#Gastbeitrag – Zu klein für Hacker? Warum das ein Irrtum ist!

Viele Startups halten Cyberangriffe noch immer für ein Problem der anderen: Konzerne, Behörden, kritische Infrastruktur. Die eigene Firma erscheint zu klein, zu jung, zu irrelevant. 

Aus unserer Arbeit mit Early-Stage-Unternehmen sehen wir ein anderes Bild: Gerade junge Companies sind ein besonders attraktives Ziel. Denn Angreifer suchen nicht nur große Namen, sie suchen leichte Ziele. Und davon gibt es im Startup-Ökosystem viele.

Wir sehen regelmäßig, wie Cyberangriffe in der Praxis ablaufen. Die meisten Vorfälle haben dabei wenig mit komplexen technischen Hacks zu tun, sondern mit sehr konkreten, oft überraschend einfachen Angriffsmustern. Auf Basis dieser Erfahrungen haben wir typische Angriffsszenarien ausgewertet und konkrete Gegenmaßnahmen zusammengestellt.

Warum Early-Stage-Startups besonders verwundbar sind

Teams sind klein, Rollen überschneiden sich, Prozesse entstehen oft erst im laufenden Betrieb. Geschwindigkeit ist ein Vorteil im Markt, wird aber schnell zum Risiko, wenn sie auf sensible Freigaben, Zahlungsprozesse oder Account-Zugänge trifft. 

Für Startups ist das besonders kritisch, weil sie genau das besitzen, wonach Angreifer suchen. Dazu gehört natürlich Geld, aber eben nicht nur. Junge Unternehmen bündeln häufig wertvolles geistiges Eigentum, sensible Kundendaten, Forschungsstände, Produktpläne und privilegierte Zugänge zu Banken, Dienstleistern, Lieferanten oder Investoren.

Ein einziger Vorfall kann finanzielle Schäden verursachen, die unmittelbar auf die Runway durchschlagen. Der Verlust von proprietärem Know-how kann den Wettbewerbsvorteil nachhaltig schwächen. Werden Kund:innen- oder Partnerdaten kompromittiert, leidet das Vertrauen und damit häufig auch Vertrieb, Fundraising und strategische Beziehungen. Kommen regulatorische Pflichten hinzu, etwa im Umgang mit personenbezogenen Daten, wird aus einem operativen Problem sehr schnell auch ein rechtliches.

Cybersecurity sollte deshalb gerade bei Startups kein Randthema sein. Angriffe sind ein operatives Geschäftsrisiko – und damit am Ende Führungsverantwortung.

Die häufigsten Angriffsmuster bei Startups

Wer bei Cyberrisiken zuerst an komplexe Software-Schwachstellen denkt, denkt oft am eigentlichen Problem vorbei. Die häufigsten Vorfälle sind viel banaler.

1. Phishing: Der Einstiegspunkt für fast alles

Phishing ist nach wie vor der häufigste Ausgangspunkt für Angriffe und durch KI mittlerweile deutlich schwerer zu erkennen. Die meisten erfolgreichen Angriffe beginnen mit einer überzeugend formulierten Nachricht. Eine E-Mail mit Login-Link. Eine Signaturanfrage. Ein angeblich freigegebenes Dokument. Eine Bitte, schnell etwas zu prüfen.

Best Practice:

  • verpflichtendes MFA auf allen kritischen Systemen
  • Passwort-Manager keine Wiederverwendung von Credentials
  • Default-Skepsis bei E-Mails („Habe ich das erwartet?“)
  • Verifikation über einen zweiten Kanal bei Unsicherheit

2. Zahlungsbetrug & Fake-Invoices

Besonders gefährlich sind Angriffe auf Zahlungsprozesse. Typischer Fall: Jemand gibt sich per Mail oder Messenger als Founder, CFO oder externer Finance-Dienstleister aus und drängt auf eine dringende Überweisung. Alternativ werden Bankdaten auf einer Rechnung „aktualisiert“. Solche Angriffe funktionieren, weil sie Druck erzeugen. Es soll schnell gehen, diskret sein, möglichst ohne Rückfrage.

Best Practice:

  • Verpflichtende Verifikation außerhalb von E-Mail (Telefon/Video, bekannte Nummern)
  • Dual Approval für Zahlungen über definiertem Schwellenwert
  • Klare Regel: „Urgent“ ist kein Grund, Prozesse zu umgehen

3. Zugriffsmanagement 

Ein unterschätztes Risiko liegt im eigenen Setup. Ehemalige Mitarbeitende, Dienstleister oder Berater:innen haben oft noch Zugriff auf Systeme, die längst hätten entzogen werden müssen. Gleichzeitig sammeln sich in wachsenden Teams schnell zu weitgehende Berechtigungen an.

Best Practice:

  • Security-Setup (MFA, Policies) als Teil von Day 1
  • sofortige Deaktivierung aller Zugänge beim Offboarding
  • konsequentes „Least Privilege“-Prinzip

4. Unsichere Arbeit unterwegs und im Remote-Alltag

Arbeiten aus dem Café, Hotel oder Coworking-Space gehört für viele Teams längst zum Alltag. Aber das schafft auch neue Angriffsflächen. Öffentliche oder geteilte Netzwerke sind riskant, vor allem wenn darüber sensible Vorgänge abgewickelt werden: Zahlungen freigeben, Verträge signieren, Admin-Zugänge nutzen.

Best Practice:

  • bevorzugt Mobile Hotspot statt Public WiFi
  • VPN als Mindeststandard
  • keine sensiblen Aktionen in unsicheren Netzwerken
  • Geräte immer verschlüsselt und gesperrt

5. Unkontrollierte Nutzung von GenAI-Tools

Ein neuer, schnell wachsender Risikobereich ist der unkontrollierte Einsatz generativer KI. Mitarbeitende kopieren vertrauliche Informationen, Kundendaten, Vertragsinhalte, Finanzzahlen oder Code in öffentliche Tools, ohne sich über die Folgen im Klaren zu sein.

Best Practice:

  • klare AI-Usage-Policy
  • keine Nutzung persönlicher Accounts für Business-Daten
  • Freigabe nur für geprüfte Tools
  • Sensibilisierung im Team

Die Maßnahmen, die mit wenig Aufwand den größten Unterschied machen

Die gute Nachricht: Startups müssen nicht in Enterprise-Bürokratie verfallen, um ihr Risiko massiv zu senken. Schon wenige, konsequent umgesetzte Maßnahmen reduzieren einen Großteil realer Vorfälle.

1. MFA überall erzwingen

Multi-Faktor-Authentifizierung sollte auf allen kritischen Systemen verpflichtend sein: E-Mail, Banking, Cloud-Infrastruktur, CRM, Code-Repositories, Admin-Tools. Ohne Ausnahmen.

Noch besser: Passkeys dort einsetzen, wo sie unterstützt werden. Sie sind deutlich phishing-resistenter als klassische Passwörter plus Einmalcode.

2. Passwortmanager verbindlich einführen

Kein Team sollte im Jahr 2026 noch mit wiederverwendeten oder gemeinsam per Chat geteilten Passwörtern arbeiten. Ein zentral eingeführter Passwortmanager ist eine der simpelsten und wirksamsten Grundlagen überhaupt.

3. Zahlungsprozesse absichern

Jede Änderung von Bankdaten, jede dringende Zahlungsanweisung und jede größere Überweisung sollte über einen zweiten Kanal verifiziert werden – per Anruf oder Video, an eine bereits bekannte Nummer.

Zusätzlich gilt: Vier-Augen-Prinzip für Zahlungen ab definiertem Schwellenwert.

4. Onboarding und Offboarding sauber aufsetzen

Am ersten Arbeitstag sollten Security-Basics, MFA-Setup und Tool-Zugänge sauber eingerichtet werden. Beim Austritt muss es einen klaren, sofort umzusetzenden Offboarding-Prozess geben: E-Mail, Slack, Cloud, CRM, Code, Admin-Tools, externe Zugänge.

5. Least Privilege statt Sammelzugriff

Mitarbeitende sollten nur auf das zugreifen können, was sie tatsächlich für ihre Rolle brauchen. Rechte sollten regelmäßig überprüft und bei Bedarf entzogen werden.

6. Team-Training leicht, aber verbindlich machen

Security Awareness muss keine trockene Pflichtübung sein. Oft reichen kurze, praxisnahe Sessions mit echten Beispielen aus dem Alltag. Wichtig ist vor allem, dass im Team ein gemeinsamer Reflex entsteht: Lieber einmal zu viel nachfragen als einmal falsch klicken oder überweisen.

7. Einen einfachen Incident-Plan schriftlich festhalten

Wenn etwas passiert, ist nicht der perfekte Plan entscheidend, sondern Klarheit unter Druck. Wer ist im Ernstfall verantwortlich? Wer wird zuerst kontaktiert? Wie wird intern kommuniziert, wenn Mail oder Slack betroffen sind? Wer spricht extern?

Kultur schlägt Technologie

Am Ende entscheidet weniger die eingesetzte Technologie als die Art, wie im Unternehmen mit Unsicherheit umgegangen wird. Die meisten Angriffe zielen gezielt auf menschliche Routinen. Deshalb ist eine Kultur entscheidend, in der Rückfragen selbstverständlich sind, Zweifel offen geäußert werden können und verdächtige Vorfälle sofort gemeldet werden. Nicht Perfektion schützt vor Angriffen, sondern Aufmerksamkeit und schnelle Reaktion.

Cyberrisiken sind Teil der operativen Realität. Für Startups bedeutet das: Die Frage ist nicht mehr, ob ein Angriff passiert, sondern wann.

Wer früh einfache, wirksame Grundlagen schafft, schützt nicht nur Systeme und Daten. Es geht um Kapital, Vertrauen und die Fähigkeit, das Unternehmen ohne vermeidbare Rückschläge weiterzuentwickeln.

Über den Autor

Yair Reem ist Partner bei Extantia Capital, einem Venture-Capital-Fonds, der in technologiegetriebene Unternehmen für eine resiliente und klimafreundliche Zukunft investiert. Zuvor war er Managing Director bei Hasso Plattner Ventures. Mit langjähriger Erfahrung im Aufbau und der Finanzierung von Technologieunternehmen zählt er heute zu den profiliertesten Climate-Tech-Investoren Europas.

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#Gastbeitrag – Wachstum ohne Chaos: 3 Wege, wie Teams gesund skalieren

Der Begriff „Wachstumsschmerzen“ wird im Startup-Kontext inzwischen fast schon reflexartig benutzt. Klingt nach etwas, das man nun mal aushalten muss, wenn’s vorangeht. Nur: Die Schmerzen spürt nicht das Unternehmen, sondern die Menschen, die dort arbeiten. Dieser Gastbeitrag zeigt drei Wege auf, um Teams gesund wachsen zu lassen.

Wenn wir von „Wachstumsschmerzen“ sprechen, meinen wir auf Unternehmensseite meist Dinge wie sinkende Effizienz, mehr Abstimmung, neue Komplexität. Plötzlich dauert alles länger, die Produktivität sinkt, Prioritäten verschwimmen.

Für die Menschen, die dort arbeiten, fühlt sich das deutlich konkreter an: Überforderung, Überlastung, Frust. Entscheidungen ziehen sich ewig, werden von fünf Leuten gleichzeitig getroffen – oder von niemandem. Verantwortlichkeiten werden unscharf, Orientierung geht verloren.

Wer sauber skalieren will, muss sich genauso konsequent, strukturiert und analytisch mit den Menschen in seinem Unternehmen beschäftigen wie mit seinem Finanzplan. Was in vielen Ratgebern als „Soft Topic“ nebenbei abgehandelt wird, ist in Wahrheit eine knallharte Bedingung für Erfolg oder Misserfolg: Sind die richtigen Leute zur richtigen Zeit in den richtigen Rollen?

Sich damit ehrlich auseinanderzusetzen, ist unangenehm. Einem Excel-Sheet gegenüber ist man eben deutlich weniger loyal als den allerersten Leuten im Team – denn es hat weder die dritte Nacht in eurer ersten Due Diligence mit dir durchgemacht, noch den ersten großen Kundenabschluss mit dir gefeiert.

Und genau deshalb wird es schwierig: Die Menschen, die in der Gründungsphase alles mitgetragen haben und oft längst mehr als nur Kolleg:innen sind, sind nicht automatisch die richtige Besetzung für die Rollen, die daraus entstehen.

Um das Problem greifbarer zu machen, hilft es, ihm einen Namen zu geben. Zwei Phänomene beschreiben diese frühe Skalierungsfalle besonders gut: Heritage Hires und Ghost Positions.

Heritage Hires: Loyalität als Wachstumsbremse 

Der Effekt ist bekannt und wiederholt sich tausendfach: Ein junges Unternehmen startet mit einem Gründungsteam und ein paar Mitarbeitenden. Mit dem ersten Wachstumsschub werden Mitarbeitende zu Teamleads, später zu „Head of“ – und plötzlich hat das Unternehmen einen Finanzchef, der erst vor kurzem seinen Uni-Abschluss gemacht hat und noch nie mehr als zwei Menschen gleichzeitig geführt hat. Der Begriff dafür ist „Heritage Hire“.

Das Beispiel ist plakativ, aber nicht aus der Luft gegriffen. Denn oft ist es gar nicht so, dass die Besetzung von Anfang nicht gepasst hat – sondern dass sich die Rolle im Wachstum stark verändert hat.

Jemand, der als CFO in einer frühen Phase mit einer GmbH-Struktur sehr gut klar gekommen ist, kann plötzlich vor einer völlig anderen Realität stehen: internationale Expansion, mehrere Tochtergesellschaften, unterschiedliche Währungen, vielleicht noch ein M&A-Case, der integriert werden muss. Das ist nicht einfach mehr vom Gleichen, sondern eine grundlegend andere Rolle mit anderen Anforderungen. 

Dass trotzdem oft sehr lange an offensichtlich falschen Besetzungen festgehalten wird, hat nachvollziehbare Gründe. Gerade in der Anfangsphase entstehen enge Bindungen – vor allem aber Vertrauen. Man weiß, wie der andere arbeitet, wie er denkt, wie er Entscheidungen trifft. Und genau deshalb ist die Versuchung groß, diesen positiven Faktoren mehr Gewicht zu geben als der unbequemen Realität: dass die Anforderungen der Rolle längst nicht mehr zu dem passen, was die Person aktuell leisten kann – und dass dieser Abstand ab einem gewissen Punkt auch nicht mehr sinnvoll aufzuholen ist.

Langfristig schadet es dem Unternehmen, wenn Gründer:innen in dieser Situation den Konflikt scheuen – und zwar gleich doppelt. Zum einen für die Person selbst: Wer dauerhaft in einer Rolle steckt, die überfordert, hat weder ein gutes Arbeitserlebnis noch einen sinnvollen Rahmen, um sich weiterzuentwickeln. Zum anderen für das Unternehmen: Die Rolle liefert nicht den Output, den es braucht. Entscheidungen bleiben liegen, Projekte kommen nicht voran, Verantwortung versandet.

Die Organisation reagiert darauf oft ziemlich pragmatisch: Sie sucht sich Wege um die Probleme herum, um arbeitsfähig zu bleiben. Dinge werden selbst oder in anderen Abteilungen erledigt, Entscheidungen bei anderen Personen eingeholt – bis die überforderte Rolle faktisch umgangen wird. So entsteht schleichend das, was man eine „Ghost Position“ nennen kann.

Ghost Positions: Schattenstrukturen zur Schmerzvermeidung

Das Perfide an Ghost Positions ist, dass sie nicht von Anfang an sichtbar sind. Erst langsam entstehen die Schattenstrukturen rund um die überforderten Kolleg:innen herum, oft sogar noch unfreiwillig unterstützt vom Management: Neue Expert:innen werden eingestellt, weil in einem bestimmten Teil des Unternehmens Probleme sichtbar werden. Kurzfristig scheint das Problem gelöst, in Wahrheit aber verstärkt sich der Geistereffekt. Schlussendlich steht man als Management mit höheren Lohnkosten und mit Expert:innen da, die unzufrieden sind, weil sie neben ihrem Job einen in ihrer Wahrnehmung inkompetenten Vorgesetzten anleiten müssen.

Diese Effekte sind so häufig, dass sie für viele eigentlich erfolgreiche Startups zur echten Skalierungsfalle werden. Dabei gibt es Wege, loyale Mitarbeitende zu halten, ohne dafür Wachstum opfern zu müssen. In meinem Beratungsalltag haben sich drei Dinge herauskristallisiert, die so gut wie alle erfolgreich skalierenden Startups gemein haben.

  1. Scheue dich nicht, Menschen einzustellen, die mehr Erfahrung haben als dein Team

Spätestens beim ersten echten Wachstumsschub reicht es nicht mehr, Rollen „mitwachsen zu lassen“. Gründer:innen müssen anfangen, ihre bestehenden Rollen klar zu beschreiben: Welchen Output soll diese Rolle in den nächsten sechs bis zwölf Monaten liefern? Wie lässt sich messen, ob das gelingt? Und welche Erfahrung braucht es dafür realistisch?

Der entscheidende Schritt ist dann der ehrliche Abgleich: Passt die aktuelle Besetzung noch zu dem, was die Rolle inzwischen verlangt?

Manchmal bedeutet das, eine neue Rolle zu schaffen, inklusive Veränderungen im Organigramm – und gezielt jemanden mit mehr Erfahrung zu holen. Manchmal bedeutet es auch, einem bestehenden Teammitglied einen Titel wieder zu nehmen, weil sich hinter diesem Titel inzwischen ein komplett anderer Job verbirgt als noch vor einem Jahr.

Der Versuch, fehlende Erfahrung einfach mit Expert:innenpositionen ohne Führungsverantwortung zu ergänzen, greift meist zu kurz. Zusätzliche Expertise im Team hilft nur dann, wenn die Rolle darüber klar und stabil geführt ist. Ist sie das nicht, bleibt die Überforderung bestehen – und das eigentliche Problem ungelöst.

  1. Befördere nicht automatisch – ermögliche echte Weiterentwicklung 

Viele Heritage Hires und Ghost Positions entstehen aus einem simplen Reflex: Entwicklung wird mit Beförderung gleichgesetzt. Und Beförderung heißt oft automatisch mehr Titel – und vor allem mehr Führungsverantwortung. Das Problem: Nicht jede:r ist ein guter Vorgesetzter. Und nicht jede Rolle braucht einen.

Gerade in wachsenden Startups rutschen deshalb viele Menschen in Führungspositionen, obwohl ihre Stärke eigentlich woanders liegt – in Fach-, Projekt- oder Stabsrollen. Rollen, in denen sie oft deutlich mehr Wirkung hätten.

Die Alternative ist weniger spektakulär, aber deutlich sinnvoller: Weiterentwicklung neu denken. Mehr Verantwortung, größere Themen, mehr Einfluss – ohne zwingend einen Titel- oder Führungssprung.

Dafür braucht es Klarheit und Kommunikation. Mitarbeitende müssen verstehen, dass Karriere nicht automatisch „größere Teams führen“ bedeutet, sondern vor allem „mehr beitragen“. Und Gründer:innen müssen aktiv Wege schaffen, auf denen genau das möglich ist.

Realistische Entwicklungspfade verhindern, dass Menschen in Rollen gedrängt werden, die sie fachlich oder menschlich überfordern – und sorgen gleichzeitig dafür, dass Potenzial dort eingesetzt wird, wo es wirklich wirkt.

  1. Kläre Verantwortung radikal – sonst macht es die Organisation für dich

Ghost Positions entstehen nicht, weil niemand entscheiden will – sondern weil unklar ist, wer es soll.

In frühen Phasen funktioniert vieles über Zuruf. Jeder weiß ungefähr, wer woran arbeitet. Mit Wachstum kippt das. Plötzlich hängen Themen zwischen Rollen, Entscheidungen bleiben liegen oder werden doppelt getroffen.

Die Lösung klingt erstmal nach unnötigem Verwaltungsaufwand: Rollen und Verantwortlichkeiten sauber zu definieren und – das ist der Trick – auch zu implementieren. Das klingt banal, wird aber erstaunlich selten sauber gemacht. Stattdessen entstehen Grauzonen, in denen sich die Organisation selbst auflöst: Entscheidungen wandern zu den Lautesten, Schnellsten oder Verfügbarsten.

Wer gesund skalieren will, muss hier aktiv gegensteuern. Klare Zuständigkeiten sorgen nicht nur für bessere Entscheidungen, sondern entlasten auch das Team. Weil plötzlich wieder klar ist, woran man ist – und worauf man sich verlassen kann.

Über die Autorin

Marion Nöldgen ist Gründerin von Clearimpact und berät Unternehmen zu Leadership und  Organisationsentwicklung in Wachstums- und Transformationsphasen. Zuvor hat sie zehn Jahre lang innovative Unternehmen in den Energie- und Technologiesektoren aufgebaut, erfolgreich skaliert und internationalisiert. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Strategie und Umsetzung und unterstützt Unternehmen dabei, Klarheit in wachsender Komplexität zu schaffen.

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#Gastbeitrag – Warum dein Startup jetzt LLM-Sichtbarkeit messen muss

Startups, die jetzt ihre LLM-Sichtbarkeit messen und gezielt steuern, verschaffen sich einen Wettbewerbsvorteil – bevor die großen Budgets der Etablierten in diesen Kanal fließen. Der erste Schritt ist nicht teuer. Er kostet vor allem Aufmerksamkeit. Ein Gastbeitrag von Julian Gottke (blinq).

Große Unternehmen diskutieren noch in Gremien, während du schon ranken kannst. Ein Content Hub, einige Reddit-Posts, eine passende Content-Partnerschaft und etwas PR reichen, um bei den vier wichtigsten Prompts deiner Zielgruppe zu erscheinen.

1. Der Funnel hat sich verändert – merkst du es?

Der erste Berührungspunkt mit einer Marke war früher fast immer eine Google-Suche. Heute ist es zunehmend eine KI-Antwort. Kaufentscheidungen, Produktvergleiche, Software-Recherchen, all das beginnt für einen wachsenden Teil der Nutzerinnen und Nutzer mit einer Frage an ChatGPT, Perplexity oder Google AI Overviews. Keine Liste mit zehn Links. Eine kuratierte Empfehlung.

Das Problem: Wer in dieser Antwort nicht auftaucht, verliert potenzielle Kunden, bevor der eigentliche Rechercheprozess überhaupt beginnt. Nicht wegen schlechter Produkte. Nicht wegen fehlendem Budget. Sondern weil KI-Systeme noch nie von diesem Unternehmen „gehört“ haben.

Das ist kein Zukunftsszenario. Es passiert gerade – in jeder Branche, in jedem Marktsegment. Und es trifft Startups besonders hart, weil sie in der Regel keine jahrelange digitale Präsenz mitbringen, auf die LLMs zurückgreifen können.

2. Warum das für Startups eine Riesenchance ist

Etablierte Unternehmen stecken in ihrer eigenen SEO-Geschichte fest. Neue Kanäle müssen durch Quartalsplanungen, Abteilungsabstimmungen und Freigabeprozesse. Bis ein Konzern eine GEO-Strategie (Generative Engine Optimization) beschlossen und umgesetzt hat, sind schnell mal 12 bis 18 Monate vergangen.

Startups können heute in vier Wochen testen, was große Marken in einem Jahr nicht umsetzen. Das ist der strukturelle Vorteil, den es zu nutzen gilt – jetzt, solange das Feld noch offen ist.

LLMs greifen auf öffentlich verfügbare Quellen zurück: Fachartikel, Reddit-Threads, PR-Erwähnungen, Blogs, Wikipedia. Wer früh die richtigen Quellen besetzt, gewinnt Sichtbarkeit – auch ohne ein hohes Budget.

Ein gezielter Content Hub mit fünf bis zehn Artikeln, die auf relevante Suchanfragen einzahlen, dazu zwei bis drei gut platzierte Beiträge in einschlägigen Reddit-Communities und einige Erwähnungen in Fachpublikationen – das reicht als Startpunkt. Nicht als Garantie, aber als solide Basis, die messbar wirkt.

3. Was du messen musst – die vier KPIs für Startups

Bevor du optimierst, musst du verstehen, wo du stehst. GEO-KPIs (Key Performance Indicators aus dem Bereich Generative Engine Optimization) machen sichtbar, wie präsent eine Marke in KI-Antworten ist, wie stark sie sich gegen Wettbewerber durchsetzt und mit welchen Botschaften sie verbunden wird.

Für Startups im frühen Stadium sind vor allem vier Metriken relevant:

Brand Visibility: Wirst du überhaupt genannt? Diese Kennzahl misst auf einer Skala von 0 bis 100 Prozent, wie präsent eine Marke in KI-Antworten ist. Sie berücksichtigt, wie häufig die Marke erwähnt wird, an welcher Position sie in Aufzählungen erscheint und ob eigene Domains als Quelle referenziert werden. Ab 50 Prozent gilt eine Marke als sichtbar im KI-Raum. Das ist das erste Ziel.

Markenposition: Position eins oder zwei in einer KI-Antwort ist kein Zufall – sie prägt die Wahrnehmung entscheidend. Wer zuerst genannt wird, wirkt als Marktführer, unabhängig davon, ob das der Realität entspricht. Für Startups bedeutet das: Frühzeitig auf die vorderen Plätze zu kommen, ist wertvoller als später große Budgets für Sichtbarkeit auszugeben.

Top Produkte & Wettbewerb: Welche Anbieter gelten im KI-Raum aktuell als Marktführer in deinem Segment? Diese Benchmarking-Metrik zeigt, gegen wen du antrittst und wie groß der Abstand noch ist. Sie verhindert, dass Ressourcen in die falsche Richtung fließen.

Metriken wie Brand Dominance (wie stark man sich im direkten Wettbewerbsvergleich durchsetzt) oder Sentiment (Tonalität der Darstellung) werden im nächsten Schritt relevant, sobald die Grundsichtbarkeit steht. Erst wenn man überhaupt genannt wird, lohnt es sich zu fragen, wie man genannt wird.

4. Das ROI-Argument: 60 Euro Tool, vielfacher Return

Ein spezialisiertes GEO-Tool wie blinq kostet rund 60 Euro pro Monat. Es führt täglich Abfragen bei führenden KI-Systemen wie ChatGPT, Perplexity und Google AI Overviews (Gemini 3) durch und baut aus den wiederholten Ergebnissen eine statistisch belastbare Datenbasis auf.

Warum tägliche Wiederholung? Large Language Models variieren ihre Antworten. Eine einmalige Abfrage ist eine Momentaufnahme, keine Messung. Erst durch kontinuierliches Tracking entsteht ein zuverlässiges Bild der eigenen Position.

Wenn dein Produkt bei den drei bis vier wichtigsten Prompts deiner Zielgruppe regelmäßig genannt wird, übertrifft ein einziger gewonnener Kunde oder Auftrag den Monatsbeitrag des Tools um ein Vielfaches. Das gilt erst recht, solange Wettbewerber diesen Kanal noch ignorieren.

5. Der 30-Tage-Plan: So startest du konkret

GEO muss kein langjähriges Projekt sein. Der erste Schritt braucht vor allem eines: die Bereitschaft, jetzt anzufangen.

Woche 1 – Prompts identifizieren: Was fragt deine Zielgruppe ChatGPT, wenn sie nach einer Lösung wie deiner sucht? Vier bis sechs konkrete Prompts definieren – das sind die Suchbegriffe des KI-Zeitalters. Beispiele: „Welche Software eignet sich für automatisiertes Onboarding in SaaS-Startups?“ oder „Was sind die besten Tools für HR-Analytics in kleinen Unternehmen?“

Woche 2 – Baseline messen: GEO-Tool einrichten, Prompts aktivieren, erste Daten erheben. Wo steht das Startup heute? Wer dominiert das Feld? Diese Ausgangslage ist der Referenzpunkt für alles, was folgt.

Woche 3 – Content Hub aufbauen: Fünf Artikel schreiben, die exakt auf die identifizierten Prompts einzahlen – klar strukturiert, mit konkreten Antworten, ohne Marketingsprech. Ergänzend: zwei bis drei Beiträge in relevanten Reddit-Subreddits, die echten Mehrwert liefern und das Produkt natürlich erwähnen.

Woche 4 – PR-Kampagne: Drei bis fünf Erwähnungen in Fachpublikationen anstreben, die LLMs als vertrauenswürdige Quellen verwenden. Das können Gastartikel, Experteninterviews oder Produktrezensionen sein. Wichtig: Qualität der Quelle zählt mehr als Quantität.

Nach 30 Tagen: Messung mit der Baseline vergleichen. In den meisten Fällen sind erste Bewegungen sichtbar. Dann entscheidet die Datenlage, welcher Hebel als nächstes betätigt wird.

6. Fazit: Das Fenster ist offen, noch

GEO ist heute, was SEO im Jahr 2005 war: eine Disziplin, die wenige aktiv betreiben und deshalb enormes Potenzial für Early Movers bietet. 

Startups, die jetzt ihre LLM-Sichtbarkeit messen und gezielt steuern, verschaffen sich einen strukturellen Wettbewerbsvorteil – bevor die großen Budgets der Etablierten in diesen Kanal fließen.

Der erste Schritt ist nicht teuer. Er kostet vor allem Aufmerksamkeit und die richtige Frage: Bei welchen vier Prompts muss mein Startup genannt werden?

Über den Autor

Julian Gottke ist Gründer und Geschäftsführer von blinq. Die Idee der Software entstand aus 10 Jahren Marketing- und Kommunikationsarbeit für Kunden wie Wolt, Klarna und die Berlin Brands Group. Leser:innen von deutsche startups erhalten auf blinq 10% mit dem Code ds10 (gilt bis zum 31. 12. 2026, nur für Neukunden).

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#Gastbeitrag – CFO – vom Kostenverwalter zum Wachstumstreiber

#Gastbeitrag

Die Finanzabteilung wird zum Steuerungszentrum und ist zentral für Wachstum und Resilienz. 2026 wird klar zeigen, in welchen Unternehmen sich dieser Shift vollzieht, wo also Finanzteams gestalten statt zu verwalten. Ein Gastbeitrag von Gregory Herbert (Frisbii).

CFO – vom Kostenverwalter zum Wachstumstreiber

Donnerstag, 23. April 2026VonTeam

Der Einzug von KI in den Unternehmensalltag macht auch vor Finanzabteilungen nicht Halt. Sie stehen vor einem tiefgreifenden strukturellen Umbruch – und das in Zeiten, in denen wirtschaftliche Unsicherheit mit steigenden Anforderungen an Prozesse einhergeht. Das klare Ziel: Mehr Transparenz, mehr Effizienz und daraus resultierend eine größere Rentabilität zu schaffen. Damit steigt der Druck auf Finanzabteilungen und CFOs, die gemeinsam mit den genutzten Technologien stärker denn je im Fokus der Unternehmenssteuerung stehen. Die CFO-Rolle wandelt sich von der reinen Budget-Verwaltung zur aktiven Gestaltung des Unternehmenswachstums, indem es insbesondere darum geht, wiederkehrende Umsätze (Recurring Revenue) zu identifizieren und gezielt zu steuern.

Doch klassische Mittel und Wege reichen hierfür häufig nicht mehr aus: Excel und fragmentierte Tool-Landschaften stoßen an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit, KI und Plattformdenken versprechen einen Lösungsansatz – wenn sie sinnvoll eingesetzt werden.

Excel am Limit: Tool-Silos verhindern Transparenz und Steuerung

Was bedeutet das nun in der Praxis? Finanzverantwortliche müssen 2026 auf ein einheitliches ‘CFO-Betriebssystem’ für wiederkehrende Umsätze setzen, also eine zentrale Plattform, die Billing, Forecasting, Compliance und Payments zusammenführt, statt diese Prozesse weiterhin getrennt zu betrachten. Nur so lassen sich Kennzahlen wie Umsatz, Cashflow und Profit detailliert forecasten und als Entscheidungsgrundlage nutzen. CFOs sind sich dieser Anforderung bewusst: So planten laut dem „Global CFO Report 2025“ von FTI Consulting 87 Prozent der CFOs, KI-Tools noch innerhalb von 2025 einzusetzen – ein Signal dafür, dass die technologische Modernisierung der Finanzfunktion Priorität hat.

KI als operative Entscheidungsinstanz: Keine Kür sondern Pflicht

Die klare Zielsetzung an dieser Stelle: KI als operative Entscheidungsinstanz einzusetzen und damit eine klare Abgrenzung zu klassischen Business Intelligence-Prozessen zu schaffen. Statt also ausschließlich basierend auf zurückliegenden Informationen zu handeln, geht der Trend hin zu ganz konkreten und vor allem umsetzbaren strategischen KI-Empfehlungen, darunter das Forecasting von Cashflow, aber auch Vorhersagen zum Churn, Vorschläge zur Preisoptimierung oder der Bewertung des Lifetime Values. Kurz gesagt: Predictive und Prescriptive Finance werden Entscheidungen maßgeblich beeinflussen – und zwar in Echtzeit. Laut Gartner etwa werden 60 bis 70 Prozent der Finanzteams 2026 zentrale Umsatzprozesse mithilfe von KI automatisieren.

Pricing wird von einer Marketing- zu einer Finanzdisziplin

Für die Planung und Verwaltung von Recurring Revenue bedeutet das ganz konkret: Wir werden künftig viel mehr flexible, nutzungsbasierte und personalisierte Preis- und Abomodelle sehen, die als Hebel für die Kundenbindung eingesetzt werden, um so wiederkehrende Umsätze zu stärken. Die Flexibilität wird zum entscheidenden Punkt für die Customer Retention. CFOs und ihre Teams verbuchen und forecasten also nicht mehr nur Umsätze, sondern entscheiden aktiv mit, wie Produkte bepreist, paketiert, abgerechnet und weiterentwickelt werden. Damit ist das Pricing keine reine Produkt- oder Sales-Frage mehr und bewegt sich außerhalb der klassischen ‘4P’ des Marketing.

Was es für Finance bedeutet, wenn KI einkauft

Allerdings verändern sich nicht nur interne Prozesse und nehmen Einfluss auf den Wirkungsgrad von Finanzabteilungen: CFOs und ihre Teams müssen auch externe Rahmenbedingungen aktiv einbeziehen. Ein Beispiel: Während Europa digitale Souveränität zur strategischen Priorität macht, prägen globale KI-Ökosysteme längst, wie Kund:innen einkaufen und Zahlungen abwickeln. ChatGPT und andere Conversational-AI-Systeme werden zunehmend zu Rate gezogen und beeinflussen Kaufentscheidungen. So zeigt eine aktuelle Studie von Mastercard, dass bereits heute vier von zehn deutschen Verbraucher:innen offen sind für den Einsatz von KI-Agenten, wenn sie online einkaufen, bei den unter 39-Jährigen sind es sogar 56 Prozent. Diese externen Faktoren beeinflussen Billing, Forecasting und Revenue-Reporting – und erweitern die Rolle der Finanzabteilung strategisch, sodass sie im Spannungsfeld zwischen Regulierung, Technologie und Kundenverhalten Entscheidungen treffen muss.

Warum CFOs zu Architekt:innen eines neuen Finanzökosystems werden

Zusammengefasst ist das tl;dr dieser Trends: Die Finanzabteilung wird mehr und mehr zum strategischen Steuerungszentrum und ist zentral für Wachstum und Resilienz. 2026 wird klar zeigen, in welchen Unternehmen sich dieser Shift in der Finanzabteilung vollzieht, wo also Finanzteams gestalten statt zu verwalten. Die Erfolgsfaktoren für diesen Umbruch sind einfach zu benennen: Integrierte Systeme, KI-gestützte Entscheidungen, flexible Monetarisierung. Nur so können CFOs tatsächlich zu Architekt:innen eines neuen Finanzökosystems werden.

Über den Autor

Gregory Herbert ist CEO von Frisbii.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

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#Gastbeitrag – Wachstum ohne Zustellbarkeitsverlust: Der E-Mail-Marketing-Fahrplan für Startups

#Gastbeitrag

Oft stellen sich Gründer die Frage: Ist E-Mail in Zeiten von Instagram, TikTok oder WhatsApp überhaupt noch zeitgemäß? Die Antwort ist ein klares Ja. Während soziale Netzwerke durch Algorithmen bestimmen, wer Ihre Inhalte sieht, bleibt die E-Mail der einzige Kanal, der Ihnen gehört.

Wachstum ohne Zustellbarkeitsverlust: Der E-Mail-Marketing-Fahrplan für Startups

Mittwoch, 22. April 2026VonTeam

Für schnell wachsende Startups ist E-Mail-Marketing ein entscheidender Kanal: Er ist kosteneffizient, baut direkte Kundenbeziehungen auf und treibt Conversions. Doch was als einfacher Newsletter beginnt, wird mit dem Wachstum zur komplexen Herausforderung. Improvisierte Tools führen unweigerlich zu Problemen: Newsletter landen im Spam, wichtige Transaktionsmails kommen nicht an und manuelle Prozesse fressen wertvolle Zeit.

Die zentrale strategische Frage lautet: Wie skalieren Startups ihr E-Mail-Marketing, ohne an Zustellbarkeit zu verlieren? Dieser Fahrplan zeigt, wie ein professionelles Fundament von der ersten Mail bis zur automatisierten Journey den Weg für nachhaltiges Wachstum ebnet.

Warum E-Mail? Relevanz in Zeiten von Social Media

Oft stellen sich Gründer die Frage: Ist E-Mail in Zeiten von Instagram, TikTok oder WhatsApp überhaupt noch zeitgemäß? Die Antwort ist ein klares Ja. Während soziale Netzwerke durch Algorithmen bestimmen, wer Ihre Inhalte sieht, bleibt die E-Mail der einzige Kanal, der Ihnen gehört und einen direkten, ungefilterten Zugang zum Postfach des Kunden bietet.

Laut dem aktuellen Email Impact Report liefert E-Mail-Marketing nach wie vor den höchsten ROI aller Kanäle. Zudem bevorzugen es mehr als 55 % der Konsumenten, Angebote und Marken-Updates per E-Mail statt über soziale Medien zu erhalten. In einer fragmentierten digitalen Welt bleibt die E-Mail das stabilste Rückgrat für Kundenbindung und messbaren Umsatz.

Die Gründungsphase: Das Fundament für Skalierbarkeit legen

Die Basis für Erfolg ist eine skalierbare E-Mail-Marketing-Software wie Mailjet. Anstatt nur die Kosten für die ersten 500 Kontakte zu betrachten, müssen Gründer ein Tool wählen, das die Anforderungen der nächsten 50.000 Kontakte technisch und funktional bereits abdeckt. Ein professionelles Setup beginnt genau hier:

  • Double-Opt-in: Von Tag eins an ist ein sauberer Listenaufbau durch ein konsequentes Verfahren Pflicht. Dies ist rechtlich notwendig und der erste Schritt zu einer hohen Zustellbarkeit.
  • Frühzeitige Segmentierung: Die Trennung von Interessenten und Bestandskunden ermöglicht relevantere Inhalte und stärkt die Bindung.
  • Sender-Reputation: Wer auf eine professionelle, skalierbare Lösung setzt, stellt sicher, dass die technischen Voraussetzungen für eine hohe Zustellrate von Anfang an erfüllt sind.

„Wer bei der Zustellbarkeit spart, zahlt später mit dem gesamten Kanal.“

Die Zustellbarkeit ist die Währung im E-Mail-Marketing. Eine schlechte Reputation bei Providern wie Gmail oder GMX ist nur schwer wiederherzustellen.

Wachstumsphase: Prozesse für Teams und erste Automatisierungen

Sobald das Startup wächst und das Marketing-Team aus mehr als einer Person besteht, werden unstrukturierte Prozesse zum Effizienzkiller. Geteilte Logins führen zu Chaos: Entwürfe werden überschrieben und Kampagnen versehentlich versendet. In dieser Phase wird die Kollaborationsfähigkeit der Plattform entscheidend.

Professionelle Lösungen ermöglichen die Zuweisung unterschiedlicher Benutzerrollen. So kann ein Junior-Marketer Kampagnen entwerfen, während ein Manager sie vor dem Versand freigibt. Gleichzeitig ist dies der ideale Zeitpunkt für erste Automatisierungen: Eine automatisierte Willkommens-Serie oder Onboarding-Strecken stellen sicher, dass jeder Kontakt eine konsistente Erfahrung erhält. Geteilte Vorlagen sorgen zudem für ein einheitliches Branding über alle Kampagnen hinweg.

Skalierungsphase: API-Integration und Transaktions-E-Mails meistern

In der Skalierungsphase wird die E-Mail-Kommunikation zu einem integralen Bestandteil des Produkts. Es geht nicht mehr nur um Newsletter, sondern um systemkritische Transaktions-E-Mails: Passwort-Zurücksetzungen, Bestellbestätigungen oder Rechnungen. Diese müssen absolut zuverlässig und in Echtzeit zugestellt werden.

Die Lösung liegt in einer robusten E-Mail-API oder einem SMTP-Relay. Ein kritischer Punkt ist dabei die saubere Trennung von Marketing- und Transaktions-Traffic. Während Marketing-Mails an große Verteiler gehen und höhere Spam-Markierungsraten haben können, genießen Transaktions-Mails höchste Priorität. Eine Vermischung riskiert, dass eine schwache Marketing-Kampagne die Zustellung wichtiger System-Mails gefährdet.

Die Achillesferse der Skalierung: Zustellbarkeit proaktiv managen

Zustellbarkeit ist kein Zustand, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Mit steigendem Versandvolumen wächst das Risiko, als Spam eingestuft zu werden. Ein professionelles Setup umfasst daher:

  • Authentifizierung: Protokolle wie SPF, DKIM und DMARC sind heute absoluter Mindeststandard, um die Legitimität des Absenders zu beweisen.
  • Bounce-Management: Professionelle Plattformen bereinigen Kontaktlisten automatisch, indem sie unzustellbare Adressen sofort entfernen.
  • Reputations-Monitoring: Die Überwachung der genutzten IP-Adressen ist essenziell, um bei Problemen proaktiv eingreifen zu können.

DSGVO und Compliance: Rechtssicherheit als Wachstumsfaktor

In einem Markt, in dem Datenschutz immer wichtiger wird, ist DSGVO-Konformität ein Wettbewerbsvorteil. Ein improvisierter Ansatz, bei dem Einwilligungen in Excel-Listen verwaltet werden, ist rechtlich untragbar. Ein professionelles Setup automatisiert die Einhaltung der Anforderungen inklusive lückenloser Dokumentation.

Aspekt Improvisierter Ansatz Professionelles Setup
Einwilligung Manuelle Listen, keine Zeitstempel Automatisierte Double-Opt-in-Prozesse
AV-Vertrag Oft nicht vorhanden Rechtssicherer Vertrag (AVV)
Datenstandort Unklar, oft außerhalb der EU Transparente Angabe (EU-Server)
Abmeldung Manueller Prozess Automatischer Abmelde-Link
Foto (oben): Shutterstock

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