Saugroboter gibt es mittlerweile wie Sand am Meer und die Hersteller überbieten sich monatlich mit neuen Superlativen. Wenn ein neues Flaggschiff auf den Markt kommt, schaut man als Tester oft nur noch auf Nuancen. Dreame will mit dem neuen X60 Pro Ultra Complete jedoch genau die Probleme lösen, an denen die Konkurrenz, und teils auch die eigenen Vorgängermodelle, bisher gescheitert sind: die Ecken, die Kanten und die extrem flachen Möbel.
Mit einem Preisschild von satten 1.500 Euro (UVP) (Angebot aber 1.299 Euro) haben wir es hier mit einem absoluten Premium-Gerät zu tun. Ob sich diese Investition für euer Smart Home wirklich lohnt, habe ich mir im Alltag sehr genau angeschaut. Vermutlich hätte ich so einen Robo gar nicht mehr getestet, da mittlerweile viele Unterschiede zu gering sind, um meinen Aufwand zu rechtfertigen. Doch es klang spannend: Der ausfahrbare Mopp, der auch sehr genau unter Kanten wischen soll. Mir fiel meine überstehende Küchenzeile ein, an der bisher JEDER Sauger scheiterte.
Fangen wir beim Offensichtlichen an: Die Basisstation des X60 Pro Ultra Complete ist ein ziemliches Möbelstück. Wer sich diesen Roboter zulegt, braucht entsprechend Platz in der Wohnung. Die Station beherbergt einen 4,2-Liter-Frischwassertank, einen 3-Liter-Schmutzwassertank, den Staubbeutel und einen Tank für die automatische Reinigungsmitteldosierung. Die Verarbeitung wirkt hochwertig, die schwarze Hochglanzfront ist allerdings erwartungsgemäß anfällig für Fingerabdrücke. Aber hey: Andere Stationen sind auch nicht so viel kleiner und an der Front tatsche ich eher nicht rum.
Die Station kümmert sich um die komplette Wartung des Roboters. Nach getaner Arbeit werden die Wischmopps ausgewaschen und anschließend mit Heißluft getrocknet, um Schimmelbildung und fiese Gerüche zu vermeiden. Dreame bewirbt die Moppwäsche vollmundig mit „100 Grad heißem Wasser“. Nachgemessen habe ich das nicht, der Fühltest nach dem Waschen sagte mir aber: Nee, das sind eher nicht 100 Grad. Dennoch wurden die Mopps ordentlich sauber. Müsst mal in der App schauen, da kann man einstellen, wie heiß gereinigt wird.
Auf dem Papier protzt der X60 Pro Ultra mit angegebenen 42.000 Pascal Saugkraft. Das ist aktuell einer der Spitzenwerte auf dem Markt. Aber entscheidend ist bekanntlich, was auf dem Boden passiert. Bei Hartboden und beim Teppich machte er saugtechnisch auch einen echt prima Job, da blieb eigentlich nichts liegen.
Auf Teppichen punktet das Gerät mit einem „Lift“. Er hebt nicht nur die Hauptbürste oder die Mopps an, sondern kann bei Bedarf sein gesamtes Gehäuse liften, um auf Hochflorteppichen nicht stecken zu bleiben. Apropos Teppiche: Hier lässt sich der Roboter so konfigurieren, dass er seine nassen Wischmopps vorher einfach selbstständig in der Station ablegt und nur zum Saugen ausrückt.
Kommen wir zu meinem Hauptargument für den X60 Pro Ultra: das neue Wisch- und Bürstensystem. Dreame hat dem Gerät einen ausfahrbaren Arm für die Seitenbürste und einen ausfahrbaren Arm für den rechten Wischmopp spendiert.
Im Alltag ist das ein echter Gamechanger. Wo frühere Modelle immer ein paar Zentimeter Dreck in den Zimmerecken oder an den Fußleisten liegen ließen, wischt und fegt der X60 Pro Ultra fast gnadenlos bis an die allerletzte Kante. Richtig, richtig gut. Kein Ausfegen vorab unter meiner Küchenzeile. Absoluter Gewinner mit einer kleinen Einschränkung: Die richtig derben Ecken sind halt teilweise nicht erreichbar, was natürlich an Wänden und Bebauung bei mir liegt.
Allerdings gibt es auch Schattenseiten. Die KI-gestützte Schmutzerkennung soll eigentlich stark eingetrocknete Flecken auf dem Boden erkennen, um diesen Bereich gezielt mehrmals zu schrubben. Das klappt im Alltag eher so mittel. Manchmal ignoriert er den Fleck, der Roboter fährt nur in seinem Standardmuster einmal darüber und hinterlässt noch Reste. Wer also oft klebrige Malheure auf dem Küchenboden hat, muss den Roboter über die App gezielt in die Zonenreinigung schicken oder zwei Durchgänge programmieren.
Die App? Mittlerweile kann man da echt viel justieren, was natürlich vom genutzten Robo abhängt. Von der Wasserdurchflussmenge über die Saugkraft bis hin zum Verlegemuster der Dielen lässt sich hier alles bis ins kleinste Detail einstellen.
Wer darauf keine Lust hat, drückt einfach auf den „Clean Genius“-Modus und lässt den Roboter selbst entscheiden. Die Akkuleistung ist ordentlich. Selbst bei großen Grundrissen geht ihm nicht so schnell die Puste aus, Dreame gibt bis zu 242 Minuten an, das ist aber Mumpitz. Saugen, Wischen, volle Pulle und so verkürzen das natürlich. Sollte der Akku doch mal zur Neige gehen, lädt das Gerät dank neuer Power-Schnellladetechnik in nur fünfeinhalb Minuten wieder knapp 25 Prozent Akkukapazität auf, um die restlichen Quadratmeter fix zu beenden.
Das Problem ist vielleicht, dass ultraschnelles Laden der Batterie nicht guttut. Lithium-Ionen-Akkus altern schneller, wenn sie flott vollgeladen werden, insbesondere weil dadurch mehr Wärme und chemische Belastung in den Zellen entstehen. Selbst wenn Dreame über Sicherheitssysteme verfügt, wird wiederholtes Schnellladen den Akku wahrscheinlich deutlich schneller verschleißen als normales, langsames Laden.
Für die meisten Nutzer ist diese Geschwindigkeit nicht täglich erforderlich. Viele Wohnungen sind klein genug, dass der Roboter die Reinigung auch ohne intensives Laden abschließen kann. Daher sollte Dreame schnellstmöglich eine Option für „Langsames Laden“ oder „Akkuschonung“ in die App integrieren.
Pro:
- Derbe Saugkraft: Mit 42.000 Pa tolles Saugergebnis auf Hartböden und Teppichen.
- Meine Referenz bei der Kantenreinigung
- Versenkbarer Lidar-Turm: Die Bauhöhe schrumpft auf rund 9 cm, wodurch der Roboter auch unter sehr flachen Möbeln saugen kann.
- Sehr gute Kletterfähigkeit
- Anti-Haar-Verhedderung der Bürsten klappt super (nicht mit meinen Nicht-Haaren getestet)
- Teppich-Management: Smarter „Chassis-Lift“ und die Fähigkeit, Wischmopps vor der Teppichreinigung komplett in der Station abzulegen.
Contra:
- Der Preis: Mit einer UVP von 1.500 Euro ein teurer Spaß. Achtet auf Angebote.
- Marketing-Übertreibung: Die versprochene „100-Grad-Moppwäsche“ kann ich so nicht bestätigen.
- Schmutzerkennung mit Aussetzern: Die KI erkennt hartnäckige Flecken nicht immer zuverlässig, wodurch manchmal ein zweiter manueller Durchgang nötig ist.
- Smart Home: Die Matter-Integration funktioniert zur Stunde nicht bei mir, die App zeigt keinen Code an.
Machen wir es kurz: Der Dreame X60 Pro Ultra Complete ist ein absolutes Technik-Biest und bringt für mich Funktionen mit, die echten Mehrwert bieten. Das Ultra-Extend-System für Ecken und die Kombination aus versenkbarem Lidar und der extremen Kletterfähigkeit lösen genau die Probleme, die im Alltag mit Saugrobotern am meisten nerven. Ist er perfekt? Nein. Die KI-Erkennung für Flecken und Kleinkram hat noch Luft nach oben, das 100-Grad-Wisch-Versprechen ist reines Marketing und 1.500 Euro sind eine gewaltige Ansage für einen Haushaltshelfer. Pro-Tipp: Es gibt so viele Deals mit den Kisten, da wartet man am besten ab. Oder: Einfach warten, bis da wieder demnächst ein neues Modell kommt, dann werden die „Alten“ oft verbrannt, da kann man echt ’nen Schnapp machen. Tech-Specs und was im Paket ist? Schaut es euch auf der Webseite des Herstellers an.
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