#Interview – “Der Fokus auf Software- und KI-basierte Lösungen war ein Volltreffer”

#Interview

Das junge Unternehmen Compredict aus Darmstadt, das Autos klüger macht, sammelte in den vergangenen Jahren rund 22 Millionen ein. “In den kommenden Monaten erwarten wir, dass unsere Technologie noch stärker nachgefragt wird”, sagt Gründer Stéphane Foulard.

“Der Fokus auf Software- und KI-basierte Lösungen war ein Volltreffer”

Dienstag, 17. September 2024VonAlexander Hüsing

Hinter dem Unternehmen Compredict, 2016 von Rafael Fietzek und Stéphane Foulard in Darmstadt gegründet, verbirgt sich eine Softwarelösung, die es Automobilherstellern ermöglicht, “das Design, die Nutzung und die Wartung von Fahrzeugen zu optimieren und gleichzeitig den Kunden durch neue Funktionen und geringere Kosten einen Mehrwert zu bieten”.  Woven Capital, der Wachstumsfonds von Toyota, und Shift4Good investierten zuletzt 15 Millionen US-Dollar in das Unternehmen. Insgesamt flossen bisher rund 22 Millionen in Compredict.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Compredict-Macher Foulard über Daten, Sichtbarkeit und Rentabilität.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Compredict erklären?


Oma, stell dir vor, unsere Firma hilft Autos, klüger zu werden, ohne dass man neue Sensoren einbauen muss. Wir nutzen die vorhandenen Daten im Auto, um zu erkennen, wenn etwas repariert werden muss, und um das Fahren sicherer und bequemer zu machen. Es ist wie ein unsichtbarer Helfer im Auto, der ständig aufpasst.

War dies von Anfang an euer Konzept?


Ja, wir erkannten frühzeitig, dass die Automobilbranche einen Wandel durchläuft, vergleichbar mit der Revolution der Smartphone-Industrie. Von Anfang an war unser Konzept, die schon heute in Serienfahrzeugen reichlich vorhandenen Fahrzeugdaten zu nutzen, um Fahrzeuge rein softwarebasiert intelligenter zu machen und die Fahrzeugentwicklung bis hin zu After-Sales datengetrieben zu unterstützen. Unser Ziel blieb konstant, aber wir haben unser Produktangebot erweitert und verfeinert, um den Bedürfnissen unserer Kunden besser gerecht zu werden.

Zuletzt konntet ihr 15 Millionen einsammeln. Wie seid ihr mit euren Investor:innen in Kontakt gekommen?


Wir sind mit unseren Investoren durch eine Kombination aus Netzwerkpflege, Empfehlungen, Branchenveranstaltungen und gezielten Pitches in Kontakt gekommen. Insbesondere unsere Marketingaktivitäten und unsere Teilnahme an einschlägigen Messen und Konferenzen hat uns geholfen, Sichtbarkeit zu erlangen und Beziehungen zu potenziellen Investoren aufzubauen.

Euer Firmensitz ist Darmstadt. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil?


Das ist ganz klar ein Vorteil. Darmstadt ist die Wissenschaftsstadt, ein Zentrum für technische Innovation und Forschung, insbesondere im Bereich Automotive und Software. Die Nähe zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie eine gute Infrastruktur bieten uns hervorragende Voraussetzungen.

Es herrscht weiter leichte Krisenstimmung in der deutschen Startup-Szene. Mit welchen Erwartungen blickst Du auf die kommenden Monate?


Wir blicken optimistisch in die Zukunft und sehen in jeder Krise auch neue Chancen. In den kommenden Monaten erwarten wir, dass unsere Technologie noch stärker nachgefragt wird, da die Automobilindustrie zunehmend auf Effizienz, Kosteneinsparungen und digitale Dienste setzt – genau die Bereiche, die wir abdecken. Wir planen, unsere Marktposition weiter zu festigen und unsere internationale Präsenz, insbesondere in Japan und den USA, auszubauen.

Wie hat sich Compredict seit der Gründung entwickelt?


Seit unserer Gründung haben wir bedeutende Fortschritte erzielt. Unser Team ist auf etwa 40 Mitarbeiter angewachsen, und wir konnten mehrere große Automobilhersteller als Kunden gewinnen. Erste bedeutende Serieneinsätze unserer Technologie stehen kurz bevor, und dank der neuen Finanzierung erwarten wir weiteres Wachstum und Expansion.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


Das Timing war in den letzten Jahren nicht ideal. Die Automobilindustrie bewegt sich langsamer als erwartet, was unsere Pläne verzögert hat. Zudem brachte die wirtschaftliche Krise aufgrund der Corona-Phase zusätzliche Herausforderungen mit sich, die einen Paradigmenwechsel bei den VC-Investitionen bewirkten: weg von Wachstum um jeden Preis hin zu Rentabilität als Priorität. Wir mussten unsere Go-to-Market-Strategie anpassen und gezielter mit unseren finanziellen Mitteln umgehen.





Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?


Wir haben uns durchgehend an unsere Vision gehalten und die Ausdauer bewiesen, langfristig durchzuhalten. Der Fokus auf Software- und KI-basierte Lösungen war ein Volltreffer. Durch innovative Produkte und starke Partnerschaften konnten wir uns im Markt etablieren und kontinuierlich wachsen.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer;innen mit auf den Weg?


Seid flexibel, hinterfragt alles und passt eure Pläne bei Bedarf an. Stellt talentierte und erfahrene Mitarbeiter ein, die an eure Vision glauben. Hört auf eure Kunden und das Marktfeedback. Eine gute Idee allein reicht nicht – die Umsetzung und das kontinuierliche Durchhalten sind entscheidend.

Wo steht Compredict in einem Jahr?


In einem Jahr wird unsere Technologie in einer Vielzahl von Fahrzeugen weltweit implementiert sein und wir weiterhin signifikantes Wachstum verzeichnen können.


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Foto (oben): Compredict

#Interview – “Lass dich nicht von kritischen Stimmen verunsichern”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Wenn meine Kinder aus der Schule kommen, ist für mich Schluss mit Arbeit. Falls ich mich dann dabei erwischen lasse, wie ich auf mein Handy schaue, erinnern sie mich daran, dass ich Feierabend habe”, sagt Kaam-in-Gründerin Baicy Terbrüggen.

“Lass dich nicht von kritischen Stimmen verunsichern”

Mittwoch, 11. September 2024VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Baicy Terbrüggen, Gründerin von Kaam-in. Das Unternehmen setzt auf “deutschsprachige Pflege-Fachkräfte aus Indien”.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Ganz klassisch mit Kaffee und einem Blick auf meine To-Do-Liste und den Kalender. Danach geht’s ans E-Mails checken und Telefonieren, bevor ich mich an das Abarbeiten der einzelnen Aufgaben mache.

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?


Spätestens wenn meine Kinder um 15 Uhr aus der Schule kommen, ist für mich Schluss mit der Arbeit. Falls ich mich dann dabei erwischen lasse, wie ich beim Spielen mit ihnen auf mein Handy schaue oder ans Telefon gehe, erinnern sie mich daran, dass ich Feierabend habe – das ist so eine Art Familienregel. Meine Kinder beherrschen diese Regel perfekt, sodass mir das Abschalten gut gelingt. Einmal die Woche versuche ich zudem, Schwimmen zu gehen – manchmal auch vormittags. Das hilft mir, den Kopf freizubekommen und einfach abzuschalten.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?


Ich hätte gerne vorher gewusst, wie vielseitig die Verantwortung als Einzelunternehmerin wirklich ist. Man kümmert sich um alles: Personal, Marketing, Steuern, Rechnungswesen, IT, Technik und Ausstattung – und das ganze bürokratische Zeug. Man weiß zwar, dass das auf einen zukommt, aber man unterschätzt, wie viel da zusammenkommt.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?


Der größte Schritt war es, überhaupt den Mut zu finden, allein in die Selbstständigkeit zu starten. Es war auch eine Herausforderung, an mein eigenes Können zu glauben und den Kundenstamm von Grund auf aufzubauen.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?


Der größte Fehler war, mit einem Neukunden in die Zusammenarbeit einzusteigen und auf Wunsch Prozesse in die Wege zu leiten, bevor der Rahmenvertrag unterschrieben war. Als der Kunde dann die Zusammenarbeit aufgrund einer internen Umstrukturierung abgesagt hat und auch nicht bereit war, die Teilrechnungen zu zahlen, wurde mir klar: Das passiert mir nicht noch einmal.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?


Oft ist es eine Frage des Bauchgefühls – auch wenn das nicht immer richtig ist. Learning by doing eben. Mir ist wichtig, dass meine Mitarbeiter:innen ihre Aufgaben mit echter Leidenschaft angehen und sich über jeden Erfolg gemeinsam mit mir freuen, wie etwa bei der Ausstellung von Visas für unsere indischen Pflegefachkräfte, die in Deutschland arbeiten und leben wollen.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Hab Vertrauen in dich selbst und den Mut, deine Ideen umzusetzen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Bleib authentisch und versprich nur das, was du auch halten kannst. Lass dich nicht von den vielen kritischen Stimmen verunsichern, die dir erzählen, dass Selbstständigkeit immer nur Stress bedeutet und du keine Zeit für deine Familie haben wirst. Halte an deiner Vision fest – der Weg ist das Ziel. Investiere in Dinge wie Personal und Systeme, die dir Zeit sparen, zum Beispiel Steuer, Lohnabrechnung, IT – nach dem Motto: Zeit ist Geld.

Ohne welches externe Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Unser HR-System. Es war mir wichtig, von Anfang an ein gutes System zu haben, um den Überblick über alle Bewerber:innen und Kunden zu behalten.

Wie sorgt Ihr bei Eurem Team für gute Stimmung?


Da wir ein internationales Team haben – Indien, Dubai, Deutschland -, haben wir wöchentliche Meetings, um alle auf dem Laufenden zu halten, uns gegenseitig zu unterstützen und auch mal über Themen abseits der Arbeit zu sprechen. Regelmäßige 1:1-Gespräche sind mir ebenfalls wichtig, um offenes Feedback zu geben und zu bekommen.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Nur sechs Monate nach der Firmengründung konnten wir durch persönliche Empfehlungen unseren ersten Kunden in Österreich gewinnen. Das war echt schnell und unerwartet. Wenige Monate später ging es dann mit diesem Kunden nach Indien, um vor Ort Castings durchzuführen. Dabei haben wir von der österreichischen Fachhochschule die Bestätigung erhalten, dass die indischen Pflegekräfte top ausgebildet und qualifiziert sind.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): Kaam-in

#Interview – “Wir denken, dass KI die Zukunft des Lernens unterstützt”

#Interview

Die Tomorrow University positioniert sich als “moderne Universität”. Derzeit investiert das Berliner Team massiv in das Trendthema KI. “So haben wir ein Kompetenz-Framework entwickelt, welches uns erlaubt, Lernpfade kontinuierlich anzupassen”, sagt Gründer Christian Rebernik.

“Wir denken, dass KI die Zukunft des Lernens unterstützt”

Montag, 9. September 2024VonAlexander Hüsing

Das Berliner Unternehmen Tomorrow University, 2020 von Christian Rebernik und Thomas Funke als Tomorrow’s Education gegründet, startete einst mit einem berufsbegleitenden Masterprogramm. Inzwischen positioniert sich das EdTech als “moderne Universität”. “Bei unseren Studiengängen stehen die Themen Wirtschaft, Nachhaltigkeit und Technologie im Mittelpunkt. Das Besondere ist, dass das Studium ganz individuell auf jeden einzeln zugeschnitten ist”, sagt Gründer Rebernik.

In den vergangenen Jahren sammelte das EdTech rund 14 Millionen Euro ein – unter anderem von EduCapital, Emerge Education. Sparkmind.vc, Redstone, Mediahuis Ventures, 4P Capital, Zanichelli Ventures sowie Angel Investoren wie Verena Pausder, Ralf Reichert und Daniel Jung. Derzeit arbeiten 50 Mitarbeitende für die Tomorrow University.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Tomorrow University-Macher Rebernik über Blickkontakt, KI und Selbstverwirklichung.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Tomorrow University erklären?


Wir sind eine moderne Universität, an der man online mit anderen Menschen aus der ganzen Welt studiert. Bei unseren Studiengängen stehen die Themen Wirtschaft, Nachhaltigkeit und Technologie im Mittelpunkt. Das Besondere ist, dass das Studium ganz individuell auf jeden einzeln zugeschnitten ist: Der oder die Studierende ist nicht einfach eine Nummer, sondern lernt basierend auf dem eigenen Lernpfad anhand praktischer Projekte. Anschließend arbeiten die Absolventen in modernen Unternehmen oder gründen ihr eigenes Business. SAP, Deutsche Bank oder auch Google und Tesla stehen bei ihnen hoch im Kurs.

Was war zuletzt das Highlight bei Euch?


Das letzte große Highlight war der Start vom MBA x Vision. Ein Studiengang, bei dem alle Teilnehmenden eine Vision Pro – sozusagen als Teil der Studiengebühr – erhalten. So sind für jeden die absolut beeindruckenden Möglichkeiten des immersiven Lernens möglich. Eine großartige Ergänzung zu den bisherigen Video Calls. Das Problem dabei ist, dass man ab zwei Teilnehmenden nur noch in ein Kameraloch starrt, ohne Blickkontakt austauschen zu können. Das macht es schwer, soziale Beziehungen aufzubauen. Spatial Personas, wie der immersive Raum der Vision Pro heißt, löst dieses Problem. Dort kann man Personen ansehen und hört sogar, von wo jemand spricht, eine faszinierende Technologie. Gleichzeitig hat man die Hände frei und kann damit gestikulieren oder am Keyboard tippen. Das bringt Online-Lernen auf die nächste Stufe.

Es herrscht weiter leichte Krisenstimmung in der deutschen Startup-Szene. Was ist Deine Sicht auf diese Eiszeit?


Während der Pandemie boomten Online-Unternehmen, da alle Menschen auf das Internet angewiesen waren. Jetzt erreichen viele Bereiche eine Sättigung und es gibt weniger Innovationen. Der Fokus liegt aktuell auf der künstlichen Intelligenz (KI). In diesem Bereich wird richtig viel Geld investiert. Aber auch Robotik oder Green Energy verzeichnen großes Wachstum. Das ist eine harte Realität für viele Unternehmen, die nicht in diesen Sektoren unterwegs sind, da sie um weniger Kapital kämpfen (müssen). Für uns ist das ein Vorteil, da das genau die Themen sind, weshalb Studierende zu uns kommen.

Wie hat sich Tomorrow University seit der Gründung entwickelt?


Seit der Gründung hat sich einiges getan. Wir sind stolzer Partner des GreenTechFestivals und schaffen gemeinsam eine globale Plattform, um Changemaker zu fördern und grüne Technologien voranzutreiben. Viele Unternehmen stecken in tiefgreifenden Veränderungsprozessen, die von Mitarbeitern mit dem entsprechenden Know-how getragen und vorangetrieben werden müssen. Daher haben wir kurze Impact Certificates entwickelt, die darauf abzielen,  zu nachhaltigen Führungskräften, AI-Entwicklern und Transformatoren weiterzubilden. Die IBB-Förderung in Millionenhöhe ermöglicht es uns, personalisiertes Lernen weiterzuentwickeln. Damit unterscheiden wir uns nicht nur von anderen Universitäten, sondern verbessern auch maßgeblich die Lernerfahrungen. Hinzu kommt, dass unsere Studierenden von der Expertise herausragender Persönlichkeiten wie Mario Götze profitieren. Wer könnte anschaulicher erfolgreiche Teamführung erklären als ein echter Weltmeister?

Welches Projekt steht in den kommenden Monaten ganz oben auf der Agenda bei Euch?


Wir denken, dass KI die Zukunft des Lernens unterstützt und personalisiert. Deswegen investieren wir auch in diesen Bereich. So haben wir ein Kompetenz-Framework entwickelt, welches uns erlaubt, Lernpfade kontinuierlich anzupassen. Unser Ziel ist es, Studierenden zu helfen, in ein “Flow”-Lernen zu gelangen. Sie lernen an Herausforderungen, die weder so schwer sind, dass sie aufgeben, noch so leicht, dass sie gelangweilt sind. Das ist wichtig, da wir alle unterschiedliche Erfahrungen und Ausprägungen haben. Abhängig vom jeweiligen Lernziel und der entsprechenden Persönlichkeit, sieht der Lernpfad dann entsprechend anders aus. Das Ergebnis ist der Erfolg unserer Studierenden. Sie bauen Wissen auf, lösen Probleme und geben ihr Know-how weiter. Wir bilden ihre Fähigkeiten zielgerichtet aus, damit die Studierenden der Tomorrow University die Probleme von morgen lösen.

Wo steht Tomorrow University in einem Jahr?


Für uns dreht sich alles um die Selbstverwirklichung der Menschen. Erreichen tun wir das durch die Ausbildung und Vernetzung auf Grundlage ihrer eigenen Mission. Darauf ausgerichtet, entwickeln wir im nächsten Jahr noch weitere Studiengänge und persönliche Lernpfade. So stärken wir die Community und sorgen für ihr Wachstum. Schon heute gibt es Lerngruppen in Berlin, Hamburg, München, Wien und Zürich sowie regelmäßige 2-Tages-Meetups, sogenannte Immersion Days, an denen sich die Studierenden persönlich treffen. Durch die verstärkte Individualisierung und Studiengangs übergreifende Vernetzung verbessern wir nicht nur das Studienerlebnis, sondern bereiten die Studierenden auch auf ihren Erfolg vor.

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Foto (oben): Tomorrow University

#Interview – “Ich versuche, um Punkt 18:00 Uhr Feierabend zu machen”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Das Beeindruckendste für mich war zweifelsohne, Zeit mit unserer Schirmherrin Jane Goodall verbringen zu dürfen”, erinnert sich Sebastian Kroth von Alrighty an sein wildestes Startup-Erlebnis.

“Ich versuche, um Punkt 18:00 Uhr Feierabend zu machen”

Freitag, 6. September 2024VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Sebastian Kroth, Gründer von Alrighty. Das Münchener Startup produziert Kaffee in “Spitzenqualität, der nicht nur fair, sondern auch noch Caretrade ist”.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Jeder Tag sieht in meinem Alltag anders aus. Den Morgen geben meine Kinder vor, bis zum Kitadrop ist Familienzeit. Danach wechseln meine Themen als Gründer und CMO konstant, von Teammeetings über Konzeption bis hin zu Business Development. Um die Komplexität zu wuppen, geht für mich nichts über eine Struktur und Prioritäten setzen. Dafür plane ich meine Woche am Sonntagabend und schaue jeden Morgen, ob ich etwas am Plan ändern oder verschieben muss. Ich bin ein klassischer To-Do-Listen-Typ, auch wenn ich ständig zwischen digitalen Tools und einem Blatt Papier hin und her wechsle. Auch wenn alles digital vermutlich effizienter wäre, liebe ich es einfach, physisch einen Tick hinter ein To-Do zu setzen.

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?


Es ist vielleicht nicht das klassische “Abschalten”, aber ich versuche, um Punkt 18:00 Uhr Feierabend zu machen, um dann gemeinsam mit meiner Frau zu kochen und den Abend mit den Kindern und ihr zu verbringen. Wenn ich etwas mehr Zeit finde, dann verbringe ich gerne Zeit mit Freunden oder mache eine Runde Sport. Wenn ich mal ein Thema ganz in Ruhe abarbeiten will, dann setze ich mich auch nochmal an den PC, wenn alle Kids im Bett sind.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?


Ich habe unterschätzt, wie kompliziert und langwierig der eine oder andere bürokratische Prozess sein kann, besonders wenn man einen produzierenden Betrieb führt. Denn wir betreiben neben unserem Online-Shop alrighty.coffee auch eine eigene Alrighty Rösterei mit angeschlossenem Café. Was ich zudem in Theorie wusste, aber jetzt erst richtig fühle, ist, dass man die Vor- und Nachteile des Corporate Lebens im Gegensatz zu denen des Startup Lebens ständig widergespiegelt bekommt. Zum Beispiel im Hinblick auf Prozesse, Entscheidungsfreiheit bzw. -pflicht, verfügbare Budgets, Politics etc. Ich bin sehr froh, beides erlebt zu haben bzw. erleben zu dürfen und zu lernen, eine gelebte Balance zu den Themen und ihren positiven und negativen Seiten zu finden. Denn am Ende kommt es immer auf die Perspektive an.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?


Wenn wir mal alles wie Funding und Bürokratie, wie eben bei der Eröffnung unserer Alrighty Rösterei, außen vor lassen, dann ist es bei mir vor allem die eigene Überwindung gewesen, aus der gefühlten Komfortzone Konzernleben und -karriere auszusteigen, mit einem etablierten Netzwerk und allen Vorteilen, die es zu bieten hat.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?


Beim Startup hast du ehrlich gesagt nicht viele Chancen, bei Angestellten danebenzuliegen. Daher ist es umso wichtiger, den richtigen Fit zu finden. Da ist Vertrauen im Zweifel wichtiger als fachspezifische Kompetenz. Unser Alrighty Team besteht neben meinen Mitgründern Volker Meyer-Lücke und Daniel Rizzotti, die jahrzehntelange Erfahrung in der Kaffeebranche mitbringen, vor allem aus Personen aus unserem erweiterten Netzwerk.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Durchatmen. Es ist ein Marathon, kein Sprint. Netzwerken. Es gibt immer jemanden in deinem Umfeld, der dein Problem schon dreimal hatte.

Ohne welches externe Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Es gibt nicht das eine Tool wie MS Teams, Trello, Asana, Slack etc., das für uns entscheidend ist. Ich würde die Frage gerne anders beantworten. Die Qualität unserer Produkte steht für mich an oberster Stelle – nicht nur geschmacklich, sondern vor allem in Bezug auf unsere Philosophie, wie wir unseren Rohkaffee beziehen wollen. Unsere Fragestellung war nicht, wie wir mit “was auch immer” viel Geld verdienen können, sondern wie wir das, was wir machen, wirklich gut machen und damit gleichzeitig erfolgreich sein können. Immer wieder auf die Dinge zu schauen und zu wissen, dass sie gut gemacht sind, mit guten Leuten, einer guten Lieferkette, guten Rohstoffen etc. Das sind für mich die Treiber, jeden Morgen wieder weiterzumachen, auch wenn es mal nicht läuft. Ohne die Menschen, Kollegen und Freunde, die bei Alrighty diesen Ansatz mit uns verfolgen, würde das Startup nicht existieren.

Wie sorgt Ihr bei Eurem Team für gute Stimmung?


Ich glaube, neben den Klassikern wie gemeinsam etwas zu unternehmen, sind die wichtigsten Themen, wie in allen Bereichen des Lebens, Transparenz, wirklich Zuhören und Verlässlichkeit. Zumindest sind das die Leitlinien, die ich für mich habe, um egal wem auf Augenhöhe zu begegnen.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Das Beeindruckendste für mich war zweifelsohne, Zeit mit unserer Schirmherrin Jane Goodall verbringen zu dürfen. Unsere Themen mit ihr zu diskutieren und neben ihrer Meinung und ihrer Ratschläge vor allem ihre Aura zu fühlen. War das wild? Ich würde sagen, ziemlich wild.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): Alrighty

#Interview – “Die schlaflosen Nächte haben sich mehr als gelohnt”

Das Kölner Startup grievy hat sich der digitalen Trauerbegleitung und –unterstützung verschrieben. “Wir nehmen Trauernde in den schwersten Zeiten ihres Lebens an die Hand. Dazu haben wir grievy entwickelt. Eine vertrauenswürdige, barrierearme und sofortige digitale Lösung für den Trauerprozess”, schreibt das Team der Gründer:innen Nele Stadtbaeumer, Daniel Bachmann und Aenis Chebil zur Idee. Im Interview mit deutsche-startups.de stellt Gründerin Stadtbaeumer das Konzept hinter grievy einmal ganz ausführlich vor.

Wie würdest Du Deiner Großmutter grievy erklären?


Ich würde meiner Großmutter erklären, dass wir bei grievy Menschen nach dem Tod einer nahestehenden Person zur Seite stehen. Wenn ein geliebter Mensch verstirbt, kann es schwierig sein, die Vielzahl an Gefühlen zu verarbeiten. Man fühlt sich möglicherweise allein oder von den vielen Entscheidungen, die getroffen werden müssen, überwältigt. Wir haben verschiedene Lösungen entwickelt, die wie eine helfende Hand in der Trauer funktionieren, damit diese Person sich besser fühlt und wieder glücklicher wird. Man kann dort lernen, wie man mit seinen Gefühlen umgeht, sich mit anderen Trauernden in einem geschützten Rahmen austauschen und es gibt auch Experten, die einem zuhören und helfen. Es ist, als ob man einen guten Freund immer bei sich hat, wenn man ihn braucht.

Wie wollt Ihr Geld verdienen, also wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?


Unser Geschäftsmodell basiert auf einer SaaS-Lösung. Unsere Hauptkunden sind Bestattungshäuser, Lebensversicherungen und andere Unternehmen, die ihren eigenen Kunden die Trauerbegleitung mit grievy als zusätzlichen Service anbieten möchten. Wir bieten unterschiedliche Modelle an, die flexibel auf die spezifischen Bedürfnisse unserer Geschäftskunden zugeschnitten sind. Diese Modelle variieren je nach Anzahl der Nutzer, die auf unsere Plattform zugreifen können, sowie dem Umfang der bereitgestellten Services. Auf diese Weise können wir unseren Geschäftskunden maßgeschneiderte Lösungen anbieten, die genau auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind.

Wie ist die Idee zu grievy entstanden?


Als ich 24 Jahre alt war, verstarb mein Vater plötzlich. Ich erlebte, wie konservativ und veraltet die Bestattungsbranche damals an vielen Stellen war. Als Psychologin begann ich mich zu fragen, ob ich die Einzige war, die sich nach dem Verlust alleingelassen fühlte. Also führte ich Interviews mit über 200 Angehörigen, und die Antwort war eindeutig: Mehr als 90 % fühlten sich nach der Beisetzung allein gelassen. Da ich im Rahmen meiner Promotion eng mit dem Thema “Digital Health” gearbeitet habe, hat schlussendlich eins zum anderen geführt und grievy ist entstanden. Der Tod meines Vaters liegt nun fast sechs Jahre zurück. Seitdem hat sich in der Branche viel verändert, und in den letzten zwei Jahren haben wir uns mit grievy als fester Player und Marktführer im Bereich der digitalen Trauerbegleitung etabliert.

Wie oder wo hast Du Deinen Mitgründer:innen kennengelernt?


Daniel Bachmann (CTO) und Aenis Chebil (COO) habe ich 2020 im Rahmen eines Universitätsprojekts kennengelernt. Auf der eher schwierigen Suche nach Entwicklern wandte ich mich an die FH Aachen, die glücklicherweise gerade ein Projektseminar gestartet hatte, bei dem kleine Gruppen von Studierenden Unternehmensprojekte bearbeiten. So stand ich neben renommierten Unternehmen mit meiner Idee für grievy. Daniel und Aenis waren zwei der Studierenden, mit denen wir gemeinsam den ersten MVP entwickelt haben. Ich könnte nicht mehr Glück mit den beiden an meiner Seite haben. Wir haben uns alle über die letzten Jahre wachsen gesehen und gemeinsam jede Herausforderung als Team gemeistert. Dabei ergänzen wir uns nicht nur fachlich, sondern auch persönlich. Und von uns Dreien im Gründungsteam sind wir mittlerweile auf ein Team aus acht Personen angewachsen.

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?


Wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke, fallen mir zwei große Herausforderungen ein. Einmal, als wir am Wendepunkt standen, ob wir Finanzierung aufnehmen möchten oder bootstrapped unsere gesamte Energie in unsere Sales-Pipeline stecken. Wir haben uns damals genau an einem Scheitelpunkt befunden, wo der bootstrapped-Weg durchaus realistisch, wenn auch risikoreicher war. Jetzt, acht Monate später, bin ich stolz, dass wir uns für diesen Weg entschieden haben. Wir sind bootstrapped und können uns selber tragen. Im Zuge dieser Entscheidung kam auch eine zweite größere Herausforderung: Wenn man Sales in hoher Intensität betreibt, lernt man schnell, an welchen Stellen das Geschäftsmodell noch Schwachstellen birgt. Wir haben über die letzten Monate unser Geschäftsmodell und unser Pricing noch einmal stark optimiert, viel getestet und an unsere Kunden angepasst. Rückblickend würde ich sagen: Das Risiko und die schlaflosen Nächte haben sich mehr als gelohnt.

Es herrscht weiter leichte Krisenstimmung in der deutschen Startup-Szene. Mit welchen Erwartungen blickst Du auf die kommenden Monate?


Ich kann hier nur für uns sprechen, aber ich blicke sehr positiv auf die kommenden Monate, da wir nicht auf externe Investments angewiesen sind. Besonders in Zeiten, in denen die Finanzierungslandschaft angespannt ist, bietet der bootstrapped Ansatz viele Vorteile. Natürlich ist dieser Weg nicht für jedes Geschäftsmodell ideal, aber für uns ermöglicht er eine größere Unabhängigkeit und Flexibilität.

Wo steht grievy in einem Jahr?


In einem Jahr sehe ich grievy in einer Phase des starken Wachstums. Da wir in der DACH-Region bereits stark aufgestellt sind, planen wir aktuell unsere Schritte in Richtung Internationalisierung voranzutreiben und unsere Präsenz in weiteren Märkten auszubauen. Außerdem erweitern wir unser Produkt derzeit um einen ganzen neuen Bereich der Begleitung, um noch gezielter auf die Bedürfnisse unserer Trauernden einzugehen. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Ausbau unserer B2B-Partnerschaften, um langfristige Kooperationen zu stärken und neue gewinnbringende Partnerschaften zu erschließen. So möchten wir unsere Position als führender Anbieter im Bereich der Trauerbegleitung weiter festigen.

Reden wir über Köln. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was macht den Reiz der Startup-Szene in Köln aus?


Köln und ganz Nordrhein-Westfalen haben sich als spannende und attraktive Startup-Standorte etabliert. Was Köln für uns besonders reizvoll macht, ist zum einen die extreme Sichtbarkeit in der Startup- und Unternehmens-Szene, die wir hier als junges Unternehmen erlangen dürfen. Zum anderen bietet Köln den großen Vorteil, von der gesamten Startup-Landschaft in Nordrhein-Westfalen zu profitieren. Köln liegt im Herzen von NRW, was den Zugang zu einer Vielzahl von Ressourcen, Events und Fördermöglichkeiten in anderen Städten wie Aachen, Düsseldorf oder dem Ruhrgebiet ermöglicht. Zusätzlich ist es für uns entscheidend, dass in Köln und Umgebung eine hohe Dichte an potenziellen Kunden vorhanden ist. Dies vereinfacht den Sales-Prozess und das Partner Management erheblich und unterstützt uns dabei, unser Geschäft effektiv auszubauen. Und last but not least: es ist wahr, was man über Köln sagt. Die Stadt und die Menschen haben ganz viel Herz und man fühlt sich schnell sehr wohl.

Was ist in Köln einfacher als in Berlin – und umgekehrt?


Da wir mit grievy bisher keine Niederlassung in Berlin haben, kann ich nur spekulieren. Ich vermute Köln bietet im Vergleich zu Berlin: stärkere Sichtbarkeit, leichtere Fördermöglichkeiten und eine große Vielfalt an Unternehmens-Kunden. Andererseits denke ich, dass es in Berlin einfacher ist, wichtige Stakeholder aus der Startup-Szene kennenzulernen und wertvolle Vernetzungen zu schaffen. Die Stadt bietet zahlreiche Gelegenheiten, um Kontakte zu knüpfen und sich mit relevanten Akteuren der Branche auszutauschen. In Köln trifft man jedoch regelmäßig vertraute Gesichter.

Zum Schluss hast Du drei Wünsche frei: Was wünscht Du Dir für den Startup-Standort Köln?


Wir sind mit dem Startup-Standort Köln sehr zufrieden und haben von den vielfältigen Fördermöglichkeiten, die Köln und NRW bieten, stark profitiert. Für den Standort Köln habe ich jedoch zwei kleinere Wünsche: Erstens, eine bessere Koordination und weniger Fragmentierung der verschiedenen Startup-Programme und -Initiativen. Eine gut abgestimmte Förderlandschaft würde es uns erleichtern, schneller die passenden Ressourcen und Unterstützung zu finden und effektiver zu nutzen. Zweitens, wünsche ich mir frischen Wind bei den Netzwerkevents. Neue, wertvolle Kontakte zu knüpfen ist in der Startup-Welt schließlich immer von großer Bedeutung. Und wenn es noch ein dritter Wunsch sein soll, dann das Köln sich genauso weiterentwickelt wie bisher. Die Stadt geht in die absolut richtige Richtung, und ich hoffe, dass dieser Fortschritt auch künftig anhält!

Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness

In unserem Themenschwerpunkt Köln werfen wir einen Blick auf das Startup-Ökosystem der Rheinmetropole. Wie sind dort die Voraussetzungen für Gründer:innen, wie sieht es mit Investitionen aus und welche Startups machen von sich reden? Mehr als 550 Startups haben Köln mittlerweile zu ihrer Basis gemacht. Mit zahlreichen potenziellen Investoren, Coworking-Spaces, Messen und Netzwerkevents bietet Köln ein spannendes Umfeld für junge Unternehmen. Diese Rubrik wird unterstützt von der KölnBusiness Wirtschaftsförderung. #Koelnbusiness auf LinkedInFacebook und Instagram.

KoelnBusiness

Foto (oben): grievy

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