Während Sprach- und Bildmodelle dank riesiger Datenmengen aus dem Netz rasant dazulernen, hinkte die Robotik wohl bisher hinterher. Hochwertige Daten aus der echten Welt seien laut Xiaomi schwer zu bekommen, was das Training von Steuerungssystemen ausbremst. Xiaomi will diese Hürde nun genommen haben und stellt mit Xiaomi-Robotics-1 ein neues, einsatzbereites Basismodell für Roboter vor. Das Besondere: Trainiert wurde es mit über 100.000 Stunden an echten Bewegungstrajektorien.
Der Trick der Forscher liegt in einem zweistufigen Trainingsverfahren, das dem von bekannten LLMs ähnelt. In der ersten Phase, dem Pre-Training, wurde das Modell mit 100.000 Stunden an „körperlosen“ Videodaten (sogenannten UMI-Trajektorien) gefüttert, die aus über 1.700 Alltagsszenarien wie Haushalten, Büros und Fabriken stammen. Da sich diese riesige Menge nicht händisch beschriften lässt, kam ein KI-System zum Einsatz. Dieses teilte die Videos in Segmente und beschrieb automatisch die Interaktionen zwischen Greifern und Objekten. Die wichtigste Erkenntnis der Entwickler: Je mehr Daten und Parameter in das Modell flossen, desto fehlerfreier funktionierte das System bei der Bewegungsplanung.
In der zweiten Phase, dem Post-Training, ging es dann um die Anpassung an echte Roboter-Hardware und Sprachbefehle. Dafür nutzte Xiaomi unter anderem über 7.200 Stunden an Daten von echten Robotern in realen Wohnungen, um alltägliche Aufgaben wie das Aufräumen eines Sofas, das Sortieren eines Schuhschranks oder das Einräumen von Geschirr zu trainieren. Dadurch versteht die KI nun direkte Sprachbefehle und setzt diese physisch um.
In Tests zeigt sich das Modell wohl erstaunlich anpassungsfähig. Komplexe, völlig neue Aufgaben wie das Verpacken von Handys oder das Befüllen eines Druckers lernt die KI mit nur wenigen Stunden an echten Demonstrationen. Mit weniger als 10 Stunden Übungszeit erreichte Xiaomi-Robotics-1 bereits eine Erfolgsquote von 75 Prozent, fast doppelt so viel wie der bisherige Standard-Benchmark. Auch in gängigen Robotik-Simulationen wie RoboCasa oder RoboDojo setzte sich das Modell an die Spitze der Bestenlisten.
Wie sich das Modell in der Praxis schlägt, zeigt Xiaomi unter anderem in ungeschnittenen Demovideos, bei denen der Roboter im Haushalt hilft und beispielsweise eigenständig Koffer packt. Wann die Technologie in kommerziellen Xiaomi-Robotern landet, bleibt abzuwarten, das Fundament steht jedenfalls. Ob wir das noch erleben werden, dass Roboter problemlos für usn im Haushalt die Arbeit machen?
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