#Gastbeitrag – Über die Parallelen von Extremsport und Unternehmensgründung

Als Profikletterer und Abenteurer habe ich immer wieder festgestellt: Die wichtigste Parallele zum Unternehmertum ist die, dass sowohl Kletterer als auch Führungskräfte, generell die Leistungsträger in der Wirtschaft, nicht nur kühl kalkulierender Realisten sein müssen, sondern zuallererst Visionäre. Denn ohne die aus einem Traum gewachsene Zielsetzung einer alpinistischen Unternehmung, würden niemals neue und schwierigere Wände durchstiegen werden. Und ohne Visionen wären auch in der Wirtschaft keine Innovationen möglich und damit auch keine Vorteile gegenüber den – meist auch nicht gerade untätigen – Mitbewerbern. 

Es reicht daher auch nicht aus, wenn Führungskräfte Ziele einfach nur ausgeben. Ihre Überzeugung, Begeisterung und Leidenschaft für die Maßnahmen müssen für das Team spürbar sein. Nur wenn ich als Leistungsträger und Führungskraft authentisch wahrgenommen werde, kann ich auch unpopuläre Maßnahmen durchsetzen.

VIER TRAGENDE SÄULEN FÜR DEN ERFOLG

Meine Expeditionen und damals auch mein Unternehmen – den Kletterausrüstungs-Anbieter Red Chili – stelle und stellte ich immer auf vier tragende Säulen:

Das Material

Die am einfachsten zu bauende Säule ist das Material. Wenn ich aufgrund der Analyse eines Ziels ein entsprechendes Anforderungsprofil für die Expedition oder ein Projekt erstellt habe, kann ich relativ präzise bestimmen, welche Hilfsmittel ich einsetzen muss, um Arbeitsprozesse zu erleichtern und zu beschleunigen. Dabei ist aber das Material nur so viel wert, wie die Fähigkeiten seines Benutzers. Ich kann mir das beste Kletterseil der Welt kaufen, es hält Tonnen. Aber wenn ich es unachtsam über eine messerscharfe Felskante laufen lasse, kann es im Fall eines Sturzes wie mit einem Messer durchtrennt werden. Auf der anderen Seite, wenn ein Team tonnenweise eurogenormte Sicherheitsausrüstung mitschleppt, kann die Fülle an Ausrüstung das Team so schwerfällig und unbeweglich machen, dass auch in diesem Fall das Ziel eine Illusion bleiben wird. Es erfordert sehr viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung, um festzustellen, welches Material ich unbedingt benötige und auf welches ich verzichten kann.

Physische Leistungsfähigkeit

Die zweite tragende Säule ist die körperliche Leistungsfähigkeit. Eine komplexe Unternehmung wie eine Antarktisexpedition oder eben ein Firmen-Startup erfordert sehr viel Energie während der einzelnen Abschnitte und über einen extrem langen Zeitraum. Das heißt, ich muss sehr schnell lernen, mit meiner Energie – die begrenzt ist – wirtschaftlich umzugehen. Ich muss lernen, die Energiereserven nicht unnötig zu verschwenden und die Leistung punktgenau abzurufen.

Das Team

Die dritte tragende Säule ist das Team. Alleine kann ich die immensen Aufgaben, die sich bei einer Expedition oder Unternehmensgründung stellen, unmöglich bewältigen. Ich benötige ein Team das in der Lage ist, meine Fähigkeitslücken auszugleichen. Neben der rein fachlichen Qualifikation jedes einzelnen Expeditionsmitglieds ist seine Teamfähigkeit entscheidend für den Erfolg der Unternehmung. Bei einer Expedition mit schwieriger Zielsetzung sind die Teilnehmenden alle Hochleistungsindividualisten, die bereit sind, ihre persönlichen Zielsetzungen dem gemeinsamen Ziel unterzuordnen. 

Ich erwarte von jedem Expeditionsmitglied dieselbe Leidenschaft für dieses Ziel wie ich sie selbst empfinde. Wer diese Leidenschaft nicht hat, ist für die Unternehmung genauso wenig geeignet, wie für die Firmengründung und wird zum Risikofaktor.

In einem harmonisch funktionierenden, hoch qualifizierten Team kennt jeder und jede Einzelne die Stärken, aber vor allem Schwächen der anderen. Alle wissen, dass sie sich auf die anderen hundertprozentig verlassen sowie Fehler und Ängste zugeben können, ohne dass es ihnen zum Nachteil ausgelegt wird. Und alle sind bereit, auch “Wasserträgerdienste” zu übernehmen. Alle müssen auch einmal die Arbeit der anderen tun und dürfen sich nicht nur auf ihre Spezialdisziplin konzentrieren. Sepp Herberger, die deutsche Fußballnationaltrainer-Legende prägte einmal das geflügelte Wort: “Es spielen nicht die elf besten Spieler, sondern es spielen die elf, die am besten zusammenspielen.” 

Mentale Leistungsfähigkeit

Die vierte tragende Säule – vielleicht die wichtigste – ist die mentale Leistungsfähigkeit. Wie gut und vor allem wie realistisch habe ich mich auf die bevorstehenden Aufgaben vorbereitet? Eine der wichtigsten Eigenschaften, sozusagen die Lebensversicherung für Kletterer, aber auch für Führungskräfte, ist die realistische Einschätzung ihrer eigenen Fähigkeiten und das ehrliche Hinterfragen ihrer Ambitionen. Die meisten Bergunfälle, aber auch viele Firmenpleiten passieren aufgrund fahrlässiger Selbstüberschätzung.

Die Frage, ob ich wirklich dazu bereit bin, all diese Entbehrungen, diese Ausgesetztheit und Einsamkeit in einer menschenfeindlichen Region und die damit verbundenen Zweifel an dem Erfolg zu akzeptieren, diese Frage muss ich mir ehrlich im Vorfeld der Expedition beantworten. Ich darf während des Unternehmens, auch nach einer Woche im Schneesturm in einem kleinen Zelt, nicht den Tiger aus den Augen verlieren, um beim nächsten Schönwetterfenster die vielleicht letzte Chance auf den Gipfel wahrzunehmen und nicht resigniert den Rückzug anzutreten. 

Doch gilt auch für die mentale Leistungsfähigkeit, das gleiche Prinzip wie bei der Einteilung der körperlichen Ressourcen: Auch mental ist der Mensch nur begrenzt leistungsfähig und auf den “Windschatten” seiner Teammitglieder angewiesen. Jeder durchlebt auf einer Expedition in den Grenzbereich oder bei einer Unternehmensgründung Phasen der Resignation. Darauf muss ich vorbereitet sein und mich auch mental für einige Zeit hinter meinen Partnern einreihen können. 

Über den Autor


Stefan Glowacz ist Profikletterer- und Abenteurer und war lange Zeit auch Unternehmer. Vor ca. 25 Jahren gründete er das Unternehmen Red Chili. Das Unternehmen entwickelte, produzierte und vertrieb Kletterschuhe und Klettermode international. In dieser Zeit hat er alle Höhen und Tiefen des Unternehmertums kennengelernt und festgestellt, dass sich dieses kaum von seinen Expeditionen, die ihn ans Ende der Welt führten, unterschieden hat. Vor acht Jahren verkaufte er Red Chili und widmet sich seitdem ausschließlich seinen Expeditionen, Vorträgen, Büchern und Dokumentationen.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Stefan Glowacz

#Gastbeitrag – Industrielle KI als Chance für deutsche Startups

#Gastbeitrag

Das Potenzial künstlicher Intelligenz (KI) für die Industrie ist riesig. Die Anwendungsmöglichkeiten in produzierenden Unternehmen reichen von der Logistikdatenanalyse über Qualitätssicherung und Maschinensteuerung bis hin zu völlig neuen digitalen, datenbasierten Geschäftsmodellen.

Industrielle KI als Chance für deutsche Startups

Dienstag, 10. September 2024VonTeam

Transporter, die selbstständig ihren Weg durch Fabrikhallen finden, Anlagen, die ihren Energieverbrauch optimieren und Maschinen, die während der Fertigung bereits Qualitätskontrollen vornehmen und nachjustieren – das Potenzial künstlicher Intelligenz (KI) für die Industrie ist riesig. Die Anwendungsmöglichkeiten in produzierenden Unternehmen reichen von der Prozess- und Logistikdatenanalyse über Qualitätssicherung und Maschinensteuerung bis hin zu völlig neuen digitalen, datenbasierten Geschäftsmodellen und dem virtuellen Kundenkontakt durch Chatbots. Die Industrienation Deutschland hat die Chance, eine führende Rolle in diesem Bereich zu übernehmen. Eine Gelegenheit vor allem für Startups, in den lukrativen industriellen Markt vorzudringen. Unternehmer, KI-Experte und Tech-Investor Hauke Hansen erläutert, was dabei zu beachten ist.

Die nächste industrielle Revolution

Nach einem von MarketsandMarkets (“Industrial Artificial Intelligence Market by Technology, End-User Industry, and Region – Global Forecast to 2026”) prognostizierten Marktvolumen von 16 Milliarden Dollar bis 2026 wird industrielle KI eines der bedeutendsten Transformationsfelder überhaupt. Sie läutet eine neue Ära der industriellen Revolution ein, die vor allem hochqualifizierte Fachkräfte betrifft. KI-Technologien werden industrielle Geschäftsmodelle grundlegend verändern.

Startups als Innovationstreiber industrieller KI

Trotz Defiziten in Bereichen wie großen Sprachmodellen (LLMs) oder der Verfügbarkeit von Risikokapital hat Deutschland eine ausgezeichnete Ausgangsposition im Bereich der industriellen KI. Die deutsche Wirtschaft kann durch deren aktiven Einsatz ihre Wertschöpfung innovativ weiterentwickeln und so zum zukünftigen wirtschaftlichen Wohlstand beitragen. Während der Markt für LLMs und Enterprise-AI weitgehend verteilt ist, ist das Rennen um die führende Position bei industrieller KI noch offen – mit guten Chancen für deutsche und europäische Unternehmen. Startups spielen hierbei als Innovationsmotor eine zentrale Rolle.

Industrielle KI bereits heute im Einsatz

Industrielle KI revolutioniert schon heute verschiedene Industriebereiche durch Prozessoptimierung, Effizienzsteigerung und die Lösung komplexer Herausforderungen. Beispiele hierfür sind:

  • Siemens: Als eines der führenden Industrieunternehmen in Deutschland nutzt Siemens KI in verschiedenen Bereichen, insbesondere für vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance) und Prozessoptimierung.
  • SAP: Als Softwareunternehmen entwickelt SAP KI-Lösungen für verschiedene industrielle Anwendungen, darunter Lieferkettenoptimierung und intelligente Datenanalyse.
  • BMW nutzt KI in der Qualitätssicherung, besonders bei der visuellen Inspektion von Karosserieteilen. Kameras erfassen Bilder, die von ML-Algorithmen analysiert werden, um Fehler in der Lackierung oder anderen Oberflächen zu erkennen.
  • Bosch verwendet KI zur Optimierung der Vertriebs- und Betriebsplanung. Durch die Analyse historischer Verkaufsdaten und anderer Faktoren kann das Unternehmen die Nachfrage besser vorhersagen und die Produktion anpassen.
  • Norcom Information Technology: Das Unternehmen bietet innovative KI-Technologien an – darunter die Aufbereitung von Daten für KI-Anwendungen, individuelle KI-Apps und unternehmenseigene Chatbots – und ist auch im Bereich Big Data tätig.

Erfolgsstrategien für Startups im Bereich der industriellen KI

Industrielle KI bietet deutschen Startups besondere Chancen. Ein Drittel der KI-Gründungen in Deutschland sind universitär und forschungsnah, was ein erhebliches Potenzial für den Transfer von Spitzenforschung in die Praxis darstellt. Allerdings haben es junge Startups oft schwer, Zugang zu etablierten Unternehmen zu finden und müssen auf ihrem Weg einige Hürden überwinden:

  • Daten-Zugang: Technische und spezifische Daten sind für das Training industrieller KI-Lösungen unerlässlich. Diese Daten befinden sich oft bei etablierten Unternehmen, die sie ungern teilen. Partnerschaften können den Zugang zu den notwendigen Daten ermöglichen. Vertrauen und Datenschutz sind dabei entscheidende Faktoren.
  • Integration in bestehende Systeme: Die Integration neuer KI-Technologien in bestehende industrielle Systeme ist essenziell, kann jedoch komplex und zeitaufwendig sein. Startups sollten skalierbare und interoperable Lösungen entwickeln, die sich nahtlos einfügen lassen.
  • Vertrauen und Akzeptanz: Viele Industrieunternehmen stehen neuen Technologien skeptisch gegenüber und bevorzugen bewährte Lösungen. Startups müssen nachweisbare Erfolge vorweisen und eng mit ihren Kunden zusammenarbeiten, um Vertrauen zu gewinnen. Erfolgreiche Pilotprojekte und Fallstudien sind hierbei hilfreich.

Um diese Herausforderungen zu meistern, können Startups folgende Strategien verfolgen:

  • Kundennutzen: Die Entwicklung von Lösungen, die konkrete und messbare Vorteile bieten, ist entscheidend. Startups sollten sich auf die Lösung spezifischer Probleme konzentrieren und ihren Kunden klare Mehrwerte aufzeigen.
  • Nachweisbare Erfolge: Erfolgreiche Pilotprojekte und Fallstudien schaffen Vertrauen bei potenziellen Kunden und fördern die Akzeptanz neuer Technologien.
  • Partnerschaften und Kooperationen: Enge Zusammenarbeit mit etablierten Industrieunternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen erleichtert den Zugang zu Ressourcen und Daten und stärkt das Vertrauen in neue Technologien.
  • Flexibilität und Agilität: Startups sollten flexibel und anpassungsfähig sein, um schnell Lösungen auf den Markt zu bringen, für deren Entwicklung etablierte Unternehmen Jahre benötigen.
  • Verschiedene Finanzierungsquellen: Neben Risikokapital sollten Startups auch andere Finanzierungsquellen wie staatliche Förderprogramme und strategische Investitionen in Betracht ziehen, um ihren Finanzbedarf insbesondere in der Frühphase zu decken.

Deutsche Startups im Bereich der industriellen KI

Deutschland verfügt über eine wachsende Anzahl von Startups, die im Bereich der industriellen KI wesentliche Innovationen vorantreiben, darunter erfolgreiche Scale:

  • Twaice, gegründet 2014 von Michael Baumann und Stephan Rohr von der TUM, hat sich auf vorausschauende Analytiksoftware für Lithium-Ionen-Batterien spezialisiert. Ihre KI-Technologie optimiert sowohl die Entwicklung als auch den Betrieb von Batterien, was besonders für die Elektromobilität und erneuerbare Energien relevant ist.
  • KONUX, ebenfalls gegründet 2014, kombiniert KI und IoT, um die Wartung von Eisenbahninfrastrukturen zu optimieren. Ihre Systeme überwachen kontinuierlich den Zustand von Weichen und anderen kritischen Komponenten, um Ausfälle vorherzusagen und die Instandhaltung zu verbessern.
  • TwentyBN aus dem Jahr 2015 entwickelt KI-basierte Lösungen für die visuelle Erkennung und Interaktion. Ihre Technologie wird in der Robotik eingesetzt, um Maschinen das Verständnis und die Reaktion auf visuelle Reize zu ermöglichen
  • Gestalt Robotics kombiniert die Vorteile von KI und Robotik, um innovative Lösungen für die Fertigungsindustrie zu schaffen. Sie integrieren KI in Robotersysteme, um diese intelligenter und anpassungsfähiger zu machen.

Für den auf KI-Startups spezialisierten AI.FUND ist industrielle KI eines der interessantesten Investitionsfelder in Europa. Etwa 10% der über 6000 KI-Startups in der Datenbank des Fonds sind im Bereich industrieller KI aktiv. Beispiele sind das auf LIDAR-Sensorik spezialisierte Startup BlickfeldTvarit für verlustarme Metallverarbeitung, flexible und mobile Roboter von Arculus oder zerstörungsfreies Testen mit Deeplify.

Fazit

KI in der Industre bietet Deutschland einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil. Mit der richtigen Strategie, gezielten Investitionen und der Förderung von Kooperationen kann unser Land seine führende Position in der globalen Industrie weiter ausbauen. Innovative Startups im Bereich industrieller KI können eine wesentliche Rolle dabei spielen, diese nächste Entwicklungsstufe erfolgreich zu meistern. Fabian Westerheide schreibt dazu in seinem Buch “KI Nation”: “Industrielle KI ist der Schlüssel zur Sicherung unserer wirtschaftlichen Zukunft. Deutschland hat das Wissen und die Fähigkeiten, um in diesem Bereich führend zu sein – wir müssen nur den Mut haben, diese Chancen zu ergreifen.”

Über den Autor


Hauke Hansen ist Unternehmer, KI-Experte und Tech-Investor. Mit dem Hamburger Frühphasen-Investor AI.FUND investiert Hansen gezielt in “Geschäftsmodelle auf Basis angewandter KI”. Hinter dem AI.FUND stecken mit Hauke Hansen, Ingo Hoffmann, Fabian Westerheide, Petra Vorsteher, John Lange und Ragnar Kruse gleich mehrere erfahrene Unternehmen:innen. In das Münchner Startup Sinpex investierte AI.FUND bereits.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Bing Image Creator – DALL·E 3 

#Gastbeitrag – KI und Objektivität – Weshalb gerade Frauen eine wichtige Rolle spielen

KI kommt immer mehr in der Gesellschaft an – vor allem bei jüngeren Menschen. So nutzen beispielsweise in der Generation Z (18 bis 27 Jahre) knapp 41 % der Befragten einer Studie aktiv KI-Dienste wie z.B. ChatGPT (Statista, Stand Februar 2023, Deutschland).

Einen großen Vorteil, den sich viele bei der Nutzung von KI-Tools erhoffen, ist, dass diese, anders als ein Mensch, ganz sachlich und objektiv an Sachverhalte herangehen. Der Gedanke liegt natürlich erst einmal nahe – schließlich reden wir von einer Intelligenz, die frei von menschlichen Emotionen und Eindrücken agiert.

Jedoch vergessen viele recht gerne, dass KI nicht von alleine “intelligent” wird. Sie muss sich Sachverhalte aus vergangenen Szenarien erarbeiten, tausende Daten auswerten, Muster erkennen und interpretieren: Somit kann man also sagen, dass die KI auf Basis dessen agiert, was sie im Laufe ihres künstlichen Lebens erlernt hat.

Objektivität – reines Wunschdenken?

Hierbei tut sich ein gewaltiges Problem auf: Es gibt nämlich eine Gruppe, die KI-Tools sehr viel mehr nutzt und somit auch trainiert, als andere das tun; und das sind Männer.

Tatsächlich ist dies bereits in jungen Jahren zu sehen: Weibliche Jugendliche zeigen vergleichsweise weniger Interesse an KI-Tools als männliche Jugendliche, wie sich in einer Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest beobachten lässt. Die Konsequenz: KI-Tools lernen konstant dazu, und durch diese disproportionale Nutzer:innen-Verteilung wird ihre Entwicklung einseitig geprägt durch männliches Verhalten. Sie übernimmt somit Denkmuster und Stereotype, die besonders häufig bei Männern vorkommen.

Frauen beteiligen sich darüber hinaus auch weniger an der Gestaltung der Technologie. So sind es eher Männer, die diese Tools programmieren und entwickeln. In Studienfächer wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert. Nur 28 % der Absolventen von Ingenieurstudiengängen und 22 % der KI-Mitarbeiter sind weiblich.

Das erkennt man an einem ganz klassischen Beispiel: Wenn man eine generative KI, wie etwa dall-e, fragt, das Bild einer schönen Frau zu erstellen, werden fast immer die Klischees eines männlichen Schönheitsideals bedient (eine junge Frau mit schlanker Taille, üppiger Oberweite, perfekten Gesichtsmerkmalen und so fort).

Die brennende Frage ist daher: Wie können wir es schaffen, dass KI nicht mehr so einseitig geprägt wird? Indem wir sie alle nutzen und mit unserem Input trainieren. Besonders Frauen sollten hierbei eine starke Förderung erhalten, da die Skepsis gegenüber KI-Tools hier noch groß erscheint.

Frauen zur Nutzung von KI anregen – So geht’s

1. Stärkt Frauen in MINT Bereichen

Frauen sind im MINT-Bereich immer noch unterrepräsentiert: Im Wintersemester 2022/23 waren beispielsweise 32 % der MINT-Studierenden an deutschen Hochschulen weiblich (laut Daten des Statistischen Bundesamts) – somit ist hier noch Luft nach oben, um ein 50/50 ausgeprägtes Gleichgewicht zu erzielen. Hierzu ist es wichtig, Frauen schon in jungen Jahren in wissenschaftlichen Fächern stärker zu fördern, denn allzu oft werden sie früh von dem gesellschaftlichen Bild geprägt, dass Mathe und Co. eher Fächer für Jungs sind.

2. Früh ansetzen: Fördert KI-Bildung in Schulen für Mädchen

Hierauf baut auch der nächste Punkt auf. Der Umgang mit KI sollte früh trainiert werden, am besten schon in der Schule. Hierbei sollten auch starke Vorbilder, wie beispielsweise Ada Lovelace, die erste Person, die Computerprogramme erstellte, den Mädchen nahegebracht werden. Damit können wir aufzeigen, dass Mathematik und Programmieren nicht nur eine Männer-Domäne ist.

3. Etabliert einen bewussten und aufmerksamen Umgang mit KI-Tools in Unternehmen

Unternehmen, die bereits KI-Tools nutzen, sollten zusätzlich immer wieder kritisch hinterfragen, ob das Tool mit dem richtigen Input trainiert wurde und nicht nur männlich geprägt agiert. Somit können Szenarien wie 2018 bei Amazon verhindert werden: Damals musste das Unternehmen ihr KI-basiertes Recruiting Tool einstellen. Dieses hatte “gelernt”, dass sich ein sehr viel größerer Anteil an Männern auf technische Jobs bewerben, und hatte diese folglich für solche Positionen präferiert. Somit wurden beispielsweise Wörter wie “women’s” in Bewerbungen negativ gewertet (beispielsweise, wenn eine Bewerber:in “women’s chess club captain” war).

4. Regt Kampagnen zur Nutzung von KI-Tools an

Das Thema KI und die Vorteile, die die Nutzung vor allem auch für Frauen mit sich bringt, muss dringend besser kommuniziert werden. Dafür würden sich beispielsweise gezielte Kampagnen in Medien anbieten, die eine vorwiegend weibliche Zielgruppe haben.

5. Errichtet Safe Spaces für Frauen in Unternehmen

Vielleicht gibt es schon einige Vorreiterinnen im Unternehmen, die besonders geübt im Umgang mit KI sind? Wenn ja, sollten diese gezielt genutzt werden: In Safe Spaces können sie andere Frauen in kleinerer Runde im Umgang mit den Tools schulen und ihnen die Vorteile näherbringen.

6. Bietet Fortbildungen an

Auch wenn noch nicht alle Unternehmen auf KI setzen, wird sich das doch in Zukunft kaum vermeiden lassen. Hier heißt es: früh ansetzen. Unternehmen sollten schon heute verpflichtende Schulungen zum Thema KI und der Nutzung anbieten und dabei auch für die Gefahr der Verstärkung von Stereotypen sensibilisieren. Somit kann dann die ganze Belegschaft, männlich und weiblich, jung und alt, später die KI-Tools des Unternehmens mit Feedback versorgen.

7. Fördert “menschliche” Fähigkeiten

Dieser Teil ist zwar nicht direkt als Anregung für Frauen zur Nutzung von KI gedacht, aber für mich ein wichtiger Schlusspunkt. Gerade da KI-Tools ohne menschliche Intuition und Emotion arbeiten, ist es von großer Bedeutung, dass wir im Umgang mit diesen weiterhin unsere “menschlichen” Fähigkeiten – wie Empathie, kritisches Denken oder Kommunikationsgeschick – stärken. Diese ergänzen die Vorteile der KI und stellen gleichzeitig einen entscheidenden Gegenpol dar, wenn es darum geht, Vorurteile zu vermeiden und in Systemen aufzudecken.

Subjektivität und Schubladendenken lassen sich schwer vermeiden, auch nicht in KI-Systemen. Was wir jedoch tun können, ist, so gut wie möglich dafür zu sorgen, dass die KI von allen Seiten gleichermaßen gefeedbackt und “gefüttert” wird – und somit ein mögliches Gleichgewicht schaffen.

Über die Autorin


Patrizia Ecker ist Expertin für Unternehmenstransformation. Mit 15 Jahren Erfahrung in der Digitalbranche, davon sieben Jahren Führungserfahrung in der Unternehmensberatung, und ihrer Leidenschaft für die Förderung von Frauen hilft Patrizia Ecker Unternehmen, den Wandel erfolgreich zu gestalten. Sie setzt sich für eine familienfreundliche Unternehmenskultur ein, die die Förderung von Soft Skills unterstützt und die Entwicklung eines agilen Mindsets ermöglicht. Ihr erklärtes Ziel ist es, Frauen zu ermutigen, ihren Karriereweg selbstbewusst zu gehen. Sie hilft ihnen dabei, eine Zukunft zu gestalten, in der Frauen in Führungspositionen befördert werden und die Bedeutung weiblicher Eigenschaften anerkannt wird. Dank ihres psychologischen Backgrounds ist Patrizia Ecker in der Lage, digitale Anpassungen und innovative Veränderungsprozesse zu managen. Das ermöglicht es ihr zu verstehen, wie kognitive Verzerrungen die Entscheidungsfindung und das digitale Engagement beeinflussen. Patrizia Ecker studierte unter anderem International Businesses und hat einen Master of Arts in Psychologie. Ihre akademische Ausbildung absolvierte sie an den Universitäten in Mailand, Wien, Zürich, New York und Zypern. Patrizia Ecker steht die Verleihung des “Doktor der Philosophie” bevor, in dessen Rahmen sie gerade ihre Doktorarbeit verteidigt.

Foto (oben): Bing Image Creator – DALL·E 3

#Gastbeitrag – So unterscheiden sich US-amerikanische und europäische Investoren

#Gastbeitrag

Zwischen US-amerikanischen und europäischen Geldgebern kann es immense Unterschiede geben: Mindset, „Silicon Valley-Kapitalismus“ vs. „soziale Marktwirtschaft“, andere Erwartungshaltungen – es gibt viele Faktoren, die eine Investoren-Startup-Beziehung beeinflussen.

So unterscheiden sich US-amerikanische und europäische Investoren

Donnerstag, 5. September 2024VonTeam

Im dynamischen Umfeld des Risikokapitals stehen Startup-Gründer vor wichtigen Entscheidungen hinsichtlich ihrer Investitionsquellen. Vor allem zwischen US-amerikanischen und europäischen Geldgebern und Venture Capital-Gesellschaften kann es immense Unterschiede geben: Mindset, “Silicon Valley-Kapitalismus” vs. “soziale Marktwirtschaft”, andere Erwartungshaltungen – es gibt viele Faktoren, die eine gute Investoren-Startup-Beziehung beeinflussen. Gründer sollten sich deshalb vor ihren Finanzierungsrunden gut überlegen, für welchen Investorentyp sie sich entscheiden. Sowohl US-amerikanische als auch europäische Investoren haben unterschiedliche Vorteile, die man bei so einer wichtigen Entscheidung abwägen sollte:

US-Investoren: High Risks, High Rewards

  1. Große Fonds und große Einsätze: US-Investoren verwalten in der Regel größere Fonds, oft im Bereich von Hunderten von Millionen Dollar. So können sie höhere Investitionen tätigen, in der Regel zwischen 10 und 20 Millionen Dollar, und sie sind eher bereit, Unternehmen höher zu bewerten und entsprechende hohe Summen zur Verfügung zu stellen. Amerikanische Investoren gehen mehr ins Risiko. Sie wollen das nächste Unicorn im Portfolio haben, das ihren Fonds zurückzahlt. Sie drängen auf hohe Wachstumsraten bei hohen Burnrates. Gelingt das bei einer von zehn Investitionen, reicht das für einen performanten Fonds aus. Das bedeutet allerdings auch: Startups, die es nicht zum Unicorn schaffen, fallen schnell aus der Gunst der Investoren. Folgerunden sind dann, wenn überhaupt, nur zu schlechteren Konditionen (Downrounds) möglich.
  2. Marktanerkennung und Zugang zu Talenten: Eine Investition von einem prominenten US-Fonds kann sofortige Marktanerkennung in den USA bringen. Diese Sichtbarkeit kann Türen zu weiteren Finanzierungsrunden öffnen und Top-Talente anziehen, insbesondere in den USA, wo ein bekannter Investor auf der Liste der Anteilseigner starkes Überzeugungsargument für die Rekrutierung erfahrener Fachleute sein kann.
  3. Expertise und Ressourcen: US-Investoren bringen oft eine Fülle von Fachwissen mit, insbesondere im Skalieren von Unternehmen im US-Markt. Für Startups, die aggressiv expandieren und globaler Marktführer werden möchten, kann diese Erfahrung von unschätzbarem Wert sein.

Europäische Investoren: Stetiges Wachstum und nachhaltige Unterstützung

  1. Ausgewogenes Risikomanagement: Mit einem Fokus auf nachhaltiges Wachstum investieren europäische Investoren typischerweise Beträge, die mit der aktuellen Kapazität des Startups zur Expansion im Einklang stehen, ohne sich zu überfordern. So reduziert sich das Risiko, dass Startups zu schnell Kapital verbrauchen und erhöhte Erwartungen nicht erfüllen können.
  2. Breiter Portfolioansatz: Europäische Investoren setzen darauf, dass sich ihr Portfolio in der Breite entwickelt. Ihre Strategie zielt darauf ab, die Fondsperformance nicht von einem Unicorn abhängig zu machen, sondern vielmehr darauf, die Fondsrendite über eine breitere Basis von Investitionen sicherzustellen. Dieser vorsichtigere Ansatz bedeutet, dass sie eher für den Erfolg jedes Portfolio-Unternehmens kämpfen, um es zu einem nachhaltigen und profitablen Unternehmen zu machen. Damit bieten europäische Investitionspartner Startups vergleichsweise mehr Sicherheit und stetige Unterstützung. 
  3. Langfristiges Engagement: Europäische Venture Fonds und sind weniger geneigt, Unternehmen aufzugeben, die nicht sofort aggressive Wachstumsziele erreichen. Sie bieten kontinuierliche Unterstützung, sind Meilenstein-orientiert und arbeiten eng mit Startups zusammen. Gemeinsam können Gründer mit ihren Investitionspartnern Herausforderungen bewältigen und Wachstumsstrategien über einen längeren Zeitraum optimieren.

Implikationen für Startup-Gründer und ihre Firmen

Für Startup-Gründer hängt die Wahl zwischen europäischen und US-Investoren von mehreren Faktoren ab, beispielsweise Wachstumsstadium, Marktstrategie und Risikobereitschaft.

  1. Early Stage-Investment: In einer Seed- oder Serie-A-Phase könnte ein europäischer Investor besser geeignet sein. Ein solcher Partner kann einen vorsichtigen, unterstützenden Ansatz bieten, der gut zur Trial-and-Error-Natur des Wachstums in der Frühphase passt. Die Stabilität und die praxisorientierte Unterstützung können für Erstgründer, die ihre Geschäftsmodelle noch verfeinern, entscheidend sein.
  2. Growth Stage: Wenn Startups reifen und solide Wachstumsraten vorweisen können, kann es von Vorteil sein, einen US-amerikanischen Investor als Partner mit einzubeziehen. Zu diesem Zeitpunkt sind Startups besser positioniert, um größere Investitionen zu managen. Gleichzeitig können sie die Expertise und Netzwerke der US-Investoren nutzen, um schnell zu skalieren und neue Märkte zu erschließen.
  3. Strategischer Fit: Letztendlich ist der beste Investor jemand, der an die Mission des Startups glaubt und die richtige Mischung aus Kapital, Fachwissen und Unterstützung bieten kann. 

Zusammenfassend bieten sowohl europäische als auch US-amerikanische Investoren einzigartige Vorteile. Gründer sollten ihre spezifischen Bedürfnisse, das Wachstumsstadium und ihre Marktstrategie berücksichtigen, um den Investor auszuwählen, der am besten zu ihrer langfristigen Vision passt.

Über den Autor


Wolfgang Krause, Managing Partner bei
Hi Inov, verfügt über umfangreiche Erfahrungen in den Bereichen Unternehmertum, Investitionen und Geschäftsentwicklung. Er leitet das Deutschlandgeschäft von Hi Inov und hat in Frankreich, Großbritannien und den USA gelebt und gearbeitet. Wolfgang hält einen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften von der Universität München.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

#Gastbeitrag – Erfolg beim Exit: Praxisbewährte Ansätze aus über 2.000 Projekten

Der Verkauf des eigenen Unternehmens gehört zu den bedeutendsten Entscheidungen im Leben eines Gründers. Es geht nicht nur darum, den bestmöglichen Preis zu erzielen, sondern auch das volle Potenzial des Startups zu entfalten. Um ein Unternehmen “exit-ready” zu machen, müssen umfassende Maßnahmen ergriffen werden, die wichtige strategische, finanzielle, operative sowie rechtliche Aspekte abdecken. Gründer können so den Wert ihres Unternehmens maximieren und es für potenzielle Käufer günstig zu positionieren. Um sich auf den komplexen Exit-Prozess vorzubereiten, ist es wichtig, die wesentlichen Erfolgsfaktoren zu kennen – immerhin sind bis zu 50 Prozent der geplanten Exits am Ende nicht erfolgreich. Gerade auf dem heutigen, schnelllebigen Markt ist die sorgfältige Vorbereitung eines Exits daher wichtiger denn je.

Eine frühzeitige Planung des Exit-Readiness-Prozesses, idealerweise drei bis zwölf Monate vor dem geplanten Verkauf, ermöglicht es dem Exit-Team, strategisch vorzugehen und sich auf potenzielle Herausforderungen vorzubereiten. Eine solche langfristige und detaillierte Planung, unter Einbindung von Beratern und Experten, hat erheblichen Einfluss auf den Erfolg eines Exits. Sie trägt dazu bei, den Wert des Deals zu maximieren, “Red Flags” frühzeitig zu erkennen und Risiken zu minimieren. Unsere langjährige Erfahrung in der digitalen und datenbezogenen Due-Diligence-Beratung – einschließlich der Unterstützung bei Exits wie dem von Bugaboo an Mubadala Capital, AURELIUS’ Verkauf von Distrelec an die RS Gruppe, und dem kommerziellen Exit von Sunday Natural an CVC – belegt unsere Expertise aus über 2.000 Transaktionen.

Basierend auf dieser Erfahrung haben wir zehn wichtige Erfolgsfaktoren für die “Exit-Readiness” definiert, die auf bewährten Methoden basieren und Gründern helfen können, die Komplexität dieser entscheidenden Phase im Lebenszyklus ihres Unternehmens erfolgreich zu bewältigen.

Markenwert aufbauen

Der Aufbau und die Pflege eines starken Markenwerts sind wesentlich für die Senkung der Kundenakquisitionskosten. Während der COVID-19-Pandemie stieg beispielsweise die Online-Nachfrage stark an, und viele Unternehmen setzten vorwiegend auf bezahlten Traffic, um diese Nachfrage auf sich zu lenken. Mit den veränderten Marktbedingungen stiegen jedoch gleichzeitig auch die Kosten pro Klick (CPC) erheblich. Dies erhöhte den finanziellen Aufwand zur Gewinnung neuer Kunden und senkte dadurch die Rentabilität. Ein starker Markenwert hilft, diese Kosten niedrig zu halten, langfristige Kundenbeziehungen aufzubauen und die Marktposition des eigenen Unternehmens zu stärken. 

Omnichannel-Strategie optimieren

Eine solide Omnichannel-Strategie ist die Voraussetzung, um in den nächsten fünf bis zehn Jahren kontinuierliches Wachstum zu erzielen. Durch die Diversifizierung ihrer Vertriebskanäle bleiben Startups über mehrere Touchpoints hinweg relevant und können ihr Omnichannel-Potenzial auf effektivere Weise einsetzen. Diese Unabhängigkeit von einem einzelnen Kanal macht sie für potenzielle Käufer attraktiver, da das Unternehmen so auch auf unterschiedliche Marktbedingungen vorbereitet ist. 

Online-Offline-Datenintegration vorantreiben

Die Integration von Online- und Offline-Daten, etwa über ein intelligentes Trackingssystem, fortgeschrittenes Attributionssystem, ein CRM-System, eine CDP (etc.) ist entscheidend, um das Kundenverhalten über alle Kanäle hinweg zu verstehen. Das bildet die Grundlage für die Professionalisierung des GtM und die Gewinnung von “high value” Kundensegmenten. Durch die Integration der Datenpunkte netlang der Customer Journey werden Daten zu “Aktivposten” (“Data as an asset”) und bilden die Grundlage für umfassende Analysemöglichkeiten,  die nicht nur den Customer Lifetime Value (CLV) maximieren, sondern auch Investoren eine bessere Entscheidungsfindung ermöglichen. 

Internationalisierung vorbereiten

Die Expansion in neue Märkte erfordert ein klar definiertes Konzept. Investoren suchen meist nach Unternehmen, die auch klare Wachstumspläne für die internationale Expansion haben, um die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells zu beweisen. Beispielsweise wurde “Emma – The Sleep Company” 2020 von der Investmentgesellschaft Haniel übernommen und hat sich dadurch in weniger als zehn Jahren weltweit 30 Märkte erschlossen. Die schnelle Expansion und der Erfolg auf internationalen Märkten wurden durch eine starke Wachstumsstrategie, innovative Produkte und einen robusten Omnichannel-Ansatz vorangetrieben, der auch Partnerschaften mit über 200 Einzelhändlern weltweit umfasst. 

Daten als Kapital verstehen

Viele Unternehmen haben keinen ganzheitlichen Überblick über ihre finanziellen, digitalen und Produkt- und Kundenbezogenen Leistungsindikatoren (KPIs). Das erschwert es Investoren oftmals, die Stärken und die Einzigartigkeit eines Unternehmens wirklich zu verstehen. Daten stellen deshalb auch zur Vorbereitung eines Exit-Prozesses eines der wichtigsten Assets dar, die Gründer einbringen können. Echtzeit-Dashboards zur Überwachung wichtiger KPIs helfen Unternehmen, fundierte, datengesteuerte Entscheidungen zu treffen. Präzise Datenanalysen können zudem kostspielige Fehler bei Transaktionen verhindern, die Gesamteffizienz des operativen Betriebs verbessern und dadurch Investoren nachhaltig überzeugen.

Marketing-Effizienz erhöhen

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für jedes Unternehmen ist es, die Marketingeffizienz hoch und die Kundenakquisitionskosten (CAC) niedrig zu halten. Dies gelingt nur durch den Aufbau eines starken Markenwerts (siehe oben) und einer gleichzeitig aktiv gemanagten Marketingeffizienz über verschiedene Kanäle hinweg. Wenn Unternehmen ihre Markenbekanntheit erhöhen und zunehmend Marktanteile erobern, müssen sie deshalb ebenfalls ihr “Playbook” weiterentwickeln, indem sie ihren Kanalmix optimieren und ihre ursprünglichen Wachstumskanäle weiter ausbauen. Die Ausweitung des Kundennutzenversprechens, z. B. durch die Ausweitung von Produktkategorien, eine höhere Markenrelevanz über die Lebensdauer (CLV) und die Erschließung neuer Kundengruppen tragen dazu bei, die CAC effektiv zu senken. 

Fokus auf eine optimale CLV/CAC-Ratio setzen

Die Konzentration auf den Customer Lifetime Value (CLV) und nicht nur auf die Kundenakquisitionskosten (CAC) ist entscheidend, damit Unternehmen ihre Cross- und Upselling-Möglichkeiten verbessern und ihre Rentabilität erhöhen können. Dafür benötigen sie ein leistungsfähiges CRM-System, personalisierte Customer Journeys, KI-Tools etc. mit denen sie die Kundenbindung optimieren können. Das volle Potenzial eines optimalen CLV/CAC-Verhältnisses entlang der Customer Journey zeigt sich darin, dass leistungsstarke Unternehmen im Durchschnitt eine fünfmal bessere CLV/CAC-Ratio aufweisen. 

Zukunftsfähige Technologieplattform schaffen

Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre Technologie ihr Wachstum unterstützen kann. Investoren prüfen zunehmend die technischen Grundlagen von Unternehmen. Durch die Durchführung einer “reverse” (tech) Due Diligence lassen sich potenzielle technische Probleme und “Red Flags” vor dem Abschluss einer Transaktion frühzeitig identifizieren und lösen – dieses Vorgehen gewährleistet die Skalierbarkeit und Effizienz der Technologieplattform eines Unternehmens.

Effizienz mit Künstlicher Intelligenz erhöhen

KI-Werkzeuge senken Kosten und verbessern die Effizienz im Unternehmen. Die Anwendungsfälle sind vielfältig und reichen von der Content-Generierung bis hin zur Erstellung von Kampagnen, Bilderzeugung, Kundenservice und prädiktiven Analyse. OMMAX entwickelte beispielsweise für das Unternehmen Westwing eine KI-Content-Engine, die die internen Content Erstellungskosten um 50 Prozent senkte. Die sinnvolle Nutzung von KI-Tools (aktuell 12.000 KI-Tools) kann besonders technikaffine Investoren ansprechen und von der Nachhaltigkeit eines Deals überzeugen. 

Auf das richtige (Exit-)Management-Team setzen

Für den Exit gilt das Gleiche wie für die Unternehmensgründung: Das richtige Managementteam ist von zentraler Bedeutung für den Erfolg – es ist meiner Meinung nach sogar fast noch wichtiger als die Geschäftsidee selbst. Und nicht immer sind die Gründer auch das beste Team für den Exit-Prozess und die Umsetzung des Value Creation Plans. Die Einstellung vor allem digital erfahrener Führungskräfte kann die Wachstumsdynamik und die Bereitschaft eines Unternehmens für den Verkauf erheblich verbessern.

Fazit

Die Vorbereitung auf einen erfolgreichen Unternehmensverkauf erfordert eine umfassende und strategische Herangehensweise. Durch die Berücksichtigung wesentlicher Erfolgsfaktoren, kontinuierliche Optimierung und Nutzung digitaler sowie datengetriebener Einblicke können Unternehmen den Wert ihres Geschäfts maximieren und ihre Attraktivität für potenzielle Käufer steigern. Eine überzeugende Equity Story, die digitale, technologische und KI-basierte Wertschöpfungsmöglichkeiten einbezieht, ist dabei oftmals der Schlüssel zu einem erfolgreichen Exit. 

Über den Autor


Stefan Sambol ist Co-Founder und Partner bei der Strategieberatung OMMAX. Das Team hat rund um das Thema Exit ein Exit Readiness Framework entwickelt, das als Checkliste für Gründer verwendet werden kann. Dafür gerne einfach direkt an [email protected] schreiben.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

Este sitio web utiliza cookies para que usted tenga la mejor experiencia de usuario. Si continúa navegando está dando su consentimiento para la aceptación de las mencionadas cookies y la aceptación de nuestra política de cookies, pinche el enlace para mayor información.

ACEPTAR
Aviso de cookies