#Gastbeitrag – Warum die Jahre an Erfahrung nicht entscheidend sein sollten 

#Gastbeitrag

Was ist für den Erfolg einer Person in einer bestimmten beruflichen Position wirklich wichtig? Die Jahre an Erfahrung jedenfalls nicht. Die Gründe dafür erläutert Job van der Voort, CEO und Mitgründer von Remote, in diesem Gastbeitrag. 

Warum die Jahre an Erfahrung nicht entscheidend sein sollten 

Donnerstag, 15. August 2024VonTeam

Während in Konzernen diverse Studienabschlüsse als Einstellungskriterium noch weit verbreitet sind, ist das in der Startup-Welt bereits kein Indikator mehr für die berufliche Eignung. Das ist richtig und wichtig, denn wie wir wissen, kann zum Beispiel eine Software-Entwicklerin, die sich alles durch eigene Projekte selbst beigebracht hat, genauso produktiv oder sogar produktiver sein als jemand, der sich mehr schlecht als recht durch einen Studienabschluss gequält hat. 

Doch ich möchte gerne dazu anregen, noch einen Schritt weiter zu denken: Wie wichtig ist die in Stellenanzeigen oft geforderte Mindesterfahrung in der Praxis?

Ich glaube nicht, dass die fähigste Person für eine Position unbedingt die Person mit der meisten Erfahrung ist. Erstklassige Unternehmen werden von Menschen mit Tatkraft und Leidenschaft aufgebaut, nicht von denen, die schon sehr lange dasselbe tun. 

Die Forderung nach langjähriger Erfahrung schadet Unternehmen dabei in mehrfacher Hinsicht: Sehr fähige Personen, die nicht die gewünschte Anzahl an Berufsjahren haben, bewerben sich erst gar nicht. Auch Menschen mit übertragbaren Kompetenzen in angrenzenden Bereichen scheuen sich, Kontakt aufzunehmen.  

Meine Erfahrung hat mich schon oft gelehrt: Berufsjahre sind überbewertet. Regelmäßig begeistern mich Menschen, die Erfahrungen in verschiedensten Rollen gesammelt haben. Sie sind am ehesten in der Lage, sich an ein herausforderndes Arbeitsumfeld oder eine schnelllebige Startup-Kultur anzupassen. 

Gleichzeitig brauchen wir natürlich oft auch Mitarbeitende, die bestimmte Aufgaben gleich vom ersten Tag an übernehmen können. Doch dafür gibt es eine Lösung. Statt jahrelanger Erfahrung in einer bestimmten Rolle, können wir einfach klare Erwartungen in der Stellenausschreibung kommunizieren. Zum Beispiel: “Du kannst nachweisen, dass du unsere Marketingausgaben analysieren und Ineffizienzen aufdecken kannst.” Oder: „Du bist nachweislich in der Lage, ein Sprachmodell zu trainieren und einen Chatbot für interne Zwecke zu entwickeln.”

Personalverantwortliche müssen im nächsten Schritt im Bewerbungsgespräch die richtigen Fragen stellen, um die Erwartungen zu verifizieren. Das ist zwar schwieriger als nur auf eine Zahl im Lebenslauf zu schauen. Doch gleichzeitig müssen auch die Bewerbenden härter arbeiten, um zu zeigen, dass sie diese Aufgaben tatsächlich erledigen können. 

So wird aus “jahrelanger Erfahrung” ein “Zeig uns, dass du das kannst”. Je spezifischer, desto besser. Während des Bewerbungsprozesses können die Gesprächsführenden der Person zudem die Möglichkeit geben, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Falls dafür eine Aufgabe erforderlich ist, dann ist es nur wichtig, die Zeit der Bewerbenden zu respektieren und die Aufgabe so kurz wie möglich zu halten. 

Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen: Denn ich habe schon häufig erlebt, dass außergewöhnliche Mitarbeitende überhaupt keine Erfahrung in der neuen Rolle mitbringen. Dadurch gehen sie ihre Aufgaben komplett unvoreingenommen an und können neue Blickwinkel einbringen. 

Umgekehrt können Personen mit langjähriger Erfahrung in einer einzigen Funktion und in einem einzigen Unternehmen häufig schlecht geeignet sein. Denn sie tun sich schwerer damit, von einer etablierten Rolle in eine mit neuen Herausforderungen und Verantwortlichkeiten zu wechseln. 

Ich hoffe, dass noch mehr Unternehmen ihre Anforderungen in Stellenausschreibungen überdenken und so mehr Top-Talente finden können. Schließlich beruht meine eigene Karriere darauf, dass mir Jemand die Chance gegeben hat, etwas zu tun, in dem ich keinerlei Erfahrung hatte. Heute bin ich Gründer eines Unicorns und als CEO verantwortlich für über 1.400 Mitarbeitende. 

Über den Autor


Job van der Voort ist Mitgründer und CEO von Remote, einem Unternehmen, das es Arbeitgebern ermöglicht, jeden von überall aus einzustellen. Vor der Gründung von Remote arbeitete Job van der Voort als Hirnforscher, bis er die akademische Welt verließ und VP of Product bei GitLab wurde, wo er Mitarbeitende aus 67 verschiedenen Ländern einstellte. Van der Voort ist ein gefragter Keynote-Speaker, der über Themen wie die Skalierung eines Remote-Startups, die Kultur bei Remote-Unternehmen und die Zukunft der Arbeit spricht. Er hat zwei Kinder und fünfhundert Hobbys.

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#Gastbeitrag – Warum KI die Venture Capital-Branche umkrempeln wird

#Gastbeitrag

In der Venture Capital-Branche steht eine erhebliche Transformation bevor. Künstliche Intelligenz wird den Wettbewerb unter Investor:innen drastisch erhöhen und persönliche Beziehungen zum noch relevanteren USP werden. Warum, erklärt dieser Gastbeitrag.

Warum KI die Venture Capital-Branche umkrempeln wird

Dienstag, 13. August 2024VonTeam

Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Paradigmenwechsel, der nicht nur die allgemeinen Geschäftsprozesse, sondern auch spezifische Industrien revolutioniert. Besonders in der Venture Capital-Branche steht eine erhebliche Transformation bevor, glauben Tina Dreimann und Cedric Duvinage, Mitgründer:innen und Geschäftsführer:innen von better ventures. Sie sind überzeugt, dass KI den Wettbewerb unter Investor:innen drastisch erhöhen wird und persönliche Beziehungen zum noch relevanteren USP werden. Warum, erklären sie in ihrem Gastbeitrag.

Bei better ventures sehen wir in unserer täglichen Arbeit bereits jetzt, wie sehr Künstliche Intelligenz (KI) unsere Prozesse verändert. Allen voran auf drei Bereiche übt die Technologie bereits jetzt massiven Einfluss aus: den Auswahl Prozess, die Entscheidungsfindung sowie den Zugang zu Deals.

Automatisierung des Auswahlprozesses

KI-Systeme revolutionieren den Auswahlprozess von Startups, indem sie aus einer großen Menge an Startups diejenigen herausfiltern, die das größte Potenzial aufweisen und am besten zum eigenen Investitionsansatz passen. Diese Systeme automatisieren in der Folge den Due-Diligence-Prozess und machen wirtschaftliche Prüfungen effizienter. Die Technologie ermöglicht es, deutlich effizienter die aussichtsreichsten Kandidaten zu identifizieren, was bisher ein sehr manueller und zeitintensiver Prozess war. Die wichtigste Voraussetzung dafür: man braucht ein geeignetes Set an Parametern, mithilfe derer man einen guten Filter für die KI-Systeme KI baut, um möglichst treffsicher die “passendsten” zuerst zu sehen. Langfristig wäre es sogar denkbar, dass KI-Systeme komplett automatisiert investieren. 

Beschleunigung der Entscheidungsfindung

Eine der größten Herausforderungen in der VC-Branche ist außerdem die Geschwindigkeit der Entscheidungsfindung. Am Ende der Due Diligence steht ein Investor immer vor der Frage: Investiere ich nun in dieses ein Startup oder nicht? Mit KI können solche Entscheidungsprozesse erheblich beschleunigt werden, weil die Systeme in der Lage sind, komplexe Datenmengen schneller als Menschen zu analysieren und so wertvolle Einblicke in kurzer Zeit zu liefern. Dies ermöglicht es VCs, schneller auf Marktveränderungen zu reagieren und fundiertere Investmententscheidungen zu treffen. Kurzfristig verbessert sich so vor allem die operative Effizient von VCs. Langfristig kann KI dabei helfen, auch die operative Effektivität zu verbessern, was den Return on Invest erhöhen wird.

Demokratisierung von Investitionen

Die größte Veränderung durch KI-basierte Analysetools wird aber durch einen weiteren Aspekt hervorgerufen: Der früher exklusive Zugang zu Investitionsmöglichkeiten wird mithilfe von KI-Tools erweitert, wenn nicht gar demokratisiert. Früher war es wichtig, überhaupt von einem Deal zu erfahren – und damit war die Größe des Netzwerks entscheidend. Wer nicht über den Deal Bescheid wusste, konnte auch nicht investieren. Heute ist es mithilfe von Tools bereits möglich, zeitnah zu erfahren, wann eine vielversprechende Person etwas (Neues) gründet. Das demokratisiert den Zugang zu Deals – und erhöht den Wettbewerb, da die Anzahl an potentiellen Investor:innen, die Zugang zu dem Deal haben, steigt. 

Wenn man davon ausgeht, dass per se alle VCs den Zugang zu den gleichen Tools und somit den Zugang zu denselben Startups haben, wird eine bisher vernachlässigte Dimension umso wichtiger: die persönliche Beziehung zwischen Gründer:innen und Investor:innen.

Die Bedeutung persönlicher Beziehungen

Es mutet vielleicht ein wenig Paradox an, aber gerade, weil KI in Zukunft zu einer höheren operativen Effizienz und Effektivität führt und der Pool an potentiellen Investor:innen steigt, gewinnt der Wert an persönlichen Beziehungen an Bedeutung. Gute Gründerteams werden sich künftig noch mehr aussuchen können, welchen Investor:innen sie ihr vertrauen schenken. Und sich höchstwahrscheinlich für diejenigen entscheiden, zu denen sie die stärkste persönliche Beziehung haben. Für Investor:innen wird Geld damit nun mehr zur notwendigen Bedingung für Investments. Die persönliche Beziehung zur hinreichenden, weil sie darüber entscheidet, wer mit einem Team arbeiten und wer nicht. 

Das Netzwerk, die Datengrundlage und KI-Strategie sind entscheidend

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass künftig drei Dinge über die Wettbewerbsfähigkeit von VCs entscheiden. Die Qualität und nicht mehr die alleinige Quantität ihres Netzwerks, die Datengrundlage und das Datenset, das sie für die KI-Systeme bereitstellen können, sowie die übergeordnete KI-Strategie. Das Kapital spielt auch noch eine Rolle – aber längst nicht mehr die Entscheidende. 

Über die Autor:innen


Tina Dreimann und Cedric Duvinage sind Mitgründer:innen und Geschäftsführer:innen von better ventures. Mit better ventures beschleunigen sie den Erfolg von ambitionierten Impact-Gründer:innen und vereinen bereits über 250 Unternehmer:innen. Tina Dreimann ist Mitglied des Beirats Junge Digitale Wirtschaft vom Bundeswirtschaftsministerium von Robert Habeck und wurde 2023 als Investorin des Jahres ausgezeichnet.

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#Gastbeitrag – Kapitaleffizienz als Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg

In der dynamischen Welt der Startups jagen viele den Traum, ein Unicorn zu werden – ein Unternehmen mit einer Bewertung von über einer Milliarde Euro. Doch ist diese magische Zahl wirklich das ultimative Zeichen für Erfolg? Abseits dieser glitzernden Traumwelt bringt die Zebra-Bewegung eine tiefgründige Frage ins Spiel: Was kostet uns dieses schnelle Wachstum wirklich? Wie nachhaltig sind unsere Geschäftsmodelle, die wir so ehrgeizig vorantreiben? In diesem Artikel möchten wir eine Brücke schlagen zwischen der kompromisslosen Wachstumsdynamik der Unicorns und den nachhaltigen, kapitaleffizienten Ansätzen der Zebra-Bewegung.

1. Neudefinition von Erfolg

Die traditionelle Erfolgsdefinition in der Startup-Szene ist eng mit schnellem Wachstum und großen Investitionen verknüpft. Doch was passiert, wenn Märkte sich abkühlen oder Investoren ihre Strategien hinterfragen? Hier bietet die Zebra-Bewegung einen Perspektivwechsel an: Erfolg sollte nicht ausschließlich anhand kurzfristiger Wachstumszahlen bewertet werden, sondern auch danach, wie wirtschaftlich nachhaltig und gesellschaftlich verantwortlich ein Unternehmen agiert. Diese Neuinterpretation von Erfolg stärkt die Widerstandsfähigkeit von Unternehmen gegen Marktschwankungen und bildet das Fundament für langfristigen Erfolg.

Wir kennen die Geschichten von Unicorns, die über Nacht Millionen generieren, doch oft bleiben die Herausforderungen im Verborgenen: Burn-out, voreilige Entscheidungen und eine Unternehmenskultur, die schnelles Wachstum über nachhaltige Entwicklung stellt. In den extremsten Fällen können schlussendlich sogar moralische oder strafrechtliche Grenzen überschritten werden: Einst hochgelobte Vorbilder der Szene wie Theranos, WeWork, FTX, Wirecard oder Signa sind schlussendlich genauso spektakulär gefallen, wie sie zuvor aufgestiegen sind. Im Kontrast dazu fordert die Zebra-Bewegung uns dazu auf, den Fokus auf den Dreiklang aus nachhaltigem Wachstum, Profitabilität und gesellschaftlicher Verantwortung zu legen. Nicht als Nice-to-have, sondern als Fundament.

2. Kapitaleffizienz praktisch umsetzen

Bei Zebra Embassy haben wir in den letzten Jahren beobachtet, wie Startups, die Kapitaleffizienz ernst nehmen, nicht nur kurzfristige Hürden überwinden, sondern sich langfristig erfolgreich etablieren. Diese Unternehmen bauen nicht nur für den Moment, sondern für Jahrzehnte. Kapitaleffizienz ist nicht mit Sparsamkeit zu verwechseln. Innovation und Fortschritt erfordern stets Zukunftsinvestitionen, die auch mit Risiken verbunden sind. Umso mehr ist es also erforderlich, dass jede Investition daraufhin geprüft wird, ob sie nachhaltigen Wert schafft. Eine wohlüberlegte Investitionsstrategie schafft eine solide finanzielle Grundlage und vermeidet die Fallstricke der Überfinanzierung, die oft zu ineffizientem Einsatz von Ressourcen führen.

3. Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung

In einer von Klimawandel und Ressourcenknappheit geprägten Welt kann ein “Business as usual” nicht fortbestehen. Startups, die die Prinzipien der Zebra-Bewegung annehmen, demonstrieren eindrucksvoll, dass ökonomischer Erfolg und positiver gesellschaftlicher Beitrag kein Widerspruch sein müssen. Im Gegenteil: richtig angewandt, verstärken sie sich gegenseitig.

Sie beweisen, dass profitables Wirtschaften und ethisches Handeln Hand in Hand gehen können. Ökonomische Ziele werden eng mit einem positiven, gesellschaftlichen und ökologischen Fußabdruck verbunden. Zebra-Unternehmen verfolgen die Philosophie, dass die Herausforderungen unserer Zeit nicht nur ein Umdenken erfordern, sondern auch neue, innovative Geschäftsmodelle ermöglichen, die ethisches Handeln und Profitabilität vereinen. Oder vom Ende her gedacht: Die Zebra-Bewegung tritt für ein Wirtschaftssystem ein, in dem diejenigen Unternehmen wirtschaftlich am erfolgreichsten sind, die den größten positiven Beitrag für Umwelt und Gesellschaft leisten.

4. Öffentliche Fördermittel klug einsetzen

Ein intelligenter Finanzierungsmix, der öffentliche Fördermittel einschließt, kann Startups nicht nur finanzielle Entlastung bieten, sondern auch die Grundlage für weiteres Wachstum schaffen. Diese Mittel wirken oft als Katalysator für Innovationen, ermöglichen eine effizientere Nutzung der Eigenmittel und stärken die gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen. In einem perfekten Ökosystem ergänzen sie die Eigenfinanzierung und Venture Capital, um ein robustes finanzielles Fundament zu schaffen. Ein klug konzipierter Mix aus verschiedenen Finanzierungsquellen sichert nicht nur die Unabhängigkeit des Startups, sondern auch dessen nachhaltiges Wachstum. Die echten Game Changer der nächsten Jahre werden diejenigen sein, die die Explosivität der Unicorns mit der langfristigen Orientierung der Zebras verbinden. Es ist eine spannende Zeit, ein Unternehmen zu führen, und die Möglichkeiten sind grenzenlos, wenn wir unsere Geschäftsmodelle bewusst und nachhaltig gestalten.

Liebe Gründerteams, liebe Investment-Teams: Wir laden euch dazu ein, Schritt für Schritt die Prinzipien der Zebra-Bewegung in euren Unternehmen zu integrieren. Gemeinsam können wir eine neue Generation von Technologieunternehmen etablieren, die nicht nur finanziell erfolgreich ist, sondern auch auf einem festen gesellschaftlichen und ökologischen Fundament steht. Das Rückgrat der Wirtschaft von morgen.

Über den Autor


Philipp Nägelein ist Managing Partner bei  Zebra Embassy, einem 2021 in München ins Leben gerufenen Beratungsunternehmen. Zebra Embassy hat erfolgreich mehr als 250 Startups und Scale-ups unterstützt und dabei ein Fördervolumen von über 100 Millionen Euro mobilisiert. Mit der klaren Vision, nachhaltiges Wachstum, Effizienz und öffentliche Finanzierungsmöglichkeiten zu stärken, setzt sich das Unternehmen entschieden für die Förderung von “Zebra Werten” ein – und damit für eine nachhaltige und zukunftsfähige Startup-Kultur in Deutschland.

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#Gastbeitrag – CVCs + Startups = Perfektes Match für langfristigen Erfolg

#Gastbeitrag

Um in der heutigen Zeit durchzuhalten, benötigen Startups vor allem eines: Kapital, das lange hält. Warum gerade Corporate VCs (CVCs) den langfristigen Erfolg von aufstrebenden Startups sichern können, erläutert Jasper Roll in diesem Gastbeitrag.

CVCs   Startups = Perfektes Match für langfristigen Erfolg

Dienstag, 6. August 2024VonTeam

Für Startups in Deutschland bleibt 2024 ein herausforderndes Jahr. Trotz einer vorsichtigen Erholung im Venture-Capital-Markt steigt bei Vielen die Sorge vor Insolvenzen. Zusätzlich konsolidiert sich der Markt weiterhin, verglichen mit den Rekord-Jahren 2021 und 2022. Um in der heutigen Zeit durchzuhalten, benötigen Startups vor allem eines: Kapital, das lange hält. Warum gerade Corporate VCs den langfristigen Erfolg von Startups sichern können, erklärt dieser Gastbeitrag.

Bisher wurde zu viel Geld verbrannt 

In den vergangenen Rekord-Jahren wurden viele Startups von Investor:innen sehr hoch bewertet und mit viel Kapital ausgestattet. Das Kernproblem: Die erwarteten Wachstumszahlen waren deutlich überzogen und das Kapital konnte nicht effizient genug eingesetzt werden, um die versprochenen Umsätze zu erreichen. Um diesen Zielen irgendwie nachzukommen, haben einige Startups viel Geld für kurzfristige Maßnahmen verbrannt. Häufig blieben die erwarteten Erfolge aus – insbesondere die langfristigen.

Kapital muss langfristiger eingesetzt werden

Im Vergleich zu klassischen VCs können Corporate VCs (CVCs) längerfristige Perspektiven bieten. Zwar wollen auch CVCs mit ihren Investments Rendite erzielen und verfolgen ambitionierte Ziele, jedoch meist über einen längeren Zeitraum und weniger aggressiv. Das liegt vor allem daran, dass klassische VCs häufig das sogenannte “Power Law” anwenden: Das heißt, dass sie 90% ihrer Renditen mit vereinzelten Investments erzielen. Somit suchen sie nach einzelnen “Ausreißern”, die ihren Ertrag innerhalb einer Fondslaufzeit so drastisch vervielfachen, dass sie bei einem Exit die nicht erfolgreichen Investments in ihrem Portfolio insgesamt ausgleichen. Folglich nehmen viele klassische VCs höhere Ausfallquoten unter ihren Startups in Kauf. Im Gegensatz dazu verfolgen einige CVCs den Ansatz, über mehrere, dafür kleinere Exits Rückzahlungen leisten zu können und setzen mehr auf Beständigkeit. Sie nutzen ihre Branchenkenntnisse und unternehmerische Erfahrung, um langfristiges Wachstum realistisch einzuschätzen. Gleichzeitig bringen sie mehr Geduld mit und können den Startups entspanntere Finanzierungsmöglichkeiten anbieten, indem sie beispielsweise keine feste Fondslaufzeit haben oder ihre Beteiligungen über einen längeren Zeitraum halten. Viele CVCs setzen somit eher auf “Patient Capital” (geduldiges Kapital). Dies ermöglicht mehr Zeit für nachhaltiges Wachstum. Somit erhalten auch Startups in kleineren Märkten mit niedriger prognostizierten Wachstumszahlen die Chance, sich mithilfe eines starken CVCs an ihrer Seite langfristig durchzusetzen.

CVCs bieten Zugang zu Netzwerken und Branchenwissen

Zusätzlich bringen CVCs strategisches Wissen aus verschiedenen Bereichen mit. In einem Corporate sitzen zahlreiche Expert:innen, die wertvolle Unterstützung bieten können – zum Beispiel bei der Suche nach Lieferanten, der Führung von wachsenden Teams oder beim Lösen komplexer Herausforderungen. Erfahrene Corporates bieten oft Zugang zu einem breiten Netzwerk und kennen ihre Zielgruppen aus langjähriger Erfahrung gut. Dieses Verständnis und die Ressourcen, die Corporates mitbringen, sind für Startups von unschätzbarem Wert. Mit dem passenden Corporate VC an ihrer Seite können Startups nachhaltig wachsen und langfristig erfolgreich sein.

Was ein gutes Match aus Startup und Corporate ausmacht

Doch kann jede Kollaboration zwischen Startups und CVCs funktionieren? Corporates haben den Ruf, langsam zu sein und Fortschritte eher zu blockieren, statt zu ermöglichen. Um Vorurteile aus dem Weg zu räumen, brauchen Startups also eine gewisse Offenheit und vor allem: eine sorgfältige Due Diligence. Gründer:innen sollten sicherstellen, dass die Personen im CVC gut zu ihnen passen. Denn gerade bei Corporates, die eher an langfristiger Kollaboration interessiert sind, sollte man sich vorstellen können, mehrere Jahre lang eng zusammenzuarbeiten. Wichtig dabei ist, dass der CVC über Startup-Erfahrung verfügt und versteht, dass es für die Zusammenarbeit effiziente Prozesse und Pragmatismus braucht. Dies kann durch eine separate VC-Einheit im Corporate ermöglicht werden, die im Unternehmen einen hohen Stellenwert hat und Abkürzungen nehmen darf. Zusätzlich müssen die gegenseitigen Erwartungen und Grenzen klar kommuniziert werden: Handelt es sich eher um einen Finanzinvestor, oder einen strategischen Investor? Wie viel strategische Expertise möchte man sich einholen? Oder braucht man eher eine Vertriebskooperation, um Zugang zum Markt zu erhalten?

Erfolgreiche Kollaborationen brauchen Beziehungsarbeit

Dass immer mehr CVCs und Startups zusammenfinden, zeigen aktuelle Trends: Waren CVCs im Jahr 2010 an etwa 10% aller europäischen Startup-Deals beteiligt, sind es 2024 bereits 25%. Gleichzeitig planen etwa 89% der Corporate VCs, ihre Investitionen in Startups in den nächsten drei Jahren zu erhöhen oder beizubehalten. Damit eine Kollaboration aber erfolgreich ist, ist es letztendlich wie in jeder Beziehung: Sie kann nur gelingen, wenn es gegenseitiges Verständnis gibt, die Werte zusammenpassen, man zusammen Veränderungen durchlebt und eine gemeinsame Vision existiert. Gerade in der heutigen Zeit, in der Durchhaltevermögen und Wandelbarkeit gefragt sind, können Corporate VCs und Startups besonders voneinander profitieren – durch die Innovationskraft von Startups und die solide Basis, die CVCs bieten. Gemeinsam haben sie die Chance, eine neue Generation des Mittelstands zu erschaffen, die langfristig Bestand hat.

Über den Autor


Jasper Roll ist Geschäftsführer der Haufe Group Ventures GmbH und verfolgt die Mission, die Zukunft der Arbeitswelt aktiv zu gestalten. Dafür entwickelt er mit seinem Team neue Geschäftsmodelle für Corporate Services und investiert in frühphasige B2B-SaaS-Startups. Seine vielseitigen Erfahrungen in der Startup-Szene bilden die Grundlage für seine Tätigkeit: Bei der audibene GmbH war er als Head of Finance & Controlling maßgeblich am schnellen Wachstum des Unternehmens beteiligt und gestaltete einen erfolgreichen Exit des Online-Marktführers der Hörakustik-Branche mit. Während dieser Zeit lernte er, wie man ein Startup effizient skaliert und wie entscheidend die frühen Phasen für den Erfolg eines Unternehmens sind. Bei der Dreamlines GmbH trieb er als Head of New Markets und später als Vice President North America Innovationen voran und erschloss neue Märkte. Zudem war er bei der JUNO & me GmbH in der Rolle als COO/CFO sowie als Head of Customer Systems Operations bei der Rocket Internet SE tätig. Seine Expertise nutzt Roll, um das Startup- und Innovations-Ökosystem der Haufe Group auszubauen und vielversprechenden Startups als strategischer Partner zur Seite zu stehen. Dadurch möchte er Unternehmertum fördern und die Evolution der Arbeitswelt vorantreiben.

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#Gastbeitrag – 5 Top-Skills, die Investor:innen heute brauchen

#Gastbeitrag

Heute ist es wichtiger als je zuvor, Geschäftsmodelle von Startups auf Herz und Nieren zu prüfen. Gute Investor:innen bringen dabei viel mehr mit als nur Zugang zu Wachstumskapital. Ein Gastbeitrag von Marcus Behrendt.

5 Top-Skills, die Investor:innen heute brauchen

Freitag, 2. August 2024VonTeam

Startup-Pleiten, geplatzte Finanzierungsrunden, verbranntes Kapital, ungenutztes Potenzial: Der Umbruch im Startup-Markt führt dazu, dass das Geld bei Investor:innen nicht mehr so locker sitzt wie zuvor. Auf welche Fähigkeiten kommt es heute an, um den richtigen Businesscase zu finden, den großen Deal zu landen und dem Startup zum langfristigen Erfolg zu verhelfen? Ein Gastbeitrag von Marcus Behrendt.

Heute ist es wichtiger als je zuvor, Geschäftsmodelle von Startups auf Herz und Nieren zu prüfen. Gute Investor:innen bringen dabei viel mehr mit als nur Zugang zu Wachstumskapital. Gute Investor:innen sind oft ehemalige Industrieexpert:innen oder haben zuvor selbst in dem spezifischen Investment-Bereich erfolgreich gegründet. 

Daher liegt der wahre Mehrwert von guten Investor:innen vor allem darin, Management Skills und Weitsicht mitzubringen. Sie sollten dem Startup helfen, sich richtig auszurichten und über Netzwerke die richtigen Kontakte zu knüpfen – sei es Zugang zu Kund:innen, Expertise zum Product-Market-Fit, oder Kontakt zu weiteren Investor:innen für die nächsten Investitionsrunden. Diese Vorteile kann keine Bank mit einem Kredit bringen. Wirklich gute Investor:innen sollten sich mitverantwortlich für die Zukunft des Unternehmens fühlen, und dem Unternehmen sowohl strategisch als auch inhaltlich als Expert:innen mit tiefen Taschen zur Seite stehen. Mit gebündelten Kräften werden Ziele schneller erreicht: ein Vorteil für  Gründer:innen sowie Investor:innen.

Es kommt außerdem darauf an, die Gründer:innen mehr an die Hand zu nehmen: Denn auch die beste Idee kann an mangelndem Leadership innerhalb des Startups oder aufgrund von unzureichenden Netzwerken scheitern. 

Skill 1: Die Nähe zu Fachexpert:innen & dem Netzwerk.

Es liegt in der Natur der Dinge, dass Investor:innen das Marktgeschehen beobachten. Einen richtigen Mehrwert bringt die Nähe zu Fachexpert:innen, die die Technologie oder Lösung des Startups auch benutzen oder in Zukunft nutzen werden. Ein im Suchfeld spezialisiertes Netzwerk kann helfen, den Business Case noch besser einzuschätzen. Ebenso kann das Netzwerk Türen für Gründer:innen öffnen, um das Geschäft schneller zu skalieren, Produkte in der Realität zu testen und auf das nächste Level zu heben. 

Skill 2: Fokus.

Viele Fonds haben einen spezifischen Fokus, doch noch lange nicht alle. Es lohnt sich, das Suchfeld so weit wie möglich einzugrenzen und mit einem Purpose zu verbinden. Was ist das Ziel der Investments? Darüber hinaus gilt es auch, den Fokus auf die Menschen zu setzen, mit denen man zusammenarbeiten möchte. Wenn die Chemie nicht stimmt, kann es langfristig zu Herausforderungen kommen, die den Erfolg des Unternehmens gefährden. 

Skill 3: Nein sagen. 

Taucht man tiefer in einen Business Case ein und lernt die Gründer:innen besser kennen, klingen viele Deals vielversprechend – kein Wunder, denn Gründer:innen legen ihr ganzes Herz, Zeit und Energie in ihr Startup. Eine Option auszuschließen und Nein zu sagen, ist mit die sowohl schwerste als auch wichtigste Fähigkeit. Klare und offene Kommunikation ist essenziell. Eine Absage ist nicht allgemeingültig und immer aus der Perspektive des Fonds zu sehen. Andere Personen oder Fonds haben oft eine andere Sichtweise und entscheiden anders. Das Buch “The Venture Mindset” von Ilya Strebulaev und Alex Dang bringt diesen Aspekt sehr gut auf den Punkt. 

Skill 4: Langfristig denken.

Auch wenn eine Technologie auf den ersten Blick oder im Hier und Jetzt disruptiv erscheinen mag – so lohnt es sich, innezuhalten und zu überlegen, wie sich die Welt weiterdreht. Wie schaut die Prognose für eine Technologie in den nächsten fünf, zehn oder auch zwanzig Jahren aus? In der Due Diligence ist es ratsam, über den Tellerrand hinauszuschauen und das Produkt und dessen Weiterentwicklung mitzudenken. Wo lässt sich eine Lösung oder ein Produkt skalieren? Wo gibt es weitere Anwendungsfelder, die die Gründer:innen bislang nicht betrachtet haben? 

Skill 5: Der richtige Riecher

Klingt banal, ist aber vor allem eine  Kompetenz, die sich mit den Jahren und den gesammelten Erfahrungen entwickelt. Dafür ist auch eine kontinuierliche Bereitschaft zum Lernen wichtig. Im Englischen wird neuerdings gerne von “the prepared mind” gesprochen. Laut diesem Konzept ist es lohnenswert, sich im Vorfeld konzeptionell mit verschiedenen Themen und Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Diese Vorbereitung hilft zu reagieren, wenn plötzlich eine Situation auftritt, in der eine (kurzfristige) Entscheidung nötig ist.  Außerdem ist es wichtig, auf Erfahrungswerte zurückzugreifen: Welche Investments sind gescheitert und aus welchen Gründen? Was gilt es beim nächsten Mal besser zu machen? Gepaart mit Intuition und der Nähe zu den Gründer:innen kann dies erfolgsentscheidend sein.

Fazit: Mensch und Fakten sehen 

Als Investor:in tätig zu sein kann erfüllend sein – man ist schließlich besonders nah an neuen Technologien, die unsere Zukunft maßgeblich beeinflussen können. Das englische Wort Venture Capital kommt von “ventures”, also “Unternehmen” – und Unternehmungen. Jede:r Gründer:in und Unternehmer:in muss eine ordentliche Portion Mut, Wagnis, Entdeckergeist und Risikoaffinität mit sich bringen. Doch das Wort “venture” birgt auch “adventure”, also das Abenteuer. Wie jedes Abenteuer sind Investments nicht nur für Gründer:innen, sondern auch für Investor:innen immer mit Risiko verbunden. Es geht darum, dieses Risiko professionell zu managen. Erfolgreiche Technologien und Prozesse lassen sich identifizieren. Wenn gute Investor:innen diese fördern, wird am Ende unsere Gesellschaft und unsere Welt vorangebracht. Jede Partei sollte sich dabei auf ihren Anteil fokussieren. Die Gründer:innen fokussieren sich auf ihre Idee und deren Umsetzung. Die Investor:innen fokussieren sich auf das Fördern guter und neuer Ideen. Und die etablierten Unternehmen fokussieren sich auf die Zusammenarbeit und Nutzung dieser neuen Ideen und Produkte in einem sportlichen und fairen Wettbewerb. 

Über den Autor


Marcus Behrendt ist Managing Partner von BMW i Ventures.

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