
Edifier haut ab und mal Lautsprecher auf den Markt, wie kürzlich den M90. Nachdem die kleineren M60 bei vielen schon gut angekommen waren, steht nun der größere Bruder auf meinem Schreibtisch: die Edifier M90. Das Versprechen? Kompakte Maße, aber genug Wumms, um nicht nur vom PC, sondern auch vom Fernseher (und mehr) zu beschallen. Ich habe mir die Kisten mal genauer angeschaut (und angehört).
Das Erste, was auffällt: Die Dinger sind schwer. Für ihre knapp 21 cm Höhe bringen sie ordentlich Masse mit, was in der Audiowelt meistens ein gutes Zeichen für die Gehäusequalität ist. Sie wirken schlicht, fast schon unauffällig, wahlweise in Schwarz oder Weiß.
Ein kleiner Kritikpunkt direkt vorab, der mich im Alltag etwas nervt: Die Regler sitzen hinten. Das ist optisch schick, in manchen Situationen vielleicht ungeil. Beispielsweise, wenn man nicht über den PC regelt oder die Fernbedienung nicht gerade zur Hand hat. Die arbeitet übrigens mit 2,4 GHz und benötigt keinen Sichtkontakt.

Warum sollte man sich die M90 holen und nicht irgendein anderes Set? Ganz klar: wegen der Anschlüsse. Edifier hat hier HDMI eARC verbaut. Das sieht man bei kompakten Regallautsprechern in dieser Preisklasse selten. Ihr könnt die Boxen einfach per HDMI an den Fernseher hängen. Die Boxen gehen mit dem TV an und aus, und die Lautstärke regelt ihr mit der ganz normalen TV-Fernbedienung. Dazu gibt’s USB-C für den Laptop, Optisch, AUX und Bluetooth 6.0 inklusive LDAC-Support für die Android-Fraktion.
Kommen wir zum Wichtigsten. Wie klingen die Teile? Hach. Alle Ohren hören anders. Ich war erst einmal null geflasht. Ich habe gute Kopfhörer – und haltet mich bitte nicht für bescheuert: Ich liebe die Speaker am Studio Display von Apple. Ausgewogen, raumfüllend und irgendwie immer gleich gut klingend, sodass ich nie einen Equalizer behelligen musste.

Die Edifier M90 klangen in den ersten Minuten absolut unrund dagegen. Also wirklich so, dass ich dachte: Sind die so schlecht – oder das Studio Display so gut? Konkret fehlten mir da meine gewohnten Höhen. Edifier bietet eine App mit Equalizer, da habt ihr Presets aber auch die Möglichkeit, eigene Einstellungen vorzunehmen. Ich bin da auf dem Mac mittlerweile Fan von FineTune. Eine echte Sound-Wollmilchsau mit den notwendigen Optionen für mich. Nachdem ich also wie ein Wilder echt lange die Lautsprecher auf meine Ohren justiert hatte, wurde es logischerweise besser. Ich beziehe mich hörtechnisch auf meine Settings, nicht auf die voreingestellten.

- Mitten und Höhen: Stimmen sind glasklar. Wer Podcasts hört oder viel YouTube schaut, wird das mögen.
- Der Bass: Für 4-Zoll-Treiber kommt da ordentlich Druck raus. Wer richtigen Tiefbass für das Heimkino will, wird um einen zusätzlichen Subwoofer nicht herumkommen, ein Anschluss ist an den Boxen dran. Der integrierte Bass wird irgendwann in den entsprechenden Frequenzbereichen aber nervig unschön, den würde ich nicht zu weit hochdrehen.
Wo Licht ist, ist auch Schatten. Drei Dinge solltet ihr wissen:
- Gedenksekunde: Die Boxen brauchen beim Einschalten etwa 10 Sekunden, bis der DSP hochgefahren ist.
- Auto-Wake-Up: Per HDMI und Bluetooth wachen die Boxen brav auf, wenn ein Signal kommt. Wer sie aber per USB-C muss sie oft manuell per Fernbedienung wecken. Zumindest war dies bei mir der Fall, wenn ich den Mac aus dem Schlaf holte.
- Auto-Off: Standardmäßig schalten sie sich nach 15 Minuten ab. Das kann man in der App deaktivieren.

Die Edifier M90 sind vielleicht ein gelungenes Set für Leute, die ein System für alles wollen. Tagsüber am Rechner arbeiten und zocken, abends den Monitor zur Seite schieben und den Fernseher beschallen. Kommt natürlich immer drauf an, wie es bei euch daheim ausschaut, logisch.
Ein Fazit? Ich habe echt Schwierigkeiten, das für 300 Euro zu empfehlen. Klar, in Sachen der Konnektivität bekommt man viel geboten, (LDAC, HDMI eARC, App-EQ) – und auch der Sound stimmt „irgendwie“. Wer die sich in einen kleinen bis mittleren Raum stellt, kommt vielleicht gut klar. Da mag das passen. Als PC-Lautsprecher waren sie mir irgendwie zu… meh. Out of the box, fand ich den Klang nicht so gut.
Da musste ich schon echt zu lange fuckeln, um was Gescheites zu bekommen. Und letzten Endes war mir das alles zu unausgewogen, da ich echt von Song zu Song so klangliche Unterschiede hatte, die mich irgendwie störten.

VNV Nation war klanglich out of the box echt nicht schön anzuhören, andere Dinger wiederum schön. Und ich habe keinen Nerv, meinen Sound auf EQ-Basis zu regeln. Ist irgendwie eine typische „Depeche-Mode-Box“. Die klangen alle Sahne.
Ich schrieb das schon einige Male im Rahmen von Tests: Ich habe ein Teufel Motiv 2 im Haus. Das arbeitet als PC-Lautsprecher seit 2009 – 2 Boxen und 1 Sub. Unschlagbar. War damals preislich ähnlich. Wäre weiterhin meine Wahl, würde ich an meinem Schreibtisch auf ein Soundsystem setzen – bekommt man aber leider nur noch bei eBay oder Kleinanzeigen in der alten Form, dafür aber spottbillig (klar, da ist dann kein Bluetooth oder eARC dabei).
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