#Gastbeitrag – Vertical SaaS: Der Schlüssel zur Digitalisierung von KMUs

Lange Zeit herrschte die Meinung vor, dass horizontale SaaS-Unternehmen erfolgreicher sind als branchenspezifische vertikale SaaS-Unternehmen (VSaaS). Dies hat sich in den meisten Fällen auch bewahrheitet. Beispielsweise waren zwischen 2018 und 2021 von 80 Software-Börsengängen 76 % horizontale SaaS-Unternehmen, während nur 24 % branchenspezifische VSaaS-Unternehmen oder auch KMU-VSaaS-Unternehmen waren. KMU-VSaaS-Unternehmen entwickeln spezialisierte Software, die auf bestimmte Branchen zugeschnitten ist, vom Baugewerbe über das Hotel- und Gaststättengewerbe bis hin zum Gesundheitswesen, Restaurants und Fitnesszentren. 

Nachdem 20 Jahre lang horizontale SaaS-Unternehmen im Hauptinteresse von Investoren standen, scheinen nun VSaaS-Unternehmen in den Fokus zu rücken: Erfolgsgeschichten wie Toast (Marktkapitalisierung von mehr als 14 Mrd. USD), Procore (Marktkapitalisierung von mehr als 9,4 Mrd. USD) und ServiceTitan (Bewertung von mehr als 9 Mrd. USD) haben gezeigt, dass VSaaS-Geschäftsmodelle für KMU auch “Outlier” hervorbringen können. 

Und das ist erst der Anfang. Ich bin überzeugt, dass sich in den kommenden Jahren Innovation und Investitionen im Bereich VSaaS für KMU deutlich beschleunigen werden. Das liegt vor allem an vier Trends:

Generationswechsel: Jüngere Generationen von Unternehmenslenkern und -inhabern führen Branchen, die früher als traditionell oder “altmodisch” galten, in die digitale Zukunft. Zudem haben viele kleine Unternehmen Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal einzustellen und zu halten. Dieser Mangel erhöht den Druck auf die Unternehmen, Technologie einzusetzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Entwicklung von Embedded Finance: Mit dem Wachstum von Banking-as-a-Service-Anbietern werden Finanzdienstleistungen wie Zahlungen, Kredite, Kontoführung und mehr zunehmend in VSaaS integriert. Dies wirkt sich positiv auf das Geschäftsmodell aus und stärkt den jährlichen Vertragswert (Annual Contract Value, ACV) und die Kundenbindung, da viele alltägliche Transaktionen von kleinen Unternehmen abgewickelt werden.

Marktreife: Die zunehmende Integration digitaler Lösungen hat die Nachfrage nach spezialisierter Software erhöht. KMU müssen modernisiert werden und benötigen benutzerfreundliche Tools, um mit großen multinationalen Unternehmen konkurrieren zu können.

KI-Revolution: KMU, die VSaaS anbieten, verfügen über einen großen Datenschatz, der sie in die einzigartige Lage versetzt, von der KI-Revolution zu profitieren. KI wird die Automatisierung von Arbeitsabläufen (automatische Notizen, Termin-Bots, Entscheidungshilfen) und Business Intelligence (dynamische Preisgestaltung, prädiktive Analysen) weiter vorantreiben und so zu erheblichen Produktivitätssteigerungen führen.

Was sind die Erfolgsfaktoren von vertikalen SaaS-Unternehmen?





Meiner Erfahrung nach hängt der Erfolg von VSaaS-Unternehmen von mehreren Schlüsselfaktoren ab:

Multi-Produkt-Strategie

Durch eine Multi-Produkt-Strategie können Unternehmen verschiedene direkte und indirekte Einnahmequellen erschließen. Erfolgreiche VSaaS-Unternehmen haben sich zu führenden Plattformen entwickelt, indem sie ihr Produktangebot diversifiziert haben, einschließlich Dienstleistungen wie Zahlungen, Analysen, E-Commerce, Fintech und Marketing. Diese Unternehmen weisen höhere ACV-, Lifetime-Value (LTV)- und Nettoumsatz-Bindungsarten auf, was zu einem größeren adressierbaren Gesamtmarkt (TAM), schnellerem Wachstum und höherer Rentabilität führt.

Steigerung des durchschnittlichen Vertragswerts (ACV)

Der ACV ist eine zentrale Kennzahl, die kontinuierlich gesteigert werden sollte. Erfolgreichen VSaaS-Unternehmen gelingt es häufig, ihren ACV innerhalb von 5 bis 10 Jahren zu verdoppeln oder zu verdreifachen. Dies wird durch die Einführung zusätzlicher Module, Premium-Tarife, Up-Market-Strategien oder durch Kundenwachstum erreicht. VSaaS-ACVs können zwischen 1.000 und 60.000 US-Dollar liegen und im Laufe der Zeit durch Upselling und neue Produkterweiterungen weiter steigen.

Fintech-Produkte als Schlüssel zum Erfolg

Fintech-Produkte machen häufig einen erheblichen Teil der Einnahmen von VSaaS-Unternehmen aus. Die meisten börsennotierten VSaaS-Unternehmen erzielen mehr als 50 % ihres Umsatzes mit Finanzdienstleistungen. Ein Beispiel hierfür ist Toast, dessen Fintech-Lösungen mehr als 80 % des Gesamtumsatzes ausmachen. Weitere Finanzdienstleistungen könnten beispielsweise Gehaltsabrechnungskredite oder Karten für das Ausgabenmanagement sein.

Vergrößerung des TAM

VSaaS-Unternehmen benötigen Zielmärkte, die groß genug sind, wobei in Europa viele Märkte oft zu klein sind, um ein Unicorn in einem einzigen Land aufzubauen. Daher müssen Gründer das ideale Kundenprofil (ICP) sowie das Produkt erweitern und in zusätzliche internationale Märkte expandieren. Die Wahl des richtigen Vertriebskanals ist ebenfalls entscheidend; oft müssen verschiedene Kanäle kombiniert werden, um die richtige Balance zwischen Wachstum und Kosteneffizienz zu finden.

Die Macht der Community

Der Aufbau einer Community – sei es online über Plattformen wie YouTube und Slack oder offline über Konferenzen und Veranstaltungen – ist für die Entwicklung eines VSaaS-Produkts von entscheidender Bedeutung. Communities ermöglichen es, die Stimme des Kunden zu sein und als Meinungsführer in der Branche zu agieren. Viele Branchen haben Verbände, Communities oder Konferenzen gegründet, um die Glaubwürdigkeit ihrer Marke zu stärken.

M&A als Weg zur Internationalisierung und Verbesserung des Produkts

Die meisten führenden VSaaS-Unternehmen haben mehrere Übernahmen getätigt, um international zu wachsen oder ihr Produktangebot zu erweitern. Im Vergleich zu traditionellen Go-to-Market-Strategien kann M&A ein kostengünstiger Weg sein, um Kunden zu gewinnen.

Exit-Szenarien

Während Börsengänge im VSaaS-Bereich eher selten sind, sind Übernahmen durch Private-Equity-Gesellschaften eine häufigere Exit-Möglichkeit. Für Private-Equity-Gesellschaften sind VSaaS-Unternehmen besonders attraktiv, da sie sich gut für Roll-up-Strategien eignen.

Über die Autorin


Lucile Cornet ist Partnerin bei Eight Roads Ventures und spezialisiert auf Software und Finanzdienstleistungen. Sie ist begeistert von der europäischen Startup-Community und glaubt, dass hier die nächste Generation globaler Marktführer entstehen wird. Eight Roads ist eine globale Risikokapitalgesellschaft mit einem verwalteten Vermögen von 11 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen investiert in die Bereiche B2B SaaS, Konsumgüter, FinTech und Gesundheitswesen und konzentriert sich auf Investitionen zwischen 10 und 50 Millionen US-Dollar.

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#Gastbeitrag – Was braucht es wirklich, um ein Startup zu gründen? 5 Learnings aus der Praxis

#Gastbeitrag

Fast jeder zweite junge Mensch kann sich vorstellen, ein Startup zu gründen. Aber nur jede sechste Person macht es. Unter anderem, weil sie denken, es fehle ihnen an Kompetenzen. Was braucht es wirklich, um ein Startup zu gründen? Ein Gastbeitrag von Christian Steiger.

Was braucht es wirklich, um ein Startup zu gründen? 5 Learnings aus der Praxis

Donnerstag, 19. September 2024VonTeam

In einer aktuellen Bertelsmann Studie wurden junge Menschen zwischen 14 und 25 befragt, ob sie sich vorstellen können, ein Unternehmen zu gründen. Fast jede zweite Person kann sich das vorstellen, aber nur jede sechste Person zwischen 18 und 24 Jahren gründet laut Global Entrepreneurship Monitor 2023 wirklich. Unsicherheit, fehlendes Zutrauen und Wissen sind Hauptgründe, die sie vor einer Gründung zurückschrecken lassen. 

Christian Steiger ist Geschäftsführer von Lexware. Während seines Studiums hat er selbstständig als Musikproduzent gearbeitet, später ein Startup und 2012 innerhalb von Lexware die Cloud-Lösung lexoffice gegründet. Aus diesen diversen Erfahrungen verrät er (zukünftigen) Gründer:innen seine 5 wichtigsten Learnings und Tipps. 

Ausdauer ist der neue Mut

Oft wird mit der Gründung oder der Selbstständigkeit Mut verbunden. Und das ist auch sicher richtig. Ich bin aber der Überzeugung, dass man weniger Mut braucht, wenn man Ausdauer hat. Was bedeutet das? Natürlich gibt es frustrierende Momente bei einer Unternehmensgründung, aber entscheidend ist es, daraus zu lernen und sich zu verbessern. Als ich als Student mit der Musikproduktion anfing, war alles, was ich hatte, ein günstiges Keyboard. Es klang nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber mit einer Software habe ich herausgefunden, was mit MIDI und Samples machbar ist. Die ersten Tracks wurden von Plattenlabels abgelehnt, oft ohne jegliches Feedback. Aber wir haben weiter daran gearbeitet, unsere Musik zu verstehen und zu verbessern und die Anforderungen der Labels zu erfüllen. Nach viel Übung und Beharrlichkeit kam 1997 dann unser erster Release. Der Schlüssel war: dranbleiben. Diese Schlüsselkompetenz kann man schon sehr früh trainieren, sei es beim Sport, beim Lernen oder bei der Musik. 

Eigenverantwortung meets Absprache und Aussprache

Entscheidungen können logischerweise in eine falsche Richtung führen. Genau hier liegt die entscheidende Kompetenz: Wird eine Fehlentscheidung lange gerechtfertigt, oder geht man direkt in den Lernmodus und macht es dadurch besser? Hier helfen die Prinzipien der Absprache und Aussprache: Lebt man die Absprache (z.B. gesetzte Ziele, To-Dos aus dem Team) und übernimmt damit die Verantwortung? Führt man die Aussprache (Ergebnisbewertung) und hat das Vertrauen, vor allem in Konfliktsituationen, die Dinge anzusprechen? Hier findet das eigentliche Lernen und Verbessern statt. Solche offenen und ehrlichen Diskussionen fördern das Wachstum und die Weiterentwicklung. Diese Haltung von Absprache und Aussprache kann man auch sehr gut im Alltag umsetzen, zum Beispiel in der Kommunikation mit Freunden und Familie.

Never fall in love with the prototype

Loslassen ist wichtig, weil man sich sonst nicht verbessern kann. Man steht sich dann selbst im Weg. Daher orientiere ich mich an dieser Regel: “Never fall in love with your prototype”. In der Produktentwicklung (und auch in anderen Bereichen) ist ein Prototyp immer ein Werkzeug zur Weiterentwicklung – nie das Endziel. Ein Prototyp ist dazu da, getestet und verbessert zu werden. Es ist unsere Aufgabe, Fehler und Schwachstellen zu identifizieren und zu beheben. Nur so kann ich sicherstellen, dass das Endprodukt den höchsten Ansprüchen genügt. Ich muss also bereit sein, radikale Änderungen vorzunehmen. Ich muss offen für neue Ideen sein, auch wenn ich mich von meinem ursprünglichen Konzept entfernen muss. Hier helfen eine agile Arbeitsweise und Feedback. Bei Lexware stellen wir uns Ergebnisse zum Beispiel nach zwei Wochen immer wieder vor, um Feedback in allen Teams zu erhalten. Spätestens nach vier Wochen geht es dann direkt zu den Kund:innen, denn die entscheiden am Ende, ob es gut ist oder nicht. 

Einfach machen

Wenn man ein eigenes Unternehmen mit einem klaren Ziel aufbauen möchte, sollte man voll einsteigen. Wie bereits erwähnt, müssen Unternehmer:innen Risiken eingehen und Chancen ergreifen. Was aber auf jeden Fall vorbereitet werden kann und zu den ersten Aufgaben gehören sollte: Sich die passenden digitalen Tools zu Hilfe nehmen. Es gibt viele Dinge zu erledigen, die das Unternehmen nicht wirklich voranbringen, aber gemacht werden müssen: Verträge, Notar, Versicherungen und viel Regulatorisches. Als ich damals als Musikproduzent gestartet bin, waren wir noch viel weiter von einem digitalen Weg entfernt als heute. Ich bin einmal die Woche zur Steuerfachangestellten einer Kanzlei gegangen und habe alle Belege vorbeigebracht. Auf meine Frage: “Können wir die Rechnungen nicht einfach als Datei nutzen?”, war die Antwort der Kanzlei: “Besser, ich drucke sie schön farbig aus, das mag der Prüfer.” Es ist erschreckend, wie umständlich administrative Prozesse heute immer noch sind. Für den ganzen administrativen Aufwand empfehle ich daher ganz klar ein digitales Tool, um es so einfach wie möglich zu machen.  

Erarbeite dir ein Netzwerk 

Ein Netzwerk, Partner:in und Familie sowie der klare Wille, es zu schaffen, sind entscheidend. Denn der Austausch mit Gleichgesinnten oder Menschen in ähnlichen Situationen hilft sehr. Zum einen erkennt man schnell, dass man mit seinen Themen nicht allein ist, und zum anderen lernt man im Idealfall neues Rüstzeug, um besser durch kritische Zeiten zu gehen. Man wird dadurch resilienter. Im inneren Kreis sollte man maximal offen sein und nichts verstecken oder sich schönreden. Nur dann kann man eigene Schwächen erkennen und beispielsweise andere Menschen an Bord holen, die diese besser abdecken können. Das ist nicht nur gut für das Unternehmen, sondern man kann gleichzeitig seine eigenen Stärken weiterentwickeln und von anderen dazulernen. Mein Tipp für den Netzwerkaufbau: Einmal auf einem Event zu erscheinen reicht nicht. Man muss schon mindestens dreimal präsent sein, um ein belastbares Netzwerk aufzubauen. Auch dafür sollte man sich Zeit nehmen. 

Ich bin überzeugt, dass der Fortschritt unseres Landes – wirtschaftlich wie gesellschaftlich – von Unternehmer:innen abhängt. Sie treiben Innovation voran und entwickeln unsere Gesellschaft und Wirtschaft durch neue Technologien, Geschäftsideen und Lösungen weiter. Deshalb hoffe ich, dass die Zahl der Personen, die sich nicht nur vorstellen können, ein Unternehmen zu gründen, sondern auch tatsächlich gründen, in den nächsten Jahren nach oben geht. 

Über den Autor


Christian Steiger ist seit 2019 Geschäftsführer von Lexware. Seine Vision: Unternehmensführung einfach machen, damit Unternehmer:innen einfach Machen können. Gemeinsam mit seinem Team baut er das Lexware Software-Angebot mit Hilfe von Automatisierung und künstlicher Intelligenz zum digitalen Partner für Selbstständige, Kleinunternehmen und Startups aus. Als Gründer eines Startups kennt er die Hürden im Gründungsprozess und setzt sich für weniger Bürokratie und mehr Digitalisierung von Geschäftsprozessen ein.

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#Gastbeitrag – Investoren-Pitch: Diese Fragen müssen Gründer:innen beantworten können

#Gastbeitrag

Der Investoren-Pitch ist ein entscheidender Moment für Gründer:innen, um Kapital für ihr Unternehmen zu gewinnen. Doch viele scheitern beim Versuch, Investor:innen von sich zu überzeugen. Woran liegt das? Ein Gastbeitrag von Rebecca Troch. 

Investoren-Pitch: Diese Fragen müssen Gründer:innen beantworten können

Mittwoch, 18. September 2024VonAlexander Hüsing

Aktuell pitchen zahlreiche Startups wieder in der TV-Show “Die Höhle der Löwen”. Viele werden ohne Deal nach Hause gehen, selbst wenn ihr Produkt die Löw:innen eigentlich überzeugt. Doch zu geringes Finanzwissen und ein fehlender Überblick über die eigenen Zahlen, lässt die Investor:innen stutzig werden. Gründer:innen können grundlegende Fragen rund um Umsatz, Kosten, Marge und Zukunftsprognose nicht beantworten. 

Egal, ob in der TV-Show oder nicht: Auf die folgenden zehn Fragen sollten alle Gründer:innen vorbereitet sein, um Investor:innen zu gewinnen.

  1. Wie hoch ist der aktuelle Umsatz und was ist die Umsatzprognose?

Die Frage gibt den Investor:innen einen ersten Eindruck in die finanzielle Situation des Unternehmens. Dazu gehört außerdem, dass Gründer:innen den Umsatz der vergangenen Jahre darlegen, um die Entwicklung aufzuzeigen.

Bei der Umsatzprognose hingegen möchten die Investor:innen wissen, welches Potenzial das Startup hat. Außerdem prüfen sie so, ob die Gründer:innen die Zusammenhänge ihrer Zahlen richtig verstehen und für sich nutzen können. Unrealistische Umsatzvorstellungen sind oft ein Zeichen dafür, dass die Gründer:innen sich nicht genug mit den Zahlen auseinandergesetzt haben.

  1. Was kostet die Produktion eures Produkts?

Die Produktionskosten sind ein wesentlicher Faktor für die Rentabilität eines Unternehmens. Gründer:innen müssen die Kostenstruktur ihres Produkts genau kennen und berechnen können, wie hoch die Produktmargen ausfallen. Darüber hinaus sollten sie, wenn die Produktionskosten (noch) zu hoch sind, erklären können was wird getan, um die Marge in Zukunft zu verbessern. 

  1. Wie hoch ist der Gewinn oder Verlust des Unternehmens?

Eine detaillierte Gewinn- und Verlustrechnung zeigt, ob das Unternehmen profitabel ist oder noch Verluste einfährt – kurz: wie es um die finanzielle Gesundheit des Startups steht. Gründer:innen sollten in der Lage sein, die Entwicklung des Unternehmens anhand der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) zu erklären und dabei Ursachen für Gewinne oder Verluste aufzeigen. 

  1. Wie hoch sind die monatlichen Fixkosten?

Die monatlichen Fixkosten sind Ausgaben, die unabhängig von der Produktionsmenge anfallen. Dazu gehören Miete, Gehälter und andere laufende Kosten. Niedrige Fixkosten sind für Investor:innen attraktiv weil es zeigt, dass die Gründer:innen sich mit den Kosten auseinander gesetzt haben und möglicherweise flexibel und zukunftsfähig sind. Außerdem möchten sie wissen, ob das Unternehmen auch bei schwankenden Umsätzen stabil bleibt und wann der Break-Even-Point erreicht wird. 

  1. Wie viel wurde bisher in das Unternehmen investiert?

Der Einsatz von Eigenkapital zeigt das Engagement der Gründer:innen. Das kann die Überzeugung der Gründer:innen in das Unternehmen widerspiegelt und welches Risiko sie selbst tragen. Dabei geht es nicht darum schon Millionen in das Unternehmen investiert zu haben, sondern zu zeigen wie weit die Gründer:innen bereit sind, für das Unternehmen zu gehen.

  1. Wie viel Kapital wird benötigt, um die nächsten Schritte zu finanzieren?

Gründer:innen müssen einen klaren Finanzierungsbedarf darstellen können. Dieser umfasst nicht nur die Summe, sondern auch eine Aufschlüsselung, wie das Kapital verwendet werden soll. Dabei ist es vorteilhaft in eine klare Entwicklung des Unternehmens, wie zum Beispiel eine Maschine, Expansion oder neue Standorte und Produkte investieren zu wollen. Eine Investition ins Day-to-Day Business bringt keine Entwicklung und weist auf Schwächen im operativen Geschäft hin.

  1. Wie hoch ist der aktuelle Lagerbestand?

Ein zu hoher Lagerbestand bindet Kapital, das an anderer Stelle benötigt wird. Das kann ein Symptom für andere Probleme im Unternehmen sein. Andernfalls müssen Gründer:innen für einen hohen Lagerbestand eine gute Erklärung haben, wie zum Beispiel erhöhte Nachfrage durch eine Saisonalität. Ein optimaler Lagerbestand hingegen zeigt eine effiziente Produktion und Nachfrageplanung.

  1. Wie ist die Preisstrategie?

Die Preisstrategie ist entscheidend für die Marktpositionierung. Gründer:innen sollten erläutern können, wie sie ihre Preise festlegen und welche Preisstrategie sie verfolgen, um wettbewerbsfähig und gleichzeitig profitabel zu sein. Dafür ist eine Marktanalyse essenziell, denn zu teure oder zu günstige Produkte werden nicht verkauft.

  1. Gibt es Schulden, und wenn ja, wie hoch sind sie?

Die Schulden eines Unternehmens zeigen, wie gesund die Strukturen des Unternehmens sind. Eine ehrliche Einschätzung der Schulden und wie diese getilgt werden sollen, zeigt Investor:innen, dass Gründer:innen ihre Risiken im Blick haben und motiviert sind, an ihnen zu arbeiten. Schulden schön zu reden, ergibt keinen Sinn und schreckt Investor:innen eher ab.

  1. Wie viel Prozent des Unternehmens wollen Gründer:innen abgeben, und wie kommt es zu dieser Bewertung?

Die Bewertung des Unternehmens und der Anteil, den die Gründer:innen bereit sind abzugeben, sind zentrale Punkte bei Investitionsverhandlungen. Eine nachvollziehbare Bewertung, basierend auf den eigenen Zahlen und dem Potential des Unternehmens, ist entscheidend. Transparenz in diesem Punkt ist wichtig, um das Vertrauen der Inverstor:innen zu gewinnen.

Über die Autorin


Rebecca Troch ist Finanzexpertin und Virtual CFO. Nach fast 20 Jahren im Controlling und Finanzmanagement bei Unternehmen wie Decathlon, H&M und New Yorker gründete sie 2018 Counting the Apples Consulting. Sie hilft Unternehmern und Gründern, ihre Zahlen endlich zu verstehen und faktenbasierte Entscheidungen zu treffen. Im Coaching erstellt sie gemeinsam mit ihren Kunden alle relevanten Unterlagen von der Liquiditätsplanung bis zu Deckungsbeitragsrechnungen. Als Virtual CFO ist Rebecca für Agenturen im Bereich Marketing, Social Selling und Personal Branding sowie Influencer tätig.

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#Gastbeitrag – ClimateTech als Beschleuniger für die dekarbonisierte Zukunft

#Gastbeitrag

Viele ClimateTech-Unternehmen generieren den Großteil ihres Profits aus dem Verkauf von Hardware-Produkten und/oder Software-Lizenzen. Mit der Evolution des Marktes rückt ein weiterer sogenannter Revenue-Stream in den Fokus: die Umsatzbeteiligung.

ClimateTech als Beschleuniger für die dekarbonisierte Zukunft

Montag, 16. September 2024VonTeam

Im Zeitalter der Polykrisen sind die Budgetgürtel auf den Kapitalmärkten enger geschnallt. Nach Jahren des schier ungebremsten Geldflusses mit dem Peak im Covid-Jahr 2021 müssen viele Startups um Zusagen für dringend benötigtes Wachstumskapital bangen. Während der europäische VC-Market, so die Zahlen des State of European Tech von Atomico, von 2021 bis 2023 um 55 % einbrach, entpuppt sich das Marktumfeld für Climate Tech jedoch als vergleichsweise stabil. Aus einem einfachen Grund: An der dekarbonisierten Zukunft führt kein Weg vorbei – und digitale Innovation ist auf dem Weg dahin unentbehrlich, um einerseits dezentrale Systeme effizient zu managen und andererseits das Nutzen wertvoller Energieressourcen zu optimieren. 

Laut Berechnungen von PitchBook aus dem Carbon & Emissions Tech Report summierten sich die weltweiten Climate-Tech-Investments alleine im ersten Quartal 2024 auf 8,1 Milliarden Dollar, 400 % mehr als im Vorjahr. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Welche Opportunitäten ergeben sich für Startups? Welche Geschäftsmodelle und technologischen Innovationen sind aktuell besonders gefragt?

Alles aus einer Hand – der ganzheitliche Dienstleistungsansatz 

Egal, ob klimafreundliche Mobilität, die Erzeugung von Strom oder Wärme aus erneuerbaren Energien oder Maßnahmen, um die Energieeffizienz von, zum Beispiel, Gebäuden zu erhöhen: Unternehmen investieren bewusst immer mehr in den Klimaschutz. Laut Zahlen der KfW vom November letzten Jahres sind aus dem Unternehmenssektor in Deutschland 2022 mehr als 72 Milliarden Euro in solche Initiativen geflossen, ein bereinigtes Plus von satten 18 % im Vergleich zum Vorjahr. 

Auch Privatleute stehen dem nicht nach und suchen vermehrt nach klimaschonenden Investitionen, die mittelfristig eine Rendite abwerfen. Dazu zählen Photovoltaik-Anlagen (PVA) oder Wärmepumpen von Unternehmen wie z.B. Enpal, 1Komma5 oder Thermondo. All diese Unternehmen teilen neben erfolgreicher Wachstumshistorie und dem Klimaschutz in ihrer DNA eine weitere Gemeinsamkeit: Sie bieten ihren Geschäfts- und Privatkunden einen ganzheitlichen Dienstleistungsansatz. Und sind deshalb auch für Investoren interessant. Denn die “Alles-aus-einer-Hand”-Philosophie ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Kein Kunde möchte beim Prozess von Einbau bis zur Finanzierung einer Wärmepumpe oder PVA auf mehrere Dienstleister angewiesen sein. Stattdessen suchen sie sich bewusst die Dienstleister aus, die alle nötigen Schritte “in-house” abbilden können oder direkt an Partnerunternehmen vermitteln, sodass neben der Finanzierung und Installation zum Beispiel auch die Integration von Software oder anfallende Wartungsarbeiten übernommen werden. Dieser holistische Service-Gedanke wird mit dem wachsenden Bedürfnis nach Klimaneutralität der Gesellschaft weiter gefragt bleiben und die Wertschöpfungskette verlängert werden.

Fintech meets Climate Tech

Die Dekarbonisierung erhöht sein Tempo: Laut der PwC-Studie State of Climate Tech 2023 erhielten Climate-Tech-Startups 2023 etwa 10 % aller weltweiten Risikokapital und Private Equity Investitionen – und damit im Gesamtverhältnis knapp 10 Mal so viel wie noch 2013. Eine Untersuchung von Bloomberg kam Anfang des Jahres außerdem zu dem Ergebnis, dass 2023 1,8 Billionen US-Dollar an VC-Geld in die Energiewende floss. Das ist Rekord und pulverisierte das Vorjahresergebnis um 17 %. 

In Infrastruktur und Hardware investieren Climate-Tech-VCs nicht, im Fokus stehen digitale Geschäftsmodelle. Aber: Um die Finanzierung von Solaranlagen, Windrädern oder auch die klimafreundliche Umgestaltung von Gebäuden zu finanzieren, haben sich Climate-Fintechs mit speziellen Finanzprodukten positioniert. Zwei Beispiele:

  • Hardware-Kosten: Immer bessere Hardware drängt im Energie-Sektor auf den Markt, von einzelnen Wärmepumpen, über Elektroautos bis hin zu ganzen Elektrotankstellen. Damit steigt die Nachfrage auf Kundenseite und im Umkehrschluss das benötigte Gesamtkapital, um diese Hardware-Lösungen zu finanzieren. Fintechs, die sich auf die Finanzierung von Climate-Tech-Hardware spezialisiert haben, adressieren genau das: Sie agieren vermehrt als Vehikel, indem sie a) bei der Kreditvergabe mit Partnern zusammen arbeiten oder b) selbst als lizenzierter Kreditgeber spezialisiert auf die Climate-Tech-Infrastruktur fungieren (BaFin-Lizenz).  
  • Flexibilitätsmanagement: Wo Strom fließt, fließt Geld. Wer beispielsweise Solar-Panele auf seinem Dach installiert hat, hofft auf Stromerzeugung, die nicht nur den eigenen Bedarf deckt, sondern sich darüber hinaus weiter monetarisieren lässt. Um diesen “übrigen” Strom auf den weltweiten Energiemärkten anbieten zu können, entwickeln Fintechs unter anderem Trading-Produkte für Endverbraucher. Diese Trading-Produkte optimieren permanent in Echtzeit, ob der Strom gegen die vereinbarten fixen Gebühren eingespeist oder eher auf dem offenen Energiemarkt gehandelt werden sollte. Gerade im dezentralen Stromnetz werden Lösungen, um via flexibler Preisgestaltung Angebot und Nachfrage auszutarieren, von zentraler Bedeutung.

Die Synergien aus Finanz- und Energiemarkt werden immer größer – und damit komplexer. Fintechs, die sich einer Entschlackung der Komplexität annehmen und spezielle Finanzprodukte entwickeln, stehen hohen Wachstumschancen gegenüber.

Umsatzbeteiligung als Geschäftsmodell 

Viele Climate-Tech-Unternehmen generieren, Stand jetzt, den Großteil ihres Profits aus dem Verkauf von Hardware-Produkten und/oder Software-Lizenzen. Mit der Evolution des Marktes und des wachsenden Kundenstammes rückt ein weiterer sogenannter Revenue-Stream in den Fokus: die Umsatzbeteiligung. Durch solche Umsatzbeteiligungen können Climate-Techs stärker am Wachstum partizipieren, im Gegenzug sinkt das unternehmerische Risiko der Partner.

Der Vorteil dieser Modelle: Kunden, die mit diesen Startups zusammen arbeiten, haben es selbst in der Hand, wie sehr sie ins Risiko gehen möchten: Je mehr sie vom Umsatz abtreten, desto sicherer die Investition. Je mehr Umsatz sie selbst einnehmen möchten, desto risiko-affiner sind sie. Nur eine Faustformel ist immer gültig: Je mehr nachhaltig erzeugter Strom fließt, desto größer ist auch der Umsatz dieser Modelle.

Über den Autor


Jan Lozek ist Geschäftsführer und Gründer von Future Energy Ventures. Future Energy Ventures (FEV), gegründet 2016, hat im Januar 2024 den ersten Abschluss des unabhängigen SFDR-Artikel-9-Fonds verkündet. Der Fonds investiert in digitale und digital unterstützte Klimatechnologien mit hohem Potenzial, die Energiewelt neu zu definieren und sauberere, intelligentere Städte aufzubauen. Mit operativen Zentren in Berlin, Tel Aviv und Palo Alto bietet FEV Optionen für Finanzierung, Kooperation und Skalierung durch Industrie- und Investorenpartner.

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#Gastbeitrag – Denken mit den Händen: Das ist die Lego Serious Play-Methode

#Gastbeitrag

Lego Serious Play verdeutlicht, wie spielerische Elemente und ernsthafte Geschäftsanwendungen miteinander kombiniert werden können, um einen gemeinsamen Fokus zu schaffen, neue Wege der Problemlösung zu erschließen und sinnvolle Entscheidungen zu treffen.

Denken mit den Händen: Das ist die Lego Serious Play-Methode

Freitag, 13. September 2024VonTeam

Probleme, Ziele, Ideen und Entscheidungen: Diese Faktoren sind im Business elementar und wirken nicht selten als wichtige Triebfedern für das Wachstum, bedeuten aber gleichzeitig oft auch erhebliche Schwierigkeiten. Jedes Unternehmen steht dann und wann vor der Herausforderung, neue Strategien zweckmäßig umzusetzen, gekonnt mit starken Widerständen umzugehen oder tiefgreifende Beschlüsse festzulegen. Entsprechende Aufgaben müssen gemeinsam, sprich in Zusammenarbeit mit Führungskräften und Teams, gelöst werden. Dabei gilt es für maximale Erfolge unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen, das Engagement hochzuhalten, innovative, richtungsweisende Einfälle zu fördern, die Kommunikation effektiv zu gestalten und den gesamten Lösungsweg möglichst schnell bzw. zielsicher zu beschreiten. Die Lego Serious Play-Methode ist ein wortwörtlich spielerisches, aber überaus mächtiges Werkzeug, um genau solche Voraussetzungen zu schaffen.

Was ist Lego Serious Play?

Lego Serious Play ist eine Methode, die auf den Prinzipien des erfahrungsbasierten Lernens und des dialogischen Denkens basiert. LEGO-Steine und der Prozess des Bauens mit diesen dienen hier als zentrale Werkzeuge, um komplexe Probleme zu lösen, Ideen zu generieren und Visionen zu festigen. Der Ansatz übernimmt die Analyse, die Einstellung auf eine gemeinsame Richtung und die Führung zur passenden strategischen Basis, womit sie maßgebend für das anschließende Projektmanagement ist.

Geschichte

Die Ursprünge von Lego Serious Play gehen zurück auf die 1990er Jahre. Gemeinsam mit LEGO suchten die Wissenschaftler Johan Roos und Bart Victor nach einer innovativen Herangehensweise, um Kreativität und unternehmerisches Denken in Teams zu fördern. Ihr Ziel war es, die oft unsichtbaren und unausgesprochenen Einfälle zu fördern und schließlich sichtbar bzw. wirklich nutzbar zu machen. Häufig bleiben mögliche Innovationen im Dunkeln, da sich Teammitglieder nicht einbringen und es keine gemeinsame Perspektive gibt.

Vorteile und Stärken

Im Kern basiert Lego Serious Play auf der Überzeugung, dass jeder Mitarbeiter sehr wertvolle Beiträge liefern und die kollektive Intelligenz einer Gruppe genutzt werden kann, um bessere Lösungen zu finden, sinnvollere Taktiken zu erarbeiten oder effektivere Beschlüsse zu fällen. Die Methode fördert das Denken durch den Einsatz der Hände in spielerischer und damit ungezwungener Weise, was zu einem starken Engagement und der Loslösung von eingefahrenen Mustern beiträgt. Die physische Tätigkeit des Bauens intensiviert die geistige und emotionale Beteiligung und vertieft den Dialog. Durch das Modellieren von Gedanken und Ideen mit LEGO-Steinen wird eine gemeinsame visuelle Sprache geschaffen, die es ermöglicht, unterschiedliche Perspektiven optimal zu integrieren und zudem komplexe Zusammenhänge besser – weil regelrecht bildlich – verständlich zu machen.

Ziele

Die Ziele von Lego Serious Play sind vielfältig: Sie reichen von der Verbesserung der Kommunikation und Zusammenarbeit in Teams über die Entwicklung von Innovationen auf unterschiedlichsten Ebene bis hin zur Klärung erheblicher Schwierigkeiten und der Ausrichtung von gewichtigen Unternehmensstrategien. Der Ansatz an sich fokussiert die Schaffung einer starken und nachhaltigen Lernkultur. Teilnehmer werden ermutigt, ihre eigene Kreativität bzw. Kompetenz bei der Bearbeitung entsprechender Business-Entwicklungen zu entdecken, zu festigen und diese in einem sicheren, unterstützenden Umfeld zu teilen.

Facilitator (Moderator:in)

Ein wesentlicher Aspekt der Lego Serious Play-Methode ist die Rolle des Facilitators (englisch für “Moderator:in”), der den Prozess leitet und sicherstellt, dass die Prinzipien und Techniken der Methode korrekt angewendet werden. Der Facilitator ist dafür verantwortlich, einen Raum zu schaffen, in dem Vertrauen und Offenheit herrschen. Hier führt er die Beteiligten durch präzise Fragen und Übungen, die dazu anregen, genauer zu reflektieren und Gedanken klar zu artikulieren. Der Facilitator unterstützt die Gruppe dabei, ihre kollektive Intelligenz zu nutzen und kreative Lösungen zu entwickeln, die auf den Beiträgen aller Mitglieder basieren.

Anwendungsbereiche: Bei welchen Herausforderungen kann Lego Serious Play helfen?

Mit der Lego Serious Play-Methode kann tatsächlich eine sehr große Bandbreite an typischen Business-Aufgaben bzw. –Herausforderungen bearbeitet werden. Entscheidend ist dabei ein erfahrener Facilitator. Dieser Moderator sollte nicht nur für die Methode zertifiziert, sondern auch im jeweiligen Anwendungsgebiet bewandert sein.

  • Strategische Planung und Visionserstellung: Lego Serious Play macht abstrakte Konzepte greifbar und fördert ein gemeinsames Verständnis sowie eine klare Zieldefinition innerhalb des Teams.
  • Teamentwicklung und -dynamik: Die Methode erleichtert die offene Kommunikation und das Aufdecken sowie Lösen von verborgenen Konflikten, was zu einer verbesserten Zusammenarbeit führt.
  • Innovationsmanagement: Per Lego Serious Play lässt sich die Entwicklung neuer, unkonventioneller Ideen für kreative Managementansätze durch spielerisches Denken und Modellieren unterstützen.
  • Organisationsentwicklung: Der für langfristige Erfolge wichtige Wandel und die Anpassung an neue Herausforderungen können durch eine betreffende Strategievisualisierung im Lego Serious Play-Prozess reibungslos und zweckmäßig gestaltet werden.
  • Problemlösung und Entscheidungsfindung: Der gemeinschaftliche Lego Serious Play-Ansatz ermöglicht tiefgehende Analysen und das Erkennen von wichtigen Zusammenhängen für die Problemlösung und die Entscheidungsfindung, die in traditionellen Besprechungen oft übersehen werden.
  • Kunden- und Stakeholder-Engagement: Durch die Methode besteht die Chance, die Bedürfnisse und Perspektiven von Unternehmenspartnern und anderen Interessengruppen gemeinschaftlich sowie bildhaft und damit sehr effektiv zu erfassen.
  • Komplexitätsmanagement: Mithilfe von Lego Serious Play können vielschichtige Probleme oder Ziele durch die kollektive Intelligenz des Teams sehr zweckmäßig strukturiert und eindeutig kommuniziert werden.
  • Kreative Selbstreflexion und Persönlichkeitsentwicklung: Nicht zuletzt ermöglicht es Lego Serious Play Menschen, ihre Gedanken und Gefühle visuell auszudrücken und persönliche Einsichten zu gewinnen.

Wie funktioniert Lego Serious Play in der Praxis?

Lego Serious Play ist ein geführter Prozess, der normalerweise in bestimmten Schritten erfolgt. Der Facilitator sorgt als zertifizierter Moderator dafür, dass die Gruppe effizient zur optimalen Lösung gelangt.

  1. Definition des Problems: Der Prozess beginnt mit der klaren Definition des Problems, des Ziels oder der Fragestellung. Diese Phase ist entscheidend, um die Richtung und den Fokus der Sitzung festzulegen. Als typisches Beispiel aus der Praxis nehmen wir hier die „Verbesserung der internen Kommunikation zwischen den Abteilungen im Unternehmen“ an.  Der Facilitator arbeitet eng mit den Teilnehmern zusammen, um die spezifischen Kommunikationsprobleme zu identifizieren, die behoben werden müssen. Er stellt sicher, dass die Definition alle relevanten Aspekte abdeckt.
  2. Aufwärmübung: Um die Beteiligten mit den LEGO-Steinen und der Methodik vertraut zu machen, führt der Facilitator eine Aufwärmübung durch. Die in der Sitzung Anwesenden bauen zunächst einfache Modelle, die ihre Persönlichkeit oder aktuelle Kommunikationsmethoden repräsentieren. Diese Einführung hilft, Hemmungen abzubauen und eine kreative Atmosphäre zu schaffen. Der Moderator ist dafür verantwortlich, dass sich alle Teilnehmer wohlfühlen und bereit sind, offen zu kommunizieren.
  3. Bau der individuellen Modelle: Im Anschluss erstellen die Teilnehmer nun individuelle Modelle, die ihre Sicht auf die aktuellen Kommunikationsschwierigkeiten und mögliche Lösungen repräsentieren. Jeder der Anwesenden erhält die gleiche Auswahl an LEGO-Steinen und wird ermutigt, seine Gedanken und Konzepte physisch zu visualisieren. Der Facilitator stellt sicher, dass alle gleichberechtigt sind und ungestört arbeiten können. Ein Beispielmodell könnte eine metaphorische Darstellung eines Kommunikationsflusses sein, der an bestimmten Punkten blockiert ist. Es geht hier nicht darum, ein möglichst schönes Ergebnis abzuliefern, sondern eher um die Gedanken und den Fluss der Ideen dahinter. Selbst einfachste Konstrukte können bei der richtigen Intention maßgebend sein. Es ist wichtig, dass der Moderator diese Denkweise vermittelt.
  4. Erklärung und Reflexion: Nach dem Bau erklärt jeder Teilnehmer sein Modell und die damit verbundenen Gedanken. Der Facilitator moderiert diese Phase, um sicherzustellen, dass alle Beteiligten gehört werden und ein respektvoller Austausch stattfindet. Ein praktisches Beispiel könnte eine modellbasierte Erklärung sein, die aufzeigt, wie mangelnde Kommunikationswege an bestimmten Stellen des Flusses bzw. zwischen spezifischen Abteilungen zu Missverständnissen und ineffizienten Arbeitsabläufen führen.
  5. Gemeinsame Modelle und Integration: Die individuellen Modelle werden zusammengeführt, um ein gemeinsames Konstrukt zu schaffen, das die kollektive Vision oder Lösung der Gruppe repräsentiert. Der Facilitator leitet die Diskussion und hilft dabei, verschiedene Ideen und Ansätze zweckmäßig zu integrieren. Um hier zu einem optimalen Ergebnis zu kommen, ist gewisses Know-how im Anwendungsbereich, also in diesem Fall der Kommunikationsoptimierung, sehr wichtig. Ein Gruppenmodell könnte eine ideale Kommunikationsstruktur darstellen, bei der regelmäßig stattfindende Meetings und ein zentrales Informationssystem implementiert werden.
  6. Schlussfolgerungen und Aktionsplan: Zum Abschluss der Sitzung werden die gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst und konkrete Maßnahmenpläne entwickelt. Der Facilitator unterstützt die Gruppe dabei, praktikable Schritte zu formulieren, die auf den in den vorherigen Schritten entwickelten Ideen basieren. In unserem Beispiel könnte dies die Einführung einer neuen Kommunikationsplattform und regelmäßiger interdisziplinärer Team-Besprechungen umfassen.
  7. Dokumentation der Ergebnisse: Der Facilitator sorgt dafür, dass alle während der Sitzung erarbeiteten Modelle und Diskussionen umfassend dokumentiert werden. Dies kann durch Fotos der Kreationen und schriftliche Zusammenfassungen der Diskussionen geschehen. Selbstverständlich ist auch der aufgesetzte Aktionsplan Teil dieser Erfassung. Die Dokumentation dient als Referenz und stellt sicher, dass keine wichtigen Erkenntnisse verloren gehen.

Damit ist der wesentliche Teil der Lego Serious Play-Methode abgeschlossen. Es gibt jedoch noch weitere zusammenhängende und überaus wichtige Schritte, die gewährleisten, dass die gewonnenen Einsichten bzw. die entwickelten Ideen, Lösungen, Visionen und Strategien auch tatsächlich zweckmäßig in die Praxis umgesetzt werden.

  1. Feedback und Reflexion: Die Teilnehmer reflektieren über den gesamten Prozess und geben Feedback zu ihrer Erfahrung mit der Methode. Der Facilitator sammelt dieses Feedback, um die Vorgänge für zukünftige Sitzungen zu verbessern. Diese Phase hilft den Beteiligten nicht zuletzt, ihre eigenen Lernprozesse besser zu verstehen. Damit können sie entsprechende Vorgänge auch zukünftig im Team und für sich selbst bewusster umsetzen.
  2. Realisierung der Aktionspläne: Die entwickelten Aktionspläne werden in die Tat umgesetzt. Der Facilitator kann eine unterstützende Rolle übernehmen, indem er die Schritte überwacht und bei Bedarf weitere Workshops oder Sitzungen organisiert, um den Fortschritt zu überprüfen und anzupassen. In dieser Phase werden die theoretischen Erkenntnisse in konkrete Maßnahmen überführt. Man stellt die neue Kommunikationsplattform in Dienst und veranstaltet regelmäßige Team-Meetings.
  3. Follow-up-Sitzungen: Um das Vorankommen beim Vorhaben und die korrekte Umsetzung der Aktionspläne zu überwachen, organisiert der Facilitator Follow-up-Sitzungen. Diese dienen dazu, eventuell auftretende Probleme zu besprechen und gegebenenfalls frühzeitig Veränderungen durchzuführen, bevor etwas schiefläuft.
  4. Langfristige Integration und Kulturveränderung: Die langfristige Integration der während der Lego Serious Play-Sitzung gewonnenen Erkenntnisse und entwickelten Strategien kann zu nachhaltigen Kulturveränderungen innerhalb der Organisation führen. Der Facilitator unterstützt diesen Prozess durch kontinuierliche Beratung und weitere Workshops, um die neuen Ideen und Arbeitsweisen fest in der Organisation zu verankern.

Fazit

Lego Serious Play verdeutlicht, wie spielerische Elemente und ernsthafte Geschäftsanwendungen miteinander kombiniert werden können, um einen gemeinsamen Fokus zu schaffen, neue Wege des Denkens sowie der Problemlösung zu erschließen und sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Die Methode hat sich seit ihrer Erfindung zu einer schlagkräftigen Lösung für die Bearbeitung verschiedenster Business-Arbeiten bzw. -Herausforderungen entwickelt und findet heute weltweit bei Top-Konzernen Anwendung. Eine ihrer größten Vorteile liegt in der Nutzung der kindlichen Freude am Spielen und Bauen, die Engagement, Offenheit und letztlich herausragende – weil kreativ und gemeinschaftlich erreichte – Ergebnisse fördert. Zudem ist der Prozess schnell zu verstehen und einfach umzusetzen. Für maximale Erfolge muss jedoch ein zertifizierter und erfahrener Moderator involviert sein, der alles zusammenhält.

Über den Autor


David Hillmer ist ein führender Experte im Bereich Agile und New Work. Als Agile Coach, Lego Serious Play-Trainer und Geschäftsführer von HelloAgile begleitet er mit seinem Team Unternehmen auf dem Weg zu zeitgemäßen Formen der Arbeit wie OKR und Scrum. Seine Arbeit umfasst Aus- und Weiterbildungsprogramme sowie Zertifizierungstrainings in den verschiedenen agilen Ansätzen. Zudem ist David Autor des Bestsellers „PLAY! Der unverzichtbare Lego Serious Play Praxis-Guide“. Sein Wissen teilt er auch als Dozent für Entrepreneurship an der Fresenius University und Podcast Host von „Unboxing New Work“. 

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Foto (oben): Shutterstock

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