
Das „plötzliche“ Support-Ende von Windows 10 in Kombination mit den hohen Systemanforderungen von Windows 11 könnte mittelfristig zu einem ernsthaften Problem werden. Warum? Weil unzählige Nutzer, die mit dem Release von Windows 10 im Glauben, es sei das „letzte Windows“ einen PC gekauft hatten, keine Upgrade-Möglichkeit auf eine neuere Systemversion haben. Für Privatkunden läuft der verlängerte ESU-Support nur noch bis zum 13. Oktober 2026. Danach können Millionen von Kunden ohne wichtige Sicherheitsupdates dastehen. Was dann?
Vor gut zwei Jahren hatten wir in unserem Video „Windows 10 Support-Ende: Wird es zum Problem für Microsoft?“ genau diese Frage gestellt. Dass die Situation aufgrund der aktuellen Speicherknappheit und der deshalb rasant steigenden Preise für neue Laptops und PCs noch prekärer ausfallen würde, konnten wir uns damals nicht ausmalen. Wer Windows 11 (offiziell) haben möchte, braucht allerdings einen neuen PC. Wer seine „zu alte“ Maschine nicht loswerden will, sollte zu einer Linux-Distribution wechseln.
HP bestätigt das Windows 10-Problem
Dass dieses Problem durch die ESU-Verlängerung nur verschoben und nicht behoben wurde, bezeugt momentan die neueste Aussage von HP. In einem Investor-Call im Anschluss an die jüngsten Quartalsergebnisse ließ HP-CFO Karen Parkhill eine bemerkenswerte Zahl verlauten: Rund 30 Prozent der HP-PC-Kunden nutzen noch immer Windows 10 und das Monate nachdem der offizielle Support am 14. Oktober 2025 ausgelaufen ist. Wörtlich sagte Parkhill, die verbleibenden Nutzer stellten zwar einerseits einen „Gegenwind“ dar, andererseits aber auch eine „Chance im kurzfristigen Bereich“. Mit anderen Worten: HP hofft, dass diese 30 Prozent irgendwann neue Hardware kaufen werden.
30 Prozent klingt nach einem Restbestand, aber in Anbetracht der Größe des weltweiten PC-Markt sind dies potenziell Hunderte Millionen Geräte, die entweder schon Ende dieses Jahres oder bei Unternehmenskunden bis Ende 2028 ihre Hardware ersetzen müssen, wenn sie das neueste Windows verwenden wollen. Wechseln diese Kunden nicht auf neue Hardware oder Linux, könnten diese ein bedeutendes Sicherheitsrisiko darstellen.
Genau dieses Szenario haben wir in unserem Video thematisiert: Microsoft steckt in einem strukturellen Dilemma. Einerseits will man Nutzer auf Windows 11 und neue Hardware treiben, idealerweise natürlich die neuesten Copilot PCs. Andererseits sind die Hardwareanforderungen von Windows 11 (Stichwort TPM 2.0) für Millionen älterer, aber funktionsfähiger Geräte eine unerreichbare Hürde. Wer nicht upgraden kann oder will, bleibt zurück und Microsoft muss entscheiden, wie es mit dieser Nutzermasse umgeht. Denn sie wird anscheinend nicht derart schnell kleiner, wie sich das der Konzern gewünscht hatte.
Unser Video erschien zu einer Zeit, als das Support-Ende noch weit entfernt schien. Damals war nicht klar, ob der Markt eventuell sogar schnell genug reagieren würde. Erfahrungsgemäß aus Windows XP- und Windows 7-Zeiten tritt dies jedoch selbst in günstigen Rahmenbedingungen nicht ein, selbst, wenn Hardwarepreise nicht derart ausufern wie aktuell. Seit Oktober 2025 sind Hardwarepreise allerdings hochgeschossen, was sowohl Privatkunden, als auch Unternehmen zum Warten anregen wird. Nun wissen wir von HP ganz offiziell: Der Markt hat nicht reagiert.
Für Microsoft ist das gleich aus mehreren Perspektiven unangenehm: Die ESU-Einnahmen sind endlich, aber der Imageschaden durch Windows-10-Sicherheitslücken könnte auf das gesamte Windows-Ökosystem zurückfallen. Microsoft wird sich der genauen Zahl bewusst sein, wenn man am 13. Oktober 2026 für Millionen von Kunden den Stecker zieht bei Sicherheitsupdates. NotPetya zeigte schon einst auf, dass ein nur 3 Monate ohne Sicherheitsupdates ganze Infrastrukturen anfällig machen kann und Crowdstrike bewies, dass ein solcher Fehler eines Dritten einen erheblichen Image-Schaden für Microsofts System verursachen kann. Ich persönlich sehe den Konzern unter Zugzwang.
Der erhoffte Upgradeschwung auf Windows 11 bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück, auch aufgrund Microsofts gescheiterter KI-Strategie mit den Copilot PCs.
Was jetzt?
Bis Oktober 2026 läuft der Consumer-ESU-Zeitraum aus. Danach sitzen diese Nutzer auf einem System ohne jegliche Sicherheitsupdates. HP, Microsoft und die gesamte Branche werden in den nächsten Monaten noch aggressiver auf einen Wechsel drängen.