#Gastbeitrag – Hat Venture Capital ein Mindset-Problem?

“Weißt Du, Julius: Manchmal performt ein Team einfach nicht! Da müssen wir schnell verstehen, wen wir rausnehmen, damit der Rest weitermachen kann.” Diese Aussage hörte ich vor kurzem wieder im Gespräch mit einem führenden europäischen Fonds. War ich überrascht? Nein. Diese Einstellung und Vorgehensweise ist seit Jahren üblich. 

Das Gespräch ließ mich trotzdem nachdenklich zurück: “Sollte die Frage nicht andersherum lauten? Sollten sich Investoren nicht dazu verpflichten, einen Weg finden zu finden, damit das Team wieder funktioniert? Ist das nicht sinnvoller, als einem Gründer den schwarzen Peter zuzuschieben?” 

Denn in einem bin ich mir sicher: Dieses Verhalten entsteht nicht aus bösem Willen oder unverhohlener Ignoranz. Dafür arbeite ich lange genug in der Venture-Branche. Als ich also über ähnliche Gespräche nachdachte, die ich in den letzten Jahren geführt habe, dämmerte mir eine größere Erkenntnis: Hat Venture Capital ein strukturelles Problem mit persönlicher Entwicklung und Teamentwicklung?

Die Wachstumsfrage

Einen nicht leistungsfähigen Spieler in einem Team zu finden und zu entfernen ist einfach. Jedes Teammitglied zu befähigen, die beste Leistung zu bringen, ist viel schwieriger. Es ist viel komplexer als die Summe des persönlichen Wachstums des Einzelnen: Viele Teamkonstellationen könnten in der Zukunft funktionieren. Für Investoren kostet es viel Zeit, all diese Optionen zu evaluieren. Und es ist der Mangel an Zeit, (natürlich) nicht der Mangel an Geld, der Venture-Investoren am meisten treibt.

Ein erfolgreiches Team zu entwickeln, braucht also Zeit und Aufmerksamkeit. Daher ist die wichtigste Frage, die du stellen kannst: Was brauchst du, um erfolgreich zu sein? Ich nenne dies die “Wachstumsfrage”, den Ausgangspunkt aller guten Wachstumsgespräche. Um diese Frage zu stellen, musst Du kein Investor sein. Sie funktioniert immer. Sie entfesselt enorme Kraft, Klarheit und schafft ein Klima des Vertrauens – solange du dir die Zeit nimmst, der Antwort zuzuhören.

Growth & Fixed Mindset in der Praxis

Das Konzept des Growth vs. Fixed Mindset ist der beste Weg, um dieses Paradoxon zu verstehen: Die Stanford Psychologin Carol Dweck identifiziert zwei grundlegende Denkweisen, die Menschen einnehmen; das Fixed und das Growth Mindset.

  • Menschen, die daran glauben, dass ihre Talente entwickelt werden können (durch harte Arbeit, gute Strategien und Input von anderen), haben ein Wachstums-Mindset. Sie neigen dazu, mehr zu erreichen als diejenigen mit einer eher fixen Denkweise (diejenigen, die glauben, dass ihre Talente angeboren sind).


    – Carol Dweck

Auf dem Venture Path dreht sich alles um Wachstum: Die Entwicklung von Individuen, der Kapazität eines Teams, des Einflusses eines Unternehmens und seines finanziellen Erfolgs. Aufgrund der inhärenten Risiken geht es bei Venture sehr stark um Geschwindigkeit, Fokus und das Treffen harter Entscheidungen. Diese Risiken bringen uns dazu, eingreifen zu wollen, auch wenn wir die Lösung nicht kennen. Ich glaube gerne daran, dass wir bewusst ein Wachstums-Mindset einsetzen können. Wir können es in eine Praxis verwandeln und nicht in einen fixen Persönlichkeitstyp.

  • Ein VC mit einem Fixed Mindset kann einem Managementteam nicht helfen, in ein Growth Mindset zu kommen. Sie sehen das Team nicht als Menschen, die entwickelt werden müssen, sondern eher als Menschen, die beurteilt und gehalten oder entlassen werden müssen.


    – Derek Pilling

Die meisten Investoren verstehen das Konzept des Wachstums-Mindsets. Dennoch hindert sie der Mangel an Zeit und Aufmerksamkeit daran, ein Growth Mindset in ihrem Portfolio anzuwenden. Dies führt zu einer schlechten Gründerunterstützung, insbesondere für die Low-Performer im Portfolio.

Warum ist Zeit – nicht Geld – ist die knappste Ressource eines Investor?

Venture Fonds haben asymmetrische Renditen: Nur eine kleine Anzahl der Investments wird den Großteil der Fonds-Rendite erwirtschaften. Aus diesem Grund muss ein Fonds seine Wetten diversifizieren: Ein typisches Seed-Portfolio umfasst am Ende der Investment-Periode etwa 25 Unternehmen. 

Doch zu Beginn hat jedes einzelne Unternehmen das Zeug dazu, den gesamten Fonds profitabel zu machen. Wenn mit jedem Investment das Portfolio des Fonds wächst, wird die Herausforderung größer: Wie sollen die Investoren ihre Aufmerksamkeit steuern? Sie wissen nicht genau, welches Unternehmen zum Ausreißer wird. Also haben sie ihre Augen überall und können nicht zu viel Aufmerksamkeit auf einzelnen Teams “verschwenden”.

Rechnen wir als dieses Portfolio einmal durch: 25 Unternehmen bedeutet mehr als 50 Gründer. Schlimmer noch, es bedeutet ständig wechselnde Teamkonstellationen. Selbst bei Firmen mit vielen Partnern kann es sein, dass ein Investor in bis zu zehn Boards zur gleichen Zeit sitzt. Ich kann Euch sagen: Zehn Boards nehmen eine Menge Zeit in deinem Kalender ein. Zeit, die du brauchen würdest, um dich mit den einzelnen Teams zu beschäftigen. Das bedeutet: Du musst oft Teamentscheidungen vereinfachen, indem du Annahmen über Einzelpersonen ohne Kontext triffst.

So manifestiert sich eine fixe Denkweise in deiner Arbeit. Was kannst du also tun?

Die besten Investoren verstehen sowohl Wachstum als auch Fokus.

Es ist wichtig zu verstehen, dass du kein Wachstums-Mindset “hast”. Wir tragen sowohl ein fixes als auch ein Wachstums-Mindset in uns. Wir können uns jederzeit dafür entscheiden, aus einem von beiden zu handeln. 

Zugegebenermaßen erfordert das etwas Selbstkenntnis: Wir müssen verstehen, was unser “fixed” Verhalten auslöst. Dann können wir uns dazu verpflichten, bewusst eine wachstumsorientierte Denkweise zu praktizieren. Wie sieht diese bewusste Praxis aus? Geoff Colvin schreibt in seinem Buch Talent Is Overrated:

“Deliberate practice is hard. Es tut weh. Aber es funktioniert. Mehr davon ist gleichbedeutend mit besserer Leistung und Tonnen davon sind gleichbedeutend mit großartiger Leistung. (…)

Bewusste Praxis zeichnet sich durch mehrere Elemente aus: Es ist eine Aktivität, die speziell darauf ausgerichtet ist, die Leistung zu verbessern, oft mit der Hilfe eines Lehrers; sie kann oft wiederholt werden; Feedback zu den Ergebnissen ist kontinuierlich verfügbar; sie ist geistig sehr anspruchsvoll, egal ob die Aktivität rein intellektuell ist, wie Schach oder berufliche Tasks, oder stark körperlich, wie Sport; und sie macht nicht viel Spaß.”

Du merkst, das klingt nach Arbeit, und nach zeitintensiver Arbeit noch dazu. Gerade die Ressource, die Investoren am wenigsten haben. Wie setzen wir das also in der Arbeit mit Gründern um? Wachstum ist eine Konversation ist, die mit der Frage “Was brauchst du, um erfolgreich zu sein?” beginnt. Manchmal ist das wesentlich weniger, als wir dachten. Lasst uns bewusstes und menschliches Wachstum in unserer Gründerszene feiern. Indem wir unser Growth Mindset in der Arbeit mit Gründern aktiv einsetzen, ersetzen wir die Tendenz, die Schuld bei einer einzelnen Person zu suchen, durch Vertrauen. Das Ergebnis? Nachhaltigere, erfolgreichere Teams und besserer Output.

Über den Autor


Julius Bachmann ist Executive Coach für VC-finanzierte Unternehmer/innen. Als ehemaliger Venture Investor und Start-up CFO hat er sich unter dem Leitbild “Making Venture More Human” dem Gründer-Support verschrieben. Neben seiner Arbeit als Coach ist er aktiver Angel Investor und gründete 2021 mit Julian Riedelsheimer JRNY, eine Mobile App für Persönlichkeitsentwicklung . Für seine Arbeit wurde Julius bereits 2017 von Forbes Magazine und dem Capital Magazin ausgezeichnet.

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#Gastbeitrag – Alles zu Börsengängen – und wie sie gelingen

Die Nachrichten zu Börsengänge überschlagen sich in den letzten Monaten: Ant, Coinbase und erst kürzlich das britische Fintech Wise. Die Scale-Up-Szene wird erwachsen. Daher stellen sich immer mehr Unternehmen die Frage: Sollen wir auch den Schritt an die Börse wagen? Und wenn ja: Wie? Und was müssen Unternehmer:innen bei einem Börsengang beachten? Dieser Beitrag geht auf die Grundlagen von Börsengängen ein.

An die Börse, aber warum? Es gibt viele gute Gründe für einen Börsengang. Die Börse bietet gelisteten Unternehmen eine standardisierte, einfache und schnelle Kapitalaufnahme, sowie ein vervielfachtes Wachstumspotential. Wenn man einen Exit anstrebt, können die Aktien zu Fusionen mit anderen Unternehmen als Akquisitionswährung genutzt werden. Zuletzt sprechen die erhöhte Sichtbarkeit und Wahrnehmung durch den Börsengang selbst, sowie die erhöhte Transparenz durch die regulatorischen Erfordernisse für einen Börsengang.

Was müssen Unternehmer:innen beachten? Börsengänge bringen viel Arbeit mit sich. Im Vorfeld sollten sich Unternehmer:innen also mit einer gewissen Anzahl an Fragen beschäftigen: Welche Art von Börsengang ist die richtige für mein Unternehmen? Was bringt ein Börsengang mit sich? Wann sollte ich den Schritt an die Börse wagen? Und welche Fehler kann ich vermeiden?

Klassischer IPO, Direct Listing oder SPACs

Die gängigste Art eines Börsengangs ist der klassische IPO, kurz für Initial Public Offering. Bei einem IPO werden erstmalig Aktien eines Unternehmen an der Börse angeboten. Hier müssen viele Regularien beachtet werden und das Unternehmen wird entsprechend des gewählten Handelsplatzes von einer lokalen Investmentbank und einer Anwaltskanzlei begleitet. Bei einem Direct Listing bedarf es keines Vermittlers und es findet auch kein IPO statt, sondern die Aktien des Unternehmens werden direkt an der Börse notiert. Demnach erhalten die Unternehmen auch keine Garantie für den Aktienverkauf, weshalb diese Form von Börsengang mit mehr Risiken verbunden ist als ein klassischer IPO. SPACs (Special Purpose Acquisition Companies) haben dieses Jahr für viel Aufruhr gesorgt. Bei dieser Form des Börsengangs werden Unternehmen als Hülle an die Börse gebracht, erhalten daraufhin Kapital mit dem sie dann ein Unternehmen akquirieren, das nicht an der Börse gelistet ist.

Der richtige Zeitpunkt

Es gibt nicht “den einen richtigen Zeitpunkt” für einen Börsengang und jedes Unternehmen ist anders. Nichtsdestotrotz gibt es Richtwerte, an denen man sich orientieren kann. An der Börse sein ist eine kostspielige Angelegenheit. Daher sollte ein Börsengang erst anvisiert werden, wenn das Unternehmen – abhängig vom Geschäftsmodell – einen mindestens acht- oder neunstelligen Umsatz schreibt. Im SaaS-Bereich sind die Fixkosten geringer, daher kann der Umsatz auch niedriger ausfallen. Zudem sollte ein Unternehmen vor einem Börsengang bereits profitabel sein oder einen klaren Pfad zur Profitabilität haben.

Womit Unternehmen rechnen müssen

Wie eingangs erwähnt, bringen Börsengänge für Unternehmer:innen einen erheblichen Mehraufwand und Kosten mit sich. Das liegt in erster Linie an der durch Regularien notwendigen Transparenz. Für börsennotierte Unternehmen gibt es Reportingpflichten, Ergebnisse und Unternehmensaktivitäten müssen regelmäßig kommuniziert werden. Daher gibt es zwei Maßnahmen, die auf Unternehmen an der Börse zukommen: Investoren- und Jahreshauptversammlungen sowie Öffentlichkeitsarbeit und Finanzkommunikation. Die Kosten, die allein durch die Tatsache entstehen, dass ein Unternehmen börsennotiert ist, betragen mindestens 250.000 Euro im Jahr.

Mögliche Fehler

Vor dem Hintergrund des beschriebenen Mehraufwands und der Mehrkosten, können insbesondere Neulinge typischen Fehlern aus dem Weg gehen. Einer ist der Hang zu Überbewertung, zu dem Investmentbanken tendieren können, wenn sie einen IPO attraktiv machen wollen. Daher sollten Unternehmer:innen unbedingt realistisch bleiben. Außerdem sollte man einen Börsengang keinesfalls überstürzen. Wie erwähnt, sollte die notwendige Liquidität vorhanden und die Profitabilität (fast) erreicht sein.

Fazit. Auch wenn es eine Menge an Dingen gibt, die man beachten sollte, gibt es leider kein Geheimrezept für einen Börsengang. Jedes Unternehmen schreibt seine ganz individuelle Unternehmensgeschichte und daher gibt es nur grobe Richtwerte. Nichtsdestotrotz sollten Unternehmer:innen sich vor einem Börsengang in Ruhe folgende Fragen stellen:

* Warum ein Börsengang? Mit welchem Ziel?

* An welcher Börse soll mein Unternehmen notieren? Und in welchem Segment?

* Ist das Unternehmen groß genug und kann es sich den Börsengang leisten?

* Ist das Team bereit dazu?

* Ist das Unternehmen bereit für die notwendige Transparenz?

TippWarum Startups sich ernsthaft mit SPACs befassen sollten

Über den Autor


Daniel Wild, Gründer und Aufsichtsrat der Mountain Alliance AG, einer operativen Beteiligungsgesellschaft, ist Serienunternehmer und hat bereits in den Nullerjahren sein erstes Unternehmen getmobile AG per SPAC, beziehungsweise SPV (England) an die Börse gebracht.

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#Gastbeitrag – Erfolg liegt auch abseits der Metropolen

Trotz der Corona-Krise nimmt die Gründungsaktivität in Deutschland weiter zu. In Niedersachsen ist beispielsweise laut dem Startup Monitor Niedersachsen die Zahl der Startup-Gründungen 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent gestiegen. Denn auch abseits der Startup-Hochburgen Berlin, München, Hamburg und Frankfurt existieren längst lebendige Startup-Ökosysteme. Ein wertvoller Partner sind dabei Initiativen und Gründerzentren, die junge Startups aus der Region nicht nur unter einem innovativen Dach vereinen, sondern ihnen auch das richtige Werkzeug und Wissen für den Start an die Hand geben. Hier sind die vier wichtigsten Vorteile des Gründens abseits der Metropolen.

Infrastruktur und Netzwerk – die Grundlagen des Gründens

Entscheidend für die Wahl des Standorts ist für viele Gründer:innen zunächst die Frage nach der vorhandenen Infrastruktur. Ein breites Netzwerk von Expert:innen, Know-how, Mentor:innen und Investor:innen sollte vor Ort zugänglich sein. Der Blick auf mögliche Partner, wie das passende Gründerzentrum in der gewählten Umgebung, kann dabei helfen. Gute Kontakte zu Hochschulen, Kammern sowie der Wirtschaftsförderung können hier eine wichtige Rolle im weiteren Aufbau des jungen Startups spielen.  

Das Technologie- und Gründerzentrum Oldenburg (TGO) stellt beispielsweise sein Netzwerk in der Region und in Niedersachsen den ansässigen Unternehmen zur Verfügung. Die Vorteile der Region liegen hierbei besonders in den kurzen Kommunikationswegen, die durch persönliche Kontakte stets gegeben sind. Vor allem Startups mit einem digitalen Fokus können aufgrund ihrer Standortunabhängigkeit von den persönlichen Netzwerken abseits der Metropolen profitieren, vorausgesetzt die digitale Infrastruktur erlaubt die notwendige Konnektivität. Der Ausbau des Breitbandnetzes wird diese Komponente auch in Zukunft weiter fördern und Gründungswillige mehr und mehr aus den Metropolen ziehen – wer allerdings nicht bis zum Glasfaserausbau warten kann und möchte ist auch in diesem Falle in einem Gründerzentrum in der Region gut aufgehoben. 

Viele Gründerzentren setzen auch beim Arbeiten auf kreative Konnektivität und ermöglichen durch Coworking Spaces eine Interaktionsplattform, die Gründer:innen weitere Anknüpfpunkte sowie flexibles Arbeiten ermöglichen soll, so auch im GO! Work Coworking Space des TGO.

Verlässlichkeit, Vertrauen, Vorsprung 

Verlässlichkeit und Vertrauen innerhalb der Szene schaffen ein sicheres Netz für Gründer:innen. Daraus resultieren schnelle Entscheidungen, etwa hinsichtlich Kooperationen oder der Finanzierung. Gründer:innen profitieren regional oftmals von einer hohen Transparenz und einem funktionierenden „Empfehlungsmarketing“. Innerhalb der Gründungsszene herrscht hinsichtlich der Unterstützung kein Verdrängungswettbewerb, sondern ein viel mehr passend abgestimmtes Angebot, das jedem Startup diverse Chancen ermöglicht. Eine Studie des deutschen Industrie- und Handelskammertages hat vor einiger Zeit analysiert, warum viele Gründungsinteressierte letztlich vor einer Gründung zurückschrecken: An erster Stelle stehen bürokratische Anforderungen. Auch bei dieser Hürde können Gründerzentren den Gründer:innen häufig ebenfalls behilflich sein. Durch die vielfältige Gründerszene, die sich an solch innovativen Knotenpunkten zusammenfindet, stützen sich Gründerzentren auf jahrelange Erfahrungen, die sie an die Gründer:innen und jungen Unternehmen weitergeben. Dieses Engagement fördert die Vertrauensbasis und ermöglicht den Gründer:innen einen deutlichen Vorsprung gegenüber den Einzelkämpfer:innen die außerhalb von Gründerzentren agieren.

Attraktive Förderung, Finanzierung und Fixkosten

Dass auch die Regionen abseits der Metropolen attraktiv für Gründer:innen sein können, zeigt sich durch diverse konkrete Förderungsprogramme und Finanzierungshilfen, die auch vermehrt von Gründerzentren ins Leben gerufen werden. Das TGO beispielsweise bietet Startups seit drei Jahren das Accelerator-Programm GO!. Gründer:innen können dabei auf ein Netzwerk aus starken regionalen Akteuren in den Bereichen Digitalisierung, Energie, Gesundheit und Nachhaltigkeit bauen das ihnen hilft, ihr Geschäftsmodell aufzustellen. Darüber hinaus bietet das GO! auch Geschäftsmodellentwicklungen für größere Unternehmen an und hat bereits den Energiekonzern EWE AG sowie das Großhandelsunternehmen FAMO beraten. 

An dem Accelerator-Programm beteiligen sich unter anderem die in Oldenburg ansässigen Unternehmen EWE sowie CEWE. Auch Forschungseinrichtungen, wie das OFFIS (Institut für Informatik der Universität Oldenburg) sind an dem Programm beteiligt. Im Rahmen des speziellen Förderprogramms erhalten Startups über sechs Monate ein intensives Coaching und bekommen die Chance mit erfahrenen Expert:innen zusammenzuarbeiten. Darüber hinaus sind hier auch weitere Forschungseinrichtungen (Fraunhofer, DFKI, DLR) angesiedelt, die einen anwendungsorientierten Forschungsansatz verfolgen und an der Kooperation mit Startups interessiert sind. 15 Partner aus der Wirtschaft, sowie das Land Niedersachsen und die Stadt Oldenburg fördern den Accelerator. Durch diese Förderung ist es für die teilnehmenden Startups auch nicht notwendig, Firmenanteile abzugeben, wie es teilweise bei anderen Accelerator-Programmen der Fall sein kann.

Doch auch, wenn solche Initiativen an anderen regionalen Standorten erst wachsen und noch nicht überall verfügbar sind, so sind hier doch die attraktiven niedrigen Fixkosten für Gründer:innen ein weiteres Argument entgegen der hohen Mietpreiskonkurrenz in den Metropolen. Wenn das junge Startup dann exponentiell schnell wachsen sollte und Personalzuwachs notwendig ist, bedeutet das für Gründer:innen in diesem Milieu weniger finanzielle Belastung als in einer überteuerten Metropolenregion. Darüber hinaus bieten Gründerzentren durch die oftmals flexibleren Mietkonditionen nicht nur geeigneten Freiraum für die schnelle Vergrößerung oder, wenn nötig, Verkleinerung der jungen Unternehmen. Sie bieten zusätzlich mit attraktiven Serviceleistungen rund um das Unternehmertum einen Mehrwert, den es in herkömmlich gewerblichen Immobilien nicht gibt. Abseits der Ballungszentren lohnt sich der erwähnte Kostenvorteil außerdem nicht nur im beruflichen Kontext der Gründung, sondern auch privat. Egal ob Mietwohnung oder Eigenheim, die Lebenshaltungskosten sind hier wesentlich moderater. 

Hoher Lebensstandard, hohe Zufriedenheit, hohe Erfolgschancen

Aus einer geringeren finanziellen Belastung ergibt sich abseits der Metropolen für Gründer:innen häufig automatisch die Möglichkeit, einen höheren Lebensstandard zu halten. Eine Studie der Hochschule Landshut aus 2020 hat außerdem gezeigt, dass die knapp 100 teilnehmenden Gründer:innen die familiäre Situation in ländlichen Regionen als eine deutlich höhere Priorität wahrnahmen. Mehr Zufriedenheit mit der Work-Life-Balance ist die Folge, genauso wie der Vorteil der geringen Distanz zum Wohnort und der dadurch eingesparten Pendelzeit. Diese Zufriedenheit hält auch bei einem großen Teil der Gründer:innen dem potentiellen Drang zum Standortwechsel in eine Metropole statt. Im Fokus stünde auch hier, näher an regionale Gründerzentren oder Kooperationspartner zu kommen. 

Dass die Entscheidung, weg aus der Metropole, hin zum regionalen Gründen, belohnt werden kann zeigen auch die vielen Oldenburger Gründer:innen, wie beispielsweise der junge Geschäftsführer von Quantumfrog, Hendrik Rump. Die Oldenburger Digital-Agentur Quantumfrog ist seit 2015 Mieter im TGO und wurde jüngst mit dem Deutschen Computerspielpreis ausgezeichnet. Auch zukunftsorientierte und nachhaltige Startups, wie Buses4Future nutzen die Möglichkeiten innerhalb des Gründerzentrums. Buses4Future produziert Wasserstoff-Busse, die eine emissionsfreie Mobilität ermöglichen. Das Oldenburger Startup wurde 2020 Landessieger im Gründerwettbewerb der KfW Bankengruppe, nachdem es zuvor den Accelerator GO! durchlaufen hatte. Darüber hinaus erhielt Buses4Future Venture-Capital durch das Land Niedersachsen. Diese Erfolgsgeschichten zeigen deutlich die Vorteile des vorhandenen und ausgeprägten Netzwerks auf.

Fazit

Zusammengefasst zeigt sich, dass das Gründen abseits der großen Metropolregionen besonders von kurzen Wegen, abgestimmten Angeboten und persönlichen Kontakten profitiert. Die darüber hinaus benötigte Infrastruktur kann durch geeignete Partner, wie Gründerzentren, in der jeweiligen Region etabliert werden. Sowohl junge Startups als auch lange in der Region verankerte Unternehmen werden dabei durch eine florierende Gründungsszene miteinander vernetzt und nachhaltig gestärkt.

Über den Autor


Jürgen Bath ist seit 20 Jahren Geschäftsführer des Technologie- und Gründerzentrums Oldenburg – TGO und betreut dort und im angeschlossenen Accelerator „GO! Start-up Zentrum“ junge innovative Unternehmen.  Ehrenamtlich ist er regional und überregional für die Interessen von Start-ups tätig,  u.a. als 1. Vorsitzender des „Verein Technologie-Centren Niedersachsen e.V.“ – VTN, als Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Innovationszentren BVIZ und als Mitglied der Vollversammlung der Oldenburgischen IHK.

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#Gastbeitrag – Einkauf 4.0: Managst du schon oder excelst du noch?

#Gastbeitrag

Die digitale Vergabe und das digitale Management von externen Dienstleistungen wird in Zukunft Standard sein. Um komplexe Projekte durchzuführen und schnell und agil zu sein, braucht es SaaS, die in der Lage ist, auch mit ERP-Systemen vollumfänglich zu kommunizieren.

Einkauf 4.0: Managst du schon oder excelst du noch?

Montag, 16. August 2021VonTeam

Wenn Unternehmen mit externen Dienstleistern zusammenarbeiten, um beispielsweise Projekte auszulagern, gilt es, viel zu beachten und viel zu managen. Insbesondere nach der Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) im Jahr 2017. Klingt nach einer Herausforderung? Ist es auch. Denn wann immer es um eine regelkonforme Zusammenarbeit mit externen Partner-Unternehmen geht, spart ein Überblick über alle Prozesse in Echtzeit nicht nur Zeit, sondern auch Geld.

Datentapeten häufig noch Standard

Lohnabrechnung auf der einen Seite, digitale Tools zur Zeiterfassung auf der anderen Seite und beide Anwendungen als Softwarelösung im Silo. Häufig genug funktionieren die Insellösungen an sich gut, kommunizieren aber nicht miteinander. Kommt es dann beispielsweise bei Outsourcing-Projekten darauf an, die Daten aus weiteren unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen, um eine möglichst aktuelle Projektakte zu führen und dabei auch hausinterne Projektvorgaben einzuhalten, entstehen lange Excel-Listen, die zum Teil manuell bearbeitet werden und damit extrem anfällig für Fehler sind.

Zukunft liegt in digital vernetzten Prozessen

Nehmen wir als Beispiel die klassische Verpackungsdienstleistung durch Fremdfirmen. Hier werden Werkverträge häufig nicht im Vorhinein, sondern im Nachhinein beauftragt, weil Unwägbarkeiten an der Tagesordnung sind. So kann die Anzahl der am Tag gepackten Paletten variieren oder auch einfach aufgrund von Krankmeldungen die Anzahl der Mitarbeiter:innen schwanken. Vermeintlich kleine Variablen, die aber große Auswirkungen auf den ganzen Prozess haben. Spätestens hier wird deutlich, dass es nur eine Lösung gibt. Nämlich ein agiles Tool, welches die werkvertraglichen, auftrags- und prozessrelevanten Anforderungen abdeckt, alle Beteiligten einbindet und schnell und einfach Schnittstellen zu den bestehenden Systemen bereitstellt. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten, denn wenn beide Unternehmen, sowohl Auftraggeber als auch Auftragnehmer in Echtzeit planen, auswerten und korrigieren können, stimmt die Kalkulation von Anfang an.

KI lernt gerne

Ein weiterer wichtiger Punkt ist – ganz im Sinne eines agilen Prozesses – das Lernen aus Fehlern. Natürlich kann am Ende von Outsourcing-Projekten jeweils evaluiert werden, woran es lag, dass die Timings nicht eingehalten werden konnten oder die Kosten wieder außer Kontrolle geraten sind. Ein Aufwand der allerdings nicht zur Reduzierung der Prozessdurchlaufzeit insgesamt beiträgt. Digitale Systeme sind hingegen in der Lage, automatisch Verbesserungen anzuzeigen, wenn beispielsweise eine Tätigkeit noch nicht optimal erfolgt ist – und das zumeist in Echtzeit und ohne persönliche Befindlichkeiten. Dabei spielt KI als Technologie eine zentrale Rolle und unterstützt Mitarbeiter:innen dabei, die Aufgaben effizienter zu gestalten.

Investition in digitale Tools rentiert sich

Die digitale Vergabe und das digitale Management von externen Dienstleistungen wird in Zukunft Standard sein. Um komplexe Projekte durchzuführen und schnell und agil zu sein, braucht es SaaS, die in der Lage ist, auch mit ERP-Systemen vollumfänglich zu kommunizieren. Nur so können Unternehmen Projekte erfolgreich planen und auf lange Sicht wettbewerbsfähig sein. Und wer bereits an mögliche Lösungen denkt, der sollte sich daran erinnern, dass es sich bei der Einführung von neuen Strukturen und Prozessen immer lohnt, den Anbieter von Lösungen genau zu prüfen. Denn gerade bei Investitionen dieser Art geht es darum, ein Software-Beratungsunternehmen zu finden, das die Herausforderung kennt, das adäquate Lösungen anbietet und darüber hinaus auch in der Lage ist, die Einführung der SaaS-Lösung Schritt für Schritt zu begleiten.

Über den Autor


Mario Mosel ist Chief Product Officer (CPO) bei simpressive und Diplom-Kaufmann für Logistik & Personal.

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#Gastbeitrag – Wie viel Bürokratie verträgt ein Startup?

Unternehmensgründungen sind essenziell für den Innovationsstandort Deutschland. Startups mit zukunftsweisenden Produkten und mutigen Geschäftsmodellen modernisieren unsere wirtschaftlichen Strukturen, finden innovative Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit und schaffen neue Arbeitsplätze. Für die Umsetzung neuer Ideen brauchen sie Fachkräfte – die in Deutschland rar sind. Doch auch beim internationalen Recruiting stoßen Gründer schnell auf Hindernisse: in Form von bürokratischen Hürden.

Im April 2021 haben wir mit der Suche nach einem Junior DevOps-Engineer zur Unterstützung unseres Entwicklerteams begonnen. Nach wenigen Wochen hatten wir eine vielversprechende Kandidatin in Aussicht: Wir entschieden uns für eine junge Hochschulabsolventin indischer Abstammung, wohnhaft in Paris, ohne Berufserfahrung.


Eine faire Bezahlung ist uns sehr wichtig. Deshalb haben wir uns an deutschen Durchschnittswerten für branchenübliche Einstiegsgehälter orientiert und ihr zusätzlich eine virtuelle Beteiligung an unserem Startup angeboten. Die Bewerberin war mit dem Angebot sehr zufrieden und wollte es annehmen. Doch daraus wurde nichts – denn unsere Kandidatin bekam kein Visum. Die Begründung: Das Gehalt sei nicht „branchen- und ortsüblich“.





In §39 des deutschen Aufenthaltsgesetzes heißt es, dass die Bundesagentur für Arbeit der Beschäftigung einer ausländischen Fachkraft nur zustimmen kann, wenn „sie nicht zu ungünstigeren Arbeitsbedingungen als vergleichbare inländische Arbeitnehmer beschäftigt wird“. Dies ist im Grunde genommen ein sinnvolles Gesetz, um ausländische Arbeitskräfte vor einer ungerechten Ausbeutung zu schützen und deutsche Arbeitnehmer davor zu bewahren, durch billigere Arbeitskräfte aus dem Ausland ersetzt zu werden. Es bleibt aber stumpfe Anwendung einer Regel, wenn die von der Arbeitsagentur gewünschten Arbeitsbedingungen gar nicht an den aktuellen deutschen Markt angepasst sind.

Entgeltatlas: keine marktüblichen Zahlen für Startup-Szene

So orientiert sich die Bundesagentur für Arbeit, liegen keine einheitlichen Tarife vor, an den Vorgaben des sog. Entgeltatlas, den sie selbst bereitstellt. Leider scheinen die dort erhobenen Zahlen gar nicht marktüblich zu sein. Zumindest was die deutsche Startup-Szene angeht. Denn welches frisch gegründete FinTech kann es sich leisten, Berufseinsteiger wie langjährige Angestellte in einem Großunternehmen zu honorieren? 

Letzteres aber stellt genau das Mindestgehalt dar, das als Maßstab herangezogen wird. Die Mitarbeiter der Arbeitsagentur wissen, dass es Jobeinsteiger ohne Berufserfahrung gibt. Der Entgeltatlas selbst bietet eine Filterfunktion für Geschlecht und Alter sowie Regionen an. Leider dürfen sie das aber nicht miteinbeziehen, sondern aufgrund des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, auch unter dem Namen Antidiskriminierungsgesetz bekannt, ausschließlich die generelle Statistik berücksichtigen – immerhin aber mit einem zehnprozentigen Abzug, da es sich um eine Berufsanfängerin handelt. 

Sprich: Der Entgeltatlas differenziert zwar an sich, kann aber nicht angewandt werden. Es gilt nämlich als Diskriminierung, eine Berufseinsteigerin anders zu bezahlen als eine erfahrene Mitarbeiterin. Auch zusätzliche Leistungen wie beispielsweise (virtuelle) Unternehmensbeteiligungen werden nicht einbezogen, da diesen kein unabdingbarer Wert zugeschrieben werden kann. Letztere Option war dem Sachbearbeiter der Arbeitsagentur als Konzept noch nicht einmal bekannt. 

Deutschland braucht Startups, Startups brauchen Fachkräfte 

Unser Einstellungsversuch ist also an unzeitgemäßen bürokratischen Hürden gescheitert. Für die Zukunft bedeutet das: Wir können keine außereuropäischen Fachkräfte ohne Berufserfahrung in unser Recruiting miteinbeziehen, es sei denn, besondere zusätzliche Voraussetzungen werden erfüllt. Das grenzt den Pool geeigneter Kandidaten stark ein und erschwert unsere Suche massiv. Wie uns geht es natürlich auch zahlreichen weiteren Startups, die darauf angewiesen sind, ausländische Fachkräfte zu rekrutieren, weil es gar nicht hinreichend viele inländische Kandidaten gibt. Der Deutsche Startup Monitor 2020 (DSM) zeigt: Schon über ein Viertel der Beschäftigten in den jungen Unternehmen stammt nicht aus Deutschland, Tendenz steigend. Migration ist wichtig für das deutsche Startup-Ökosystem.


Junge innovative Unternehmen mit internationalem Bezug brauchen gut ausgebildete Fachleute mit Digitalkompetenz. Gerade im Hinblick auf den sich verschärfenden Fachkräftemangel gewinnt internationales Recruiting, insbesondere im IT-Bereich, weiter an Bedeutung. Die Digitalisierung, aber auch die Entwicklung klimafreundlicher Technologien erfordern in Zukunft immer mehr IT-Lösungen – und dadurch auch Experten, die dazu in der Lage sind, diese zu entwickeln. IT-Fachkräfte fehlen auf dem deutschen Markt aber schon seit langem. Der aktuelle MINT-Report sieht durch die Corona-Pandemie sogar eine Verschärfung der Lage voraus. 

Soll der zukunftsorientierte, digitalisierte und ökologische Umbau der Wirtschaft vorangetrieben werden, müssen bürokratische Hürden abgebaut und das Einstellen ausländischer Fachkräfte vereinfacht werden. Formelle Schritte wie die Anerkennung von Abschlüssen sowie das Beantragen von Arbeitsgenehmigungen oder Visa sind zwar notwendig, müssen aber auch realitätskonform sein und in einem für alle Seiten fairen rechtlichen Rahmen stattfinden.


Bürokratie, so weit das Auge reicht

Der deutsche Behördenapparat macht Gründern in vielen Bereichen das Leben schwer.


Auch hierzu liefert der Deutsche Startup Monitor interessante Ergebnisse: Knapp die Hälfte der deutschen Jungunternehmen wünscht sich eine Vereinfachung der Verwaltungsdienstleistungen. Darunter fällt nicht nur die Beseitigung bürokratischer Sackgassen wie beispielsweise beim Recruiting, sondern auch Anpassungen der Finanzierungsangebote. 

Ein großes Thema bleibt beispielsweise die Vereinfachung der Mitarbeiterbeteiligung, zu der ich mich bereits Anfang des Jahres ausführlich öffentlich geäußert hatte. Die Tatsache, dass sie schon als Konzept in der deutschen Behördenlandschaft unbekannt ist, spricht Bände und erklärt vielleicht auch, weshalb die Reform so kläglich gescheitert ist. Für uns als FinTech kommen zusätzlich Herausforderungen beispielsweise im Aufsichtsrecht hinzu. Große Banken werden lizenzseitig deutlich bessergestellt als innovative Unternehmen, die diese doch eigentlich herausfordern und den Markt für den Konsumenten aufrütteln sollen. Bürokratische Hürden sind also kein Einzelfall, sondern ein strukturelles deutsches Problem.


Dabei ist die Bedeutung der Startup-Szene für die deutsche Wirtschaft elementar. 

Nur wenn innovative Ideen auch von fachlich gut ausgebildeten Menschen umgesetzt werden, kann Deutschland seinen Status als Innovationsstandort langfristig aufrechterhalten. Außerdem schaffen Startups zahlreiche wichtige Arbeitsplätze. 

Appell an die Politik und Lösungsansätze

Das belegt eine kürzlich erschienene Studie, die vom Bundesverbands Deutsche Startups e.V. u.a. durchgeführt wurde. Diese geht von aktuell rund 1,6 Millionen Arbeitsplätzen in Deutschland aus, die von Startups und Scaleups direkt geschaffen oder indirekt gesichert werden. Dabei handelt es sich um einen Anteil, der bereits fast vier Prozent aller deutschen Erwerbstätigen entspricht. 

Bis 2030 könnte sich diese Zahl – unter idealen politischen Bedingungen – verdoppeln. Das damit verbundene Potenzial für das deutsche Wirtschaftswachstum wäre immens. Es sollte also im Sinne der Politik sein, die Entwicklung der Startup-Szene zu fördern, statt sie durch künstlich geschaffene Hindernisse auszubremsen. 

Im internationalen Vergleich wird die Position des deutschen Startup-Marktes gerade durch Hürden beim globalen Recruiting massiv geschwächt. Deshalb sollte hier schnellstens gehandelt werden. Das heißt konkret:

  1. Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit muss auch die deutsche Arbeitsrealität abbilden und Unterschiede zwischen Berufseinsteigern und erfahrenen Fachkräften miteinbeziehen. Dies wäre ein simpler Schritt, der auch ausländischen Fachkräften den Weg in deutsche Jungunternehmen ebnen kann. 
  2. Auch (virtuelle) Mitarbeiterbeteiligungsprogramme (ESOP/VSOP) müssen im 

Entgeltatlas Berücksichtigung finden. Schlimm genug, dass der bürokratische Aufwand dafür nach wie vor hoch ist. Aber: Wenn Mitarbeiter der Arbeitsagentur noch nicht einmal von dieser Form der Vergütung durch Anteile am Unternehmen gehört haben, zeigt sich, wie groß die Diskrepanz zwischen deutschen Behörden und der tatsächlichen Entwicklung der Branche ist. 

Über den Autor


Fabian Scholz ist Co-Founder und CEO von rubarb, einem jungen FinTech aus Hamburg, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Thema Geldanlage für alle zugänglich und transparent zu gestalten. Mithilfe der im November 2020 gelaunchten rubarb-App können Kunden über insgesamt drei nachhaltige Anlagemöglichkeiten für ihre individuellen Ziele sparen: Aufrundungen von Einkaufsbeträgen, Sparpläne und Einmalzahlungen. Dabei können schon kleinste Beträge in ein ausgewähltes nachhaltiges ETF-Portfolio eingezahlt werden.

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