#Gastbeitrag – Jetzt ist die Chance da, sich strategisch durch M&A weiterzuentwickeln

In den vergangenen Monaten haben das aktuelle Marktumfeld und die drohende Rezession Start-ups stark belastet. Stand für viele Unternehmen das Wachstum jahrelang im Fokus, sind sie nun bemüht sowohl ihre Retention als auch ihre Burn Rate zu optimieren. Dies erklärt, warum etliche Unternehmen im letzten Jahr Mitarbeitende entlassen haben. Denn Investor:innen halten sich zurück und schauen genau, in welche Unternehmen sie investieren. Für Start-ups ist es somit schwieriger geworden eine Finanzierung zu erhalten. Auch die Bewertungen gehen runter, insbesondere in kapitalintensiven Branchen wie der produzierenden Industrie oder im E-Commerce. Hinzukommt, dass sich Investor:innen mit sehr hohen Liquidationspräferenzen absichern, von denen sie im Falle eines Exits profitieren. 

Ebenfalls M&A wird von den aktuellen Rahmenbedingungen beeinflusst. So hat sich etwa die Verhandlungsmacht verschoben. Nach einer langen Zeit der hohen Kaufpreise herrscht inzwischen ein Käufermarkt. Mit der Folge, dass letztere Preise und Konditionen stärker vorgeben können. Für Start-ups mit einem guten finanziellen Polster entstehen Kaufgelegenheiten, um Konkurrenzunternehmen zu übernehmen oder sich strategisch durch M&A weiterzuentwickeln – und dies zu vernünftigen Preisen und Konditionen.  

Kapital ist nach wie vor im Markt

Allzu pessimistisch sollte man allerdings nicht sein, denn das Dry Powder bei Venture Capital und Private Equity ist nach wie vor hoch. Allerdings mit einer Einschränkung. Zwar haben Banken und Versicherungen ihr Kapital zugesagt, jedoch bestehen bei diesen LPs klare Auflagen, wie viel von ihrem Portfolio in bestimmte Asset-Klassen allokiert sein darf. Da die Aktienmärkte bis zum Herbst 2022 eine starke Abwertung erfahren haben, ergibt sich ein mathematisch übergewichteter Anteil der Allokation auf PE und VC. Jedoch dürfen die großen Vermögensverwalter eine solche nicht haben. Daher rufen die Managementteams das zugesagte Kapital derzeit nicht ab, um eine Schieflage in der Vermögensallokation der LPs zu vermeiden. Somit ist Dry Powder zwar theoretisch vorhanden, soll aber nicht zwangsläufig investiert werden. Glücklicherweise entspannen sich die Aktienmärkte derzeit wieder. Sollten sich Entwicklung fortsetzen, reduziert sich auch die Schieflage bei den LPs und sie werden wieder investitionsfreudiger. 

Jenseits dieser allgemeinen Marktlage muss auch bedacht werden: Die Chance derzeit eine Finanzierung zu erhalten, hängt auch stark von der Branche und dem jeweiligen Geschäftsmodell ab. Aus M&A-Sicht interessant sind generell Bereiche, die großen Makrotrends unterliegen. Sie tragen dazu bei, dass Unternehmen von einem attraktiven Verkaufsumfeld profitieren und für Investor:innen attraktiv sind.

Technologien zur Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen

Angesichts des anhaltenden Klimawandels trifft dies etwa auf das ClimateTech-Segment zu. Spannend sind hier Unternehmen, die intelligente Software für klimaneutrale Gebäude entwickeln oder den Solaranlagenausbau vorantreiben sowie Start-ups, die sich mit Themen wie Bio-Kohlenstoff oder grünem Wasserstoff befassen. Hier gab es in den vergangenen Monaten bereits einige M&A-Transaktionen wie etwa die Übernahme des australischen Marktführers für die Installation von Solaranlagen und –batterien Natural Solar durch das Hamburger Klima-Start-up 1Komma5. Aber das Unternehmen kauft auch Handwerksbetriebe in ganz Deutschland, um Lieferketten und IT zu vereinfachen. Vor dem Hintergrund, dass sich nur die Solar-Start-ups durchsetzen werden, die ausreichend Kapazitäten aufbauen können, wird für die kommenden Monate mit einer starken M&A-Aktivität zu rechnen sein. 

Angesichts der Klimakrise wird auch die Relevanz von FoodTech zunehmen. Besonders der In-vitro-Bereich ist hervorzuheben, der bereits seit einigen Jahren gestiegenes Investoreninteresse verzeichnet. Immerhin hat künstliches Fleisch, vorausgesetzt natürlich es ist massentauglich, das Potenzial eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung der Klimakrise zu spielen. Gelingt es daher einem Unternehmen sich am Markt durchsetzen, kann es mit hohen Wachstumszahlen rechnen und wäre damit ein besonders interessantes Target für Strategen. 

Demografischer Wandel als Treiber für HealthTech

Weiterhin in 2023 relevant sein werden Start-ups aus dem Bereich der Pflege und des Gesundheitswesens sein. Diese Unternehmen sind angesichts des demografischen Wandels und einer immer älter werdenden Gesellschaft für Investor:innen attraktiv. In den letzten Jahren sind in diesem Bereich beispielsweise etliche HealthTech-Unternehmen entstanden, die älteren Menschen zu einem selbstbestimmteren Leben verhelfen. 

Weitere Konsolidierungen im Quick Commerce 

Mit Übernahmen und Fusion ist schließlich auch im Quick Commerce zu rechnen. Diese Branche stand in den vergangenen Monaten extrem unter Druck – und es nicht davon auszugehen, dass sich die Lage in absehbarer Zeit entspannen wird. Wahrscheinlicher ist eine Konsolidierung, sodass die jüngste Übernahme des angeschlagenen Lebensmittellieferdiensts Gorillas durch den Konkurrenten Getir womöglich erst der Startschuss war. 

Neuausrichtung des Start-up-Markts birgt Chancen

Corona-Pandemie, Ukrainekrieg, Energieengpässen und Lieferkettenproblematik: Ihre Auswirkungen spüren auch die Investor:innen. Schwarzmalerei zu betreiben wäre jedoch falsch. Denn obwohl das Kapital bei VCs und PEs nicht mehr ganz so locker sitzt, wie einst und Start-ups angehalten sind ihre Kosten zu optimieren, finden weiterhin Finanzierungen statt. Realistisch betrachtet hat sich der Start-up-Markt im letzten Jahr also eher angefangen zu normalisieren – eine Entwicklung, die 2023 anhalten wird. Davon profitieren Unternehmen, die Makrotrends unterliegen wie der Energiewende oder dem Glasfaserausbau. 

Für Start-ups mit ausreichend finanziellem Polster bietet die aktuelle Situation zudem etliche Chancen, denn der Wind hat sich gedreht. Sie haben gute Chance eine Wettbewerberin oder einen Wettbewerber zu übernehmen oder sich strategisch durch M&A weiterzuentwickeln – und dies zu vernünftigen Preisen und Konditionen.

Über den Autor


Kai Kesselmann ist Co-Founder und Managing Partner der M&A-Beratung Dealcircle GmbH.

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#Gastbeitrag – 5 Work Hacks, die die Arbeitswelt ein wenig besser machen

#Gastbeitrag

Ein Kickertisch und ein Home-Office-Versprechen allein machen eine neue und bessere Arbeitswelt nicht aus. Der Kulturwandel muss tief im Herzen des Unternehmens stattfinden. Wir waren eines der ersten Unternehmen, die den Begriff New Work isalonfähig gemacht haben. Ein Gastbeitrag von Jens Goldmann.

5 Work Hacks, die die Arbeitswelt ein wenig besser machen

Freitag, 30. Dezember 2022VonTeam

Die Arbeitswelt befindet sich bereits seit langem im Wandel. Das ist nichts Neues. Die vergangenen Pandemie-Jahre haben schließlich noch die letzten verstaubten Unternehmen dazu gebracht, einmal mehr über das neue Arbeiten nachzudenken. Mit Erfolg. Hybride Arbeitsmodelle sind auf dem Vormarsch, das Verständnis für Familie und Privatleben ist bei vielen Unternehmen gestiegen. Aber macht das nun gleich das so genannte New Work aus?

Ein Kickertisch und ein Home-Office-Versprechen allein machen eine neue und bessere Arbeitswelt nicht aus. Der Kulturwandel muss tief im Herzen des Unternehmens stattfinden.

Wir waren eines der ersten Unternehmen, die den Begriff New Work in Deutschland salonfähig gemacht haben. Bereits im Jahr 2010 haben sie begonnen, nach agilen und leanen Prinzpien zu arbeiten. Formelle Hierarchien gibt es kaum, dafür viel Selbstorganisation, Freiheit und Transparenz. Sogar bei Einstellungen und Kündigungen – denn diese werden von den Mitarbeiter:innen selbst gemanagt. Ein Unternehmen also, das New Work lebt.

Im Laufe der Jahre haben wir einige Work Hacks entwickelt, die den gelebten Kulturwandel innerhalb der Organisation nicht nur aufzeigen, sondern ihn auch ständig vorantreiben. Das sind einige der Work Hacks, die das Arbeiten ein bisschen besser machen. Hier fünf der wichtigsten Work Hacks.

Peer Recruiting

Wir setzen seit Jahren auf das sogenannte Peer Recruiting und fährt damit richtig gut! Die Teams entscheiden dabei selbst, ob sie Verstärkung brauchen oder nicht. Sie sind es auch, die neue Kolleg:innen einstellen und die Gespräche dazu führen. Die Teams sind übrigens auch dafür verantwortlich, regelmäßiges Feedback zu geben und das entsprechende Kündigungsgespräch zu führen – sollte es mal doch nicht so richtig gepasst haben. Und das hat einen relevanten Vorteil, weil die Verantwortlichen beim nächsten Einstellungsgespräch genau wissen, worauf sie bei einer erfolgreichen Einstellung achten müssen. Hilfe gibt es aber trotzdem, bei uns kümmert sich ein kleines Team aus Personal-Expert:innen, das so genannte Tam “NurGutes”. Eine klassische Personalabteilung gibt es so also gar nicht.

Cross-funktionale Teams

Um etwa neue Funktionen rund um unsere Produkte schneller auf den Markt zu bringen, heißt es, Zeit sparen. Wo spart man die am besten? Bei den Übergaben. Daher arbeiten wir in so genannten cross-funktionalen Teams. Jedes Team ist genau für ein Produkt verantwortlich. In solchen Teams arbeiten zum Beispiel Entwickler:innen, UX-Designer:innen, Product Owner:innen und Scrum Master:innen zusammen. Gemeinsam bauen sie Produktwissen auf und entwickeln es auf diese Weise nicht nur schneller, sondern auch effektiver.

Open Friday

Jeden zweiten Freitag können bei uns alle Mitarbeiter:innen das machen, was sie für das Unternehmen für das Wertvollste halten. Dazu gibt es einen Open Space, der bei uns Open Friday heißt. Das ist eine ad hoc Konferenz, mit der die Mitarbeiter:innen spontan ein Programm für mehrere Räume und Zeiten aufstellen können. Die Anwesenden schlagen zu Beginn Sessions vor. Dazu schreiben sie ihr Thema auf einen großen Klebezettel, stellen es kurz vor, suchen sich einen Raum und eine Zeit aus und führen ihre Session dann mit den Interessierten durch.

Transparente Zahlen

Geht man bei uns durch den Flur, erfährt man relativ schnell, welche Teams mit welchem Fortschritt woran arbeiten. Denn alle wichtigen Infos hängen an den Glaswänden der Büros. Das Interessante ist, wenn man Infos quasi ungefragt auf den Tisch serviert bekommt: Man erfährt Dinge, von denen man noch gar nicht wusste, dass sie für einen interessant sind. Für die Mitarbeiter:innen ist es wichtig, alle Zahlen und Fakten zu kennen, denn sie treffen eigenständig und im Sinne des gesamten Unternehmens Entscheidungen über die Entwicklung ihres Produktes.

Nicht mehr als 40 Stunden pro Woche

Bei uns gibt es keine Überstunden. Und das wird auch streng kontrolliert mit einer Stempeluhr. Ein junges und agil arbeitendes Unternehmen hat eine Stempeluhr? Ja und das schon viel länger, weit bevor das Bundesarbeitsgericht entschieden hat, dass die Arbeitszeiten von Arbeitnehmer:innen in Deutschland erfasst werden müssen. Stempeluhren sind nicht nur ziemlich cool, sondern auch mehr New Work, als sich viele denken können. Sie hilft dabei, keine Überstunden zu machen und zeigt auf, wo vielleicht noch nicht effektiv gearbeitet wird oder wo ein:e weitere:r Mitarbeiter:in eingestellt werden sollte. Schon Henry Ford sagte, Menschen haben ungefähr 40 Stunden produktive Zeit in der Woche in sich. Länger arbeiten führt nicht zu besseren Ergebnissen. Trotz der Stempeluhr gibt es übrigens keine zentral festgelegten Kernarbeitszeiten. Die Mitarbeiter:innen regeln innerhalb des Teams, wer sich die Zeit wie einteilen kann.

Eine Schablone anfertigen und diese auf jede andere Organisation legen, ist wahrscheinlich unrealistisch. Jede Organisation und jedes Unternehmen muss aus sich heraus von innen wachsen, um sich ehrlich und authentisch zu verändern. Diese Hacks sind ein kleiner Anreiz.

Tipp: Weitere Work Hacks hat sipgate-Gründer Tim Mois übrigens in dem Buch “24 Work Hacks” aufgeschrieben.

Über den Autor


Jens Goldmann ist seit dem Start in 2003 bei sipgate an Bord. Als Teil der Geschäftsleitung kümmert er sich seitdem um die Themen Strategie, Organisationsentwicklung und Vergütung.

#Gastbeitrag – Identity-driven growth – Ohne Marke keine Zukunft

Inflation, die Zinswende, ein gedämpftes Konsumklima, „the great Resignation“ sowie eine Vielzahl geopolitischer Spannungen stellen die ganze Wirtschaft, aber auch ganz besonders junge Unternehmen aktuell vor ungeahnte Herausforderungen. Neben einer erschwerten Suche nach frischem (und heute auch wesentlich teurerem) Kapital zwingen die verschärften makroökonomischen Bedingungen Start-ups zu Massenentlassungen oder gar in die Insolvenz. Die Zeiten, in denen es für die Start-up Szene stetig bergauf ging, sind vorbei. Dies zeigen auch die Ergebnisse aus dem Deutschen Startup Monitor (DSM): Erwarteten 2021 noch  72% aller befragten Start-ups eine positive Entwicklung der aktuellen Geschäftslage, sind es in diesem Jahr nur noch 54%. In diesem von starken Unsicherheiten und Risiken geprägten Zeiten, sind Halt und Orientierung für junge Unternehmen so wichtig wie selten zuvor.

Aber wie kann man Halt und Orientierung schaffen, ohne von Komplexität erschlagen zu werden? Eigentlich geht es um ein fokussiertes, klares und explizites Verständnis der eigenen Identität. Diese hilft als Leitstern eine Richtung vorzugeben, indem sie verdichtet und kohärent Halt und Orientierung für alle relevanten internen und externen Stakeholder-Gruppen schafft. Nichtsdestotrotz fehlt es vielen jungen Unternehmen an einer klaren Definition dieser richtungsweisenden Unternehmensidentität, die die faktische und emotionale Grundlage für eine nützliche, interessante, einzigartige und widerspruchsfreie Experience bildet.

Definition & Komponenten von Markenidentität

Im Kern definiert die Unternehmensidentität all das, was normativ den Rahmen für alle unternehmensstrategischen, kulturellen und strukturellen Aktivitäten einer Organisation bildet. Da die Identität von Unternehmen, ebenso wie die des Menschen, sehr komplex und metaphysisch ist, eignet sich das Konstrukt der Marke optimal, um diese zu erfassen, strategisch zu entwickeln und darauf aufbauend erlebbar zu machen. Die Markenidentität setzt sich aus vier  Dimensionen zusammen, die mit Hilfe der Brand-ID Plattform bestimmt werden. 

Leistungen

“Leistungen” bestimmen, was ein Unternehmen leistungsfaktisch ausmacht und welchen faktischen Mehrwert eine Organisation all ihren Stakeholdern bietet. 

Werte und Persönlichkeit

“Persönlichkeit” definiert die Werte, die eine Organisation verfolgt und die dementsprechend die Unternehmenskultur prägen. Sie gibt außerdem vor, wie sich die Organisation in Beziehungen mit all ihren Stakeholdern verhalten sollte. 

Manifestationen

“Manifestationen” beschreiben einzelne Elemente, die einem Unternehmen Gestalt geben. Neben Produkten sind auch all die Signale einer Marke gemeint, denen Stakeholder implizit und explizit begegnen. Dabei kann es sich z.B. um architektonische Elemente handeln, wie das Apple-Headquarter aber auch um spezifische Farben wie Magenta im Kontext der Telekom.

Markenidee

Mithilfe der Brand-ID Plattform lassen sich die oben aufgeführten Dimensionen erarbeiten und verdichten sowie die konkrete die Idee einer Marke bestimmen. Die „Markenidee“ fasst in absoluter Reduktion zusammen, was eine Organisation ausmacht und ist somit die höchste Verdichtungsform. Sie steht in enger Verbindung mit der Vision, dem selbstauferlegten Antrieb oder Purpose. Diesen hat Google z.B. sehr klar definiert – das Wissen der Welt zu organisieren und für alle zugänglich zu machen.

Relevanz von Markenidentität für junge Unternehmen 

Durch die Rolle als richtungsweisender Leitstern definiert die Markenidentität den strategischen Kurs junger Unternehmen und mininmiert auf diese Weise Unsicherheiten. Klarheit und Fokus unterstützen junge Unternehmen dabei, sich in jeder Wachstumsphase gegenüber allen internen und externen Stakeholdern nützlich, interessant, einzigartig und widerspruchsfrei auszurichten. Abhängig von der jeweiligen Wachstumsphase verändert sich allerdings der jeweilige Bezug und Stakeholder-Fokus. Da für einen möglichen Exit eine klare, entwickelte und durchgesetzte Markenidentität unumgänglich ist, sollte die Definition dieser bereits in den früheren Phasen stattfinden.

Frühphase

In der initialen Phase steht immer die zentrale Frage nach dem leistungsfaktischen Angebot, wobei die Persönlichkeit häufig vernachlässigt wird. Diese bietet jedoch eine zusätzliche noch emotionalere, weniger imitierbare und somit auch nachhaltigere Differenzierungsmöglichkeit. Trotz eines sehr ähnlichen Leistungsversprechen unterscheiden sich bspw. Gorillas und Flink seit der initialen Phase stark in ihren weichen Markenwerten. Während Gorillas sehr männlich und performancegetrieben auftritt, agiert Flink weicher und weiblicher. Dies manifestiert sich ebenfalls in den Corporate Colours beider Unternehmen (rosa/hellblau vs. schwarz/weiß).

Als klarer Leitstern gibt die Markenidentität zudem eine klare Richtung für alle zukünftigen Maßnahmen eines jungen Unternehmens an und unterstützt Gründer:innen von Beginn an dabei, nicht zu viele Initiativen gleichzeitig anzustoßen sowie stets einen strategischen Fokus zu bewahren.

Expansionsphase

Je stärker ein junges Unternehmen wächst, desto wichtiger wird die Definition einer klaren Markenidentität. Im Kontext der Skalierung unterstützt dies zum einen enorm dabei strategisch sinnvolle Partner:innen und Investor:innen auszuwählen, zum anderen aber auch diese im Pitch zu überzeugen. 

Auch im Rahmen des Teamaufbaus und People Management ist eine klar definierte Markenidentität von großer Bedeutung, indem sie Werte und die Persönlichkeit explizit macht. Funktioniert ein blindes Verständnis von Unternehmenskultur noch im Kernteam, wird der Transfer von impliziten Unternehmenswerten später ohne die Existenz einer expliziten Markenidentität unmöglich. 

Da auch die Gründer:innenpersönlichkeit zudem häufig als starke Manifestation gilt, sollten Gründer:innen gezielt eine starke Personal Brand aufbauen. Neben Philipp Westermeyer, der mit OMR eine Plattform rund um das Thema Onlinemarketing geschaffen hat und diese gleichbedeutend als Person repräsentiert, ist Jennifer Baum-Minkus von gitti ein Paradebeispiel hierfür. Diese agiert in perfekter Symbiose mit der Marke und verkörpert perfekt das, was die Marke gitti auszeichnet – „Conscious Beauty“. 

7 goldene Fragen für Gründer:innen

Grundsätzlich liegt der Fokus beim Aufbau starker Marken immer darin, Orientierung und Klarheit zu erzeugen. Trotz eines immer gleichen Markenkerns muss sich die Identität, ähnlich wie die des Menschen, jedoch stetig weiterentwickeln. 

Um immer ein kohärentes und widerspruchsfreies Erleben zu allen relevanten Bezugsgruppen zu ermöglichen, sollten die folgenden Fragen klar und kompakt beantwortet werden können. 

Die Antworten auf diese Fragen wirken einfach. Die Schwierigkeit liegt allerdings darin, Fokus zu finden und zu erhalten sowie Komplexität zu minimieren.

Fazit

Wir glauben an die Kraft der Marke. Sie gibt Gründer:innen und Unternehmer:innen Halt und Orientierung über alle Phasen des Wachstums und der Unternehmensentwicklung. Sie macht explizit, was bei einem kleinen Team aus Gründer:innen noch implizit funktioniert.


Die Marke sorgt dafür, dass mit allen relevanten internen und externen Stakeholdern starke Beziehungen aufgebaut werden können, da durch sie definiert ist, was die Unternehmensidee relevant, interessant und einzigartig macht und widerspruchsfrei erlebbar wird. Sie sorgt für langfristig für Sympathie, Verbundenheit und Vertrauen und damit das Kapital für eine gute Zukunft.

Wir nennen es Identity-driven Growth.

Über die Autoren


Nikolas Mausolff ist selbst Gründer (TIO TIO Social Sports), Senior Brand Strategist und Portfolio-Manager bei der Sasserath 1871. Nach 6 Jahren in beratender Funktion für Marken wie REWE, Land Rover, den VfL Wolfsburg  und Porsche und einem Masterstudium an der University of Southern Denmark und der Stockholm School of Entrepreneurship mit Schwerpunkt „Innovation Management & Business Development“ kümmert sich Nikolas um die Betreuung und Weiterentwicklung des Portfolios von Sasserath 1871 kümmern.

Marc Sasserath ist Unternehmer, Identitätsstratege und klinischer Organisationspsychologe. Nach Stationen als Chefstratege u.a. bei BBDO in Düsseldorf und London, Gründer der Strategieberatung Publicis Sasserath und CSO Publicis Group. Heute ist Marc CEO von Sasserath 1871 und der Strategieberatung sasserath mit Schwesterunternehmen in Berlin, London, Zürich und Frankfurt. Der INSEAD und HEC-Absolvent ist seit 2016 Affiliate Professor für Entrepreneurship und Innovation an der ESCP Berlin/Paris.

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#Gastbeitrag – Quintessenz Pitch Deck: Der Blick des Business Development auf den Erfolg von Startups

#Gastbeitrag

Bei einem Pitch haben die meisten Gründer:innen vor allem die potenziellen Investor:innen im Blick. Dabei kann es sinnvoll sein, Chancen für das Business Development direkt mit anzusprechen. Ein Gastbeitrag von Inga Grieger.

Quintessenz Pitch Deck: Der Blick des Business Development auf den Erfolg von Startups

Donnerstag, 22. Dezember 2022VonTeam

Gründer:innen müssen heute mehr um Investor:innen kämpfen, als es noch vor einem Jahr der Fall war. Viele Kapitalgeber:innen sind zögerlicher und haben den Gürtel enger geschnallt – zu ungewiss ist die aktuelle weltpolitische Lage. Um Investor:innen dennoch für sich zu gewinnen, kann es sinnvoll sein, nicht nur das Investement-Team von der Geschäftsidee zu überzeugen, sondern auch direkt Argumente für das Business Development zu präsentieren. Gerade die Kombination der Investment- und Business Development-Perspektiven kann maßgeblich zum nachhaltigen Erfolg eines Investments beitragen.

Den Kundennutzen in den Fokus stellen

Investor:innen schauen vorrangig auf die wirtschaftliche Performance des Unternehmens, sie konzentrieren sich auf die Zahlen, Daten und Fakten und antizipieren, wie sich das Unternehmen entwickeln kann und ob es einen Markt gibt, um zu skalieren. Das Business Development hingegen betrachtet eher den Nutzen für die Kund:innen. Wie ist die Gebrauchstauglichkeit des Produktes oder die Lösung? Welche Anwendungsfälle könnten sich darüber hinaus abdecken lassen oder gibt es möglicherweise Ansätze, um das Angebot zu erweitern, auszubauen und neue Zielgruppen zu erschließen? Mit diesen Fragen betrachte ich die über 60 Portfolio-Firmen und deren Lösungen. Durch die Nähe zur BMW Group habe ich einen guten Überblick darüber, in welchem Bereich ein Produkt oder eine bestimmte Technologie andocken könnte. Wir investieren unabhängig – daher geht es bei der Prüfung für das Business Development nicht zwingend darum, dass die Lösung für die BMW Group passt, sondern ob sie generell dazu dient, das automobile Umfeld voranzubringen, Kundenbedürfnissen zu entsprechen und vor allem das automobile Umfeld in Richtung Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz zu begleiten. 

Investoren pflanzen den Baum, dass Business Development sorgt für Wachstum

Während also die Investor:innen mit dem Kapital den Baum pflanzen, in dem sie die nötigen Samen säen, sorge ich dafür, dass die Pflanze in einem passenden Umfeld wachsen und gedeihen kann. 

Ein guter Geschäftsplan und solide Finanzdaten sind wichtig – jedoch nicht das Einzige, was zählt. Gründer:innen sollten bei ihren Pitch Decks nicht nur blanke Zahlen präsentieren, sondern direkt auch die entsprechenden (potenziell wachsenden) Zielgruppen mit ansprechen und aufzeigen, wie sich Ihre Lösung weiterentwickeln lässt. Unerlässlich ist dafür eine starke Wettbewerbsanalyse und eine Einschätzung, wie der zu erobernde Markt aussieht. Vor allem auch Trends, Regularien oder auch sich verändernde Kundenbedürfnisse sind dabei mitzubedenken. Interessant für mich zu sehen ist die strategische Ausrichtung und Roadmap für weitere wirtschaftliche Aktivitäten. Damit ergänze ich den Due Diligence Prozess der Kolleg:innen. Gründer:innen, die diese Perspektiven bei ihren Pitches mit bedenken, sind sicher gut beraten. Denn nur ein auf den Kunden zugeschnittenes Produkt bzw. ein kundenzentrierter Service kann sich am Markt behaupten und wachsen.

Über die Autorin


Inga Grieger ist Business Development Managerin bei BMW i Ventures.

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#Gastbeitrag – Produktivität steigern: Warum erfolgreiche Arbeit Typsache ist

Produktiver sein, mehr schaffen, in weniger Zeit mehr auf die Reihe bekommen: Seien wir ehrlich – das wünschen sich viele von uns. Denn Arbeitsalltags- und Lebensalltagsgestaltung bedeutet, Dinge zu unternehmen, den Alltag zu planen und am Ende abzuhaken, was man sich vorgenommen hat. Mit jedem erledigten To-do kommt man einen Schritt weiter voran. Heutzutage werden wir in sozialen Medien und News-Foren förmlich überschüttet mit Tipps für mehr Produktivität und verschiedenen Tools für die Umsetzung und Selbstoptimierung. Oft stellen wir aber fest, dass wir an theoretischen Methoden scheitern und somit die Prokrastination aufs Neue beginnt. Woran liegt das?

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit Methoden und Tools für mehr Produktivität. Mein Rat: Bevor man sich die Flut an Produktivitätstipps im Internet zu Gemüte führt, sollte man sich klar machen, was für ein Produktivitätstyp man eigentlich ist. Denn davon hängt es maßgeblich ab, welche Methoden oder Tools am Ende zu weniger Prokrastination und dafür zu produktiveren Arbeitstagen führen.

Diese vier Produktivitätstypen sollten wir kennen, um besser entscheiden zu können, welche Methoden, Vorgehensweisen und Tools sich für die individuelle Produktivitätssteigerung eignen:

Priorisierer:in

Dieser Typ ist weitgehend analytisch, realistisch und ein logischer Denker. Priorisierer:innen halten sich gerne an Fakten und wollen im Team im Voraus genau wissen, wie lange eine Aufgabe dauern wird, damit die Arbeitszeit effizienter geplant werden kann. Zeitpläne sind ihr Ding und sie haben die Uhr bei jedem To-do im Blick. Darüber hinaus fällt es ihnen leicht, fokussiert Aufgaben zu managen und zu entscheiden, was als erstes gemacht werden muss und was noch etwas warten kann. In einem Team sind sie proaktive Problemlöser, arbeiten gerne mit einem klaren Ziel vor Augen und erstellen Timelines.

Methoden und Tools: Für Priorisierer:innen eignet sich besonders die Pomodoro-Technik, bei der in kleinen, aber sehr effizienten Intervallen gearbeitet wird. Aufgaben werden in Teilschritte unterteilt und nach jedem Schritt wird eine zeitlich begrenzte Pause gesetzt. Digitale To-do-Listen eignen sich, um die Aufgaben nach Prios zu sortieren.

Planer:in

Planer:innen tauchen meist etwas tiefer in Details ein. Sie weichen ungern von Abmachungen ab und sind deshalb zuverlässige Teammitglieder, die Projekte in einem festgelegten Zeitrahmen abschließen. To-do-Listen sind der beste Freund der Planer:innen. Ihr Postfach ist oft nach farblichen Ordnern sortiert und der Kalender zeigt konkret an, was zu welcher Zeit erledigt wird. In Meetings bestehen Planer:innen oft auf die klare Festlegung von Next Steps, sodass alle Mitwirkenden wissen, was sie mit welcher Deadline zu tun haben. 

Methoden und Tools: Für Planer:innen eignen sich digitale Helfer wie Kalender und Notiz-Apps. Kalenderintegrationen, wie beispielsweise bei uns, helfen diesem Produktivitätstyp bei der Projektplanung und der Organisation ihrer Teams und Aufgaben. Einige Planer:innen greifen auch gerne einmal zum Zettel und Marker oder organisieren sich über Projektmanagement-Tools, die Fristen und konkrete Briefings enthalten. 

Visualisierer:in

Im Gegensatz zu den Planer:innen neigen die Visualisierer:innen eher dazu, Details zu übersehen. Sie scheuen sich nicht davor, viele Projekte gleichzeitig zu jonglieren und werfen immer neue Ideen in den Ring. Sie erledigen Aufgaben spontan und entscheiden meist nach Lust und Kreativität, was sie als nächstes erledigen wollen. In Projekten kann das den ein oder anderen Zeitplan durcheinander werfen – jedoch braucht man keine Sorge haben, dass die Ideenfindung stagniert. Visualisierer:innen erkennen häufig Chancen und Potential neuer Blickwinkel, sind innovativ und dabei problemlösungsorientiert. Im Team sind sie diejenigen, die mehrere Aufgaben und Projekte gleichzeitig handlen und spontan in Brainstormings mitwirken.

Methoden und Tools: Für Visualisierer:innen eignen sich Tools, mit denen man Mind-Maps erstellen und Gedanken auf verschiedenfarbigen Zetteln zusammenfassen kann, sodass Zusammenhänge visuell dargestellt werden können. Um den Tag zu strukturieren, bietet es sich für diesen Typ an, in Zeitblöcken zu planen: Ein Zeitfenster am Tag ist dafür da, administrative oder dringende Aufgaben zu erledigen. Ein weiteres Zeitfenster, um den Gedanken und der Kreativität freien Lauf zu lassen.

Arrangeur:in 

Einfühlungsvermögen und die Interaktion im Team treiben Arrangeur:innen voran. Sie sind hochemotionale und soziale Wesen und erledigen ihre Aufgaben am liebsten mit Sparring-Partnern. Ihnen liegt Kommunikation und sie sind in einer Gruppe oftmals ganz natürliche Moderator:innen. Der persönliche Kontakt ist ihnen wichtig, genauso wie das Problemlösen gemeinsam mit dem Team. Arrangeur:innen verlieren meist dann den Fokus, wenn es im Team Probleme zu lösen gibt und es fällt ihnen schwer, Teams auf kleine Gruppen zu beschränken, da sie in allen Teammitgliedern eine Stärke sehen.

Methoden und Tools: Arrangeur:innen können am besten produktiv arbeiten, wenn sie im Austausch mit ihrem Team bleiben. Team-Chats und Kanbanübersichten über alle To-Dos sind für ihn essentiell. Er/sie stellt gerne Zusammenhänge zwischen den einzelnen Aufgaben her und bringt Teammitglieder zusammen, die sich gegenseitig bei der Erledigung einer Aufgabe helfen können.

Neben den vier hier genannten Produktivitätstypen gibt es in jeder Organisation viele weitere, die sich im Berufsalltag etabliert haben. Die Nutzung von Tools und Methoden für mehr Produktivität sind individuell abhängig von der jeweiligen Arbeitsweise. Herauszufinden, welcher Typ man ist, ist ein Schritt in Richtung produktiveres Arbeiten. Anschließend ist es wichtig, verschiedene Tools auszuprobieren und Methoden zu prüfen, um herauszufinden, was am besten bei der Arbeit unterstützt.

Über die Autorin


Deb Lee ist seit über 15 Jahren als Produktivitätsberaterin tätig. Sie hat mit unzähligen Kleinunternehmern zusammengearbeitet, um ihnen dabei zu helfen, ihre Arbeitsabläufe zu verbessern, sich auf die richtigen Dinge zur richtigen Zeit zu konzentrieren und effizienter zu werden. Als Digital Productivity Coach, zertifizierte “Professional Organizer”, Evernote Certified Expert, Rednerin und Liebhaberin von allem, was mit Technik zu tun hat, ist sie außerdem süchtig nach Apps, die Produktivität in der digitalen Welt vorantreiben.

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