#Interview – „Timing ist alles. Gebt nicht auf“

#Interview

“Wir sind mit einer Überzeugung gestartet – und haben sie zur Realität gemacht”, sagt Lars Havighorst, Gründer von blue activity. Das Startup aus Heidelberg tritt an, um chemische Biozide in industriellen Kühlsystemen durch Mikroorganismen zu ersetzen.

„Timing ist alles. Gebt nicht auf“

Montag, 6. Juli 2026VonAlexander

Das Heidelberger CleanTech blue activity, 2021 von Lars Havighorst und Michael Simon gegründet, setzt auf die „nachhaltige Behandlung von Kühlwasser in industriellen Verdunstungskühlsystemen“. Das „Echtzeit-Monitoring-Dashboard“ des CleanTechs überwacht dabei „alle relevanten KPIs-Biofilm, Scaling, Korrosion und Füllstand“.

Wind Capital (Paris), Venture Stars (München) und Angel Invest (Berlin) investierten zuletzt 8,5 Millionen Euro in das Unternehmen, das 10 Mitarbeitende beschäftigt. Das frische Kapital soll dabei helfen, „die Produktentwicklung zu beschleunigen und die kommerziellen Aktivitäten in europäischen Industriemärkten auszubauen“. 

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründer Havighorst einmal ausführlich über den Stand der Dinge bei blue activity.

Wie würdest Du Deiner Großmutter blue activity erklären?

Große Fabriken benötigen riesige Mengen Wasser, um ihre Produktion zu kühlen. Damit dieses Wasser sauber bleibt, setzen Unternehmen traditionell auf giftige Chemikalien – die jedoch unser Wasser und die Natur schädigen. Das eigentliche Problem lösen sie dabei nicht, sondern schaffen neue: Sie belasten unsere Flüsse und Böden. Wir haben einen einzigartigen Weg gefunden, dasselbe mit winzig kleinen Mikroorganismen zu erledigen. Diese reinigen das Wasser ganz natürlich, ganz ohne gefährliche Stoffe. Das Ergebnis: Prozesse laufen effizienter – und nichts Schädliches gelangt mehr in unser Wasser.

War dies von Anfang an Euer Konzept,?

Unsere Kernvision war von Beginn an klar: chemische Biozide in industriellen Kühlsystemen durch Mikroorganismen zu ersetzen. Dieser Fokus hat uns geleitet und ist bis heute unser Antrieb. Natürlich haben wir das Produkt iterativ weiterentwickelt – aber an der grundlegenden Ausrichtung haben wir nie gezweifelt.

Wie hat sich blue activity seit der Gründung entwickelt?

Seit unserer Gründung 2021 – damals zu zweit – sind wir heute ein Team von zehn Personen. Der Umsatz ist von 60.000 Euro im ersten Jahr auf einen siebenstelligen Umsatz gewachsen, und wir konnten eine stetig steigende Kundenbasis von unserer Lösung überzeugen. Zahlen, auf die wir stolz sind – und die zeigen, dass der Markt bereit ist.

Zuletzt konntet Ihr 8,5 Millionen einsammeln. Wie seid Ihr mit Euren Investor:innen in Kontakt gekommen?

Wir haben von Anfang an aktiv das Gespräch gesucht: Investoren direkt angesprochen, die Idee klar und überzeugend präsentiert – und auf die Kraft unserer Technologie vertraut. Die Resonanz hat uns bestätigt, dass wir zur richtigen Zeit mit dem richtigen Ansatz am Markt sind.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist seit der Gründung so richtig schief gegangen?

Wir haben in einer frühen Phase das Wachstum schneller vorangetrieben, als es die Produktreife zuließ. Die notwendigen Anpassungen haben mehr Zeit in Anspruch genommen als geplant, was uns vorübergehend ausgebremst hat. Rückblickend eine wichtige Erkenntnis: Skalierung muss mit Produktreife und Teamaufbau im Einklang stehen.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht? 

Wir sind mit einer Überzeugung gestartet – und haben sie zur Realität gemacht. Dass unsere Technologie nach fünf Jahren vom VDI als zukunftsweisend anerkannt wurde, ist für uns eine besondere Bestätigung. Vor allem aber: Wir haben unseren Kunden echten Mehrwert geliefert und langfristige Partnerschaften aufgebaut.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?

Prüft eure Idee kontinuierlich und kritisch – nicht nur auf ihre technische Machbarkeit, sondern auch darauf, ob der Markt gerade bereit dafür ist. Timing ist alles. Und dann: Gebt nicht auf. Der Weg wird nicht linear sein – er verläuft in Wellen. Wer das akzeptiert und dennoch konsequent vorangeht, hat die besten Chancen.

Wo steht blue activity Startup in einem Jahr?

Wir planen, unseren Umsatz auf 3 Millionen Euro zu steigern und das Team auf 13 bis 15 Personen auszubauen. Wir stehen vor einer spannenden Wachstumsphase – mit solidem Fundament und klarem Kurs.

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Foto (oben): blue activity

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