#Gastbeitrag – Das Tal scheint durchschritten

#Gastbeitrag

Wie sich das Segment Deep Tech aus VC-Sicht 2023 entwickelt hat und warum wir für 2024 (vorsichtig) optimistisch sind. Mut, Geduld sowie gesunder Realismus werden auf dem Weg zu nachhaltigem Erfolg helfen. Ein Gastbeitrag von Frederick Michna.

Das Tal scheint durchschritten

Freitag, 29. Dezember 2023VonTeam

2023 war das Jahr der Brückenfinanzierungen. Das Volumen der VC-Investitionen ist in Europa stark gesunken. In den ersten drei Quartalen 2023 wurde in Deutschland laut Pitchbook etwa 50 % weniger investiert als im gleichen Zeitraum in 2022. Die VC-Branche hat sich abermals vor allem auf Stabilität im eigenen Portfolio konzentriert und war von Zurückhaltung bei Neuinvestitionen geprägt. Entsprechend war Fundraising für viele Deep Tech Unternehmen dieses Jahr wieder eine Herausforderung. 

Bis auf wenige Ausnahmen wie etwa die Megarunden von Aleph Alpha (>500 Mio. USD), Helsing (209 Mio. EUR), Isar Aerospace (155 Mio. EUR), Enpal (125 Mio. EUR) oder Fernride (50 Mio. EUR) sind auch bei den deutschen Deep Tech-Startups die Tickets und Bewertungen nicht mehr so sportlich wir vor zwei Jahren. Viele Unternehmen mussten erstmals in ihrer Historie Downrounds hinnehmen und lernen, mit knapperen Ressourcen sparsam zu haushalten.

Die Innovationsgeschwindigkeit wurde dadurch jedoch bis jetzt noch nicht spürbar gebremst. Die Formel „Mehr Finanzierungen = mehr Output“ bewahrheitete sich dieses Jahr nicht zwingend. Stattdessen zeigten sich viele Teams resilient, erfinderisch und geduldig. Michael Kaschke, Präsident des Stifterverbandes und oberster Hüter der deutschen Spitzenforschung, erklärte kürzlich sehr eindrücklich, dass fehlendes Geld bei innovativen Sprungtechnologien oft nicht der Grund für ausbleibende Ergebnisse ist. Auch wenn dies bei Deep Tech zum Teil zutrifft und dieses Jahr viele bahnbrechende Fortschritte zu verzeichnen waren, so ist die Finanzierungslücke – vor allem im Vergleich zu den USA – ein unbestreitbarer Fakt und ein Handicap im globalen Innovationswettlauf. 

Glücklicherweise scheint zum Ende des ablaufenden Jahres auch das Interesse der VCs für Deep Tech wieder zu steigen. Ein Grund mag die Einsicht in die Notwendigkeit von grundlegenden, disruptiven Innovationen für die großen Herausforderungen unserer Zeit sein. Die Energie- und Mobilitätwende, der Umweltschutz, die globale Ressourcenverteilung, die Erschließung des Weltraums, die Transformation der Industrie oder auch die Zukunft der Medizin sind Handlungsfelder, in denen mehr als nur reine Geschäftsmodellinnovationen oder schnell programmierte Apps benötigt werden. Sie erfordern fundamentalere Ansätze und verändern sich nicht kurzfristig durch ein höheres Zinsniveau, eine flaue Konjunktur und andere derzeit wenig favorable Rahmenbedingungen.

Am deutlichsten zeigt sich die steigende Technologiebegeisterung der Szene an dem Boom von KI. Bereits im August vermeldete eine Studie von appliedAI, dass die Zahl der in Deutschland gelisteten KI-Startups um 67 % über dem Vorjahr lag. Insgesamt zählte die Studie Mitte 2023 über 500 KI-Startups in Deutschland. Diese Gründungwelle wird weiter anhalten. Fortschritte in KI werden damit vor allem auch als Enabler anderen Deep Tech Startups zugutekommen und deren Entwicklung beschleunigen.

5 Gründe für einen vorsichtigen Optimismus 

Ob sich aus diesen positiven Zeichen 2024 ein echter Trend entwickelt und die Branche die Krise hinter sich lassen wir, steht noch nicht fest. Aber es gibt eine ganze Reihe von Gründen, die einen optimistischen Blick in die Zukunft rechtfertigen.

Gesundes Ökosystem: Deep Tech fußt hierzulande auf einem starken akademischen Fundament. Technische Universitäten wie die TU München und die RWTH Aachen sorgen mit ihren exzellent ausgebildeten MINT-Absolventen für einen steten Strom an talentierten Gründerteams. Insbesondere die TU München mit ihrem Gründerzentrum „UnternehmerTUM“ setzt Maßstäbe in Deutschland und darüber hinaus, wie eine Zusammenführung technischer und betriebswirtschaftlicher Kompetenzen zu erfolgreichen Deep Tech Startups beiträgt. In Heilbronn wird mit einem ähnlichen Ansatz unter dem Schirm der Schwarz-Gruppe experimentiert. 

Ungebrochenes Unternehmertum: Die Szene wird im kommenden Jahr von den vielen Neugründung in der jüngeren Vergangenheit profitieren. Allein 2022 (für 2023 liegen noch keine Zahlen vor) wurden 275 neue Deep Tech Startups gezählt, das waren 33 % mehr als noch ein Jahr davor. Für 2020 lautete die Zahl an Neugründungen lediglich 107. Die Deep Tech Gründerszene ist in Deutschland vielfältig und lebendig.  

Zunehmende Professionalisierung: VCs sichten jährlich hunderte, teils sogar tausende Pitches. Im Gegensatz zu anderen Startup-Segmenten wie B2B SaaS haben sich Deep Tech Teams in der Vergangenheit immer schwergetan, ihre Konzepte einfach und überzeugend zu verkaufen. Die Präsentationen wirkten oft wie reine Wissenschaftsprojekte; kommerzielle Aspekte mit realistischen Annahmen wurden stark vernachlässigt. Dies hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert. Die Qualität der Pitches steigt. Es wird für die Teams damit leichter, VCs und andere Investoren zu überzeugen. 

Mehr öffentliche Mittel: Für junge, technologielastige Unternehmen wurden in letzter Zeit zunehmend Möglichkeiten geschaffen, mit öffentlichen Mitteln gefördert zu werden. Der Launch des mit einer Milliarde Euro dotierten Deep Tech & Climate Fonds durch die Bundesregierung war dabei ein starkes Signal an die Branche. Auch auf EU-Ebene beispielsweise durch Programme des Europäischen Investitionsrats (EIC) und der Europäischen Investitionsbank (EIB) erhalten Startups vermehrt Zugang nicht nur zu Eigenkapital, sondern auch zu vorteilhaften Darlehen sowie reinen Subventionen.

Konjunkturunabhängigkeit: Das deutsche BIP wird 2023 wie in der Coronakrise 2020 wieder schrumpfen. Für 2024 liegen die Wachstumsprognosen derzeit bei nur ~1%. Viele Deep Tech Teams, die an langfristigen technologischen Entwicklungen arbeiten, sind von der schwachen Konjunktur, dem Zinsumfeld und anderen makroökonomischen Daten jedoch nur wenig betroffen und kommen inhaltlich gut voran. Teilweise beflügelt die aktuelle Wirtschaftslage sogar den Bedarf für Deep Tech. Beispielsweise verschärft der Fachkräftemangel den Druck auf Unternehmen, die Automatisierung zu beschleunigen und Robotik einzusetzen.

Die Voraussetzungen, dass in Deutschland in den nächsten Jahren neue Deep Tech Champions entstehen, sind besser denn je. Gleichzeitig war auch der Handlungsdruck im globalen Wettbewerb selten größer. Neue Märkte werden gebildet, deren Anteile heute verteilt werden. Im Bereich Quantum Computing zum Beispiel konkurriert das deutsch-finnische Scale-Up IQM mit den US-Branchengrößen Google und IBM, sowie gut finanzierten Playern aus Asien. 

Jetzt ist also die Zeit zu handeln – sowohl für die Gründerteams als auch für die VCs. Mut, Geduld sowie gesunder Realismus zu Wachstum und Bewertungen werden beiden Seiten auf dem Weg zu nachhaltigem Erfolg in 2024 und darüber hinaus helfen.

Über den Autor


Frederick Michna ist Principal bei MIG Capital

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

#Gastbeitrag – Open Finance: Warum die Finanzbranche einen übergreifenden API-Standard braucht

In der deutschen Finanzbranche ist eine zunehmende Fragmentierung der Wertschöpfungskette zu beobachten. Bankkunden beziehen ihre Dienstleistungen mehrheitlich über eine Vielzahl unterschiedlicher Dienstleister. Während sie ihren Hausbanken zumeist nur noch die Verwahrung ihrer Finanzen überlassen, nutzen sie selbständige Finanzberater, Family Offices oder FinTechs für Finanzierung, Absicherung und Investment.

So werden elektronische Daten auf unterschiedlichste Weise und mit immer neuen APIs (Application Programming Interfaces; dt.: Programmierschnittstellen) zwischen den Parteien transportiert. Die APIs, die sich dabei zwischen den Banken und den externen Dienstleistern ergeben, sind so vielfältig wie die Marktteilnehmer selbst. Doch mit den ständig wachsenden Anforderungen haben ihre Komplexität, Aufwände und Ausfallrisiken mit der Zeit zugenommen. Dadurch ist die Kommunikation oft ineffizient, obwohl sie digital geführt wird.

Die Relevanz von Open Finance für FinTechs und Banken

Aber im Rahmen von Open Finance sind effiziente Programmierschnittstellen für Banken und FinTechs gleichermaßen notwendig: Sie ermöglichen individualisierte und innovative Finanzprodukte und Dienstleistungen. Banken profitieren von den innovativen Technologien und Lösungen der FinTechs, um schnell neue Produkte auf den Markt zu bringen. Außerdem verschaffen ihnen strategische Partnerschaften mit den FinTechs Skaleneffekte und ermöglichen ihnen den Zugang zu neuen Märkten.

Für FinTechs eröffnet sich mit den APIs Zugang zu Finanzdaten, die sie für personalisierte Angebote und Dienstleistungen benötigen. Daher bieten Kooperationen zwischen beiden Seiten eine Vielzahl von Möglichkeiten: Durch die Zusammenarbeit erweitern Banken ihr Produktangebot und es bieten sich Synergien bei der Gestaltung einer zukunftsfähigen Kundenerfahrung. Gleichzeitig können sie effizientere Prozesse und Kosteneinsparungen realisieren.

Doch Deutschlands Finanzwirtschaft präsentiert sich als ein uneinheitlicher Flickenteppich von API-Standards: Auch wenn die technische Basis auf den REST-API-Standards basiert, so hat jede Bank ihre eigenen Schnittstellen und Vorschriften etabliert. Bisherige Initiativen, hierfür einen übergreifenden und anwendungsorientierten Standard zwischen allen Finanzdienstleistern zu definieren, sind noch nicht wirklich etabliert. Dieser Umstand erschwert die reibungslose Kooperation zwischen Banken und FinTechs und vice versa. Es verzögert die Entwicklung neuer innovativer Finanzanwendungen, die den Verbrauchern und Unternehmen einen Mehrwert bieten, während sie gleichzeitig die Integrität und Sicherheit des Finanzsystems wahren.

Schweizerisches Best Practice: Die Gründung der Open Wealth Association

Als Teil ihrer neuen Open Banking-Strategie 2019 entschied sich die Schweizerische St. Galler Kantonalbank (SGKB), externe Vermögensberater und Unternehmenskunden als Zulieferer zu integrieren. Gemeinsam mit ihnen wollte die Bank Produkte und Dienstleistungen für ihren Kundenstamm bereitstellen. Dabei wollte sie spezifisch für das Geschäft mit unabhängigen Vermögensberatern die Einführung einer standardisierten API prüfen.

Über die API sollten CRM-, Positions- und Transaktionsdaten ausgetauscht werden können, um den Prozess auf alle Geschäfte zu skalieren. Das sollte die Effizienz für beide Parteien steigern, Kosten reduzieren sowie bestehende Kommunikationskanäle entlasten. Aber: In einer Vorstudie stellte die SGKB fest, dass noch kein öffentlicher API-Standard für die Vermögensverwaltung existiert.

Anstatt das Open Banking-Vorhaben deswegen zu verwerfen, entschied sich die SGKB, eine einheitliche Schnittstelle zu entwickeln – und sie zudem anderen Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Dafür überführte sie die neue API 2021 in einen eigens dafür gegründeten Verein: die OpenWealth Association. Unmittelbar nach der Gründung startete die technische Implementierung der API und die OpenWealth Association wurde fortlaufend größer. Inzwischen sind mehr als 50 Unternehmen und zehn Banken Mitglied. Dazu gehören auch namhafte Marktteilnehmer wie Schweizer Großbanken und Google Cloud.

So hat sich aus der bankinternen Open Banking-Strategie der SGKB ein landesweiter API-Standard entwickelt. Die OpenWealth Association baut den Funktionsumfang der Schnittstelle kontinuierlich aus und arbeitet bereits an der Etablierung im Ausland. Die Mitglieder der daraus entstandenen, stetig wachsenden Community profitieren von diesem technologischen Fortschritt. Um Kosten weiter zu senken und die Skalierung von Schnittstellen zu ermöglichen, stellt die OpenWealth Association weltweit interessierten Unternehmen die API als Open Source zur Verfügung.

Erfolg als Blaupause für deutsches Modell

Das Vorgehen der St. Galler Kantonalbank zeigt nicht nur die Vorteile eines landesweiten API-Standards, sondern auch wie es möglich ist, diesen zu realisieren. Ein ähnlicher Ansatz könnte auch hierzulande erfolgreich etabliert werden. Deutschland verfügt über eine breite Palette von Finanzinstituten und FinTechs, die von der Einführung standardisierter APIs profitieren würden.

Um einen landesweiten API-Standard in Deutschland zu erreichen, ist eine koordinierte Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren in der Finanzbranche entscheidend: Banken und FinTech-Unternehmen sollten sich dafür mit Regulierungsbehörden und anderen relevanten Interessengruppen an einen Tisch setzen. So wie in der Schweiz sollten sie zudem die Entwicklung dieser Strategie und die Bereitstellung der APIs für Dritte aktiv fördern. Dies könnte ebenfalls in Form einer unabhängigen Organisation geschehen, die die Entwicklung, Implementierung und Wartung der APIs koordiniert.

Eine solche Initiative steigert nicht nur die Effizienz, sondern auch die Innovationskraft in der deutschen Finanzbranche. Sie kommt letztendlich den teilnehmenden Akteuren ebenso zugute wie deren Kunden. Außerdem zeigen die Erfahrungen der OpenWealth Association, dass die Schaffung eines landesweiten API-Standards sowohl die Wettbewerbsfähigkeit als auch die internationalen Möglichkeiten der Finanzindustrie erheblich verbessern kann.

Über den Autor


Stephan A. Paxmann ist Leiter des strategischen Entwicklungsbereichs Digitalisierung und Innovation bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Er analysiert innovative Markt- und Digitaltrends und begleitet die Bank sowie den Mittelstand bei der Einführung disruptiver Technologien. 

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

#Gastbeitrag – 5 Tipps für bessere Ziele im neuen Jahr

#Gastbeitrag

Das neue Jahr rückt näher und bietet dir die Gelegenheit, sowohl zurückzublicken als auch neue Ziele ins Auge zu fassen. Um sicherzustellen, dass deine Ziele für 2024 nicht nur ambitioniert, sondern auch erreichbar sind, hier einige Tipps. Ein Gastbeitrag von Marco Alberti.

5 Tipps für bessere Ziele im neuen Jahr

Freitag, 22. Dezember 2023VonTeam

Formuliere dein Ziel als konkreten Nutzen

Vage Ziele führen zu vagen Ergebnissen. Statt “einen Newsletter schreiben” zu sagen, formuliere präzise, was du damit erreichen willst. Ein Ziel wie “Alle Bestandskunden sollen die Vorteile des neuen Produkts verstehen” gibt dir und deinem Team eine klare Richtung vor. Es macht deutlich, dass es dir in dem Fall z. B. nicht um den Newsletter per se geht, sondern um die Wirkung, die du mit dem Newsletter erreichen willst. Und ggf. stellst du so fest, dass der Newsletter das falsche Format ist und ein Telefonat mit allen Bestandskunden wirksamer wäre. 

Formuliere deine Top-3

Die To-Do-Liste kann schnell überwältigend werden. Das Problem einer zu langen To-Do-Liste: Wir haben nur selten das Gefühl, wirklich produktiv zu sein. Daher ist es entscheidend, zu definieren, wann ein Tag produktiv war. Mein Tipp: Nehme dir maximal drei High-Impact-Tasks vor. Erstelle dafür am Anfang eines jeden Tages eine Liste mit den drei wichtigsten Aufgaben für den Tag und setze diese konsequent um. Kümmere dich erst danach um andere Aufgaben. 

Denke in Wetten, statt in Wünschen

Ein effektives Ziel sollte mehr sein als nur ein Wunsch oder eine Hoffnung. Es sollte auf einer soliden Hypothese basieren. Frag dich: “Wenn wir X erreichen, wie wahrscheinlich ist es, dass Y eintritt?” Diese Art des Denkens schafft eine klare Ursache-Wirkungs-Beziehung und macht deine Ziele messbar. Und zeigt dir im Zweifel frühzeitig auf, wenn dein Ziel eigentlich mehr ein Wunsch, denn ein realistisches Ziel ist. 

Nutze Quartals-Zyklen für schnelle Anpassungen

Die Zeiten, in denen Jahresziele ausreichten, sind vorbei. In einer sich ständig verändernden Welt sind agile Methoden und kurze Feedback-Zyklen unerlässlich. Das gilt umso mehr für Ziele. Setze dir daher Ziele immer nur für ein Quartal und überprüfe wöchentlich den Fortschritt. So kannst du bei Bedarf frühzeitig Anpassungen vornehmen. Und du kommst auch schneller ins Machen, weil du nicht zwölf, sondern nur drei Monate Zeit hast. 

Entwickle eine selektive Ignoranz

Innovative Ideen sind das Lebenselixier jedes Startups, können jedoch auch zur Ablenkung führen. Mein Rat: Leg alle neuen Ideen in einer speziellen “Ideen-Inbox” ab und kehr erst zu ihr zurück, wenn deine aktuellen Hauptziele erreicht sind oder das Quartal vorbei ist. Ein Tipp: “Nein” zu sagen fällt oft schwer. Deshalb empfehle ich den Satz: “Ja, aber nicht jetzt.” Du wirst erstaunt sein, wie oft sich das Thema dann von selbst erledigt hat.

Bonus: Das Warum ist wichtiger als das Wie und Wann!

Ich rate jedem Unternehmen: Verbringt weniger Zeit mit der Planung des “Wie” und mehr Zeit mit dem Klären des “Warum”. Oft stecken wir so tief im Prozess, dass wir vergessen, das eigentliche Ziel zu hinterfragen. Nehmen wir ein Beispiel: Ein Gründer ruft aus, “Wir brauchen eine neue App!” Aber halt, warum eigentlich? Diese simple Frage wird oft übersehen. Statt nur zu diskutieren, wie viele Kunden die App nutzen könnten, sollten wir uns fragen: Brauchen wir diese App überhaupt? Löst sie das Problem, das wir für unsere Kunden lösen wollen?

Über den Autor


Marco Alberti ist Gründer und Geschäftsführer von Murakamy, einer Beratung mit Fokus auf Visions-, Missions- und Strategieentwicklung sowie Objectives and Key Results (OKRs). In seiner mehr als 20-jährigen Berufslaufbahn hat er schon viele namhafte Unternehmen wie  mymuesli, Daimler und Vaillant in strategischen Fragen und bei der Einführung von OKRs beraten. Gemeinsam mit Murakamy setzt er sich für eine Arbeitswelt ein, in der Menschen mehr Wirksamkeit erfahren und sich die richtigen Ziele setzen. Seine Mission: Erfolg neu definieren. Er ist Host des Murakamy Podcasts und Co-Host des Unternehmertum-Podcasts Jetzt mal Ehrlich.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

#Gastbeitrag – Warum genau jetzt die beste Zeit ist, ein Energie-Startup zu gründen

#Gastbeitrag

Was neuen Startups im Energiesektor aktuell in die Karten spielt: die Massenmarktfähigkeit. In den vergangenen Jahren haben sich viele erneuerbare Energietechnologien rasant weiterentwickelt und sind nun reif für den Massenmarkt. Ein Gastbeitrag von Matthias Martensen.

Warum genau jetzt die beste Zeit ist, ein Energie-Startup zu gründen

Donnerstag, 14. Dezember 2023VonTeam

Er ist komplex, stark reguliert und wird von großen, etablierten Unternehmen dominiert. Der Energiemarkt kann auf den ersten Blick auf Gründer:innen einschüchternd wirken. Trotzdem gab es wohl nie einen besseren Zeitpunkt, ein Energie-Startup zu gründen. Wer den Markt versteht, innovative Ideen mitbringt und auch die Politik auf dem Schirm hat, der kann mit einem neuen Unternehmen richtig was reißen. Aber welche Faktoren sind es genau, die sich günstig auf die Gründung von Energie-Startups auswirken?

Wenn nicht jetzt, wann dann? 

Die Dringlichkeit des Klimawandels ist der mit Abstand wichtigste Grund, weshalb es aktuell nicht genug innovative Startups in diesem Bereich geben kann. Die globale Erwärmung ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit und die Notwendigkeit, saubere und nachhaltige Energielösungen zu entwickeln, war noch nie so groß. Neue Unternehmen in diesem Markt haben die Möglichkeit, mit klugen Ideen innovative Technologien zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen zu entwickeln und zur Energiewende beizutragen. Eine Mission, die ganz nebenbei auch noch junge Talente anlockt, die immer häufiger – und das merken wir auch bei Ostrom – zurecht Sinnhaftigkeit im Job suchen.

Zentrale Technologien sind im Massenmarkt angekommen

Was neuen Startups im Energiesektor ebenfalls aktuell in die Karten spielt: die Massenmarktfähigkeit moderner Technologien. In den vergangenen Jahren haben sich viele erneuerbare Energietechnologien rasant weiterentwickelt und sind nun – da deutlich günstiger – reif für den Massenmarkt. Beispiel: E-Autos. Elektromobilität ist keine Zukunftsvision mehr, sondern eine Realität. Immer mehr Menschen entscheiden sich für Elektroautos, um umweltfreundlicher und kostengünstiger unterwegs zu sein. Energie-Startups, die beispielsweise innovative Ladeinfrastruktur und intelligente Energiemanagementsysteme entwickeln, spielen in diesem wachsenden Markt eine entscheidende Rolle.

Ebenso sind Solarenergietechnologien auf dem Vormarsch. Die Kosten für Solarpaneele sind in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken. Solarenergie ist nun eine der kostengünstigsten Energiequellen. Junge Unternehmen, die beispielsweise neue Ansätze zur Verbesserung der Effizienz von Solarsystemen und zur Speicherung von Solarenergie entwickeln, leisten einen bedeutenden Beitrag zur dezentralen Energieversorgung. Darüber hinaus bieten Fortschritte in der Batterietechnologie die Möglichkeit, erneuerbare Energien zu speichern und rund um die Uhr verfügbar zu machen. Wie wichtig das ist, hat uns spätestens die Energiekrise im vergangenen Jahr allen gezeigt. Speichertechnologien sind der Schlüssel, um von fossilen Brennstoffen unabhängig zu werden.

Vom Smart-Meter-Rollout profitieren

Das schlägt den Bogen zur makropolitischen Lage in Deutschland, deren Vorzeichen für Gründungen im Energiesektor kaum besser sein könnten. Das Land hat sich ehrgeizige Ziele für die Energiewende gesetzt, darunter die Reduzierung der Treibhausgasemissionen, den Ausstieg aus der Atomenergie und die Förderung erneuerbarer Energien. Der gesetzlich festgelegte Smart-Meter-Rollout bis zum Jahr 2032 zahlt auf diese Ziele ein. Smarte Zähler ermöglichen eine bessere Überwachung und Steuerung des Energieverbrauchs. So lässt sich Energie im Haushalt effizienter nutzen. Wer innovative Lösungen für den Einsatz und die Verwertung von Smart-Metern entwickelt, kann von dieser Initiative profitieren.

Darüber hinaus hat Deutschland das Gebäudeenergiegesetz verabschiedet. Es gilt ab kommendem Jahr und soll die Energieeffizienz von Gebäuden fördern sowie den Einsatz erneuerbarer Energien zur Wärmeversorgung vorantreiben. Hier ergeben sich zahlreiche Potenziale für junge Unternehmen, die sich auf energieeffiziente Heiz- und Kühlsysteme, Wärmepumpen und Solartechnologien spezialisieren.

Auch VCs setzen verstärkt auf Umwelttechnologie

Die Zeit für Energie-Startups ist jetzt. Nicht ohne Grund haben es laut einer Analyse der staatlichen Förderbank KfW auch die Risikokapitalgeber in Zukunft vor allem auf Umwelttechnologien abgesehen. In Anbetracht all dieser Entwicklungen und Chancen im Energiesektor sollten angehende Gründer:innen nicht zögern, den Schritt in diese Branche zu wagen. Das Aufhalten des Klimawandels, die Massenmarktfähigkeit moderner Technologien und die makropolitische Lage in Deutschland schaffen eine optimale Umgebung für die Gründung und das Wachstum solcher Unternehmen.

Über den Autor


Matthias Martensen hat im Jahr 2021 gemeinsam mit Karl Villanueva Ostrom gegründet und führt das Unternehmen als CEO. Um der Klimakrise entgegenzuwirken, macht Ostrom 100 Prozent Ökostrom für ganz Deutschland zugänglicher und inklusiver. Die Idee für Ostrom hatte Matthias während seiner Zeit bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman, wo er verschiedene Unternehmen im Energiesektor beriet. Nachdem er realisierte, wie manuell und altmodisch der Strommarkt war – z. B. waren 90 Prozent der Marketingbudgets nicht für das Internet vorgesehen sowie Backend-Prozesse veraltet – verließ er die Beratung mit der Vision, im Dezember 2020 einen besseren, holistischen Energieanbieter für Deutschland zu schaffen. Matthias absolvierte seinen Bachelor in International Business Administration an der WHU – Otto Beisheim School of Management und erwarb seinen Masterabschluss am University College London im Bereich Globalisation and Latin American Development.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

#Gastbeitrag – Das Venture-Client-Modell unter der Lupe: Drei Vorteile für Startups

Technologieinnovationen sind zweifelsohne der Schlüssel in der heutigen Geschäftswelt. Die Fähigkeit, neue Technologien schnell und wertschöpfend zu nutzen, kann den Unterschied zwischen Marktführerschaft und Stagnation ausmachen. Doch Technologien sind schwer zu entwickeln und komplex zu integrieren. Oft fehlen Know-how, Ressourcen und der Appetit auf das enorme Risiko, das Technologieinnovation mit sich bringt. Hier haben sich Startups als wertvolle Quellen über die letzten Jahrzehnte entpuppt. Im Apple iPhone etwa finden sich mindestens sechs Startup-Technologien.





Eine immer wichtigere Frage ist daher: Wie kann man solch einzigartige Technologien effizient identifizieren und nutzen, und dadurch Produkte und Prozesse wertschöpfend verbessern? Hier hat sich das Venture-Client-Modell zu einem kraftvollen Instrument entwickelt. Es überbrückt die Kluft zwischen aufstrebenden Startups und etablierten Großunternehmen, indem es auf die Kernbedürfnisse beider Stakeholder eingeht: Konzerne brauchen schnell Technologielösungen, um komplexe Herausforderungen zu lösen. Startups brauchen Nutzer, Wagnisnutzer – also Venture Clients – für ihre Erfindungen. . Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Modell? Wie funktioniert das Venture-Client-Modell in der Praxis, und welche Vorteile hält es für Startups bereit?

Venture-Client-Modell: Das verbirgt sich dahinter

Das Venture-Client-Modell ist ein strategisches Corporate Venturing Vehicle. Es kann alles, was Corporate Venture Capital kann. Nur signifikant schneller und ohne Risiko. Für Corporate und Startup. Denn es bedingt keine Beteiligung. Prozesse und Methoden des Venture Client Modells stellen den Transfer, die Adoption der Technologie in den Vordergrund.  Es bietet dadurch die Möglichkeit, wertorientierte Beziehungen aufzubauen, die darauf basieren, dass das Startup etwas hat (Technologie), was das Unternehmen nicht hat und auch nicht schnell genug selbst bauen kann, aber brennend braucht. Wie Apple z. B. Technologie für FaceID brauchte und die des Startups Primesense in seine iPhones integrierte. Der Begriff ‚Venture Client‘ kann verwendet werden, um auf jedes Unternehmen zu verweisen, das ein Produkt von einem Startup nutzt – indem es die Technologie kauft und/ oder das Startup selbst. Als „guter“ Venture Client bedient sich das Unternehmen eines erprobten Venture Client Modells. Das umfasst Prozesse und Methoden, die es ermöglichen, die richtigen strategischen Probleme und die hierfür relevanten, einzigartigen Technologien schnell zu finden und zu integrieren.

Warum ist das Venture-Client-Modell für Startups so vorteilhaft?

Um zu verdeutlichen, warum das Venture-Client-Modell für Startups so vorteilhaft ist, möchte ich eine wichtige Realität von Unternehmen betonen: Etablierte Firmen müssen äußerst vorsichtig mit der Integration von innovativen Technologien umgehen. Ein Airbus kann schließlich auch nicht ad hoc einfach einen neuen Sensor ins Flugzeug bauen, egal wie „breakthrough” dieser zu sein verspricht. Deswegen gibt es strenge, Risiko-mitigierende Beschaffungsrichtlinien. Es muss sichergestellt werden, dass nur Technologien genutzt werden, die langfristig mit hoher Sicherheit funktionieren. Das bedeutet nicht nur, dass der „Sensor”, sondern auch die Technologiefirma auf stabilen Fundamenten steht. Das kann ein Startup in der Regel nicht garantieren. Nicht einmal Unicorns. 





Genau hierin liegt für Startups der Vorteil von Venture Clients, die nicht wie normale Kunden warten, bis eine Technologie voll ausgereift ist. Das bedeutet auch nicht, dass ein Venture Client einfach so Startup-Technologien integriert. Oder dass Risikorichtlinien einfach reduziert werden. Das ist auch gut für das Startup. Denn wenn dessen „Sensor” dann trotz aller entrepreneurialen Euphorie doch nicht funktioniert, würde das Startup diesen Fehler vermutlich nicht überleben.     

Für das Startup ist der Venture Client genau der Early-Adopter, den es braucht, um signifikant schneller den Produkt-Market-Fit zu erlangen. Konkret: Wo ein normaler Firmenkunde entweder gar keine Startup-Technologien nutzt oder teilweise zwei bis fünf Jahre braucht, um eine Entscheidung zu treffen, bekommt das Startup vom Venture Client seine Purchase Order in ein bis drei Monaten.  Damit das funktioniert, braucht die Firma ein erprobtes Venture-Client-Modell. Wichtig ist dann, zu verstehen, wie das im Detail funktioniert. Hier will ich aber konkreter auf die Vorteile eingehen, die ein gutes Venture Client Modell für Startups birgt.   

Gutes Venture-Client-Modell in der Praxis: Die zentralen Vorteile für Startups

Schneller Produkt-Market-Fit: Das Wichtigste für jedes Startup ist es, schnell Kunden zu gewinnen. Um deren Probleme zu lösen, hat man ja gegründet. Bei einer Firma mit einem guten Venture-Client-Modell müssen Startups nicht die normalen Risiko-mitigierenden Abläufe durchlaufen. Das Startup bekommt die erste Purchase Order nicht nach Jahren, sondern nach Monaten. Wichtig ist hier, dass in einem guten Venture-Client-Modell die Technologie von einem realen Kunden in einem realen Use-Case genutzt wird. Also nicht von irgendeinem „Lab” in, sagen wir: Tel Aviv. Sondern von einem benennbaren Ingenieur im IT-Zentrum, oder von der zentralen R&D-Abteilung. Startups sollten deshalb ihre Vertriebs- und Marketing-Aktivitäten und -Ressourcen auf Konzerne mit guten, etablierten Venture-Client-Einheiten fokussieren. Damit erlangen sie schneller, mehr und bessere Kunden. 

Fachwissen und Produktverbesserung: Mit vielen guten Venture Clients lernt das Startup auch schneller, sein Produkt zu iterieren und schnell an die realen Bedürfnisse des Marktes anzupassen. Denn ein guter Venture Client gibt auch gutes, also konstruktives Feedback und stellt gute, also marktgerechte Anforderungen. Diese kann das Startup dann schnell in seine Produktentwicklung aufnehmen und damit wettbewerbsfähiger werden. Auch hier die Betonung auf „guter“ Venture Client. Denn es gibt auch „schlechte” Kunden. Das Startup sollte darauf achten, dass Verträge stimmen und dass auch die wirklich relevanten Personen die Technologie nutzen. Und dass konstruktives Feedback gegeben wird. Ein Kunde aus der Versicherungsbranche könnte beispielsweise wertvolles Feedback dazu geben, wie die Risikomanagement-Lösung des Startups in realen Situationen funktioniert. 

Branding, Marktvertrauen und Selbstvertrauen: Gute Kunden sind die Basis, eine starke Brand zu etablieren. Happy Clients werden gut über das Startup-Produkt sprechen und es weiterempfehlen. Dadurch gewinnt das Startup schnell das Vertrauen des Marktes. Und auch für das Selbstvertrauen des Startup-Teams selbst sind „Venture” Clients essentiell. Jeder gute Kunde beflügelt den Enthusiasmus und das Commitment des Teams – und ohne ein top motiviertes Team funktioniert in einem Startup gar nichts! 

Fazit

Venture-Client-Modell schafft Synergien für Startups und Unternehmen. Ohne Startups wäre die Welt ärmer an Technologien, die unser Leben verbessern. So ziemlich alle bahnbrechenden Technologien der letzten 50 Jahre wurden von Startups mithilfe von Venture Capital auf den Markt gebracht. Von einem guten Venture-Client-Modell profitieren sowohl Unternehmen als auch das Startup-Ökosystem. Konzerne können ungelöste Probleme schneller in den Griff bekommen. Startups können schneller beweisen, dass ihre Lösungen den Anforderungen des Marktes entsprechen und dadurch nachhaltig wachsen. 





Dazu brauchen Firmen ein gutes, erprobtes Venture Client Modell. Für Startups ist es also wichtig, die guten von den schlechten Kunden zu unterscheiden, und sich auf die guten zu konzentrieren, die schnell entscheiden, die die Startup-Technologie real einsetzen und konstruktives Feedback geben können. Andere Alternativen, wie das traditionelle Corporate Venture Capital, erfordern oft, dass Top-Startups Eigenkapital verkaufen. Bei einem guten Venture-Client-Modell verkaufen Startups nur ihre Produkte. Sie behalten weiterhin volle Entscheidungsautonomie und Eigentum, während sie von Anfang an reale Geschäftsbeziehungen, die Produktverbesserung und dadurch das Wachstum beschleunigen. Gutes Venture Clienting kann also als Erfolgsrezept für Startups und Unternehmen gesehen werden.

Über den Autor


Gregor Gimmy ist CEO von 27pilots.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

Este sitio web utiliza cookies para que usted tenga la mejor experiencia de usuario. Si continúa navegando está dando su consentimiento para la aceptación de las mencionadas cookies y la aceptación de nuestra política de cookies, pinche el enlace para mayor información.

ACEPTAR
Aviso de cookies