#Interview – “Ich lege großen Wert auf eine klare Struktur”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “An meinen Sporttagen bleibe ich oft länger bis in die Nacht am Schreibtisch, weil die morgendliche Bewegung mir hilft, den ganzen Tag konzentriert und produktiv zu bleiben”, sagt Alexander Weltzsch, Gründer von Dealcode.

“Ich lege großen Wert auf eine klare Struktur”

Freitag, 22. November 2024VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Alexander Weltzsch, Gründer von Dealcode, einem Unternehmen zur Vertriebsautomatisierung durch Künstliche Intelligenz (KI) mit Sitz in Hamburg und Berlin.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Mein Start in den Tag variiert je nach Wochentag, aber eines ist immer gleich: Ich lege großen Wert auf eine klare Struktur. Dreimal die Woche bringe ich meinen Sohn mit dem Fahrrad zur Schule, wenn es das Wetter zulässt, und fahre anschließend direkt in unser Büro in der Hamburger City. Der Arbeitstag dort beginnt dann immer mit einem guten Kaffee. An den anderen beiden Tagen starte ich mit Sport – entweder mit einem Lauf von 5 bis 7 Kilometern oder Kraft- und Ausdauertraining im Gym. Nach dem Sport arbeite ich oft von zu Hause aus. Bis 9:30 Uhr habe ich mir in der Regel einen Überblick über meine E-Mails und Termine verschafft, und ab 10:00 Uhr beginne ich dann, nach einem zweiten Kaffee, mit Meetings – ob mit dem Team, Partnern, Kunden oder Investoren. Generell versuche ich, Termine vor 10:00 Uhr zu vermeiden, da ich kein Morgenmensch bin.

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?


Auch das hängt stark vom Wochentag ab. An meinen Sporttagen bleibe ich oft länger bis in die Nacht am Schreibtisch, weil die morgendliche Bewegung mir hilft, den ganzen Tag konzentriert und produktiv zu bleiben. An den anderen Tagen versuche ich, zwei bis drei Stunden mit meiner Familie oder Freunden zu verbringen. Das gelingt natürlich nicht immer, besonders da häufig berufliche Veranstaltungen oder Reisen anstehen. Doch auch diese Events bieten mir eine gute Möglichkeit, den Kopf freizubekommen und abzuschalten.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?


Ich hätte gerne vorher gewusst, wie einsam man sich als Gründer manchmal fühlt. Abends alleine im Büro zu sitzen, während man das Gefühl hat, dass die Welt draußen ihr Leben lebt, kann schwer sein. Obwohl ich mit Dennis Hilger, der an unserem Berliner Standort sitzt, einen tollen Partner und insgesamt ein großartiges Team um mich herum habe, fühle ich mich manchmal doch wie ein Einzelkämpfer. Es ist wichtig, sich auf diese Momente vorzubereiten und Strategien zu entwickeln, um damit umzugehen.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?


Eine der größten Hürden war sicherlich, einen gut bezahlten und erfüllenden Job in einem bereits etablierten Unternehmen – das ich selbst mit aufgebaut habe – zu kündigen, um von vorne zu beginnen. Ich war zuvor zwar in der Geschäftsleitung eines erfolgreichen Startups und wusste, was auf mich zukommt. Trotzdem war es ein großer Schritt, quasi wieder bei Null anzufangen. Aber mein innerer Drang, noch einmal etwas komplett eigenes zu schaffen, hat mich dazu motiviert. Auch nach vier Jahren bereue ich diesen Schritt kein bisschen.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?


Einer meiner größten Fehler war es, Entscheidungen zu lange zu überdenken. Als Gründer sollte man schnell lernen, auf sein Bauchgefühl zu hören. Anfangs habe ich mich zu sehr von externen Meinungen beeinflussen lassen und manchmal Entscheidungen hinausgezögert, die eigentlich längst fällig waren. Auch Ratschläge auf Plattformen wie LinkedIn können irreführend sein. Der Schlüssel ist, den Fokus nicht zu verlieren und sich nicht von Meinungen, die nicht auf einen selbst oder auf das eigene Unternehmen zugeschnitten sind, ablenken zu lassen.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?


Die ersten 100 Mitarbeiter eines Startups sollten direkt von den Gründern selbst rekrutiert werden. Diese Personen sind entscheidend für den Erfolg und fungieren später als Multiplikatoren Deiner Unternehmensvision. Daher stammen bislang alle unsere Mitarbeiter:innen aus Empfehlungen, dem persönlichen Netzwerk oder dem erweiterten Netzwerk auf Plattformen wie LinkedIn. Ich achte immer darauf, dass Persönlichkeit und Teamfit mindestens genauso gut passen, wie die fachliche Qualifikation.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Niemand wird Deine Vision so klar verstehen wie Du. Du hast Dein Unternehmen gegründet, weil Du an eine Idee glaubst, und auf dem Weg dorthin werden viele versuchen, Dich davon abzubringen oder Dir zu sagen, dass Dein Konzept nicht funktioniert. Lass dich davon nicht verunsichern. Natürlich ist es wichtig, den Markt und das Geschäftsmodell gründlich zu validieren – viele Ideen scheitern auch, weil es schlichtweg an einem vernünftigen Geschäftsmodell mangelt. Dennoch bist mein Tipp: Höre vor allem auf Dich selbst und Dein Bauchgefühl.

Ohne welches externe Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Ganz klar: Jira. Hier arbeiten alle Teams mit ihren Projekten, Tickets und Aufgaben. Ohne ein sauberes Projekt- und Prozessmanagement könnten wir nicht wachsen und hätten längst den Überblick verloren.

Wie sorgt Ihr bei Eurem Team für gute Stimmung?


Flexibilität wird bei uns groß geschrieben. Jeder kann sich seine Arbeitszeit so einteilen, wie es ihm oder ihr am besten passt. Natürlich gibt es Pflichttermine, aber darüber hinaus haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viele Freiheiten.  Ein echtes Highlight sind unsere vierteljährlichen Co-Working-Wochen. Hier treffen wir uns einmal pro Quartal für eine volle Woche an einem Ort, um gemeinsam zu arbeiten, aber auch um gemeinsame Freizeitaktivitäten zu unternehmen. Das stärkt den Teamzusammenhalt in der heutigen hybriden Arbeitswelt enorm.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Ein Kunde versuchte wochenlang, uns mit Anwälten und der Geschäftsleitung glaubhaft zu machen, dass er kurz vor der Insolvenz stehe. Aus “Kulanz” bot er uns eine Einmalzahlung an, wenn wir im Gegenzug auf den Restbetrag einer Jahresrechnung verzichten würden. Alles wirkte seriös, da die Geschäftsführung des Kunden involviert war. Am Ende stellte sich jedoch heraus, dass alles nur vorgetäuscht war – sie hatten lediglich einen Weg gesucht, uns zu bewegen eine deutlich geringere Zahlung zu akzeptieren. In der Geschäftswelt gibt es viele schwarze Schafe und man sollte immer zweimal schauen, auf wen man sich am Ende einlässt.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus?


Ein guter Start in den Tag beginnt für mich mit Bewegung – sei es der Weg ins Büro mit dem Fahrrad, ein kurzer Lauf oder eine Einheit im Fitnessstudio. Das gibt Energie und Ausgeglichenheit, um die Herausforderungen des Tages besser zu meistern. Außerdem sollte immer Zeit für einen guten Kaffee und eine Mittagspause von mindestens 30 Minuten sein, am besten außerhalb des Büros. Die Arbeitstage in einem Startup können sehr, sehr lang sein, deshalb ist es wichtig, sich bewusst Zeit für Pausen zu nehmen. Timeboxing ist für mich der Schlüssel zur Struktur. Große Themen wie Produktentwicklung, Sales und Marketing, HR oder Fundraising haben feste Zeitblöcke und nur in diesen bin ich für das jeweilige Thema ansprechbar – sowohl intern als auch extern. Sonst läuft man Gefahr, fremdbestimmt zu arbeiten, was auf Dauer sehr unzufrieden machen kann.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): Dealcode

#Interview – “Wir haben keine Angst, fachfremde Menschen auszubilden”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Ich bin gerne draußen. Der Hund braucht genauso viel Auslauf wie ich, und manchmal stehlen wir uns einfach einen Vormittag und gehen in die Berge”, erzählt Jürgen Henkel, Gründer des Online-Shops Carl Henkel.

“Wir haben keine Angst, fachfremde Menschen auszubilden”

Freitag, 15. November 2024VonAlexander Hüsing

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Jürgen Henkel, Gründer von Carl Henkel, einem Online-Shop rund um das Thema “Home-Living-Coffee-Tea und  Decoration”.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Heute, als E-Commerce-Unternehmer, beginnt mein Tag viel strukturierter und gesünder als früher. Damals war ich jährlich 50.000 Kilometer mit dem Auto unterwegs, flog oft international und verbrachte 150 Nächte nicht in meinem eigenen Bett – immer auf dem Weg zu Kundinnen und Kunden, mit denen man sich persönlich treffen musste. Jetzt stehe ich wochentags kurz vor sieben auf, gehe ins Gym für meine Morgenroutine und genieße dann ein Frühstück zu Hause mit frisch gebrühtem Kaffee aus unserer Kaffeekanne Arca X-tract. Kirsten, meine Frau und Mitgründerin, und ich lieben es, so in den Tag zu starten. Dann beginne ich mit der Arbeit. Sieben Tage die Woche beantworte ich als erstes Kundenanfragen und Social-Media-Kommentare. Nach diesem “Reality Shower” verfolge ich meinen Tagesplan: Deep Work Session 1, dann ein Spaziergang mit dem Hund, ein kurzes Schläfchen, gefolgt von Deep Work Session 2, und abends noch ein Spaziergang mit dem Hund. Warum ich den Hund erwähne? Weil Nachdenken in Ruhe, ohne vor dem Computer zu sitzen, für mich die beste investierte Zeit ist.

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?


Ich bin gerne draußen. Bei uns in der Schweiz ist es unglaublich schön und einfach, in die Natur zu kommen. Der Hund braucht genauso viel Auslauf wie ich, und manchmal stehlen wir uns einfach einen Vormittag und gehen in die Berge.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?


Das Liquiditätsmanagement ist in der Theorie weniger nervenaufreibend als in Wirklichkeit. Als angestellter Manager, selbst als CEO, erschien es mir nie so anstrengend. Aber wenn es um dein eigenes Geld geht, ist es schwieriger, als man es in der Business School lernt.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?


Zunächst lief alles reibungslos, bis wir erfuhren, dass wir unseren eigenen Namen Carl Henkel nicht als Marke für unsere Produkte benutzen durften. Andere Firmen hatten die Marke für die für uns relevanten Warengruppen gesichert. Es hat Geduld gebraucht, aber wir haben es geschafft: Mit der Hilfe einer erfahrenen Anwältin gelang es uns nach etwa zwei Jahren, unsere Marke zu beanspruchen. 

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?


Als Unternehmer muss man Entscheidungen treffen. Manchmal zu schnell, manchmal auf falschen Annahmen basierend. Die Corona-Krise brach aus, als ich von einer Messe in Schweden zurückkam. Die Tasche voll Aufträge, das Buch voll Leads und das Lager voller Ware. Ich dachte, wir hätten es geschafft. Doch zu Hause angekommen, waren die Aufträge storniert, die Kontakte wertlos und das Investment verloren. Die Lektion? Warenrisiko ist gefährlich. 

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?


Genauso wie neue Käuferinnen und Käufer für unser Produkt: Die Besten kommen durch Empfehlungen. Wir haben keine Angst davor, fachfremde Menschen jeglichen Alters auszubilden und ihnen die Freude und den Stolz zu vermitteln, etwas Neues zu lernen und sich entsprechend ihrer Interessen und Fähigkeiten einzubringen.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Wir sind ein Familienunternehmen. Ich habe Carl Henkel gemeinsam mit meiner Frau Kirsten gegründet, die einen ähnlichen Hintergrund hat wie ich. Bis heute fehlt mir ein Co-Founder mit einem völlig anderen Skill-Set. Eine weitere Perspektive hätte mir einige Male gutgetan und hilft dabei, auch nochmal andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. 

Ohne welches externe Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Shopify, Klaviyo und vor allem die Beratung durch Nico Frank und sein Team von Ecoza.

Wie sorgt Ihr bei Eurem Team für gute Stimmung?


Meiner Meinung nach kann man Motivation nicht durch externe Veranstaltungen herbeiführen. Motivation muss von innen kommen. Anreize wirken wie Doping – kurzzeitig und die Abhängigkeit steigt. Ehrlichkeit, Freude, Teilen, Partizipation, Eigenständigkeit und gerechte Bezahlung sind die Bausteine des täglichen Miteinanders. Freundlichkeit, Authentizität und ehrlich gemeintes Lob sind die Basis für ein gutes Miteinander.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Die wahnsinnige Dynamik von begeisterten Kundinnen und Kunden macht extrem viel Freude. Wir haben sie erst vor kurzem gefragt, ob sie Interesse an einem speziellen X-tract Kaffee für unsere Kaffeekannen haben. Die Ergebnisse der Umfrage waren schon überwältigend und der erste Pre-Sale war der beste Tag in unserer Firmengeschichte. Das macht so viel Spaß!

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): Carl Henkel

#Interview – “Wir müssen unser Selbstbild und unsere Glaubenssätze hinterfragen”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Ich frühstücke mit meinem 17-jährigen Sohn und verabschiede ihn in die Schule. Dann setze ich mich für eine Stunde gemütlich mit einer großen Tasse Tee ins Bett”, sagt volate-Gründerin Dorothea von Wichert-Nick zu ihrem Start in den Tag.

“Wir müssen unser Selbstbild und unsere Glaubenssätze hinterfragen”

Freitag, 8. November 2024VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Dorothea von Wichert-Nick, Gründerin von volate. Das Unternehmen unterstützt Gründerinnen und Gründer dabei “neue Perspektiven zu entwickeln und ihre Führungsfähigkeiten an die sich ständig wandelnden Anforderungen anzupassen”. 

Wie sieht Dein typischer Morgen aus, bevor Du in den Arbeitstag startest?


Ich frühstücke mit meinem 17-jährigen Sohn und verabschiede ihn in die Schule. Dann setze ich mich für eine Stunde gemütlich mit einer großen Tasse Tee ins Bett und lese etwas über Leadership und psychologische Themen. So nehme ich eine große Portion Inspiration und Reflexion für den Tag mit. Herrlich! 

Was machst Du, um nach einem intensiven Arbeitstag abzuschalten?


Am liebsten mache ich einen Spaziergang vom Büro nach Hause. 30 Minuten durch Schrebergärten schlendern, durch ein kleines Wäldchen und einen Park. Gerne mit einer guten Freundin zusammen oder mit einem Podcast im Ohr. 

Wenn Du in die Zeit vor Deiner Gründung zurückblickst – was wäre hilfreich gewesen, schon vorher zu wissen?


Wie wichtig es ist, die Transformation vom Macher zum Leader zu schaffen. Wir alle starten als Macher. Das ist es, was wir in der Schule und im Studium gelernt haben. Wir genießen unsere Selbstwirksamkeit: “Ich habe das geschafft.” Dummerweise wird ein Unternehmen damit nicht groß. Die Schallgrenze liegt bei 15 bis 25 Mitarbeitern. Wer bis dahin nicht gelernt hat zu führen, sabotiert das weitere Wachstum des Unternehmens. Die Herausforderung: Hinter diesem Schritt steht eine tiefgreifende persönliche Transformation. Wir müssen unser Selbstbild und unsere Glaubenssätze hinterfragen. Hilfreich dabei ist ein Coach oder eine Coachin, die diesen Weg bereits selbst gegangen ist.  

Gab es im Laufe Deiner Gründerkarriere Rückschläge, aus denen Du besonders viel gelernt hast?


Mein größter Fehler in der Führung war, der Arbeit den Vorrang vor der Beziehung zu setzen. Dieser Glaubenssatz hat mich mindestens eine Geschäftsführungsrolle gekostet. Nur wenig ist so wichtig wie ein starkes Gründer- oder Leadership-Team. Das Problem: In den intensiven Wachstumsphasen passiert es schnell, dass sich jeder Gründer nur noch auf sein oder ihr Aufgabengebiet fokussiert. “Es gibt so viel zu tun –  wann sollen wir uns noch für einen  persönlichen Austausch treffen?” “Das ist doch unproduktiv.” Aus der intensiven Zusammenarbeit der ersten Gründungstage  werden irgendwann nur noch kurze Updates. Das Dumme dabei ist, dass ohne persönlichen Austausch das Vertrauen untereinander verloren geht. Misstrauen schleicht sich ein. Konflikte können nicht mehr gelöst werden. Am Ende bleibt nur noch eine Trennung. Mein Learning: Regelmäßiger persönlicher Austausch muss eine feste Routine haben, egal wie stressig die Zeiten sind.  

Was ist das Geheimnis, um talentierte Mitarbeiter für ein junges Unternehmen zu gewinnen?


Anfangs nutzt man das eigene, enge Netzwerk und die aktive Ansprache über LinkedIn. Man sucht nach Menschen, die mit ihrem Lebenslauf signalisieren: Ich bin neugierig und baue gerne etwas auf. So schafft man dann eine starke begeisternde Unternehmenskultur. Eine Kultur, bei der Menschlichkeit und Performance in der Balance sind, in der jeder über sich hinauswachsen kann und die von einer ambitionierten Mission getragen wird. A-Player wollen Impact haben und in einem ambitionierten und wertschätzenden Umfeld arbeiten. Unternehmen, die das schaffen, sprechen sich schnell herum, denn A-Player holen andere A-Player an Bord. 

Welche Erkenntnis möchtest Du anderen Gründern mit auf den Weg geben?


Lerne dich selbst intensiv kennen. Was sind deine Stärken, was deine Schwächen? Was ist dein Bestes-Ich, was dein Stress-Ich? Was sind die Glaubenssätze, die dich antreiben –  und wie können sie dir zum Nachteil werden? 

Gibt es Tools, die für die Organisation und den Erfolg deines Startups unverzichtbar sind?


Ja, da gibt es zwei, Asana und Notion. Notion nutze ich als Sammelbecken für all meine Ideen. Asana für meine Planung und als Plattform für meine Klienten.

Wie sorgt Ihr bei Eurem Team für gute Stimmung?


Indem wir uns Zeit für Persönliches nehmen.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Die ersten Weihnachtsfeste bei der Beratung Solon. Sie waren weniger wild als bewegend. Es war ein gemeinsames Erlebnis auf Gut Elmau, mit den ganzen Familien, inklusive Babies. Nach dem gemeinsamen Abendessen wurde Scharade gespielt. Am nächsten Tag sind wir gemeinsam auf eine Alm geklettert und mit dem Schlitten wieder runter. Es war wunderbar, die Kollegen als ganze (Familien-)Menschen zu erleben. Auch wenn das ganze schon 25 Jahre her ist, halten viele Kontakte noch immer. 

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): Volante, Anne Kainer

#Interview – “Ohne Notion wäre unser Startup quasi nicht mehr existenzfähig”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Eine der größten Hürden für mich war es, die richtigen Co-Founder zu finden, die nicht nur das notwendige Fachwissen, sondern auch die gleiche Leidenschaft und Vision für das Projekt mitbringen”, sagt Franziska Walde, Gründerin von refinq.

“Ohne Notion wäre unser Startup quasi nicht mehr existenzfähig”

Donnerstag, 17. Oktober 2024VonAlexander Hüsing

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Franziska Walde, Gründerin von refinq. Das Unternehmen aus Wien kümmert sich um die Bewertung von Klimarisiken und Biodiversität.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Kaffee und Newsletter/Nachrichten Scrolling

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?


Rennradfahren, gerne auch um 5.30 Stunden mit einer Wienerwald-Runde.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?


Zum Glück konnte ich bereits vor der Gründung von refinq ein starkes berufliches Netzwerk aufbauen. Durch meine Teilnahme bei EWOR wurde ich von erfahrenen Mentoren auf die grundlegenden Do’s und Don’ts beim Aufbau eines Unternehmens vorbereitet. Ein wichtiges Learning für mich war, dass es nicht nur auf eine Idee ankommt, sondern vor allem auf die Fähigkeit, flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Das Gründen ist noch viel dynamischer und weniger planbar, als ich ursprünglich dachte.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?


Eine der größten Hürden für mich war es, die richtigen Co-Founder zu finden, die nicht nur das notwendige Fachwissen, sondern auch die gleiche Leidenschaft und Vision für das Projekt mitbringen. Ein starkes und vertrauensvolles Team ist entscheidend für den Erfolg eines Startups, und ich bin froh, dass ich in Lukas und Markus genau diese Partner gefunden habe.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?


Wir ergänzen uns in der Tat sehr gut. Diese Balance zwischen rationalem Denken und intuitivem Handeln ist eine unserer größten Stärken im Team.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?


Neben fachlicher Kompetenz ist uns wichtig, dass neue Mitarbeiter die Fähigkeit haben, sich flexibel an Veränderungen anzupassen und proaktiv Lösungen zu finden. Deshalb geben wir Bewerbern oft eine konkrete Aufgabe, die zeigt, wie sie in der Praxis arbeiten und mit Herausforderungen umgehen. So können wir nicht nur das Skillset überprüfen, sondern auch sehen, wie gut die Zusammenarbeit funktionieren könnte.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Verbinde dich mit Menschen, die deine Vision teilen und dich gleichzeitig herausfordern, über den Tellerrand hinauszudenken. Bleib offen für Feedback und sei bereit, deine Idee anzupassen, wenn es notwendig ist. Flexibilität und Lernbereitschaft sind entscheidend für den Erfolg.

Ohne welches externes Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Ohne Notion wäre unser Startup quasi nicht mehr existenzfähig. Es dient uns als zentrales Tool für internes Wissensmanagement und unterstützt uns dabei, Informationen effizient zu organisieren und zu teilen. Zudem nutzen wir Notion, um unseren Kunden und Investoren strukturierte Einblicke in unsere Arbeit und Fortschritte zu geben, was die Kommunikation und Transparenz erheblich verbessert.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?


In unserem Team setzen wir auf eine offene Kommunikation und regelmäßiges Feedback, um eine gute Stimmung zu gewährleisten. Jeder hat die Möglichkeit, seine Ideen und Bedenken einzubringen, was das Vertrauen und den Zusammenhalt stärkt. Ich stelle unseren Teammitgliedern auch regelmäßig die entscheidende Frage: “Wenn du etwas sofort bei uns im Unternehmen ändern könntest, was wäre das?” – so schaffen wir Raum für ehrliche Reflexion und kontinuierliche Verbesserung.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): refinq, Niko Havranek

#Umfrage – Fehler, die Gründer:innen nicht nochmal passieren

Regelmäßig stehen uns sowohl junge als auch erfahrene Gründer:innen bei unserem großen und beliebten Gründeralltag-Interview Rede und Antwort. Eine Frage daraus lautet: “Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?” Hier beichten uns nun 15 Entrepreneur:innen was sie falsch gemacht haben und ihre Resümees daraus.

Ein großer Fehler, den wir bisher gemacht haben, war, dass wir versucht haben, alles alleine zu machen. Wir haben daraus gelernt, wie wichtig es ist, ein gutes Team aufzubauen und die Aufgaben zu delegieren. Ein weiterer Fehler war es, zu schnell zu wachsen, ohne die notwendige Infrastruktur zu haben, um damit umzugehen. Wir haben daraus gelernt, wie wichtig es ist, das Wachstum des Unternehmens langsam und sorgfältig zu planen, um sicherzustellen, dass es nachhaltig ist.


Hasan Alhayek, Patoul 

Wie schon erwähnt, wenn man ein CRM-System einrichtet, sollte man sich vor allem die nötige Zeit nehmen, um dies gründlich zu tun. Zudem ist es wichtig, ein Gleichgewicht zwischen rationalem Denken und Intuition zu finden. Datengestützte Entscheidungsfindung ist in allen Arbeitsbereichen wichtig, und der Aufbau einer starken, konsistenten Grundlage, die unabhängig von personellen Veränderungen bleibt, ist entscheidend.


Dijana Galijasevic,Impact Hero

Manager zu früh ins Team holen. Am Anfang muss jeder die Ärmel hochkrempeln und schaufeln. Strategie ohne Execution ist wertlos.


Emil Alievniostem

Der größte Fehler, den ich bisher gemacht habe, war ganz klar, dass ich zum Teil auf falsche Mitarbeiter gesetzt habe und zu spät gemerkt habe, dass die nicht in das Team passen. Es ist enorm wichtig, dass man ein ausgewogenes Team zusammen stellt, um speziell am Anfang auch die notwendige Performance aufbauen zu können.


Heinz BöllingSpoo Group

Gerade zu Beginn habe ich zu sehr versucht, Cozero und unser Team zu schützen. Deshalb habe ich nicht immer Klartext geredet, gerade bei Veränderungen, sei es durch unser Team oder Kunden. Dadurch kam es manchmal zu Verwirrungen. Ich habe für mich gelernt: Transparenz ist das Allerwichtigste. Jetzt versuche ich, das Team immer direkt und ganz offen mit einzubinden. Wenn uns beispielsweise ein Teammitglied verlässt oder wir unzufrieden mit gewissen Entwicklungen sind, aber natürlich auch bei positiven Nachrichten. Transparenz ist in unserer Kommunikation Key.


Helen TackeCozero

So far so good – wir hatten bisher keine Riesenklatsche. Das liegt aber sicher auch daran, dass ich vieles nicht als “Fehler” verbuche, sondern eben als Learning. Klar: Es geht immer besser und daran arbeiten wir. Aber wir sind sehr zufrieden.


Jan LeisseeleQtron

Ich denke jetzt, dass es ein Fehler war so lange einen anderen Job parallel zu machen und würde mich, sollte ich nochmal gründen 100% zu einer Sache committen.


Frederic Goldkorn, Querfeld

Ich habe die Dinge zu lange komplett selbst gemacht. Ich bin ein großer Fan davon, alles, was man selbst tun kann, am Anfang auch selbst zu tun. Dann solltest Du so schnell es rentabel funktioniert, für alle arbeitsintensiven, aber nicht strategischen Tasks gute Partner oder Teammitglieder finden, beginnend von der Buchhaltung und Administration, bis hin zu Marketing und Kommunikation. So kannst Du Dich besser hebeln und “an” der Firma und nicht mehr ausschließlich “in” der Firma arbeiten.


Romy LindenbergShavent

Potentiellen Unterstützer:innen und Personen schnell zu vertrauen, macht einem schnell das Leben schwer, wenn es nicht zu 100% passt. Das war definitiv eine Lehre für das Leben, da egal wie groß Titel oder Lebensläufe scheinen, man auf jeden Fall auch eine persönliche Due Diligence machen sollte. Zudem ist es wichtig, trotz der Arbeitsbelastung genug Zeit für sich und für Erholung zu finden, damit man in der Balance bleibt und Energie für den Gründer:innenalltag mitbringt. Das war nicht immer so und seitdem ich auf diese Balance achte, erreiche ich mehr und treffe bessere Entscheidungen als Gründer.


Markus AdlerCode Gaia

Ich habe gelernt, dass es sich langfristig rächt, Abstriche im Bewerbungsprozess und Kompromisse im Anspruch an Bewerber:innen zu machen. Auch wenn es länger dauert, die Stelle zu besetzen, macht es dennoch Sinn, sich die Zeit zu nehmen und den besten Mitarbeiter oder die beste Mitarbeiterin für die Stelle zu finden.


Stefan Kick, Kartenliebe

Dass nicht alles, was ich visuell schön finde, auch aus Marketingsicht funktioniert. Und Fehleinschätzungen von Zielgruppen. Es lohnt sich wirklich sehr, Feldstudien zu betreiben, um zu wissen, wen man überhaupt ansprechen möchte.


Toyah DiebelButtz

Bei Accountable haben wir definitiv zu spät auf Content-Marketing gesetzt. Der Fokus war zum Start stark auf dem Produkt und den Performance-Marketing-Kanälen – und das, obwohl ich vorher im Medienbereich unterwegs war. Mittlerweile investieren wir massiv in Qualitätsinhalte und sehen auch, wie sich das auszahlt. Ein anderer klassischer Fehler war die Priorisierung von Features. Hier haben wir zum Beispiel als erste Steuer-App mit viel Aufwand auch die Gewerbesteuer integriert. Im Nachhinein waren aber andere Funktionen viel entscheidender für viele NutzerInnen. Heute priorisieren wir noch klarer auf Basis von User-Feedback.


Tino Keller, Accountable

Mein Tatendrang ist wohl meine größte Stärke und Schwäche zugleich. Ich habe oft den Fehler gemacht, dass ich zu viel auf einmal wollte. Ich habe aber schnell gelernt, mich auf Prioritäten zu konzentrieren und Aufgaben zu delegieren, um effektiver zu arbeiten. Gerade deshalb ist es wichtig, nicht zu viele Ideen auf einmal umzusetzen, sondern eine klare Vision zu haben und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.


Christian RuffQrago

Ein Fehler, den ich gemacht habe, war, Dinge im Vorfeld zu sehr zu überdenken und dadurch Zeit zu verlieren. Ich habe gelernt, dass es manchmal besser ist, einfach zu starten, auch wenn nicht alles perfekt ist. Die Praxis bringt oft mehr Erkenntnis als ständiges Grübeln.


Liesa Eschemann, Kalumi

Eins vorneweg: Fehler und Fehlentscheidungen gehören bei einem Startup dazu. Man sollte sich nicht der Illusion hingeben, sie gänzlich vermeiden zu können. In meinem Fall haben wir mitunter schon große Vorkehrungen getroffen und Budgets für neue Marketing- oder Vertriebskanäle aufgebracht, die sich am Ende als komplett ungeeignet herausgestellt haben. Daher bin ich inzwischen ein großer Freund davon, Dinge im kleinen möglichst schnell anzutesten, zu verbessern und dann eine finale Entscheidung auf Zahlen- und Faktenebene treffen zu können, anstatt sich von Hoffnungen und Emotionen leiten so lassen. Die verlockendste und vermeintlich genialste Idee kann sich in der Realität als vollkommen ungeeignet erweisen.


Marc Apfeltrainr

Tipp: Die häufigen Fehler bei Startups – und wie man diese vermeidet

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

Este sitio web utiliza cookies para que usted tenga la mejor experiencia de usuario. Si continúa navegando está dando su consentimiento para la aceptación de las mencionadas cookies y la aceptación de nuestra política de cookies, pinche el enlace para mayor información.

ACEPTAR
Aviso de cookies