#Gastbeitrag – New Work, New Me und das We?

New Work wurde als Konzept lange Zeit diskutiert und in der Praxis wenig erprobt. Auch weil viele Führungskräfte sich “die Arbeit der Zukunft” nicht vorstellen konnten, Angst vor Kontrollverlust und schlechter Performance ihrer Teams hatten. Dann kam die Pandemie und damit war klar: Es wird einfach weitergearbeitet und das Home Office ist kein Produktivitätskiller. Probleme macht jetzt etwas ganz anderes: Die sozialen Bindungen in den Unternehmen brechen weg und gefährden den Unternehmenserfolg.

Gekommen, um zu bleiben: die Arbeit der Zukunft

Als der New Work-Erfinder Frithjof Bergmann bereits in den 60er Jahren darüber nachdachte, was Menschen brauchen, um sich bei der Arbeit frei zu fühlen, kam er zu dem Schluss, dass es vor allem auf Selbstbestimmung und persönliche Identifikation ankommt. Die flexible Wahl des Arbeitsplatzes haben viele Mitarbeitende schätzen gelernt. Alleine in Deutschland gehen laut einer Fraunhofer Studie 60 % der befragten deutschen Arbeitnehmenden davon aus, dass ihr Arbeitgeber dies zukünftig ermöglichen wird. Was bei der Diskussion um Home Office, Remote Work und hybride Teams jedoch zu kurz kommt, ist der Punkt der persönlichen Identifikation. Dem New Work-Vordenker Bergmann ging es dabei vor allem um die Inhalte der Tätigkeit, diese sollen vom Mitarbeitenden als möglichst sinnstiftend eingeschätzt werden. Mindestens genauso wichtig ist der Aspekt der sozialen Identifikation, also das Zugehörigkeitsgefühl zum Arbeitgeber sowie zum eigenen Team. Leider sieht es da gar nicht gut aus.

Einsamkeit. Ist das der Preis der Freiheit?

Viele Unternehmen stecken in einer Krise des fehlenden Gemeinschaftsgefühls. Laut einer Studie, die Arbeitnehmende in UK, Frankreich und Deutschland befragte, haben sich die sozialen Bindungen am Arbeitsplatz in vielen Teams mindestens gelockert, manchmal sogar ganz aufgelöst. Über die Hälfte (51%) der Befragten spürt kein Zugehörigkeitsgefühl mehr, fast jede:r Zweite (44%) fühlt sich mit den Kolleg:innen nicht mehr verbunden und fast jede:r Dritte (27%) pflegt keine Freundschaften im Team. Diese Entwicklung gefährdet den Unternehmenserfolg. Denn fehlende soziale Bindungen am Arbeitsplatz führen zu reduzierter Leistung, depressiven Symptomen und einer schlechten psychischen Verfassung der Mitarbeitenden insgesamt. Was also tun? Doch alle wieder zurück ins Office?

Back-to-Office ist nicht die Lösung

Manche CEOs haben es genau mit diesem Argument versucht: “Kommt zurück in die Büros, damit der kollegiale Austausch nicht verloren geht”. An sich eine gute Idee, aber auf Zwang reagieren viele Arbeitnehmende inzwischen mit Quiet Quitting oder gleich der Suche nach einem neuen, flexibleren Arbeitsplatz. Mitarbeitende, die den Austausch an der Kaffeemaschine vermissen, werden freiwillig zurückkehren. Vor allem, wenn der Kaffee gut ist. Aber es gibt noch mehr Möglichkeiten, wie Unternehmen das Teamgefühl wieder stärken können.

Biography Sharing: Mit wem arbeite ich eigentlich zusammen?

New Work war schon immer mehr als Home Office oder Vier-Tage-Woche. Das Konzept kommt mit einigen spannenden Methoden, die sich Führungskräfte zu Nutze machen können, damit sich Mitarbeitende wieder zugehöriger fühlen, beispielsweise mit dem Biography Sharing. Im Rahmen dieses Formats plaudern Mitarbeitende aus dem Nähkästchen, erzählen aus ihrer Kindheit und teilen die prägendsten Erfahrungen. Das führt nicht nur zu mehr Gemeinschaftsgefühl, sondern auch zu mehr Verständnis füreinander. Plötzlich werden manche Verhaltensweisen und Eigenheiten nachvollziehbarer und die Möglichkeit, nachsichtiger miteinander umzugehen, ist realistischer. Außerdem macht so viel Offenheit verletzlich und das schweißt zusammen. Natürlich ist es möglich, diesen Austausch digital zu organisieren, aber persönlich entfaltet das Gespräch noch mehr Kraft. Das wissen auch Büromuffel, die mit solchen Konzepten wieder ins Büro gelockt werden können.

Persönliche Check-ins: Auf jede:n Einzelnen kommt es an.

Ein Gefühl von Zugehörigkeit entsteht, wenn Menschen merken, dass sie gesehen werden und es eine Rolle spielt, wie es ihnen gerade geht. Deshalb sind regelmäßige Check-ins, am besten persönlich, besonders wichtig. Ein ehrliches “Was beschäftigt dich gerade?” kann einen großen Unterschied machen. Entscheidend ist, dass die Frage ernst gemeint ist und es den Raum für ehrliche Antworten gibt. Mitarbeitende spüren sofort, ob es wirklich gewünscht und sicher ist, sich mitzuteilen. Höflicher Smalltalk schafft keine Verbindung, Offenheit hingegen fördert das Vertrauen und die Nähe im Team, untereinander und auch jeweils zu den Vorgesetzten. Umso wichtiger, dass sich Führungskräfte das zu Herzen nehmen und sich für ein solches Gespräch Zeit nehmen. Das muss nicht immer geplant sein und kann informell an der Kaffeemaschine stattfinden, sollte sich aber nicht immer nur aufs Office beschränken. Hier sind Führungskräfte gefragt, das Umfeld für einen echten Austausch zu schaffen, beispielsweise im Rahmen eines Team Offsites. Für den Erfolg eines Team Offsites ist es entscheidend, gemeinsam klare Ziele zu definieren, die allen bekannt sind und den Rahmen für das Offsite bilden. Die Auswahl eines passenden Ortes, der alle Bedürfnisse berücksichtigt, und ein flexibles, zielorientiertes Programm fördern die Beteiligung und Motivation. Teambuilding-Aktivitäten stärken den Zusammenhalt, während klar kommunizierte Erwartungen und unterhaltsame Pausen das Engagement hochhalten. Ganz wichtig: Am Schluss ist eine Evaluierung des Offsites unerlässlich, um zukünftige Events zu optimieren.

Hey Buddy: Eine:n persönliche:n Ansprechpartner:in für alle Neuen.

Wer neu im Team ist, fühlt sich natürlich erst recht nicht zugehörig. Das ist ganz normal, aber nicht weniger belastend. Um diese, vor allem für viele junge Mitarbeitende verwirrende Phase angenehmer zu gestalten, ist es sinnvoll, ein Buddy-System zu etablieren. Das sind erfahrene Kollegen und Kolleginnen auf der gleichen Hierarchiestufe, die man in den ersten Wochen alles fragen kann. Dadurch wird vieles leichter, aber vor allem wird die Teamkultur greifbarer. Finden die Buddy-Treffen dann auch noch persönlich statt, ist die Chance hoch, dass sich die Neuen schon nach kurzer Zeit gut aufgenommen und zugehörig fühlen.

Zugehörigkeit ist kein Luxus, sondern entscheidend für den Unternehmenserfolg

Investieren Unternehmen in Maßnahmen, die soziale Bindungen im Team stärken, zahlt sich das sofort aus: Die Produktivität steigt um 56 % , die Fluktuationsrate sinkt deutlich (50 %) und die Krankheitstage gehen ebenfalls enorm zurück (75 %). Zugehörigkeit ist deshalb kein Luxus, sondern sollte von Führungskräften ernst genommen werden. Dabei passt nicht jede Maßnahme zu jedem Team. Es braucht Mut, manches auszuprobieren, Ausdauer das neue Gemeinschaftsgefühl zu etablieren und die Einsicht, dass der persönliche Austausch durch kein noch so cleveres digitales Tool zu ersetzen ist.

Über die Autorin


Inga Mende ist Co-Gründerin und CEO von cloopio, der Buchungsplattform für Company Events & Offsites.

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Foto (oben): Bing Image Creator – DALL·E 3 

Warum ihr Ausrufezeichen und Emojis bei der Arbeit verwenden solltet

Manchmal können Texte ohne Emojis von anderen falsch verstanden werden. (Symbolbild)

Manchmal können Texte ohne Emojis von anderen falsch verstanden werden. (Symbolbild)

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Die meisten Menschen haben das Bedürfnis, bei Nachrichten an Kollegen noch ein „Extra“ einzufügen, zum Beispiel Emojis oder Ausrufezeichen.

Das Phänomen nennt sich „Slack-Splaining“, also der Wunsch, seine Nachrichten in den richtigen Kontext zu setzen und Emotionen zu transportieren.

Auch wenn das tatsächlich psychisch sehr anstrengend sein kann, ist es trotzdem gut, sagen Forscher – es zeigt, dass ihr euch Gedanken darüber macht, wie es euren Teammitgliedern geht und was sie über euch denken.

Hiiii!!! 😀

Alles in Ordnung!? Es war eine lange Woche, lol!!! 🤣🤪

Wann glaubst du, bist du mit dem Projekt durch?

Aber mach dir keinen Stress 👍

Falls du Hilfe brauchst, sag Bescheid!

Du packst das!!! 💪

Wir alle tun es – wir können gar nicht anders. Überspitzte Nachrichten mit übertriebenen Satzzeichen und reichlich Emojis gehören heute zum Standard im Homeoffice wie stinkende Essensreste im Bürokühlschrank im Jahr 2019.

Willkommen in der seltsamen, anstrengenden und weit verbreiteten Welt vom sogenannten

„Slack-Splaining“ . Das Kofferwort – zusammengesetzt aus der Messenger-App Slack und dem englischen explaining (erklären, Anm. d. Red.) – beschreibt übergenaue Nachrichten, meist mit Emojis versehen, um ja nicht falsch verstanden zu werden beim Schreiben mit Kollegen.

Psychisch anstrengend, aber sinnvoll

Bei einer Umfrage unter rund 3.000 Mitarbeitern in den USA und Großbritannien gaben 97 Prozent der Befragten an, dass sie das Bedürfnis haben, in der digitalen Kommunikation etwas hinzufügen zu müssen. Das können extra Sätze, zusätzlicher Zeichensetzung und Emojis sein, um Ton und Bedeutung der Nachricht zu verdeutlichen.

Es mag harmlos erscheinen – ein paar Ausrufezeichen hier, ein Smiley dort –, aber Experten sagen, dass Slack-Splaining psychisch ziemlich anstrengend sein kann. Das liegt zum großen Teil an der schieren Anzahl der digitalen Nachrichten, mit denen wir während des Arbeitstages konfrontiert werden.

Ein Bericht von Zapier aus dem letzten Jahr ergab, dass 90 Prozent der Arbeitnehmer bis zu fünf Stunden pro Tag auf Messenger-Apps wie Slack und Microsoft Teams damit verbringen. „Das ist sicherlich nicht gerade hilfreich bei sozialen Ängsten“, sagt Aditi Paul, Assistenzprofessorin an der Pace University, deren Forschung sich auf den Einfluss der Technologie auf die zwischenmenschliche Kommunikation konzentriert.

Laut Paul und anderen Experten ist die endgültige Abschaffung von Slack-Splaining jedoch keine Lösung, da es klare Vorteile hat, mehr an andere zu denken.

Der richtige Punkt liegt ihrer Meinung nach an der Schnittstelle zwischen Empathie und Authentizität – Rücksichtnahme auf die Teammitglieder, während man sich selbst treu bleibt. Neigt man sich zu sehr in eine der beiden Richtungen, erhöht sich das Risiko von Burnout und Abschottung bei sich selbst und anderen.

„Die Umsetzung eurer Gedanken in eine schriftliche Mitteilung ist etwas ganz anderes als das Aussprechen von Worten in einem Meeting“, so Paul. „Man muss seine Botschaft durchdenken, den Kontext berücksichtigen und sich vorstellen, wie sie letztendlich interpretiert werden wird. All diese Mikrokalkulationen machen einen komplizierten und anstrengenden Prozess aus. Das fordert uns natürlich einiges ab.“

Warum wir Slack-Splaining betreiben

Als die meisten im März 2020 ins Home Office wurden, wurde fast die gesamte Kommunikation quasi über Nacht digital. Seitdem ist Remote- oder Hybridarbeit für die Mehrheit der Büroangestellten zum Standard geworden. Laut den von Kastle Systems erfassten Magnetkartendaten sind nur etwa 43 Prozent der Belegschaft ins Büro zurückgekehrt – und viele Arbeitnehmer haben nicht vor, dies in nächster Zeit zu tun.

Der Mangel an persönlichen Kontakten mit Kollegen erschwert die Entwicklung eines natürlichen Kommunikationsrhythmus.

Fragt zum Beispiel Natalie Bartels, eine 31-jährige PR-Managerin in San Diego. Bartels, die ein zehnköpfiges Team leitet, das über das ganze Land verteilt ist, sagt, dass sie bei der Arbeit ein „Slack-Ego“ erfinden musste. Dieses unterscheidet sich deutlich von ihrem Verhalten im wirklichen Leben, weil sie normalerweise dazu neigt, „sarkastisch und trocken“ zu sein.

Bartels sagt, sie mache sich oft Sorgen, dass ihre Slack-Nachrichten an ihre Teammitglieder missverstanden werden könnten, also „peppt sie sie mit Emoji und Ausrufezeichen auf“, um sicherzustellen, dass sie nicht übermäßig negativ rüberkommen. „Ich muss sicherstellen, dass ich nett klinge“, sagt sie.

Ihr Impuls ist ein freundlicher, aber das macht es nicht weniger anstrengend. Sie hat ihre Kollegen erst selten persönlich getroffen. „Ich muss an die Gefühle meiner Teammitglieder denken – wenn jemand einen schlechten Tag hat, möchte ich nicht, dass eine Slack-Nachricht von mir der Grund dafür ist, dass er sich aufregt“, sagte sie. „Aber es ist auch sehr anstrengend, ständig daran denken zu müssen.“

Laut Jeanine Turner, Professorin an der Georgetown University in Washington, D.C., versuchen wir ständig, das, was uns im realen Leben fehlt, in unser digitales Leben zu übertragen.

Wenn wir physisch mit anderen Menschen zusammen sind, kommunizieren wir sowohl verbal als auch nonverbal durch unsere Mimik, Körpersprache, unseren Tonfall und die Bewegung in einem Raum, sagte sie. In einer Umgebung, in der es keine visuellen Hinweise mehr gibt – E-Mail, SMS und Slack – haben wir das Bedürfnis, das Gesagte zu ergänzen.

„Im persönlichen Gespräch könnte man sagen: ‚Was für eine großartige Idee‘, und man würde lächeln, sich nach vorne lehnen und die Begeisterung in der Stimme hören“, sagte sie. „Die Herausforderung auf Slack besteht darin, die gleiche Begeisterung mit auf dem Rücken gefesselten Händen zu vermitteln. Wenn ihr ‚toll‘ oder ‚gut‘ sagen, ohne ein Ausrufezeichen oder ein lächelndes Emoji, könnte die andere Person denken: ‚Ist das jetzt sarkastisch gemeint?’“

Der Vorteil von Slack-Splaining

Ja, Slack-Splaining erfordert zusätzlichen Aufwand. Und es ist ein gewisses Maß an Nachdenken und psychologischem Hinterfragen erforderlich. Aber es sei alles zum Besten, so Turner. Je weniger man eine Person kennt, desto mehr muss man sich anstrengen, um seine Meinung zu vermitteln. Wie soll man sonst seine Persönlichkeit zum Ausdruck bringen, wenn man so wenig persönlichen Kontakt zueinander hat?

„Im Homeoffice können sich die Beziehung gar nicht anders entwickeln“, sagt sie. „Ohne die Möglichkeit, jemanden bei der Happy Hour oder bei einem Stück Geburtstagskuchen in der Büroküche kennenzulernen, muss man Beziehungen über Slack und E-Mail aufbauen.“

Darüber hinaus hat das Phänomen laut Experten auch eine positive Seite. Der Drang zum Slack-Splaining zwingt uns, mit Klarheit und Einfühlungsvermögen zu kommunizieren – eine Fähigkeit, die am heutigen Arbeitsplatz dringend benötigt wird, so Paul von der Pace University. In zu hohen Dosen kann dies dazu führen, dass sich auch die fröhlichsten von uns erschöpft fühlen. In angemessenen Mengen kann sie jedoch den Zusammenhalt in Teams fördern – und uns letztlich zu besseren Menschen machen.

„Man muss sich Gedanken darüber machen, wie die Botschaft bei den Adressaten ankommt“, so Paul, „das macht einen achtsamer und sensibler.“ Und das wiederum sind wichtige Eigenschaften, die nicht nur im Berufsleben wichtige sind.

Dieser Artikel wurde von Ben Peters aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

Virpi Matikainen ist verantwortlich für die Entwicklung junger Talente bei Cisco: Sie verrät, warum Mitarbeiter einen Monat pro Jahr aus dem Ausland arbeiten dürfen

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