#Gastbeitrag – KI und Objektivität – Weshalb gerade Frauen eine wichtige Rolle spielen

KI kommt immer mehr in der Gesellschaft an – vor allem bei jüngeren Menschen. So nutzen beispielsweise in der Generation Z (18 bis 27 Jahre) knapp 41 % der Befragten einer Studie aktiv KI-Dienste wie z.B. ChatGPT (Statista, Stand Februar 2023, Deutschland).

Einen großen Vorteil, den sich viele bei der Nutzung von KI-Tools erhoffen, ist, dass diese, anders als ein Mensch, ganz sachlich und objektiv an Sachverhalte herangehen. Der Gedanke liegt natürlich erst einmal nahe – schließlich reden wir von einer Intelligenz, die frei von menschlichen Emotionen und Eindrücken agiert.

Jedoch vergessen viele recht gerne, dass KI nicht von alleine “intelligent” wird. Sie muss sich Sachverhalte aus vergangenen Szenarien erarbeiten, tausende Daten auswerten, Muster erkennen und interpretieren: Somit kann man also sagen, dass die KI auf Basis dessen agiert, was sie im Laufe ihres künstlichen Lebens erlernt hat.

Objektivität – reines Wunschdenken?

Hierbei tut sich ein gewaltiges Problem auf: Es gibt nämlich eine Gruppe, die KI-Tools sehr viel mehr nutzt und somit auch trainiert, als andere das tun; und das sind Männer.

Tatsächlich ist dies bereits in jungen Jahren zu sehen: Weibliche Jugendliche zeigen vergleichsweise weniger Interesse an KI-Tools als männliche Jugendliche, wie sich in einer Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest beobachten lässt. Die Konsequenz: KI-Tools lernen konstant dazu, und durch diese disproportionale Nutzer:innen-Verteilung wird ihre Entwicklung einseitig geprägt durch männliches Verhalten. Sie übernimmt somit Denkmuster und Stereotype, die besonders häufig bei Männern vorkommen.

Frauen beteiligen sich darüber hinaus auch weniger an der Gestaltung der Technologie. So sind es eher Männer, die diese Tools programmieren und entwickeln. In Studienfächer wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert. Nur 28 % der Absolventen von Ingenieurstudiengängen und 22 % der KI-Mitarbeiter sind weiblich.

Das erkennt man an einem ganz klassischen Beispiel: Wenn man eine generative KI, wie etwa dall-e, fragt, das Bild einer schönen Frau zu erstellen, werden fast immer die Klischees eines männlichen Schönheitsideals bedient (eine junge Frau mit schlanker Taille, üppiger Oberweite, perfekten Gesichtsmerkmalen und so fort).

Die brennende Frage ist daher: Wie können wir es schaffen, dass KI nicht mehr so einseitig geprägt wird? Indem wir sie alle nutzen und mit unserem Input trainieren. Besonders Frauen sollten hierbei eine starke Förderung erhalten, da die Skepsis gegenüber KI-Tools hier noch groß erscheint.

Frauen zur Nutzung von KI anregen – So geht’s

1. Stärkt Frauen in MINT Bereichen

Frauen sind im MINT-Bereich immer noch unterrepräsentiert: Im Wintersemester 2022/23 waren beispielsweise 32 % der MINT-Studierenden an deutschen Hochschulen weiblich (laut Daten des Statistischen Bundesamts) – somit ist hier noch Luft nach oben, um ein 50/50 ausgeprägtes Gleichgewicht zu erzielen. Hierzu ist es wichtig, Frauen schon in jungen Jahren in wissenschaftlichen Fächern stärker zu fördern, denn allzu oft werden sie früh von dem gesellschaftlichen Bild geprägt, dass Mathe und Co. eher Fächer für Jungs sind.

2. Früh ansetzen: Fördert KI-Bildung in Schulen für Mädchen

Hierauf baut auch der nächste Punkt auf. Der Umgang mit KI sollte früh trainiert werden, am besten schon in der Schule. Hierbei sollten auch starke Vorbilder, wie beispielsweise Ada Lovelace, die erste Person, die Computerprogramme erstellte, den Mädchen nahegebracht werden. Damit können wir aufzeigen, dass Mathematik und Programmieren nicht nur eine Männer-Domäne ist.

3. Etabliert einen bewussten und aufmerksamen Umgang mit KI-Tools in Unternehmen

Unternehmen, die bereits KI-Tools nutzen, sollten zusätzlich immer wieder kritisch hinterfragen, ob das Tool mit dem richtigen Input trainiert wurde und nicht nur männlich geprägt agiert. Somit können Szenarien wie 2018 bei Amazon verhindert werden: Damals musste das Unternehmen ihr KI-basiertes Recruiting Tool einstellen. Dieses hatte “gelernt”, dass sich ein sehr viel größerer Anteil an Männern auf technische Jobs bewerben, und hatte diese folglich für solche Positionen präferiert. Somit wurden beispielsweise Wörter wie “women’s” in Bewerbungen negativ gewertet (beispielsweise, wenn eine Bewerber:in “women’s chess club captain” war).

4. Regt Kampagnen zur Nutzung von KI-Tools an

Das Thema KI und die Vorteile, die die Nutzung vor allem auch für Frauen mit sich bringt, muss dringend besser kommuniziert werden. Dafür würden sich beispielsweise gezielte Kampagnen in Medien anbieten, die eine vorwiegend weibliche Zielgruppe haben.

5. Errichtet Safe Spaces für Frauen in Unternehmen

Vielleicht gibt es schon einige Vorreiterinnen im Unternehmen, die besonders geübt im Umgang mit KI sind? Wenn ja, sollten diese gezielt genutzt werden: In Safe Spaces können sie andere Frauen in kleinerer Runde im Umgang mit den Tools schulen und ihnen die Vorteile näherbringen.

6. Bietet Fortbildungen an

Auch wenn noch nicht alle Unternehmen auf KI setzen, wird sich das doch in Zukunft kaum vermeiden lassen. Hier heißt es: früh ansetzen. Unternehmen sollten schon heute verpflichtende Schulungen zum Thema KI und der Nutzung anbieten und dabei auch für die Gefahr der Verstärkung von Stereotypen sensibilisieren. Somit kann dann die ganze Belegschaft, männlich und weiblich, jung und alt, später die KI-Tools des Unternehmens mit Feedback versorgen.

7. Fördert “menschliche” Fähigkeiten

Dieser Teil ist zwar nicht direkt als Anregung für Frauen zur Nutzung von KI gedacht, aber für mich ein wichtiger Schlusspunkt. Gerade da KI-Tools ohne menschliche Intuition und Emotion arbeiten, ist es von großer Bedeutung, dass wir im Umgang mit diesen weiterhin unsere “menschlichen” Fähigkeiten – wie Empathie, kritisches Denken oder Kommunikationsgeschick – stärken. Diese ergänzen die Vorteile der KI und stellen gleichzeitig einen entscheidenden Gegenpol dar, wenn es darum geht, Vorurteile zu vermeiden und in Systemen aufzudecken.

Subjektivität und Schubladendenken lassen sich schwer vermeiden, auch nicht in KI-Systemen. Was wir jedoch tun können, ist, so gut wie möglich dafür zu sorgen, dass die KI von allen Seiten gleichermaßen gefeedbackt und “gefüttert” wird – und somit ein mögliches Gleichgewicht schaffen.

Über die Autorin


Patrizia Ecker ist Expertin für Unternehmenstransformation. Mit 15 Jahren Erfahrung in der Digitalbranche, davon sieben Jahren Führungserfahrung in der Unternehmensberatung, und ihrer Leidenschaft für die Förderung von Frauen hilft Patrizia Ecker Unternehmen, den Wandel erfolgreich zu gestalten. Sie setzt sich für eine familienfreundliche Unternehmenskultur ein, die die Förderung von Soft Skills unterstützt und die Entwicklung eines agilen Mindsets ermöglicht. Ihr erklärtes Ziel ist es, Frauen zu ermutigen, ihren Karriereweg selbstbewusst zu gehen. Sie hilft ihnen dabei, eine Zukunft zu gestalten, in der Frauen in Führungspositionen befördert werden und die Bedeutung weiblicher Eigenschaften anerkannt wird. Dank ihres psychologischen Backgrounds ist Patrizia Ecker in der Lage, digitale Anpassungen und innovative Veränderungsprozesse zu managen. Das ermöglicht es ihr zu verstehen, wie kognitive Verzerrungen die Entscheidungsfindung und das digitale Engagement beeinflussen. Patrizia Ecker studierte unter anderem International Businesses und hat einen Master of Arts in Psychologie. Ihre akademische Ausbildung absolvierte sie an den Universitäten in Mailand, Wien, Zürich, New York und Zypern. Patrizia Ecker steht die Verleihung des “Doktor der Philosophie” bevor, in dessen Rahmen sie gerade ihre Doktorarbeit verteidigt.

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#Gastbeitrag – So unterscheiden sich US-amerikanische und europäische Investoren

#Gastbeitrag

Zwischen US-amerikanischen und europäischen Geldgebern kann es immense Unterschiede geben: Mindset, „Silicon Valley-Kapitalismus“ vs. „soziale Marktwirtschaft“, andere Erwartungshaltungen – es gibt viele Faktoren, die eine Investoren-Startup-Beziehung beeinflussen.

So unterscheiden sich US-amerikanische und europäische Investoren

Donnerstag, 5. September 2024VonTeam

Im dynamischen Umfeld des Risikokapitals stehen Startup-Gründer vor wichtigen Entscheidungen hinsichtlich ihrer Investitionsquellen. Vor allem zwischen US-amerikanischen und europäischen Geldgebern und Venture Capital-Gesellschaften kann es immense Unterschiede geben: Mindset, “Silicon Valley-Kapitalismus” vs. “soziale Marktwirtschaft”, andere Erwartungshaltungen – es gibt viele Faktoren, die eine gute Investoren-Startup-Beziehung beeinflussen. Gründer sollten sich deshalb vor ihren Finanzierungsrunden gut überlegen, für welchen Investorentyp sie sich entscheiden. Sowohl US-amerikanische als auch europäische Investoren haben unterschiedliche Vorteile, die man bei so einer wichtigen Entscheidung abwägen sollte:

US-Investoren: High Risks, High Rewards

  1. Große Fonds und große Einsätze: US-Investoren verwalten in der Regel größere Fonds, oft im Bereich von Hunderten von Millionen Dollar. So können sie höhere Investitionen tätigen, in der Regel zwischen 10 und 20 Millionen Dollar, und sie sind eher bereit, Unternehmen höher zu bewerten und entsprechende hohe Summen zur Verfügung zu stellen. Amerikanische Investoren gehen mehr ins Risiko. Sie wollen das nächste Unicorn im Portfolio haben, das ihren Fonds zurückzahlt. Sie drängen auf hohe Wachstumsraten bei hohen Burnrates. Gelingt das bei einer von zehn Investitionen, reicht das für einen performanten Fonds aus. Das bedeutet allerdings auch: Startups, die es nicht zum Unicorn schaffen, fallen schnell aus der Gunst der Investoren. Folgerunden sind dann, wenn überhaupt, nur zu schlechteren Konditionen (Downrounds) möglich.
  2. Marktanerkennung und Zugang zu Talenten: Eine Investition von einem prominenten US-Fonds kann sofortige Marktanerkennung in den USA bringen. Diese Sichtbarkeit kann Türen zu weiteren Finanzierungsrunden öffnen und Top-Talente anziehen, insbesondere in den USA, wo ein bekannter Investor auf der Liste der Anteilseigner starkes Überzeugungsargument für die Rekrutierung erfahrener Fachleute sein kann.
  3. Expertise und Ressourcen: US-Investoren bringen oft eine Fülle von Fachwissen mit, insbesondere im Skalieren von Unternehmen im US-Markt. Für Startups, die aggressiv expandieren und globaler Marktführer werden möchten, kann diese Erfahrung von unschätzbarem Wert sein.

Europäische Investoren: Stetiges Wachstum und nachhaltige Unterstützung

  1. Ausgewogenes Risikomanagement: Mit einem Fokus auf nachhaltiges Wachstum investieren europäische Investoren typischerweise Beträge, die mit der aktuellen Kapazität des Startups zur Expansion im Einklang stehen, ohne sich zu überfordern. So reduziert sich das Risiko, dass Startups zu schnell Kapital verbrauchen und erhöhte Erwartungen nicht erfüllen können.
  2. Breiter Portfolioansatz: Europäische Investoren setzen darauf, dass sich ihr Portfolio in der Breite entwickelt. Ihre Strategie zielt darauf ab, die Fondsperformance nicht von einem Unicorn abhängig zu machen, sondern vielmehr darauf, die Fondsrendite über eine breitere Basis von Investitionen sicherzustellen. Dieser vorsichtigere Ansatz bedeutet, dass sie eher für den Erfolg jedes Portfolio-Unternehmens kämpfen, um es zu einem nachhaltigen und profitablen Unternehmen zu machen. Damit bieten europäische Investitionspartner Startups vergleichsweise mehr Sicherheit und stetige Unterstützung. 
  3. Langfristiges Engagement: Europäische Venture Fonds und sind weniger geneigt, Unternehmen aufzugeben, die nicht sofort aggressive Wachstumsziele erreichen. Sie bieten kontinuierliche Unterstützung, sind Meilenstein-orientiert und arbeiten eng mit Startups zusammen. Gemeinsam können Gründer mit ihren Investitionspartnern Herausforderungen bewältigen und Wachstumsstrategien über einen längeren Zeitraum optimieren.

Implikationen für Startup-Gründer und ihre Firmen

Für Startup-Gründer hängt die Wahl zwischen europäischen und US-Investoren von mehreren Faktoren ab, beispielsweise Wachstumsstadium, Marktstrategie und Risikobereitschaft.

  1. Early Stage-Investment: In einer Seed- oder Serie-A-Phase könnte ein europäischer Investor besser geeignet sein. Ein solcher Partner kann einen vorsichtigen, unterstützenden Ansatz bieten, der gut zur Trial-and-Error-Natur des Wachstums in der Frühphase passt. Die Stabilität und die praxisorientierte Unterstützung können für Erstgründer, die ihre Geschäftsmodelle noch verfeinern, entscheidend sein.
  2. Growth Stage: Wenn Startups reifen und solide Wachstumsraten vorweisen können, kann es von Vorteil sein, einen US-amerikanischen Investor als Partner mit einzubeziehen. Zu diesem Zeitpunkt sind Startups besser positioniert, um größere Investitionen zu managen. Gleichzeitig können sie die Expertise und Netzwerke der US-Investoren nutzen, um schnell zu skalieren und neue Märkte zu erschließen.
  3. Strategischer Fit: Letztendlich ist der beste Investor jemand, der an die Mission des Startups glaubt und die richtige Mischung aus Kapital, Fachwissen und Unterstützung bieten kann. 

Zusammenfassend bieten sowohl europäische als auch US-amerikanische Investoren einzigartige Vorteile. Gründer sollten ihre spezifischen Bedürfnisse, das Wachstumsstadium und ihre Marktstrategie berücksichtigen, um den Investor auszuwählen, der am besten zu ihrer langfristigen Vision passt.

Über den Autor


Wolfgang Krause, Managing Partner bei
Hi Inov, verfügt über umfangreiche Erfahrungen in den Bereichen Unternehmertum, Investitionen und Geschäftsentwicklung. Er leitet das Deutschlandgeschäft von Hi Inov und hat in Frankreich, Großbritannien und den USA gelebt und gearbeitet. Wolfgang hält einen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften von der Universität München.

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#Gastbeitrag – Erfolg beim Exit: Praxisbewährte Ansätze aus über 2.000 Projekten

Der Verkauf des eigenen Unternehmens gehört zu den bedeutendsten Entscheidungen im Leben eines Gründers. Es geht nicht nur darum, den bestmöglichen Preis zu erzielen, sondern auch das volle Potenzial des Startups zu entfalten. Um ein Unternehmen “exit-ready” zu machen, müssen umfassende Maßnahmen ergriffen werden, die wichtige strategische, finanzielle, operative sowie rechtliche Aspekte abdecken. Gründer können so den Wert ihres Unternehmens maximieren und es für potenzielle Käufer günstig zu positionieren. Um sich auf den komplexen Exit-Prozess vorzubereiten, ist es wichtig, die wesentlichen Erfolgsfaktoren zu kennen – immerhin sind bis zu 50 Prozent der geplanten Exits am Ende nicht erfolgreich. Gerade auf dem heutigen, schnelllebigen Markt ist die sorgfältige Vorbereitung eines Exits daher wichtiger denn je.

Eine frühzeitige Planung des Exit-Readiness-Prozesses, idealerweise drei bis zwölf Monate vor dem geplanten Verkauf, ermöglicht es dem Exit-Team, strategisch vorzugehen und sich auf potenzielle Herausforderungen vorzubereiten. Eine solche langfristige und detaillierte Planung, unter Einbindung von Beratern und Experten, hat erheblichen Einfluss auf den Erfolg eines Exits. Sie trägt dazu bei, den Wert des Deals zu maximieren, “Red Flags” frühzeitig zu erkennen und Risiken zu minimieren. Unsere langjährige Erfahrung in der digitalen und datenbezogenen Due-Diligence-Beratung – einschließlich der Unterstützung bei Exits wie dem von Bugaboo an Mubadala Capital, AURELIUS’ Verkauf von Distrelec an die RS Gruppe, und dem kommerziellen Exit von Sunday Natural an CVC – belegt unsere Expertise aus über 2.000 Transaktionen.

Basierend auf dieser Erfahrung haben wir zehn wichtige Erfolgsfaktoren für die “Exit-Readiness” definiert, die auf bewährten Methoden basieren und Gründern helfen können, die Komplexität dieser entscheidenden Phase im Lebenszyklus ihres Unternehmens erfolgreich zu bewältigen.

Markenwert aufbauen

Der Aufbau und die Pflege eines starken Markenwerts sind wesentlich für die Senkung der Kundenakquisitionskosten. Während der COVID-19-Pandemie stieg beispielsweise die Online-Nachfrage stark an, und viele Unternehmen setzten vorwiegend auf bezahlten Traffic, um diese Nachfrage auf sich zu lenken. Mit den veränderten Marktbedingungen stiegen jedoch gleichzeitig auch die Kosten pro Klick (CPC) erheblich. Dies erhöhte den finanziellen Aufwand zur Gewinnung neuer Kunden und senkte dadurch die Rentabilität. Ein starker Markenwert hilft, diese Kosten niedrig zu halten, langfristige Kundenbeziehungen aufzubauen und die Marktposition des eigenen Unternehmens zu stärken. 

Omnichannel-Strategie optimieren

Eine solide Omnichannel-Strategie ist die Voraussetzung, um in den nächsten fünf bis zehn Jahren kontinuierliches Wachstum zu erzielen. Durch die Diversifizierung ihrer Vertriebskanäle bleiben Startups über mehrere Touchpoints hinweg relevant und können ihr Omnichannel-Potenzial auf effektivere Weise einsetzen. Diese Unabhängigkeit von einem einzelnen Kanal macht sie für potenzielle Käufer attraktiver, da das Unternehmen so auch auf unterschiedliche Marktbedingungen vorbereitet ist. 

Online-Offline-Datenintegration vorantreiben

Die Integration von Online- und Offline-Daten, etwa über ein intelligentes Trackingssystem, fortgeschrittenes Attributionssystem, ein CRM-System, eine CDP (etc.) ist entscheidend, um das Kundenverhalten über alle Kanäle hinweg zu verstehen. Das bildet die Grundlage für die Professionalisierung des GtM und die Gewinnung von “high value” Kundensegmenten. Durch die Integration der Datenpunkte netlang der Customer Journey werden Daten zu “Aktivposten” (“Data as an asset”) und bilden die Grundlage für umfassende Analysemöglichkeiten,  die nicht nur den Customer Lifetime Value (CLV) maximieren, sondern auch Investoren eine bessere Entscheidungsfindung ermöglichen. 

Internationalisierung vorbereiten

Die Expansion in neue Märkte erfordert ein klar definiertes Konzept. Investoren suchen meist nach Unternehmen, die auch klare Wachstumspläne für die internationale Expansion haben, um die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells zu beweisen. Beispielsweise wurde “Emma – The Sleep Company” 2020 von der Investmentgesellschaft Haniel übernommen und hat sich dadurch in weniger als zehn Jahren weltweit 30 Märkte erschlossen. Die schnelle Expansion und der Erfolg auf internationalen Märkten wurden durch eine starke Wachstumsstrategie, innovative Produkte und einen robusten Omnichannel-Ansatz vorangetrieben, der auch Partnerschaften mit über 200 Einzelhändlern weltweit umfasst. 

Daten als Kapital verstehen

Viele Unternehmen haben keinen ganzheitlichen Überblick über ihre finanziellen, digitalen und Produkt- und Kundenbezogenen Leistungsindikatoren (KPIs). Das erschwert es Investoren oftmals, die Stärken und die Einzigartigkeit eines Unternehmens wirklich zu verstehen. Daten stellen deshalb auch zur Vorbereitung eines Exit-Prozesses eines der wichtigsten Assets dar, die Gründer einbringen können. Echtzeit-Dashboards zur Überwachung wichtiger KPIs helfen Unternehmen, fundierte, datengesteuerte Entscheidungen zu treffen. Präzise Datenanalysen können zudem kostspielige Fehler bei Transaktionen verhindern, die Gesamteffizienz des operativen Betriebs verbessern und dadurch Investoren nachhaltig überzeugen.

Marketing-Effizienz erhöhen

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für jedes Unternehmen ist es, die Marketingeffizienz hoch und die Kundenakquisitionskosten (CAC) niedrig zu halten. Dies gelingt nur durch den Aufbau eines starken Markenwerts (siehe oben) und einer gleichzeitig aktiv gemanagten Marketingeffizienz über verschiedene Kanäle hinweg. Wenn Unternehmen ihre Markenbekanntheit erhöhen und zunehmend Marktanteile erobern, müssen sie deshalb ebenfalls ihr “Playbook” weiterentwickeln, indem sie ihren Kanalmix optimieren und ihre ursprünglichen Wachstumskanäle weiter ausbauen. Die Ausweitung des Kundennutzenversprechens, z. B. durch die Ausweitung von Produktkategorien, eine höhere Markenrelevanz über die Lebensdauer (CLV) und die Erschließung neuer Kundengruppen tragen dazu bei, die CAC effektiv zu senken. 

Fokus auf eine optimale CLV/CAC-Ratio setzen

Die Konzentration auf den Customer Lifetime Value (CLV) und nicht nur auf die Kundenakquisitionskosten (CAC) ist entscheidend, damit Unternehmen ihre Cross- und Upselling-Möglichkeiten verbessern und ihre Rentabilität erhöhen können. Dafür benötigen sie ein leistungsfähiges CRM-System, personalisierte Customer Journeys, KI-Tools etc. mit denen sie die Kundenbindung optimieren können. Das volle Potenzial eines optimalen CLV/CAC-Verhältnisses entlang der Customer Journey zeigt sich darin, dass leistungsstarke Unternehmen im Durchschnitt eine fünfmal bessere CLV/CAC-Ratio aufweisen. 

Zukunftsfähige Technologieplattform schaffen

Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre Technologie ihr Wachstum unterstützen kann. Investoren prüfen zunehmend die technischen Grundlagen von Unternehmen. Durch die Durchführung einer “reverse” (tech) Due Diligence lassen sich potenzielle technische Probleme und “Red Flags” vor dem Abschluss einer Transaktion frühzeitig identifizieren und lösen – dieses Vorgehen gewährleistet die Skalierbarkeit und Effizienz der Technologieplattform eines Unternehmens.

Effizienz mit Künstlicher Intelligenz erhöhen

KI-Werkzeuge senken Kosten und verbessern die Effizienz im Unternehmen. Die Anwendungsfälle sind vielfältig und reichen von der Content-Generierung bis hin zur Erstellung von Kampagnen, Bilderzeugung, Kundenservice und prädiktiven Analyse. OMMAX entwickelte beispielsweise für das Unternehmen Westwing eine KI-Content-Engine, die die internen Content Erstellungskosten um 50 Prozent senkte. Die sinnvolle Nutzung von KI-Tools (aktuell 12.000 KI-Tools) kann besonders technikaffine Investoren ansprechen und von der Nachhaltigkeit eines Deals überzeugen. 

Auf das richtige (Exit-)Management-Team setzen

Für den Exit gilt das Gleiche wie für die Unternehmensgründung: Das richtige Managementteam ist von zentraler Bedeutung für den Erfolg – es ist meiner Meinung nach sogar fast noch wichtiger als die Geschäftsidee selbst. Und nicht immer sind die Gründer auch das beste Team für den Exit-Prozess und die Umsetzung des Value Creation Plans. Die Einstellung vor allem digital erfahrener Führungskräfte kann die Wachstumsdynamik und die Bereitschaft eines Unternehmens für den Verkauf erheblich verbessern.

Fazit

Die Vorbereitung auf einen erfolgreichen Unternehmensverkauf erfordert eine umfassende und strategische Herangehensweise. Durch die Berücksichtigung wesentlicher Erfolgsfaktoren, kontinuierliche Optimierung und Nutzung digitaler sowie datengetriebener Einblicke können Unternehmen den Wert ihres Geschäfts maximieren und ihre Attraktivität für potenzielle Käufer steigern. Eine überzeugende Equity Story, die digitale, technologische und KI-basierte Wertschöpfungsmöglichkeiten einbezieht, ist dabei oftmals der Schlüssel zu einem erfolgreichen Exit. 

Über den Autor


Stefan Sambol ist Co-Founder und Partner bei der Strategieberatung OMMAX. Das Team hat rund um das Thema Exit ein Exit Readiness Framework entwickelt, das als Checkliste für Gründer verwendet werden kann. Dafür gerne einfach direkt an [email protected] schreiben.

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#Gastbeitrag – OKR: Was steckt hinter der Google-Methode?

#Gastbeitrag

OKR ist im Grunde ein simples Framework mit leicht nachvollziehbaren Strukturen. Für Unternehmen, die planen OKR zu etablieren, ist eine strukturierte Herangehensweise entscheidend. Am Anfang sollten eine gründliche Vorbereitung und Schulung aller Beteiligten stehen.

OKR: Was steckt hinter der Google-Methode?

Freitag, 30. August 2024VonTeam

Bei der Managementstrategie OKR geht es zentral um die agile Erarbeitung von Zielen und die systematisch flexible Verfolgung betreffender Ergebnisse. Konkrete Geschäftsabsichten und das effiziente Hinarbeiten auf diese bzw. deren letztliche Erfüllung sind im Business elementar. Nur dann, wenn Vorhaben konsequent verfolgt werden, können Unternehmen ihre Ressourcen optimal nutzen und erfolgreich wachsen. OKR fungieren (idealerweise) als eine Art Kompass, der den Kurs in oft turbulenten Gewässern vorgibt und sicherstellt, dass das geschäftliche Ruder stets in die richtige Richtung gelenkt wird. Ohne entsprechend klare Vorgaben besteht die Gefahr, dass Firmen in der Komplexität des Marktes oder in ihren eigenen Prozessen den Überblick verlieren und viele Chancen ungenutzt verstreichen. Nur mit klar definierten Anliegen und einem fokussierten Vorgehen lassen sich Fortschritte überhaupt messbar machen und nachhaltige Erfolge erzielen! OKR ermöglicht es, den vielen relevanten Variablen rund um Zielsetzungen durch die Beachtung einiger relativ simpler Grundsätze strategisch gelassen zu begegnen.

Was ist OKR?

“OKR” steht als Akronym für “Objectives and Key Results”. Es handelt sich um ein sogenanntes Framework, also ein strukturiertes Regelwerk, das Leitlinien und Best Practices für die Umsetzung agiler Prinzipien und Praktiken bietet. In den 1970er-Jahren bei Intel entwickelt, ist es heute vor allem durch den Einsatz beim Suchmaschinenprimus Google bekannt. Der Fokus liegt auf dem Unternehmensmanagement und der dort zentralen Aufgabe, Ziele (Objectives) zu definieren, die besonders relevant sowie erreichbar sind, und entsprechende Fortschrittsmessungen (Key Results) durchzuführen. Mit dem Ansatz wird ermöglicht, strategische Prioritäten eindeutig festzumachen und deren Fortschritt kontinuierlich zu überwachen.

Ein zentraler Aspekt von OKR ist dessen Agilität: Ziele und Schlüsselergebnisse werden in kurzen, regelmäßigen Zyklen (häufig vierteljährlich) festgelegt, überprüft und bei Bedarf angepasst. Diese Flexibilität bietet die Chance, schnell auf Veränderungen im Markt oder im (internen) Geschäft zu reagieren, kontinuierliche Verbesserungen voranzutreiben und fortwährend sicherzustellen, dass alle Mitarbeiter auf die gemeinsamen Anliegen hinarbeiten. Durch die Betonung von Transparenz und regelmäßiger Evaluierung fördert OKR nicht nur die Effizienz und Effektivität, sondern auch die Motivation und das Engagement der Teams.

Wie funktioniert OKR in der Praxis?

OKR gestaltet sich natürlich von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich, da jede Organisation ihre eigenen Märkte, Strukturen, Prozesse und Kulturen hat. Im Zentrum stehen jedoch so gut wie immer fünf elementare Schritte oder Komponenten.

Zielbestimmung (Objectives)

  • Definition der Ziele: Objectives sind qualitative, inspirierende und ambitionierte Ziele, die beschreiben, was erreicht werden soll (und kann). Sie sind richtungsweisend, motivierend und beschreiben einen Mehrwert. Ein gutes Objective sollte klar, prägnant und für alle im Team verständlich sein.

Beispiele:

  • “Unsere Kunden haben bei Rezensionen unsere schnelle Reaktionszeit hervorgehoben.”
  • “Unsere Produkte sind in einem neuen Land in Europa in den entsprechenden Märkten platziert.”
  • “Unsere Slack-Channel werden rege zur Kommunikation angenommen.”

Schlüsselergebnisse (Key Results)

  • Messbare Ergebnisse definieren: Key Results sind spezifische, messbare und zeitgebundene Resultate, die zeigen, wie das Objective erreicht werden soll. Sie sind quantifizierbar und ermöglichen eine klare Bewertung des Fortschritts.

Beispiele:

  • Für das Objective “Unsere Kunden haben bei Rezensionen unsere schnelle Reaktionszeit hervorgehoben.”
  • “Wir reagieren mit täglicher Fokuszeit von 2h auf Kundenanfragen.”
  • “100 Kunden werden nach der Erfüllung ihrer Anfrage gefragt, inwiefern sie mit unserer Reaktionszeit zufrieden waren.”
  • “Wir haben unsere Online-Terminbuchungsplattform auf 4 unterschiedliche Arten beworben.”
  • Für das Objective “Unsere Produkte sind in einem neuen Land in Europa in den entsprechenden Märkten platziert”:
  • “Es sind drei potenzielle Vertriebspartner ausgewählt.”
  • “Preismodelle für X Regionen sind erstellt.”
  • “Wir haben 10 lukrative Lagerstandorte identifiziert.”
  • Für das Objective “Unsere Slack-Channel werden rege zur internen Kommunikation angenommen”:
  • “Der neue Kommunikationsprozess wurde 5x den Mitarbeitenden vermittelt.”
  • “Reduktion der internen E-Mail-Korrespondenz um 40 Prozent.”

Regelmäßige Überprüfung und Anpassung

  • Weeklys: Teams halten regelmäßig (oft wöchentlich) halbstündige Meetings ab, um den Fortschritt der Key Results zu überprüfen, Herausforderungen zu identifizieren und notwendige Anpassungen vorzunehmen.
  • Vierteljährliche Reviews: Am Ende eines jeden Quartals werden die OKRs bewertet. Dies umfasst die Analyse der erreichten Key Results und die Reflexion über den gesamten Prozess. Erfolgreiche OKRs werden gefeiert – und es wird abermals besprochen, was verbessert werden kann.

Bewertung der Ergebnisse

  • Scoring: Key Results können optional auf einer Skala von 0 bis 1 oder 0 bis 100 bewertet werden, wobei 1 (oder 100) bedeutet, dass das Ergebnis vollständig erreicht wurde. Ein Erreichungsgrad von 70 bis 80 Prozent wird oft als erfolgreich angesehen, da dies zeigt, dass die Ziele ambitioniert, aber erreichbar waren.
  • Lernprozess: Die Bewertung dient nicht nur der Erfolgsmessung, sondern auch dem Lernen. Teams reflektieren über Hindernisse oder Erfolgsfaktoren und nutzen diese Erkenntnisse, um zukünftige OKRs zu verbessern.

Transparenz und Kommunikation

  • Offene OKRs: OKRs werden innerhalb des Unternehmens offen kommuniziert, sodass alle Mitarbeiter die Ziele und Fortschritte sehen können. Das fördert die Transparenz und das gemeinsame Verständnis der Prioritäten.
  • Regelmäßige Updates: Durch regelmäßige Updates und Diskussionen bleiben alle Beteiligten informiert und engagiert. Damit bekommt das Teamgefühl einen Push und die Zusammenarbeit profitiert.

Wie gelingt der Einstieg mit OKR?

Für Unternehmen, die planen OKR zu etablieren, ist eine strukturierte Herangehensweise entscheidend. Am Anfang sollten eine gründliche Vorbereitung und Schulung aller Beteiligten stehen, um ein gemeinsames Verständnis sowie das nötige Engagement für das Framework zu fördern. Den Einstieg bieten hier Video, Bücher oder ein initiales Training für die Befähigung aller Beteiligten.  Eine wichtige Initialzündung liegt zumeist in der Auswahl eines Pilotprojekts, das innerhalb eines kleinen, gut motivierten Teams oder einer Abteilung angegangen wird. Hier können die ersten Objectives und Key Results in kleinem Rahmen definiert und angepasst werden, bevor das System auf weitere Teile bzw. Prozesse des Unternehmens ausgeweitet wird.

In den wenigsten Fällen kann der Einstieg rein inhouse gelingen: Es ist fast immer sinnvoll, einen externen OKR-Coach hinzuzuziehen. Damit kann eine korrekte Anwendung und maximale Effektivität der Methoden gewährleistet werden. Das Coaching ist (bestenfalls) individuell auf die jeweiligen Unternehmensanforderungen angepasst – je nach Team- und Unternehmensgröße, Teilnehmerkreis und Vorwissen. Die optimalen Erfolgschancen werden erzielt, wenn sämtliche Schritte präzise auf die Herausforderungen und Bedarfe in der jeweiligen Organisation angepasst sind.

Neben der klärenden Arbeit rund um das Verständnis von OKR, unterstützen professionelle Coaches auch mit Blick auf das operative Geschäft, sprich bei der konkreten Ausformulierung von Zielen, bei der Ausgestaltung von OKR-Reviews oder bei der Einführung spezifischer Tools. Ein fundiertes Coaching zeigt Teams, wie sie OKR nahtlos in ihre täglichen Arbeitsabläufe integrieren können.

Die Vorteile von OKR auf einen Blick

  • Fokussierung auf strategische Ziele: OKR hilft Unternehmen, klare und ambitionierte Ziele zu setzen, die auf die langfristige Strategie abgestimmt sind. Dies fördert die Fokussierung aller Teams und Mitarbeiter.
  • Transparenz, Verantwortlichkeit und Motivation: Durch die öffentliche Festlegung von Objectives und Key Results schafft die Methode Transparenz innerhalb des Unternehmens. Jeder kennt die Prioritäten und weiß, wie sein Beitrag zum Erfolg gemessen wird. Das steigert das Bewusstsein für Verantwortlichkeiten und das Engagement auf allen Ebenen. Diejenigen, die wissen, was vorgeht und worauf hingearbeitet wird, setzen sich tendenziell eher persönlich für das Vorankommen ihrer Organisation ein.
  • Agilität und Anpassungsfähigkeit: Die OKR-Zyklen, die in der Regel ein Quartal umfassen, ermöglichen es Unternehmen, schnell und sicher auf Veränderungen im Markt oder in der Organisationsumgebung zu reagieren. Teams können ihre Prioritäten und Ziele anpassen, um flexibel auf neue Chancen oder Herausforderungen einzugehen.
  • Klare Messbarkeit und Evaluierung: OKRs ermöglichen eine objektive Bewertung des Fortschritts anhand konkreter Kennzahlen. Dies erleichtert die Leistungsmessung, identifiziert erfolgreiche Praktiken und dient als Grundlage für kontinuierliche Verbesserungen. Ein solch systematisches, datenbasiertes Vorgehen ist überaus effektiv.
  • Förderung einer lernenden Organisation: Durch die regelmäßige Reflexion und Überprüfung der OKRs wird eine Kultur des Lernens und der kontinuierlichen Verbesserung gefördert. Teams können aus Erfolgen oder auch Misserfolgen fortwährend dazulernen und ihre Arbeitsweise entsprechend optimieren.

Fazit

OKR ist im Grunde ein simples Framework mit leicht nachvollziehbaren Strukturen. Wie bei vielen agilen Methoden liegt die Schwierigkeit nicht im Verständnis, sondern in der praktischen Anwendung und Verankerung im Unternehmen. Genau das kann in aller Regel nicht ausschließlich durch Informationen zu spezifischen Zusammenhängen und Best-Practices erreicht werden. Um die Kraft von OKR ausschöpfen zu können, muss der Ansatz anhand von praktischen Erfahrungen bzw. in Simulationen und echten Fällen erlebt werden. Die Einführung von OKR ist ein Prozess, bei dem das Mindset und das Engagement aller Beteiligten wichtige Rollen spielen. Um hier zielsicher zum optimalen Setup zu gelangen, ist die Unterstützung durch einen Profi fast immer angebracht.

Über die Autorin


Hannah Nagel ist Agile und OKR Coach mit dem Schwerpunkt auf Kulturtransformation und Change. Als Wirtschaftsingenieurin mit einem Background im Personalwesen glaubt sie daran, dass weder Businessstrategie noch Fokus auf Mitarbeiter:innen alleine stehen können. Als Coach ist es ihr wichtig, Führungskräfte und Mitarbeiter:innen abzuholen, ihre Bedürfnisse einzubeziehen und ihnen ein Werkzeug an die Hand zu geben, das sie langfristig für sich nutzen können. Für Hannah ist Unternehmenskultur dabei der größte Change Agent. Unternehmen dazu zu befähigen und alle einzubeziehen, vom Praktikanten bis zur CEO, das ist ihr Ziel als Agile und OKR Coach

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

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#Gastbeitrag – Wie Startups eine Lernkultur etablieren und davon auch wirtschaftlich profitieren

#Gastbeitrag

Eine gute Lernkultur ist kein Selbstzweck. Denn von der Weiterbildung profitieren nicht nur die Mitarbeitenden, sondern auch die Unternehmen – vor allem, wenn sie die Mitarbeitenden ermutigen, ihr Wissen in das Unternehmen einzubringen. Ein Gastbeitrag von Basti Koch.

Wie Startups eine Lernkultur etablieren und davon auch wirtschaftlich profitieren

Donnerstag, 29. August 2024VonTeam

Es ist schon paradox – im aktuellen HR Monitor von McKinsey beklagen 79 % der Unternehmen Qualifikationslücken ihrer Mitarbeitenden. Und gleichzeitig gibt jedes fünfte Unternehmen weniger als 250 Euro pro Mitarbeiter:in zur jährlichen Weiterentwicklung aus. 

Dabei ist Personalentwicklung ein Invest in die Zukunft des Unternehmens. Nur Mitarbeitende, die up to date sind, die mit- und vorausdenken, können innovativ sein und damit das Unternehmen nach vorne bringen. 

Nun ist aber Geld für Weiterentwicklung nicht alles. Ein teuer eingekaufter Workshop sorgt noch lange nicht dafür, dass die Mitarbeitenden kreativer/mutiger/agiler/you name it denken oder arbeiten. 

Der Gamechanger, den sich auch jedes Startup leisten kann und der doch nicht so viel kostet, ist eine gute Lernkultur. 

Lernkultur: Kostenlos, aber unfassbar wertvoll

Eine Lernkultur ist das Fundament für kontinuierliches Lernen und die Entwicklung von Fähigkeiten innerhalb eines Unternehmens. Sie fördert die Einstellung, dass Wissen und Skills ständig weiterentwickelt werden können und sollen. Das bedeutet: In einem Unternehmen mit einer ausgeprägten Lernkultur sehen Mitarbeitende den aktuellen Wissensstand nicht als Endpunkt, sondern als Ausgangspunkt für weiteres Wachstum – gerne “Growth Mindset” genannt. 

Das führt zu einer Umgebung, in der Neugierde und Weiterbildung geschätzt und gefördert werden, was wiederum die Innovationskraft des Unternehmens stärkt. Ein ganz bildliches Beispiel: In einem Unternehmen mit guter Lernkultur werden Mitarbeitende, die eine Fortbildung machen wollen, nicht gefragt “wann arbeitest du die fehlende Zeit nach?” sondern “wie kann ich dich bei der Fortbildung unterstützen?”

Die große Frage ist nun natürlich – wie gelingt es Gründer:innen und Geschäftsführer:innen von Startups, eine gute Lernkultur zu schaffen? Meine Top 3 Praxistipps zur Etablierung einer Lernkultur sind…

Lernkultur Tipp 1: Psychologische Sicherheit schaffen

Um eine effektive Lernkultur zu etablieren, ist es entscheidend, dass Mitarbeiter das Gefühl haben, dass ihre Neugierde und ihr Engagement für Weiterbildung geschätzt werden. Psychologische Sicherheit bedeutet, dass Mitarbeitende keine Angst haben, Althergebrachtes zu hinterfragen, Neues auszuprobieren und auch Fehler zu machen. Denn auch in Fehlern liegt eine Information – wie es eben nicht geht. Das ist auch wichtig und bringt das Unternehmen voran. Fehler machen zu dürfen, ohne Sanktionen zu fürchten, zeugt von einer guten Lernkultur.

Lernkultur Tipp 2: Gründer:innen und C-Levels als Vorbild

Eine Lernkultur kann nur dann wachsen, wenn das Management mit gutem Beispiel vorangeht. Führungskräfte müssen kontinuierlich lernen und ihre eigenen Weiterbildungsaktivitäten transparent machen. Wenn Mitarbeitende sehen, dass auch das Top-Management in Weiterbildung investiert – etwa Lern-Apps nutzt oder Blocker für Seminare im Kalender hat  – trauen sie sich, das auch zu tun. 

Lernkultur Tipp 3: Flexible Rahmenbedingungen schaffen

Management und Mitarbeitende (bzw. ihre Vertretungen wie Gewerkschaften) müssen Wege finden, die es den Mitarbeitenden ermöglichen, Weiterbildung in ihren Arbeitsalltag zu integrieren. Dies kann durch flexible Arbeitszeiten, Freistellungen für Kurse oder die Integration von Lernphasen in den Arbeitsalltag geschehen. Indem sie die Möglichkeit bieten, Lernen zur Gewohnheit zu machen, schaffen Unternehmen ein Umfeld, in dem kontinuierliche Weiterbildung zur Normalität wird.

Von Weiterbildung profitieren auch die Unternehmen

Eine gute Lernkultur ist kein Selbstzweck. Denn von der Weiterbildung profitieren nicht nur die Mitarbeitenden, sondern auch die Unternehmen – vor allem, wenn sie die Mitarbeitenden ermutigen, ihr Wissen in das Unternehmen einzubringen. Daher ist eine starke Lernkultur nicht nur ein Mittel zur Mitarbeiterentwicklung, sondern auch ein wirtschaftlicher Vorteil für Startups. Denn wer als Unternehmen wachsen will, muss auch seine Mitarbeitenden wachsen lassen.

Über den Autor


Basti Koch ist Spezialist für E-Learning und Product Director von sparks, dem Microlearning-Tool aus der Haufe Akademie. Basti half bereits einem US-Geheimdienst sowie der Londoner Polizei bei der Weiterbildung mittels E-Learning. Mit sparks treibt er nun das Thema Future Skills voran und befähigt Menschen, Teams sowie Organisationen, täglich etwas besser zu werden.

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Foto (oben): Shutterstock

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