#Gastbeitrag – Nachhaltigkeit ist keine Blaupause für Investorenkapital

#Gastbeitrag

Sustainability-Startups haben Aufwind. Investoren bewerten die Geschäftsmodelle aber nicht weniger streng, nur weil sich ein Startup für erneuerbare Energien, Carbon-Capturing oder Emmissionsreporting einsetzt. Ein Gastbeitrag von Matthias Lais.

Nachhaltigkeit ist keine Blaupause für Investorenkapital

Freitag, 22. März 2024VonTeam

Während fast überall die Investitionen zurückgehen, steigt das Interesse an nachhaltigen Startups gegen den Trend. Sustainability-Startups haben Aufwind. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat schon in einer Studie im Frühjahr festgestellt, dass Rekordsummen in ClimateTechs fließen. Doch schauen Investoren jetzt nur noch durch die ESG-Brille auf Startups?

Nachhaltigkeit ist keine Blaupause für Investorenkapital

Grundsätzlich wenden Investoren dieselben Kriterien wie bei gewöhnlichen Startups auch bei nachhaltigen Startups an. Investoren bewerten die Geschäftsmodelle nicht weniger streng, nur weil sich ein Startup für erneuerbare Energien, Carbon-Capturing, Emmissionsreporting oder anderweitig für die nachhaltige Transformation einsetzt. Nachhaltigkeit und Rendite müssen immer im Verhältnis stehen, um für VCs attraktiv zu sein. Jedoch haben Startups mit nachhaltigen Geschäftsmodellen aktuell einen spürbaren Vorteil gegenüber anderen Startups, was auch die Rekordsummen z.B. in Greentechs erklärt.

Nachhaltigkeit als Trend-Investment

Am Anfang einer grüneren Zukunft steht die Innovation. In den nächsten Jahrzehnten braucht es viele herausragende Ideen, die nicht nur den Status Quo verwalten, sondern im besten Sinne des Wortes disruptiv sind. Und genau dafür ist Venture Capital besonders geeignet. Für die VCs ist das eine einfache Rechnung: Der Markt ist da und jede Idee in dem Sektor hat das Potential, mit echtem, nachhaltigem Impact auch große wirtschaftliche Erfolge zu feiern. Das ist grundsätzlich zu begrüßen, denn so wird der Wettbewerb der besten Ideen in Europa ordentlich angeheizt. Das heißt aber auch: Es mag als Startup zwar leichter sein, mit Nachhaltigkeitsthemen die Aufmerksamkeit von Investoren zu gewinnen, jedoch besteht kein Vorteil, wenn es um die tatsächliche Bewertung des Geschäftsmodell geht. VCs wollen und müssen Rendite erzielen – sonst geht das Modell nicht auf.

Regulatorik als Treiber für nachhaltige Investments

Nun mag Nachhaltigkeit zwar ein aufmerksamkeitsstarkes Trendthema sein, jedoch treiben noch weitere Faktoren Investoren in den Nachhaltigkeitsbereich. Der zunehmend komplex werdende regulatorische Rahmen führt dazu, dass Unternehmen strenge Vorgaben zu ihrem CO2-Fußabdruck einhalten müssen – daraus ergibt sich für viele Startups ein enormes Potential. Sie können dabei unterstützen, die komplexen regulatorischen Anforderungen zu bewältigen. Jede Innovation in diesem Bereich bedeutet, dass es das Leben vieler Nachhaltigkeitsbeauftragter vereinfachen kann – und hat damit direkt einen Markt. Für viele Firmen ist die Erfüllung der Regulatorik das Hauptaugenmerk ihrer Nachhaltigkeitsstrategie, und es bindet entsprechende Ressourcen. Startups, die hier Prozesse vereinfachen und digitalisieren, werden keine Schwierigkeiten haben, ihr Produkt zu vermarkten.

Nachhaltige Geschäftsmodelle entwickeln sich weiter

Doch das reine Messen und Optimieren reicht nicht aus. Mit Software-Lösungen allein werden wir keinen echten Wandel erreichen. Geschäftsmodelle von Sustainability-Startups, die nur den Status quo messen und Prozesse optimieren, sind ein guter Anfang, aber es braucht Hardware, um  tatsächlich eine nachhaltige Transformation zu vollziehen. Die Verbesserung von Batterie-Kapazitäten, alternative Energiespeicher, die Distribution von Wärmepumpen oder grünem Wasserstoff oder Innovation in der Kreislaufwirtschaft – all das sind Stellschrauben, um eine nachhaltige Transformation voranzutreiben. 

Über den Autor


Matthias Lais ist neben Kai Werner Geschäftsführer von neosfer. Er leitet das Team Invest, das als Frühphaseninvestor agiert und Frühphasen- Startups strategisches Corporate Venture- Capital bietet, um die digitale und nachhaltige Transformation von Financial Services gemeinsam mit der Commerzbank zu fördern und voranzutreiben.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

#Gastbeitrag – Ein 3-Punkte-Plan für mehr Frauen in der IT

Die IT-Branche hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Schlüsselsektor der globalen Wirtschaft entwickelt. Doch trotz der rasanten Entwicklung, trotz Fachkräftemangel und des steigenden Bedarfs an IT-Expert:innen sind Frauen nach wie vor stark unterrepräsentiert. Eine höhere Frauenbeteiligung in der IT scheint noch in weiter Ferne zu liegen.

Auch in dem Unternehmen, das mich beschäftigt, ist der Frauenanteil im IT-Team mit einer weiblichen Kraft noch erheblich ausbaufähig. Doch geht es nicht darum, nur auf das Problem hinzuweisen, viel mehr gilt es Lösungen aufzeigen. Dieser Gastbeitrag zeigt einen 3-Punkte-Plan auf, was es braucht, um mehr Frauen von IT begeistern zu können. 

Frühzeitige Berührungspunkte in der Schule schaffen 

In der IT-Anwendung sind junge Leute heute meisterhaft. Doch in der Schule liegt der Schwerpunkt im IT-Unterricht oft auf dem 10-Finger System sowie Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulationsprogrammen. Was Schüler:innen in der Regel nicht lernen: Wie Computer wirklich funktionieren und wie man das Wissen darüber sogar zum Beruf ausbauen kann. Deshalb sollten im Informatikunterricht die konkrete Anwendung und vor allem die vielen Experimentiermöglichkeiten im Vordergrund stehen. So machen bis heute viele Mädchen im Privaten wenig Handwerkliches. Indem sie dann im Unterricht einen PC auseinander- oder zusammenbauen, tauchen sie tiefer in die Funktionsweise eines PCs ein, bauen Berührungsängste ab und merken eventuell sogar, dass sie mit IT Eigenschaften wie Feingefühl ihre Stärken zum Einsatz und die IT zum Laufen bringen können.

Neben dem Informatikunterricht bieten sich gleich mehrere Fächer an, um IT aus unterschiedlichen Perspektiven konkret in die Anwendung zu bringen und damit Mädchen Berührungsängste zu nehmen: Schon einfache Textaufgaben im Mathe-Unterricht können das Verständnis vertiefen und einen Bezug zum Alltag herstellen. So könnte eine Aufgabe lauten, zu berechnen, wie viele Bilder auf einem Smarthphone gespeichert werden können. Auch könnte die in MBits/s angegebene Datenübertragung in andere Einheiten umgerechnet, in Chemie die Elektrolyse am Beispiel des PC-Akkus erklärt oder in Physik Experimente mit dem Handy durchgeführt und die Kapazität anhand des Handy-Displays veranschaulicht werden.

Auch freiwillige Kurse könnten das Angebot bereichern und damit die Chancen erhöhen, dass Mädchen teilnehmen. Hier wären zwei Punkte zu berücksichtigen: Die Vorstellung des Projekts in einem selbst auszuwählenden Pflichtfach und der konkrete Praxis-Bezug – wie zum Beispiel das Entwickeln einer App. Die meisten Kinder sind von Natur aus neugierig. Schulen sollten die Neugierde auf digitale Geräte und die Freude, Technologie auszuprobieren und mit ihr zu spielen gezielt fördern.

Inklusive Arbeitsumgebungen schaffen und eigene Einstellungen reflektieren

Unternehmen, die Wert auf eine ausgeglichene Geschlechterverteilung legen, sollten inklusive Arbeitsumgebungen und Strukturen schaffen, in denen Frauen sich willkommen und wertgeschätzt fühlen. Auch wenn jede Frau unterschiedlich ist, gehören physische Ordnung und ein ansprechender Arbeitsplatz dazu – die wenigsten Frauen möchten in einem Büro arbeiten, das gleichzeitig als Lagerplatz dient. Ebenso wichtig ist ein respektvoller Umgang, damit sich Frauen in Bereichen akzeptiert fühlen, in denen traditionell eher Männer arbeiten. In der On-Boarding-Phase kann ein weiblicher Buddy insbesondere jungen Frauen helfen. Zusätzlich ist eine strukturierte Arbeitsweise mit klaren Rollen und Aufgaben wichtig. Damit zeigen Unternehmen, dass sie die Bedürfnisse von Frauen ernst nehmen, sie als vollwertige Mitglieder in der IT respektieren und ihnen verantwortungsvolle Aufgaben übertragen. Konstruktives Feedback schafft für alle die Möglichkeit, sich in einer Rolle zu entfalten – auch für Frauen.

Auch alle IT-Stellenausschreibungen sollten dahingehend überprüft werden, ob Frauen sich davon auch angesprochen fühlen. Dazu trägt eine ansprechende Gestaltung bei, eine inklusive Sprache und Erwähnung der Punkte, die für Frauen relevant sind.

Es gilt darüber hinaus eigene Einstellungen, Prägungen und bestehende Strukturen zu überdenken. Gibt es im Unternehmen unbewusste Vorurteile? Denn diese führen dazu, dass Frauen in IT-Berufen unterschätzt werden. Mit einer solchen Einstellung wird sich schwer etwas ändern. Diversität ist nicht damit getan, eine weibliche IT-Administratorin im Team zu haben. Sie muss sich wohl und akzeptiert fühlen, damit sie bleibt. 

Diversität fördern, Role Models aufbauen und Sichtbarkeit erhöhen 

Vor dem inneren Auge der meisten Menschen tauchen Männer auf, wenn sie sich IT vorstellen. Darüber hinaus sind für viele Menschen Berührungspunkte mit IT problembehaftet: IT kommt ins Spiel, wenn etwa nicht läuft, wie IT funktioniert ist oft eine Blackbox. Doch IT basiert auf einer klaren Logik und Struktur. Der Arbeitsalltag in der IT-Branche ist kein Glücksspiel, sondern basiert auf Prinzipien und Methoden. Doch es sind häufig stereotype Vorstellungen und schlichtes Unwissen, die Mädchen davon abhalten, einen IT-Beruf auch nur zu erwägen. Um also mehr Frauen für eine Karriere in der IT zu gewinnen, ist es entscheidend, dieses Bild zu verändern und ein besseres Verständnis für die Vielfalt und die Möglichkeiten in der IT zu schaffen. Ein Ansatzpunkt hierfür sind Ausbildungs-Messen, auf denen auch Frauen IT-Berufe vorstellen, von ihrem individuellen Werdegang und ihrem Berufsalltag berichten. Es sind nämlich nicht nur leidenschaftliche Gamerinnen, die in der IT erfolgreich sind. Frauen können auch fundiertes IT-Wissen erwerben. 

Damit diese Erkenntnis Schülerinnen erreicht, braucht es Role Models. Sie müssen dazu beitragen, IT-Ausbildungen für Mädchen attraktiv zu machen, die Sichtbarkeit und Anerkennung von Frauen in der IT Branche zu steigern und schließlich mehr Frauen für diese Berufe zu begeistern.

Fazit: Jede Frau in männerdominierten Branchen ist eine Wegbereiterin und Vorbild 

Die Frauenbeteiligung in der IT zu erhöhen, erfordert eine umfassende Herangehensweise – von der Schulbildung über die Arbeitsumgebung bis hin zur Wahrnehmung von Frauen in der Branche. Der 3-Punkte-Plan bietet dafür konkrete Ansätze. Jede Frau, die ihren Weg in einem männerdominierten Beruf geht, macht es für nachfolgende Frauen einfacher. Frauen, die bereits in der IT-Branche erfolgreich sind, können als Vorbilder dienen und junge Mädchen inspirieren. 

Nur durch gemeinsame Anstrengungen können wir eine nachhaltige Veränderung bewirken und mehr Frauen dazu ermutigen, sich für eine Karriere in der IT zu entscheiden und so die IT-Branche vielfältiger und inklusiver zu gestalten.

TippArbeiten hier keine Frauen? Nee, die sind rar!

Über die Autorin


Celine Felser ist Auszubildende Fachinformatikerin für Systemintegration bei Nextwork GmbH. Die Compliance- und Sustainability-Beratung ist auf die Entwicklung von zertifizierbaren Managementsystemen spezialisiert und arbeitet für zahlreiche Startups, Kreativagenturen sowie Unternehmen aus dem Mittelstand und für Konzerne.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

#Gastbeitrag – 5 Dinge, die CareTech-Gründer:innen VCs offen sagen sollten

#Gastbeitrag

Die Menschen werden immer älter. Dementsprechend boomt der CareTech-Markt. Für CareTech-Startups gibt es aber ein paar Hürden, von denen Investoren wissen sollten. Nicht zuletzt, weil sich daraus Chancen ergeben. Ein Gastbeitrag von Amir Humanfar.

5 Dinge, die CareTech-Gründer:innen VCs offen sagen sollten

Donnerstag, 22. Februar 2024VonTeam

Der CareTech-Markt ist riesig. Bis 2050 wird sich der Anteil der über 80-Jährigen laut einer Prognose der UN weltweit verdreifachen. Experten gehen von einem “silver tsunami” aus, der die Demographie umkrempelt. Laut der britischen Startup Community Sifted beläuft sich das europäische Marktvolumen für AgeTech auf schätzungsweise 3,7 Trillionen Euro. CareTech-Startups haben damit ein gutes Argument für die nächste Finanzierungsrunde. Dennoch gibt es einige Hürden, die die Startups gegenüber Investoren besser offen ansprechen sollten. Einerseits, um Erwartungen nicht zu enttäuschen und andererseits, um das strategische Commitment des Investors zu bekommen.

Hürde 1: Der CareTech-Markt ist fragmentiert

Ein Großteil der Menschen wird nicht zuhause alt. Die Idee, dass resolute Senioren sich den Alltag durch technische Helfer erleichtern, ist daher nur die halbe Wahrheit. In Wirklichkeit werden sehr viele Menschen in Seniorenheimen alt und sind pflegebedürftig. Entsprechend fragmentiert ist der CareTech-Markt. Neben Lösungen für zuhause, die von den Kunden direkt angeschafft werden, geht es sowohl um Lösungen für die ambulante Pflege als auch für die stationäre Pflege in Seniorenheimen und Krankenhäusern. Der Markt erfordert also eine komplexe Mischung aus B2C-, B2B- und B2B2C-Ansätzen. Für Startups ist das eine Herausforderung. Gleichzeitig ist das Potenzial für Add-ons und Weiterentwicklungen des eigenen Geschäftsmodells riesig.  

Hürde 2: Digitale Infrastruktur fehlt

In 63 Prozent aller Senioren- und Pflegeheime haben Bewohner WLAN, wie eine Studie des Datenanalysten Pflegemarkt.com zeigt. Von einem WLAN, das alle Ecken im Gebäude erreicht, können viele Einrichtungen jedoch bis dato nur träumen. Für CareTech-Anwendungen, die auf IoT-Basis funktionieren, ist das ein K.O.-Kriterium. Bevor also Sensorik und Aktorik oder Roboter und KI eingesetzt werden können, muss erst einmal eine wirklich flächendeckende digitale Infrastruktur in den Einrichtungen geschaffen werden. CareTech-Startups können hier beraten und unterstützen, die Umsetzung liegt hingegen nicht in ihrer Macht. Das bedeutet aber auch, dass die Startups mit einfachen, sehr fokussierten Use Cases punkten können. Es geht nicht um High-end-Design und großes Marketing, sondern um leicht bedienbare Lösungen, die im Pflegealltag verlässlich funktionieren.

Hürde 3: Kostenübernahmen sind unklar

Bisher ist unklar, wer die Kosten für CareTech-Anwendungen sowohl im häuslichen als auch im stationären Bereich übernimmt. Viele Pflegeeinrichtungen befürchten deshalb, auf den Kosten für CareTech sitzen zu bleiben. Die Erwartungen an den Gesetzgeber, Klarheit zu schaffen, sind groß, wurden bisher aber enttäuscht. Einige Pflegeverbände haben daher vor Kurzem einen Vorschlag gemacht: Einmalzahlungen sollen durch eine langfristige bundesweite Digitalisierungspauschale pro Pflegetag und Pflegeeinsatz ersetzt werden. Damit könnten auch CareTech-Lösungen refinanziert werden – was wiederum ein starker regulatorischer Treiber für den gesamten Markt wäre. Startups, die sich bis dahin im Markt etabliert haben, bekämen einen riesigen Schub.  

Hürde 4: Datenschutz steht über Innovation 

Die Diskussion um den Datenschutz macht auch vor dem CareTech-Markt nicht halt. Vielmehr ist die Diskussion noch einmal sensibler als in anderen Bereichen. Denn letztlich geht es darum, die Privatsphäre und Rechte von Menschen zu schützen, deren Autonomie durch Alter und Krankheit ohnehin schon erheblich eingeschränkt ist. Diese Sensibilität ist richtig, darf aber nicht dazu führen, dass technologische Lösungen, die den Alltag für pflegebedürftige Menschen und Pflegepersonal erleichtern, grundsätzlich verhindert werden. CareTech-Startups müssen auf diese Ängste und Sorgen eingehen und klare Antworten liefern, wie sie Daten zugunsten der Menschen nutzen und Datenschutz gewährleisten. Durch eine klare Positionierung beim Thema Datenschutz können sich die Startups im deutschen Markt einen Wettbewerbsvorteil gegenüber ausländischen Anbietern erarbeiten, von dem sie langfristig profitieren.

Fazit

Jeder dieser Punkte ist zunächst eine Hürde, die ein CareTech-Startup auf dem Weg zur Skalierung nehmen muss. Sollten Investoren daher lieber von einem Investment absehen? Die Antwort ist eindeutig “Nein”. Denn jede der Hürden birgt auch eine Chance, die die Start-ups nutzen können. Dafür müssen sie aber die volle Unterstützung ihrer Investoren für strategische Entscheidungen haben, die einen riesigen Markt manchmal auch etwas kleiner erscheinen lassen und die mehr Zeit brauchen als Business-Modelle in anderen Branchen. Langfristig spricht aufgrund der demographischen Entwicklung und der fortschreitenden Digitalisierung alles für ein nachhaltiges Wachstum im CareTech-Bereich. Umso mehr müssen sich Startups und Investoren darüber im Klaren sein, was ihre Erwartungen sind, und dann gemeinsam die Hürden meistern.

Über den Autor:


Amir Humanfar ist Co-Founder und CMO des Berliner CareTech-Startups HUM Systems, das die KI-basierte Sensorstation Livy Care entwickelt hat.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

#Gastbeitrag – Gründen mit wenig Startkapital – So gelingt’s

#Gastbeitrag

Ein geringes Startkapital sollte auf keinen Fall ein Hindernis sein, eine gut durchdachte Gründungsidee in die Realität umzusetzen. Schließlich kann selbst mit lediglich 200 Euro der Sprung ins Gründertum gelingen. Ein Gastbeitrag von Sven Przywarra.

Gründen mit wenig Startkapital – So gelingt’s

Freitag, 2. Februar 2024VonTeam

Ideen für Unternehmen gibt es zuhauf, doch viele kommen nicht über den Bierdeckel in der Kneipe hinaus. Die größte Hürde bei einer Gründung ist und bleibt das Kapital. Laut dem KfW-Gründungsmonitor 2022 gehört das finanzielle Risiko zu einem der Hauptargumente gegen eine Gründung. Doch ein geringes Startkapital sollte kein Hindernis sein, eine gut durchdachte Gründungsidee auch wirklich in die Realität umzusetzen. Schließlich kann selbst mit lediglich 200 Euro der Sprung ins Gründertum gelingen. 

In der Anfangsphase gute Entscheidungen treffen

Besonders die ersten Monate einer Gründung können eine Herausforderung darstellen, denn auf die Gründungswilligen prasseln massenhaft neue Informationen ein, die in Ruhe evaluiert werden müssen. Das erfordert viele Absprachen im Gründungsteam und die ein oder andere Brainstorming-Session. Denn bereits in der Anfangsphase ist es wichtig, strategisch gute Entscheidungen zu treffen, um das Unternehmen später profitabel zu gestalten. Stehen den Gründer:innen zu Beginn nur wenige Euros für die Gründung zur Verfügung, sollte das bisherige Leben auf keinen Fall stillgelegt werden. Schließlich kann eine Gründung vorerst ruhig als “Nebenjob” und somit als lehrreiche Herausforderung neben dem Studium und/oder einer anderen Arbeit angesehen werden. Das mangelnde Startkapital muss nicht immer eine Hürde sein, es ist auch durchaus ein Ansporn dafür, kreativer und strategischer zu denken. In der Brainstormingphase und der Entwicklung des ersten Prototyps lohnt es sich für die Gründungswilligen selten, Büro- oder Lagerräume anzumieten. Meistens reichen Sitzgelegenheiten in Cafés oder der örtlichen Bibliothek, um die Anfangszeit sinnvoll und sparsam zu überbrücken. Spätestens sobald der Businessplan ausgearbeitet ist, sollten Gründer:innen eine umfangreiche Recherche sowie Analyse über verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten vornehmen. Dabei ist es auch wichtig, lokale Ressourcen zu berücksichtigen. In Berlin gibt beispielsweise Berlin Partner einen Überblick über verschiedene Fördermöglichkeiten für Unternehmer. 

Mit Vollgas in die Gründung

Sind die Recherchen abgeschlossen, geht es um die konkrete Umsetzung der Unternehmensgründung mit kleinem Budget. Die meisten denken beim Wort “Unternehmen” an eine GmbH. Doch gerade, wenn nur wenig Startkapital zur Verfügung steht, weist diese Rechtsform Tücken aus: Hier liegt das Mindestkapital bei 25.000 Euro. Für alle, die sich das nicht leisten können, ist die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) eine gute Alternative. Für deren Gründung ist kein bestimmtes Grundkapital notwendig. Wichtig ist jedoch, dass sich zwei Personen zusammenschließen, die gemeinsam ein bestimmtes Ziel, zum Beispiel die Einführung eines neuen Produkts, verfolgen. Soll das neu gegründete Unternehmen später und mit den richtigen Voraussetzungen doch eine GmbH werden, kann die GbR in eine solche umgewandelt werden. Auch ist nun der richtige Zeitpunkt gekommen, sich bei Wettbewerben anzumelden. Diese sind oftmals auf die erste Zeit im Gründertum oder auf eine bestimmte Branche ausgerichtet und winken mit einem Preisgeld, das die erste Zeit als Unternehmer:in extrem erleichtert. Zudem gibt es einige Stipendien, wie das EXIST Gründungsstipendium, welches Gründungen im Technologiebereich unterstützt. Sobald die erste größere Finanzspritze eingeholt ist, lohnt es sich für die meisten Gründer:innen, aus dem “Nebenjob Gründung” eine Vollzeitstelle zu machen. Spätestens zu dieser Zeit sollten sich alle Unternehmer:innen auch mit dem Thema Netzwerken auseinandersetzen, denn ein starkes Netzwerk hilft Gründungsteams dabei, Beziehungen zu Unternehmer:innen, Industrieexpert:innen sowie potenziellen Kund:innen und Investor:innen aufzubauen. Diese Beziehungen können für den weiteren Verlauf des Unternehmens nicht nur erste Einblicke in die jeweilige Branche bieten, sondern auch durch Referenzen und Aufträge für mehr finanziellen Spielraum sorgen. Was dabei nie vergessen werden darf: Beim Netzwerken profitieren immer beide Seiten. Es geht nicht darum, sich oder sein Produkt zu verkaufen, sondern langfristige Beziehungen aufzubauen, in denen man einander unterstützt. 

Nicht (ver)zweifeln

Die Gründung mit wenig Startkapital ist mit besonderen Herausforderungen verbunden und benötigt extra viel Zeit für die Planung, Recherche und Antragstellung für finanzielle Förderungen.  Es ist also nicht verwunderlich, dass die vielen Aufgaben, die mit einer Gründung auf das Gründerteam einprasseln, erst einmal überfordern. Trotzdem ist dies kein Grund zu verzweifeln. Denn egal, ob die Gründer:innen direkt aus dem Studium kommen oder bereits einige Jahre Berufserfahrung haben – auf die Anforderungen, die mit der Gründung einhergehen, ist niemand vorbereitet. Deshalb ein besonderer Appell an alle Junggründer:innen, die wahrscheinlich das geringste Startkapital vorweisen können: Wenn ihr von eurer Gründungsidee überzeugt seid, dann wagt den Sprung ins Gründertum. Selbst, wenn es mit dem Unternehmen nicht klappen sollte, so sammelt ihr während der Zeit wertvolle Erfahrungen und erlangt Softskills, wie effizientes Zeit- und Selbstmanagement, von denen ihr in einem anderen Job stark profitieren werdet. 

Über den Autor


Sven Przywarra gründete 2017 gemeinsam mit Daniel Seidel das Erdbeobachtungsunternehmen LiveEO. LiveEO ist ein globaler Marktführer für satellitengestützte Infrastrukturüberwachungslösungen. Vor der Gründung von LiveEO initiierten Sven und Daniel NewSpaceVision, Europas größte Veranstaltungsreihe und Podcast mit dem Ziel, die Branche zu vernetzen. Bei LiveEO leiten Sven und Daniel ein Team von mehr als 100 Mitarbeitern, die daran arbeiten, die Erkenntnisse der Erdbeobachtung für Versorgungsunternehmen weltweit nutzbar zu machen. Sven wurde von Forbes als einer der 30 unter 30 in Deutschland ausgewählt. 2023 wurde er in den BITKOM Hauptvorstand gewählt.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

#Gastbeitrag – Die Magie der Krise – ein Plädoyer für Neugründungen

Ja, jetzt in der Krise. Finanzierungen für Startups sind zwar insgesamt schwieriger geworden, aber wer auf Kapitaleffizienz achtet, hat immer noch gute Chancen auf ein Seed-Investment.

Viele erfolgreiche Unternehmen werden in herausfordernden Zeiten gegründet. Wir alle kennen doch die Beispiele amerikanischer Tech-Unternehmen, die nach dem Platzen der Dotcom-Blase gegründet wurden, so wie LinkedIn (2002), Facebook (2004), Youtube (2005). Krisenjahre sind prägend und können langfristig sehr erfolgreich sein. Wir können das aus eigener Erfahrung beim High-Tech Gründerfonds bestätigen: Sieben unserer zehn besten Exits wurden in oder nach der Finanzkrise Ende der Nullerjahre gegründet. Warum sollte man also nicht die Chance ergreifen und ein Unternehmen gründen?

Ja, es ist insgesamt schwieriger geworden, eine Finanzierung zu bekommen. 80 Prozent aller europäischen Founder klagen genau darüber, heißt es etwa in der aktuellen Studie “State of European Tech” des Venture Capital-Unternehmens Atomico. Und das Beratungsunternehmen PwC, das gerade den DACH-Raum aus Venture-Capital-Sicht untersucht hat, stellt fest: Die Zahl der Transaktionen ist 2023 insgesamt um rund 40 Prozent zurückgegangen.

Aber – und das ist für alle, die jetzt ihr Unternehmen gründen wollen, die gute Nachricht: Für hervorragende Teams mit innovativen Technologien und Geschäftsmodellen gibt es noch genügend Kapital in der Gründungsphase. Laut PwC ist die mittlere Dealgröße bei Seedinvestments im Jahr 2023 sogar von 1,8 Millionen Euro (2022) auf 2 Millionen Euro gestiegen. Und während sich die Bewertungen von Startups nach dem Boomjahr 2021 insgesamt wieder dem langfristigen Mittel der letzten fünf bis zehn Jahre angenähert haben, sieht das im Seed-Bereich anders aus. Die Pre-Money-Bewertungen haben sich zwar stabilisiert. Es gab aber keine deutliche Korrektur zu den langfristigen Durchschnittswerten wie in anderen Phasen. Dies belegen nicht nur unsere Fondszahlen, sondern auch Marktteilnehmer wie Atomico.

Es könnte sich also durchaus auszahlen, jetzt zu gründen. Natürlich gilt es dabei einiges zu beachten: Wer in herausfordernden Zeiten startet, muss sein Unternehmen von Beginn an kapitaleffizient aufstellen. Investoren richten ihre Finanzierungsrunden nicht mehr hauptsächlich am Wachstum aus. Sie schauen verstärkt darauf, wann ein Unternehmen break even ist. Gründerinnen und Gründer müssen kreativer, schlanker und fokussierter agieren.

Sie müssen sicherzustellen, dass jeder investierte Euro maximale Wirkung zeigt. Sie müssen die Fähigkeit entwickeln, schneller zu iterieren, um auf Marktbedürfnisse zu reagieren. Es gilt auf Kosten zu achten, Kundenfeedback ernst zu nehmen und schnell den Product Market Fit zu finden. Vertrieb und Kundengewinnung gehören ins Zentrum der Geschäftsstrategie. Denn auch für Startups gilt: Langfristig zählt nur der Cashflow. Es ist einfacher, Kapitaleffizienz bereits in frühen Jahren zu lernen, als sich später umstellen zu müssen. Und ohne die starke Konkurrenz von High-Growth-Unternehmen kann das eigene Marketing effektiver werden sowie der Zugang zu Mitarbeitenden und guten Co-Foundern einfacher.

Die Magie der Krise ist, dass die Qualität und Resilienz der Unternehmen, die jetzt starten, höher sein kann als zuvor. Denn Krisenzeiten filtern diejenigen heraus, die wirklich bereit sind, sich dem Markt zu stellen. Sie sind ein Prüfstein für Unternehmerinnen und Unternehmer, die bereit sind, echte Probleme zu lösen und einen echten Wert zu schaffen. Und ganz nebenbei lernt man vermutlich, gute Zeiten besser zu schätzen und richtig für sich zu nutzen.

Eine gerade erst erschienene Studie des Startup-Verbandes und von startupdetector zeigt: 2023 ist die Zahl der Neugründungen im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent zurückgegangen; es waren im vergangenen Jahr insgesamt 2489 Startups, die den Mut zur Gründung hatten.

Von diesem Mut brauchen wir mehr. Denn Technologie und Unternehmertum sind und bleiben der Treiber für eine produktive und gesunde Wirtschaft. Wir brauchen Gründerinnen und Gründer, die beweisen, dass ihre Geschäftsmodelle auch in Krisenzeiten Bestand haben. Wer jetzt gründet und durchhält, wird belohnt, wenn das Klima für Anschlussrunden wieder besser wird. Und ist in ein paar Jahren beim nächsten Boom bereit für einen Exit.

Über den Autor


Tobias Schulz ist Principal beim High-Tech Gründerfonds (HTGF).

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

Este sitio web utiliza cookies para que usted tenga la mejor experiencia de usuario. Si continúa navegando está dando su consentimiento para la aceptación de las mencionadas cookies y la aceptación de nuestra política de cookies, pinche el enlace para mayor información.

ACEPTAR
Aviso de cookies