibt sich daraus ein klarer Auftrag. Wir beteiligen uns in Co-Investments gezielt an hochinnovativen Technologieunternehmen, treten häufig als Ankerinvestor auf und mobilisieren so zusätzliches privates Kapital. Ein konkretes Beispiel ist der Fonds NRW.Venture EU Tech & Scale, der im März gestartet ist. Mit einem Investitionsvolumen von bis zu 200 Millionen Euro ermöglicht er größere Finanzierungstickets für hochinnovative, kapitalintensive Technologieunternehmen und adressiert damit gezielt die Wachstumsphase, in der für Deep Tech-Scale-ups zu wenig privates Kapital zur Verfügung steht.
So entstehen die Voraussetzungen, dass technologische Innovationen nicht nur entwickelt, sondern auch erfolgreich in Nordrhein-Westfalen und damit Europa skaliert werden.
Deep Tech entscheidet über die Zukunft des Industriestandorts
Im globalen Wettbewerb um Zukunftstechnologien entscheidet sich, wo die industrielle Wertschöpfung von morgen entsteht. Deep Tech ist dabei der Schlüssel für neue Märkte sowie für Wertschöpfung, Wohlstand und Arbeitsplätze der Zukunft.
Nordrhein-Westfalen hat alle Zutaten, um bei diesen Zukunftstechnologien nicht nur mitzuspielen, sondern eine führende Rolle einzunehmen. Denn hier treffen industrielle Stärke, exzellente Forschung und unternehmerische Dynamik aufeinander. Damit dieses Potenzial gehoben wird, kommt es darauf an, das Ökosystem gezielt zu stärken. Genau hier sehen wir unseren Auftrag: die Voraussetzungen dafür zu schaffen, damit Deep Tech in NRW wachsen und langfristig skalieren kann.
Ich bin überzeugt: Daraus entsteht die nächste Stufe industrieller Entwicklung. Nordrhein-Westfalen treibt die industrielle Transformation von der Kohle zur KI aktiv voran – und wird zum Motor für die industrielle Zukunft Deutschlands und Europas.
Über die Autorin
Johanna Antonie Tjaden-Schulte ist Vorständin der NRW.BANK mit der Zuständigkeit für Vertrieb und Förderstrategie. Neben der transformatorischen Förderung von mittelständischen Unternehmen, treibt sie das Ziel an, jungen Unternehmen nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen, um sich stark in NRW zu positionieren. Zuvor war sie bei der Commerzbank AG als Managing Director im Corporate Banking tätig.
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