Das sind die typischen Symptome der Corona-Delta-Mutation und so gefährlich ist sie wirklich


Getty Images

  • Die Delta-Variante breitet sich in Deutschland nach neuesten Daten des Robert Koch-Instituts weiter aus. Der Anteil hat sich in kurzer Zeit verdoppelt.
  • Die Symptome des Erregers unterscheiden sich dabei mitunter von denen anderer Varianten. Typisch sind demnach vor allem Kopfschmerzen, eine laufende Nase und raue Kehle. Zum Geruchs- oder Geschmacksverlust kommt es dagegen nur selten.
  • Business Insider erklärt die typischen Symptome der Corona-Delta-Variante und welche Folgen das hat.

In Deutschland bahnt sich eine vierte Corona-Welle an, vor der Gesundheitsexperten wie Karl Lauterbach in diesem Herbst warnen. Schuld daran ist die sich weiter ausbreitende Delta-Variante aus Indien. Doch wie gefährlich ist die Delta-Mutation nun wirklich, wie erkenne ich eine Infektion und welche Folgen kann das haben? Business Insider beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was sind die typischen Symptome einer Delta-Infektion?

Die Symptome einer typischen Corona-Infektion sind mittlerweile weit bekannt. Husten, Fieber, Schnupfen sowie der Geruchs- und Geschmacksverlust sind klare Anzeichen auf eine mögliche Infektion mit dem Virus. Doch gerade hier liegt auch die Gefahr der Delta-Variante. Die typischen Symptome unterscheiden sich nämlich von den anderen Varianten. So tritt nach einer Infektion mit dem Delta-Erreger in den meisten Fällen kein typischer Geruchs- und Geschmacksverlust auf.

Während auch Fieber vermehrt nach einer Infektion mit dem Virus aus Indien auftritt, leiden Delta-Patienten außerdem vor allem unter Kopfschmerzen, einer laufenden Nase und rauen Kehle. Die unterschiedlichen Anzeichen einer Erkrankung zeigen daher, dass es auch bei harmlosen Erkältungssymptomen besonders wichtig ist, sich weiterhin testen zu lassen.

Wie gefährlich ist die Delta-Variante wirklich?

Klar ist, dass sich die Delta-Variante aufgrund Dutzender Mutationen sich schneller ausbreitet als bisher jede andere bekannte Corona-Variante. Ein Infizierter steckt im Schnitt sechs bis sieben weitere Personen an, die keinen Immunschutz besitzen. Damit liegt die Ansteckungsgefahr der Delta-Variante fast doppelt so hoch wie beim Ursprungserreger. Auch britische Studien zeigen, dass sich die Delta-Variante 40 bis 60 Prozent leichter übertragen lässt als die ebenfalls aggressive Alpha-Variante aus Großbritannien.

Lest auch

Die Delta-Variante enthält außerdem Immunflucht-Mutationen, wodurch sie Antikörpern entkommen kann, die durch eine Impfung erzeugt werden. Deshalb breitet sich die Variante auch in Ländern aus, in denen bereits ein großer Teil der Bevölkerung mindestens eine Impfung erhalten hat. Die bisherige Datenlage zeigt, dass nur vollständig Geimpfte vor der neuen Virus-Variante weitgehend sicher sind. Personen, die nur eine Dosis des Corona-Vakzins erhalten haben, sind dagegen weniger geschützt und können sich erneut anstecken. So waren einer Studie zufolge in Großbritannien ein Drittel aller Personen, die sich mit dem Delta-Virus infizierten, bereits einmal geimpft. Allerdings bieten nach aktuellen Erkenntnissen alle hierzulande zugelassenen Impfstoffe nach einer vollständigen Impfung einen sicheren Schutz gegen die Delta-Variante.

Ob die Delta-Variante auch einen schwereren Krankheitsverlauf verursacht, ist noch nicht mit Sicherheit festgestellt. In Großbritannien kam es jedoch aufgrund der höheren Viruslast zu mehr Klinikeinweisungen. Die Hospitalisierungsrate lag demnach nach der Ausbreitung der Delta-Variante doppelt so hoch. Allerdings spielten hierbei auch die Vorerkrankungen der Patienten eine Rolle, wie in der Studie betont wird. Die Sterberate sei dagegen nicht automatisch angestiegen.

Woher kommt die Delta-Variante und wie weit ist sie schon in Deutschland verbreitet?

Um die Lage zu vereinfachen, wird im Allgemeinen von vier großen Corona-Varianten gesprochen, die alle griechische Buchstaben zur Identifikation erhielten. Die Alpha-Variante stammt ursprünglich aus Großbritannien und macht nach aktuellen Stichproben des RKI 74 Prozent der Neuinfektionen in Deutschland aus. Die Beta-Variante stammt aus Südafrika und ist für ein Prozent der Neuinfektionen in Deutschland verantwortlich, genauso wie die brasilianische Gamma-Variante. Die Delta-Variante wurde zuerst im Frühjahr 2021 in Indien nachgewiesen und breitete sich von hier stark aus. Nach Auswertung der Neuinfektionen aus der Woche vom 07. Juni zum 13. Juni sind 15 Prozent der Neuinfektionen auf die Delta-Variante zurückzuführen.

Die Anteile der vier Corona-Varianten an den Neuinfektionen in den jeweiligen Kalenderwochen.
Die Anteile der vier Corona-Varianten an den Neuinfektionen in den jeweiligen Kalenderwochen.

Robert Koch-Institut

Das RKI schreibt dazu: „Die aktuelle Verbreitung der Varianten in Deutschland zeigt, dass damit zu rechnen ist, dass die VOC B.1.617.2 (Delta) sich gegenüber den anderen Varianten, insbesondere auch gegenüber der dominierenden VOC B.1.1.7 (Alpha) durchzusetzen wird.“ Diese Entwicklung zeigte sich auch in Großbritannien, wo 90 Prozent der Infektionen mittlerweile auf die Delta-Variante zurückzuführen sind. Allerdings sinkt in Deutschland die Sieben-Tage-Inzidenz im Vergleich zu Großbritannien bisher weiter und liegt aktuell bei 6,6. Die sinkenden Fallzahlen sorgen daher auch automatisch dafür, dass sich der Anteil der Delta-Variante an den Neuinfektionen erhöht.

Aus Indien gibt es mittlerweile außerdem Berichte über eine neue Corona-Variante, die „Delta plus“ genannt wird. Der neue Erreger sei demnach mit einer zusätzlichen Mutation ausgestattet, die ihn noch aggressiver macht.

Lest auch

Parosmie: Warum für mich fast jeder Geruch ekelerregend ist – selbst ein Jahr nach meiner Covid-Erkrankung


Sophia Ankel

  • Zwei Monate, nachdem ich am Coronavirus erkrankt war, begann ich überall, wo ich hinging, eine Mischung aus Müll und Zwiebeln zu riechen.
  • Eine der Langzeitfolgen, an der ich leide, ist Parosmie. Darunter wird die partielle Verzerrung des Geruchssinns verstanden, die meist sehr unangenehm ist.
  • Einem Experten zufolge könnte es bis zu drei Jahre dauern, bis ich meine vollständige Geruchsfähigkeit wiedererlange.

Nachdem ich im März 2020 an Covid-19 erkrankte, war eines der ersten Symptome, die auftraten, der Verlust meines Geruchs- und Geschmackssinns. Es war eine völlig surreale Erfahrung. Zu dem Zeitpunkt, als ich meinen Geruchssinn verlor, war Anosmie noch nicht als offizielles Symptom einer Covid-19-Erkrankung gelistet. Das machte das Ganze noch verrückter. Drei Monate später begann ich langsam, einige Gerüche wieder wahrzunehmen. Ich war überglücklich. Allerdings war mein Geruchssinn verändert und ist seitdem nicht mehr wie vor der Infektion.

Seit nun mehr als einem Jahr wird meine Nase von etwas geplagt, das ich den „Covid-Geruch“ nenne. Diesem „Covid-Geruch“ entspricht nichts, was ich jemals zuvor wahrgenommen habe. Wenn ich ihn in Worte fassen müsste, würde ich ihn als eine Mischung aus Müll, rohen Zwiebeln und verschwitzten Achselhöhlen beschreiben. Im wissenschaftlichen Fachjargon wird diese Störung des Geruchssinns als Parosmie bezeichnet, „eine Veränderung des Geruchssinns, die in der Regel unangenehm ist und durch eine Schädigung der olfaktorischen Neuronen im Nervenzentrum verursacht wird“, so die Beschreibung auf der US-amerikanische Gesundheitswebseite Health.com.

Das Leben mit dieser Begleiterscheinung ist unglaublich frustrierend. Es hat meinen Alltag massiv beeinflusst. Einst liebte ich die Aromen von Zwiebeln und Knoblauch, die sich in der Küche verbreiteten, wenn man sie anbriet. Heute ist das nicht mehr so. Heute bringe ich die Gerüche nur noch mit der Infektion in Verbindung. Genauso wie Kaffee. Der angenehme Duft am Morgen, wenn die ersten Sonnenstrahlen die Küche erleuchten — auch das riecht für mich nur nach Covid. Ein riesiger Rosenbusch — romantisch und reizend? Nein, für mich riecht er nach Covid. Von allem am schlimmsten ist jedoch für mich, dass ich den Geruch meines Partners ebenfalls mit Covid in Verbindung bringe.

Der Geruch hat mein Leben verfälscht. Ich kann mich zwar glücklich schätzen, keine schwerwiegenderen und langwierigen Covid-Symptome zu haben, denn mehr als zwei Millionen Erwachsene Menschen in England haben zwölf Wochen nach der Infektion mit dem Virus entweder immer noch Atemprobleme oder leiden an müdigkeitsbedingten Symptomen. Dennoch waren die Erkrankung und der Geruchsverlust alles andere als einfach. Zum Glück weiß ich, dass ich mit dieser Nachwirkung nicht alleine bin. Das gibt mir Trost.

Mit Parosmie ist nicht zu spaßen

Viele Menschen, die aufgrund einer Corona-Infektion ebenfalls von Parosmie betroffen sind, haben ihre Erfahrungen öffentlich geteilt. Eine Frau erzählte gegenüber der New York Times, dass sie sich in Therapie begab, nachdem ihre Parosmie es unerträglich machte, ihren Partner zu küssen. Eine andere Frau erzählte, sie könne kein Essen mehr kochen, ohne sich übergeben zu müssen, so der Nachrichtensender BBC.

Die genaue Anzahl der Menschen, die aufgrund einer Covid-Erkrankung von Parosmie betroffen sind, ist nicht bekannt. Eine im Juli 2020 veröffentlichte Studie ergab jedoch, dass sich 89 Prozent der Menschen, die im Zuge einer Covid-Infektion an Geruchsverlust litten, innerhalb von vier Wochen erholten und sich der Geruchssinn anschließend vollständig zurückbildete. Die restlichen elf Prozent berichteten von einem anhaltenden Geruchsverlust oder Parosmie darüber hinaus. Eine weitere Studie, die im Februar 2021 veröffentlicht wurde, ergab, dass von den 47 Prozent der Covid-19-Erkrankten, die über eine Veränderung ihres Geruchs- oder Geschmackssinn berichteten, etwa die Hälfte an Parosmie litt.

„Wenn Nahrungs- und Lebensmittel Menschen anwidern, kann das zu einem großen Problem werden“, erklärte mir Carl Philpott von der University of East Angklia’s Norwich Medical School. „Aus ernährungspsychologischer Sicht kann das zu einem enormen ungewollten Gewichtsverlust führen. Ebenso kann es zu Depressionen und Gefühlen der Isolation führen.“ Philpott gründete die Smell and Taste Clinic am James Paget University Hospital in Great Yarmouth, England. Die Klinik ist eine Einrichtung des staatlichen Gesundheitssystems Großbritanniens, dem National Health Service. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung helfen den Betroffenen dabei, mit Anosmie oder Parosmie zu leben. Neben der Arbeit mit den Patientinnen und Patienten wird das Symptom des Verlusts des Geruchs- und Geschmackssinns in der Einrichtung wissenschaftlich untersucht.

Es gibt Anlass zur Hoffnung. Eine neue Studie, die vergangenen Monat veröffentlicht wurde, ergab, dass der Verlust des Geruchssinns aufgrund von Covid-19 definitiv vorübergehend ist. 90 Prozent der Betroffenen erhalten ihren Geruchssinn innerhalb einiger Wochen nach der Infektion vollständig zurück. Bei den restlichen zehn Prozent kann es bis zu drei Jahre dauern. „Für Menschen, die so langanhaltende Verzerrungen erleiden, gibt es einen Erklärungsansatz. Möglicherweise ist das Virus weiter in das Gehirn der erkrankten Personen vorgedrungen als bei denjenigen, die nicht diese langanhaltende Symptomatik erleben“, erklärte mir Philpott. Diese Theorie basiert weitgehend auf Obduktionsstudien und früheren Forschungen zum SARS-Virus.

Riechtraining kann bei der Genesung helfen

Bislang gibt es keine konkrete Behandlung für Parosmie. Allerdings gebe es eine Möglichkeit, die Genesung zu beschleunigen, erklärte Philpott. Es ist demnach möglich, die Nase einem Geruchstraining zu unterziehen. Durch Geruchstraining wird die Parosmie zwar nicht geheilt, aber es ist eine Form der Physiotherapie für die Nase. Das Training beinhaltet, dass ihr mit verschiedenen Gerüchen arbeitet, um die Nerven in der Nase, die für die Geruchswahrnehmung verantwortlich sind, zu stimulieren und zu verstärken.

Vorangegangene Studien zeigten einen klaren Zusammenhang zwischen der Geruchstherapie und der Genesung dank der Gerüche von Klee, Eukalyptus, Zitrone und Rosen. „Der bisherige Verlauf zeigt, dass es sehr wahrscheinlich mit der Zeit besser wird“, beruhigte mich Philpott. Seit fast einem Jahr lebe ich nun mit einem gestörten Geruchssinn. Es ist zwar ungewiss, wie lange meine Parosmie noch anhalten wird, aber eins weiß ich: Ich freue mich schon jetzt auf den ersten Morgen, an dem ich meine Tasse Kaffee trinken kann, ohne den Atem anhalten zu müssen.

Dieser Artikel wurde von Julia Knopf aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.

Curevac-Impfstoff enttäuscht mit nur 48 Prozent Wirksamkeit – Bundesregierung plant mit anderen Lieferfirmen

Home » Politik » Deutschland »

Curevac-Impfstoff enttäuscht mit nur 48 Prozent Wirksamkeit – Bundesregierung plant mit anderen Lieferfirmen

  • Profielfoto Business Insider Deutschland


Giovanni Cancemi/Shutterstock

Auch die finalen Daten zur Wirksamkeit des Impfstoffkandidaten von Curevac aus Tübingen sind enttäuschend. Sie zeigen insgesamt eine deutlich geringere Wirksamkeit als andere Impfstoffe. Das Zulassungsverfahren läuft trotzdem weiter.

Die Daten für die über 60-Jährigen innerhalb der Studie waren nicht ausreichend, um eine Wirksamkeit bestimmen zu können, teilte eine Sprecherin des Unternehmens mit.

Die Bundesregierung hatte den Curevac-Impfstoff ursprünglich für die Impfkampagne eingeplant. Zuletzt rechnete das Gesundheitsministerium aber nicht mehr mit Lieferungen des Unternehmens.

Der Corona-Impfstoffkandidat des Tübinger Unternehmens Curevac zeigt laut den Ergebnissen der finalen Analyse eine Wirksamkeit von 48 Prozent gegen eine Covid-19-Erkrankung über alle Altersgruppen hinweg. Das teilte Curevac am späten Mittwochabend in Tübingen mit. In der Mitte Juni veröffentlichten Zwischenanalyse war von einer vorläufigen Wirksamkeit von 47 Prozent gegen eine Covid-19-Erkrankung „jeglichen Schweregrades“ die Rede gewesen. Damit ist der Impfstoff insgesamt deutlich weniger wirksam als andere Impfstoffe. Die Daten der Zwischenanalyse hatten für einen deutlichen Rückgang des Börsenkurses und Enttäuschung bei Politikern gesorgt.

In der Altersgruppe zwischen 18 und 60 Jahren zeigte der Impfstoff laut der Mitteilung eine Wirksamkeit von 53 Prozent gegen eine Erkrankung jeglichen Schweregrades und eine Wirksamkeit von 77 Prozent gegen einen moderaten und schweren Krankheitsverlauf. Einen vollständigen Schutz gab es in dieser Altersgruppe vor einem Krankenhausaufenthalt oder Tod. „Die Daten für die über 60-Jährigen innerhalb der Studie waren nicht ausreichend, um eine Wirksamkeit bestimmen zu können“, sagte Curevac-Sprecherin Sarah Fakih.

Curevac wird an diesem Donnerstag um 10 Uhr in einer Pressekonferenz detailliert über die Ergebnisse der zulassungsrelevanten Studie berichten. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA in Amsterdam hatte im Februar ein schnelles Prüfverfahren für den Impfstoff der Tübinger Firma gestartet. „Wir haben die Daten mit der EMA geteilt. Das rollierende Verfahren wird fortgesetzt mit Hinblick auf eine Zulassung des Impfstoffs“, erklärte Fakih.

Bundesregierung rechnete bereits nicht mehr mit einer Lieferung des deutschen Unternehmens

In der finalen Analyse wurden insgesamt 228 bestätigte Covid-19-Fälle über 15 aufgetretene Virusstämme hinweg untersucht. Von den 228 Fällen wurden 204 sequenziert, um zu identifizieren, welche Variante die Infektion verursacht hatte. In rund 86 Prozent der Fälle waren dies sogenannte besorgniserregende Varianten (51 Prozent) und Varianten von besonderem Interesse (rund 35 Prozent). An der Studie hatten rund 40.000 Probanden in zehn Ländern in Lateinamerika und Europa teilgenommen.

Die Bundesregierung hatte den Curevac-Impfstoff ursprünglich für die Impfkampagne eingeplant. Zuletzt rechnete das Gesundheitsministerium aber nicht mehr mit Lieferungen des Unternehmens. An Curevac ist auch der Bund indirekt über die KfW zu 16 Prozent beteiligt. Auf diese Weise wollte Berlin das Unternehmen gegen eine mögliche Übernahme aus dem Ausland absichern. Den größten Anteil am Unternehmen hält der SAP-Mitbegründer und Investor Dietmar Hopp. Das Präparat des Tübinger Unternehmens Curevac ist ein sogenannter mRNA-Impfstoff – wie die von Biontech/Pfizer (Deutschland/USA) und Moderna (USA). cri/dpa

Aktuelle News

Maas hebt Reisewarnung für mehr als 80 Corona-Risikoländer auf – die Deutschen bleiben beim Corona-Urlaub skeptisch

Touristen machen ein Foto vor dem Brandenburger Tor. Deutschland hebt seine Reisewarnung auf.
Touristen machen ein Foto vor dem Brandenburger Tor. Deutschland hebt seine Reisewarnung auf.

Getty Images/Maja Hitij

Die Ausbreitung der Delta-Variante in Europa trübt die Urlaubsaussichten der Deutschen. Trotzdem lockert die Bundesregierung die Reisebestimmungen weiter.

Reisen in die typischen Sommerurlaubsländer wie Türkei oder Kroatien sind damit wieder möglich. Der Schritt ist wegen der Ausbreitung der Delta-Variante umstritten.

Einer aktuellen Umfrage zufolge lehnt eine Mehrheit in der Bevölkerung das Reisen noch ab.

Nach mehr als einem Jahr Corona-Pandemie rät die Bundesregierung ab Donnerstag nicht mehr grundsätzlich von touristischen Reisen ins Ausland ab. Auch die Reisewarnung für die mehr als 80 ganz oder teilweise als Corona-Risikogebiete eingestuften Staaten wird aufgehoben. Darunter ist die gesamte Türkei sowie Urlaubsgebiete in Spanien und Kroatien. Der Schritt ist wegen der Ausbreitung der Delta-Variante umstritten. Einer aktuellen Umfrage zufolge trifft er in der Bevölkerung auf Ablehnung.

Der zuständige Außenminister Heiko Maas verteidigt ihn aber. „Die Zeit der Pauschalbeurteilungen muss vorbei sein“, sagte der SPD-Politiker bereits am Dienstag. „Dort, wo es positive Entwicklungen gibt, gibt es auch keinen Grund, Restriktionen aufrechtzuerhalten.“ Maas hatte zu Beginn der Pandemie am 17. März 2020 eine weltweite Reisewarnung für Touristen ausgesprochen. Hintergrund war, dass damals viele Urlauber wegen der plötzlichen Kappung von Flugverbindungen im Ausland gestrandet waren und in einem beispiellosen Kraftakt nach Deutschland zurückgeholt werden mussten. Im September wurde die Warnung dann auf Corona-Risikogebiete mit einer Infektionszahl von mehr als 50 pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen (7-Tage-Inzidenz) beschränkt. Aber auch für alle nicht als Risikogebiete eingestuften Länder riet die Bundesregierung bis zu diesem Mittwoch weiter von Urlaubsreisen ab. Damit ist jetzt Schluss. Ab Donnerstag gibt es in den Reisehinweisen des Auswärtigen Amts drei Kategorien von Ländern.

Eine tatsächliche Reisewarnung gilt nur noch für 40 Länder

Die Reisewarnung gilt erst ab einer Inzidenz von 200 (Hochinzidenzgebiete) und für Gebiete, in denen sich gefährliche Virusvarianten stark verbreitet haben (Virusvariantengebiete). Das sind weltweit nur 40 von insgesamt rund 200 Ländern. In Europa gibt es gar keine Hochinzidenzgebiete mehr. Nur Großbritannien und Portugal sind derzeit noch als Virusvariantengebiet eingestuft.

Eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts soll vor allem abschreckende Wirkung haben. Vor Corona wurde sie nur für Kriegs- und Krisengebiete wie Syrien, Jemen oder den Gaza-Streifen ausgesprochen. Die praktischen Auswirkungen sind aber begrenzt. Urlaubern ermöglicht die Reisewarnung vor allem eine kostenlose Stornierung von Buchungen.

In 26 Ländern gilt noch das Motto „besondere Vorsicht“

Für 30 Länder – alle EU-Länder außer Deutschland sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz – gilt folgende Regelung: Soweit sie nicht mehr als Risikogebiet eingestuft sind, wird in den Reisehinweisen des Auswärtigen Amts nur noch „um besondere Vorsicht gebeten“. Das betrifft 26 Länder. Ausgenommen sind einzelne Regionen in Spanien, Irland, Kroatien und Schweden, die weiterhin als Risikogebiete eingestuft sind. Für sie rät das Auswärtige Amt weiter von Reisen ab. Darunter sind beispielsweise das südspanische Andalusien und die kroatische Küstenregion Zadar.

Zwischen diesen beiden Kategorien gibt es weit mehr als 100 weitere Länder außerhalb der EU, die entweder Risikogebiete sind oder als „risikofrei“ gelten. Für die meisten dieser Länder rät das Auswärtige Amt von Reisen ab. Eine Ausnahme gibt es nur, wenn einer dieser Drittstaaten Land nicht als Risikogebiet eingestuft ist und dort keine Einreisebeschränkungen oder Quarantänepflichten für Deutsche gelten. Dann gilt nur der Rat zur besonderen Vorsicht.

Bundesregierung entschied schon vor der Delta-Ausbreitung

Die Entscheidung für die Neustrukturierung der Reisehinweise fiel schon vor knapp drei Wochen, als die Ausbreitung der Delta-Variante in Deutschland noch nicht so heiß diskutiert wurde. „Mit dem Sommer kehren Hoffnung und Zuversicht nach Deutschland zurück“, sagte Maas damals. Er betonte aber auch, dass es keine Einladung zur Sorglosigkeit sei. „Reisen mit Vernunft und Augenmaß, das ist das Motto dieses Sommers. Die Gefahr durch das Virus und seine Mutanten ist noch lange nicht gebannt.“

Das haben auch die letzten Wochen nach der Entscheidung gezeigt, in der mehrere Ländervertreter für striktere Kontrollen von Tests, Impf- und Genesenennachweisen eingetreten sind. In der Bevölkerung kommt die Aufhebung der Reisewarnungen für Risikogebiete auch nicht besonders gut an. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur nannten 48 Prozent diesen Schritt falsch. Nur 38 Prozent halten ihn für richtig. 14 Prozent machten keine Angaben.

Lest auch

Eine Frau sitzt am Flughafen und checkt ihr Smartphone

Große Unterstützung gibt es dagegen mit 71 Prozent für die Testpflicht für alle Flugpassagiere bei Einreise nach Deutschland. Nur 14 Prozent meinen, sie sollte für die Länder und Regionen abgeschafft werden, die keine Risikogebiete mehr sind. 10 Prozent sind dafür, sie ganz abzuschaffen.

Eine harte Linie will die Bundesregierung aber weiter bei den Virusvariantengebieten wie Portugal und Großbritannien fahren und auch andere EU-Länder dafür gewinnen. „Die Gespräche auf europäischer Ebene über einheitlichere Regeln laufen“, sagte Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) in einem Interview der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft sowie der „Stuttgarter Zeitung und Nachrichten“ (Donnerstag). „Die Bundesregierung setzt sich dabei für ein Beförderungsverbot ein – aus Variantengebieten einreisen dürfte dann nur noch, wer einen außergewöhnlich wichtigen Grund dafür hat, Tourismus zählt nicht dazu.“ cri/dpa

Lest auch

Corona-Tests im Wahlkampf: Berliner SPD-Senatorin schließt den Schnelltest-Bus eines CDU-Politikers

Home » Politik » Deutschland »

Corona-Tests im Wahlkampf: Berliner SPD-Senatorin schließt den Schnelltest-Bus eines CDU-Politikers

  • Profielfoto Business Insider Deutschland

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei der Eröffnung des Corona-Schnelltestbusses des CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Heilmann
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei der Eröffnung des Corona-Schnelltestbusses des CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Heilmann

Kay Nietfeld/picture alliance via Getty Images

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Heilmann hat in Berlin einen Wahlkampfbus als Corona-Schnelltestzentrum zur Verfügung gestellt. Zur Eröffnung des Busses war sogar Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gekommen.

Nun musste Heilmanns Testbus schließen. Berlins Gesundheitsministerin Dilek Kalayci (SPD) sprach von „parteipolitischem Missbrauch“ der Bürgertests.

Heilmann sagte dazu auf Anfrage von Business Insider: „Das Verbot ist eine kreative Erfindung der Senatsverwaltung“.

Die Überprüfung von Corona-Teststellen trifft erstmals einen prominenten Politiker: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Heilmann (CDU) muss eine von ihm gemeinsam mit einer Apotheke in Berlin eingerichtete Corona-Schnellteststation wieder schließen. Das verkündete am Donnerstag die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD).

Heilmann hatte der Stadtapotheke Zehlendorf einen mit CDU-Logo, seinem Namen und seinem Gesicht folierten Wahlkampfbus zur Verfügung gestellt, um darin Corona-Schnelltests vorzunehmen. Zur Eröffnung des Busses in der vergangenen Woche war auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gekommen. Spahn sagte dabei: „Dass der Wahlkampf von der Pandemie geprägt ist, war uns klar. Aber das hier ist eine besondere Symbiose und in diesem Fall auch mit etwas sehr sinnvollem verbunden, nämlich mit dem Testen.“

Genau diese Symbiose erzürnt Kalayci. „Was mir missfallen hat, ist der parteipolitische Missbrauch dieser Testmöglichkeiten“, sagte Kalayci im Berliner Abgeordnetenhaus. „Bürgertesten heißt, dass die Stelle politisch, religiös neutral sein muss. Wenn auf dem Bus ,Heilmann‘ steht, dann ist diese Teststelle nicht neutral“, so die Gesundheitssenatorin. „Und deswegen hat diese Apotheke diese Zertifizierung nicht mehr.“

Patienten durch Politik verschreckt? Warum die „Teststation Heilmann“ ihre Zertifizierung verlor

In der Begründung für den Entzug der Zertifizierung der „Teststation Heilmann“, die dem „Tagesspiegel“ vorliegt, heißt es, es sei „schon immer ein Thema, ob der Bus mit der Wahlwerbung von Herrn Heilmann zu Wahlkampfzwecken eingesetzt wird oder nicht.“

Bei der Zertifizierung von Teststellen werde darauf geachtet, dass niemand durch religiöse, politische oder weltanschauliche Gründe vom Besuch einer Teststelle abgehalten werde. Heilmann und die Stadtapotheke Zehlendorf hätten dieses Prinzip „offensichtlich missachtet“. Deshalb sei die Zertifizierung mit sofortiger Wirkung entzogen worden.

Heilmann sagte dazu auf Anfrage von Business Insider: „Das Verbot ist eine kreative Erfindung der Senatsverwaltung. Eigentlich bräuchte es dafür eine rechtliche Grundlage, doch die gibt es schlicht nicht.“ Es sei bedauerlich, dass den Bürgern eine Möglichkeit zum Testen genommen wurde. „Ich halte die Begründung für die Schließung nicht für schlüssig“, sagte Heilmann. „Wer ein Problem damit hat, dass mein Name auf dem Testbus steht, der muss ja nicht dort hingehen.“

Tatsächlich findet sich in der Corona-Test-Verordnung der Bundesregierung kein Passus, der Teststationen politische Neutralität vorschreibt. Ein Sprecher des Senats in Berlin konnte auf Nachfrage zunächst auch keine entsprechende Regelung oder Verordnung der Stadt Berlin zitieren.

jg/th

Aktuelle News

Este sitio web utiliza cookies para que usted tenga la mejor experiencia de usuario. Si continúa navegando está dando su consentimiento para la aceptación de las mencionadas cookies y la aceptación de nuestra política de cookies, pinche el enlace para mayor información.

ACEPTAR
Aviso de cookies