#Gastbeitrag – VC-Markt bleibt unter Druck

#Gastbeitrag

Der globale Wagniskapitalmarkt bleibt unter Druck. Hoffnung auf ein besseres globales Fundraising-Klima und einen neuen IPO-Zyklus im kommenden Jahr schürt die US-Präsidentschaftswahl: Historisch betrachtet nahm die IPO-Tätigkeit im Jahr nach einer US-Wahl häufig zu.

VC-Markt bleibt unter Druck

Freitag, 8. November 2024VonTeam

Der globale Wagniskapitalmarkt bleibt unter Druck – das zeigen aktuelle Zahlen von Crunchbase. So konnten Startups im letzten Quartal 15 % weniger Kapital im Vergleich zum Vorjahr einsammeln. Ein Dämpfer, nachdem die Zeichen zuvor vorsichtig auf Erholung standen. Besonders heftig trifft der Rücksetzer Europa. Der alte Kontinent verzeichnete das schlechteste Quartal seit vier Jahren und büßte im Jahresvergleich fast 40 % Funding-Volumen ein. Entsprechend wundert es kaum, dass hierzulande die Anzahl der Startup-Insolvenzen auf Rekordniveau und die der Unicorns rückläufig ist. Mehr noch: Laut einer Analyse von Pitchbook könnte der kumulierte Wert aller europäischen Einhörner im Zuge von anstehenden Downrounds um insgesamt rund 100 Milliarden US-Dollar schmelzen. 

Auch Vorzeigestartups zunehmend unter Druck

Auch die Finanzierungszyklen werden länger – und sorgen mancherorts für Liquiditätsprobleme. So müssen Startups aktuell durchschnittlich 19 Monate mit einer Finanzierungsrunde zurechtkommen, verglichen mit durchschnittlich 15 Monaten auf dem Höhepunkt des letzten Booms. Ein Grund dafür ist nicht zuletzt, dass der Exit-Markt weiterhin schwächelt und VCs inzwischen deutlich weniger Dry Powder zur Verfügung haben. Dass unter dem fortwährend angespannten Umfeld und der insgesamt schwierigen konjunkturellen Lage auch (einstige) Vorzeigestartups leiden, zeigt nicht nur die spektakuläre Bauchlandung von Lilium, sondern auch die aktuelle Entlassungswelle bei Solaris – dort trennte man sich im Oktober von rund einem Drittel der Belegschaft. 

Family Offices und WIN-Initiative als neue Hoffnungsträger?

Während viele Startups in Europa also aktuell unter der Investitionszurückhaltung von VCs leiden, zeigt sich im deutschen Markt ein vielversprechender Trend: So engagieren sich Family Offices so stark wie nie zuvor in der Startup-Finanzierung, wie das Handelsblatt berichtet. Ein Schritt in die richtige Richtung, fraglos. Ebenfalls positiv: Mit der sogenannten WIN-Initiative plant die Bundesregierung, bis 2030 rund 12 Milliarden Euro zu mobilisieren, um das deutsche Startup-Ökosystem zu fördern. Dabei setzt sich ein Zusammenschluss aus Politik, Wirtschaft und KfW für weniger Bürokratie und mehr privates Kapital ein, um ein innovationsfreundlicheres Umfeld zu schaffen. Doch damit es langfristig mehr Startups Made (and Funded) in Germany and Europe gibt, braucht es nicht nur mehr Kapital, sondern auch mehr und bessere Innovationsökosysteme nach US-amerikanischem Vorbild, wie Helmut Schönenberger, Mitbegründer der UnternehmerTUM, dies kürzlich in einem Gastbeitrag forderte. 

Treibt die US-Wahl einen neuen IPO-Zyklus an?

Hoffnung auf ein besseres globales Fundraising-Klima und einen neuen IPO-Zyklus im kommenden Jahr schürt die US-Präsidentschaftswahl: Historisch betrachtet nahm die IPO-Tätigkeit im Jahr nach einer US-Wahl – unabhängig von ihrem Ausgang – häufig zu, wie eine Analyse von Crunchbase zeigt. Dass dies in 2025 wieder gelingt, scheint angesichts allgemein erwarteter Zinssenkungen gut möglich – und wäre angesichts der anhaltenden Tristesse in weiten Teilen der Startup-Landschaft auch bitter nötig. 

Trotz Mega-Runde von OpenAI – Droht eine Konsolidierung bei AI-Startups?

Doch während viele Startups aktuell hart um ihre Finanzierung kämpfen müssen, scheint sich der Höhenflug für AI-Startups fortzusetzen, wie die Mega-Runde von OpenAI unterstreicht. Der AI-Pionier sammelte im Oktober 6,6 Milliarden US-Dollar und damit die größte Finanzierungsrunde aller Zeiten ein. Zuletzt floss fast ein Drittel des global investierten Wagniskapitals in AI-Startups. Dass der AI-Hype indes in naher Zukunft seinen vorläufigen Höhepunkt erreichen könnte, implizieren folgende Zahlen: So sind die Anzahl der Seed-Runden und auch das Gesamtvolumen von Seed-Finanzierungen von AI-Startups zuletzt rückläufig gewesen. Es ist nicht auszuschließen, dass hier in den kommenden Monaten eine Konsolidierung beginnt, da sich angesichts extrem hoher Bewertungen und abflauenden Wachstums die Anzeichen für eine Blasenbildung mehren. Dem AI-Sektor an sich würde eine solche Konsolidierung sicherlich nicht schaden, doch klar ist auch: Gerät das Zugpferd AI in den kommenden Monaten tatsächlich ins Stolpern, dürfte der gesamte Venture-Capital-Markt den nächsten massiven Stresstest erleben – und der Wettbewerb um Wagniskapital noch intensiver werden.

Über den Autor


Nils Langhans ist Geschäftsführer der Strategieberatung KAUFMANN / LANGHANS. Er berät Startups beim Fundraising und bei der Entwicklung ihrer Equity Story – von der Pre-Seed- bis zur Later-Stage-Finanzierung.

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#Gastbeitrag – Führen statt Kontrollieren: Der Weg aus der Mikromanagement-Falle

#Gastbeitrag

Mikromanagement ist die Tendenz, jede kleine Aufgabe und jedes Detail in der Arbeit deines Teams genau zu kontrollieren. Du mischst dich ständig ein, weil du Angst hast, dass ohne deine Anleitung etwas schiefgehen könnte. Ein Gastbeitrag von Dorothea von Wichert-Nick.

Führen statt Kontrollieren: Der Weg aus der Mikromanagement-Falle

Dienstag, 5. November 2024VonTeam

Als Gründer:in bist du von Anfang an in jeden Aspekt deines Startups involviert – von der ersten Produktidee bis hin zu Marketing, Vertrieb und Teamaufbau. Du hast jede Entscheidung selbst getroffen und den Erfolg deines Unternehmens auf deinen Schultern getragen. Doch mit dem Wachstum deines Unternehmens ändert sich deine Rolle. Du musst Aufgaben abgeben, um dich auf das Wesentliche zu konzentrieren – Strategie, Wachstum, Vision. Doch hier beginnt die Herausforderung: Wie schaffst du es, die Verantwortung abzugeben und dein Team eigenständig arbeiten zu lassen, ohne das Gefühl zu haben, die Kontrolle zu verlieren? Viele Gründer:innen geraten an diesem Punkt in die Mikromanagement-Falle. Du möchtest loslassen, aber sobald etwas nicht nach Plan läuft, fühlst du dich gezwungen, einzugreifen und alle Fäden wieder in die Hand zu nehmen. Und genau das sollte nicht passieren.

Was ist Mikromanagement eigentlich?

Mikromanagement ist die Tendenz, jede kleine Aufgabe und jedes Detail in der Arbeit deines Teams genau zu kontrollieren. Du mischst dich ständig ein, weil du Angst hast, dass ohne deine Anleitung etwas schiefgehen könnte. Als Mikromanager:in bist du immer präsent – oft so sehr, dass du deinem Team keinen Raum für eigene Entscheidungen lässt. Du gibst ihnen nicht die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, weil du alles selbst im Griff haben willst.

Aus meiner Erfahrung als Coach weiß ich, dass viele Gründer:innen oft gar nicht merken, dass sie in diese Rolle rutschen. Schließlich sind sie es gewohnt, dass ihr Erfolg von ihrem eigenen Engagement abhängt. Aber Mikromanagement hat seinen Preis: Es bremst das Team aus, demotiviert es und führt dazu, dass niemand wirklich Verantwortung übernimmt, denn am Ende wird es vom Management sowieso kontrolliert. Wenn ein Team nur noch Probleme auf den Tisch legt anstatt Lösungen, ist es bereits zu spät. Du ertrinkst in Aufgaben und hast keine Zeit mehr für strategisches Denken. Kurz gesagt: Du wirst zum Bottleneck deines eigenen Unternehmens.

Hier kommen ein paar typische Anzeichen, dass du ins Mikromanagement abrutschst:

  • Du überprüfst ständig die Arbeit deines Teams und gibst unaufgefordert Feedback, selbst bei kleineren Aufgaben.
  • Du hast das Gefühl, dass ohne deine Einmischung nichts läuft – und oft stimmt das dann sogar.
  • Du hast keine Zeit mehr für langfristige Planungen, weil du dich nur noch um operative Details kümmerst.
  • Dein Team ist unmotiviert oder traut sich nicht, eigene Entscheidungen zu treffen.

Ein solches Verhalten führt langfristig zur Erschöpfung – von dir und deinem Team. Denn du kannst nicht alles kontrollieren. 

Zu viel Freiraum ist auch keine Lösung

Manche Führungskräfte gehen ins andere Extrem und führen mit zu langer Leine. Sie vertrauen ihrem Team, übergeben große Projekte, ohne sicherzustellen, dass die Mitarbeitenden dafür wirklich bereit sind. Die Botschaft: “Du schaffst das schon!”

Doch dabei verlieren sie oft den Überblick und merken nicht, wenn ihr Team überfordert ist. Das Ergebnis: Das Projekt läuft aus dem Ruder, und die Führungskraft muss wieder eingreifen – und landet damit wieder im Mikromanagement. Spätestens, wenn es wiederholte Qualitätsprobleme gibt und Mitarbeitende überlastet sind, gilt es deine Führungsstrategie zu überdenken. Zu viel Freiraum ist im Gegensatz zu Mikromanagement nämlich auch keine Lösung.

Der Schlüssel zur Balance: Vertrauen und klare Strukturen

Der Ausweg aus der Mikromanagement-Falle liegt in der Balance zwischen Vertrauen und Führung. Vertrauen bedeutet nicht, dass du dich komplett zurückziehen musst und dein Team allein lässt. Du musst lernen, Aufgaben abzugeben, ohne das Ergebnis aus den Augen zu verlieren. Schaffe klare Strukturen. Setze Erwartungen, definiere Meilensteine und lass deinem Team Raum, selbst zu entscheiden, wie es diese erreicht. Regelmäßige Check-ins statt ständiger Kontrolle helfen dir, den Überblick zu behalten. So bist du informiert, ohne jede Kleinigkeit steuern zu müssen. Schenke deinen Mitarbeitenden das Vertrauen, dass sie auch ohne deine Einmischung erfolgreich sind.

Das Ergebnis: höhere Motivation und bessere Ergebnisse.

5 Schritte, um der Mikromanagement-Falle zu entgehen

Zum Schluss möchte ich dir fünf konkrete Schritte an die Hand geben, die dir helfen, gar nicht erst in die Mikromanagement-Falle zu tappen:

  • Verstehe die Stärken und Schwächen deines Teams: Setze die richtigen Leute für die richtigen Aufgaben ein. Wenn du weißt, wo ihre Stärken liegen, fällt es dir leichter, Aufgaben abzugeben.
  • Kommuniziere klare Ziele und Erwartungen: Dein Team braucht klare Orientierung. Definiere das “Was”, aber nicht das “Wie”. Gib ihnen die Freiheit, selbst herauszufinden, wie sie die Ziele erreichen.
  • Check-ins statt Kontrolle: Implementiere regelmäßige Check-ins, um den Fortschritt zu verfolgen. Das gibt dir die Sicherheit, dass alles auf Kurs ist, ohne dass du dich in die Details einmischst.
  • Gib deinem Team die nötigen Ressourcen: Damit dein Team erfolgreich sein kann, braucht es die richtigen Werkzeuge, Schulungen und Unterstützung. Das kann auch ein externer Coach sein.
  • Lerne, loszulassen: Akzeptiere, dass einige Dinge anders gemacht werden, als du es vielleicht tun würdest. Konzentriere dich auf das Ergebnis und vertraue deinem Team, dass es den besten Weg findet.

Nur so schaffst du ein Umfeld, in dem dein Team Verantwortung übernimmt und du dich auf das Wesentliche konzentrieren kannst: die Weiterentwicklung deines Startups.

Über die Autorin


Dorothea von Wichert-Nick widmet sich nach einer äußerst erfolgreichen Karriere in der Geschäftsführung digitaler Beratungsunternehmen (u.a. AltmanSolon, etventure, affilinet) der Förderung von erfahrenen Führungskräften. In einer herausfordernden Zeit für Startups und Gründer unterstützt sie mit ihrem Unternehmen volate ihre Klienten dabei, neue Perspektiven zu entwickeln und ihre Führungsfähigkeiten an die sich ständig wandelnden Anforderungen anzupassen. Seit der Gründung von volate vor fünf Jahren hat sie mehr als 160 Gründer und Gründerteams begleitet.

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#Gastbeitrag – So unterscheiden sich das deutsche und nordische Startup-Ökosystem

Als Venture Capitalist aus Dänemark habe ich in den letzten Jahren umfassende Einblicke in die Dynamik zwischen dem deutschen und dem nordischen Startup-Ökosystem bekommen. Beide Regionen bieten einzigartige Vorteile und stehen vor unterschiedlichen Herausforderungen. 

Das Startup-Ökosystem in Deutschland – Europas größter Volkswirtschaft – hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten stark entwickelt, angetrieben durch eine bessere Regulierung, Zugang zu Kapital und eine akademische Infrastruktur, die Unternehmertum fördert. In den nordischen Ländern hingegen sehen wir weiterhin ein sehr starkes Engagement seitens LPs für Technologie, Innovation und zunehmend dynamische Tech-Hubs in und außerhalb der Hauptstädte wie Stockholm, Kopenhagen und Helsinki.

Auch wenn Größe und Entwicklungsstand der Ökosysteme noch recht unterschiedlich sind – ich sehe viele Synergien und Verbindungen. 

Viel Kapital für Innovation und Unternehmertum in den nordischen Ländern 

Die nordischen Länder – Finnland, Schweden und Dänemark – sind traditionell für ihr großes Engagement bei Investments für Innovationen und Entrepreneurship bekannt, d.h. ein großer Prozentsatz des BIP fließt in Private Equity und Venture Capital Investitionen: Die nordischen Länder investieren zwischen 0,76 % und 0,83 % ihres BIP in Startup-Unternehmen. Dies zeugt von einem starken Engagement für die Förderung von Innovationen und die Unterstützung von Gründern.

Seit vielen Jahren unterstützen die nordischen Staatsfonds das Startup-Ökosystem intensiv; Fonds wie EIFO, Sam Invest/Ami und Investinor sind Katalysatoren für ihre jeweiligen Ökosysteme. Hingegen werden in Deutschland nur 0,31 % des BIP für Startup-Investitionen ausgegeben. Damit liegt Deutschland nicht nur unter den nordischen Investitionsquoten, sondern auch unterhalb des europäischen Durchschnitts von 0,46 %. 

Auf der anderen Seite gibt es in Deutschland mehr Wachstumskapital für Startups und Scale-ups. 

Deutsche Startups sind Vorreiter im B2B-Bereich / Digitalisierung des Mittelstandes 

Das Deutsche Ökosystem ist besonders stark im Bereich Vertical SaaS – nicht zuletzt sicherlich, weil Deutschland im Bereich Mittelstand und Industrie sehr stark aufgestellt ist. Darüber hinaus sehen wir in Deutschland geraden einen starken Aufschwung bei KI-basierten Startups, insbesondere im B2B-Sektor. Dieser Trend macht den Standort Deutschland für uns als Investor immer attraktiver. Die größte Chance für Innovation und Wachstum in Deutschland wird in meinen Augen die Digitalisierung des deutschen Mittelstands sein.

Zudem gibt es in meinen Augen großes Potential für technische Startups und Universitäts Ausgründungen. Deutschlands zahlreiche Universitäten und Forschungseinrichtungen schaffen eine starke Bildungslandschaft, allen voran technische Universitäten wie die TU München, das Karlsruher Institut für Technologie und die RWTH Aachen. Viele Studenten gründen während ihres Studiums ihr erstes Unternehmen. Die Hälfte aller Startups in Deutschland wird derzeit von ihren Hochschulen bei der Gründung unterstützt. 

Wir freuen uns darauf, mit deutschen Unternehmern und Investoren zusammenzuarbeiten, um den Mittelstand in Deutschland – und darüber hinaus – zu digitalisieren.

Nordische Startups – global ausgerichtet seit Tag 1

Die internationale Ausrichtung von Startups in den nordischen Ländern, insbesondere in Dänemark, ist ein Alleinstellungsmerkmal für die Entwicklung und Skalierung von Startups. Skandinavische Startups sind vom ersten Tag an global ausgerichtet, was es ihnen ermöglicht, auf weltweiten Märkten zu agieren und zu wachsen. Diese globale Denkweise wird durch ein hohes Maß an Innovation und eine positive Haltung gegenüber Startups im nordischen Raum verstärkt. 

Zusätzlich unterstützen die Regierungen der nordischen Länder Startups aktiv durch viele Programme und Initiativen, was die Rahmenbedingungen für ihren Erfolg weiter verbessert. Die enge Vernetzung innerhalb der nordischen Startup-Szene erleichtert zudem den Zugang zu Wissen, Ressourcen und potenziellen Partnern, was die internationale Expansion von Unternehmen effektiv unterstützt.

Während das deutsche Startup-Ökosystem dem Nordischen sicherlich ein Jahrzehnt voraus ist – und hauptsächlich organisch mit Ökosystemen um Rocket Internet, Zalando und dergleichen wuchs, verfügt Dänemark mit rund 20.000 Startups pro Jahr über eine der dynamischsten Startup-Szenen in Europa. Die Szene konzentriert sich zwar weitgehend auf Kopenhagen, wo etwa 40 % dieser Unternehmen angesiedelt sind, aber auch in der Stadt Aarhus entstehen interessante Unternehmen, was dem dänischen Ökosystem eine weitere Dimension verleiht. In den nordischen Ländern sind Fintech (z. B. Klarna, Pleo) und digitale Unterhaltung (z. B. Supercell, King) traditionell stark vertreten.

Brücken bauen, oder: Was wir voneinander lernen können

Als dänischer VC, der in den nordischen Ländern und in Europa investiert und viel Zeit in Deutschland verbracht hat, denke ich, dass wir uns stärker zwischen den Ökosystemen vernetzen sollten: Mehr Austausch, gegenseitige Besuche – bei Konferenzen und Events – und darüber hinaus natürlich auch mehr gemeinsame Investitionen. 

Ich sehe viele Möglichkeiten für mehr Co-Investments und  mehr Zusammenarbeit – zwischen VCs und Gründern, und nicht zuletzt zwischen LPs. Es wäre schön, wenn sich auch die LPs stärker vernetzen würden, denn sowohl das nordische als auch das deutsche Ökosystem haben starke, sich ergänzende Assets.

Wir lernen viel von deutschen Gründer:innen und -Investor:innen – wir freuen uns darauf, ihr Partner zu sein, wenn es darum geht, den Weg in die nordischen Märkte zu ebnen. Besonders begeistert sind wir vor allem darüber, was wir in den Bereichen B2B, Vertical Saas, Fintech, DevOps, Industrie 4.0 und Manufacturing, Logistics sehen und was die Zukunft hier zu bieten hat. 

Über den Autor


Carsten Salling ist General Partner bei Dreamcraft Ventures. Vor seiner Zeit bei Dreamcraft war Carsten in Führungspositionen bei der dänischen Armee und bei Maersk (ein globales Schifffahrts- und Logistikunternehmen) tätig – und hat umfangreiche Erfahrung in den Bereichen Innovation und BizDev. Carsten ist Absolvent der Danish Army Officers Academy und der Copenhagen Business School.

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#Gastbeitrag – Die Mischung machts: Bootstrapping und Investitionen kombiniert

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Aus der Not heraus setzen Gründer:innen auf Bootstrapping, bevor sie mit Investitionen das Geschäftswachstum beschleunigen. Das hat einige Vorteile. Außen vor bleiben kapitalintensive Geschäftsmodelle. Ein Gastbeitrag von Florian Bogenschütz.

Die Mischung machts: Bootstrapping und Investitionen kombiniert

Montag, 28. Oktober 2024VonTeam

Nach der zündenden Idee und den ersten “Gehversuchen” stellt sich Gründer:innen die Frage nach der Finanzierung. Die Möglichkeiten sind mannigfaltig und laufen doch meist auf zwei Optionen hinaus – Bootstrapping oder Investment. Aber warum wählen, wenn beide zusammen zum Erfolg führen können? Bei der geschickten Kombination der beiden Finanzierungsmodelle greifen Startups zunächst auf die Ersparnisse der Gründer:innen zurück und holen sich erst bei klaren Wachstumsmöglichkeiten Investor:innen ins Unternehmen.  So bleiben Startups zu Beginn unabhängig und können im richtigen Moment Fahrt aufnehmen. 

Aus der Not geboren?

Die Entwicklung dieses neuen Finanzierungsmodells geht Hand in Hand mit der herausfordernden Lage der Investmentlandschaft. Warum sonst entscheiden sich aktuell so viele Gründer:innen für die Entbehrungen, die Bootstrapping anfangs mit sich bringt? Doch der gestiegene Leitzins und nicht allzu rosigen Aussichten auf dem Weltmarkt führten dazu, dass VCs ihre Investitionen weiterhin drosseln. 

Gründer:innen stehen vor der Herausforderung, alternative Wege zur Finanzierung ihres Startups zu finden und greifen so immer häufiger in die eigene Tasche, um die ersten ein bis zwei Jahre Geschäftsbetrieb zu finanzieren. Mit einem Minimal Viable Product (MVP), ersten Kund:innen und einem überzeugenden Product-Market-Fit haben Startups erste Wurzeln am Markt geschlagen und sind bereit für beschleunigtes Wachstum durch Fremdkapital. Dabei sind es in erster Linie B2B-SaaS-Startups, die bereits mit wenigen Kund:innen einen soliden Umsatz vorweisen können, die von diesem Modell profitieren.

Freie Entscheidungsmacht für Gründer:innen

Neben einer marktbedingten Notwendigkeit gibt es noch weitere Gründe, die für eine Kombination aus Bootstrapping und Investment sprechen. Besonders in den frühen Phasen eines Startups gibt es viele Unsicherheiten. Ist das Produkt gut genug? Gibt es eine ausreichend große Zielgruppe? Passt die Zusammenstellung des Teams? In einem selbstfinanzierten Startup können Gründer:innen bei diesen Themen eigenständig Entscheidungen treffen, während andernfalls Investor:innen interferieren und ihre Entscheidungsmacht in ihrem Sinne nutzen. Steigen Investor:innen erst zu einem späteren Zeitpunkt ein, wenn das Startup bereits Traction am Markt hat, bedeutet das einen erheblich größeren Spielraum für die Gründer:innen. Da sie nicht zwingend auf die Investitionen angewiesen sind, können sie auf Augenhöhe mit den Investor:innen verhandeln und bessere Konditionen für sich herausholen, etwa indem sie weniger Anteile abgeben müssen. 

Schlussendlich steht das Startup bei diesem Modell auch finanziell auf einer stabilen Grundlage, da der frühe Fokus auf Umsatz und Cashflow zu einem effizienten und nachhaltigen Unternehmenswachstum beiträgt.

Finanzierungsmodell eignet sich nicht für jedes Startup

Auch wenn sich die Vorteile, welche Bootstrapping gefolgt von Investitionen verlockend anhören, eignet sich das Modell nicht für jedes Startup. Außen vor bleiben kapitalintensive Geschäftsmodelle, wie etwa Startups, die Hardware herstellen oder auf Plattformmodelle setzen. Diese Unternehmen sind schon früh auf massive Investitionen angewiesen, um Traction zu generieren und sich gegenüber der Konkurrenz durchzusetzen. Dazu zählen auch die meisten Startups aus dem B2C-Segment, die häufig schon zu Beginn mit hohen Marketingkosten konfrontiert werden. 

Ein entscheidender Nachteil dieses Ansatzes ist seine Exklusivität. Nur Gründer:innen, die ein komfortables finanzielles Polster aufgebaut haben, können es sich leisten, ein Startup mit eigenen Mitteln zu führen. Damit steigt häufig das Alter der Gründer:innen. 

Bootstrapping plus Investment: Gekommen, um zu bleiben?

Aus der Not geboren, hat sich das Finanzierungsmodell bei dem Gründer:innen in den Anfangsjahren ihr Startup selbst finanzieren, um sich dann später an externe Kapitalgeber zu wenden, mittlerweile am Markt etabliert. Doch wie zukunftsträchtig ist ein Modell, das zwar zahlreiche Vorteile, aber eben auch Entbehrungen mit sich bringt? Voraussichtlich wird mit einer Entspannung des Venture-Capital-Markts dieses Finanzierungsmodell allmählich an Bedeutung verlieren, wenn Unternehmen auch in einer frühen Phase wieder leichter und zu attraktiven Konditionen an Fremdkapital gelangen können.

Über den Autor


Florian Bogenschütz ist Managing Director von Wayra Deutschland, der Innovations- und Investmenteinheit von o2/Telefónica. Dort verantwortet er seit 2019 die Geschäftsentwicklung, die strategische Ausrichtung und hat das Venture-Client-Modell etabliert. Als ehemaliger Gründer spricht er regelmäßig über Themen aus dem Startup-Bereich, unter anderem als Moderator des Podcasts “Scalecast”.

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#Gastbeitrag – So verändern Millennial-Gründer:innen die Unternehmenswelt

#Gastbeitrag

Die kommenden großen Unternehmen sind von Millennials gegründet worden. Wer wissen möchte, wie das die Unternehmenskultur verändern wird, muss verstehen, was sie antreibt. Die Gen Y steht zwischen Babyboomern und Gen Z und kann zum Brückenbauer werden.

So verändern Millennial-Gründer:innen die Unternehmenswelt

Freitag, 25. Oktober 2024VonTeam

Die Arbeitswelt wandelt sich grundlegend – und wir alle spüren es. Eine Generation ist bei diesem Wandel besonders entscheidend: Für die Unternehmenskultur und Richtung der Wirtschaft der kommenden Jahrzehnte werden die Millennials oder Generation Y zentral sein, denn die Babyboomer gehen in die Rente und die Gen Z wird meist noch als zu jung für Führungsverantwortung empfunden. 

Aber was zeichnet diese Generation als Gründer*innen aus? Was machen sie anders, und warum ist dieser Wandel notwendig, um die Wirtschaft zukunftsfähig zu gestalten? 

Wir Millennials sind die Generation, die in den 2000er Jahren als junge Erwachsene in der „Post-Spaßgesellschaft“ aufgewachsen ist. Weniger hedonistisch als die vorangegangene Generation X stellten wir uns viele Sinnfragen – allerdings vor allem privat. Weniger Auto fahren, Bio einkaufen und Mülltrennung, damit wir unser privates Glück leben können – so könnte man das Lebenskonzept großer Teile dieser Generation zusammenfassen. Weil wir nicht nur wie vorangegangene Generationen fleißig sind, sondern auch den ganz persönlichen Sinn finden wollen, fordern wir von Unternehmen in so vielen Feldern ein Umdenken.

Brexit, Trump und die Pandemie haben uns gezeigt, dass es nicht reicht, sich passiv zurückzulehnen und Müll zu trennen. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und wollen Unternehmen, Gesellschaft und Politik mitprägen. Die Gen Y erkennt, dass es nicht reicht, nur zu kritisieren – sie will gestalten und aktiv etwas bewegen. Dennoch sind Millennials oft frustriert von der Langsamkeit politischer Prozesse und suchen deshalb im Unternehmertum nach Wegen, schneller und effizienter Veränderungen herbeizuführen.

Millennial-Gründer*innen sind in mehrer Hinsicht grundsätzlich anders als  Babyboomer-Unternehmer*innen:

Millennials haben das bestehende Wirtschaftssystem weitgehend akzeptiert – anders als Teile der Generation Z, die es radikaler infrage stellen. Dennoch bedeutet das nicht, dass sie es unverändert übernehmen. Im Gegenteil: Die Arbeitswelt, wie sie bisher von Babyboomern gestaltet wurde, steht für Millennial-Gründer*innen auf dem Prüfstand. Der Profit als einziges Unternehmensziel verliert an Bedeutung und das zeigt sich in einer neuen Definition von Erfolg. Millennial-Gründer*innen fragen sich zunehmend: Wie lässt sich unternehmerischer Erfolg mit gesellschaftlichem Mehrwert verbinden? 

Im Gegensatz zu früheren Generationen, die unter anderem auf maximale Effizienz und Gewinnoptimierung setzten, erkennen Millennial-Gründer*innen, dass nachhaltiges und sinnstiftendes Wirtschaften der Schlüssel für langfristige Stabilität und gesellschaftliche Akzeptanz ist. Das ist nicht nur Ausdruck einer Überzeugung, sondern auch eine Reaktion auf die wachsende Nachfrage der Konsument*innen, die zunehmend sozial bewusst agieren. Viele von Millennials gegründete Unternehmen beweisen, dass es Wege gibt, gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen, ohne auf finanzielle Erfolge verzichten zu müssen. Bei share setzen wir beispielsweise bewusst auf Konsum, um Spenden für Menschen in Not zu generieren. 

Ein weiterer zentraler Unterschied zu den Babyboomern liegt in der Gestaltung der Arbeitswelt. Millennials sind in einem Umfeld aufgewachsen, das von starren Arbeitszeitmodellen und strikten Hierarchien geprägt war. Gleichzeitig haben sie einen starken Freiheitsdrang entwickelt und fordern nun in ihrer Rolle als Unternehmer*innen mehr Flexibilität. Dabei geht es nicht nur um flexiblere Arbeitszeiten oder die Möglichkeit, remote zu arbeiten, sondern auch um eine grundsätzliche Neuordnung der Arbeitswelt. Millennials hinterfragen alte Strukturen und suchen nach Wegen, um die Arbeitswelt so zu gestalten, dass sie zu den individuellen Bedürfnissen der Mitarbeitenden passt.

Genau diese Flexibilität ermöglicht es Millennials, die Arbeit neu zu definieren. Sie legen in der Regel Wert darauf, dass alle Mitarbeitenden unabhängig von der Hierarchieebene eine Stimme haben und Verantwortung übernehmen können. Für sie steht im Vordergrund, dass Arbeit nicht nur als Mittel zur Erzielung von Gewinn gesehen wird, sondern auch als Möglichkeit, einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. In dieser Hinsicht sind Millennial-Gründer*innen besonders gut aufgestellt, um die Wünsche und Erwartungen der Generation Z aufzugreifen, die gerade in die Arbeitswelt einsteigt. Die Gen Z ist die erste Generation, die komplett ohne prägende kollektive Ereignisse und Medien aufwächst. Durch den fragmentierten Medienkonsum schon in der Kindheit sind auch ihre Anforderungen an den Beruf vielfältig wie in keiner anderen Generation – von Sinnerfüllung bis schnell verdientes Geld ist alles dabei.

Millennial-Gründer*innen stehen gerade an einer entscheidenden Schnittstelle: Einerseits erkennen sie die Notwendigkeit, die Errungenschaften der Babyboomer wie Wohlstand und unternehmerischen Erfolg weiterzuentwickeln. Andererseits müssen sie die Erwartungen der nachfolgenden Generation Z berücksichtigen. Als Vermittler*innen sind sie daher entscheidend dafür, eine Balance zwischen Tradition und Innovation zu finden.

Sie orientieren sich also an den Grundwerten des bestehenden Systems, stellen aber gleichzeitig viele der alten Denk- und Handlungsmuster infrage. Die Gen Y hat verstanden, dass die Herausforderungen unserer Zeit nur gelöst werden können, wenn Wirtschaft und Gesellschaft kooperativ in dieselbe Richtung wirken. Diese Generation wird die Zukunft der Wirtschaft gestalten – und sie hat alle Werkzeuge in der Hand, um dies erfolgreich zu tun.

Über den Autor


Ben Unterkofler ist Co-Founder und Geschäftsführer von share. Er studierte Betriebswirtschaftslehre und Internationale Politische Ökonomie an der Universität zu Köln und der LSE in London. Vor der Gründung von share schlug er eine politische Karriere im Deutschen Bundestag und im Europäischen Parlament ein und war zu Beginn seiner Karriere als Schauspieler tätig.

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