#Interview – “Einige Investoren sind auf uns zugekommen”

#Interview

In den vergangenen Jahren flossen bereits 8,8 Millionen in Doinstruct. “Wir wachsen stetig. Beispielsweise hatten wir im Jahr 2022 10 Kunden, im Jahr 2023 schon 98 und inzwischen sind wir bei mehr als 250 Kunden”, sagt Gründerin Charlotte Rothert.

“Einige Investoren sind auf uns zugekommen”

Dienstag, 29. Oktober 2024VonAlexander Hüsing

Das junge Startup Doinstruct, 2021 von Charlotte Rothert, Thorsten Gross, Daniel Marinkovic und Mona Feder  in Osnabrück gegründet, entwickelt eine mobile Schulungslösung für Frontlineworker. “Wir haben eine mobile Onboarding- und Schulungsplattform entwickelt, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen von Mitarbeitern ohne festen Arbeitsplatz orientiert”, erklärt Gründerin Rothert die Idee hinter Doinstruct.

Creandum, High-Tech Gründerfonds (HTGF ), D11Z.Ventures, Bastian Karweg und Andreas Hettich investieren 7,6 Millionen Euro in das Unternehmen. Insgesamt flossen bereits 8,8 Millionen Euro in Doinstruct. Derzeit arbeiten 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Unternehmen.

Im Interview mit deutsche-startups.de stellt Gründerin Rothert Doinstruct einmal ausführlich vor.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Doinstruct erklären?


Der Großteil der Arbeiter in Deutschland arbeiten fernab vom Schreibtisch und packen direkt an, sei es auf dem Bau, bei der Ernte oder in der Gastronomie. Diese Mitarbeiter, die teils aus dem Ausland kommen, müssen ordentlich eingewiesen werden und Schulungen zu Themen wie Sicherheit, Hygiene und Nachhaltigkeit durchlaufen. Doch eine Schulung vor Ort kann aufgrund von Mehrschichtsystemen, dezentralen Einsatzorten und der Sprachbarriere schwierig sein. Wir haben eine mobile Onboarding- und Schulungsplattform entwickelt, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen von Mitarbeitern ohne festen Arbeitsplatz orientiert. Es gibt keine App, die man herunterladen muss, kein Passwort, das man sich merken muss, und keine E-Mail. Wir helfen Unternehmen, ihre Mitarbeiter in ihrer Muttersprache zu schulen und sind derzeit in mehr als 20 Sprachen verfügbar. Im Durchschnitt erreichen doinstruct-Kunden eine Adoptionsrate von mehr 80% im ersten Monat, sparen 4,6 Stunden produktiver Arbeit pro Mitarbeiter und reduzieren die Trainingskosten um ca. 43%.

Wie hat sich Doinstruct seit der Gründung entwickelt?


Wir wachsen stetig. Beispielsweise hatten wir im Jahr 2022 10 Kunden, im Jahr 2023 schon 98 und inzwischen sind wir bei mehr als 250 Kunden, Tendenz steigend. Stand heute haben wir 45 Mitarbeiter. 

Zuletzt konntet ihr Millionen einsammeln. Wie seid ihr mit euren Investor:innen in Kontakt gekommen?


In Investorenkreisen war bekannt, dass wir viel Nachfrage von Kunden erhalten und schnell ein gutes Wachstum erzielen konnten. Dadurch sind einige Investoren auf uns zugekommen.

Euer Firmensitz ist Osnabrück. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil?


Der Standort in Osnabrück war ein absoluter Vorteil in unserer Gründungsphase. Das Osnabrücker Land ist das Silicon Valley der Food- und Agrarindustrie. Die Nähe dazu hat uns geholfen, mit doinstruct gerade in diesen Branchen durchzustarten und Kunden zu gewinnen. Gleichzeitig ist die Startup-Bubble hier sehr vielfältig. Einige streben den Mittelstand an, andere probieren sich erst mal gemütlich aus, und wiederum andere wollen stark wachsen, so wie wir. Hier kommt auch schnell eine gute Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen, Gründern und Mittelstand zusammen, von losen Projektkooperationen bis hin zu Investments. Dennoch haben Metropolen wie Berlin natürlich auch ihre Vorteile, weshalb wir für die Skalierung nach Berlin umziehen werden. 

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


So richtig schief gelaufen ist bisher noch nichts. Wir haben einige Fehler gemacht, zum Beispiel manche Rollen zu spät besetzt, aber nichts davon ist richtig gravierend gewesen.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?


Dadurch, dass wir Gründer selbst aus Bereichen kommen, in denen wir engen Kontakt zu Frontline-Workern hatten, kennen wir ihre Bedürfnisse und wissen genau, wovon wir sprechen. Thorsten Gross hat lange als Geschäftsführer bei Tönnies und als Führungskraft in den Fleischwerken von Kaufland und Edeka Südwest gearbeitet. Ich selbst bin gelernte Landwirtin und habe als Betriebsberaterin viele landwirtschaftliche Großbetriebe umstrukturiert. Dabei haben wir die sprachlichen, technischen und ortsbedingten Schwierigkeiten von Schulungen aus erster Hand erfahren und gegründet, weil wir einen reellen Bedarf gesehen haben. Daniel Marinkovic ist IT-Experte und verantwortet die digitale Umsetzung der praktischen Anforderungen. Durch unsere kombinierten Erfahrungen konnten wir auch mit einem starken Netzwerk in den richtigen Bereichen direkt erfolgreich durchstarten. 

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?


Bleib nah an deiner Zielgruppe und kenn deinen ICP.

Wo steht Doinstruct in einem Jahr?


Wir expandieren derzeit in weitere europäische Länder und lancieren stetig weitere Branchen wie Logistik, Bau, Facility Management und Manufacturing. Den Kundenstamm in diesen Industrien und weiteren Ländern werden wir im nächsten Jahr gezielt ausbauen.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Doinstruct

#Interview – “Ohne Notion wäre unser Startup quasi nicht mehr existenzfähig”

#Interview

Gründeralltag – gibt es das überhaupt? “Eine der größten Hürden für mich war es, die richtigen Co-Founder zu finden, die nicht nur das notwendige Fachwissen, sondern auch die gleiche Leidenschaft und Vision für das Projekt mitbringen”, sagt Franziska Walde, Gründerin von refinq.

“Ohne Notion wäre unser Startup quasi nicht mehr existenzfähig”

Donnerstag, 17. Oktober 2024VonAlexander Hüsing

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Franziska Walde, Gründerin von refinq. Das Unternehmen aus Wien kümmert sich um die Bewertung von Klimarisiken und Biodiversität.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Kaffee und Newsletter/Nachrichten Scrolling

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?


Rennradfahren, gerne auch um 5.30 Stunden mit einer Wienerwald-Runde.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?


Zum Glück konnte ich bereits vor der Gründung von refinq ein starkes berufliches Netzwerk aufbauen. Durch meine Teilnahme bei EWOR wurde ich von erfahrenen Mentoren auf die grundlegenden Do’s und Don’ts beim Aufbau eines Unternehmens vorbereitet. Ein wichtiges Learning für mich war, dass es nicht nur auf eine Idee ankommt, sondern vor allem auf die Fähigkeit, flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Das Gründen ist noch viel dynamischer und weniger planbar, als ich ursprünglich dachte.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?


Eine der größten Hürden für mich war es, die richtigen Co-Founder zu finden, die nicht nur das notwendige Fachwissen, sondern auch die gleiche Leidenschaft und Vision für das Projekt mitbringen. Ein starkes und vertrauensvolles Team ist entscheidend für den Erfolg eines Startups, und ich bin froh, dass ich in Lukas und Markus genau diese Partner gefunden habe.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?


Wir ergänzen uns in der Tat sehr gut. Diese Balance zwischen rationalem Denken und intuitivem Handeln ist eine unserer größten Stärken im Team.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?


Neben fachlicher Kompetenz ist uns wichtig, dass neue Mitarbeiter die Fähigkeit haben, sich flexibel an Veränderungen anzupassen und proaktiv Lösungen zu finden. Deshalb geben wir Bewerbern oft eine konkrete Aufgabe, die zeigt, wie sie in der Praxis arbeiten und mit Herausforderungen umgehen. So können wir nicht nur das Skillset überprüfen, sondern auch sehen, wie gut die Zusammenarbeit funktionieren könnte.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Verbinde dich mit Menschen, die deine Vision teilen und dich gleichzeitig herausfordern, über den Tellerrand hinauszudenken. Bleib offen für Feedback und sei bereit, deine Idee anzupassen, wenn es notwendig ist. Flexibilität und Lernbereitschaft sind entscheidend für den Erfolg.

Ohne welches externes Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Ohne Notion wäre unser Startup quasi nicht mehr existenzfähig. Es dient uns als zentrales Tool für internes Wissensmanagement und unterstützt uns dabei, Informationen effizient zu organisieren und zu teilen. Zudem nutzen wir Notion, um unseren Kunden und Investoren strukturierte Einblicke in unsere Arbeit und Fortschritte zu geben, was die Kommunikation und Transparenz erheblich verbessert.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?


In unserem Team setzen wir auf eine offene Kommunikation und regelmäßiges Feedback, um eine gute Stimmung zu gewährleisten. Jeder hat die Möglichkeit, seine Ideen und Bedenken einzubringen, was das Vertrauen und den Zusammenhalt stärkt. Ich stelle unseren Teammitgliedern auch regelmäßig die entscheidende Frage: “Wenn du etwas sofort bei uns im Unternehmen ändern könntest, was wäre das?” – so schaffen wir Raum für ehrliche Reflexion und kontinuierliche Verbesserung.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): refinq, Niko Havranek

#Interview – “In einem Jahr werden wir die größte Musikschule in DACH sein”

#Interview

Hinter Sirius aus Berlin verbirgt sich eine digitale Musikschule. “Unsere Nutzerzahlen wachsen im Monat durchschnittlich um die 15 % und haben einen Recurring Gross Merchandise Value (GMV)  im siebenstelligen Bereich”, sagt Gründerin Charlotte von Dryander.

“In einem Jahr werden wir die größte Musikschule in DACH sein”

Dienstag, 15. Oktober 2024VonAlexander Hüsing

Das Berliner Startup Sirius, 2020 von Charlotte von Dryander und Sebastian Riegelbauer gegründet, bietet virtuelle Räume speziell für den Online-Musikunterricht an. Das Jungunternehmen verspricht, optimale Klangqualität von Musikinstrumenten und Gesang bei der Übertragung bieten zu können. Market One Capital, Severin Zugmayer, Angel Invest, Lopo Champalimaud, Nicole Büttner sowie Marius Luther und Marius Jeuck, die Gründer von HeyJobs investieren 4 Millionen US-Dollar in das junge Unternehmen.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründerin Charlotte von Dryander einmal ausführlich über den Stand der Dinge bei Sirius

Wie würdest Du Deiner Großmutter Sirius erklären?


Sirius ist eine Musikschule, die Musikschüler:innen den Unterricht in Gesang, Klavier und Gitarre durch Musiklehrer:innen auf der ganzen Welt anbietet. Aus einem Pool von über 450 Musiklehrer:innen mit unterschiedlichen Unterrichtsprofilen sucht unser System die perfekte Lehrkraft für neue Schüler:innen aus. Der Unterricht findet online über unseren selbst entwickelten digitalen Musikraum statt, der optimal auf den Musikunterricht ausgerichtet ist. Er bietet u. a. exzellente Klangqualität, virtuelles Klavier, Stimmgerät und Metronom. Alle anfallenden administrativen Aufgaben werden ebenfalls digital über die Plattform abgewickelt, dazu zählen die Qualifizierung der Lehrkräfte, die Terminplanung, die Bezahlung und der Austausch von Unterrichtsmaterialien.

War dies von Anfang an euer Konzept?


Während Covid-19 haben wir begonnen, den digitalen Musikraum für den Onlineunterricht zu entwickeln und diesen als SaaS-Lösung an Lehrkäfte und Musikschulen zu verkaufen. Dabei haben wir die aktuellen Lösungen für Musikbildung gut kennengelernt und schnell festgestellt, wie fragmentiert und ineffizient der Markt aufgrund geographischer Barrieren ist. In den Städten gibt es lange Wartezeiten an den Musikschulen. Gleichzeitig leben viele selbständige Musiker:innen am Existenzminimum und haben Schwierigkeiten, Schüler:innen zu finden. Mithilfe unserer Plattform schließen wir diese Lücke und machen hochwertigen Musikunterricht weltweit einfach zugänglich. Über Sirius kann jede:r ohne Wartezeit den perfekten Musiklehrer:in finden und Musiklehrer:innen haben mit uns die Möglichkeit, in bislang ungenutzter Zeit ein zusätzliches Einkommen zu generieren.

Wie hat sich Sirius seit der Gründung entwickelt?


Unsere Nutzerzahlen wachsen im Monat durchschnittlich um die 15 % und haben einen Recurring Gross Merchandise Value (GMV)  im siebenstelligen Bereich. Seit Beginn des Jahres hat sich die Teamgröße von 7 auf aktuell 13 Personen vergrößert. Ziel ist es, bis Ende des Jahres auf 18 Personen zu wachsen. 

Zuletzt konntet ihr Millionen einsammeln. Wie seid ihr mit euren Investor:innen in Kontakt gekommen?


Netzwerken ist ein wichtiger Bestandteil des Gründens. Durch Konferenzen, Events, aber auch unsere vorherigen Berufe haben wir früh ein Netzwerk von Unterstützer:innen für Sirius aufgebaut, die uns bei der Finanzierungsrunde sehr geholfen haben und uns relevanten Investor:innen vorgestellt haben. Das ist ein erster wichtiger Start. Sobald das Fundraising ins Laufen kommt, nimmt der Prozess eine Eigendynamik an. Durch erste Zusagen bekommt man in der Regel auch Intros zu weiteren spannenden Investor:innen. Unseren Lead Investor haben wir tatsächlich vor einem Jahr auf der FOMO Konferenz in Warschau kennengelernt. Somit war es für uns einfach, im Fundraising daran wieder anzuknüpfen. 

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?


Das ist schwer zu beantworten, denn wenn man ein Startup aufbaut, trifft man ständig viele Entscheidungen. Rückblickend waren nicht alle davon die richtigen und wir mussten hier und da nachjustieren. Noch schlimmer ist es aber, keine Entscheidungen zu treffen oder diese zu lange hinauszuzögern, denn das verlangsamt das ganze Unternehmen. Beispielsweise haben wir eine Zeit lang Webinare für Lehrer:innen angeboten, um unsere Software zu vermarkten. Das hat Ressourcen gebunden und uns vom Marktplatz abgelenkt. Es wäre besser gewesen, das früher einzustellen und sich darauf zu konzentrieren, die Musikschule aufzubauen. Aber mir hat diese Erfahrung noch einmal bewusst gemacht, wie wichtig gerade in einem kleinen Team ist, immer richtig zu priorisieren. Allgemein schaue ich nach einem Fehler immer sehr schnell wieder nach vorne und sehe auf das Positive, das Learning in jeder Sache.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?


Sebastian und ich sind beide ökonomisch denkende, bodenständige Gründer:innen. Daher haben wir immer darauf geachtet, Sirius sehr effizient aufzubauen. Das zwingt uns dazu, kreativ zu werden und unkonventionelle Wege zu finden, um zu wachsen. In Anbetracht des aktuellen Sentiments im Markt war das extrem wichtig für uns und hat uns geholfen, diese Finanzierungsrunde zu raisen. Gleichzeitig haben wir eine große Vision und Motivation: Mit Sirius wollen wir den Musikunterricht revolutionieren und die größte Musikschule der Welt aufbauen.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer;innen mit auf den Weg?


Da fallen mir zwei Themen ein, die ich mir auch immer wieder vor Augen führe: Erstens, sich regelmäßig die Frage zu stellen, was die wesentlichen Herausforderungen sind, auf die wir uns fokussieren müssen. Aus meiner Sicht ist das eine der Kernkompetenzen für Gründer:innen, um erfolgreich zu sein. Zweitens sollten sich Gründer:innen Personen/Mentor:innen suchen, die erfahrener sind als man selbst, und ihnen helfen, schneller ans Ziel zu kommen. Schließlich muss man nicht jeden Fehler wiederholen. Dieser Austausch erspart somit Zeit und Ressourcen. 

Wo steht Sirius einem Jahr?


In einem Jahr werden wir die größte Musikschule in DACH sein. 

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Sirius

#Interview – “Um an die Spitze zu kommen, braucht man viel hartes Training”

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Samuel Ernst, Gründer von mizaru. Das Startup vertreibt ein Elektrolytpulver, mit dem er die “Lifestyle Szene revolutionieren” möchte.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?


Die Idee zu mizaru entstand auf einer Poolparty, aber der Startup-Alltag ist leider keine Party mehr. Ich betreibe mizaru nebenberuflich, daher sind viele Prozesse automatisiert. Morgens überprüfe ich, ob neue Bestellungen eingegangen sind, und automatisch wird die DHL-Sendungsnummer an die Kunden gesendet. Unser Partner verschickt die Pakete. Ich organisiere mich optimal mit “Time-Boxing”. Als Gründer muss man auch abends und am Wochenende arbeiten, was Verständnis von Familie und Freunden erfordert.

Wie schaltest Du nach der Arbeit ab?


Sport hilft mir sehr. Musik hören oder einfach mit meinem Kleinen auf den Spielplatz gehen. Außerdem versuche ich, die erste Stunde nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen keine Screen-Time zu haben. Einfach mal das iPhone ausmachen :).

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?


Es ist wie Leistungssport. Um an die Spitze zu kommen, braucht man viel hartes Training, Zeit, Durchhaltevermögen und Glück.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?


Rechtlich sollte dein Startup von Tag 1 an sauber dastehen. Ein hands-on Steuerberater hilft. In unserem Fall war auch ein Top-Anwalt für Lebensmittel- und Markenrecht wichtig. Viel wichtiger ist jedoch, den Leitsatz zu verinnerlichen: “Don’t run out of cash, trust, or time!”

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?


Am Anfang habe ich viele Dinge selbst gemacht. Schnelleres Prototyping wäre schön gewesen, aber Deutschland ist stark reguliert. Es ist wichtiger, das mizaru-Produkt ständig weiterzuentwickeln. Christian Steiger, CEO von Lexware, bringt es treffend auf den Punkt: “Du darfst dich nicht in dein eigenes Produkt verlieben.”

Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?


Zurzeit haben wir noch keine festen Mitarbeiter. Es gibt jedoch Interesse im Bekanntenkreis, mit mizaru durchzustarten, sobald ein strategischer Investor einsteigt. Mitarbeiter sollten kulturell zum Startup passen und die Vision von mizaru teilen.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?


Einfach machen, wie Nike sagt: “Just Do It.” Es gibt oft nicht das perfekte Produkt oder die perfekte Dienstleistung. Zu viel Perfektionismus kann jedes Startup töten. Die 80/20-Regel (Pareto-Prinzip) hilft: Schnelles Prototyping und Iterieren sind wichtig.

Ohne welches externes Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?


Wir haben eine first Cloud-First-Strategie (wie Salesforce) und vertrauen auf Lexware, Shopware, amazon, DHL und Google Cloud. Jede Bestellung wird automatisiert erfasst. Zudem setzen wir auf KI, um z.B. Belege schnell zu erfassen und zu verbuchen. Über Instagram und Google bespielen wir B2C-Kunden mit Kampagnen, und LinkedIn dient als B2B-Kommunikationskanal. Das Startup ist extrem agil aufgestellt.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?


Als Ein-Mann-GmbH gebe ich alles dafür, dass der Spaß nicht zu kurz kommt. Wenn wir auf Festivals mit freien Mitarbeitern sind, geben wir als Team alles, haben Spaß zusammen und gehen z.B. nach der Arbeit lecker Essen und anschließend Feiern. Ich bin auch Segler, und ein Team sollte wie eine Segelcrew sein. Der Skipper gibt vor, wohin das Schiff segeln soll, aber ohne sein Team ist er verloren.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?


Zweimal hat die Produktionsfirma von “Die Höhle der Löwen” uns kontaktiert, ob wir ein möglicher Fit für die Staffel sind. Das war 2019 und 2020. Da macht man sich als Startup komplett nackig. Leider haben wir den Zuschlag für die Staffeln 7 und 9 nicht erhalten. Die Jury hat auf ein anderes Nahrungsergänzungsmittel gesetzt. Aber wer weiß, vielleicht kommt ja nochmals die Chance. Alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

#DHDL – “Die größte Herausforderung war, neben Hauptjob und Familie zu gründen”

#DHDL

Das Team von alla/jen setzt auf sogenannte Skintapes als “Geheimwaffe gegen Falten”. “Mit unseren Skintapes helfen wir, den Alterungsprozess der Haut aufzuhalten, indem sie die körpereigenen Selbstheilungskräfte aktivieren”, sagt Gründerin Alla Emmerich.

“Die größte Herausforderung war, neben Hauptjob und Familie zu gründen”

Freitag, 4. Oktober 2024VonTeam

Auch in der sechzehnten Staffel der erfolgreichen Vox-Gründer-Show “Die Höhle der Löwen” treten wieder etliche Gründerinnen und Gründer vor die Jury. In der sechsten Folge der aktuellen Staffel sind unter anderem Alla Emmerich und Jenny Christie Sternemann, die Gründerinnen von alla/jen zu Gast. Das Team setzt auf sogenannte Skintapes als “Geheimwaffe gegen Falten”.

Wie ist die Idee zu Deinem Startup entstanden?


Ich saß in einer vertrauten Mädelsrunde, bei der das Thema “Hautalterung” aufkam: Es ging darum, was man nicht schon alles ausprobiert hätte, ohne das gewünschte Ergebnis erzielt zu haben. Irgendwann ging es um die Durchblutung sowie den eigenen Abbau von Hyaluron. Sie sprachen darüber, was es bereits gibt, um die Durchblutung zu fördern und so kamen sie zum Thema Taping: Bekannt durch Sport, hilft das Taping bei der Durchblutung und setzt die Haut in eine Art Ruhezustand. Jetzt musste man nur noch die richtigen Wirkstoffe in das Tape bekommen. Ich ging direkt auf Jen, als Marketing und Beauty Expertin, zu. Jen ist seit vielen Jahren Makeup-Artist und beschäftigt sich intensiv mit der Beschaffenheit der Haut und vor allem mit Wirkstoffen, damit sie am Ende das perfekte Ergebnis bei ihren Kundinnen erzielt. Außerdem kennt sie gefühlt jedes Produkt und jeden Trend auf dem Markt. Und so war die Idee für die Skintapes geboren. 

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?


Die größte Herausforderung für uns war definitiv, neben Hauptjob und Familie zu gründen. Grundsätzlich ist der Beautymarkt sehr hart umkämpft, deswegen würden wir sagen, dass uns noch ein paar Herausforderungen begegnen werden.

Warum hast Du Dich entschieden, bei “Die Höhle der Löwen” mitzumachen?


Wir sind auf der Suche nach einem starken strategischen Partner für den breiten Markteintritt und das notwendige Marketing und genau dafür bietet die Teilnahme bei “Die Höhle der Löwen” eine riesige Chance.

Dein Tipp an andere Gründer:innen, die mit einem Auftritt bei “Die Höhle der Löwen” liebäugeln?


Ihr seid die Gründer und ihr habt die Vision. Keiner da draußen steht so hinter eurem Produkt oder eurer Sache, wie ihr selbst. Steht dazu. Traut euch. Es ist eine einmalige Chance. 

Wo steht alla/jen in einem Jahr?


Wir haben ganz klar das Ziel Marktführer im Bereich Skintaping zu werden und somit ein erfolgreiches Unternehmen zu führen. Wir haben etliche Ideen, um weitere Bereiche abdecken zu können. 

Tipp: Alles über die Vox-Gründershow gibt es in unserer großen DHDL-Rubrik.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): RTL / Bernd-Michael Maurer

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