#Gastbeitrag – Vom Gründer zum CEO

Veränderungen sind oft mit Zweifeln verbunden. So ist das auch beim Wandel vom Gründer zum CEO. In dieser Übergangsphase tauchen Fragen auf wie: “Bin ich wirklich der richtige CEO für das Unternehmen?” und “Sollen wir wirklich weiter wachsen, vielleicht reichen 20 Leute ja?” Dazu gesellt sich oft das Gefühl, dass dir alles zu viel wird. Mit mangelnder Führungskompetenz hat das nichts zu tun. Vielmehr sind es Hinweise darauf, dass du an einem entscheidenden Punkt stehst: dem Übergang vom Gründer zum CEO. Deine bisherigen Verhaltensweisen und Denkmuster reichen jetzt nicht mehr. Du musst deine neue Rolle finden. Erfahre in diesem Artikel, wie dir die innere Transformation vom Macher zum Leader gelingt. 

Was unterscheidet einen Gründer von einem CEO?

Als Gründer:in bist du vor allem Macher:in. Du schaffst ein Produkt, das den Markt erfolgreich erobert. Du bist mittendrin im Team, bist sein Herz und Hirn. Du willst die Dinge initiieren und bewegen, am besten selbst. Mit der Zeit wächst dein Team. Du gibst immer mehr deiner ursprünglichen Aufgaben ab. Statt zu “arbeiten”, sitzt du jetzt vor allem in Meetings. Eigentlich hattest du dich darauf gefreut, nicht mehr alles selbst machen zu müssen, aber jetzt frustriert es dich. Deine direkte Wirksamkeit geht verloren. Es ist der Beginn deiner Transformation. Neue Aufgaben warten auf dich!

Als CEO bist du vor allem Führungskraft. Du schaffst den Rahmen, gibst den anderen Teamplayern die Orientierung vor, kreierst eine skalierbare Organisation, die langfristig am Markt erfolgreich ist. Du liebst es, die richtigen Menschen zu finden und in die Verantwortung zu bringen.

Das Ende deiner Zeit als Gründer:in und was du beachten solltest

In meinen Coachings höre ich in dieser Phase regelmäßig die gleichen zwei Sorgen:

  • Was ist denn mein Beitrag, wenn ich nichts mehr selbst mache?
  • Wenn ich alles abgebe, habe ich ja gar nichts mehr zu tun! Was ist dann mein Wert für mein Unternehmen?

Mein Rat ist dann: Sieh’ diese Fragen positiv. Werte sie als Zeichen, dass deine Zeit als Gründer:in zu Ende geht. Die kritische Unternehmensgröße für diesen Übergang liegt bei 15 bis 25 Mitarbeitenden. Deine persönliche Führungsspanne ist jetzt maximal ausgereizt. Dein Unternehmen spürt die Wachstumsschmerzen, es hakt an vielen Stellen, Konflikte und Unzufriedenheit mehren sich. Jetzt ist es hilfreich, dich zu hinterfragen und daraus wichtige Erkenntnisse für deine nun vor dir liegende Rolle zu erhalten:

  • Reflektiere deine bisherige Rolle: Was bedeutet es für dich, Gründer:in zu sein? Was magst du an dieser Rolle? Warum lässt du sie so ungern los?
  • Entzaubere die Gründer:innenrolle: Gründer:innen sind toll, aber keine Allzweckwaffen. Wenn du weiter im Gründer:innen-Mindset unterwegs bist, stehst du deinem Team im Weg, dein Unternehmen wird wahrscheinlich stagnieren.
  • Akzeptiere das Verlustgefühl. Ja, jetzt geht eine coole Zeit zu Ende. Aber eine neue (vielleicht sogar noch coolere) liegt vor dir. Nur wenn du deine alte Rolle loslässt, kannst du voll und ganz in der neuen Rolle ankommen.
  • Feiere deine Erfolge und Learnings. Unglaublich, was du schon geschafft hast. Du hast echt die Power – und kannst sicher noch viel mehr. Freu’ dich darüber!

Im Niemandsland des Übergangs

Nach dieser Reflexion weißt du, dass sich etwas ändern muss, oft aber noch nicht genau was. In diesem Niemandsland des Übergangs wirst du dich daher sicherlich oft unsicher fühlen. Da sind bereits die neuen Herausforderungen, emotional (und auch organisatorisch) hängst du aber noch an deiner Rolle als Gründer:in. Es geht dir wie dem Hummer im Wachstum: Die alte Schale ist zu klein geworden, der neue, größere Panzer wächst bereits, ist aber noch weich und verletzlich.

Zeichen des Niemandslands sind:

  • Motivationstief und verringerte Produktivität: “Ich bin komplett ausgelaugt, alles strengt mich viel mehr an als früher.” “Ich bekomme mich nicht mehr motiviert.” 
  • Angst um Rolle, Status und Identität: In dieser Phase kochen im Kreis der Gründer:innen gerne Konflikte um die CEO-Rolle hoch. Das verlorene Gefühl der Wirksamkeit wird durch ein gesteigertes Statusbewusstsein kompensiert.
  • Abwehr gegen den Wandel: Viele Gründer:innen versuchen, die Notwendigkeit der persönlichen Weiterentwicklung zu umgehen und stagnieren.

Das alles gehört zu deiner inneren Transformation dazu. Nimm es an und arbeite daran. Auch wenn der innere Widerstand im Niemandsland zunächst oft groß ist, wenn du es wirklich willst, schaffst du die Transformation vom Gründer zum CEO!

Wichtig ist, dass du dich der Herausforderung stellst und ehrlich zu dir und dem Team bist:

  • Gehe den Gefühlen der Verunsicherung und Verwirrung nach. Was würde dir helfen, wieder auf festeren Boden zu kommen?
  • Verstehe, was du wirklich willst. Was ist deine persönliche Mission? Willst du den Schritt Richtung CEO gehen oder lieber Gründer:in bleiben? Was bedeutet das für dich und euer Unternehmen?
  • Male ein Bild der Zukunft. Was für ein Leader willst du sein? Wie fühlt sich das an? Was wird für dich, für eure Company möglich, wenn du diesen Weg gehst?

Idealerweise ziehst du dich für diese Überlegungen eine Zeit lang zurück, gehst ein oder zwei Wochen ohne Ablenkung in Klausur mit dir selbst. Super ist auch die Arbeit mit einer Coach:in, die dir hilft, die Transformation bewusst zu durchlaufen. Das Niemandsland endet, wenn du spürst, dass deine alte Energie zurückkehrt. Wenn sich der Nebel klärt, der über deinen Gedanken liegt.

Neustart als CEO und Leader

Jetzt hast du Lust, den nächsten Schritt zu gehen. Also: rein in die Umsetzung.

  • Plane deine Lernreise. Worin bist du bereits gut? Wo sind noch Lücken? Welche zwei oder drei Skills willst du unbedingt meistern, um der CEO deiner Träume zu werden? Was ist der erste Schritt, den du sofort gehst?
  • Ich bin CEO. Zeige deinem Team, dass du ein echter Leader werden willst. Du hast dich bisher als Gründer:in und CEO vorgestellt? Dann lass die “Gründer:in!” künftig weg. 
  • Nicht ablenken lassen. Der Anfang ist gemacht, auch wenn du noch nicht zu 100 Prozent in deiner künftigen Rolle angekommen bist. Geh’ entschlossen weiter und höre nicht auf die inneren und äußeren Stimmen, die dich vom Weg ablenken wollen. Genieße vielmehr den Prozess, dann kommen die Ergebnisse von selbst.

Fazit


Du siehst, auf dem Weg vom Gründer zum CEO durchläufst du eine tiefgreifende, innere Transformation. Du wirst vom Macher zum Leader. Dabei lernst du nicht nur ein paar neue Skills. Du musst dein Selbstbild neu definieren, dich von lieb gewonnen Gewohnheiten und Glaubenssätzen lösen. Die drei Phasen vom Gründer zum CEO solltest du daher sehr bewusst durchleben. Denn nur dann wird es DEINE Transformation und nicht etwas, das dir passiert. Wenn du dich auf diesen Prozess einlässt, kannst du sicher sein, dass Du ein großartiger Leader wirst.

Über die Autorin:


Dorothea von Wichert-Nick widmet sich nach einer äußerst erfolgreichen Karriere in der Geschäftsführung digitaler Beratungsunternehmen (u.a. AltmanSolon, etventure, affilinet) der Förderung von erfahrenen Führungskräften. In einer herausfordernden Zeit für Startups und Gründer unterstützt sie mit ihrem Unternehmen volate ihre Klienten dabei, neue Perspektiven zu entwickeln und ihre Führungsfähigkeiten an die sich ständig wandelnden Anforderungen anzupassen. Seit der Gründung von volate vor fünf Jahren hat sie mehr als 160 Gründer und Gründerteams begleitet.

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#Gastbeitrag – Strategisches Recruiting: So meistern Startups auch starke Wachstumsphasen

Der Übergang vom Startup zum Scale-up ist eine der größten Herausforderungen für junge Unternehmen. Nur etwa vier Prozent der neu gegründeten Unternehmen in Deutschland schaffen es, diesen entscheidenden Schritt zu meistern und nachhaltiges Wachstum zu erreichen. In dieser kritischen Phase entscheidet oft die Fähigkeit, die richtigen Talente zur richtigen Zeit an Bord zu holen, über den weiteren Erfolg. Strategisches Recruiting wird somit zum Schlüsselfaktor, um das Wachstum eines Unternehmens langfristig zu sichern. Doch wie können Startups sicherstellen, dass sie die richtigen Weichen stellen, um langfristig erfolgreich zu sein?

Was ist strategisches Recruiting?

Strategisches Recruiting ist ein bewusster Ansatz zur Einstellung von Mitarbeitenden, der sich an der Unternehmensstrategie orientiert. Es ist ein methodischer Ansatz, der auf langfristige Ziele, Unternehmenskultur und die spezifischen Anforderungen von Unternehmen abgestimmt ist. Besonders Startups, die skalieren, profitieren von einem strukturierten und durchdachten Recruiting-Prozess. Ein gutes Beispiel dafür ist Hubspot, das nach seinem Börsengang eine rasante Expansion durchlief. Das Unternehmen musste seine Belegschaft in kürzester Zeit verdoppeln und gleichzeitig mehrere internationale Standorte eröffnen – ein Erfolg, der maßgeblich durch strategisches Recruiting ermöglicht werden konnte.

Erfolgsstrategien für strategisches Recruiting

  • Strukturierten Einstellungsprozess aufbauen

Ein strukturierter und standardisierter Prozess ist entscheidend für erfolgreiche Einstellungen. Das beginnt mit einem klar definierten Plan für die Personalbeschaffung und einem gut durchdachten Prozess. Jede Rekrutierung sollte mit einer umfassenden Bedarfsanalyse beginnen – wen brauchen wir wirklich? Diese Analyse mündet in einer präzisen Stellenbeschreibung und einer darauf basierenden Ausschreibung. Der Bewerbungsprozess muss für alle Beteiligten transparent und leicht zugänglich gestaltet sein. Wichtig ist dabei die Datenerhebung während der Vorstellungsgespräche mit standardisierten Scorecards und einheitlichen Bewertungsmethoden. Dadurch wird sichergestellt, dass der Prozess fair sowie die besten Talente schnell erkannt werden und optimal zur ausgeschriebenen Position passen.

  • Investiert in ein Applicant Tracking System

Die Nutzung von Daten und Analysen im Rekrutierungsprozess ist heutzutage unverzichtbar. Tools wie Applicant Tracking Systems (ATS) ermöglichen es, den gesamten Prozess zu steuern und Daten strukturiert zu erfassen, was zu datengestützten Entscheidungen führt. ATS können Bewerbungen anhand vordefinierter Kriterien wie Berufserfahrung und spezifischen Fähigkeiten sortieren, was Personalverantwortlichen hilft, Kandidaten besser zu bewerten. Da die IT-Struktur der meisten Startups sehr modern ist, lässt sich ein ATS leicht integrieren – wenig Aufwand also, dafür viel Effizienz.

  • Konsistenz als Schlüssel zur Fairness

Fairness im Rekrutierungsprozess ist das Ergebnis eines konsistenten und strukturierten Ansatzes bei der Einstellung. Dies ist nicht nur ethisch notwendig, sondern kann auch einen Wettbewerbsvorteil für Startups darstellen. Interviewer:innen sollten klare, standardisierte Richtlinien haben, um die Fähigkeiten und Qualifikationen aller Bewerber:innen für eine bestimmte Position zu bewerten. Ein konsistenter Ansatz für jedes Interview, basierend auf einem vorgegebenen Fragenkatalog und einer transparenten Bewertung der für die jeweilige Rolle erforderlichen Fähigkeiten und Eigenschaften, minimiert Voreingenommenheit und fördert objektive Entscheidungen. Regelmäßige Schulungen für Interviewer:innen und die Einbindung vielfältiger Teams in den Auswahlprozess können zusätzliche Fairness gewährleisten.

  • Kümmert euch ums Employer Branding

Ein starkes Employer Branding ist entscheidend, um Top-Talente zu gewinnen. Startups sollten ihre Unternehmenskultur und -werte authentisch und konsistent kommunizieren. “Catfishing” durch eine unrealistische oder übertriebene Darstellung der Unternehmenskultur sollte vermieden werden. Gute Plattformen, um Einblicke hinter die Kulisse des Startups zu zeigen, sind Karriereseite, soziale Medien und Plattformen wie Kununu und Glassdoor. Gründer:innen sollten insbesondere Erfolgsgeschichten von Mitarbeitenden, Einblicke in den Arbeitsalltag und ihre Vision zeigen, um potenzielle Bewerber:innen  anzusprechen. Eine authentische Darstellung der Mission und Werte des Startups hilft, sich von größeren, etablierten Unternehmen abzuheben und lässt Bewerber:innen wissen, was sie erwartet.

  • Baut Talentepools auf

Der Aufbau von Talentpools ist eine proaktive Strategie, um zukünftige Rekrutierungsbedarfe schnell zu decken. Gründer:innen sollten kontinuierlich potenzielle Kandidaten identifizieren und Beziehungen zu ihnen pflegen, selbst wenn aktuell keine offenen Stellen verfügbar sind. Auch Bewerber:innen, die Potenzial haben, aber für eine aktuelle Ausschreibung nicht genommen wurden, können gefragt werden, ob sie in den Talentepool aufgenommen werden möchten. Netzwerke, Veranstaltungen und Online-Plattformen sollten ebenfalls genutzt werden, um in Kontakt zu bleiben. Ein gut gepflegter Talentpool bietet eine breite Basis an qualifizierten Talenten, auf die Recruiter in starken Wachstumsphasen schnell zurückgreifen können, wenn neue Positionen entstehen.

  • Nutzt moderne Software, um einen guten Einstellungsprozess zu gewährleisten

Moderne Rekrutierungssoftware ist entscheidend, um den Einstellungsprozess in Wachstumsphasen effizienter zu gestalten. Tools wie ein Applicant Tracking System (ATS) helfen dabei, zeitaufwendige Aufgaben wie die Sichtung von Lebensläufen oder die Terminierung von Vorstellungsgesprächen zu automatisieren. Künstliche Intelligenz kann ebenfalls eingesetzt werden, um Kandidaten basierend auf ihren Fähigkeiten und Erfahrungen zu identifizieren oder die Steuerung der Kommunikation mit Bewerber:innen zu optimieren. Es ist jedoch immer wichtig, sicherzustellen, dass der Einsatz von KI transparent und ethisch erfolgt, um Vorurteile und Diskriminierung zu vermeiden. Regelmäßige Überprüfungen der Algorithmen und eine Analyse des KI-Einsatzes gewährleisten faire und ausgewogene Ergebnisse.

Fazit

Die richtigen Talente zu finden und zu binden, ist der Schlüssel zum langfristigen Erfolg eines Startups, vor allem in Zeiten schnellen Wachstums. Mit einem gut durchdachten Rekrutierungsprozess kann man nicht nur strategisch einstellen, sondern auch eine starke, einheitliche Unternehmenskultur aufbauen. In einer Welt, in der der “War for Talent” Realität ist, ist cleveres Recruiting ein Muss. Startups, die diese Prinzipien umsetzen, sind bestens gerüstet, um den Markt zu meistern und nachhaltig zu wachsen.

Über den Autor


Jon Stross ist Präsident und Mitgründer von Greenhouse Software. Er ist Co-Autor des Buches “Talent Makers“, einer Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Implementierung eines strukturierten Einstellungsprozesses, der Talente anzieht und das Hiring zu einem Wettbewerbsvorteil macht. 

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#Gastbeitrag – 5 Habits, die Gründer:innen ein längeres Leben ermöglichen

Länger leben – ein Wunsch, der besonders in der Startup-Szene zunehmend an Bedeutung gewinnt. Gründer:innen stehen häufig unter Stress, wollen gleichzeitig aber möglichst viel Mehrwert schaffen. Immer mehr Unternehmer:innen sprechen davon, dass sie ihr Leben verlängern möchten. Die Longevity-Industrie lockt mit schnellen Lösungen, die oft aber nicht wissenschaftlich belegt sind oder langfristig nichts bringen. Im Gastbeitrag erklärt Dr. med. Christian Schlatzer, Facharzt der Inneren Medizin und Co-Founder von YEARS, was Gründer:innen stattdessen wirklich für ein längeres Leben tun können.

Was uns daran hindert, länger zu leben

Zunächst stellt sich die Frage, was Gründer:innen beim Thema Langlebigkeit überhaupt im Weg steht. Das Altern selbst ist ein Problem: Untersuchungen an Tieren zeigen, dass die Verlangsamung des Alterns die Lebenszeit um bis zu 25 Prozent verlängern könnte – und es Tiere gibt, die gar nicht zu altern scheinen, wie der Grönlandhai, der bis zu 400 Jahre alt werden kann. Die Altersforschung steht hier jedoch noch am Anfang, und bisherige Ergebnisse lassen sich noch nicht auf den Menschen übertragen.

Es gibt kein Longevity-Sofortmittel

Zahlreiche Anbieter werben mit schnellen Lösungen, die das Altern verlangsamen und das Leben verlängern sollen – von diversen Anti-Aging-Supplements und Infusions-Shots bis hin zu hyperbaren Sauerstoffbehandlungen. Das Problem: Es gibt bisher kein Longevity-Sofortmittel, das für alle funktioniert und langfristig wirkt. Selbst wenn manche Anwendungen kurzzeitig das Wohlbefinden steigern oder einzelne Blutwerte verbessern können, haben sie oft keine anhaltende, nachgewiesene Wirkung.

Der Stand der Forschung

Was wir aber wissen: Die häufigsten Todesursachen hierzulande für den Menschen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Gründer:innen, die chronischem Stress ausgesetzt sind, haben ein erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zu erleiden. Dabei sind über 50 Prozent dieser Erkrankungen vermeidbar – durch Dinge, die wir im Alltag beeinflussen können. Schon gängige Maßnahmen wie “Rauch’ nicht, iss’ gesund, treib’ Sport” können das Krankheitsrisiko deutlich senken. Im hektischen Alltag von Gründer:innen ist es oft aber gar nicht so einfach, all das umzusetzen. Daher sollten Schritt für Schritt gesündere Gewohnheiten aufgebaut werden. Hier sind fünf Healthy Habits, die bereits gut erforscht sind und sich auch für Gründer:innen eignen:

Bewegung: Regelmäßigkeit statt High Intensity

Anstatt sich einmal die Woche beim HIIT-Training völlig zu verausgaben, was dem Körper zusätzlich Stress zuführen kann, sollten Gründer:innen moderatere, dafür aber regelmäßige Bewegung in ihren Alltag integrieren. Der Schlüssel liegt in der Konsistenz: Bereits 20 Minuten Bewegung pro Tag können viel bewirken. Um Sport zur echten Routine zu machen, empfehlen sich Aktivitäten, die sich einfach im Alltag integrieren lassen und Zeit sparen, etwa durch möglichst kurze Wege. 

Dankbarkeit: Lohnt sich sogar fürs Herz

Menschen sind evolutionär darauf fokussiert, Gefahren zu erkennen und darauf zu reagieren, was oft zu einer negativen Grundeinstellung führt. Zusätzlich aktiviert dauerhafter Stress unser autonomes Nervensystem, wodurch unser Blutdruck steigt. Studien deuten darauf hin, dass bewusste Dankbarkeitsübungen sich nicht nur auf die psychische, sondern auch auf die körperliche Gesundheit auswirken: Dankbarkeit scheint den Rhythmus des Herzens beruhigen zu können, wodurch das Herzinfarkt-Risiko sinkt. Täglich bewusst Dankbarkeit zu üben, zum Beispiel mit einem Tagebuch, kann sich also doppelt lohnen und nicht nur eine positive Lebenseinstellung fördern, sondern sogar die langfristige Gesundheit.

Besserer Schlaf: Die Grundlage für Regeneration

Ausreichender, guter Schlaf ist essenziell für die Regeneration des Körpers – in die Tiefschlafphasen zu kommen ist dabei besonders wichtig. Dafür kann man viele kleine, aber wichtige Dinge verbessern, z. B. Koffein am Nachmittag vermeiden und regelmäßige Schlafenszeiten einhalten, auch am Wochenende. Zusätzlich sollten auch Gründer:innen mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen sämtliche Bildschirme aus der Hand legen, um die körpereigene Melatonin-Produktion nicht zu hemmen. Auch den Raum vor dem Schlafengehen herunterzukühlen und für Dunkelheit zu sorgen, kann helfen. Es sind die kleinen Dinge, die eine gute Schlafhygiene ausmachen – die ist gerade aber für Menschen mit stressigen Tagesabläufen umso wichtiger.

Beziehungen: Pflicht-Termine für die Gesundheit

Tatsächlich sind auch Beziehungen zu anderen Menschen ein wichtiger Faktor für die Gesundheit – da chronische Einsamkeit sich nicht nur negativ auf die mentale, sondern auch auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit auswirken kann. Daher sollten auch vielbeschäftigte Gründer:innen sich regelmäßig feste Terminblocker setzen, um Freunden und Familie genügend Zeit einzuräumen. Termine im Kalender können dabei helfen, entsprechend zu priorisieren. Zusätzlich kann es hilfreich sein, Lunch-Termine mit privaten Kontakten zu vereinbaren, um die Beziehungspflege zeitlich zu erleichtern.

Regelmäßige Check-ups: Für die Gesundheit von morgen sorgen

Viele Gründer:innen gehen erst dann zum Arzt, wenn es gar nicht mehr anders geht. Aber: Wenn Krankheiten schon aufgetreten sind, kann das oftmals zu spät sein. Denn einige Krankheiten sind im fortgeschrittenen Stadium nur schwer oder gar nicht mehr heilbar. Im Ernstfall bedeutet das: Man kämpft nur noch gegen die Krankheit und kann darüber hinaus nicht mehr viel leisten. Nur die Verlängerung der reinen Lebenszeit bringt also wenig, wenn diese nicht mehr genutzt und genossen werden kann – Der Fokus sollte deshalb darauf liegen, die gesunde Lebenszeit zu verlängern. Statt nur gegen bestehende Krankheiten vorzugehen, sollten wir uns aktiv für unsere Gesundheit von morgen einsetzen, um Risiken frühzeitig zu erkennen und einzugreifen, bevor Krankheiten auftreten. Dafür eignen sich regelmäßige, gründliche medizinische Vorsorgeuntersuchungen. Hierbei können Gründer:innen nicht nur Vorbilder für ihre Mitarbeitenden sein, sondern auch Corporate-Check-Up-Programme im Unternehmen anbieten.

Es gibt zwar kein Longevity-Sofortmittel. Wer aber die richtigen Routinen im Alltag etabliert und die künftige Gesundheit durch Prävention in die Hand nimmt, ermöglicht sich nicht nur ein längeres, sondern ein längeres gesundes Leben. Und somit eine Lebenszeit, in der man länger fit und aktiv bleiben kann, um sich um das Unternehmen zu kümmern – und das Leben zu genießen.

Über den Autor


Dr. med. Christian Schlatzer verfolgt als Co-Founder von YEARS die Mission, den Menschen mehr gesunde Lebensjahre zu ermöglichen. Durch seine langjährige Erfahrung als Arzt der Inneren Medizin am Universitätsspital Zürich weiß er, worauf es bei der Betreuung von Patienten, der Durchführung medizinischer Untersuchungen und der Anwendung wissenschaftlicher Methoden ankommt. Als Projektleiter bei McKinsey und Medical Affairs Manager bei AstraZeneca hat er zusätzlich strategische Erfahrungen gesammelt und weiß, wie man verschiedene Teams leitet und zusammenführt, um Lösungen voranzutreiben. Dr. med. Schlatzer kennt die Probleme des reaktiven Vorgehens in der Medizin, die meistens erst dann eingreift, wenn es schon zu spät ist und Krankheiten bereits aufgetreten sind. Die Folgen sind langwierige, intensive Behandlungen, hohe Kosten für das Gesundheitssystem und unnötiges Leid von Patienten und Angehörigen. Deshalb setzt sich Dr. med. Schlatzer heute dafür ein, Medizin neu zu denken, nach dem Motto: früher handeln, länger gesund leben. Präventiv statt reaktiv. Dafür bietet er mit YEARS umfassende Vorsorge-Untersuchungen in einer Klinik in Berlin an und entwickelt gemeinsam mit den Patienten ein individuelles Frühwarnsystem zur Erkennung von Krankheitsrisiken. So können sie schon heute für ihre Gesundheit von morgen vorsorgen – und eine längere gesunde Lebenszeit genießen.

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#Gastbeitrag – Vertical SaaS: Der Schlüssel zur Digitalisierung von KMUs

Lange Zeit herrschte die Meinung vor, dass horizontale SaaS-Unternehmen erfolgreicher sind als branchenspezifische vertikale SaaS-Unternehmen (VSaaS). Dies hat sich in den meisten Fällen auch bewahrheitet. Beispielsweise waren zwischen 2018 und 2021 von 80 Software-Börsengängen 76 % horizontale SaaS-Unternehmen, während nur 24 % branchenspezifische VSaaS-Unternehmen oder auch KMU-VSaaS-Unternehmen waren. KMU-VSaaS-Unternehmen entwickeln spezialisierte Software, die auf bestimmte Branchen zugeschnitten ist, vom Baugewerbe über das Hotel- und Gaststättengewerbe bis hin zum Gesundheitswesen, Restaurants und Fitnesszentren. 

Nachdem 20 Jahre lang horizontale SaaS-Unternehmen im Hauptinteresse von Investoren standen, scheinen nun VSaaS-Unternehmen in den Fokus zu rücken: Erfolgsgeschichten wie Toast (Marktkapitalisierung von mehr als 14 Mrd. USD), Procore (Marktkapitalisierung von mehr als 9,4 Mrd. USD) und ServiceTitan (Bewertung von mehr als 9 Mrd. USD) haben gezeigt, dass VSaaS-Geschäftsmodelle für KMU auch “Outlier” hervorbringen können. 

Und das ist erst der Anfang. Ich bin überzeugt, dass sich in den kommenden Jahren Innovation und Investitionen im Bereich VSaaS für KMU deutlich beschleunigen werden. Das liegt vor allem an vier Trends:

Generationswechsel: Jüngere Generationen von Unternehmenslenkern und -inhabern führen Branchen, die früher als traditionell oder “altmodisch” galten, in die digitale Zukunft. Zudem haben viele kleine Unternehmen Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal einzustellen und zu halten. Dieser Mangel erhöht den Druck auf die Unternehmen, Technologie einzusetzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Entwicklung von Embedded Finance: Mit dem Wachstum von Banking-as-a-Service-Anbietern werden Finanzdienstleistungen wie Zahlungen, Kredite, Kontoführung und mehr zunehmend in VSaaS integriert. Dies wirkt sich positiv auf das Geschäftsmodell aus und stärkt den jährlichen Vertragswert (Annual Contract Value, ACV) und die Kundenbindung, da viele alltägliche Transaktionen von kleinen Unternehmen abgewickelt werden.

Marktreife: Die zunehmende Integration digitaler Lösungen hat die Nachfrage nach spezialisierter Software erhöht. KMU müssen modernisiert werden und benötigen benutzerfreundliche Tools, um mit großen multinationalen Unternehmen konkurrieren zu können.

KI-Revolution: KMU, die VSaaS anbieten, verfügen über einen großen Datenschatz, der sie in die einzigartige Lage versetzt, von der KI-Revolution zu profitieren. KI wird die Automatisierung von Arbeitsabläufen (automatische Notizen, Termin-Bots, Entscheidungshilfen) und Business Intelligence (dynamische Preisgestaltung, prädiktive Analysen) weiter vorantreiben und so zu erheblichen Produktivitätssteigerungen führen.

Was sind die Erfolgsfaktoren von vertikalen SaaS-Unternehmen?





Meiner Erfahrung nach hängt der Erfolg von VSaaS-Unternehmen von mehreren Schlüsselfaktoren ab:

Multi-Produkt-Strategie

Durch eine Multi-Produkt-Strategie können Unternehmen verschiedene direkte und indirekte Einnahmequellen erschließen. Erfolgreiche VSaaS-Unternehmen haben sich zu führenden Plattformen entwickelt, indem sie ihr Produktangebot diversifiziert haben, einschließlich Dienstleistungen wie Zahlungen, Analysen, E-Commerce, Fintech und Marketing. Diese Unternehmen weisen höhere ACV-, Lifetime-Value (LTV)- und Nettoumsatz-Bindungsarten auf, was zu einem größeren adressierbaren Gesamtmarkt (TAM), schnellerem Wachstum und höherer Rentabilität führt.

Steigerung des durchschnittlichen Vertragswerts (ACV)

Der ACV ist eine zentrale Kennzahl, die kontinuierlich gesteigert werden sollte. Erfolgreichen VSaaS-Unternehmen gelingt es häufig, ihren ACV innerhalb von 5 bis 10 Jahren zu verdoppeln oder zu verdreifachen. Dies wird durch die Einführung zusätzlicher Module, Premium-Tarife, Up-Market-Strategien oder durch Kundenwachstum erreicht. VSaaS-ACVs können zwischen 1.000 und 60.000 US-Dollar liegen und im Laufe der Zeit durch Upselling und neue Produkterweiterungen weiter steigen.

Fintech-Produkte als Schlüssel zum Erfolg

Fintech-Produkte machen häufig einen erheblichen Teil der Einnahmen von VSaaS-Unternehmen aus. Die meisten börsennotierten VSaaS-Unternehmen erzielen mehr als 50 % ihres Umsatzes mit Finanzdienstleistungen. Ein Beispiel hierfür ist Toast, dessen Fintech-Lösungen mehr als 80 % des Gesamtumsatzes ausmachen. Weitere Finanzdienstleistungen könnten beispielsweise Gehaltsabrechnungskredite oder Karten für das Ausgabenmanagement sein.

Vergrößerung des TAM

VSaaS-Unternehmen benötigen Zielmärkte, die groß genug sind, wobei in Europa viele Märkte oft zu klein sind, um ein Unicorn in einem einzigen Land aufzubauen. Daher müssen Gründer das ideale Kundenprofil (ICP) sowie das Produkt erweitern und in zusätzliche internationale Märkte expandieren. Die Wahl des richtigen Vertriebskanals ist ebenfalls entscheidend; oft müssen verschiedene Kanäle kombiniert werden, um die richtige Balance zwischen Wachstum und Kosteneffizienz zu finden.

Die Macht der Community

Der Aufbau einer Community – sei es online über Plattformen wie YouTube und Slack oder offline über Konferenzen und Veranstaltungen – ist für die Entwicklung eines VSaaS-Produkts von entscheidender Bedeutung. Communities ermöglichen es, die Stimme des Kunden zu sein und als Meinungsführer in der Branche zu agieren. Viele Branchen haben Verbände, Communities oder Konferenzen gegründet, um die Glaubwürdigkeit ihrer Marke zu stärken.

M&A als Weg zur Internationalisierung und Verbesserung des Produkts

Die meisten führenden VSaaS-Unternehmen haben mehrere Übernahmen getätigt, um international zu wachsen oder ihr Produktangebot zu erweitern. Im Vergleich zu traditionellen Go-to-Market-Strategien kann M&A ein kostengünstiger Weg sein, um Kunden zu gewinnen.

Exit-Szenarien

Während Börsengänge im VSaaS-Bereich eher selten sind, sind Übernahmen durch Private-Equity-Gesellschaften eine häufigere Exit-Möglichkeit. Für Private-Equity-Gesellschaften sind VSaaS-Unternehmen besonders attraktiv, da sie sich gut für Roll-up-Strategien eignen.

Über die Autorin


Lucile Cornet ist Partnerin bei Eight Roads Ventures und spezialisiert auf Software und Finanzdienstleistungen. Sie ist begeistert von der europäischen Startup-Community und glaubt, dass hier die nächste Generation globaler Marktführer entstehen wird. Eight Roads ist eine globale Risikokapitalgesellschaft mit einem verwalteten Vermögen von 11 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen investiert in die Bereiche B2B SaaS, Konsumgüter, FinTech und Gesundheitswesen und konzentriert sich auf Investitionen zwischen 10 und 50 Millionen US-Dollar.

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#Gastbeitrag – Was braucht es wirklich, um ein Startup zu gründen? 5 Learnings aus der Praxis

#Gastbeitrag

Fast jeder zweite junge Mensch kann sich vorstellen, ein Startup zu gründen. Aber nur jede sechste Person macht es. Unter anderem, weil sie denken, es fehle ihnen an Kompetenzen. Was braucht es wirklich, um ein Startup zu gründen? Ein Gastbeitrag von Christian Steiger.

Was braucht es wirklich, um ein Startup zu gründen? 5 Learnings aus der Praxis

Donnerstag, 19. September 2024VonTeam

In einer aktuellen Bertelsmann Studie wurden junge Menschen zwischen 14 und 25 befragt, ob sie sich vorstellen können, ein Unternehmen zu gründen. Fast jede zweite Person kann sich das vorstellen, aber nur jede sechste Person zwischen 18 und 24 Jahren gründet laut Global Entrepreneurship Monitor 2023 wirklich. Unsicherheit, fehlendes Zutrauen und Wissen sind Hauptgründe, die sie vor einer Gründung zurückschrecken lassen. 

Christian Steiger ist Geschäftsführer von Lexware. Während seines Studiums hat er selbstständig als Musikproduzent gearbeitet, später ein Startup und 2012 innerhalb von Lexware die Cloud-Lösung lexoffice gegründet. Aus diesen diversen Erfahrungen verrät er (zukünftigen) Gründer:innen seine 5 wichtigsten Learnings und Tipps. 

Ausdauer ist der neue Mut

Oft wird mit der Gründung oder der Selbstständigkeit Mut verbunden. Und das ist auch sicher richtig. Ich bin aber der Überzeugung, dass man weniger Mut braucht, wenn man Ausdauer hat. Was bedeutet das? Natürlich gibt es frustrierende Momente bei einer Unternehmensgründung, aber entscheidend ist es, daraus zu lernen und sich zu verbessern. Als ich als Student mit der Musikproduktion anfing, war alles, was ich hatte, ein günstiges Keyboard. Es klang nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber mit einer Software habe ich herausgefunden, was mit MIDI und Samples machbar ist. Die ersten Tracks wurden von Plattenlabels abgelehnt, oft ohne jegliches Feedback. Aber wir haben weiter daran gearbeitet, unsere Musik zu verstehen und zu verbessern und die Anforderungen der Labels zu erfüllen. Nach viel Übung und Beharrlichkeit kam 1997 dann unser erster Release. Der Schlüssel war: dranbleiben. Diese Schlüsselkompetenz kann man schon sehr früh trainieren, sei es beim Sport, beim Lernen oder bei der Musik. 

Eigenverantwortung meets Absprache und Aussprache

Entscheidungen können logischerweise in eine falsche Richtung führen. Genau hier liegt die entscheidende Kompetenz: Wird eine Fehlentscheidung lange gerechtfertigt, oder geht man direkt in den Lernmodus und macht es dadurch besser? Hier helfen die Prinzipien der Absprache und Aussprache: Lebt man die Absprache (z.B. gesetzte Ziele, To-Dos aus dem Team) und übernimmt damit die Verantwortung? Führt man die Aussprache (Ergebnisbewertung) und hat das Vertrauen, vor allem in Konfliktsituationen, die Dinge anzusprechen? Hier findet das eigentliche Lernen und Verbessern statt. Solche offenen und ehrlichen Diskussionen fördern das Wachstum und die Weiterentwicklung. Diese Haltung von Absprache und Aussprache kann man auch sehr gut im Alltag umsetzen, zum Beispiel in der Kommunikation mit Freunden und Familie.

Never fall in love with the prototype

Loslassen ist wichtig, weil man sich sonst nicht verbessern kann. Man steht sich dann selbst im Weg. Daher orientiere ich mich an dieser Regel: “Never fall in love with your prototype”. In der Produktentwicklung (und auch in anderen Bereichen) ist ein Prototyp immer ein Werkzeug zur Weiterentwicklung – nie das Endziel. Ein Prototyp ist dazu da, getestet und verbessert zu werden. Es ist unsere Aufgabe, Fehler und Schwachstellen zu identifizieren und zu beheben. Nur so kann ich sicherstellen, dass das Endprodukt den höchsten Ansprüchen genügt. Ich muss also bereit sein, radikale Änderungen vorzunehmen. Ich muss offen für neue Ideen sein, auch wenn ich mich von meinem ursprünglichen Konzept entfernen muss. Hier helfen eine agile Arbeitsweise und Feedback. Bei Lexware stellen wir uns Ergebnisse zum Beispiel nach zwei Wochen immer wieder vor, um Feedback in allen Teams zu erhalten. Spätestens nach vier Wochen geht es dann direkt zu den Kund:innen, denn die entscheiden am Ende, ob es gut ist oder nicht. 

Einfach machen

Wenn man ein eigenes Unternehmen mit einem klaren Ziel aufbauen möchte, sollte man voll einsteigen. Wie bereits erwähnt, müssen Unternehmer:innen Risiken eingehen und Chancen ergreifen. Was aber auf jeden Fall vorbereitet werden kann und zu den ersten Aufgaben gehören sollte: Sich die passenden digitalen Tools zu Hilfe nehmen. Es gibt viele Dinge zu erledigen, die das Unternehmen nicht wirklich voranbringen, aber gemacht werden müssen: Verträge, Notar, Versicherungen und viel Regulatorisches. Als ich damals als Musikproduzent gestartet bin, waren wir noch viel weiter von einem digitalen Weg entfernt als heute. Ich bin einmal die Woche zur Steuerfachangestellten einer Kanzlei gegangen und habe alle Belege vorbeigebracht. Auf meine Frage: “Können wir die Rechnungen nicht einfach als Datei nutzen?”, war die Antwort der Kanzlei: “Besser, ich drucke sie schön farbig aus, das mag der Prüfer.” Es ist erschreckend, wie umständlich administrative Prozesse heute immer noch sind. Für den ganzen administrativen Aufwand empfehle ich daher ganz klar ein digitales Tool, um es so einfach wie möglich zu machen.  

Erarbeite dir ein Netzwerk 

Ein Netzwerk, Partner:in und Familie sowie der klare Wille, es zu schaffen, sind entscheidend. Denn der Austausch mit Gleichgesinnten oder Menschen in ähnlichen Situationen hilft sehr. Zum einen erkennt man schnell, dass man mit seinen Themen nicht allein ist, und zum anderen lernt man im Idealfall neues Rüstzeug, um besser durch kritische Zeiten zu gehen. Man wird dadurch resilienter. Im inneren Kreis sollte man maximal offen sein und nichts verstecken oder sich schönreden. Nur dann kann man eigene Schwächen erkennen und beispielsweise andere Menschen an Bord holen, die diese besser abdecken können. Das ist nicht nur gut für das Unternehmen, sondern man kann gleichzeitig seine eigenen Stärken weiterentwickeln und von anderen dazulernen. Mein Tipp für den Netzwerkaufbau: Einmal auf einem Event zu erscheinen reicht nicht. Man muss schon mindestens dreimal präsent sein, um ein belastbares Netzwerk aufzubauen. Auch dafür sollte man sich Zeit nehmen. 

Ich bin überzeugt, dass der Fortschritt unseres Landes – wirtschaftlich wie gesellschaftlich – von Unternehmer:innen abhängt. Sie treiben Innovation voran und entwickeln unsere Gesellschaft und Wirtschaft durch neue Technologien, Geschäftsideen und Lösungen weiter. Deshalb hoffe ich, dass die Zahl der Personen, die sich nicht nur vorstellen können, ein Unternehmen zu gründen, sondern auch tatsächlich gründen, in den nächsten Jahren nach oben geht. 

Über den Autor


Christian Steiger ist seit 2019 Geschäftsführer von Lexware. Seine Vision: Unternehmensführung einfach machen, damit Unternehmer:innen einfach Machen können. Gemeinsam mit seinem Team baut er das Lexware Software-Angebot mit Hilfe von Automatisierung und künstlicher Intelligenz zum digitalen Partner für Selbstständige, Kleinunternehmen und Startups aus. Als Gründer eines Startups kennt er die Hürden im Gründungsprozess und setzt sich für weniger Bürokratie und mehr Digitalisierung von Geschäftsprozessen ein.

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